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Maer M Zeitung

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rnonotstolage: „zuldaer Geschichtsblätter"

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32. Jahrgang.

Fulda, Samstag, den 10. Juni 1905.

HL 132

Injeisen: vw eti» spattigr petitzril« oNs bereit Kaum 16 Pte= Heflamen die petttzeM 25 Pfg.; bei Wiebe» befangen wirb ewtfr?

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vnttl nnb Verlag bes SnlbaerRctienbrwterei in Znlba (Qarmonie) Zernsprecher Ur. 9.

Schristletter-.Zes.Vaum

| pakzeler in Zulda. wochkilbellage: „Illustrierte Sonntagszeitung

Arstes AZlcrtt.

Wegen des hl. Pfiagstfefte« wird die nächste Rnwmer unserer Zeitung jerst «w Die»«tag auSgegebeu

Pfingsten 1905.

Das hl. Pfingstfest gewinnt in diesem Jahre für die Katholiken Deutschlands, insbesondere für die Diözese Fulda, einen besonderen Glanz da­durch, daß es zugleich den Abschluß der großarti­gen Kundgebung katholischer Glaubenstreue bil­det, die zur Erinnerung an die 1150. Wiederkehr des Todestages an dessen Grabe im Dome zu Fulda sich abspielte. Der hl. Geist kam am ersten Pfingsttage in Jerusalem auf die Apostel in Ge­stalt feuriger Zungen herab, um sie zu stärken für die schwere Aufgabe, die Christus der Herr ihnen aufgetragen hatte, aller Welt das Evangelium zu verkünden; der hl. Geist hat auch den Nachfolgern der Apostel Mut und Kraft verliehen, das Werk der Apostel fortzusetzen; er hat den hl. Bonifatius sich erkoren, den Deutschen den christlichen Glauben zu bringen, sie in den ewigen Wahrheiten zu unterrichten und ihre unsterbliche Seele für den Himmel zu gewinnen. Den Blick von den irdischen Dingen zum Himmel zu erheben, mahnt uns ganz besonders das Pfingstfest. Erst im Lichte deshl. Geistes vermögen wir ja die e i g e n t° liche Bedeutung der irdischen Güter zu erfassen! Dies ist eine der ersten, hervorragend­sten, wichtigsten Früchte der Ausgießung des hl. Geistes. Blicken wir zu diesem Zwecke auf die Jünger des Herrn und suchen wir ein Bild der Apostel vor und nach dem Pfingstfest zu ge­winnen.

In der Leidenswoche waren die Apostel noch stark von irdischen Gefühlen beherrscht. Sie waren kleinmütig und furchtsam. Ihre Blicke waren auf das Irdische gerichtet. Sie hofften, in einem Reiche, welches sie von Christus erwarteten, wichtige und angenehme Rollen zu spielen. Sie erwogen schon die Frage, wer der Erste unter ihnen in diesem Reiche sein würde und die Mutter der Zebedäer stellte eine eindring­liche Bitte zugunsten ihrer beiden Söhne.

Ganz anders war es n a ch Ausgießung des hl. Geistes. Es ging ihnen ein ganz neues Licht im Geist und im Herzen auf. Sie sahen plötzlich ein, daß ihre Hoffnung nicht auf irdische Macht­stellung, nicht auf Besitz und Genuß zu setzen sei, sondern daß wir diese Dinge der Welt genießen müssen, nur um höhern Zwecken des geistigen Lebens dienen zu können. Niemand darf durch Furcht vor Gewinn oder Verlust irdischen Besitzes von dem Streben nach Vereinigung mit Gott sich abwendig machen lassen, sondern muß auf Gott, seine Ehre, auf das Heil des Nächsten und auf das eigene Seelenheil iüles beziehen. Nur dann werden wir imstande fein, von diesen irdischen Dingen einen wahren und rechten Gebrauch zu machen.

Die Ausgießung des hl. Geistes lehrt uns eine weitere Wahrheit des religiösen und sozialen Lebens. Soll der hl. Geist eine Erneuerung des Lebens Hervorrufen, so muß der Mensch der Selbst­sucht absterben und inderLiebezumLeiden erst die nötige Befähigung für die Einwirkung Der Gnade erhalten, ohne daß unsere Seele vor-

Statt} von wenden.

