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Kernsprecher Br 6
■sessesa
Fulda, Donnerstag, den 8. Juni 1905.
32. JahrgMg.
□ Sc. Eminenz Kardinal Kopp beim Kaiser.
Der Kaiser hat am Dienstag mittag um 12 Uhr im Beisein des Reichskanzler- Fürsten v. Bülow Se. Emininz den Fürstbischof von BreSlau, Kardinal Kopp empfangen, der vom Papste beauftragt war, ein eigenhändige-Glück« wunfchschreiden an Kaiser Wilhelm zu überreichen und der gleichfalls anwesenden Herzogin« Braut al- BermählungSgeschrnk eine Mosaikdarstellung der Amora von Guido Reni auS der päpstliche Mosaikfabrik zu übergeben. Kardinal Kopp hielt bet der Audienz folgende Ansprache:
„®tii hoher Auftrag ist «8, der mich heute, wo die Augen deS flamen deutschen «oller in innigster Teilnahme zum Kaiserhaufr emporblicke», au da- Hoflager Eurer Majestät führt. Seine Heiligleit Papst PiuS X entsendet mich zu Eurer Majestät, um de« Ausdruck jener innigen Erfühle liebevollster Teilnahme zu über« bringe«, mit denen Seine Hriligleit der kaiserlichen Familie am heutig« Lage gedenkt und seine Erdete für daS hohe Brautpaar zum Himmel s«drt. Der Hinblick auf die Millionen katholischer Äntertan«, die in treuer Liebe und Anhänglichkeit zu Eurer Majestät alS einem allezeit gütigen und gerechten LandeSvater empor« blick«; die erhabene Stellung Eurer Majestät, der« Einfluß von einem Pole zum andern stch geltend macht und mit fester, aber auch sanfter Hand den Verkehr der Böller auf die ewigen Srundsätze christlicher Ordnung zurückzuführeu bestrebt ist; daS Band persönlicher, vertrauensvoller Beziehungen, die Eure Majestät in weiser Würdigung der segenSvallen Bedeutuna kirchlichen Friedens stets zu dem Inhaber deS päpstlich« Stuhles, wie dem verewigten Papst Leo XIII., so zu dem jetzigen gepflegt habe» und pflegen: alles diese» drängt Seine Heiligkeit zur innigen und freudigen Teilnahme au der hohen Festseier, die heute zwei Her,« zum heiligen Bunde vereinigt, der nach EotieS Ratschluß jenes Erbe tugendreicher tleberlieferungeu wahren und mehr« soll, die daS deutsche Volk als die edelst« Perl« in dem Madern seines erlaucht« Kaiserpaares verehrt. Eure Majestät wolle geruhen, daS Hand« schreib« Seiner Heiligkeit huldvollst entgegeuzunetzmen. Zugleich erscheine ich heute vor Eurer Majistät alS Vertreter des preußischen Episkopat« und derjenigen deutsche, Bischöfe, Rebt, und Prälaten, die in dies« Tag« zur Feier deS 1150» jährigen Jahr-Stage» de» MärtyrertodeS de» heilig« Bonifatius in Fulda versammelt find. Mit vereinter Liebe gedenk« fie betend an der glorreich« Ruhestätte des heiligen Apostel» Deutschlands deS hohm Brautpaares und leg« dem erlauchten Ellernpaare ihre ehrfurchtsvollsten Elückwüusche zu Füßen. Besonder- der preußische Episkopat hebt mii seinen Diözesanen Herz und Hände heute zum Himmel, um GotteS reichst« Segen auf daS Hoh«zollernhauS herabzurufen, dem heute ein neuer leb«Skräfti,er Zweig eingefügt werden soll. Gestatten Eure Majestät, daß ich mich »och eines weiteren Auftrages Seiner Heiligkeit entledige, indem ich mich an Ihre Hoheit die Herzogin-Braut wmde. Seine Heiligkeit der Papst PiuS X. bittet Eure Hoheit, alS beredten Ausdruck feine Herzenswünsche dieses Bild anzunebmen, aus leucht«- d« Steinchen jenem Meisterwerk Guido Renis nachgebildet, da» nach der griechischen Mythologie die Götti« der Morgenröte darstrllt, wie fie dem Bruder, dem Gestirn deS Tages voraneilend, die Lichtfackel schwingt und Rosen zur Erde streut. So sollen, daS find die Hoffnung« und Wünsche deS ehrwürdigen Priestergreises, Himmelslicht und Himmelrfeg« der «mffteigend« Lebensbahn Eurer Hoheit voraeeil«. So sollen gleich dem Beispiele unserer allgeliebte« Reifet in, wie ihrer beiden unvergeßlich« Vorgängerinnen auf dem Kaiserthrone, die Hände Eurer Hoheit Rosen streuen auf den Lebensweg Ihres erlaucht« Gemahls und Rosen streu« in die Herzen deS deutschen Volke». So denlt stch der greise Pontifex Preußen» künftige Königin und DemfchlandS künftige Kaiserin. Dieses Ideal wollte
er in feiner »rihegabe verfinnbild«. Euere Hoheit werd!ne»verwirklich« mit de» Herr»Gnade und Lei- stand, uud so bitte ich Eure Hoheit, diefes Erinnerung», bild Seiner Hellt,kett an den heutigen Tag huldvollst aunehwea zu wollen."
