W«iee«»88t»
32. JahrgMg.
Fulda, Samstag, dm 10. Juni 1905,
würde»
„O Franz, geh' nicht so von mir, es ist — nicht alles in Ordnung zwischen uns!"
„Bei mir alles, aber bei Dir nrcht, hebe Elma. Doch nun, leb' wohl, die Zeit drängt, — Gott schütze Dich und unser Glück! I"
Sie fest an sich drückend, küßte er sie Hertz und innig. Sie hatte es warm auf ihre Stirn tropfen gefühlt, dann war er gegangen, so schnell, daß ihre zitternden Fütze ihm nicht zu folgen vermocht.
Das Fortrollen des Wagens fchreckte sie endlich auf; sie satz noch immer dort und starrte nach der Türe.
Hards, des früheren Buchhalters feines Schwiegervaters trug. Derselbe schrieb, datz Mistr. Morel plötzlich gestorben sei und in ihrem Testamente, zu dessen Zeugen er gehört habe, ihr Vermögen der Tochter seines einstigen Herrn vermacht habe. Die Verwandten des Herrn Morel beabsichtigen jedoch einen Prozeh mit der Erbin zu beginnen, und er erlaube sich den Rat, datz Herr von Wenden als der Bevollmächtigte seiner Frau selbst nach London kommen und sich der Sache persönlich annehmen möge. Die Besprechung mit tüchtigen Advokaten sei dann einfacher und der Erfolg im andern Falle nur zweifelhaft.
Der Doktor entschloß sich kurz. „Ich will meine Patienten für die Dauer meiner Abwesenheit einem anderen Arzte übergeben und dann Hinreisen. Es steht zu viel für Dich dabei auf dem Spiele, um nicht unsere ganze Sorgfalt aufzuwenden," sagte er.
„Wann kannst Du wieder zurück sein?" „Vielleicht in einigen Wochen."
„O, weich' eine unangenehme, gefährliche Reise im Anfang des Winters!" rief Elma.
„Gefährlich kaum," war die von einem schwermütigen Lächeln begleitete Antwort. „Ich lasse Dich so ungern allein zurück, doch ich weiß, ganz einsam wirst Du nicht sein." —
„Ich hoffe nicht," erwiderte sie, „und will, da Du also noch heute abreisen willst, mit Truda Deinen Koffer packen, fo gut und so sorgfältig wie ich vermag."
Am Nachmittage war der Doktor retfeferttg. Die Begleitung seiner Frau nach dem Bahnhofe lehnte er auf das Bestimmteste ab.
„Du bist noch zu erregt und Deine Augen sind vom Weinen ganz geschwollen. Also bleibe da liebes Kind, und sei nicht so betrübt, es ist ja kein Abschied für's Leben."
Er stand vor ihr und sie sah zu ihm auf. Ihren ganzen Mut znsammennehmend, sagte sie:
aArtftidterJN-®«*®
-Mustriem SöfflWjettW*
Unpolitische Zeitläufe.
(Nachdruck verboten.)
A Berlin, den 8. Juni 196,5.
DaS schönste Gedicht zu den Berl ner Festen hat unstreitig der Mann au8 dem Volke g«nad)t, >et an seine Srlterwasserbude den Zettel anklrbte:
Unsere Kronprinzesfin Cäcilie Gehört jetzt auch zur Familie.
Ein hochnästger „Gebildeter" nennt daS vielleicht eine naive Reimerei. Aber nicht bloß der Reim st gut, sondern die einfach schöne Fo-m bringt dm Kerngedanken der ganzen Festlichkeit zum klaren Ausdruck. DaS fürstliche Kind von Mecklen« bürg wird ausgenommen in die Familie, zunächst in die kaiserliche Familie und dann auch in dre nationale Familie, die fich um den Herrscher alS den VolkSvater gruppiert. Der Umergang aus der elterlichen Familie in die des Bräutigams — daS ist dir Hauptsache bei jeder B autferer, mag -S fich um eine Prinz,ffin oder um etit kleines Bürgermädchen handeln. Der Bräutigam bleibt cn seiner Stelle; die »raut wird ver- pflanzt. DaS ist eine ernste Sache. ES kommt darauf an, ob fie in dem neuen Boden bald Wurzel schlagen und gute Säfte finden kann. Für die junge Frau ist eS von unpeheurer Bedeutung, wie fie ausgenommen wird in dem neue« Heim, mit welcher Gesinnung die Fann »r des Mannes ihr entgezenkommt und auf welche Weise fie mtt den neuen LebenSverhälmissen sich abzufindrn vermag. „ ..
