hörte das Kleidungsstück dem Manne, dessen Bild noch nach so langen Jahren ihr Herz rascher schlügen machte? War Erwin ihr vielleicht nahe? Nein, ihr Verstand sträubte sich gegen diese Annahme; wie aber kam dann die Dame unten zu dem Rock? Jedenfalls war sie eine Verwandte, vielleicht eine Kusine oder Schwägerin von ihm; eine nähere Verwandtschaft bestand gewiß nicht zwischen Beiden; denn er hatte ihwoft gesagt, daß er keine Schwester habe. Sie flüsterte: „Ich muß wissen, wie das zusammenhängt, denn gewiß hat mich Gott nicht ohne besondere Absicht dieses teure Andenken nach so langer Zeit finden lassen. Tag und Nacht würde ich kein? Ruhe mehr haben; ich mutz es wissen, koste es, was es tooK?." —- Sie sann und sann, bis ihr einfiel, daß sie durch Trudg noch am ehesten zum Ziele gelangen könnte. Die Alte war gutmütig und mitteilsam, wie wie leicht konnte eine geschickt hingeworfene Frage alles enthüllen? Hatte sie dann Erwin's Wohnort entdeckt, so wollte sie ihm nie in den Weg treten, aber vielleicht war es möglich, ihn noch einmal ganz aus der Ferne zu sehen. Dann würde sie sich wieder still zurückziehen, und das einsame, unbeachtete Dasein mutig weiter fiihren, nur für sich und ihr Kind lebend.
Ja, so mußte es gehen; sie war ohnehin schon lange nicht unten gewesen, aber sie wollte warten, bis Frau von Wenden ausgegangen sei; denn einer solchen Dame gegenüber würde sie ihre Aufregung unzweifelhaft verraten haben, und das durste nicht sein. Frau Börnig schlief in dem Zimmer ihrer Herrin, darum konnte sie auf kein ungestörtes Abendstündchen hoffen.
So saß Loni die ganze Nacht. Sie hätte der Zeit Flügel wünschen mögen, so sehr sehnte sie sich nach einer Aufklärung, welche ihr die nächsten Tage bringen mußten. Erst, als die Lampe erlosch und der Morgen dämmerte, lehnte sie den schmerzenden Kopf an die Wand und fchlief ein.
(Fortsetzung folgt.)
M .U LJ W M W b'j 'M ■ lolungtn wird entfrr, U M- WM «abatt gewährt.
vnuk und Verla, I«
SuldaerLctie-dnükr«-
MMatsdeüLse, „KMer GeschMdMer".
L Reform -er Rrankenkaffsngefttz- gebung.
Schon vor einiger Zrit tauchte die Nachricht auf, daß bie RrtchSregterurig die 8irb:t»gung «taet Vorlage auf Revision der Krankenkaffen gefetzgeouag beabfichtigr. lieber die Zeit, wann diese Absicht zur Wirklichkeit würde, routoee An
gewußt, daß all' ihr Hoffen und all' seine Liebe nur ein törichter Traum gewesen, auf den ein schmerzliches Erwachen und viele Jahre der Vergeßen- heit folgten. Ihr Geist ward verwirrt — sie wähnte sich noch immer in jener armseligen Dachkammer — man war ja wieder im November und sie fühlte, daß es ganz so kalt und dunkel im Zrm- ner sei, wie damals. Das Warten hatte ja so ange gewährt, lange, endlose Jahre, aber nun endlich war ein Zeichen von ihm gekommen — sein Bild und — sein Abschiedsbrief!
Erschreckt über das seltsame Gebühren der Mutter, hatte sich Joseph in eine entfernte Ecke ge- chlichen. Aber es wurde dunkel und «nhednkW und sie verharrte noch immer in jener Stellung. Da klang ein leises Schluchzen aus dem Winkel:
„£>, Mutter, Mutter I mich friert und ich bin so hungrig!"
Loni richtete sich auf; sie preßte dre Hand gegen die Brust und Kündete dann schweigend das Licht an. Wie im Traume, machte sie Feuer, während Joseph wie gewöhnlich das Schiis- elchen vom Sims herunternahm und die Kartoffeln zu schälen begann. Zwischendurch schielte er ängstlich nach der Mutter hinüber, welche auf i>er Ofenbank saß, die Hände in tiefem ©traten ineinander gelegt.
Bald war das einfache Abendbrot beendet, und eine Stunde später verkündeten die regelmäßigen Atemzüge des Knaben, daß er sein Lager aufge- ücht habe und fest eingeschlafen sei.