Nwrllk von Marga Brechten.

20 ------ (Nachdruck verboten)

(Fortsetzung an« dem zweiten Blatt)

Es waren allerdings schon einige Wochen seit der Abreise des Doktors verstrichen. In den ersten Tagen ließ das Leid über den unerwarteten Tod der geliebten Tante alles Zweifeln und Grübeln über die mit dem Gatten räffelhafte Ver­änderung in den Hintergrund treten. Sie be­weinte die Verstorbene aufrichtig, dann aber kehrte ihre ganze Sorge wieder dem geliebten Mann zu, und sie nahm sich vor, durch angestrengte Täftgkeit die unglückseligen Rückstände zu decken. Durch seine Abwesenheit und ihre jetzige Trauer hörten alle gesellschaftlichen Beziehungen zu den neuen Bekannten für die nächste Zeit doch so wie so auf. Hierdurch trat in den Ausgaben der Haushaltung eine bedeutende Verminderung ein, und Elma freute sich durch gewissenhafte Spar­samkeit noch eine kleine Summe zu einem be­stimmten Zwecke zu erübrigen. Manche Frau an ihrer Stelle würde im Gedanken an das ihr wahr­scheinlich zufallende reiche Erbe die Hände in den Schoß gelegt und sorglos dahin gelebt haben.

Frau von Wenden dagegen dachte anders. Würde ihnen durch die gütige Fürsorge der Tante das Vermögen zufallen, so wollte sie sich freuen, um ihres Gatten willen, der sich dann etwas mehr Ruhe gönnen pnd manchen wissenschaftlichen Ge­nuß verschaffen konnte; aber auch um ihrer selbst willen konnte sie alsdann dem Leben heiterer und sorgloser entgegensehen. Sie war nicht ver­gnügungssüchtig, und ihr Herz hing nicht am

bereitet ist durch den Leidensgang, gewinnt sie nicht die Kraft zur Mitwirkung mit der heiligen­den Kraft des Geistes. Das Herz muß von irdi- schen Begierden befreit, die Seele muß von menschlichen Leidenschaften rein sein, ehe die be- seeligende, stärkende, zum Handeln spornende, zur Lugend befähigende Einwirkung der Gnade des hl. Geistes in Tat und Wirklichkeit übersetzt wer­den kann.

Diese beiden Wahrheiten, 1., daß wir nur durch den hl. Geist die r i ch t i g e E r k e n n t n i s der Bedeutung dieser Güter in der Welt für den Einzelnen und die ganze Gesell­schaft erlangen, 2„ daß aber eine Voraussetzung des Lichtes der Gnade des hl. Geistes die B e= reitwilligkeit zum Leiden ist, haben die alte Gesellschaft der Heiden unb Juden um­gestaltet und haben die christliche Zivilisation uns gebracht. Wir sind auch gegenwärtig und für die Zukunft imstande, das soziale Leben im christ­lichen Geiste und Sinne entwickeln und die Be­ziehungen der Völker, der Berufsklassen, der Ein­zelnen immer edler und reiner, wahrer und klarer zu gestalten.

Das Heidentum kannte im sozialen Leben nur die Macht des Stärkeren und verurteilte die Schwachen zur Rechtlosigkeit. Das Juden­tum kannte nur die Verheißung des gelobten Landes, wo alle Schätze der Welt und alle Genüsse des Lebens dem zum Pharisäismus und Sad- duzäismus entarteten Volke geboten werden sollten. In dieser Einseitigkeit des Strebens und der Gier nach Macht, Besitz, Genuß ist das jüdische Volk festgebannt und vermag sich dieser Leiden­schaften nicht zu entringen. Ueberall, wo diese Gier im praktischen Leben sich geltend macht, bringt sie Unruhe; Verwirrung, Zerstörung der gesellschaftlichen Harmonie im Erwerbsleben hervor.