Der Kaiser dankte auf diese Ansprache mit warmen gnädigenMorten, indem er seine Freude über die Aufmerksamkeit Seiner Heilig, kett wie seiner Verehrung für die Person deSPapsteS aussprach. Zugleich dankte Kaiser Wilhelm dem Herrn Fürstbischof in herzlicher Weise für die Glückwünsche, die ihm Kardinal Kopp als Vertreter bei preußischen Episkopats und der in Fulda versammelten deutschen Bischöfe, Aebte und Prälaten dargebracht hatte. Auch die Herzogin-Braut äußerte stch dankbar für die Freude, die der Papst chr mit der Ueber- rechung deS schönen Mosaikbild«« b-reitet habe.
Deutsche; Reich,
Berlin, de« 7. Juni 1905.
* Der Kaiser wird seine diesjährige Sommerfahrt nicht über die Ostsee hinaus ausdehnen und insbesondere die norwegischen Gewässer nicht berühren. Den Entschluß will man auf die so hoch gespannte politische Situation in Schweden und Norwegen zurückführen; doch ist wohl auch die Vermutung nicht unbegründet, daß er in der allgemeinen politischen Laae, wie ste insbesondere durch die letzten Ereignisie in Ostasten und durch die neueste Entwickelung der marokkanischen Politik herbeigeführt worden ist, seine Ursache hat.
§ Der «rrßherzog von Mecklenburg- Schwert« hat zum Andenken an die Vermählung seiner Schwester mit dem Kronprinzen dem Reichskanzler Fürst von Bülow seine Büste in Marmor zum Geschenk gemacht. In einem be» giftenden Handschreiben gedenk» der Großherzog auch der alten Beziehungen, die den Reichskanzler mit dem Lande Mecklenburg verbinden. Der G oßherzog vdnOldenburg brrhrte den fangler Fürsten v. Bülow mit seinem Beuche und verlieh ihm die Kette und die goldene Krone zum Oldenburgischen Hausorden.
