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Fulda, Dienstag, deu 13. Juni 1905.

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Deutfdies Reich.

NBerlin, den 10. Juni 1905.

* Der Dank de- Kronprinzenpaare-. Der ,R«chSanzeiger' veröffentlicht im amtlichen Teile folgendes:

AuS Anlaß Unserer Bermählvng stad U»S auS allen Teile» des Deutschen Vaterlandes und auS allen Bretsr« der Brvölkeruag eire Fülle herzlich er Stück wünsch« datgebracht worbe*. Dieselben haben UuS wahrhaft erfreut, und danken Wir hiermit aufrichtigst allen denen, welche Uns» so freundlich gedacht habe«.

Wilhelm, «,eilte,

Kronprinz deS Deutsche» Krovprinzesstn drS Deutschen Reichs und von Preuße». Reichs und von Preuße».

* Z«r Flottenvorlage wird der ,9t. mit»pol. Rotrefp.' von fachmänniscrrr Seite ge­schrieben: Die im Februar dieses Jahres von dem Staatssekretär deS Reichsmarineamtes in der Budgetkommisfion abgegebenen Erklärungen über den Umfang und die Art der in der neue» Flottenvorlage vorgesehenen Forderungen Haien durch die seitherigen Erfahrungen in Ostafien, besonders durch die Seeschlacht in der Korea« straße, keinerlei Lenderungen erlitte». Die Genehmigung des BundeSrateS voraus« gesetzt, wird die im Herbst einzubringende Flottennoselle den Bau von sechs Panier« kreuzern und fieben Torpedobootsdioistonen ver­sehen. SS kann mit besonderer Befriedigung festgestellt werden, daß die Lehren der Schlackt von Lsuschima ergeben haben, daß die „Strub km" unserer Flotte, d. h. das numerische Der- hättnis der einzelne» Schiffstypen zu einander und die Einschätzung der verschiedenen Ein­heiten als Gefechtsfaktoren, durchaus richtig ist.

—* Der Verband der Wiudthorstbnnde Deutsch!«»-- hält in den Tagenvoml7.—19. Juni in Köln seinen 6. Vertretertag ad. Am Samstag den 17. Juni ist nachmittags 5 Uhr eine Sitzung der Vertreter der AgUationskommis« fronen; zu gleicher Zeit findet eine zwanglose Besprechung der gestellten Anträge statt, an welcher teilzunehmen alle bereits Samstags ein« treffenden Delegierten gebeten werden. Abends 9 Uhr wird unter dem Vorfitz des Herrn Reichs« und Landtagsabgeordneten Lmtsgerichts- rats de Witt eine BegÄßungsfeierveranstaltet. Sonntags morgens findet um 8 Uhr in der Biueenzkapelle (Stolkgaffe) eine hl. Messe statt, worauf um 9 Uhr die Verhandlungen beginnen. Rach Erlegung der geschäftlichen Angelegen« Hellen hält um ll1/® Uhr das Ehrenmitglied des Verbandes, Herr Landtagsabgeordneter Land- gerichtSrat Marx ein Referat über: »Die Ziele und Aufgaben der Windthorstbunde-. Um 2 Uhr ist gemeinschaftliches Mittageffen und um 4 Uhr wird die Besprechung über das Referat durch ein Korreferat eingelettet. Abends um 9 Uhr findet unter dem Vorsitz des Herrn Reichs- und Landtagsabgeordneten T r i m b o r n eine Fefiver« sammlung (mit Damen) statt. Montag morgens wird (wiederum in der Vmcrnzkapettr) eine Seelenmesse für die verstorbenen MU- 8 lieber gelesen, worauf um 9 Uhr die am Sonntag nicht erledigte Tagesordnung beendigt

Kanz von wenden.

Novelle von Rares Brecht«». 21 ------ Nachdruck verboten.