Loni empfand keine Müdigkeit, sondern stand auf, nahm das teuere Bild und den Brief und kehrte an ihren Platz zurück. Dort breitete sie alles auf ihrem Schoße aus, stützte den Kopf in beide Hände und vertiefte sich in den Anblick der
sie gerichtete Vorlage zum Scheitern zu bringe» oder ihre Verabschiedung hinauszuztehen. Die Beratung einer solchen Vorlage, die dazu noch zahlreiche innere Schwieriqketten komplizierter Art bildet, kann unserer Erachtens nur für ei*e Session inbrtracht komme», die weniger belastet ist als die kommende und die daher mehr als diese die Gewähr für «ine gedeihliche Reform bietet. DH die Reform der Krar.krngesetzzrbmig kommen muß, ist selbstverständlich.
ES handelt sich bei dieser Reform nicht um ei» Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokraten
— rin solches würden wir nicht mitmachen — sondern eS handelt sich darum Fürsorge zu treffen, daß sozialpolitische Einrichtungen politisch, neutraler Natur nicht von politischen Parteien für ihre Zwrcke auSgebrmrt werden können, wie es bet den Krankenkassen durch die Sozialdemokratie der Fall gewesen ist. Di« Reform soll kein politisches Gepräge tragen, sie soll vielmehr die Kcankenkaffrn der Politik ent- ziehen. Zustände, wie sie im vorizen Jahre in verschiedenen Städte» zu Tage getreten sind,
der Gesamtabstimmung wurde die Vorlage mit 12 Hegen 7 Stimmen angenommen. Die Beratung deS Antrages v. Burgsdorfs auf Bestrafung deS Kontraktbruches wurde vertagt, d. h. mit anderen Worten, der Antrag wird so bald nicht mehr zur Beratung komme». Die Kommission ging sodann über zur Beratung deS StilllegungSgesetzeS und beschloß im Gegensatz zu den Wünschen der Regierung, daß der Staat die Kosten für de» Betr.ebSzwang unter gewiffen Voraussetzungen an den Berg, werkibesttzer zurückzuerstatten habe. Rach Annahme dieses Antrages erklärte die StaatSregie- rung, daß sie auf die weitere Beratung der Vor« läge kein Gewicht lege; eS muß also damit ge- rechnet werden, daß dre Regierung die Vorlage zmückzieht. Sodann begann die Kommission die Beratung der lex Gamp betreffend die Mu- tungSfperre und vertagte sich rach dem Referat deS Berichterstatters und edier EinlsitmrgS- rede des HandelSministers Möller auf Donners- tag vormittag 11 Uhr. Da dre Berichte der Kommission über die Berggesetze erst frühestens am 26. Juni abends erscheinen kännen, so hat die Tagesordnung für den 27. Juni, aus welcher diese Berichte standen, umgestoßen werden müffen. ES find nunmehr Petitionsberichte auf die Tages- ordnuug gesetzt worden. Diese betreffen die Auf. drbung des Konmunalsteurrprioilegs der Beamten, Geistlichen und Lehrer, eine Petition der rheinisch- westfälischen Gefängnisgesellschaft zu Düsseldorf um gesetzliche Regelung der Fürsorge-Sinrich- ru-rgen für Wanderarme und um Abänderung des Fürsorgen zirhungkgesttzck in der Frage der Kosten für die vorläufige Unterbringung von Flttsorgrzöglisgrn durch die Polizeibehörde des letzte» Aufenthaltsortes. — In eigentümlicher Weife war die Behandlung der Bergarbeiter- fchutznovelle durch die Kommrsston des Herrenhauses in einer aus parlamentarischen Kreise» stammenden Zuschrift mottviert. ES heißt da, dH, da dis Gegnerschaft gegen die Vorlage eine prinzipftll« sei. die Kommijfio» klug daran getan habe, keine Arnderunzen vorzunehmen und die Entscheidung einfach auf Annehmen oder Ab- lehnen zu stellen. Warum haben denn di« Griner der Vorlage in der Kommtsfio» überhaupt Anträge gestellt?
* E n Ministerial-Erlaß teilt die neue Ord- nung bett, die Verhältnisse der anstellungSfähtgen Kandidaten für das Lehrmrert an höheren Schule» mit. Dies« haben die Wahl, ob fie sichln die Liste eines Provinzial-SchullkollegiumS eintragen und damit in den öffentlichen Schul- ttenst treten wollen, oder ob fie es vorziehen, fich außerhalb des Schuldienstes zu beschäftigen. Zugleich mit der Eintragung in die Liste find die Kandidaten zu vereidigen und dann einer höheren Lehranstalt zur unentgeltlichen Beschäftigung zu überweisen. Bei der Auswahl dieser Anstalten ist auf die Wünsche der Kandidaten möglichst Rücksicht zu nehmen. Beurlaubungen zur Beschäftigung außerhalb des höheren Schuldienstes finden nur für eine beschränkte Zeit statt, keines-
Deutsches Kelch.