8 Ueber die Stelluug be» 8«rste« Bi»- w«ck zur s-zialpolitische« «esetzgebxug glaubt Graf Mirbach uns aufklären zu können. Er erzählt in der .Kreuzztg/, er habe 1889 zu der Minderheit der Konservativen gehölt.die im Reichstage gegen das Javaliditäts- und Alters- verfichrrungsgesetz stimmten. Bei einer Unterredung mit dem Fürsten Bismarck nach der Verabschiedung des Gesetzes habe er sein Bedauern darüber ausgesprochen, daß er ihm auf diesem Gebiete habe opponieren mflffen. Fürst Bismarck erwiderte darauf: „Glauben Vie doch nicht, daß mir an diesem Gesetze so viel liegt, zumal in der Form, die es vedauerlicherweise erhalten hat. Ich hielt eS wesentlich deshalb für notwendig, dte Vorlage durchzudrücken, weil". . . . Man denkt nun, jetzt kommt's! Aber Graf Mirb. ch fährt fort: „@8 folgte eine Bemerkung auf p r° sönlichrm Gebiete, di« ich hi«r nicht wiedergebsn kann, weil fie fich auf zwei heute noch lebend«
Personen bezog, eine Bemerkung, die ich dieser- halb kurzen Memoiren aus jener Zett, welche ich zu hinterlasse« gedenk«, vorbehalte. Die vor- stehen) zitterten Wort« deS ersten Reichskanzlers sind mir genau erinnerlich. Von den Wirkungen des Gesches erwartete Fürst Bismarck, wie er des weiteren bei derselben Unterredung auSführte, nicht sehr viel." Was soll nun eigentlich diese Erzählung, die daS Wichtigste verschweigt? Sie erinnert lebhaft an die parlamentarisch«« Reden des Grafen Mirbach. Da liebt er es, allerlei daher zu plaudern, ohne daß man erfährt, was er eigentlich will, und wenn man meint, nun werde «r etwas sagen, so ist er fertig oder geht zur Plauderei über ein anderes Thema über.
§ Die in der Presse fortdauernden Srörte- runden über den Ausschluß einiger Druck- schriste« vom Keilbieteu iw Umher ziehen geben der .Nordd. Allz. Ztg.' Veranlassung, die Sach, und' Rechtslage dahm klarzustellen: Mer Druckschriften im Umherziehen feübieten will, hat ein Verzeichnis derselben dem durch den Wohnort des Antragstellers bestimmten Bezirks- auSschuffe zur Genehmigung vorzulege». (§ 56 Abs. 8 der Rrichkgewerbeordnung.) Als Rechts- mittel gegen den Beschluß des BezirksauSschuffes find nur der Antrag auf mündliche Verhandlung und die Revision an das Oberoerwaltungsgericht gegeb'n. (§ 13 der Allerhöchsten Verordnung vom 31. Dezember 1883. Gesetzsammlung 1884, Sette 7.) Der Zuständigkeit der Polizeibehörden ist diese Angelegenheit hiernach ganz entzogen. Wie von den Zer tralinstanzen der meisten Bundesstaaten, wird in Preußen von dem Ministerium der Innern seit ungefähr 20 Jahren eine Ueber- ficht ausgestellt und durch Nachträge ergänzt, w,lhe die Titel derjenigen Druckschriften zu- f ammenstellen, deren Feilbieten im Umherztehen die Entscheidungen der einzelnen Bezirksausschüsse nicht zulaffen. Die Aufstellung dieser Verzeich- xiffe verfolgt lediglich den Zweck, den BezirkS- auSschüfirn die Prüfung der Anträge auf Zulassung von Druckschriften zum Kolportagebuch, handel erleichtern. Ebensowenia aber wie ein Bezirksausschuß an die Entscheidung eine« anderen BrzirkSauSschuffes grbundkn ist, kann oder will das von dem Ministerium heraus- gegebene Verzeichnt- dies« Entscheidung formell beeinflussen, und zwar schon deshalb nicht, weil dem Ministerium oder den ihm unterstellten Verwaltungsbehörden eS in keiner Weise gesetzlich znsteht, in dje den VerwaltungS- gerichten vorbehaltenen Entscheidung einzugreisen.
** Im Abgeordnetenhaus« ist die nächste Sitzung auf den 30. Juni 12 Uhr mittaeä an« gesetzt worden. Auf die Tagesordrung find gefiert worden alle unerledigten Vorlage mit Ausnahme der Brrggesktznosellen.
% Die deutsche Anarchistenko»tfere«z, der b.kanntlich das Zusammentreten in Wenigen- jrna wie überhaupt in Thüringen verboten war, will nunmehr zu Pfingsten in Horn bei Ham- bürg tagen.
* Eine deutliche Antwort auf den Kampfeslärm gegen die katholischen Korporationen. Es scheint, als ob fich jetzt
Sraitj von wenden.
Novelle vo» Rarga «rechte».
17 ------ Nachdruck verboten.