Man glaube aber ja nicht, daß mit der rich­tigen Schätzung der irdischen Güter eine Welt- flucht verbunden sei und daß Verarmung, Ar­beitsscheu, Rückgang des Besitzes eintreten müssen. Der vom hl. Geist Erleuchtete und durch seine Gnade Geführte arbeitet allerdings nicht, um der Lust des Gewinnes und des Genusses irdischer Dinge zu fröhnen, aber er hält die Arbeit für eine von Gott ihm zugewiesene Aufgabe, welche er nicht um irdischen Lohnes allein willen, um sich das tägliche Brod für sich und die ©einigen zu verdienen, sondern auch zur Ehre Gottes und zum Wohle des Nächsten verrichtet. Von dem, was feine Hand verdient, wird er nur das Not­wendige gebrauchen, das Uebrige auffparen und für sich und den Nächsten in der Zukunft frucht­bar gestalten. So wird die christliche Anschauung die Gesellschaft der Früchte der Arbeit nicht be­rauben, sondern sie ihr in größerem Umfange und in besserer Verteilung zuführen, als dies der von Habsucht und Genußsucht geleiteten Menschheit möglich war und sein wird.

Diese Betrachtung der Wirkung des hl. Geistes geht von der Gesellschaft aus und zeigt uns die Kraft der göttlichen Gnade für das soziale Leben. Noch reichlicher ist die Gnadenwirkung des hl. Geistes auf die Einzelne n. Wir sehen sie plötzlich zu entscheidenden Entschlüssen hervortreten bei den Aposteln am Pfingsffeste zu Jerusalem, aber auch bei zahllosen Heiligen, welche mit der Gnade mitwirkten, als das Wehen des hl. Geistes über sie kam. Aber meistens tritt diese Gnadenwirkung erst hervor, nachdem der Mensch in Leid, Geduld und Abtötung seine Seele vorbereitet hat.

Gelde, wie Franz manchmal gedacht haben mochte, und wenn sie sich zuweilen hinaus gesehnt hatte, so entsprang dieser Wunsch nur der Einförmig­keit ehelichen Lebens; ihre Tätigkeit wurde nicht von jenen kleinen unzähligen Sorgen einer Mut­ter in Anspruch genommen, und die völlige Ein­samkeit, welche ihr Gatte in seinem immerhin wechselnden Berufe nicht empfand, drückte auf ihr von Natur fröhliches, geselliges Gemüt mit einer lähmenden Schwere. Manchmal stellte sie sich vor, daß Franz arm zurückkehren werde, wie er ge­gangen, und dann erkannte sie mit einem be­seligenden Gefühl, daß sie ihm mit demselben Jubel, mit derselben wahren Herzensfreude ent­gegen eilen würde.

Wäre er nur erst wieder glücklich daheim, dann wollte sie jede Furcht vor seinen mißbilligenden Blicken überwinden und ihm alles bekennen, und dann mußte es zwischen ihnen wieder ganz so werden, wie früher! Aber niemals mehr wollte sie eine noch so kleine Schuld machen, dann konnte sie ihm stets offen und vertrauend begegen und brauchte ihre Zuflucht nicht zu allerlei Heimlich­keiten zu nehmen. Dies allein war ja doch an allem schuld gewesen, und wenn sie erst ihre Ver­pflichtungen gelöst haben würde, dann gedachte sie den Verkehr mit Heimbach allmählich zu lockern, wenn auch nur aus dem Grunde, weil er Franz nicht gefiel.

Am letzten Gesellfchaftsabend war es ihr vor­gekommen, als ob ihr Mann den armen Pro­fessor mit einem Blick ganz unerklärlichen Hasses gestreift habe, und wenn sie nachdachte, so er­innerte sie sich genau, daß sie niemals unzu­friedener mit den eigenen bescheidenen Verhält­nissen gewesen war, als wenn sie von einem Be­suche der Freundin zurückkehrte, und die oft wenig zartfühlende Tora ihr von einer ganzen Reihe kostspieliger Einkäufe und den häufigen, reichen

Feiern auch wir Alle das Pfingstfest im Geiste der Erhebung des Herzens über das Irdische, in demüttger Geduld bei Leiden und Trübsalen. Dann wird der Segen der Einwirkung des heilig­machenden Geistes uns den rechten Weg in diesem irdischen Leben zeigen und uns zugleich das un­verbrüchliche Unterpfand der Erreichung des ewigen Zieles in der dauernden Vereinigung mit dem dreieinigen Gott uns bieten! Und das wäre die schönste Frucht der Pftngstfeier des Jahres 1905, des Schlußtages unseres großen Bom- fattusjubiläums.

