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Fulda, Mittwoch, den 31. Mai 1905.

»red eeb Derlei Ni gultaer Sctidtaiittd in Selbe (QanwehC S«esprech«r M

Ktürati biepetititte 25 pfg-r bei Dieb« |olangte wirb eeWe Rabatt gnvähet.

Wege« des AeiertegK Christi Himmel» f«hrt wird die nächst^ Nummer »«serer Zeitrrug erst am Freitag «msgegedeu. ^^eSHHB™BBHHBF_^=55==es=S5S5==SSHH5HSBÄ

D/dUfidies Reich.

Berlin, dm 30. Mat 1905,

8 Auf der Hanptversammlnug des deutsche« KlotteuvereiuS hat man geglaubt, dm gegen die Agitatoren des Vereins vielfach erhobenen Borwürfe, daß sie bin und wieder die Grenze maßvoller Besonnenheit überschritten habe, mit großer Entschiedenheit zurückweisen zu sollm. Daß dieser Borwurf trotzvem nicht ohne jede Berechtigung war und ist, bewies der Bericht­erstatter Graf Dürkheim, indem er u. a. folgen­de- aükführte: „Der Herr Staatssekretär ist ge« Hunden an zghlloje Rücksichten, die wir nicht kenUm. (Stürmischer Beifall.) Wir aber haben die Pflicht und daS Recht, jene Pläne, die der Staatssekretär in seiner Brust verschließ«, muß, freimütig und unabhängig war der Orffeml (bleit ja vertreten. (Lrbbait» Nach dem

Matt^Aktz haben wir eine Reihe veralteter Linienschiffe betbehalten, die im Kampfe mit den mächtigen vollwertigen Linienschiffen deS Aus­landes schnell zusammengeschoffen sein würden; unersetzliche Verluste an Menschenmaterial würden zu gewärtigen fein. Diese begründete Sorge zwingt unS, dafür zu »Men, daß in kürzester Frist Wandel geschaffen werde. Dieser Sorge Aden wir schon im vorigen Jahre Ausdruck ge- !gSÄ. Inzwischen ist die Novelle »nm Marine« gesetz gekoNwnr>7. Aber in dem langsamen Ersatz ioer notarisch unzulä-tglichen Schlachtschiffe bleibt in dm nächsten zehn Jahren eine Erfahr be­stehen . . . . Wir lauf n Gefahr, unsere Kolonien zu verlieren und als Sre- und Weltmacht zu- lammenzubrechen, wenn wir nicht den genügen« den Schutz haben.- Dazu bemerkt die »Deutsche Tagesztg.': „Glaubt man denn im Flottenoerein wirklich, daß die parlamentarische und dir sonstige Stellung deS Staatssekretärs des Reichsmarine- amtS gestärkt werde, wenn man ihm nachsagt, er müffe dir Pläne, die der Flottmverein frei­mütig vor der Oeffrntlichkeit vertrete, in seiner Brust verschließen? Muß man damit nicht Miß­trauen gegen jede Vorlage des ReichSmarineamtS rrweckm, dir hinter den Forderungen des Flotten« Vereins zurückbleibt? Und hält man eS tatsächlich für .maßvoll und besonnen-, wenn man offen auSf »richt, wir liefen Gefahr, als See- und Welt- macht zufammendrechen? Solche Uebertreibunqen sollte man doch schon dem Auslands gegenüber vermeiden. Wir wollen nicht verschweigen, daß anders Redner in der Versammlung sich sehr besonne» aussprachen. ES wäre ober dringend zu wünschen, daß man die Heißsporne e-waS «ehr zügelte. Sonst wird und muß eS wieder

Franz von wenden.

Rouelle do« Marga «rechte».

12 ------- Nachdruck verboten.

Wenden führte sie zum Sofa unter dem fest­lich gedeckten Tisch, auf dessen blütenweißem Damastgedecke ihr eigenes silbernes Kaffeeservice gar einladend stand. Und dann erzählte er, wie die Gläubiger ihres Vaters, gerührt von der hochherzigen Verzichtleistung auf den größten Teil ihrer Ausstattung, ihm die Einrichtung ihres Zimmers aus dem Vaterhause zugesandt, mit der Bitte an die Tochter, dieselbe nicht zurück zu weisen. Während ihrer Reise habe Gelhard den Vogel und die Blumen gepflegt und gestern mit seinem Abschiedsbillet gesandt.

Still weinend lehnte Elma das müde Haupt •tt die Brust des Gatten und fragte: „So ist denn dort — alles vorüber?"

„Alles, mein Liebling, und was das Beste ist, alle sprechen mit der größten Achtung von Dir und Deinem lieben Vater, der ja nur durch fremde Schuld in's Unglück geraten war." —

„O, so gibt es doch noch gute Menschen," lächelte sie unter Tränen, „und ich war damals so verzweifelt." —

„Er küßte ihre feuchten Augen und nahm dann An elegant gebundenes Haushaltungsbuch von der Platte des Schreibtisches, auf dessen erster Seite von seiner Hand die Worte standen:

Alles ist an Ihm gelegen, Menschen richten wenig aus. Kommt von Gott Dir Hilf und Segen Dann ist wohlbestellt Dein Haus.

da» sind tröstliche Worte, sagte die junge

Frau; „sie sollen unser Wahlspruch für's ganze Leben sein. .. ..

