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32. Jahrgang.

Fulda, Montag, den 5. Juni 1905,

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Meine Kindheit war keine trübe, nur ein einziger Vorfall mit sehr traurigen Folgen schloß dieselbe wie ein dunkler Punkt ab. Wenn es Dich interessiert, will ich es Dir gern erzählen, wir sind heute abend ohnehin so ganz ungestört.'

Um Elmas Mund huschte es wie ein leises Lächeln, wann waren sie jemals nicht ungestört gewesen? Und der Doktor begann.

X.

Meine Erinnerungen reichen ungefähr bis in mein viertes Jahr zurück. Wir bewohnten da­mals noch unseren alten Stammsitz in einer der schönsten Gegenden Westfalens. Es war dies ein blirgartiges Gebäude, welches sich durch mehrere Geschlechter der Familie vererbt hatte und nach ihr den NamenWendenhof" führte. Seine Lage war eine äußerst romantische; an der einen Seite von einem klaren See umspielt, war es auf der Süd­seite von einem großen Parke umgeben, an den sich ein dichter Fichtenwald schloß. Nach rückwärts lagen die Wirtschaftsgebäude.

Mein Vater, ein echte Hünengestalt, war mild und freundlich, aber eigentlich ein sehr ernster Mann vor dem ich immer einige Scheu empfand. Er hieß auch Erwin Franz, aber die Mutter nannte ihn immer nur mit dem ersten Namen."

Es ist dies auch ein sehr schöner Name, unter­brach ihn die junge Frau.

Eine leichte Falte entstand zwischen seinen Brauen:Nenne mich nie so, Geliebte, nie!" sprach der Doktor und fuhr sich mit der Hand über die Stirne, als wollte er dort einen unan­genehmen Gedanken verscheuchen. Dann fuhr er fort:

Die Mutter war eine schöne, stattliche Dame. Ich sehe sie noch klar vor mir, wie sie in der Fensternische saß, an welcher sich außen eine Fülle von blauen Syringen empor wand. Sie saß mei­stens dort, mit ihrem kostbaren kleinen Spinnrad, das so behaglich surrte, während ihr Blick zu­weilen über den See hinaus flog.

TEänu Illustrierte

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gekommen sei. Ich kniete an seinem Lager und suchte die eiskalten Hände mit meinen imirmsn Kinderhänden zu erwärmen, dabei sah uh, daß zwei große Tränen über seine Wangen rollten.

Doch es war alles umsonst. Es kam eine schwere Krankheit, der mein armer Vater schon nach wenigen Tagen erlag. Das Uebrrge weißt Du. Tief gebeugt von dem schweren Schlage ver­mochte die Mutter das Leben auf dem Gute, w» sie alles an den teuren Heimgegangenen erinnerte, nicht mehr zu ertragen. Sie verkaufte dasfelde und zog mit mir in die nahe Stadt A-, wo ich das Gymnasium besuchte. Den Bruder, dessen fluchtiger Besuch all das Unglück über uns gebracht, Hatto die alte Wanderlust längst wieder tn die Ferne ge­trieben, seitdem blieb er verschollen. .

Schon nach wenigen Jahre starb meine gute Mutter, und ich stand allein und verarmt. Ern gewissenloser Vormund hatte mein Vermögen aus leichtsinnige Art angelegt und so besten Verlust veranlaßt. Der Rest reichte kaum für meine Studienjahre. Den Wendenhof hvbe ich wildem nicht wiedergesehen, aber manchmal stellte ich nur vor, wie schön es wäre, wenn ich nur den alten Stammsitz wieder erwerben könnte."

O, das war eine traurige Geschichte, rZranz, sagte Elma, als ihr Mann geendet,und Du warst noch so jung!" Sie schmiegte sich dicht an seine Seite und betrachtete ihn voll Teilnahme, indem sie dachte, daß der tiefe Ernst seines ganzen Wesens wohl eine natürliche Folge der Erlebnisse ferner Kindhest und Jugend sei.

Der Doktor blickte gedankenvoll vor sich meder Ich habe oft," sagte er dann,an jenen Abelitz gedacht. Welche Qual muß mein armer Bat« durchgemacht haben, als er von dem für ihm ur^ erklärlichen Anblicke erschüttert, müde unS hem in den Park hinausstürmte, stundenlang rn Sturm und Regen umherirrte, nur auf den Sturm Ust seiner Brust achtend! Manchmal kam mir seum Auffassung allzu rasch und unüberlegt vor« lilw

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§ Die vtgrühang der murn Kton= prinz«jfin -mch das Berliner Volk.