Berli», den 22 Joni 1906
* Die Wiedrrei»ber«f«ng des Reichs- tsges. Schon mehrfach wurde gemeldet, daß der Reichstag schon Mitte oder Ende Oktober ein'oerufen würde. Als erste Vorlage sollte dann die Reichs-Finanzreform dem Hause vor»
gaben nicht gemacht. Jetzt meldet die ,Neue Pol. Korr/, daß die Vorlage bereits in der nächsten Tagung des Reichstags zu ex« «arten sei. AlS Voraussetzung dafürmacht fe geltend, daß zuvor und zwrr noch in dieser Dagung feie preußische Bergarbriierschutznooelle prr Verabschiedung gelange.
Das.Berliner Tageblatt' greift diese Nach
richt onf, am auch hier Vorwürfe sowohl . _
«ege» dre Regierug, wie gegen daS preußische in verschiedenen Städte» zu Tage Herrenhaus zu grü-den. Ersterer wirst sie find auf die Dauer nicht haltbar, vor, daß st- gegen Barzahlung reaktionär fei, letzteren, daß es die Bergarbeiierschvtznovrlle nicht »sch f-rier politischer Urberzeugung anzu- nehm?.u im Begriffe sei, sondern nur som Standpunkte des manas lavat manum So
Ja verspätet, das war das richtige Wort. — Nach Jahren war dieser Brief an seine Adresse gelangt, um einen Sturm von wehmütig schmerzlichen Gefühlen in der Seele der armen Frau heraufzubeschwören, um eine längst geschlossene Wunde aufzureißen. Sie legte die Arme auf den Tisch und den Kopf darauf. Dann vergegcn- wärttgte sie sich jene längst vergangene Zeit, in der das Kommen des so heiß geliebten Mannes ihr Glück, ihr Sonnenlicht gewesen! — Aber, ach.
falls unter dem Vorbehalt, daß die UrlaubSzeil auf die penfiortSfähige Dienstzeit nicht angerechnet wird. Die Aneienniiät rechnet vom Tag« der Vereidigung, desgleichen auch die penfione fähige Dienstzeit. Die Zeit, während welcher Kandi- baten aus dem höheren Schuldienste ausgeschiedeu waren, bleibt jedoch außer Ansatz. Die in die Listen eingetragenen Kandidaten find unmittelbare Staatsbeamte».
§ «egen die drohende Vertenernng deS Meisen- hat eine Breslauer Volksversammlung folgende R'solutio» an de» Eisen- bahnminster gerichtet: Die im Breslauer Konzert- Hause versammelte» Vertreter aller Stände und Berufskiaffen der Breslauer Bürgerschaft oer- kennen nicht, daß bei der Reform des Gsenbahn- pttsonentarifs, so wie fir nach de» in die O-ffent- lichkeit gelangte» und unwidersprochen gebliebene» Nachrichten grplart ist, die Verbilligung der einfachen Fahrkarten einen Fortschritt bedeutet, erblicken aber andererseits in ihr eine Schädigung des Berkthrswesins und damit der gesamte» wirtschaftlichen und gesundheitlichen Jürereffen des Volkes. Diese Gestchr bedroht nicht minder die GrschästSwelt wie alle dirjenigen, die durch aufreibende Berufsarbeit, durch E krankurig oder durch irgend welche andere» persönlichen Verhüll- niffe darauf angewiesen find, die Eisenbahn zu benutze». Für alle diese würde die geplante Reform durch die allgemein« Einführung der Bchnellzugszuschläge und der Gepäck fruchten eine wesentliche Verteuerung und damit E-fhwerung bei Reffen- bedeuten. Euer Exzrllerz bitten wir daher auf Grund einmütigen Beschlüsse-, bei der geplanten Reform folgenden, von ben weiteste« Kreisen deS Volles gehegten Wünsche Rechnung tragen zu wollen: 1) Verminderung allzrs einer Schnell;ugkzuschläge, 2) für htn Fast der Auf. Hebung veS Frei-epäck-! niedrigere GkpLckrarife, 3) Beibehaltung aller bestehenden Bergünstigunger, wie Sonntagsfahrkarten, Ferienzüge uns dgl.
