32. Jahrgang.
Fulda, Mittwoch, dm 21. Juni 1905.
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im Interesse b-r Bergarbeiter zu beklagen gewesen, sondem auch in Hinsicht aus die umfangreiche Arbeit, bie da- andere Haus bereif 8 auf die Vorlage verwendet bat. Gelangt die Vorlage in befriedigendem Sinne zur Berab- chiedung, so muß da- allseitig mir Genug- uung empfunden werden. Für die nächste »arlameutarische Kampagne, die wichüge Gesetze dringen wird, kann da- nur von Vorteil fein, wenn glatte Bahn geschaffen ist.
Wege» des hl. Kr»»leich»a»Sfeftes wird die nächste Nummer unserer Zeitung erst um Kreit», »usgegebe».
XXIII.
Als die Tage kürzer wurden und die ftadjt» fröste sich einzustellen begannen, da befand st» Elma von Wenden wieder daheim.
Es war keine frohe Heimkehr gewesen, denn ihre feste Hoffnung, in jenem fernen Lande rrgen» welchen Ausschluß über ihres Gatten Aufenthalt zu bekommen, hatte sich als nichtig erwiesen. In ihr einst weiches heiteres Gemüt war eine Bitterkeit eingezogen, welches sie alles Interesse am Leben verlieren liest. Nun kannte sie kernen Zwock, kein bestimmtes Ziel mehr, das sie erstreben konnte, und die Tage verstrichen wieder einer tote der andere, trübe und eintönig. .
Vergebens versuchten wohlmeinende Freunde die noch immer jugendliche, interessante Frau m ihren heitern Kreis zu ziehen; sie vlreb am liebste«
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Zeit geworden, seit die gnädige Frau fort ist. Zuerst hab' ich gescheuert, geklopft und gebürstet; aber das war auch fchliestlich getan, und nachher, da hätt' ich's noch 10 Mal selbst schmutzig machen und wieder putzen können, so langsam vergingen die paar Monate. Gestern aber hat die gnädige Frau geschrieben, daß ich sie in acht Tagen er- warten soll. Sie wird sich freuen, wenn rch ihr sage, datz ich eine so gute Freundin gefunden habe! Hoffentlich hat ihr die Reise gut getan; sie sah gar schmächtig aus in der letzten Zett, und alle Tage wurde sie bleicher und trauriger. Isis übrigens auch kein Wunder!"
„So ist Ihr Herr schon lange tot, Frau Börnig?"
„Schon zwei Jahre," antwortete die Alte.
Ob wohl die nahe Hitze des Feuers ihr runze- liches Gesicht so rot erscheinen lieh? Ste legte ihr Strickzeug in den Schoß und fuhr fort: „Noc immer betrauert ihn die gnädige Frau, als ob er erst kürzlich gestörben wäre. Sein lebensgroßes Bild hängt in ihrem Schlafzimmer. Es ist recht schade um sie; sie war immer eine so liebe, herzgute Dame. Wenn ich noch daran denke, aber rch mutz wohl mit Erzählen aufhören, denn Sie ,st gewitz müde, liebe Frau?" ,
Die Angeredete verneinte, und versicherte, noch etwas bleiben zu können. ~ „
„Nun denn noch ein halb' Stündchen, nickte Truda. „Aber es wird mich recht kranken, wenn Sie das Stückchen Kuchen liegen laßt. Nehmen Sie's nur, ich leg' auch eins fürbel Seite. Bei Professors, das find nämlich gut- Bekannte der gnädigen Frau, war g^erni GebMS- tag und da hat mir das kleine Fraubern Rrka heut' morgen von dem Kuchen gebracht. Es wurde mir über die Einsamkeit hinweghelfen und bte trüben Gedanken vertreiben," meinte das hebe Kind. Wie gut, daß ich doch meinem Besuch etwas vorzusetzen habe. Gelt, nun schmeckt's?"
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• Die BetgatbettetfMeoetle im Herreichmr.
Während noch vor wenigen Tagen in der Preffe der nicht unberechtigte Zweifel laut wurde, ob ei der Kommission sei Herrenhauses gelingen werde, bis zum Zusammentritt deS Plenums die Beratung der drei wichtigen Berg- gefetze zu Ende zu führen, darf diese Frage wohl schon jetzt in bejahendem Sinne beant- «ortet «erden.