Eine« Glarzpmttt der FeierlichkeUr« wird ohne Zweifel das Spalier bilde«, das stch vom Schloß Bellevue durch die Bellevue-Allee, einen TeU ser Charlottenburger Chaussee und die Staben bis zum Kgl. Schloß erstreckt. In tot Bellevue - Allee rwhmen die Schüler ur.d Schülerinnen Aufstellung. 6000 Kinder werden die ersten feto, di« unsere zukünftig? Krov- prinzfifia in ihrer neuen Heimat begrüßen. Eine heroorrazendr Rolle spielen rodtit die zahlrrichen Innungen in dem Svi-lstr. Bon Len anräh- rend 40 Innung« n wird jede größere- mit etwa 400 Mat,n vertreten sein. Die erste Stelle nimmt unter ihr,en die Schlächtrrtonrmg ein, der ein altes Privileg das Recht verleiht, bei btn je- welligen Feierlichkrtten aut Anlaß der Einhslang der Kronprtazrsfin hoch zu Roß dem F- stzuze voravzurrrten. Man kann sich denken, daß die Innung auf diesen Borzug nicht wenig stolz ist. Da es aber mit der edlen Reitkunst bei hen meisten Jnnungsmitalirder nicht ganz weit h:r ist, so konnte man allabendlich den Rrstübur-gm zusehen, der di« Schlächter mit grcßem Eifer ob­liegen, damit fie ihre Innung am Früage mit Glanz uns Würde vertret'n könne«. Dis Auß- daurr überwindet die größten SchrwerigkeUen uns eS steht außer Frage, dir Schlächrrrinnung wird ihren Ehrenposten glänzend am füll-«.

Unter den übrigen Teilnehmern am Spalier stellen die Veteranen mit rm.d 7500 Mann das größte Kontingent, die Postbeamten wer. den mit 1500 und die Eisenbahner mit 3200 Mann vertreten sein. Die o-r^tehenen Berliner Sportvereine werden sich 2500 Mann stark beteiligen. Dazu kommen noch zahlreiche klei­nere Vereine und Verbände, u a. di« Rüdersdorfer Bergknappen, etwa 200 Mann stark, und die Altberliner Fischer. Merk- würdigerweise wird die Studentenschaft sich an dem Spalier nicht beteiligen, was umsomehr zu bedauern ist, als der angebliche Grund, daß die Anzüge zu stark leiden würden, um auf dem am Abend stattfindrnden Kommerse benutzt wer­den zu können, doch nicht stichhaltig fein kann. Dem Kronprinzen, den die Smdri-teujchaft doch -als einen der ihrigen betrachten darf, hätten die Studenten da« kleine Opfer schon bringen können. Stan, dem Ganzen schadet das Fernbleiben der Studenten ja nicht; dem Kaiser ist nach den Blättermtlduugen sogar ein Gefallen damit getan. Sein Lieblingswunsch war es, daß auch das Kadettenkorps stch an dem Spalter beteilige; leider war das wegen Platzmangels unmözl ch. Jetzt werden di« Kadetten auf dem den Studenten reservierten Platze Aufstellung nehmen.

Deutidies Reich.

Berlin, den 3. Juni 1906.

» Reichskanzler Graf v.ivülow erhielt itule vormittag den Besuch des Kronpunzt« von Griechenland. Die »u dmV-rmäqlungs- Feierlichketten hier ettgstriffrne franzöjisch- Gpezialmisfion wurde heute vormittag vom Reichskanzler Grafen v Bülow empfange«.

Zu >>en Vorlagen, die durch den uner- roa: leien Schluß des Reichstages unter Lea Df» oefoBtn find, o-dört betont stich auch das Militärpeufiousgesetz. Nach Erkundiaungem welche die Neue mit. pol. Karr.' an unter­richteter Stelle ringezox-n hat, tätfte des Gewtz im Herbst dem Reichstage i=t der unokran- rerien jetzigen R-grerunaStosiung vvr^elegr werden. Ob das Gesetz auch bei ter Berad- chje imng tn der Session rück «irre» de

Straft auf den 1. April 1905 erhält, wird twt. etts von drm Zritpunk-.e tor «-»d.si'tigen Er- ed'gung md daun davon abytog-n, wre r.ctz tie geplante Re'chtfinanzresorvi g-stattet. -Ler« zöaeü sich die B-ratung u.fr Annahme G«' frtzrs dis zum ; ächnen F.ühjayr, d:L » )ck eer Etaisberatuvß, fo stürbe rvobl eher der l.Apnt 1906 als Termin d-4 Jrkwsttretens der börerM Versoronngsfätze für verabschredeis Osststere,, Untetosfiziere und Mour.schaftrn in Frage kommen; es ?et der-n, daß tme »rhell ch ge» bk fierte Reicht ftoanzlage dos Zartckg-e'ft« auf daS Datum der alt-« Bolleg« seflmten -ollte.

