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Druck und Verlag M SuldaerRetiendruckrss in Zulda (yarmouiH Lernfprecher Nr r°

N 136

FuldL, Freitag, deN 16. Juni 1905.

32. Jchrgang.

Kii^sea

Deutfehes Reich,

Berlin, den 15. Juni 1965

* Der Seifer harte arn Mittwoch den Oe* schichtswater August Oetken in daS neue PflaiS befohlen uns ließ sich den Entwurf zur Ausschmückung des Rasdnä in der Kemenate der hl. Elisabeth auf der Wartburg Dotieren, Der Kamin soll, wir das ganze Gemach (Decke und Wände) auch mit Glasmosack au-geschmückt werden. Den Bor«,mf bilden der Besuch Kaiser Friedrichs II. beim Landgrafen Ludwig auf der Wartburg und das Mantelwunder der hl. Elisabeth. Der Entwurf hierzu, der ursprünglich schon für den im Mai geplanten Besuch deS Ksisers auf der Wartburg angrfertigt ist, sand den Beifall des Kaisers.

* Der Kaiser hat auch in diese« Jahre eine Anzahl Gelehrte und Künstler zur Teilnahme an einer R»r-l««dsreife eingeladen, die an Bord des DampfersMeteor" von der Hamburg« Amertka-Linie vom 17. bis 30 d. Mts. statt- findet. Der Monarch lief? sich Plätze auf dem Dampfer reservieren und stellte diese Beamten, Schulmännern, Künstlern usw. zur freien Ver­fügung. Die Auswahl der Teilnehmer erfolgte durch da? preußische Kultusministerium.

* Zu der Marokko Soufereuz hat Deutschland seine Annahme erklärt, ebenso Oesterreich-Ungarn uns Italien, letzteres ohne Vorbehalt, Orsterreich.Rngarn unter der Be- dingung, daß alle interessierten Mächte dem Vorschlag zustimmen. Großbritannien hat ab­lehnt.

§ Auf das Huldigungstelegramm des Ver­bandes der katholischen Arbeiterver­eine (Sitz Berlin) ist folgender Autworttele- gramm «m- -em Batik«« eingegangen: Die Gefühle deS Gehorsam« und der Liebe, welche von den katholischen V;rbandsmitgli;dern aus dem vortrefflichen Berband dargrbracht wurden, hat der hl. Vater mit freudigem und dankbarem Herzen entgegengenommrn; intern der hl. Vater eure Wünsche aufnimmt, segnet er liebevollst Dich und den Verband, damit die Sache der katholischen Arbeiter stets wachse und gedeihe. Kardinal Merly bei Val.

* Die Einnahme an Wechselstempelftcuer betrug im Monat Mai 1308173 Mark, im April 1172399 Mark, zusammen 2480573 Mk., d. i. ein Mehr von 372935 Mark gegen die gleichen Monate im Vorjahrs.

Der Minister der öffentlichen Ar- beiten hat anfangs Juni an die Provinzial- Behörden eine Verfügung erlaffen. Daraus geht hervor, daß angeregt worden ist, in dm Önt- wurf des Gesetze- zur Berbefseruug der Wohuuugsverhältuiffe eine Bestimmung auf­zunehmen, wonach das Gesetz über die Umlegung von Grundstücken in Frankfurt a. M. vom 28 Juli 1902 (lex Adickes) auf andere Gemeinden der Monarchie, sofern fie es beantragen, mit Zustim­mung des zuständigen Provinzial- und Kommu­nal - Landtages durch König!. Verordnung finn-

Franz von wenden.

Novelle von Marga «rechten.

24 ------ Rachd mck verboten.

Die junge Frau wünschte zunächst nur daS Eine, für die ersten Tage keinen von ihren Bekannten zu sehen, und Truda versprach, niemaub vorzulaffe«.