Jetzt war sie oft so ermüdet und wurde kaum mit ihren eigenen Angelegenheiten fertig. Dazu kamen die Kinder. Rika bat so innig, daß sie doch die letzte Hand an ihren für die Tante bestimmten Schlüsselkorb legen möchte. Er war so hübsch aus­gefallen. Das feine schwarze Goldgeflecht mit dem blauen Seidenfutter dahinter und der zierlichen Stickerei sah ganz elegant aus. Da waren auch noch ihr Zigarren-Etui für den Papa und Theo's Zeichnung, welche auf Frau von Wenden's hilf- reiche Hand warteten. Und Elma half gerne, in der Freude über das baldige Wiedersehen des geliebten Gatten hätte sie allen Menschen helfen und gefällig fern mögen. So merkte sie nicht, daß aus ihren Antworten immer kürzere, mit den «müdeten Augen oft nachlässig geschriebene Billete wurden, welche den weiten Weg nach England wanderten. Von dem durch den langsamen Gang des Prozesses ungeduldigen Manne, der dort ein- kam in dem Zimmer des Hotels saß und in den dicken, englischen Nebel hinausstarrte, wurden die kleinen Briefe begierig geöffnet und nach dem Lesen jedes Mal mit schmerzlichem Seufzer bei Seite gelegt.

In der letzten Dezemberwoche erhielt Elma die freudige Nachricht, daß der Prozeß gewonnen und Dr. von Wenden nach der Empfangnahme des Vermögens sich am 23. an Bord des Dampfers „Prinze Albert" zu begeben gedenke. „So wird mein liebster Wunsch erfüllt," schrieb er, „und ich hoffe das Weihnachtssest mit Dir, teure Elma, feiern zu können." Wenn irgend möglich, werde

Mittel der Selbsthilfe fetter S der Detaillisteu selbst. Der Wert der Broschüre ist damtt, zu- mal fie für die Verwendung in der Praxis be­rechnet ist, für alle diejenigen gegeben, welche an der Entwickelung im Detailhandel ein Interesse haben.

** Plötze»see«Pr»zeß In Berlin wurden in der vorigen Woche, wie schon mitgeteitt, <n einem Prozeß gegen die Redakteure deS ,Vor- wärtS' die Zustände in der großen Gefanginen- anstatt Plötzensee eingehend besprochen. Die An­geklagte« hatten diese Zustänve scharf krttifiert und waren deshalb wegen Beleidigung angeklagt. Schließlich zogen die Kläger ihre Klage zurück, nachdem die Angeklagten erklärt hatten, daß ihnen die »bficht der Beleidigung fern gelegen hat. Dieser Ausgong deS ProzeffeS wird vom .Vorwärts' nun doch nicht mit so vollen Registern gefeiert, wie man nach der Tonart, in der er den Prozeß fortgesetzt glosfiert hatte, hätte erwarten sollen. Er verhehlt sich wohl selbst nicht, daß die sensationellen Enthüllungen über Mißstände in Plötzenfee ausgeblieben find, die Leute, für die die Angeklagten fich inS Zeug legen zu müssen glaubten, im allgemeinen doch wenig Anspruch auf Sympathie erheben können und daS Auf­treten oeS Genossen Liebknecht vor Gericht nicht gerade rühmlich war. Sind eS doch schließlich auch die Angeklagten gewesen, die den ersten Schritt zur Beendigung des ProzeffeS getan haben. Sie wußten wohl, daß chre Verurteilung ficher war. Nach dem .Vorwärts' soll fie in erster Linie die Rückficht auf den Geh. Medizinal« rat Dr. Baer mitbesttmmt haben, der fich große Verdienste durch feine gefängniSwiffenschaftltchen Arbeiten erworben Hobe und für den bei feinem Atter und seinem Gesundheitszustände die endlose Verhandlung mll ihren Aufregungen geradezu eine Gefahr bedeutet habe. Im übrigen wieder­holt das Blatt, uaS schon die Angeklagten er- klärt hatten: daß es sein Zweck nur gewesen sei, allgemeine Mißstände des Strafvollzuges zur öffentlichen Kenntnis zu bringen, nicht aber ein­zelne Gesetzwidrigkeiten oder Verstöße gegen Bor« schriften durch die Aerzte oder Beamten eines einzelnen Gefängnisses zu behaupten. Die Er­folge, die in dem Prozesse in bezug auf die Be­leuchtung unsere- Strafvollzuges erzielt worden seien, streicht der .Vorwärts' nun natürlich kräftigst heraus. ES bleibt aber doch immer die Tatsache bestehen, daß die Angeklagten den ersten Schrttt zum Abbruch der Verhandlungen getan haben. Freilich wird die Schlappe, die das für die Sozialdemokratie bedeuten könnte, reichlich ausgewogen durch die Berettwilligkett, mit der die StaatSan wöltschast die Anklage fallen ließ und die doch eine starke Scheu vor den etwa noch zu erwartenden Ergebnissen deSProztffeS bekundete. Anderweitig wird noch über die Vor« gSnxe, die zur Beendigung des ProzeffeS führte», berichtet, daß einer der Verteidiger, Rechtsanmalt Löwenstein, fich am Mittwoch zum Justizminister begeben hatte, um den Abbruch der ProzeffeS anzuregen. Der Minister erklärte nach halb­stündiger Unterredung, daß er für feine Person jede Einmischung in den schwebenden Prozeß und jede unmittelbare Einwirkung auf die Be­

