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32. Jahrgang.

Fulda, Samstag, den 17. Juni 1905.

«HL 137

lästigem vk tim fpaltige petitsefle ** bereit Honm 18 PfS- Kefiawen die petitzeüs 26 Pfg.; bei Wiebe» Holungen wird eet#W- Habatt gewährt.

Druck und verleg bee zuldaerSctieudrnckerek in Zxlda (Harmonie) Lernsprecher M. •=

8«w**e bet 8m« iLb-eiertagt. viertel- OHtLlesnisiteis ÄM vringerlohn mb ®e|eleelbin$nlbemb «mvärtrfM. 50 Psg.

vrrankwonllcher

Unpolififdie Zeifläufe.

(Nachdruck verboten.)

® Berlin, den 16. Jun! 1905.

Sin Junggeselle schrieb mir kürzlich einen Brief wegen Ktndererztehung. Ich dachte zurrst: «Speise geht vom Frrffen aui und Süßigkeit vom Starken.« Aber ich sah bald, daß der Junggeselle es gut meint und bald Fa« milienvater zu werden verdient. @e hat nämlich Mitleid mit dem hübschen und geweckten Spröß- lmg einer bekannten Familie, der in Gefahr steht, von seiner affrnltebevoüen Mutter heillos verzogen zu werden. Da soll nun der „Urpolb tische« durch einen Erziehungs-Artikel helfen.

Ich schneide den Fall an, weil er typisch ist, was auf deutsch heißt: solche schlauen Jungen und solche törichte Eltern kommen häufig vor. DaS hoffnungsvoll« Knählrin steht erst im dritten Jahrs, aber es tyrannisiert die ganze Familie. Es hat nämlich das Geheimnis seiner Macht entdeckt: Schreien, schreien, schreien! Manche Leser «erden schon in dem politischen Teil dieses Blattes gelesen haben, daß auch Er­wachsene dieses Rezept manchmal befolgen, um ihren Willen durchzusetzen. Die Kinder find oft klüger, als wie man es nach ihrem Geburts- scheine vermuten sollte. Wenn so ein Knirps merkt, daß er durch Trotz und Lä-m das Ver­langte erreicht, so betreibt er die Sacke gewerbs­mäßig. Er macht den «Bock', wie man in manchen Gegenden den TobfuchtSanfall der Kinder nennt, gleichsam zu seinem Reittier. Er trotzt den schwachen Elter« ab, was er haben will.

Im vorliegenden Falle liegt nach dem Zeug- niffe drS scharsängiaen Junggesellen die Schuld bet der Mutter. Dir Vater möchte wohl den eigensinnigen Jungen in Kur nehmen, sdrr die Mutter behauptet, so eis zartes Kind sei noch viel zu jung, um erzieherisch behandelt zu werden, es müffr wenigstens erst fünf Jahre alt sein rc. Um der lieben Hausfriedens willen schweißt nun der Mann still und ficht zu, wie alles im Hause nach den Launen des kleinen Zaren tanz'. Wenn

das so weiter geht, so ruinieren die Leute das Knd und sich selbst dazu.

„Die Rute, die die Eltern an ihren Kindern sparen, werden fie später selbst fühlen.« Auf diesen Spruch berust fich mein Junggeselle. Nun, muß man denn gleich die Rule zuhilfe nehmen, wenn man den «Bock" auStteiben will? Gewiß, die Ruten helfen häufig zum Guten. Aber man soll nicht zu srüh hauen and nicht zu häufig hauen. DaS letzte Hilfsmittel der vrr- zweifelnden Liebe seien die gerechten Hiebe. Gegenüber trotzigen Schreihälsen nützt meistens schon ein einfaches Mittel, das nur etwa« Ge­duld und Ohrenwal te erfordert: Ans tob en lassen!