Fräulein Erdmann war überglücklich. doch halb gewann«; daS ist schon viel und macht weisem Losungswort: „Immer mutig gegen den Strom" alle Ehre. Wie wird fich Erich freue«! Seine zwei Spröß» uage dürfen »och nicht» erfahren, bi» fie fich endgültia e isckloffcn habe». Ist acht Tage Bedenkzeit gern? — Run wohl, am Donnerstag abend find wir alle zur Frau Geheimrat 6. ringelnd«, wollten Sie bann mdnem Schwager eine bestimmte Antwort geben? S ine Dankbarkeit wird keine Grenze hoben, mein he ziger Elmchen" —
Der kurze Herbstnachmittag nahte inzwischen seinem Ende, und die immer kälter werdende Lust mahnte an den Heimweg. Die beiden Dame» waren bald en dem Borgärtche« angekowmen, da» die kleine Billa umgab, und trennten fich
Elma war froh, ihren Gatten ihrer harr«d zu finden, den» fie hatte da» Llleüssein gefürchtet. Sie küßte die Falten von seiner Stirne und schmiegte sich an die tteue Brust de» ernst« Manne». Er umschloß herzlich ihre kalten Finger mit seiner warmen Hand, während ihr Herz bei drm Gedanken fich zusammenzog, daß fie ihn, wenn auch in einer geringfügig« Sache, zu betrügen gedachte Bor einiger Zeit hatte Franz von Stoben geäußert, jene wirdergesunbene Freandin übe keinen guten Einfluß ans feine gute Frau au»; in diesem Augenblicke fühlte sie, wie sehr er Recht habe.
Mir wem warst Du spaz'ereo, mein Liebling?' fragte et herzlich.
„Mit Dora «tbmw.it,* flüsterte fie in fast unhör- barem Tone. Er drückte fie fester an fich, jagte aber nicht».
O, wenn er nur gesprochen, ober fie ein wenig gescholten hätte! dachte Elma, bann würde fie den Rut gefunden hab«, ihm alle», alle» ewzngesiehro. Doch er hielt jede» weitere Wort für nutzlos, und sie überwand ihre Sch« dicht, sonder» preßte die Lippen zusammen und ließ alle» kommen, wie e» wellte. —
XIII.
Wie enll » lang dünkt un» die kurze Dauer chner Woche, wen» wir dem Ende derselbe» mit einer froh« Hrfsimvg entgegensetze» uud wie flüchtig er- cheinen un» nicht diese wenigen Tage, wenn irxend eine bange Furcht urf vor dem AuSgang derselben zurückbeb« läßt.
Elma hatte ihr Meines Geheimnis sorgsam gehütet, aber die Ruhe war au» ihrem Herz« gewichen. Sie entwarf alle möglichen Pläne, um sich aus andere Weise eine kleine Summe zu verschaffen, mußte aber alle a!S völlig unausführbar fallen kffe». Dao» betrachtete ste d« einmal angebahnten Weg stets al» den natürlichsten; nur wen» fie in die treuen Ang« hre» Manne» sah, schi« ihr Alle» eher möglich, al» hn zu hintergehen. Diese» ewige Hin- und Her- fronen, Schwank« und Beschließen machte fie zerstreut und verlieh ihrem ganz« Wesen eine Unruhe und Beklommenheit, welche Wend« mit ungewiss« Sorge erfüllten. Selbst die treue Dienerin schüttelte ver- wundert d« Kopf, wm« ihre sonst so klar und be« limmt handelnde Frau oft plötzlich in der Küche er» chien, eine Arbeit begann und nach kurzer gelt nn- vllendet liegen ließ, um fich ein« anderen Beschaf- ttgnng für einige Minuten hinzugeben.
So verstriche« die wenigen Tage wie im Finge. Sie bracht« für Elma weiter nicht» nette» al» etil abermal'ge» Ein!r<ff-n eine» jener dünnen, aber r.ur litt bedeutungsvoll« Kuverts, dessen Konto am Schluffe be vier mmngerehm« Worte zeigte: „Um baldige Berichttguna bittet!" — Da» entschied und beseitigt« die letz»« Zveifel.