Endlich gegen Morgen senkte sich der Schlaf mit« leidig auf ihr« müden Augen, und die Alte erhob sich und ging mit unhöroarr-r Schritten in daS Wohnzimmer. Geräuschlos entfernte fie alles, was aa das erwartete Wie« Versehr-- erinnern konnte, denn der Gedanke a# die ver­eitelte WeihuachiSbescherung konnte für ihre Herrin --sr ein sehr schmerzlicher sein. So wurde denn der «rme B« m, weichen Elma mit so ftoher Hoffnung geziert bitt?, all' seines SLmuckeS beraubt und bei Seite ge­bracht. Die müde .; Hände schnitte« flink daran herum, uib legten all' die glitzernden Sächelchen in eine leere Schachtel. Im Gesellschaftszimmer befand fich einsn- bmutzteZ Schränkchen: still wickelte Truda die eleganten Stickereien und sonstigen Geschenk« in Seidenpapier und brachte fie darin unter. Auch das Silber und unbenutzte Tischgerät wanderte an semen Platz zurück. Die schönen Blumen waren in eh« Nacht verwelkt. Nur die verhängnisvollen Zeugen der Anwesenheit der Doktors scheute fich die treue Seele zu berühren. Sie sah mit einem Blicke voll tiefen Grolls aus den Handschuh bei Mannes, der ihrer geliebten Herrin einen solchen Schmerz antu« konnte; fie hob die Platte de- Sekretärs in die Höhe und drehte den Schlüssel um. Dann schlich fie leise zu dem Bette ihrer Herrin zurück.

Elma von Wenden's innige Sehnsucht erfüllte fich nicht. Keine Krankheit kam und iührte fie mitleidsvoll dem Tode entgegen. Zvar hatte dir furchtbare Auf­regung, verbunden mit einer heftigen Erkältung ihr ein leichtes Unwohlsein zugezogeu, aber fie konnte außer Bett fern. Die lähmende Erstarrung ihrer Glieder wich allmählich ur.b fie fühlte, daß fie den

gemäß ausgedehnt werden tarnt. Der Minister ersucht um Aeußerung, in welchen Gemeinden etwa die Ausdehrmrg des Frankfurter Gesetzes einem dringenden Bedürfnisse entsprechen würde. Dabei find die einschlägigen Verhältnisse zu er« örtern und die Gründe des näheren darzulegen.

§ Nach dem osfijMen Verzeichnis der ««- erlrfeißten Vorlagen bst das Nbgeord- neteuhaus u. a. noch zu erledigen: die vom Herrenhartse abgättöeite« Gesttz-.nlwArfe bett, die Brrämpsing überttaadarrr Krankheiten, de« Gesetzentwurf kett, brr Gebühren der Medizinal­beamten (m zweiter und dritter Lesung). den vom Herrenhause abg-anderre - Gsetzentwus zur Ver­hütung von Hochmoffergefshten, den Gescheht warf derr. die Erschwerung des Bertraasbruchs landwirtschaftlicher Arbeiter und des Gestades (in zweiter und dritter Beratung), den vom Herren hause butdb6etjuenen Gesttzentwurs bet:. Grweitemng des Stavtkreises Duisburg und die anbermeiie Orgaki arion der Amtsgerichte in Duisburg und Ruhrort, 'sowie die vom Herren­hause zu erwartenden Berggrfttznovekeu. Von den 18 Initiativanträgen find 11 zur Plenarbr- ratung reif gemacht, u. a. die Anträge Dr. Arend! (Mansfeld) auf Teilung von Landtagkwahlbe- zirken, Bildung bet Abteilungen u d Erleichte­rung der Wahlmännerwahlrn; Anttäre von Wentzel, Frhr. v. Zedlitz und Kirsch auf Revision des Einkommensteuergesetzes usw. In Kommissionen ruhen 7 Anträge. Außerdem liegt noch eine Reihe von Petitionen vor. Dc-s gesamte Ma­terial wird keinesfalls vor dem Schluß der Session mehr aufgeat&eiM werden.

* Mik dem Verlauf des Evangelisch sozi­ale« RongreffeS ist bie ,R«u>jtg.' wenig zufrieden. Cie meint, ein Blick in die Ver­handlungen zeige, daß diese fich hinstchi! ch der Grdirgenheit nicht entfernt mit denjenigen messen können, durch feie der Kongreß in der ersten Zeit die allgemeine Teilnahme auf fich zu ziehe« wußte. Jedenfalls bildet er heute keinen bedeut, fernen Faktor mehr in unserem kirchlichen Leben, und man ist im allgemeinen wenig geneigt, skinm Beratungen besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