Wider aller Erwarten vollzieht fich die Beratung - - wenigstens für den draußen stehenden Beobachter — ziemlich glatt. Hebet den Sang der Diskussion, übet die Stellung von Anträgen n. f. w. bringen Einzelheiten nicht in die Oeffrntlichkeit. Da bei anderem gesetzgeberischen Material in den Rommifftonen deS Herrenhauses eine solche Geheimhaltung nicht beobachtet wird, darf man annehmen, daß den Mitgliedern der Kommiffton bieimol Verschwiegenheit besonders zur Pflicht gemacht worben ist, soweit bie Einzelheiten bet Beratung in Frage kommen.
Die allgemeine Besprichang der Bergarbeiter- schutznooelle hat nur eine verhältnismäßig kurze Zett in Anspruch genommen. Sowett wir unterrichtet finb, ließ ihr Verlauf erkennen, daß ein günstiges Ergebnis zu erwarten ist. TS scheint nicht, daß die Fassung des Abgeordnetenhaus rS ht den grundlegenden Fragen eine wesentliche lenberung erfahren wird. Daß an den Be- Kimmungen über da- Wag en nullen etwas geändert werde, war von vornherein nicht zu erwarten. Anders stand eS aber mit den Arbeiterausschüssen. Diese bildeten gerade fät bie Konservativen ein Stein des Anstöße-, aber auch hier hat die Kommission sämtliche Bestimmungen über die ArbeiterauSschüffe in der Fassung deS Abgeordnetenhauses angenommen. MeseS Resultat ist freudig zu begrüßen, well gerade die Arbeiterausschüsse neben der Frage der Arbeitszeit den Schwerpunkt der Vorlage hüben. Hebet die Bestimmungen betreffend bie Arbeitszeit haben noch keine Abstimmungen stitttgefanden; man ist zwar in bte allgemeine Besprechung über ste am Dienstag eingetreten, Hai dieselbe aber noch nicht beendet.
Bei dem guten Willen, der fich bisher in der Kommission bekundet hat, darf man wohl die Erwartung hegen, daß auch die fernere Beratung einen so erfreulichen Verlauf nehmen wirb und die Vorlage zur Verabschiedung gelangt. SS wäre daS Scheitern der Vorlage nicht nur vom allgemein politischen Standpunkt und
züge, sowie der Fortfall des Reisegepäcks müffe »eihalb bekämpft werden. Nach seinen statt- iisqen Feststellungen könne die Bahn viel »illiger fahren, und man solle deshalb verlangen, daß wenigstens daS Gepäck in derselben Weise wie bisher nicht berechnet werde. In der DtS- kusfion wurden die Ausführungen deS Referemen nach mancher Richtung hin ergänzt. SS wurde allgemein als zweckmäßig hingestellt, daß Schnellzüge mindestens 80 Kilometer in der Stunde obren und daß die Züge, für bie man einen >5&eten Fahrpreis verlangt, bei Lage Speise- wagen, bei Nacht Schlafwagen führen.
♦ Wie man dem .Breslauer General - Anz/ von gut informierter Seite mitteilt, finden zur Zett zur Frage deS »oximul ■ Arbeitstages für weibliche Arbeiter, bie in der Novelle ur Gewerbeordnung gelöst werden soll, Ver- ianb( ungen mit dem Auslande statt. Der Erlaß diesbezüglicher gesetzlicher »estim- mungen soll möglichst in Uebereinftim- mung mit den in anderen Staaten Herr« chenden oder demnächst einzuführenden Borschrif- en gebracht werden. Dies muß mtt Rücksicht auf die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Industrie am Auslandsmärkte geschehen. ES ist anzuneh- wen, daß die Novelle zur Gewerbeordnung tm Laufe der kommenden Winters an den Reichstag gelangt.