Deuftoes Reich.

Lrrli», bett 9 Juni 1905.

Reuters Bu eau verbreitet fine ouß Wa htnqion buiitite Depesche, die dringt: „Die deutsche Regierung Hot in den letzten Tauen verschiedenen Mächten einen förmlichen Vor­schlag wegen Einberufurg einer internationalen Ronfften« tut Beratung der M«r»kk» A«- gelezevheit gemacht.- Hier liegt, bemerkt voze sie ,9lorbb. ÄUg. Ztg/, ein Mißver­ständnis vor. Die Einberufung zur Konferenz gebt bekanntlich vom Sultan von Maro'ko aus. Ti« Raiftthd)« Regierung hat den Vertrags- nächten der Mrfert-er Konferenz von 1880 mit fletftlt, daß u. d aus welch»» vertragsrechtlichen Gründen sie bereit iß, die Einladung anzu- nehmen.

§ Zar „Dividendenseuche * der sozial­demokratische« «ousnmveretue, über di« auch auf dem letzten Gewerkschaftskongreß ge­klagt worden ist, liefert der .Korrespondent' der Buchdrucker wieder einen neuen Beitrag, indem et dem durch und durch sozialdemokratischen Plagwitzer Konsumverein oorwüf, daß er sriren größten Dcuckaustrag, Tütendruck, an eine Druckerei vergibt, feie den Tarif nicht aner­kannt hat. »Dieser Tütendruck-, so schreibt das Sehiff-nblatt, „ist eben der größte Diuckauftrag, den dre Grschüfttleitung zu vergeben hat, des- halb geht man damit zum Lehrlingszüchter uns Organisationsftind, zu dem Drucker, der dir schlichtesten Löhne zahlt. Sonst aber spielt man sich in den öffentlichen Versammlungen als Genosse auf und wettert gegen das den Arbeiter auSbeutrnde Kapital. „In ihren Früchten sollt ihr fie erkennen." Dieses Wort trifft auf die Grschästsleitung des Plagwitzer Kossumvereins in vollem Umfange zu, und die Leipziger Arbeiter können stelz darauf sein, wie ihr Radikalismus in die Prax'S übersetzt wird. Man schildert so gern in Brbe.t«»b!äUeltt, wie der Spitzenbesatz auf dem ÄUifce der Weltdame von Halboer- hungerten Spitzeakiöppnennnett des Erzgebirges ang,fertigt wird, d:e Spielsachen der Kinder von dem einen frühen Siechtum anheimfallenden Irbeiiedinbern des schönen Thüringen; nun mag man einmal schildern, wie radikal und fort- aeschrittsn fdn wollende Är bester, auf -deren Fahn; btt Schlachtruf stebt: „Proletarier aller Linker verneigt euch!", die Hand darzubieten, die eigenen ArbntSbrüfeer in der Knechtschaft zu erhalten, ihnen es unmöglich zu machen zu einer höheren Lebenshaltung zu gelangen, nur damit

Geschenken, die sie von dem dankbaren Schwager erhalten hatte. Und dennoch war es ihr im An­fänge fast wunderbar vorgekommen, wie das traurige Ereignis und die Abreife des Gatten ihr die Wege selbst geebnet.