* In Sachen der peinlichen Borkomrnsiffe im Klub $900, Über die wir berichteten, b Haspler der. Grschäfir sichrer deS R';bS, Karl Mollheim, daß die sämtliche» gegen ihn erhobene» schweren BeschuldlgusFrn jedweder Berechtigung entbehren, »r chat sich infolge« veffen geweigert, der Aufforderung d S Vorstandes, feine» Austritt auS dem Klub zu erklären, Folz« zu leisten. Die Beschuldigung, sog.ShipS" b ifeite ge­bracht zu haben, führt er ans folgenden Tatbestand zu­rück: Bet den jedesmaligen Bankhalter» fei er mit einem gewissen Prozentsatz am Gewinn beteiligt ge­wesen. Statt wie eS in ander» Klubs üblich für geliehene Gelder hohes Ä io zu nehme», habe er diese Beteiligung vor-rszoge». Die aus dem Gewinn resultierenden ShipS habe er dann später an der Kaffe zur Einlösung gebracht, wozu er fich berechtigt glaubte, Zm Klub 1900, an besten leitender Steve, v. a. ein Mitglied der Berliner Handelskammer steht, wird in­zwischen nach wie vor mit enorm hohen Umsätzen weitergesv<elt. Allein am Pfiagstsorvabend wurden, wie der Eons, mitteilt, nicht wenigW als 12 t CO Mark Kartengelder eingenommen. Der Monat Mai brachte ebenso wie der Movat April rund 60CC0 Mk. Karte»« gelber, so daß der Klub in diesem Geschäftsjahr wohl auf die erkleckliche Summe von mehr als einer Million awMMnnmnmaewmm Kampf mit dem so einsam und dunkel vor ihr liegenden Leben ausnrhmen müsse. Sir war eben im Grunde eine tief religiöse, gläubige Natur, und so bar fie Gott, das Leid tragen zu könne», welches er ihr geschickt habe.

Bon ihrrr treuen Dienerin liebevoll gepflegt, brachte fie die beiden folgenden Tage auf ihrem Ruhebette am Fesster idreS Schlafzimmers zu. Eine sonderbare Scheu hielt fie von dem Beiretkn der oabern Zimmer zurück. In warme Tücher gehüllt, lag fie hier, von dem schützenden Vorhänge halb verborgen, und blickte auf die mit Schnee bedeckte Straße binaur, wo die Menschen mit lachende«, fröhlichen Gesichtern vorüber­kamen.

Die m'Ibe Wintersorms lockte zu eisern kurzen Spaz'ergsng« und beschien jetzt dir heitern Gesichter und Gestalten feingeklerdeier Mädchen, welche mit ihren blinkende» Schlittschuhen vorübertilten. Ihre Strahlen ruhten auch auf den Kindern und dem goldenen Grlock der gestern erhaltenen Poppen, welche stolz von ihren Bcsitzeriuven dahingetragen wurden. Manches glückliche Eliernparr folgte den Kleinen. Der Anblick der am Arme des Gatten hängenden Frau trieb jedes Mal heiße Tränen in Elmr's Augen.

Ach, wie unendlich traurig waren diese MihnachtS- seiertage für fie! J - mer wieder urd wieder marterte fie ihren Kopf mit fruchtlosem Nachdenken über den Grund, welcher ihren Mann zu seiner grausamen Handlung bewogen hrben könnte. Sein letzter Brief war der innigfte, herzlichste von allen gewesen; er hatte so sehnsüchtig geklungen.

Dann war et gekommen, um sein Weib nach einigen Minuten von fich zu stoßen. Auch nicht der kleinsten Fehler-, selbst nicht eines Gedankens, der nicht die treueste Liebe atmete, war fie fich bewußt. Vielleicht hatte er de« Entschluß, sich von ihr zu trennen, schon in England gefaßt «ob wollte nur erst selbst das E.br überbringen. Also da- war ei?

Seltsam, während fich Elma mit rastlosem Grübeln Plagte, glaubte man in der ganzer Stad», zurächst im klerxen Kreise ihrer Bekannten üb r alles genügend

MarkKa.ter-grldereinnahme' rechnen kann, zumal in be;s Wirurrmouateu betmmllich mehr al§ in der voraüf- gehendru Zeit gespielt wird.