Die Herzogin Cäcilie ist mit einer Herzlichkeit ausgenommen worden, wie sie sich ketne Brant besser wünsche« kann. Ich glaube, fS hat m neuer Zeit am Berliner Hofe k?tne Feierlichkeit gegeben, bei der die Gemütlichkeit so schön durch all den herkömmlichen Brunk und die steife Etikette dmchleuchtetr. All' die feierlichen Ansprachen wäre« auf den Familienton gestimmt; auch die Fest» vredigten galten dem Familienleben, uns ter Kais'? sprmh bei der Hochzeitstafel gerade so, wie ein braver christlicher Hausvater fühlt ktw redet, wenn er seinem Sodn und seiner Schwiege» tochter den Segen für ihren neuen Hausstand gibt. Und alS der hl. Water PiuS X. durch seinen Vertreter, den Herrn Kardinal Kopp, seine« SegenSwunsch und sein Wrthgrschrnk übermitteln ließ, da erklang wiederum «uS echabenem Munde das hohe Sieb von dem christlichen Faun nn» Isben, dessen Tugenden die herrlichsten Eodlstcine in der Krone, desien Rosen daS schönste G 26 auf Erden bilde». m
In gewissen Kreisen ist es ja Mode, über Byzantinismus und derginchen zr spotten, wn» das Volk an den Festlichkeiten tm Herrsche-drmfe
Ehe man ti noch wstier obschwäKt, kaffe man es lieber scheitern, um im Reichs agr die Sache mit mehr Erfolg zu betreiben. — Nachdem die konservativen .Herren" ihrem Groll über dir Sozicrlresorm Ausdruck gegeben Satten, demonstrierten fie am Samstag gegen die Reichserbschastsstever. Mir votier Mehrheit wurde eine vom Frhr v. Manterffst beantragt« Resolution angenommen, die fiv grundsätzlich gegen dir Einführung einer RrichSerbschaftsfteuer erklärt. Die „Herren*, die die Sozialresorm hrffe», schwärmen für den Aulbau der iudirekteu Rexhrstkuern. Wenn fie glauben, der Reichstag werde fich aus dir Erhöhung der indirekten Steuern aus Gegenstände de» Mafferv «brauch» e «kaffen, so irren fie sich gewaltig.
Der plötzliche Schloß drS Reichstag- hat bei den Abgeordneten vielfach großen Verdruß erregt
irn Kampfe mtt Hottentotte» in den letzte» Tagend^ Mai wieder mehrere Erfolge -rrnngrn. Aber H«drik Witboi und Morrnga haben fich dem deutsch-» «mV» Bereiche entzogen und find über die Grenze »ach Britisch-Betschuana-Land gifliichtet. AuSlie^rnwerden die Engländer fie ficherkich. Auf deutscher Seite schetat man sogar für möglich zu halten, daß mau ihne» Siusälle in deutsches Gebiet gestattet.
einen Herrn v. Bergsbo ff rot tragen ließen, zeugten von einer fast erschreck-irden sozialpolitischen Rückständigkeit, die wohl weniger im Mangel au Einficht alS im klebetflaß an Eigennvtz ih en Mrunb hat. Wenn es naS den Konservativen ping, gäbe es überhaupt leine Sozialrekorm mehr, alle Wünsche der Arbeiter schroff obzewiesen und j-de Regung der Unzufriedenheit würde mit Poliziigewalt unterdrückt. Einem vom Herrenhause in irgend einem wichtigen Punkte veränderten G-sitz: kann daS Zenirum tm Abgeordnetenhaus- selbstverständlich nicht zustimmen.
XVI.
