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Fulda, Samstag, dm 24. Juni 1905.

32. Zaorgmig

Mrst ^rubeykoi.

tterttt*- Wertei-

So ging der Winter vorüber. Der Schnee schmolz und die freundliche Sonne sandte ihre wärmenden Strahlen, als sicherer Vorbote des Frühlings. Sie drangen auch in das Fenster von Loni's Giebelzimmer, welche ihr Lager schon seit Wochen nicht mehr verlassen hatte. In der letzten Zeit war eine zweifache Veränderung mit ihr vorgegangen; sie hatte sich bemüht, den finstern Groll gegen Elma zu überwinden und sich mit festem Glauben auf ihr Ende vorbereitet. Hernach aber schien es besser mit ihr zu werden; sie hoffte wieder mit größerer Zuversicht auf eine mögliche Genesung und in ihrer Seele wohnte ein Frieden, wie sie ihn seit ihrer Kindheit nicht

„In dem Schlafzimmer hängt das Bild ihres Gatten," waren Truda's Worte gewesen. Sie brauchte keine Frage mehr zu tun, denn nun wußte sie alles.

Es tönte, wie das Brausen eines Sturmes an ihr Ohr, dann kam es rauschend, wie wilde Meereswogen nach dem Herzen, ihr Lust und Be­sinnung raubend, bis der geschwächte Körper dem furchtbaren Druck nachgab und zu Boden sank.

Der dumpfe Fall rief Truda herbei und mit Hilfe der jungen Aufwärterin brachte sie Loni endlich wieder zu sich und nach einiger Zeit auch wieder die Treppe hinauf. Die mitleidige Alte half ihr in ihr Bett, während sie unter dem gut­mütigen Schelten dem allzu vielen SMfitzen die Schuld an dem Unwohlsein gab.

„Sei still, mein Bübchen," tröstete sie den laut weinenden Joseph, „das geht schon wieder vor­über. Vor Nacht komme ich noch einmal herauf und bringe etwas Stärkendes mit, das ist die Hauptsache."

Von diesem Tage an schwanden Loni's Kräfte ichtlich dahin. Sie erholte sich nicht wieder.

Elma von Wenden haste den Vorfall ver­nommen und erlaubte gern, daß Truda zuweilen nach der Kranken sah und ihr Hilfe leistete. Der Anblick des Bildes und die Gewißheit, daß Erwin tot sei, hatten die arme Frau auf's ttefste er- chüttert. Dazu kam noch der ihrem Herzen oft o bittere Gedanke, Wohltaten von Elma an- nehmen zu müssen, die den Sieg über das Herz dessen davon getragen, welchen sie so geliebt hatte.

Hätte sie nicht an Joseph gedacht, der jetzt immer so bleich und still in der Fensternische ie würde alles zurückgewiesen und Gott gebeten haben, sie sterben zu lassen, wie sie gelebt — allein und unbeachtet. Sterben! War das denn wirk-

I „Sifla des russischen Volkes- hielt an Mittwoch etr e Sitzung ab, aus der man folgendes erfährt: Die neuesten Berichte aus Rußland strllru die

I innere Bewegung so dar, daß mau mit dem Ausbruch einer Revolution im großen Stile nicht mehr rechnet. 68 sei große Wahrscheinlichkeit dafür vorhanden, daß Fürst MirSky wieder als Leiter des Ministeriums des Innern be- rufe» werde und daß dieser die Reform deS ge- samten Staat-« und BerwaltungSlebrn« ernst­haft durchführen werde.

* Fürst Trnbetzkvi, Prvfeffor a« der Univerfttüt llRoSka«, ist tu Rußland eine der stärksten Stützen für die Agttation einer Volksvertretung, die dozi befttmmt ist, der in verschiedenen Klaffen der russtschen Bevölkerung

| Absicht, und heute war ihr Gang ein Unrecht —, schlich sie doch heimlich zu der alten Dienerin, um diese auszufragen, und sich nach den Familien­verhältnissen einer Dame zu erkundigen, welche sich noch gestern als ihre Wohltäterin gezeigt hatte. Ein Schauder fuhr durch ihren Körper, denn sie erinnerte sich jetzt mit großer Deutlichkeit einiger Worte, welche die Muhme kurz vor ihrem Tode gesprochen: „Loni," hatte sie gesagt, „laß ab von dem Manne, denk' nimmer an ihn. Daß Du ihn kennen lerntest, hat Dir kein Glück ge­bracht, und wenn Du ihn ja wiederfändest, würde es Dich gewiß nur um so unglücklicher machen."