§ Der BaterliiAbische FranenverLi« hielt in «rxeLwart bet Ä e i f e t i r am DonueiSlag im EchnvgS- faaU b S Abgeordnetenhauses »eine Mitzlirse ver- fammittng ab. Unter den Anwesenden befanbm sich u. a. Fra« v. R-eindabm, v. Bethvanu Hollweg, Thielen, v. PosadowSky-Wehner, Frau Obe.präfibouk v. Bötticher-Magdeburg, Frau v. Bu^de. Nach der Begrüßung du'ch S HUnrrnt Haffrl Dresden erstattete Oberst Evrrrh den R chrnschalttbericht. Der Bericht­erstatter gedachte zunächst der KriegStätigkeit, zu welcher der Aufstand t» Südwestafrika dem Rotes Kreuz in reichem Maße Gelegenheit geboten hat. Bis 1. April waren 65 Offiziere a d SCO Mann z« pflegen. Da? Zrntralkom tce bat 19 Lazarettbaracken nebst einer eueren Menge Mat«rrali>n und 6370 Köpf« an Pfl.ge und Depoip-rsonal hinau?g»saudi Gm« umfangreich-! Zäti#f«it wurde für die fich im fernen Osten im blutigen Ringe« befeddrnden Nationen ent­faltet. Der Aufgabe, bei Linderung außerordentlicher Notstände in allen Teilen des Bwerlandrs Hilfe zu leisten, ist gleichfalls entiprochen worden. Die Zahl der ZwriLsereine hat fich um 44 vermehrt und er­reicht« am Pude des BerichtrjahreS die Zahl 1170. Die Mitgliederzahl des Baterländischen grauen- Vereins ist um 44 961 erstiegen und betrug Gude 1934 81209!. Die Mitgliedrrbetträg« stelle» fich auf 679919 M. Drs Brrri« hat fich in letzter Zrit vor allem auch der Frage der ESuFlingSpfleg« zu> ge-vandt. Gin Merkblatt, das Ratschläge zur Sr- »ährung und Pfl-ge der Kinder im ersten L'beakjahrr enthielt, wurde m V/i Miüionea Sx-mplaren ax Ltandesbeamte, Hebammen, Pflegerinnen «sw. verteilt. Die Zahl der gröberen und kleinere» BereinS- krankenhäuser beträgt zur Zeit 69, von denen 15 alS Mutterhäuser sich der Ausbildung von Roten Kreuz-Schwestern widmen. Im Dienst« deS grfamten Baterländische» Fraueuvereius und feinet HUfSvereine stehen 1254 Schwester« vom Rote» Kreuz, 1092 Diakonissinnen, 104 katholische O denSschwester« und 397 Schwestern ohne MutlerhauS. zusammen also 28,7 Schwester». In erfreulicher Weise ist di« Auf­merksamkeit der Bereine auch der Wochen- und HauSpflrge zugewendet worr-eo, desgleichen der Fürsorge für bedürftige, schwächlich« Kinder und Heran­wachsende Mädchen, der Schaffung von G holvngk- stätte». Nach Erteilung der Decharge an den Tchktz- meister war di« T-rgrSordnung erledigt. Grfang deS Domchores schloß dir B^rfammlang. Um 5/» Uhr findet sin F stmahl der Del-girrtrn, Das:» und Herl«» tu der Wandelhalle statt.

»* Der Berband der deutschen Bergarbeit r hat sich am Donnerstag, dem letzte» BerhandlungStage, mit der deutschen Berggesetzgebuns befaßt und folg-nde Resolution angenommen: »Die Gensralversammlung kann die Berggesetznovelle, wie fie von der Regierung und dem preußische» Abgeordnetenhsuse gestaltet worden ist, nicht einmal als Abschlagszahlung a» die Bergar­beiter betrachten, sondern empfindet die Behauolnvg der Bergarbkiterfchutzgesetzgebung durch die gesetzgeben- de» Fa'tore» als Verhöhnung der Arbeiter und wünscht, daß daS Herrenhaus daS Srfktz verwirft, damit die Materie durch RetchSgefetz geregelt wird. Wir halten vor wir nach an den Forderungen fest, welche die «nde März in Berlin tagende gemeinsame preußische Berg­arbeiter-Konferenz anfgesteM hat, uvd betonen aus­drücklich, daß diese Forderungen niederjeleet indem Protokoll deS Bergarb-iterlageS a?S daS Mindeste bezeichnet werden müssen, was wir Bergarbeiter jetzt von der Gesetzgebung zu verlange» berechtigt find und waS ohne Schädigung der Industrie bewilligt werden kann. Wir Protest eren gegen ein solches Gesetz und verlangen von der Rerierring, daß fie, um ihr Wort voll und ganz rin ösen zu könne», dem Reichstag eine» entsprechendeu Sntwurf vorlegt. Auch in Bezug aus die Knappschaftskaffenreform verlangen wir, daß das, was dir preußische Bergarbeiter. Konferenz in ihrer Resolution betreffs deSKnappschaftSwefeuS niedergekegt bat, reichsgesetzlich«regelt wird." Bei der Begründung