* Die ArbeiteraaSschüsie in der Berg- «beiterschutzn»volle find am Dienstag von der Kommssfion des Herrenhauses unverändert in bet Fassung deS Abgeordnetenhauses angenommen worden. Damit hat die Kommisfion die Beratung des Art. 1 beendet. Die.allgemeine Be- ivrechung über Art. 1 («tbettSzei») wurde cm Dienstag noch nicht beendet. Morgen Fortsetzung _
Lage, daS heißt mtt M a r o k k o. MMisterprästdent touvkr legte den äugen blick tchen Stand der Verhandlungen mit Deutschland d« und machte Angadtn darüber, in welcher Wesse dieselben durch einen Austausch von Noten ihre« ! rottgang mH men, bie dazu bestimmt seien, über >ie bereits in vorausgeaangenen Besprechungen ins Auge gefaßten Punkte genauere Feststellung i’i treffen. _
* 3» der italienisch!« Deputierte»- Ummer e kiarte am Montag bei £>et Beratung einer von Rom uff t vorgeleqtrn, von 400000 Italienern unterzeichneten Petition, in welcher die Regierung aufgefo drrt wirb, die Jnmatwe zu einer Vermittelung zwischen land und Japan zu "greisen, d« Minister- prästbent FortiS, di; Regierung habe zwar nicht die Initiative zur Herbeifahrung deS irtebenS zÄschen Rvß and und Japan ergriffen, habe eS fich aber angelegen fern lassen, hre Bestrebungen darauf zu richten, daß das Ziel der Wünsche aller Italiener erreicht werde. DaS Haus beschloß barm, bie Petition dem Ministerium des Beugern zu überweifen.
♦ In Rußland soll dem .Warschauer Dnewntt' zufolge mtt der Verfassungsreform eine Kalenderrefvrm Hand in Hand gehen. Der Julianische Kalender soll abge- schafft und die Datierung nach altem TM durch die westeuropäische ersetzt werden. Die Anregung geht vorn Finanzministerium aus, verschiedene akademische Körperschaften hüben ich für diese Annäherung Rußlands an die Ütticen europässchen Staaten ausgesprochen. Zurzeit unterliegt die Frage der Begutachtung ourch die Kirchenbehörden. — Montag nachts wurden in Stverkaj-r, zwei Stunden von Petersburg, zwei wichtige Mitglieder der Kampfesorganisation verhaftet. In ihren Landwohnung n in Sioeretaza fand man ccht fettige und über unfertige
Born den vor. Die Revolutionäre hatten in den umliegenden Wäldern zahlreiche Experimente in bezug aus dis Explosi kraft der Bsmbrn an« g-fiellt und einen Ansch ag gegen einen hohen Petersburger Beamten voibereitet.
* Zu den rnsfisch japamischen Südens- verhandlnngen. Der irpaursche Gesandte Takahira setzte Präsident Roosevelt davon in Kenntnis, daß es den japanischen BevoS- mächtigien möglich sei, in Washington biS zum 1. August einzutresfen; falls es für Rußland annehmbar sei, könne bie Konferenz um diese Zett zusammentreten. Der russische Bot- schüfter Graf Cassini sprach im Weißen Hause vor und äußerte später, die V-rhandlungen nähmen ihren ungestörten Fortgang.
Deutsches Reich.
Berlin, den 20. Juni 1906.
* dmen bewirtentmerten sozialen Erlaß hat der Minister der öffemlichen Arb-iten Bubse an die Sisenbahndirekttonen gerichtet. Der Erlaß betrifft die Einsetzuna ttneS Ausschusses zur »prtbild»«« der WohlfahrtseiurichMugen und lautet: ^Wiederholt habe ich darauf hmge- wiesen, daß die Fürsorge für daS Wohl ihrer Bedttnsteten zu den vornehmsten Aufgaben der königlichen Essenbahndirektionen zu rechnen ist. Hm die für die Wohlfahrt derSisendahnbediensteten getroffenen Einrichtunzen immer mehr zu ver- vollkommnen und di« Anregungen, welche auf dief'M Gebiete gegeben werden, einer sachgemäßen Prüfung zu unterziehen, berufe ich einen Ausschuß, bestehend auS dm köaiglichm Elsenbahn birettionen in Berlin, Kassel, Köln, Danz g, Erfurt, KaUowitz und Mainz, deffen Leitung ich der königlichen Sisenbahnbirektton in Berlin übertrage. Abgesehen von der allgemeinen Fortbildung sämt- kicher WohlfahrlSeinrichtungm, wttd bet AaS- schuß seine Täligkett hauptsächlich auf die An- gelegenhetten ber Pensisns- und Krankenkaffm, der UnfaDfürforge und Unfalloerhütunz, bei Wohnungswesens, ber Fürsorge für die Gesund- hrit und bas Wohlbefinden der Bediensteten der Eisendahnveretne und ihrer WohlfahrtSeinrick langen zu erstreck« haben unb zu diesem Zwecke je nach oem Umfange des vorttegenden ArbettSstoffeS, in ber Regel aber nicht öfter als halojälrrlich einmal, zusammen treten. Ich behalte mir vor, in geeigneten Fällen den Ausschuß zu hören, unb empfehle ben königlichen Eisenbahndirektionen, vor der Entscheidung wichtiger Fragen unb vor Einführung wesentlicher R'mrungen dieAeußerung beS Ausschusses ei« zuholen. Bon ber Anberaumung von AuSschußsttzungen ist mtt unter Mitteilung bet Tagesordnung rechtzeitig Kenntnis zu geben, ba ich mit vorbehalte, in geeigneten Fällen Kommissare zur Teilnahme an den Dcr- hanblungen zu ent enden. Ebenso ftib mir alle Niederschriften Über stattgehable AuSschußsttzungen emzureichen."