Warum kam ihr nur jetzt diese vergessene Warnung in den Sinn, so deutlich, als höre sie die Stimme der Toten an ihrem Ohr. Sie fuhr mit der Hand wie abwehrend nach der Sette, dann aber erfaßte sie wieder die Neugierde mit erneuter Stärke: „Komme, was da wolle," murmelte der fest geschlossene Mund, „ich muß mehr erfahren."

Die letzte Scheu überwindend beschleunigte die Arme ihre Schritte und eilte nach der bekannten Türe. Ein kleines Dienstmädchen, welches Truda zuweilen half, öffnete und wies sie auf ihre Frage in eines der Zimmer, wo Frau Börnig mit Plätten beschäftigt sei. Loni wählte die unrechte Türe und da sie auf ihr Pochen keine Antwort erhielt, ging sie zögernd durch die eleganten Räume in das anstoßende Zimmer, aus welchem das Geräusch von Truda's Bügeleisen zu kommen schien. Bald erkannte sie jedoch, daß sie sich aber­mals geirrt hatte, und wollte schnül umwenden, als ihr Blick auf einen Gegenstand fiel — barm­herziger Gott, was war das? Sie bog den schlanken Hals weit vor, fiel in die Kniee und streckte die Arme weit nach dem Gemälde aus, das über dem Bette hing: Erwin in Lebensgröße gemalt, in derselben Schönheit und ganz so, wie sie ihn oft unter der Türe der Manfarde erblickt und jubelnd begrüßt batte.

Ausland.

* Der internationale Kongreß für Nckerbn« in den Kolonieen ist am Donners­tag in Pari- eröffnet worden. England, Deutschland, Holland, Italien und die Ver­einigten Staaten find vertreten. Der Kongreß beschloß die Bildung eines internationalen wtffen schaftlichen Aukfchuffe-, welcher die Aufgabe hat, vllr den Ackerbau und die Industrie in ben Ko­lonieen berührenden Fragen zu studieren. Ein ArbettSauLschuß, welcher in Bari- im Sommer zusomlnentreten wird, ist unter Vorfitz LapoffanS gebttdet worden.

* I« englische» Unterstanse kündigte am Donnerstag Premiermtnistkr Balfour eine Bill an, wonach der königl. Kommisston zur Untersuchung der Betrügereien b ei den Li eferungen fürdteTrup- pen in Südafrika besondere Vollmachten orr lieben werden sollen. — Die Opposition wird am 26. ds. Mts. ein TadelSvotum gegen die Regierung wegen dieser Vorkommnisse beantragen.

* DaS «ngarische Kabinett Fejervary nnd die Preffe. Fast die ganze Preffe, selbst die liberalen Zeitungen mcht ausgenommen, nehmen gegen das Kabinett Fejervary Wel­lung und bezeichnen seine Ernennung olS eine Verletzung der parlamentarischen Berfaffung Un« garnS. In den Kreisen der Mehrheit wurde «ine Bewegung eingeleitet, die Mitglieder des neuen Kabinetts gesellschaftlich zu meiden. Auch dieser sonderbare Gedanke findet seine Anhänger, und bei dem Begräbniffe des Erzherzogs Joseph am Montag wandten einige Abgeordnete, die von Fejervary anpesprochen wurden, ihm einfach den Rücken. — Unter diesen Umständen wird dem Kabrnet Fejervary schwerlich ein langer Leden beschieden sein.

* Die revolutionäre Partei i« Raß. land scheint einstweilen eine abwartende Siet' luna etnzm ehw-n. Der Ru schuß der Baftser

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verrnämorMcher M M '

UchetfÜetterrZesUkNm für die Inserate ,, , , _

»" «-»-• roodwMkme: „Illustrierte SoimtagSjeitung'