Wir Eltern können uns ein Muster nehmen an der Natur, welche die Menschen zur Respek- tierung ihrer Gesetz? erzieht. Oser christlich ge sprechen: Wie bringt uns der liebe Gott die Kunst bei, uns mit den Naturkrästkn und ihren Gesetzen abzustnden? Wenn wir gegen einen Baum oder eine Rauer laufen, so bleiben diese Dinge ruhig stehen, wo und wie fie stehen. Wir können klagen und poltern, soviel wir wollen; das Hindernis rührt fich nicht. Es hält UiiS keine Rede und gibt »ns auch keine Prügel, aber durch feinen pafftven Widerstand erzieht ti uns. Wir sehen ein, daß es wirklich nicht möglich ist, mit dem Kopfe durch die Mauer zu gehen oder den Baum umzurennen. Infolge btfitn entschließen wir uns zu dem nötigen Um­weg. Durch Erfahrung werden dir Leute klug, die kleinen wie die großen. Wenn der kleine Eigenfinn steht, daß die Eltern oder deren Ge- bilsen sich auS seinem Schreien und Trotzen nicht« machen, so gibt er daS unrentable Ge­schäft bald auf.

Aber eS ist doch «schrecklich«, wen« ein Kind andauernd kläglich schreit oder gar vor Wut schluchzt und stöhnt! Da gibt eS hitzköpfige Eltern, die nun gleich selbst in Wut geraten und gleich mit Schlägen Ruhe erzwingen wollen. Die Prügel wirken natürlich wie Oel in das Schrei­feuer; die trotzige Erregung des Kindes wächst, die Züchtigung wird verschärft, und so kann aus der kleinen Ruhestörung ein schwerer, gefähr­licher Konflikt werden. Andererfeits gibteszärt- liche Eltern, deren Nerven den Lärm gar nicht ertragen zu können glauben. Entweder tun fie dem eigensinnigen Kinde seinen Willen, oder fie versuchen es doch wenigstens mit guten Worten, zärtlichen Zureden und Bitten, und Versprechen von diesen oder jenen Belohnungen, Zustecken von Süßigkeiten und dergleichen BesSnstigungS- Mitteln. All' dieses Getue ist verfehlt. Der kleine Trotzkopf merke sofort, daß fein Lärm großen Eindruck macht und ihm Respekt verschafft. Der KnirpS ist durchaus kein urpraktischer Gefühls­mensch, sondern ein nüchterner Realpolitiker. E; spürt Erfolg von seinem Pslteru, und in Folge dessen wird er bei der nächsten Gelegenheit aber­mals poltern. Nur die volle Erfolglosigkest kann ihn kurieren. «Sie machen fich nichts daraus." Soba'd er diese Erfahrung macht (er braucht fie nicht in Worten fassen zu können, sondern nur zu ahnen in seinem kindlichen Gemüt), verzichtet er auf den Versuch mit untauglichen Mitteln.

Natürlich müffen die Eltern zwischen dem Notgeschrei und dem Trotzgeschrei unterscheiden. Sonderbarer Weise kommen manchmal ganz kleine Kinder, die noch gar keine Urberlegung haben, in der. Verdacht, daß fie aus Bosheit die Ruhe ihrer Eltern störten. Die kleinen Würmer schreien, weil ihnen was fehlt, oder weil fie was quält. Si^brauchen Nahrung oder trockene Wäsche, fie haben innerliche Schmerzen oder find äußerlich gequält durch Falten in der Kleidung, schlechte Wicklung, Ueberhitzung oder Erkältung, stechendes Licht, Ungeziefer re. Da muß man gründlich den Ursachen des Unbehagens nach, forschen und geduldig fie abzustellen suchen, statt iu schelten und zu fluchen oder gar mit Klapsen dreirrzuschlazev. Wenn die Kinder größer wer­den, so werden die Ursachen des Wrinkns und Schreiens mannigfaltige'«, aber es wird auch die Erkenntnis der wahren Ursachen leichter. Hat das Kind Schmerzen oder Angst, Hunger oder Durst, so verdient sein Klagen Mitleid und Be­achtung. Wenn aber nur der gekränkte Tiger- finn Lärm schlägt, so braucht man fich nicht auf- zu regen.