Die Soiree ter Frau Geheimrat von c. versprach eine glirozende zu werden, Dr. v. Wenden war Hausarzt bei der sehr reichen und angesehenen Familie, und da feine junge Frau beten Kreis zum erstenmale bettete» sollte, gedachte fie ihrer Toilette eine besondere Sorgfalt zu widmen. Sie besaß ein noch neues Kleid vom feinsten Seidrossmmt, da» fie bi» jetzt nicht ge- tragen, weil es für ibre einfach« Verhältnisse nicht recht prssen wollte. Für diesen abrod dürfte eS jedoch geeignet sein, und so wurde der Stift denn von den schützenden Tüchern befreit und einer genauen Besichtig, ing nnlerworfm. SS war eine sehr einfach gewachte Robe von der Farbe jene» tiefen, gesättigten Blau, welche» B-ondiuen so schön kleidet. Der Rock fiel in schweren Falten nieder und endigte hinten in einer lange» Schleppe. Elma heftete dieselbe in einzeln«, los« Puff« auf, so daß die Länge der An- sorderringkn der Mode entsprach, und schritt dann zum weiteren AuSputz. Sie freute fich sehr über da» so reich und doch einfach auSsehende Kostüm, zu dem noch ein Paar zierliche «tiefelchen von gleicher Farbe und Stoff gehörten.
So war denn die Tollellen-Frage glücklich gelöst; selbst der Doktor ließ fich zu einigen anerkennenden Sorte» herbei. Der Donnerstagabend kam, aber noch ehe er Zeit zum Ankleiden war, wmde Wenden zu ElMk'S unangesehmer Ueberraschung zu einem heftig erkrankten, befreundeten Kollegen gerufen- Die Wohnung desselben lag in einem garz entfernten Seadt- teil; e» mußten mehrere Stunden bi» zur Rückkehr de» Arzte» vergehn?. „ , A
.Bitte, laß Dich entschittdisenbat seine Frau.
.Nein, Kind, da» geht nicht/ entschied b« Doktor freundlich, aber bestimmt, indem er zum Hut m-d Ikbetrod griff. .Steinfeld ist noch fast fremd hier u»d lebt, so viel mir bekannt, in einer drückenden Sage. Es wäre unedel, wollte ich lein« Ruf unbeachtet lüffin und in etc« Gesellschaft fahren. Ich wtrde ur» bei der Gkheimrätin entschuldig« (offen.*
chon di« Befürchtungen des politisch reifet«« und besonnet« Teile- der prinzipiellen Gegner der katholischen Korporationen erfüll«« 1 Bon mancher Seite war vor Uebettreibung der Hetze ernstlich gewarnt worden, da man hierdurch nach berühmtem Muster der Partei der Geächteten nur Rrklamedienste leiste und ihre Organisation festig« helfe. Das Organ de-Kartellverbandes der katholischen Student«. vereine, die in der Höhe von 7300 Exemplaren verbreiteten .Akademischen Monattblätier" bringen tu der Beilage ihrer Nummer 8 eine vorläufige Zusammenstellung der aktiven .und inaktiven Mttglieder de- laufend«« Sommer-Semesters. Nach dieser noch lange nicht abgeschloffenen Liste beträgt die Zahl der bis 15. Mai aufgenommenen Studenten ungefähr 1750, wa- gegenüber dem Sommer-Semester 1904 eine Zunahme von beinahe 200 Mitgliedern bedeutet. Schon jetzt steht fest, daß die Hoffnungen all der Brauseköpfe, welche eine Schwächung der katholischen Studentenoer- emigungen durch Boykott und Denunziation bewerkstelligen zu können glaubten, gründlich getäuscht werd«. In Münster zählt der K, V. 300 Mitglieder, in München 200, über 100 in Bonn, Breslau, Freiburg, Straßburg. Sin Drittel der 45 Kartellvereine zählt über 50 Mitglieder, so die Tübinger Alamannia (59, darunter 20 „Füchse-). Auch nach der Seit« d«S inneren Ausbaues der Kartcklorganisation hat der Sturm der «Liberalen" jetzt schon bemerkbar« Frücht« gezeitigt und das zahlreiche Philisteriu« d« Vereinen