Kaiserin tu den letzten Zogen wesenitich gebessert bar. — Der Kronprinz hat nunmehr nach seiner Rückkehr »ach PoUda« feinen Dienst als Shef der »weiten «ompagnte deS 1. »arde-RegtmentS ». g. wieder an- getreten. — Reichskanzler Fürst Bülow empfing Freitag «Mag den franzüfischon Botschafter »« einer längeren Besprechung. — Die «tellenbe. setznngen für den Herbst in de, kaiserlichen Marine find soeben ergangen. Demnach tritt n. a. Vizeadmiral von Prtttwitz und Gaffron, <toef deS «reu»ergeschwa-erS, unter «nthedung von dieser Stellung zur Verfügung drS »Hof» der Marinestation der Ostsee, «ontreadwiral Br en fing, 2. Admiral de« 2. Geschwader-, ist mit der Führung der «reuige- schwaderS beauftragt; «ontreadmiral v. Holtzendorss, von der Rarinestatiou der Ostsee, ist pun 2. Admiral des 2. Geschwaders ernannt; «outreadmtral »ras v. Moltke, 2. Admiral deSKreuzergeschwaderS,tritt unter Enthebung von dieser Stellung zur Verfügung deS ShesS der Martnestation der Ostsee. — Eine Be- kanntmachuug über die Hinterlegung der Sinti, ftkattonSurkundeu ShinaS zu den auf der Haager Friedenskonferenz am 29. Juli 189» unter­zeichneten Abkommen und Erklärungen ist im .Reichs- ar geiget' verSsfeutlicht worden.

I in diesem Falle am Nachmittag des 1. Juli die Session aeschloffen werden.

** I« Sache« der Berliner Fleisch. te*et««g hat die Berliner Fleischerinnung eine Resolution gefaßt, in der der Regierung die Teuerung zur Last gelegt wird. Diese Er. klärung soll in allen Berliner Schlächterläden »um Aushang kommen. SS find Plakate vor- berettet, in denen diese Erklärung mit einer aus­führlichen Begründung dem Publikum zur Kennt­nis gebracht wird. SS wird darauf verwiesen, daß eine Berbefferung der Zustände nur durch Erleichterung der Einfuhr hrrbeigeführt werden könne. Insbesondere fei notwendig der Fortfall der Quarantäne für da« dänische Rindvieh und die Oeffnung der russtschen Grenze für Schweine. Teuer ist daS Fleisch in Berlin gegenwärtig allerdings ganz gewaltig, aber die Maßnahmen der Regierung find baffe nicht verantwortlich zu mache«.

* 3«r PersoueutarifreforM wird ge- I meldet, Minister v. Budde habe einem Redakteur der,Tägl. Rnndsch.' auf Befragen erklärt, er denke nicht daran, die bestehende« Sonntags- fahrkarten bei der Durchführung der Per- fonentarifteform zu beseitigen. Alle für bestimmte SchiffahrtSzwrcke bestehenden Vergünstigungen wie Arbeuenvocheukattei:, Sonntagsfahrkarten, Ferien­sonderzüge usw. bleiben in dem gleich«! Umfange wie bisher und in derfelben Art auch bei der erwähnten Reform bestehen. Der Minister habe fich bei den Verhandlungen bezüglich der Tarif- gemeinfchast der deutschen Eisendahrverwaftungen ausdrücklich die Beibehaltung dieser SchtffahrtS- zwecken dienenden Ausnahmen Vorbehalten.

".Mit der «efor» des sächsische« Wahlrechts will es noch immer nichts werden. Es verlautet, daß der im Oktober zusammen­tretende Landtag von der Regierung noch keine Vorlage zu erwarten habe Die Regierung habe fich mit der Prüfung der bekanntlich wett von­einander abweichenden BorfchkSge befaßt und sei zu dem vorläufigen Schluß gekommen; daß keines I der in Frage kommenden Systeme als Grundlage eines neuen sächsischen LandtagswahlrrchiS ge­eignet sei. Die, Rat. Ztg/ ist von dieser Meldung bitter enttäuscht, und verlangt von der sächfischm Regierung in der nächsten LandtagSsesston Auf- klärung. Die wird von selbst kommen.