„Uber so warte doch, Rika, Du rennst mich ja förmlich um!" So rief der kleine Theo eures Nachmittags seiner Schwester zu, welche aus dem Wohnzimmer von Frau Doktor von Wenden tretend, ihn auf dem halbdunklen Flur nrcht be? merkt hatte.
Ei, Theo, wie kommst Du denn hrerherr fragte diese erstaunt, und Du sagst nrcht ernmal "^Das^wollte ich ja eben tun, da fielst Du mir in die Rede." Guten Tag, Frau Doktor, etneit schönen Gruß von Papa und von der Tante, sagte der Kleine zu der hinter Rika in der offenen Türe stehenden Frau von Wenden. „Draußen
fällt der erste Schnee, und weil ich gar zu gerne noch einmal durchgelaufen wäre, fo schrckte mrch der Papa Dich abzuholen und Dir euren Schwur bringen. Ich wollte den Unterricht nicht stören und so blieb ich die lange Zeit bei Truda tn der Küche."
„Na, besonders schlecht scheint Dir das Warten aber nicht bekommen zu fern," meinte dre Schwester und ließ ihr niedliches Näschen prüfend umher fahren, „Du riechst ja ganz nach frisch gebackenen Teebretzeln!" .
„Ach ja," erwiderte Theo toentg kleinlaut, „Truda hatte gerade welche int Backofen. Sre mußte doch wissen, ob sie geraten seren, und 10 gab sie mir eine zum Probieren."
Elma lachte herzlich über ferne verblüffte Miene, eilte in die nahe Küche und wrckelte ernrge besonders schöne Stücke des noch herßen Gebotes in einen Bogen weißes Papier, das sie den Krädern reichte. „So", sagte sie, Rrka soll nrcht zu kurz kommen, und nun geht hübsch artrg unanständig nach Hause; bleibt auch unterwegs nicht an den Schaufenstern stehen, Papa uns Tante möchten sonst in Sorge fern."
„Darf ich das nächste Mal ntetne Werhnachts» arbeiten mitbringen und bei Ihnen anfangen?< Theo will auch gern etwas machen," bat dre Kleine. Elma nickte freundlich und fah den davoneilenden Kindern nach; unter dem Thorweg schrieen beide: „Heisa, der erste Schnee!"
Und es wirbelte draußen auch gar lustig, eine Flocke jagte die andere, bis fie schließlich doch alle sämtlich zur Erde fielen und eine dichte, weiße Decke bildeten. Wäre Franz nur wieder glücklrch daheim, dachte Elma, als sie vom Fenster aus das immer heftiger werdende Schneegestöber beobachtete. „Mitten im Winter in einem fremden Lande, unter lauter fremden Menschen, und nam seinem letzten Briefe scheint et noch gar turnt an die Heimkehr denken zu können." (o- t-z ,
7. Kapitel.
Ein Fund in der Weihnachtsnacht.
So muß ich wandern und muß fcheiden. Gar weit in's Land die Straße geht. O Scheiden, Scheiden, arges Leiden, Das schmerzlich durch die Seel» weht!
Das Wasser rauscht in's Rad der Mühle, Wie letzter Gruß zu Tal es geht.
Die Träne ich im Auge fühle Und in der Seele ein Gebet.
Alfr. Muth.
' ..........