Da wird vielleicht ein geftrenxer Erzieher sagen, aufregend fti es doch immer, weil fich in dem Trotzversuch die Bosheit des Kindes bekunde. Ach was, man muß nicht gleich alles Menschliche für teuflische Boiheit hockten. Das Kind ist noch kein Philosoph und auch kein Tugendheld. Es folgt seinen natürlichen Trieben und macht über­all den Versuch, seine Gelüste durchzusrtzen, — brs es an eine Mauer rennt, die nicht weichen will. Man braucht nicht gleich an einem Jungen zu verzweifeln, der e$ mal a»k probiert, wie weit er wohl der häuslichen oder Schulordnung ein

Schnippchrn schlagen kenn. 9t hat eS mit den Naturgesetzen auch versucht, und macht «S ebrnso mtt den gesprochenen oder geschriebenen Gesetzen; in seinem grünen Srlbstdrwuß sein meint er, für ihn müsse doch wobl hier ober da eine Ausnahme gemacht werden. Gelingt es ihm. durch List oder Trotz fich eine Ausnahme von der Regel und Ordnung zu verschaffen, so reizt ihn daS zu weiteren Kraftproben. Erst roti n er auf ein ernstes, unerschütterliches Hindern iS flößt, sei eS die väterliche Rute oder dir Schulstrafe, gcht ihm die Erkenntnis auf: Halt, auf dem Dege kann ich nicht rodlet kommen; ich werde dies-: Mauer der Zucht wohl respektieren müffen!

Das wirksamste Element in der Erziehung ,st nicht die Fülle von belehrenden, rügenden ober drohenden Worten, auch nicht die Fülle von Be­fehlen oder die Masse der Strafen, sondern bet klare, fiste Wille der Ellern ober E ziehrr. Sie sollen nicht überflüsfigerwrije an dem Kinde fort- während herumkommandteren, sie sollen auch nicht launenhaft vernünftige Wünsche des Endes ver­eiteln, sondern fie sollen ihre Entscheidung jibe8- mal ruhig und bedachtsam treffen, um fie dann mit gutem Gewissen fest und beharrlich aufrecht zu erhalten. Das Kind muß wiffm, daß gegen den entschiedenen Willen drr Eltern oder Erzieh« nichts auszurichten ist, weder durch listige Schmeiche­lei noch durch trotzigeErpreffungsversuche. Diese Erkenntnis ist dem Kinde nicht einzureden, son­dern durch die Erfahrung ernzudläuen. Wenn das Kind wiederholt geseben und erlebt hat, daß der Wille bet Elters seftsteht wie eine Maner, dann gibt tS dos Antennen von felber auf und fügt fich in die sittliche Ordnung ebenso gut wie in die vaturgesetzlrche Ordnung.

Es gibt Eltern, die viel prügeln und doch ihre Kinder verziehen. Sie handeln nicht nach dec Vernunft, sondern nach der jeweiligen Dttm- mimg. Werden fie in schlechte Laune versetzt, so fi-w fie sehr strenge, oft übermäßig strenge: aber wenn ihre Laune gut ist, so find fie wie Wachs in den kleinen und geschickten Händen der jtiF.ber. Da lasten fich Vergünstigungen er­schleichen, die nicht zweckmäßig und nützlich find. Das spätere zeckweitige Aufbrausen imponiert dann den Kindern gar nicht mehr: sie laffen das Donnerwetter vorüderziehm in dem Gedanke», daß fir später die «Alten« schon wieder herum- kriegen werden.

Der Kern der Sache ist immer wieder der: wer erziehen will, muß fich selbst erst -rzogen haben. Wer den Eharakter des Kindes gut a»S- bilden will, muß ihm mit einem klaren, festen Charakter entgegen treten. Darum fei Ruhe, Geduld und Ausdauer von viel höherem Werte als ein rühriger Zungenschlag und eine beweg­liche Hand.

IPodien-Rundfdiau.

(Nachdruck »erbeten.)

Fulda, den 17. Juni 1905.