* Der Staatssekretär des Reickrarn'.cs ü«S Innern. Siaarsminifter Dr. V. dE»s«o> Vowsiy, vollendete heute sein 60. Ledersjahr.

* Der Gouverneur vs»KT»er»«, Jesea v. Puttkamer, wird nach fernem Jubiläum sm 2. Juli d. I. von fernem Posten abserusen und zurSarst m torKolonral-AbleiliiNg d?S Aus« wärttgen Amre ' deschäflat wrrben.

x D-t«str-»v»r P.fUH »-»

zu Marraschsin lRoevdöhMen) beging am 4 Ium fein hold«..Ls Prikster-Jubtläum. I» der Gelehrlenwett ha» der Name öiefeS schlich en Je- suitenpaters den besten Klang. Auch proiestan- lisch« Autoritäten in Be-lin, London ur.6 Washington haben ihm ihre Anerkennung gezollt. P. Kart Braun ist geboren am 27. Ap"l 1831 zu Neustadt tn Oberhessen, am 2 Ianl 1855 zum Priester geweiht wordm »«» warrr in den Jesuttenorden eir^elxeten. Er ft et» Schüler Secchi's; früher leitete er d,e Mer«, warte zu Kalreta. Seit Jahren lebte tt in st-ller Klostcrzelle zu Ma.mschem, nachdem er der Lehr- tätizkett wegen Schwethörigkeit. entsagen mutzte. In Marin schein begann et mit den denkbar em» fuchsten Mitteln die Konstruktion eines Apparates zur Bestimmung bet Dich e der Erde; tote ®c» gebnis überlrafan Kenauitzkeitdas anderer Fvricher. Sein berühmtes Hauptwerk handelt übet , Kos- rnogovie" mit einet Theorie der Sonne und philosophischen Betrachtungen (neu bei Asch en - dorff, Münster in Wests.). Möge bi.fern an­spruchslosen katholischen deutschen Gelebten und

lich hohem Betrag« btt Erbschaft zur Steuer heravttrhen dürfe«. Aber all« Bedenken, d;e gegen eine billige Erbschaftssteuer vorgedracht werdea können, bebet, ten doch herzlich wenig tm Bergle ch zu den Bedenken, die einet Vermehrung der tadirekteu Belastung von Gegenständen des Mafienoetbrouchs «.tzegensteheu.

Wir verwerfen selbstverständlich die indirrkten Steuern an und für sich nicht, denn str hoben uuch ihre gmen Seiten. Aber ein schweres Un- recht ist es, wenn mau sie benutzen will, um die wohlhabenden Klafien mtt «teuer» zu verschonen. Die ilerne«tatfie Gerechtigkeit fordert, taß die «taatslafien sei teilt werven nach der LristMgs- jähigkell bet Bürger. Der einfeltipe »usdau der tudirekten Steuern aber kommt darauf hinaus, daß die besttzlosrn Klasie«, dir von sh', er Hände «rbrtt leben, di« Harprlaft'rage« sollen, »aNttnb di« besttzenoeri und namentlich die ganz reichen Leut« einen ganz LnoetiMniemästig germaen Tell ihres Etakommens und Vernäh ns zu den öff-r.lltchrn Lasten beisteuers.

Die indirekten Steuern (Zölle und Verbrauchs- steuern) im Reiche werden stch bem«ächst auf eine Milliarde jährlich belaufe». Man kann wahrlrch nicht sagen, baß da« eine Kleinigkeit sei. Das Zentrum o.rttitt badet schon feit Jahren den Ki-u-chsotz, daß emr Erhöhung Btt indirekten, die M .sse der unbembmun Bevölkerung lrchen- bzn Steuern nicht anoänotg sei. Allem Anschein nach soll die Reicht finünz-esorm gle,chwoh! «tue in'ir«k-e Steuern ober stue Erhöhung btt dr- steh^ben btmgev. Ob bad solche sein werden, bfe man ac ne hm en tonn, ohne gegen ben vom Z?ntrum dertreierun Gr-ndfay zu oerstoßen, muß stch seiaes. Wollen sich bi urbrbtagt not- werbigen Mrhreirnahm-n des Reiches unbr« denütchen, wir wieberdoten nochmals: den Masten« verbrauch der unbemsUeltea Klssien nicht:itffen« bett, indttekkeg Greuitn nicht fiaber- und will auch e»At wettere bet Emzeistaatsn wi>.

u«ges«ckren Mair k-rlattttnjagen nicht, so muß nau eben ra direkte» Reichsstkruern schrettiu.