berichiet zu sein, und sprach allgemein über daS Unglück. Man bedauerte und bekragte das Schicksal der armen Dame aufrichtig, und wasch' übrrfpaunter Mädchkvkcpf beneidete das romantische LoS der Tochter bei Bankiers. ES klingt, wie ek- Roman, sagte die jüngere Welt.Nach ihrem Hochzeitstage vertier-, fie ihr ungeheueres Vermögen und wird arm, und nun da der Mans nach Sielen Jahren efs neues Erbe haben will, findet er seinen Tod in den Wellen." Em Glück, daß wevigstenS daS Geld gerettet sein soll," sprach mancher kalt berechnetide Mann in der Gnellschast, und di- Frauen fügten hinzu: »Eine Witwe, schön, ju?»g, reich, wer weiß!"

Sie aber, die eS am nächsten anging, wußte von allem nichts. Auch an das Geld hatte die arme Frau noch mit keinem Gedanken gedackr. Erst gegen Abend fiel ihr ein, daß dar noch veifiegrlte Paket, außer dem Geide, einen Aufschluß enthalten könnte. Truda brachte die drei verlaugie« Gegenstäsde und legte, fie nur mit den Fingerspitzen brrÄhrevd, aus ein Tischchen «eben dem Sopha nieder. Die gute Alte empfand eine fast abergläubige Scheu, und ei graule ihr vor dem Handschuh und der? großen deut­lichen Schriftzügen, als ob fie von der Hand eirrs Toten stammten.

Elma brach die 5 Siegel und löste den Bindfaden und Umschlag. Blaue Koffenscheine, welche sämtlich die Ziffer 50 trugen, lagen darin; das Geld war also schon umgewechseit und betrug im Ganzen sie Summe von 50 (XX) Mark.

Franz von Wende» war zu stolz gewesen, um auch nur tim Pfennig von dem Erbe an fich zu nehme« und so war er, von allen Mitteln entblößt, ihre Liebe und den heimatlichen Herd verschmähend, hiuau» in die ferne Keife Wett gegargen. Wohin?

Mit feuchten Blicken betrachtete fie seine Abschieds- ztilen, und zum ersten Male flog ihr Auge über dm oben stehmden Bries, welchen fie am Morgen jener Tages erdatten hatte. Ach, wie gleichgültig war ihr jetzt jene Familie mit dem ganzen Anhang! Und den­noch las fie jetzt das Billet mit großer» immer fier«

der Resolution verfäumt« Abg. Sachse uatürlich nicht, kräftig in den Ruf vom Arbeiteroerrat drS Zentrums iinzustimmen.

Ausland.

* Oesterreich Utrgsr« »ud Jtnlieu habe», wie in Tanger cm lich bekannt »«geben wird, den Vorschlag des SultavL betreffenb Einbe­rufung einer Marokkokonferenz ange- nomme», und zwar Italien ohne Vorbebclt, Oester: eich Ungarn unter der Bedingung daß alle mtereffierten Mächte dem Vorschlag zustimmen. England hat eine Beteiligung an der Konferenz abgelehnt.

* Große Uuterschleife i« -«glifche« Heere find aus dem südeftikanischen Kriege her entdeckt und namentlich über die Anhäufung von übetfläjstren Materialien in den militärischen Lagern in Südafrika am Schluß des Krieges schwere Anschuldigungen erhoben worden. Die zu ihrer Unte:fuchurrg von d-m Armerrat einge­setzte Kommisfien hat einen Bericht erstattet, der jetzt veröffentlicht wird. Darin wird eine groß« Anzahl von Unregelmäßigkeiten festgefiellt, durch die das Land schwer geschädigt wurde. Z. B. zog ein Unternehmer aus dem Verkauf von Gebrauchs- gegeuständen für die Tluppen an das Heeres- vetpflegunxsbkpartement zu hohen Preisen einen Nutzen von 2000 Pfund Sterling (40,000 Mk ) täglich, und dennoch wurden die Warennieder- lagen in Südafrika gerade an ihn durch daS mst dem Verkauf betreute Departement zu äußerst niesrigrn Preisen verkauft. Das Resultat der Untersuchung soll dermaßen belastend für viele hohe Militärs sein, daß schon jetzt daS Kriegs- wtnistrrium sich veranlaßt ges'hen hat, zwei Obersten und einen Major zu verabschieden und eine g,nze Reche von Osfiüeren der verfchikdenstm Arade aus Hslbsold zu setzen. Ganz kolossale Summen muffen «ach engli,chen Blättern, welche behaupte«, it formiert zu fein, direkt gestohlen rvsrden srin, und man erwartet großen Skandal, wenn der Bericht der Kowrnisston an das Par­lament gelangt, was aber erst nach längerer Zeit der Fall sein dürfte.