Dar wichtigste Ereignis der Woche liegt dies­mal auf dem Gebiete der äußere« Politik; es ist die Anbahnung von FriedenSver- Handlungen, die dem Böllermorden in Ost- asten ein Sude mache« sollen. Offiziell geht die An­regung zu den FriedevSverhandluugen von dem PrSfi- denteu der nordamerikanischen Union Roosevelt a»S, dock lasten einige Andeutungen in drr Prrffe darauf schließen, daß zwischen ihm und anderen Mächten, namentlich auch Dextschlad, vorher BA.handll.ngrn stattgesunden habe«. Sowohl Japan wie Rußland haben fich auf die Anfrage RoosrvellS bereit erklärt, iu direkte Verhandlung« mit einander einzrüreten und zu dem Zwecke nach einem «och näher zu be­stimmend?« neutralen Orte Bevollmächtigte zu ext» sendrs. Auf welcher Basis die beide« kriegführenseu Parreim fich schließlich einigen werden, steht xstür. lich noch dahin und alle», was darüber in drr Preße bereits verlautet, gehört in das Gebiet der Konj-k- tnrolpolittk Allgemein aber glaubt man, daß wirt­lich der Friede zustande kommen wird und da« ig die Hauptsache. Bride Zeile, Japan sowohl wie Rußland, 'Haden ein lebhafte- Interesse an der Beendigung der Krieges und diese- Jntereffe wird auf der einen Seite Japan auf eine Demütigung de« Gegner- ver­zichten lass n und auf der anderen Seite zu Opfern willfäbriger machen.

Das zweite Ereignis auf de» Gebiete der äußeren Politik, das in der Pfingstwvche die polltische Welt beschäftigte, ist der Bruch zwischen Schweden und Norwegen. Ueber den AuS> gangSpvnkt derselbe», die Frage eines eigenen Son« sulatswesenS für Norwegen, hat fich der Kö ig von Schweden in einem Antwortschreiben an den Slorthing eingehend geäußert, in welche« er die Ber- weigeraug der Sanktion des konfnlatSgesetzrS be­gründet und ihre BerfaffnngSmSßigkett varlegt. Zweifellos ist das formale Recht auf Seite» Schwedens, aber trotzdem Schweden Norwegen al« rebellische Provinz betrachtet, dürste nicht die Konsequenz heranSgezogen werden uab e« zu einem Kriege kommen. Mag der ans den 20. d. Mi«. ein- berufene fchwedischr Reichstag Beschlüße soffen, die er will, die Uuwnrflagge, welche in der verflossenen Woche niedergeholt worden ist, wird nicht mehr ge­hißt Werden. Daß die Mächte gegen dieses letzte Ausammenbreche« der Wiener Verträge Einspruch erheben werden, darf wohl als ausgesch offen gelten. Norwegen will ein neutrales Land bleiben; er ist aber fraglich, ob es die Neutralität auf die Dauer wird bebauten können.

Siu drittes wichtige- EreignÄ der äußeren Poli­tik, das Deutschland enge berührt, find die Vor­gänge in Frankreich infolge des Rückritts Del« raffel. Die Marokkofrage bedeutet nr.r ein Symptom für die Delcaffi'-che Politik der Isolierung Deursch- lands. Daß mit der AnSfchiff-mg Delcrffä; eine Ab­kehr von bet d-utschseindlichen Politik Frankreichs er« folgen werde, dafür liegen bis jetzt Anzeichen noch nicht vor, vielmehr muß damit gerechnet werde», daß daS bisherige System in Frankreich tretz des Personal- Wechsel« fortdauern wird.

Ja die Feststiwmung, welche in Berlin die See- mählsu;«feier des Kronprinzenpaare» hervorgeruse» hat, hat der Tod des Fürsten Leopold von Hohenzollern, de» Haupte» der katholischen Linie, einen Mißton gebracht. Fürst Leopold, welcher zu der KrrmählusgSfeierlichkett nach Berlin gekommen War, ist dort im Hause feines Sohnes, des Erbprinzen von Hoheazollern unerwartet gestorben. Die lirchltche Feier fand am D'enstag in Anwesenheit de« Kaiser- paareS, der Prinzen des königlichen Hanfes und der Spitzen der Aefelfchaft in der HedwigSkttche statt. Bei der Ueberführung der Leiche nach dem Anhaller Bahnhof, von wo der Transport nach Sigmaringen erfolgte, schritt der Kaiser mit den Prinzen, den Ver­wandten de« Verstorbenen hinter dem Leichenwagen der. Bei Abfahrt de« Zuges wurde ein Traurrsalut gelöst.