Wegen der Reform der Persone« tetife wird der Verein Berliner Kaust uh und Industrieller eine Eingabe an daS Eisenbahn- Ministerium machen. Der bekannte Sachverständige Professor Engel wansie fich in der vorbereitenden Versammlung insbesondere gegen die „Reform", weil ste eine wesentliche Vrr- teaeruni des Reisens darstell». Die höhere Bewertung unb andere Klassifizierung bet Schnell- Tast nach etwas sehnen, was man nicht erreichen kann, ist hart. . .
„Und doch ist so ein Kind em rechter Trost, liebe Frau Lehrbach. Die gnädige Herrschaft hier unten hatte alles, was das Leben angenehm machte. Sie waren beide jung, schön und reich; aber sie hatten kein Kind, und da war's mir immer, als ob sie in ihrem Herzen den Kinder- jnbel recht sehr vermißten. Nachher erst, als meine Herrin Witwe wurde, war sie ganz einsam und entbehrte so ein kleines Wesen gewiß doppell, wenn sie sich auch nichts anmerken ließ. Darum betrüben sie fich nicht, Liebe, vielleicht sind's nur Kinderideen, vielleicht aber ist's auch ein Trieb, den der liebe Gott in des Knaben Herz gelegt, und dann wird er auch dazu helfen, und gute Menschen gibt's auch noch auf der Welt. Was, die Kundschaft angeht, so wttl ich mich da auch ein wenig bemühen, und da kann's nicht schien, datz Sie bald mehr Arbett bekommt, als Sie über- nehmen kann. Die Sttatze tut überdies auch viel dazu. In der Ostendstratze wohnen manche vornehme Leute, da will ich denn ein gutes Wort für Sie einlegen, und wenn meine Dame toieber- kommt, lätzt sie gewitz alles bei Ihr machen, denn fie hat ein gar gutes Herz. Wer weiß, ob nicht des Kleinen Träume in ErMung gehen."
Die ftemde Frau reichte der Alten ihre beiden Hände und dantte für ihre warme Teilnahme.
„Ach was," wehrte die treuherzige Truda, „eine Freude ist der andern wert. Hab' ich doch nun jemanden, mit dem ich ein vernünftiges «Bot: plaudern kann, denn die modischen Dienstmad- chen hier im Hause mit ihren gestickten, weißen Latzschürzchen beachte ich gar nicht. Weiß Gott, da müßt' ich am Ende „„Fräulein"" sagen und Vifitenkarten wechseln; na, dafür dank ich. Aber, wir zwei werden zufammenpaffen; das sah ich schon, denn die alte Börnig hat auch Menschenkenntnis. Du lieber Gott, tote lang ist mir die
Franz von wenden.
Novelle von Marga Brechten.