schäftigt, um jetzt an Regeln oder Vokabeln beutens» können. ES gab ja auch noch so viel za tun; fie mußte «och eine Menge verschiedener Gaben sortteren,welche für arme Familien bestimmt waren.

Um 11 Uhr kam Fräulein Erdmann'S Dienstmäd­chen und brachte ein großer mit buntem Sttdenband und Taanenzweigen verzierter Paket, für welcher um einen Platz unter dem Weihnachtrbaum gebeten wurde. Ein Bille, von Rika. worin fie ihre Betrübnis über Elma'S Unwohlsein auSsprach, lag dabei. Elma lachte hetter über die überschwängliche AnSdruckSweise und den altklugen Ton der kleinen Epistel, welche einen so drolligen Kontrast zu Rtka'S rauhem, kräftige» Wesen bildete. Gerade beschäftigt, allerlei niedliche Konfektflücke und glitzernde Zierraten in dem dunklen Grün bei BaumeS anzubringen, warf fie baS duftende Blatt offen auf ihren Schreibtisch, wo er bat- »ach- her vergessen wurde. ,

Die früh eintretende Dämmerung sand alle Vor­bereitungen beendet, und die junge Frau beschäftigte fich noch eifrig mit ihrer Armeubeschernng, zu welcher sie in der Freude ihre- HerzenS immer neue Zugaben von den eigenen Vorräten au- Küche und Speisekammer hinzusügte. „Und nun, trübe," sagte fie endlich, „besorge mir schnell einen Wagen, ich will die Sachen der armen alten Liese selbst hinbttngen. Sie ist so ganz verlassen am heiligen Abend und wird fich mtt ihren beiden kleinen Enkettindern mehr freuen, wenn sie dieselben mit einem herzlichen Wohle empfängt

„Wenn Sie fich nur nicht erkälten, Frau Doktor," sagte Truda besorgt und legte den schweren Plüsch­maate! um Elma'S zarte Gestatt.

„Gewiß nicht", meinte diese vergnügt; „ich lasse den Wasen halten und werde wohl In einer kleinen Stunde zurück fein. E» 1mm immerhin 11 Uhr werde», bis mein Mann kommt, und wenn ich so ruhig hier fitze, wird mir der Abend so lang. Sorge Du nur, daß die Zimmer gehörig gewärmt find, und schließe gut zu, wenn Du etwas draußen zu tun hast."