* DaS «cd everbot für den Grafen Pückler aufgehoben! Der Minister deS Innern v. «ethmamo Hoüweg hrl nach einer jetzt verbreiteten .Bekannt- v-achun,' oeS Grafen Pückler durch eine Beifügung das Redeverbot für den Grafen aufgehoben. Bonder mm wieder erhatteneu Redefreiheit will Pückler bis zum Antritt feiner Strafe umfaffenben Gebrauch wachen, indem er in jeder Woche mindestens drei Berfamm. langen abhält. Die Einladungen für eine heute statt- stndeude Pücklerverfammlung find bereits von der Polizei beschlagnahmt worden, weil in ihnen ,znm letzten gewalti,eu Sturm gegen die Raubtiere der Gegenwart" a. f. w. aufgefotbert wind Also geht der Pückler-Rummel von neuem loS, wenn anders, waS wir noch bezweifeln, obige Meldung zutreffend ist

,*» Berlin, 28. Juni 1905. Die Kaiserin wird am kommenden Montag in Kiel emtreffen. um den Schlußfestltchkeiten der Kieler Woche deizuwohuen. ES scheint demnach, alS ob fich der GesundheilSzustand der

ich der Tod, an welchen der stechende Schmerz in ihrer Brust sie mahnte! Und wenn es ein Zeichen des nahen Endes war, was lag schließlich ^... lutL |lc daran? Ging sie doch gerne aus einer Welt, in 1 mehr gekannt hatte.

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vruck wetz Verlag Ne ™ SuldaerAelienhrmtert moBotsMiam: „Sntoaer SeschichirblStter". ‘ÄÄ*

** Ministerialdirektor Dr. Althoff hat fich dt der letzten Sitzung der ZrntralkomtteeS für daS ärztliche Fortbiftunar wesen über die MUbmieu für praktische Medizi« auSge- sprachen. Ec erklärte, die Anregung zur Gründung «euer Akademien müßte vo, den Städten oder den Akrtten anSgehen. Di- Regierung habe keine Beranlaffunz, die Neugründung von Akademien z« wünschen. Di« Erklärung ist von Jntereffe. __** Bekanntlich hatte zur Beratung der Bergarbeiterfchutznvvelle Herr v. Burgs­dorfs in dec Kommisston des Herrenhauses eine Resolution betr.ffend Schutz der Arbeitswilligen ringebracht. Wre nachträglich bekannt wird, hat der Antragsteller dieselbe während der Beratung der Kommisston zurückgezogen.

* $ie Keftstellnng der Berichte über Hie Berggesetz«»velle« sowie deS Sesetzent- wmfS, betrkffeno dos zeitweise MutungSverbot wird in der Btr^gesetzkommisfion deS Herren- Hauses am Sonnabend erfolgen. Sr find Zweifel darüber entstanden, wie die Berichterstattung über die BetrirbSzwangSnooelle werter gehand­habt werden fall, nachdem die Kommisston die Wetterberatung infolge der Erklärung des Handels Ministers, daß er kein Gewicht mehr auf die Beratuni dieser Materie lese, vertagt hatte.

** Heber die Geschäfts»,Positionen I H«S Landtags meldet em parlamentarischer Berichte; st atter, daß dar Herrenhaus die Berg­gesetze am 28. und 30. d. MtS. beraten wttd. glm 29. Juni fällt die Plenarsitzung wegen des tholifchen Feiertages aus.) Damit wäre für daS Herrenhaus das Beratung^materiol erschöpft. Das Abgeordnetenhaus, welches am 30. Juni ittfammentritt, berät an diesem Tage außer Petttionen und einiaen vom Herrenhause zurück- Sekommenen Entwürfen noch den Entwurf etressend die Gebühren derMsdiztnal- beamten. Erledigt das HauS diese Tages- ordnung, so geht letzter Entwurf an das Herren­haus, das fich am 1. Juli damit beschäftigen würde. Falls das Hrrrenhaus.P.'enmn den Be> Müssen des Abgeordnetenhauses in Betreff der Bergnooellen beitritt, brauchte da» Abgeordneten- HauS am 1. Juli nicht mehr zu tage» und würde

herrschenden Korruption ein Ende zu mache«. Vielfach hat sr z , öffentlichen Fragen Stellmeg genommen, überall hat er fich durch feinen un» erschrockenen ManneSmut Freunde gemacht. Auch jetzt war er der Sprecher der Ternstwo- Deputation, die versuchte, dem Zaren die Augen zu öffnen und ihm die Errichtung einer Volksvertretung auf das wärmste a-S Herr legte. Die Ansprache de« Fürsten Trübe tzkoi an den | Zaren zeichnete sich durch z'efbewußte WahrheitS- ! liebe und schonungslose Unerfchrrckenhftt auf: I fie machte auf den Zaren den ti-sste« E ndnrck, und hoffentlich führt fie dazu, daß endlich in Rußland einer Kufturnat on würdige Zustände eintreten.