* AnS Dentfch Tüdweftafrir«. «in amiliches Telegramm aus Windhuk meldet: von Trotha, Leutnant b. R im Infanterie» regiment Nr. 131, Patrouillevgeftcht südwestlich der kleinen Karrasberge bei Ka«nibeS am 14. Juni gefallen. Reiter Johan» Al- bang, geboren 13 November 1883 zu Sulzbach, ftüher Pionierbaralllan Nr. 16, am 16. Juni im Lazarett an der Läd^ritzbirchr an Herzschwäche nach Typhus gestorben. Reiter JosephKocke, geboren 15. November 1881 zu Lehn-Langenau, früher Husarenregirnent Nr. 10, am 13 Juni in Pirnolei gestorben (Todesursache noch nicht aemeldet). Vizewachtmeister d. R Freiherr von Khaynach, geboren 24. Sept. 1878 zu Hamm i. SB., früher Dragonerregimevt Nr. 19, hat sich am 14. Juni beim Entladen seiner Ptstoie aus Unvorsichtigkeit durch die Brust geschossen und ist bald darauf gestorben. Reiter Karl Jakoby, geboren am 16. Juli 1882 zu Neumühl, frühe« Infanterie-Regiment 9h. 160, wurde feit dem 10. Mai vermißt; seine Lerche wurde am 11. Juni bei Holovg gefunden; nä-
gelegt werden, die b:s dahin fertiggestellt sein muß und den Reichstag bis zum Beginn der Werhnachtsftrien beschäftigen soll. AuS wohl- informierter Quells wrrd der,D. Warte' hierzu mitgeteilt, daß diese Meldung zum mindesten den Tatsachen voraus eilt. Es besteht bei den verbündete» Regierungen allerdings die Absicht, die Reichs-Finanzreform mit den damit verbundenen Steuerplänen möglichst zu Beginn der neuen Reichstags. Tagung einzubringen. Die R-form, welche bis jetzt noch nicht in bestimmter Form vorliegt, muh aber erst von den zuständigen Iw stanzen durchberaten werden, was, dem Anschein f nach zu urteilen, roch geraume Zeit im Herbst in Anspruch nehmen wird. Da fich der Termin der Fertigstellung der Vorlage jetzt noch nicht bestimmen läßt, so kann man dementsprechend gegenwärtig auch keinen Zeitpunkt für den Beginn der Reichstags Verhandlungen Voraussagen. Es erscheint daher sehr wohl möglich, daß dieselben erst im November beginnen werden, da die hauptsächlichsten Aufgaben der Sesfion erst nach Durchberatung der Reichs-Finanzreform ttkbigt werden sollen.
** Die Bergarbeiterschutzuovelle ist von orr Kommission deS Herrenhauses am Mittwoch unfer Ablehnung sämtlicher Ad- j änderrmgscmtrSge noch ben A-schlüffrn der Kommission unverändert angenommen worden. Bei und diesen Brief erst einige Stunden nach meinem Weggange lesen. Dann erst können Sie das Wort verstehen, das auf dem Deckel des Medaillons ein- graviert ist. Ja, vergeben Sie mir, Loni, ich habe mich geirrt; ich fühle, daß ich die Hoffnungen, welche Sie hegen, nicht erfüllen kann. Ich handelte unbedacht, ich glaubte wirklich längere Zeit, Sie genug zu lieben, um Ihnen ein treuer Lebens- geführte zu werden. Da plötzlich rief mich eine Nachricht nach meiner Heimat und bei der Rückkehr hielten mich andere Pflichten, die Sorge um ein teures Menschenleben, von Ihnen fern. In jenen Tagen wurde es mir klar, daß ich mich getäuscht hatte, und daß es ein Unrecht sein würde, ohne tiefere Neigung Ihr Dasein an das meine zu ketten. Darum noch einmal, vergeben Sie mir, wenn ich Ihnen durch mein offenes, aber leider nun verspätetes Geständnis —, daß es nur Teilnahme und Freundschaft war, was ich für Sie fühlle —, Schmerz verursache. Gestatten Sie mir an Ihrem fernem Geschick Anteil zu nehmen und vor allem für den kleinen Joseph zu sorgen. Um Ihres Kindes willen weisen Sie die Hilfe eines treuen Freundes nicht zurück. Ich darf Sie wohl nicht Wiedersehen, aber ich werde Sie und den Knaben nicht vergessen, sondern mit großer Achtung und Teilnahme mich Ihrer erinnern, und durch die Hand eines vertrauten edlen Mannes Ihre Sorge zu lindern versuchen. Leben Sie wohl, gute Loni, und gedenken Sie meiner ohne Bitterkeit! Erwin."