Wer mtt bet großen Mehrheit beS prr'-ßischen Herrenhauses eine Rrichserdschastssteuer gründ« sätzlich verwirft, brr soll andere Barsch läge machen. Aber cher als man bas soziale Unrecht begeht, bie indirekten Steuer» auf notwendige LedenLbedürfniffe zu erhöhen «nb die lristuntzt. fähigen Schultern mit en> sprechenden Reichs- steurrn zu verschonrn, wird man es bei der alten Einrichtung belassen, wonach bie Einzelstaaten für die Bedürfniffe deS Reichs aufzukommen haben. Gollten sie deshalb treue Steuern eir fäbrrn muffen, fo werden diese tarnst noch gerechter sein, als vermehrte indirekte Reichs- steuern auf Gegenständ« des Mafienverbrauchs. Doziolrrfü'M und furttzesetzte Hinausschraudung dieser Steuern va tragen stch aber nicht mitein, der. Darum schwärmen wohl auch zerabe die Gegner der Sozialnform für indirekte Steuern.

Keine Sojialttfoim, aber hohe indirekte Steuern.

Am sftritqg gab die konseroatioe Mehrheit des Herrenhauses ihrem Widerwillen gegen die Sozialrejorm kräftigen Ausdruck, tm Samstag gab str einen »eiteren Beweis ihres sozialen Ernpfindens, intern fie sich gegen tir.e Reichs- erbschastSstruer und für hohe indirekt« Steuern erklärte. Als für die ganz hohen Stotommen d&e Sttuer von 5 Prozent gefordert wurde, wieseu die «Herren- das entrüstet ab als «sozial, demokratische VerwögrnStorstskütion". Gewiffe schwer reiche Leute find immer zleick mit eiset Beschwerde überBeraSz«nSiorfi»kalion- bei bet Hand, wenn sie eine für fie nicht im min- tosten drückende Steuer zahlen sollen, während eS ihnen gar nicht etafäCL ta der 6 Mark oder dem bei hohen Kommunalsteuern noch weit größeren Betrage, den ein Arbeiter von einem Sinkos men von 900 Mark zahlen muß, eine Bet mögens koufir kation zu erblicken.

Me ReichSerdschüsis steuer wurde, soviel mir gehört zu haben glauben, diesmal u.cht. wie früher schon, amidrückttch als BerÄögrnS» tsn^taiton bezeichnet, aber sie Bchaup. kwrg, daß fie eine Turchgangssiufe zur Äesriti. gung des Erbrechts überhaupt sei, bb mateuille Basis der Famüto schädigm und dir Nisellletung der Eigentumswafchiebenheit-n enbabser, kommt auf den gleiche« Borwmf hwaus. daß ste sozial« demokrat.schrr Natur sei. Ma« will bei der »wettschauenden, großzÜgtzM Ftaarzreform- das R ich nach wie vor auf bie indirekten Steuern verwiesen wtfien. Wirb ober etwa bb ^mate­rielle Basis der Familie", dieses »sichersten Fundamente« der ftastlichen Ordnung", dadurch verto fiert, daß Hunderttausenbr von Famiti-.n» oätern mit einem Emlommen von .1000 oser 1200 Mark von bnsen 50 Mark oder mehr an direkten Sreuero zahlen müfien?

Daß stch Bedenken gegey die Reichsein- klmmensteuer erbeben laff.-u, ist zweifellos. Man kraucht sich Mstig gar nicht bdoiLeil? a-zu- strengen, um eine ganze Reih: auszufinbrn. Ader geß-n welche Steuer ließen sich keine Bedenken erhebe«? Man kann pbe Sttuer, wenn man ihre Mängel allein hrrvorhrbt und tüchtig äbtr« treibt, zu einem Monstrum von Ur grrechtigkett und Unsinn verzerren. Warum bemühen die Herren", bie ein so abschreckendes Bild von der ReichSsmkomu evsteuer zu eniwerftn nnffen, sich nicht ein wenig, um auch -re Mangel der iabitefun Steuern in das gehörige Licht gu stell, n? An diesen finden sie alles in bester Ordnung, vermutlich, weil ste am wenigsten darum er zu leiten haben.