wird. Um 12i/t Uhr ist gemeinschaftliches Mittag« effen und um 2 Uhr wird ein Ausflug ins Sieben­gebirge unternommen, der den Abschluß des Ver­tretertages bildet. Alle Beranstattunzen finden mtt Ausnahme der Begrüßungsfeier am Sams« tag abend, die im Saale des Fränkischen HofeS (Komödienstraße) abgehalten wird, in der Bürger- gesellschast statt, und zwar die Beratungen im kleinen Saale (Eingang Röhrergaffe). die Fist- Versammlung im Prunksaale (Eingang Appellhof­platz). Beider großenWichtigkett derVertreter- tage für den Verband, der übrigens jetzt 93 Bunde umfaßt, wäre es wünschenswert, wenn nicht nur die Vertreter der einzelnen Windthorst • Bunde, sondern auch recht viele Freunde und Gönner des Verbandes aus den Reihen der Zentrumspartei, besonder« aus den Reihen der Abgeordneten, den Verhandlungen beiwohnten und sich an den Be­ratungen beteiligten, um jenen mit ihrem erfah­renen Rate gut- Seite zu stehen.

• Zur «eichstag-ersatzwahl m Esse« wurde in der am 10. d. Mts. nachmittags unter dem Vorsitze deS Herrn Wiese-Werden stattgehabten Delegierten-Versammlun, der Zen- trumspartei deS Wahlkreise- Esse«-Stadt und Land beschloffen, Herrn Arbeitersekretär GieSbertS in M-Sladbach der am Sonn­tag den 18. Juni stattfinbenben großen Ver- trauensmänner-Versammlung als Kandidaten für di- demnächstige ReichStagswahl in Do schlag zu bringen.

(♦) Di- Lage de- handelt reider deu Mitt-kstuude- gestattet fich immer schwieriger, seitdem die zum Großbetriebe drängende wirt- schastliche Entwickelung der Neuzeit begonnen hat, auch den Detailhandel in ben Kreis ihrer nicht immer erfreu! chrn Wirkungen zu ziehen. Will man drr Gefahr der Verdrängung weiter Kreise des Detailltstenstandes in wirksamer Weise Vorbeugen, so ist es notwendig, über die neueren Vorgänge im Detailhandel ein Urtell zu gewinnen unter Berückfichtigung unserer gesamten Wirt- schastsentwickelung; nur dann vermag man der Gesetzgebung wie auch der Selbsthilfe die ihnen eigentümlichen und erfolgversprechenden aufgaben zuzuweisen, lieber die Lage des Kleinhandels, die Ursachen der fich vollziehenden Veränderungen und die Mittel zur Hebung des handettreibenden Mittelstandes Aufklärung zu verbreiten, bezweckt die soeben im Verlage der Zentralstelle des Volksvereins für das kathol. Deutschland et» schienen- „Soziale Tagesfrage", Heft 33, betitelt „Detaillistenfragen. Neue Aufgaben des Kleinhandels" van D r. A u gu fi E n g e l. (100 S. in 8°. Preis 80 H.) Die Broschüre bringt nicht nut eine Zusammenstellung der wichtigsten Delail- listenftagen, sondern enthält auch mancherlei neue Gesichtspunkte, deren Kenntnis zum Verständnis der modernen Entwickelung des Detailhandels von Wichtigkeit ist. Sie begründet eingehend die Notwendigkeit gesetzgeberischer Maßnahmen zur Erhaltung des handeltreibenden Mittel­standes, ohne zu weitgehenden Forderung« n das Wort zu reden. Sie zeigt aber auch, daß die StaatShtlfe allein einen wirklichen und dauernden Erfolg nicht versprechen kann, wenn fie nicht ihre Ergänzung findet in drr Anwendung der ich mit einem der spätesten Abendzüge am 24. Dezember in Frankfurt eintreffen: erwarte mich jedoch keinenfalls am Bahnhofe, denn ich kann die bestimmte Zeit meiner Ankunst noch nicht an­geben und wäre in Sorge, wüßte ich Dich nicht wohlbehalten in unserm traulichen Heim." So lautete eine Stelle des Briefes, welcher die junge Frau in ein unruhvolles Entzücken versetzte.