* Vom oftnfintischei» Kriegsschauplatz. Der Londoner .Morningpost' wird aus Was- hington gemeldet, Pröfideit Roosevelt hab« fich noch einmal an den Zaren gewannt unb ihm dringend gerate», für die Zeit der F^edk«?- untethandlungen eine» Wrffrrst llstond nachz«, suchen. Eine neue große Schlacht würde sicher nur zu einer neuen russtschen Nieder­lage und wrftrrn nutzlosen Opfern an Menschen­leben führen. Ueberdier fti Jcp m bereit, unter gewiffen Bedinaunaen einen Waffenstillstand zu der sie den Kummer nach Jahren, das Glück nur nach Tagen messen konnte. Aber das Kind, das Kind. Wer würde für ihren Joseph sorgen, wenn sie nicht mehr war! In solchen Zeiten der Angst und Sorge rief Loni den Knaben zu fich und während er auf der Betttante saß, und ihre heiße Hand streichelte, redete sie leise von der Zeit seines Alleinseins, daß er gut bleiben und die Mutter in Freud' und Leid nicht vergessen sollte, — bis das laute Schluchzen des Kindes und ihr schmerz­licher Husten sie zum Aufhören zwang. >

Zuweilen kam auch Frau von Wenden, um sich selbst nach dem Befinden der Kranken zu er­kundigen. Diese Besuche waren für Loni anfangs wahrhaft peinvoll. Obschon sie die Güte der Dame erkannte, krampfte fich ihr Herz zusammen beim Anblick dieser schlanken, schwarzen Gestalt, mit dem milden Gesicht und dem goldig flimmern­den Haar. Der süße Klang dieser (stimme machte sie kränker; sie drückte den Kopf tief in die Kissen unö hätte in lautes Klagen ausbrechen mögen, je mehr ihr der Unterschied zwischen diesem fein- gebildeten Wesen mit dem Engelantlitz und ihr, der abgemagerten, armen Näherin, klarer be­wußt wurde.

SraiQ von wenden.

von Marga «rechten.

30 ----- Nachdruck verboten.

XXIV.

Der folgende Tag war ein Mittwoch, an dem Boseph nur des Morgens die Schule besuchte. Deshalb war es ihm möglich, dem Befehle -er Mutter nachzukommen und am Fenster Acht zu -eben, ob Frau von Wenden das Haus verließ.

„Du wolltest ihr ja danken, Mutter?" fragte er verwundert.

„Später Kind, später, heute bin ich nicht ganz wohl und das müßte ihr auffallen, wenn ich her­unter käme. Ich will nur Frau Börnig etwas fragen."

Der Knabe schwieg, aber er blickte die Mutter verstohlen an, und dachte, wie krank diese aussähe. Sie trug heute ihr braunes Sonntagskleid und hatte die beste Schürze vorgebunden. Und schön war fie noch immer, ganz weiß im Gesicht und fett einiger Zeit hatte sie sogar rote Backen und sich doch so krank aus; das war doch eigentlich recht sonderbar. Seufzend wandte er sich wieder dem Fenster zu, und erblickte bald darauf Frau von Wenden, welche aus der Haustüre trat. Ein Kind mit großen schwarzen Augen, das er schon •fter gesehen, ging neben ihr.

Wer Loni einige Minuten später gesehen hätte, wie sie langsam die schon halb dunkle Treppe hinabstieg, dem würde ihre große Gestatt mit dem weichen Gesicht und den glänzenden Augen fast unheimlich erschienen sein. Ihr selbst war es fo -u Mute; wie mit einer unwiderstehlichen Macht *>9 es sie nach der unteren Wohnung, und doch blieb sie oft zögernd stehen und stützte fich schwer auf das Geländer. Wie oft war sie früher unten -ewesen, aber freilich mit einer offenen, ehrlichen

Deuffdies Reich.

Berlin, de» 23. Juni 1965.

* «irre fünffache Verleihung des Pchwarzeo AblervrdeuS wttd im .Reichs- auzriger' veröffevtlicht, ueb zwar habe« die AuS- zeichn«ng erhalten der Oberstmarschall Fürst 8« Fürstenberg, Niko-

ka«S Michailowitfch von Rußland, der PrLfibent deS österreichischen Herrenhäuser Fürst «lfred zu Windischgrätz, der Fürst von Montenegro sowie der Prinz Arisugawa von Japan.