28 ------ (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung ans de« zweiten Blatt)
„Ich auch," sagte die blasse Frau und rückte näher «m's Feuer. „Ich freue mich so über bie freundliche Lage und die grünen Bäume, bte ich im Sommer von meinem Fenster aus sehen tarnt. Bis jetzt wohnte ich mtt einer lieben Verwandten in der B.-Vorstadt. Bor vier Wochen starb bte Muhme, und da fand ich uun gerade dies hübsche Logis für uns. Mein kleiner Joseph ist so erfreut über die neue Wohnung; er half alles auf- stellen, fegte und putzte und ist nun vor lauter Müdigkeit fest ckngeschlafen, obschon es da oben girecklich stürmt und der Regen an das Fenster cttscht. Der Kleine geht in die Friedbergerschule; in den freien Stunden ist er mir im Haushalt behülflich und tragt die fertige Arbeit zu den Kunden. Und brav ist er immer und so gutherzig unb besorgt; nur eins hat er an fich, was mir manchmal schwere Sorge macht. Er will nämlich immer höher in seinem Sinn, mehr lernen, um mehr werden zu können, als ich mit meinen geringen Mitteln gestatten kann. Ich weiß nicht, von wem et das hohe Streben hat, von mir gewiß nicht. Tagelang lernt et ganz fleißig, um bann mit einem Male Büchet und Tafel in die Ecke zu werfen. Dann sagt et allemal: „„Ach, Mutter, wozu nutzt das, wenn ich doch nie studieren soll- Schicke mich in eine höhere Schule und ich will Tag und Nacht lernen."" Wenn ich dann betrübt aussehe, tut ihm fein Benehmen wieder leib, unb er nimmt die alten Bücher seufzend tot^er auf. Ich aber denke mit schwerem Hetzen an seine Zukunft. Arm sein unb sich Tag für
<c 10. verbandst«- der deutschen van-Tnossrnschaften.
Fulda, 21. Juni 1905 Schluß de» vrrtchlrS aut ter gestriger» AuSgab«) Dem Bericht ses V-r mnoSvo-sitzen ieu Über die Tätigkeik bei Verbandes im Jahre 1904 entnehmen wtt noch das iolgrnde:
Die Frau nickte und nahm der Alten den Strumpf aus ber Hand. Während ihre muhen Hände die Nadeln fleißig klappern ließen, erzählt« Truda von dem herrlichen Leben in dem Bankier« hause, von den reichen Festen, von Atlas un» Spitzen, von der englischen Tante und allem, wo» sie aus der Glanzzeit ihres Lebens noch wußte. Sie hatte noch nie eine so aufmerksame Zuhoretm gefunden, nur dann und wann unterbrach em kurzer, trockener Husten der Fremden ihren Redefluß. Wie ein buntes Bild aus einem Märchenbuch zog die Erzählung der alten Dienerin an drei« vorüber — sie dachte wenig darüber nach, ihr Kopf schmerzte bald, und ihre Augenlider wurden schwer, aber, was tat's, sie hatte lemanden gefunden, der ihrem Joseph vielleicht freundlich feix würde, und fo hörte sie geduldig weiter.
Draußen hatte der Regen langst aufgehort une das Feuer in der kleinen Küche glimmte nur noch. Da schlug die Küchenuht 11, und nun endlich leuchtete Truda ihrem Gast in das obere Stockwerk.
Ausland.
♦ Vierzehn Bistümer fixb ix Frankreich «»besetzt. Fast um dieselbe Stunde find die Bischöfe von Digne unb FrejuS gestorben. Durch ihren Tob erhöht fich die Zahl der et» ledigten französischen Bischofsstühle auf 14 , Außer ben genannten finb nämlich tm Augenblick noch folgende Diözesen ohne Oberhaupt: Die beiden Erzbistümer Auch unb Reim-, ferner bie BiS- tflmtt Agen, Ajaccio, Bayonne, Char- treL, Dijon, Laval, NeverS, St. Johaun von Maurienne, Vannes unb Versailles. Dieser Resuttat hat der Abbruch btt biplomatt- scheu Beziehungen zwischen der Freimaurer regte- rung unb bem apostolischen Stüh e herbeigeführt. Da die beabsichtigte Trennung zwischen Kirche und Staat fich auf jeden Fall noch längere Zeit hinziehen wird, so muß man mtt Sicherheit daraus rechnen, daß die Zahl der verwaisten Bistümer fich noch erheblich vermehren wird zam Schaden der kirchlichen Verwaltung und Seelsorge — aber auch zum Schaden beS Staates
♦ St« französischer Minister rat fand am Dienstag mittag in Paris statt. 8t be» fchäfligte fich haupttächliÄ mit der auswärtigen