Es ist dar tafofam sehr begreiflich, als man bereits ich« auf Beriagmig gerechnet hatte und bi» zvrn letzten Augenblicke über die Absichten de» Bundesräte» m unklaren gelassen worden war. Aber man iut doch auch gut, fich mcht blo» über den «unde»rat zu beklagen Dem, schließlich ist dieser zu seiner Eaischri- düng doch nur gekommen, weil der Reichstag nicht mehr arbeitsfähig war. Man hat ihm vorgewort-n, daß er aus die Erledigang verschiedener Borlage» gedrängt und di« Komwisfionrn bi, jetzt habe eifrig arbeiten lcffen, um dann plötzlich durch die ganze Arbeit eben Strich zu machen. Aber er hat doch erst bas» de« grausamen Spiele rin Ende gemacht, al, er sab, daß frine Hvffauug, noch mehrere Bor- lagen erledigt zu sehen, wegen der dauernden Beschluß- Unfähigkeit de, R-ich»tager eitel sei. Wenn er fich statt für die vom Reichstag erhoffte Vertagung rin- stimmig für den Schluß erklärte, so liegt es ja nahe, daß etwa» wie Racke und Strafe zu erblicken ist. Durch den Präfidewen hat er dem ReichSiag zwar mittrikr» laffen, er habe nur au» staatSkkchtl.chen Gründen feinen Entschluß gefaßt, doch irrt man fich schwerlich tn der Annahme, daß er dabei zugleich eine gewiffe Genugtuung über die Bem Reichstage berritete unangenehme Ueberraschung empfunden habe. Jeden- fall, war e» nicht schön, daß d-r Schluß ohne alle Fühlungnahme mit dem Reichstage über diesen verbärgt wurde. Im übriaer, halten wir daS durch den Schluß hnbeigeführte Unglück für nicht so groß. Wrmr die nunmehr unter den Tisch gefallenen Vorlagen in der nächsten Session wieder kommen, so hindert den Reichstag j, nrcht«, die Arbeit, die darauf verwendet worden ist, ihnen zu gute kommen zu laff-rr, also intbesondere die bisherigen Kornrnisfiombeschlüffe von den neuen Kommisfionen einfach bestätigen zu lrffrn. Daß die Srsfionen fich nicht aus ganze Legir- lalnrprrioden auSwochsen und der Reichstag nicht in Permanenz erklärt wurde, halten wir für g-rnz gut.
DaS Zentrum de» R-ich-iagS und de» preußische» Abgeordnetenhauses hat einen empfindlichen Verlust erlitten durch de» unerwarteten Tod der Abge- ordneten Stötzel. Er war da» erste Mitglied au» dem Arbeiterstande, da» der Fraktion angehörte, und hat fich in langjähriger gewissenhafter Arbeit ans sozialpolitischem Gebiete große Verdienste erworben. Um vaS RrichStagSmandat für Elfen wird ohne Zweifel ein schwerer Kamps entstehen. Die B»rhält- Kiffe find nicht mehr io wie im Jahre 1877, wo Stötzel e, zum ersten Mole errang, und die Zen- trumSpartei fich noch be* LvxnS zweier Kandidaten gestatte» konnte. Im Jahre 1893 wurde der Wahl- krei» dem Zentrum bereit, einmal durch Krupp ent- riffen. Im Jahre 1902 batte Stötzel in der Stichwahl gegen einen Sozialdemokraten gefiegt. D-r Sozialdemokraten hoffen jetzt, daß die Ur-zufriedenheit der Arbeiter über da» «ergarbeUerjchvtzgesttz ihnen zahlreiche Stimmen zusühren werde.
Ju Hessen wird die Wchlreform abermals scheitern. Bor einem Jahre schon hat die zweite Kammer den G-s-tz-ntwurf über die Einführung de» direkten Landtag-Wahlrechts, den die erste Kammer schon einmal verworfen halte, mit allen gegen vier Stimme a angenommen. Jetzt kurz vor Schluß de- Lsudtag- ist d.r Bericht de, Sesetzgebung-aurschrffe» d«r ersten Sammer er>ch»enen. Alle Abäuderunze», die die zweite Kammer an der Vorlage vorgeusmmeu hat, werden v«worfeo, die Roiwevdigkeit und Zweckmäßigkeit de, direkte» Wahlrecht» wird d> stritten und die Zrstimnmng zu der Reform wird an die Bedingung geknüpft, daß da» Budgetrecht und sonstige Recht: der Erfiey Kamme« e, weite« werden. Eine Berständtgnnz über diese B-dtncmng ist au-geschlvffrn. Die Sozialdemokraten werden fich freuen.