** Schwede« n«d N-rwegeu. Die schwedische Presse setzt ihre Erörterungen über die Vorgänge in Norwegen fort. .Stockholms Bladet' schreibt:Das Schreiben bei Königs ist so ruhig abgefaßt, daß man über die Selbstbeherrschung staunt, dieesdikti«t hat. Hier findet man Wege offen, sowohl für eine Personalunion, als auch für etne« jungen Bernadotte auf dem norwegischen Königsthron.» .Stockholms Tidningen' sagt: .König Oskar stellt fich vollkommen Mif den Boden des Rechts und der Wahrheit. Re­volutionen haben ihre Berechtigung, wenn ei» Recht in Gefahr oder Not ist oder ein Volk unter Unterdrückung leidet. Aber man setzt nicht einen König ab, der sich auf den Boden des Gesetzes gestellt und im Bewußtsein seiner Pflicht gehandelt hat." Auf einen anderen Stand­punkt stellt sich die norwegische Presse. So gender Aufmerkssmkeit. Ei« Strahl de- Breßänd« msses fuhr durch ihre Seele. Franz mußte eS ßtlcien haben, uab wie leicht ließ fich der Sin» deS Briefes anders deuten! Sie beirschiete die Unter» schrist ja auch diese mußte Verdacht erregen, aber bann schrie eS in ihrem Herzen auf, daß nur der Blick eines argwöhnische-:, eife- süchtigen ManneS darauf hin ein vorschneller Urteil fassen konnte! Jeder auf­richtig liebende Gatte würde nach wettern Beweise» gekorfch; und sein ihm Jahre lang treu ergebene» Weib nicht um einer fremde« Briefes willen verlasse» haben. Ihr ganzer Srolz bäumte fich bri diesem derben, verletzenden Gedanken auf; fie trocknete chre Tränen, der Brief mit der U :trrschrist und den Lette» Wenden's aber wurde sorgsattig verschlossen und ver- wahtt. Kam Wende» zurück, so sollte er zu ihrer ^^n^dttDämmechLndr kam eise flüchtiggtfäriebene Karte von Fr. Erdmann. Auf der Rücksrtte fland: .Zsi fie denn wirklich wahr, die smchtbare Nachricht, welch- das,Frank?. Journ." heute überbrachte Meine arme, teure Freundin, wir -chwer sucht Gott Sie hei« t Wann darf ich kommen, um Ihne« mein Betterd aus­zudrücken

Auf das Höchste erstaunt tts Elma diese Worte. Sie lchiöir Truda sogleich nach der augekommeue» Zeitung, und fand ein der TageSnuwmer beigrgebens» Extrablatt, welches die Lösung jener rätselhafte» Worte enthielt. Dort stand:Calais, de« 24. Am 23. Dezember, abends zwischen 7 und 8 Ugr ist der von England kommeude DampferPrirce Albert', Kapitän SmUh, bei einem heftigen Storm io der Nähe von Calais gefchrtte't Bo« de» Passagiere», der Mannschaft, und de» Lootse« wurde nur einer gerettet und zwar der Matroke John Billing. Die in Dover amtlich beglaubiate Abschrift der Paffagler- liste enthält, außer den Name» vieler auSländlsche» Passagiere, auch die der Deutschen Mitreisen^u. »ämlich:M. Ellenrot auS Berlin, #oj. I, Dr- Fr von $?nbta eu» Frankfurt a. M. Kaj. I und Kimf- ^maun Sander au» Bremen, Kaj. II.' (Forts. {)