In dem Gallerienkabinet der Geheimrätin hakte sie dem Professor damals ihre Zusage ge­geben und Rika's Stunden festgesetzt. Seitdem kam die Kleine täglich. Die übernommene Pflicht wurde Elma nicht zur Last, denn ihre Schülerin lernte leicht und gern und hatte in den wenigen Wochen in den beiden Sprachen mehr Fortschritte gemacht, als andere Mädchen nach monatelangem Unterricht. Allmählich milderte sich sogar ihr rauher, etwas knabenhafter Charakter, im täg­lichen Verkehr mit der feingebildeten, fünften Frau von Wenden verschwand eine Härte nÄch der andern, und manche abstoßende Gewohnheiten machten einem weichem, kindlichen Wesen Platz. Niemand erkannte dies mit größerer Freude und Dankbarkeit als der Professor selbst, aber er achtete Elma's jetziges zurückhaltendes Benehmen zu sehr, um ihr durch häufige Besuche während der Abwesenheit des Doktors und durch persön­liche Anerkennung ihrer Güte lästig zu fallen. So kam es, daß man sich jetzt seltener sah, als früher; der gegenseitige Zweck war erreicht, und Fräulein Erdmann hatte schon jetzt alle Hände voll zu tun für das bevorstehende Weihnachtsfest.

Auch'Elmas Zeit war kurz bemessen und io vermißte sie die Freundin nicht. Der Morgen wurde fast ganz von Rika's Unterrichts-Stunden in Anspruch genommen. Das kleine Mädchen schloß sich mit jener schwärmerischen Anhänglich­keit an die junge Frau an, welche Kindern ihres Alters oft eigen ist. Sie erzählte ihr die unbe­deutendsten Vorfälle aus ihrem Schulleben in ihrer drolligen, bizarren Weise, so daß sie Elma oft über die trübste Stimmung hinweghalf und

rin paar Prozente Dividende mehr heraus- geschunden werden können ... So verstehea eS libeiter — und noch dazu in Leipzig — ihre Ideal« zu ve-wi'.kltchen und grvoffenfchaft« lichru Geist zu dekanber " Bekanntlich gebe» alle staatlichen und kommunalen Betören ihre Druckaufträg« nur an tartstreue Druckereien, um, scwrrt eS an ihren liegt, zur Aufrechterhaltung der zwischen den Arbeitgebern und -uehmern durch Tarifvertrag vereinbarten Löhne betzu» tragen. Die „Arbeiterpartei" braucht ja auf solche Dinge keine Rückficht zu nehmeri; sobald fie selbst zu einer Betriebsleitung gelangt, treibt ste's vielmehr toller, als der ärgste Kapitalist.

* Papst Pins X. «ob » r knthottfche Grfelleuvereiu. Am 13 Ma, r>. IS. hatte eia hochverdientes Mitglied deS Sckuh-orfisnfeeS des kacholischen Gesellen v-rrinS zu Köln, Herr Justizak Eustl>dis, die hohe Eh e mtt selver Familie in Privalaudirkn vom heiligen Vater empfangen zu werden. Nachdem der Papst mit sichtlichem Jnterefft angel ö t, was man ihm vom katholischen Gesillrnverein erzählte, sagte et wörtlich:

Ich erteile dem varrzen B:re>» do« Herzen wehen apostolischen Szgen. Sagen 6:e den jungen Handwerkern, daß fie während ihrer Ribett »ott nicht vergess« sollen. Und weiterhin solle» fie bato > denken, wie viel fie, die Jugend, den im Alter Ergrauten »exbanten. Drum wögen fie, wenn fie auch in harter Arbeit durch ihrer Arme Kraft ihr tägliches «rot verbi-» e», benxoch nicht der Alten vergessen, die Wit ihrem B »stand mW ihrer Erfahrung ihnen hilfreich zur Seite stehen. Ste sollen doch immer eine eben! sein, daß die Jugend den Ailtei en folgen «sd gehorche» soll.

Wir find fest überzeatzt, bemerkt dazu da- ,Ka!pingS Blatt', daß diese h-rrlichru, ouS liebe» voll besorgtem Herzen gesprochenen Worte unseres vielgeliebte» hl. VarerS auf all-, bk unserem großen Verbände ongehören, d-nseibeu tiefen E »druck mach-n beifern, den sie h rvorriesen, als fie am Adens deS 1 Juni den versammelten Mitgliedern des Kölner GeseLenvsreinS von oan heimgrk hltrn Rsmp!ge- oetanntgegeben würfe»n.