In Ungar« ist Fejervmy nun doch »it ta Bildung de, neuen Geschäftsministerium» beauftragt worden, trotz alle» Wüten» der Opposttiou. Schwer genug.wird chm die Aufgabe, seine Leute »usannne-. j ^finden, gemacht, da die »m Koffuth irden, der in da- «abbett eintrete, boykottiere» z» »olle» erklärieu. «Die tabialeaen Oppofitb«»«änner empfehlen sog«, das neue Ministerium au» dem Abgeordnetenhaufe hbau-zvprügel». Man entschied fich schließlich aber doch, den neuen Ministerpräsidenten und srin Programm wenigsten, erst anzuhöre». Natürlich wird man nicht zufrieden sein und ihm rin Mißtrauensvotum erteilen. Der Reichstag werd wohl vertagt oder aufgelöst »erden. Oi aber Neuwahlen eine andere Mehrheit brächten, ist sehr fraglich
In Frankreich traf am A. Mai König «lfon» von Spanien zum Besuche ei». Dir Franzosen glaubten den Besuch cm-nutzen zu lärmen, nm in der marokkanischen Frage Geschäfte zu machen, n-besoudere zu« Nachteil Deutschland». Aber etost- weilen stehea diese GeschästSerfolge lediglich aus dem geduldigen ZritungrPapiere, «n de» Rechten anderer Mächte kann der Besuch de» König- von Spiwen in Pari- und der «u-tausch von Ith* ipkücheu und anderen Höflichkeiten nickt da- mindeste ändern. UeberdirS hat man fich ta Frankreich gegen den Gast gerade nicht liebenswürdig benommen. Bei einer «nifahrt des Königs versuchte ein Anarchist mit einem Dolche in der Hand fich auf feinen Wagen zu stürzen. Glücklicherweise wurde der Mann sofort ver- hastet Man kam den Vorfall al- verhältnismäßig harmlos gelten laffen, da man kS möglicherweise mtt einem Narren zu tun hatte. Nicht mehr harmlos aber war es, baß am Abend de- folgenden Tage» bei der Rückkehr de- König- au- der Oper eine Bombe gegen seinen Wagen geschl «dert wurde, durch die 15 Personen, allerdings nur leicht, verletzt wurden. I» der Nach» zuw Montag reiste der König von Pari-»ach London ab.
In N o r w e g e n hat der Storihing der letzte Schritt zur Trennung de» Königreiche- von Schweden getan. Er erklärt«, da der König aufgrhört habe, al» Norwegischer König zu fungieren, die Bereinigung mit Schweden unter einem König für aufge-öst, über- tiug die Rcgierungtgewalt dem bisherigen Kabinett und ersuchte den König rnttzuwirken, daß ein jüngere» Mttglied de» Hanfes Bernadotte den norwegische» Thron besteige. Also die Herren Demokraten ta Ror- wegen haben den König regelrecht abgesetzt. E» bleibt nun abzuwarten, was dir Schweden und König Otiar dazu sagen.
Aufdemostasia tisch en Kriegsschauplätze ist die Niederlage der Raffen in der zwet ägigm Seeschlacht in der Koreastraße noch weit eutsetzlicher gewesen, ol» man zuerst anzunehmen geneigt war. Man dachte, st« würden am Ende doch noch einen an- sehnlichen Teil ihrer Flotte gerettet haben und andererseits würden wohl auch die Japaner nicht ohne empfindliche Verluste davon gekommen sein. AVer mtt der Zahl zuvrrläffiger S^chrichten vergrößerte fich da» Bild von der vernichtenden Niederlage. Die ru,fische Motte ist tatsächlich zerschmettert worden; fie existiert einfach nicht m hr. Daß Rußland in diesem Kriege noch fiege» könne, glaubt kein Mensch mehr. All-Welt rät ihm daher dringend zum Frieden, ganz b-jonder, dir Franzosen, die ihren Freund und Verbündet« nicht noch tiefer gedemüligt und noch mehr geschacht feh-n, vor allem auch nicht da» ihm geliebene Geld verlieren «ächten. Auch der awerikantfcke Präfid-m Roolevett bat feine guten Dienste angebeten und die russische Regierung hat erklärt, fie wünsche dir Fned-urb-dingunzen Japan» zu erfahren.
JnSüdweftafr i t a haben die den sck-n Truppen
ßrav; vsn wende«.
Rsvrlle von Manga »rechten.
19 ------ Nachdruck verboten.
XV.