geliebten Züge, während ihre von den feltfamften Vorstellungen erhitzte Phantasie vergebens nach Klarheit rang. Namentlich ein Gedanke peinigte . ......... -----, sie: Hatte eine fremde Hand das einst offenbar für
es zählte nur nach Wochen, dann hatte fie plötzlich I sie bestimmte Päckchen in den Rock gelegt ober ge-
auffallend daS Verhalten der Kommission des Herrenhauses in der Behandlung her genannt er, Novelle fich auch von Ser ersten P esarverhand- lung »hhibeu mag, ebenso töricht erscheint uns bie Annehm?, daß daS Herrenhaus aus R?ck ficht Ws dis Riform brr KraNkenkaffengesetz- gebnng ein Gffetz anuehmen würd-, gegen das eS Brakes grundsätzlicher Art hält«. Zar Entschuldigung des ,Berl. Tgdl' mag es dienen, baß d e Faffuig der Notiz srr,N. Pol. Korr.' äußerst ungeschickt ist, i d-m fie bie Fragen -milriEder verquickt.
Aber auch ans andern Gründen scheint uns sie M-l?ang drr genanntes! Ko respondr»z u»^ zutref fenv zu sein. So wün'chrnswrri rS an sich wäre, bas Mißständen, bie sich auf dem Gebiete der Krankenkassen in Hinficht auf die Beherrschung derselben durch dir Sozialdemokratie ergeben haben, ein Ende gesetzt werde, so ungeeignet erscheint unS dafür die Wahl der nächsten Session. Mit Rücksicht auf dir wichtigen in ihr zu erwartenden Vorlagen, ist ihr Begin» ja schov um zwei Mmake früher angesetzt worden. Würde man fie auch noch mit der Reform der Ktankenkaffengesetzgfbung belasten, so würde fich ro *)er der Mißstand her- ausbildm. daß die Arbeitskraft des Reichstags pleichzetrig auf eine Reihe von Ersetz-1 geberischen Materien verteilt, und oa nicht alle Sirr Verabschiedung kommen würdet-, zu« Teil zersplitterr würde.
Z-ve stllo« würbe d e Reform der Kranken- kaffengesktzgedung zu einem heiß umstrittenen Kampfobjekt »erben, da die Sozialdemokratie alle Hrdel m Biwegunq sttzrn würde, bie argen | -tn————i
8ra»; vos wende».
Äseefle ss« Marga Arechte».
29 --— Itschdluü vWhkttnu
„Wie mich das freut," sagte die Frau, legte ihre Arbeit aus der Hand und prüfte bedächttg das feine Tuch und die Länge des Kleidungsstücks; „gleich morgen will ich der guten Dame danken und ihn dann zerfchneiden. Aber in der Tasche finde ich nichts; vielleicht hast Du's auf der Treppe verloren. Doch ganz da unten liegt Dein Geschenk, sieh einmal, wie hübsch, mit einem neuen Taler darin!" Und hier ist noch etwas," jubelte Joseph, der unterdessen die anderen Taschen gründlich untersucht hatte; „das ist gewiß für Dich, Mutter." Er brachte ein in ein vergilbtes Papier eingewickeltes Päckchen hervor, das sonderbarerweise I ihre eigene Adresse trug. Ob Wohl Frau von Wenden dies für sie beigefügt hatte? Aber nein, das Papier war zu alt und die Worte: „An Loni" — rührten von einer Männerhand her. Als der Umschlag auseinanderfiel, rollte ein einfaches schwarzes Medaillon, das in einem Briefe gelegen, in Loni's Schoß. Sie kannte die Handschrift nicht und legte diesen einstweilen hin, um erst das Medaillon zu öffnen. Als sie einen Blick hinem- getoorfen, stieß sie einen so lauten Schrei aus, da» Joseph erschrocken herbeieilte. Es war ja wrn Bild, das ihr da in feinen, lebensfrischen Farben entgegenschaute. Erwin's schönes, in- «restantes Gesicht, ganz so, wie er noch in stillen Stunden vor ihrem geistigen Auge stand. Auch >te längste Zett hatte ine Erinnerung an die wenigen Wochen des Glückes nicht zu verwischen vermocht. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt, piff sie nach dem Briefe und las mit klopfendem Herzen.
„Frankfurt, den 2. Okt. 188 . Gute Loni! »ch weiß, Sie werden meine Bitte erfüllt haben I