Der frühere apostolische Vikar von Sachse», Bischof Dr. Wahl ist in der vergangene»Woche in Schirgi«- fc atbe ist Aller von 73 Jahren gestorben.

In München verstarb der berühmte katholische K rcher-historiker Pater Denifle infolge be« Schlag­as falle», bet ihn auf seiner Durchreise bei einer be« freunseten Familie in Mönche« betroffen hatte. Sr war geboren am 16. Januar 1844 zu Imst in Tirol. 1861 trat er in den Dominikanerordea ein, 1880 wurde er als General-Assistent nach Rom berufen, 1883 wurde er Unterarchivar am vattkanischen Archiv. Auf dem Gebiete der mtttelsllerlichev Mystik galt Denifle al« Autorität.

Die neue bayerische Wahlkrei«einteilnng ist so ziemlich den Liberalen ans den Leib zugeschnitten vorder,. WaS ihnen an Verluste auf der einen Sette droht, ist auf der anderen Seite wieder wett gewacht worden. Die Bevorzugung der Liberalen erfolgt hauptsächlich auf Kosten der Lauernbüsdler und der Sozialdemokraten. Wenn die Wahlkretteinteilxxßfü» da» Zentrrnn auch einige Borte,le bietet, fo find die berechtigte« Interessen de» Zentrum« doch bei weitem nicht in volle« Umfange gewahrt worden.

In Ungarn ist nunmehr die KabinettSkrifi« be­ende». Nachdem ti eine zettlang geschienen, al« ob

Römifdier Wochenbrief.

[:] Born, 13. Juni 1905.

Auf den großen eucharistifchen Kongreß tu Rom folgte ein ktrchenmusikalischer i» Turin. Letzterer Halle feite eigene Vorgeschichte: Bereits während des vorigen Jahres foHte er stvttfinden, war aber um die gleiche Zeit einbe- rufen worden, in welcher der große irtternatis« vale gregorianische Kongreß in Rom stattfaud. Die Folge davon war, daß die Turiner Vera»« flallung zu Waffer wurde. Darauf wurde dieser Kongreß auf die erste Woche nach Ostern dieser Jahres sestgesetzt. Wegen.der Langsamkeit der Vorbereitungen wurde er plötzlich auf die Tage vom 6. bis 8. Juni verschoben. Das war wiederum eine sehr unglückliche Wahl, denn diS zum 7. Juni dauerte der eucharistische Kongreß, und so kouvte fich denn niemand aus Rom an drr Turmer Veranstaltung beteiligen. Selbst die Ehrenmit­glieder desKongreß-Komitees, wieP. de Santi, P. Hugo Saisser, P. Janssens u. waren verhindert, am Turiner Kongreffe teilzu- nehmen, infolge deffen dieser selbst selbstverständ­lich außerordentlich an Bedeutung einbüßte. Aber auch die italienische Mufikwett war nur sehr spärlich verlreieu; vom AuSlande war niemand erschienen, was wohl eine Folge des auf de» August anberaumten gregorianischen Kongreß »o» Straßburg war. Wichtige Dinge allgemeiner Art wurden auf dem Kongreffe nicht verhandelt, wen» man nicht dazu die Tatsache rechnen will, daß die Gründung eines italienischen Cäcilienvereins nach deutschem Vorbtlde angeregt wurde. Da die Italiener aber im großen und ganzen nur schlecht« Organisaisren find, so wird eS wohl noch recht lange Weile mtt der Verwirklichung dieses a» und für fich ausgezeichneten Planes Haden. Vor allen Dingen fehll eS hier an der absolut ab­wendigen Einigkeit in der Auffaffung des päpst­lichen BrfehleS hinfichtlich bet knchenmusikalische» Reformen, und der hl. Stuhl scheint noch nicht