Nach der schlaflosen Nacht machte sich in den Morgenstunden die Erschöpfung geltend, und als die junge Frau endlich erwachte, fand fie das Sager ihres Gatten leer. Auch beim Frühstück war er nicht anwesend, denn die Sprechstunden hatten längst begonnen. Nur einmal, beim Hinausbegleiten einer Dame, erblickte sie ihn flüchtig, mit einem so fremden, gealterten Ausdruck in den Zügen, daß sie dem Zusammentreffen beim Mittagstische mit unwillkürlicher Scheu entgegensah. Sie versuchte die gedrückte Stimmung zu überwinden und um ihre trüben Gedanken zu zerstreuen, öffnete sie den kleinen Briefkasten vor der Gangtüre und entnahm ihm die schon früh ungekommenen Briefe und Zeitungen.
Unter den ersteren befanden sich zwei große Schreiben mit dem Londoner PoWempel, welche He hastig erbrach. Das größere derselben war eine «i englischer Sprache abgefaßte Einladung von der dortigen Behörde zu der in einigen Tagen stattfindenden Testamentseröffnung der verstorbenen Mistreß Ellen Morel, Witwe des Advokaten Eharles Morel.
Diese schmerzliche Nachricht kam Elma völlig unerwartet und versetzte sie in tiefe Trauer. Durch Lruda ließ sie den Doktor um eine kurze Unterredung bitten; die betrübende Nachricht, welche seine Frau erhalten, half ihm den eigenen Kum- — -uf kurze Zeit vergessen, er tröstete die
■2 Elma in der alten freundlichen Weise und öffnete dann selbst den zweiten Brief, welcher die ihm noch bekannte Handschrift Michael's Gel-
25 pfg.; bei Wiebe* Holungen wird «ntspr. Rabatt gewährt.
Druck und Verlag 6« Sulbaet aettenbradesv tn Snlba (fymnoeM ^entsprech« wk° I .
Wodien-Rundiäiau.
(Nachdruck verboten.)
Fulda, den 10. Juni 1905.
Dir 1150jährige Jubelfeier d«»Tod«»- tage» be» hl. Bonifatius, v«s Apostel» der Dmtfchru, ist ta dieser Woche hier ta Fulda am Stabe de» Heiligen mtt großen Fefilichkriteu von den Katholiken Deutschland» begangen worden. Urber 30 Kirchenfürsten haben an der Feier t'il genommen, die all eine großartig« Kundgebung de» kathvltschrn Glaube«» gewiß eine nachhaltige Einwirkung auf da» katholffche Volk aulüben und dasselbe zu treuem Festhalten am hl. Glauben und zu l«bhafter Betätigung diese» ®tauber» entflammen Uvd begeistern wird.
In Berlin fand amDierStagdie Vermählung de» Kronprinzen de» deuilchen Reiches mtt der Herzogin Ereilte van Mrcklenbur,! statt. Ftae große Anzahl von fürstlichen Pe,sörlichkriien hatten fich zu der Hochzeit-f.ier «ingefunden. Der Reichskanzler Graf Bülow wurde bei dieser Gelegenheit Dom Koffer in den Fürfienstand erhoben.
Der preußische Landtag, d-r bereit» im Oktober zusammen getreten ist, wird alle» Ar scheiu nach bi» in den Juli hinein tagen, da dar Hetrenyau» fich Zeit läßt. Dal AbaeordnetenhauS bat am Miltwach voriger Woche Pfiagfifetieu von unbestimmter Dauer atgetreten, nachdem «S noch einige andern Htrr-nhaufe zurbckgrkommene Vorlagen, darunter daS Jsgdverpachiur grg-fetz erledigt halte. DaS Herrenhaus folgte ihm am Sonvabeud nach wenigen Sitzungen in die Ferien, aus denen e» erst am 27. Jsni zurücklehrrn wird, um fich m t der Berg- gef-tznovelle zu befcffrn. Am Freitaz v-ranstsltete es rin. ellgemeine Bifpr-ckung de» Bergarbeiterfchutzge- etzr-. Der Zindrrck, de» man davon empfing, rrar ehr günstig. Die konservativ« M-h-heit möchte am iedstrn da- ganze Grsitz zu F ll- bringen. Die An chauu'gen, die fie durch Frhr. v. Mar.tevffelund