V Berlin, 9. Juni IM 5. Der Kaiser brachte bei dem heutigen Fiübstück im O.fipelkafiao deS Lruppevübungkplatze« Döbe-itz eine» Trinkspruch auf die Gäste auS sremden Arween a«S, »elche anwesend waren. Der ftaazöstfche General de Lorco x dankte mit kurzen Worten und trank auf daS Wohl des Kaisers, der Kaiserin, der kaiserliche» Familie und auf die Truppe», welche durch die a»wes«den Offiziere verttetrn wäre». — DaS Krouprinzenpaar wird im ganze» etwa 14 Tage im Jagdschloß H-rbrrtuSstock verbleibe». «18 Tag der Elnzugsferrrltchkertiu fa Potsdam «üb Samt tag, 24. d. M., gesäurt. - DaS EtaatSmiuisterium trat unter dem Borsttz deS Fürste» von Bülow heute zu einer S tzurg zusammen. — Der Kvlonialrat ro'ib Donnerstag, de» 26. Jvni d. I., voimittagS 10 Uhr, im Sitzungssaal« der Kolonialabteilung des Auswärtige« Amts zusammen. treten. — Der bisherig« Eist« Sekretär bei der Kaiser« liche» Gesandtschaft in Brüssel, LegalionSra' v. Bülow ist zum 1. Jnli d. I. zur Beschäftigung in daS AuS« wärlige Amt ewberafen. An seine Stelle tritt der bisherige Z-veitr Sekretär bei der Bo'schaft in London, Legutiovsiat D«. Graf von OderEorff, der in der Person deS früheren Drilteo Sekretärs bei der Bot­schaft i* St. Petersburg. Pnnzen Wilhelm zu Stol« berg-Wernigerode, einen Nachfolger erhält. Ferner wird demnächst der bisherig« Erste Sekretär bei der Kaiserlichen Grfavd'schast rm Haag, LegatiouSrat von ProlliuS, zur Vertretung des krankheitshalber »ach Deutschland benrlaabte» Minister - Residenten

diese sich, wie verjüngt und erfrischt fühlte. Auch die mit so großer Scheu erwartete Entgegen­nahme des ersten Honorars der Stunden wirkte für ihr feines Zartgefühl nicht verletzend. Nach­dem Rika sechs Wochen gekommen war, über­brachte sie eines Morgens ein prachtvolles Veil- chenbouquet, das unter feinen duftigen Blüten ein Röllchen neugeprägter Goldstücke enthielt.

Als Elma später allein war, betrachtete sie den kleinen selbst erworbenen Schatz mit feen selt­samsten Gefühlen. Wie viel bange Sorgen hing doch oft an feiefen blitzenden Metallstücken, tote schwer und angstvoll konnte ihr Mangel ein ein­sames Dasein, wie sorgenfrei ihr Besitz das Leben machen! Ach, oft hatte sie in ihrer Jugend feie gleiche Summe für unnütze Tändeleien ausge­geben, und nun hatte sie sich gefreut, sie mühsam verdienen zu dürfen. Dann brach sie das Röllchen auseinander, überzählte alles unb fügte die er­sparte Summe hinzu. Gott fei Dank, es reichte. Arn Nachmittage trat Truda mit einer wohl- gefüttten Börse den Gang nach den einzelnen Ge­schäftshäusern an unb überbrachte ihrer Herrin halb daraus die vier Quittungen nebst feer liberal erhaltenen höflichen Bemerkung, „daß es durch­aus nicht so geeilt hätte!"

Elma verschloß die verhängnisvollen Blättchen mit einem herzlichen Dankgebete und dann teilte sie das noch übrige Geld in drei Teile ein. Den einen bestimmte sie zu Weihnachtsgeschenken für ihren Mann und die treue Truda, der andere sollte zu einer besonderen Ueberraschung dienen, und mit dem dritten wollte sie einigen Armen eine kleine Bescherung bereiten. Man war jefct am Ende des Monats November; sie mußte sich darum mit ihren Gaben, welche meistens auS niedlichen Stickereien für feas Studierzimmer be$ Doktors bestanden, sehr beeilen. Besondere Freude machte ihr die Ausführung eines kleinen Aqua«