Wenn man sich im Reiche zur Einführung von Erbschaftssteuern ent chlikßt, fo wird man natürlich alle e o»haften B«denken, namentlich solche sozialer Natur, berücksichtigen muffen. Daß insbesondere Kinder und Ehegatten nichr in gleicher Weise brl»strt werden dürttn, rote sow stjgr E.ber, versteht sich ganz von selbst. Man wird sie, wenn überbaust, bann erst bei onssdr.

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ÄomüsbeüWek G-MHÄr-ÄÜer"-.

Soviel mir bekannt, lebten meine Eltern sehr glücklich miteinander, der Vater liebte die Mutter mit leidenschaftlicher Hingebung, aber er war viel älter als sie. Später erfuhr ich, daß unbegrenzte Eifersucht ein Hauptzug feines Charakters war: schon aus diesem Grunde mußte die Abgeschieden­heit unseres Landsitzes eine Wohltat für ihn fern.

Ich mochte ungefähr zehn Jahre zählen, da trat das Ereignis ein, von dem ich vorhin sprach. Es war ein kühler Herbstabend wie heute. Der Vater hatte nach verschiedenen Arbeiten im Park sehen wollen und war den ganzen Nachmittag fern geblieben. Die Mutter saß am offenen Fenster und. erzählte mir eines ihrer lieben Märchen. Da drangen auf einmal leise Ruderschläge vom See herüber, sie kamen näher und näher, rasche Schritte folgten, und dann trat ein Mann von fremdartigem, interessantem Aussehen vor das zu ebener Erde liegende Fenster. Er schaute hinein dann schrie er plötzlich auf:Gisela! meine Gisela!"

Sein breiter Strohhut fiel zur Erde und seine starken Arme empfingen meine Mutter, welche sich mit einem freudigen Aufschrei weit über die Brüst­ung lehnend an die breite Brust des Mannes schmiegte. . ,

Es war nur einen Augenblick gewesen, aber drüben am Ausgange des Parkes stand wein Vater mit weit aufgerissenen Augen und tot­bleichem Gesichte, er starrte nach der Szene am Fenster, dann wandte er sich um und stürzte in den Wald zurück. Die Mutter schickt nach ihm. bis spät in die Nacht suchten die Knechte vergebens. Ein starker Regen begann, da endlich sanden sie ihn erstarrt und durchnäßt auf einem umgesturzten Baumstamm sitzend. Zum Tode ermattet, kehrte er nach Hause zurück, wo ihn die Mutter mit ihrer alten treuen Liebe auf das Sorgfältigste pflegte. Wie im Traum hörte er die Nachricht, daß ihr längst verschollen geglaubter Bruder den Weg in die Heimat znrückgefunden habe und am Abend

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Fra«; von wenden.

Novelle öou Rarga Brechte«.

14 ------ Nachdruck verboten.

An diesem Abend nahmen Beide ihr einfaches Abendbrot unter heiteren Gesprächen ein, und als Elma später wieder zu ihrer Arbeit griff, da der- tiefte sich ihr Mann nicht wie gewöhnlich in seine Zeitungen, sondern sah ausmerksam zu, wie me fleißigen Finger Stich auf Stich aneinander reih­ten. Er befühlte den rauhen, aber warmen Stoff und sagte gedankenvoll: _

Wie gut wird das den kleinen Mädchen tun und dazu hat die Armenbüchse wirklich die Mittel geliefert?" Elma nickte lächelnd.Ich kaufte sie vor einem Vierteljahr, aber sie füllte sich all­mählich mit kleiner Münze, bis ich sie gestern zer­schlug und für den Inhalt dies Kleidungsstück anschaffte. Ach wie wenig kann ich nun tun gegen früher!"

Aber dies Wenige hat gewiß mehr Wert als jene reichen Gaben, die kein Opfer für Dich waren, meine Liebe," meinte der Doktor, und dann er­zählte er ihr von der Not einer Familie, zu welcher ihn fein Beruf geführt hatte.Ich liebe dieses Arbeiten und Sorgen für Arme sehr," schloß er,es erinnert mich an meine teure Mutter, welche, obgleich eine sehr feine Dame, dennoch sich zuweilen, namentlich zur Winterzeit damit be­schäftigte."

Du hast mir noch so wenig von Deiner Mutter erzählt, Franz, ich hatte Dich schon oft darum gebeten, aber mir schien es manchmal, als ob die Erinnerung an Deine Kindheit feine frohen Ge­fühle in Dir erregte," sagte Elma, indem ste ihm eine frische Zigarre hinschob und eifrig weiter rrähte. . ____