Kvaffoy, der Ptäfide-tt be« SoLsularobergrrichts in Konstantinopel bet kommende Mans fein «erde, ist schließlich boch her durch ihn vorübergehend in ben Syintergrunb gedrängte Frhr. v. F-j-vary mtt btt Ra» bmettSbllbawg bt'raui worden Die Portefeuilles find berett« »ergeben. Man must warten, welche Stel­lung bte bereinigte Soalit'on be« neuen Kabinett gegenüber einnehme-, »i?b. Schwettich ist tue ungari­sche RrifU mtt bem Gelingen bet RabteettStilbiug gelt 6

Js> Frankreich fetzte bie Depxtiertenka«merdie Beratung bet Tremm gSvsrlage fort. Die Gegner bet Kirche find Unglücklich darüber, daß bte Ereigsiffi bet Lnßeren Po ttik da? Augenmerk vo« ber Drpn» ti?rtentan®er ablrnken. Ihr Verdruß wird noch bnbnrch gesteigert, daß «au in einzelnen Punkten in bet Kammer ein Estgegexkvmwen an bie kathmsche Kirche bekundet Hit. S, bat «an ben «etlichen eine Prnfiox zugebilligt, bie über ben Rihwen deffen hixatieflebt, WaS man anfänglich für anqemeffea hielt. Di- äußerste Lmke hatte von einer Satschädtguxa der Penfis« üb^ Haupt »ich'« »iffm wollen- Der «Ko- IMisnäc Warb meiste höhnisch: Sott wirb schon für fie sorgen! Ja beutsch-protestantischrn Blättern meint man hierzu, eS sei bezeichnend für ben Tiefstand bet Kammer, daß dieser steche Hsha lebhaften Beifall auf ber Link-u gefnoben tobe. Buch hinsichtlich bet Kirchexge^Subr wurde ein «esestlichrr Brrtrtl insoserx erzielt, al« bie MrckmkevSxre ben Rultulbe^nen vermietet, aber ohne Entschädigung überlasseu bleibe«. Damit ist Sie Grsähmxxg ber ehrNürdia-x krrchttchex Baskunstdexkmäler, d-e in ber xrsprü«glichea F>ffang bet Artikel 10 unb 11 be« Gesetzes lag, t-riert.gr.

England hatte in ber vergangenen Woche den Besuch be« König« AlsoxS von Spanien. Da» eng­lische Volk hat ihm laut zngrjubelt unb in Toasten unb Pkeßarttkelr, wurde die Bedeutung Spaniel,« gefeiert. Tempora mutantur. Wie lange ist es 6er, daß im englischen Parlase« ein Vertreter ter Re­gierung vom „Hinfies ex ber romanischen Völker" sprach und infolge d-S spaxisch-amerikaaischen Krieges offrxkundige F-mdfchaft gegen Spanien ix Sagloxb zutage trat _

In Sriechexlanb ist be< greife etaatSmm DelvaxuiS ba» Opfer eine« bübischen Attentats ge- worve«. Beim Getreten be« Gebäude» ber Deputierten« kämmet wurde er durch einen berufsmäßigen Spieler Derart durch einen M fferst-ch in den Uxterlds ver­letzt, daß er berettS nach S Stunden verstarb. Der Mörder ist verhaftet. Wahrscheinlich handelt e« fich um einen persönlichen Racheakt. DelyaxxiS stand im 80. Lebensjahre. Auch btx politischen Gegnern be« Staatsmannes zwingt feix traurige« Ende lebhafte« Mitleib ab. _ _

In Rußland find bie Sttteefer bet SemstwO' Konferenz, obgleich diese Verbote» war, zx eixer Audienz beim Zaren zigellff-n worden. Wie ber Zar sich ja de« allgemeine». Verlange* nach einer Versaffung schließlich entscheiben wirb, ist ungewiß; tote in Sachen be« FriedeuSschiufse« so wirb er auch hi« trotz allen Sträuben« endlich vachgeben müffen.

MdaerM Zeitung

> ÄnÄ's”»«. wachmb-»ag°:„3llusttiette Sonntagszeitung" m°n-m>ei,age: „ßüldaer Geschichtsblatter.