und dem Verband« noch enger verbunden. Vielleicht haben auch die «akademischen Ortsaruppen" des «Evangelischen Bunde-" ander Erregung der Geister ihren Nutzen gezogen. @ine Statistik über ihre Mttgliederzahl und Ver- brettung wäre gewiß auch der breiten Orffent« list kett erwünscht. Doch da- find ja bekanntlich keine konfessionellen Organisationen, sonder« akademische Frieden» vereine, die fich Toleranz und christliche Liebe zur Devise erkoren. Auch unterscheiden fie fich von den katholisch«« Vereinigungen durch die Tatsache, daß sie nicht wie dies« „prp- vokaror.sch" in derOeffr.ttUchkrtt, sondern zumetfl in heimlichster Verborgenheit ihr segensreiches Tun entfalten, Die endgültige Aufklärung über die verträgliche und gerechte Gefinnung gegen alles Katholische, nicht blo8 dm „politischen Katholizismus", welche die liberale Gesellschaft studentischen und höheren Alter- beherrscht, ist die beste Frucht der blamablen Hetze. Diese muß den kathouschen Korporationen auch noch diejenigen Kreise zuführen, die bisher, vielleicht im unklaren über den wahren Sachverhalt, gerafften Rücksichten zuliebe diesen Vereinigungen fern standen.
» Sterblichkeit uud Sozialreform. Mit hoher Genußtuung körnen wir in Deutschland darauf Hinblick«, daß dank unserer Arbeiterschutz- und Atbeitetvtrficherungsxesttzgebuvg, den von Staat und Gemeinden getroffenen sanitären Maßnahmen die Sterblichkeit in Deutschland in den letzten fünfundzwanzig Jahren fast allgemein zurückgegangen ist. Dieser erfreulichen Entwickelung stehen aber betrübende Schattenseiten gegenüber, und von diesen ist neben der zuneh-
„Diese Ettschuldigung kann natürlich nur für Dich gelten," «tgegnet« Elma verstimmt, „ich beule nicht daran, den heiter« Abrnb aefzugeb«, um mich hier zu langweilen."
„Sie Du willst", sagte W«d« ruhig. Vielleicht hatte er gehofft, daß ste denvoch zurückdleib« würde. Ä bebaute nur, daß Du da» Uaangmehme hast, zu fahre»."
«Da» macht nicht»," «miberte fie hastig. „Pco- seffor Heimbach kommt mit Dora hier vorbei. Ich kann fie roch bmachrichttge», daß ich mit ihn« zu fahren wünsche." Sie hätte i» biete Augenblicke nichts lagen können, ihn peinlicher berührt haben würbe. Ein bittere» Lächeln irrte um fein« SRunb, dann schritt er mit kurzem Gruße in die Nacht hin-
Eharakter, und seine Schwache war — vielleicht et« Erbteil feine» «ater» - leicht erregbare» Mißtrau«, welche» gar leicht zur Eifersucht werbe« kann und bei SBenben auch allmählich zur Eifersucht wurde.
au». —
Im Grunde gen rmmen war dieser kleine BorfM Elma nicht unerwünscht. Bisher hätte fie teilte« fremden Kreis ohne die Beglrtturg chreS Gatten betreten, h«te aber war e» ihr lieb, denn fie konnte so dem Professor ihre Entscheidung Aittrilen, ohne ta die Augen ihres Mar-netz bilden zu müssen, welche in letzter Seit so oft fragend auf ihr geruht hatte«. Sie fürchtete überdies, sich vor Dora und de« neue« Bekannten lächerlich zu macken, wenn fie zttrückvliebe. Wie oft verletzt« wir nicht unsere liebst« Angehörigen dmch die kindischr Sorge, unser Benehmen von Fremd« belächelt zu seh«! Elma'S innere Bewegung ließ ihr« Esser zn klar hervortreten, und so hatte sie sellst den in der Seele ihre» Manne» nur schwach glimmenden Funker« sngesacht, dir leise auf» keimenden Zweifel on ihrer unerändert« Liebe ge- nährt. Stroben war eben ein groß unb edel angelegter, aber wie e» sich so oft gerade bei solch«