XVII.

Der 24 Dezember brach an. Er war et» kalter, aber klarer SBlntertag, dessen Anbruch so unzählige Kinderherzen mit Freude begrüßte». Elma zog die Vorhänge ihres Schlafzimmer» auf und sch-rne in die schon belebten Straßen hinaus. Sie betrachtete die hoch beladene» Posckarren, — die mit ihre» Körben, Schachteln und Paketen vorbeieilenden Menschen und dachte, ob wohl eine» dieser reizenden Urberraschungen und Gescheute an diesem Abende eine größere Freude zu bereiten im Stande fei, als fie bei dem Wieder» sehen ihre» Mavne» empfinde» werde! — O, fie hatte beim Erwachen so heiß und innig gebetet, daß Gott mit FranzrrS Heimkehr und dem größer» Wohlstände doch wieder das atte Glück bei ihnen etnziehen lassen möz«, von dem fie einst in jüngeren Jahre» geträumt l Und nun war ihr so leicht, so froh um'» Herz, als ob die Engel ihr Flehen zu Gott getragen. — Konnte fie auch keinen Kinderjubel herbeizaudern, so wollte fie dennoch durch da«, was ihr und, wie fie wußte, auch ihm eine treue Erinnerung an'r Elternhaus war, dem heutigen Abend eine finnige Weihe verleihen

Und so hatte fie selbst einen schönen, hohe» Tannen- bäum auf dem Weihnacht-mackte ausgesucht und wollte eben jetzt mit Truda die Ausschmückung besorgen.

Ja dem Unterrichte der kleine» Rika trat ohnehin wegen drr Feiertage eine Unterbrechung eie, mdeine leichte Erkältung diente ihr Überdies schon gestern als Vorwand, da« fröhliche Mädchen deute fern zu halten. War sie doch viel zu sehr mit ihren Gedanken be­

hörden, die den Strafantrag gestellt habe», ab- e|nen müsse, insolgedessin werde er eS nicht verhindern, wenn ouf der vorn RechtSarwM Dr. Löwenstein vorgeschlagenen Basis Verhau« lungeu mit der Oberstaatsanwaltschaft geführt würden und biefe daraufhin den Strafantrag zu- rücknehmen. Auf «rund dieser Unterredung be« ;ab fich der Rechtsanwatt zu dem Landgerichts- »irektor Dr. Oppermann und bat ihn. die Ge« richtSoerhandlung bis zum Abschluß der etuzn« eitenben Vergleichsverbandlungen zu unterbrechen. Der Vorsitzende konnte diesem Ersuchen um so eichter entspreche», da eine JndtSpofition bet Angeklagten Ahrens, sowie des Geh. Rais Dr. Baer eine sofortige Writeroerhandlung unmöglich machte. Der Verteidiger wurde sodann von einen Mttverleidigem u»d ben Angeklagten be­vollmächtigt, in ihrer Vertretung die Vergleich­verhandlungen zu führen. Diese waren sehr lang­wierig und schwer. An beiden Tagen wurde bis n die späten Abendstunden verhandelt. Am Freitag früh fand dann noch eine letzt; mehr- kündige Unterhandlung des Rechtsanwalts mit lern Vertreter derOberstaatSanwattschoft persönlich statt, deren Ergebnis die von den Angeklagt« und ihrm Ver leidigem abgegebene Erklärung und die.demnächst erfolgte Zurücknahme deS Straf­antrages gesüfen ist.?

* De» Reichstage sollen in der nächsten Session, wie die »Rattonallib. Korrefp.' wiffen will, außer der RetchSfinanzvorlage und dem Gesetzentwurf über den Versicherungs­vertrag noch die Gesetzentwürfe, betreffend deu Schutz der Forderungen der Bauhandwerker und die Rechtsfähigkeit der Berufs- vereine zugehen. Da der Reichstag im HerM bereits stütz einberufen werd« soll, so bemüht sich der Bundesrat, noch vor seiner Sommer« pause soweit wie möglich d.ese Vorlagen zu er­ledigen.

% 3* Rechnungsjahre 1904 betrug rach dem .Zevtraldlatt für das Deutsche Reich, die zur Reichs lasse ge langte Ist einnahme, abbezüglich der Ausfuhrvergütungen usw. und der VeiwaltungSkofien, bd ben nachbezeichnet« Einnahmen: Zölle 489 862,708 DU. (gegen das Vorjahr — 18.477,743 Btt.), Tabaksteuer 10,961,809 Btt. (- 256,627 Btt.), Zuckersteuer 128 311 216 DU. (+ 26,406,156 DU.), Salz- steuer 61,612,859 Ml. (— 745,166 Mk.), Maischbottichsteuer 12,500,462 Mk. (4-3,059,248 Mark), BranntweinverbrauchSabgabe und Zu­schlag 105,779.310 Mk. (+ 2,959,014 Mk.), Brennsteuer 1,288,932 Mk. (4- 930.742 Mk.), Schaumwemsteuer 4,364,354 Mk. (4- 689,394 Mark), Brausteuer unb UebergangSausgabe von Bier 30,058 918 Mk. (4- 255,787 Mk.). Summe 834.630,467 Mk. '(4- 14.820 805 Mk). — Spielkartenfiempel 1,658,781 M!. (4- 86,468 Mark).

* München, 10. Juni 1905. Pst« Heinrich Deni fle, Generaldefinitor des Domini« kanerorSrns und Archivar des Apostolisch« Stuhles, ist heute vormittag ’/*ll Uhr gestorben. Er war geboren cm 16 Januar zu Imst in Tyrol, wurde 1866 Priefler, 1870 Professor ta Graz. 1880 Generalaffistrnt in Rom. 1881

Die Alte geleitete ihre Herri» zm» Wage» und kehrte dann in die Wohnung zurück, ließ die schs«« Vorhänge nieder und zog die Portier« auf, so daß da» helllodernde Feuer eine gleichmäßige, behagliche Wärme in den in einandergehenden Zimmern ver­breitete. . , t

Die mitgebrackte Lampe wurde auf den Schreib­tisch gestellt, und dann eilte Duda hinaus, um noch einige Zurüstungen für die kommenden Feiertage zu beenden Emige Minuten später rief eme dünne Kinderstimme durch da» Schlüsselloch der Borplatzrüre: „grau Bomig, Frau Börnig, bitte, machen Eie em« Wül aus

„Stint, was glbi’4 den», keiner Jakob?" fragte Truda, indem fie dem uog; baldigen Bittsteller öffnet«.

„Einen schönen Gruß von der Mutter, und> « e sollten doch so gut sein und schnell einmal hiumtev- kommen: fie möchte Ihnen gern etwas zeige». Die Atte zögerte; fie dachte daran, daß ihre junge Herrin zmückkommrn und bann die Türe verschlossen stade» würde. _ ,, ,

DaS Söhnchen der Wäscherin ans dem Erdgeschoß aber meinte: „Lassen Sie nur, liebe Frau Bomig, ich will draußen aus der Kellertreppe Wache stehe», daß niemand hiueinkommt." „UebrigenS am heilig« Abend kommen auch keine Spitzbube», die habe» Anderer zu tun." „

„DaS möchte ich doch bezweifeln, mein Kind, meinte Truda, „die Watten nicht darauf, ob das Christkind ihnen waS bttngt, sondern hole» fich ihre Bescherung am liebsten selbst. Wenn Du übrigen» acht geben willst, soll'S mir ans rin paar Minute» nicht ankommen."

Unten im Erdgeschoß sah S recht einfach und ar«, aber tauber au8. Ein grobes, weißes Tuch bedeckt« deu Tisch, auf dem ein winziges TannenbSumchen stand, dessen sechs eben erloschene Kerzchr» die da- runterliegenden schlichten LtebeSaaben beleuchtet baten. Bei Trnds'S Eintritt erhob fich die Fra» und ihr