Da klopfte es leise an die Ture und tn ihrem sonntägigem Putze trat Truda herein, einen frisch gebackenen und dick mit Zucker bestreuten Kuchen in der Hand tragend. Sie hatte den Rand der Schüssel zierlich mit Bankett-Röschen ausgelegt und ihr treuherziges Gesicht glänzte vor Freude über die Genesung der geliebten Frau.

So wurde dieser Tag trotz Tod, Armut und Krankheit für sie zu einem stillen, kleinen Feste, und Elma von Wenden begriff, als sie sich von Liebe umgeben sah, daß man auch ohne Reichtum sich recht glücklich fühlen könne.

Von dieser Stunde an fühlte sie sich heimisch, und mit der vollständigen Wiederkehr ihrer Kräfte genas auch ihr Geist von seinen kleinen Schwächen. Sie kämpfte den Schmerz über den Verlust ihres Vaters nieder, versuchte den Glanz des Eltern­hauses zu vergessen und erfaßte ihre jetzigen Pflichten mit Klarheit und genügsamem Sinn. Alle guten Lehren, welche die einfache, häusliche Tante, die ihre Kindheit und erste Jugend ge­leitet, ihr jemals eingeprägt hatte, wurden in das Gedächtnis zurückgerufen, und schon der nächste Morgen fand die kleine Hausfrau in voller Tätigkeit, nicht im Schlafrock und Morgenhaube, sondern in einem schlichten Kleide mit geordne­tem Haare. Und dies war für ihre jetzigen Ver­hältnisse eine strenge Notwendigkeit, denn Truda war eben „Mädchen für alles". Nach Verrichtung der groben Arbeiten mußte sie die Ausgänge be­sorgen, und so blieb der jungen Frau Doktor nichts übrig, als einen großen Teil der häuslichen Beschäftigungen auf die eigenen Schultern zu nehmen. Aber dies war heilsam für sie; denn die vielen kleinen Sorgen des Haushaltes halfen ihr über die trüben Gedanken hinweg, und wie oft wollten diese in der ersten Zeit ihr frisches, freu­diges Schaffen lähmen! Der junge Arzt hatte

zu einet KrifiS kommen, die sich bann nicht so schnell beilegen lassen dürfte, wie die eben ab- 0t^*°3ebet Tag bringt neue Verluste in Gützweftafrik«. Nach einem Telegramm aus Windhuk ist derSergemt Hermann Paasch, geb. am 24. Nov. 1881 zu Barby, früher im Jnfanterie-Regiment Nr. 137, am 21. Mai auf Patrouille bei Leistord gefallen; Reiter Adolf Bode, geb. am 21. März 1883 zu Nordhausen, früher im Infanterie. Regiment Nr. 49, ist an der auf einem Patrouillenritte bei Kowes am 17. Mai 1905 erhaltenen Verwundung am 21. Mai 1905 im Lazarett Sochas gestorben. Nach trSglich gemeldet im Gefechte bei KoweS am 17. Mai 1905 verwundet Reiter August in Strefau, geb. am 26. August 1881 zu Tolkemit, früher im Grenadier-Regiment Nr. 1. — «in weiteres Telegramm aus Windhuk meldet: Vorläufige Verluste von dem Gefechte am 12. Mai am Zu- sammerrfiuß deS Soab- und Knifeb-FluffeS: Ge­fallen: befreitet Richard Heimlich, geb. am 1. April 1881 in Niederhermsdorf, früher Grena­dier - Regt. Nr. 10; verwundet: Oberleutnant Georg v. Rosenberg, geb. am 28.November 1872 in Friedland, früher Feldartillerie-Regiment Nr. 61; Leutnant Horst v. Linsingen, geb. am 20. Mai 1883 in ßirschberg, früher Feld- artL^i-Regiment Nr. 46; Gefreiter Karl Ruppel, geb. am 9. Juli 1881 in Frankfurt a. M., früher Bezirks Kommando Köln; Reiter HanS Lindner, geb. am 4. Oktober 1882 in Burgbelchan, früher Jnf.-Regt. Nr. 152. — Am Typhus gestorben: Gefreiter Otto Nitz, geb. am 24. März 1875 in Bublitz, früher Ulanen« Regt. Nr. 11, am 7, Mai im Lazarett Groot- fontein; Reiter Karl Scharmacher, geb. am 26, Juli 1883 in Rogahmen, früher Train- Bataillon Nr. 4, am 24. Mai im Lazarett Kalk- fontein.

* Ter Reichstag ist gestern (Dienstag) ge? schlossen worden. Die letzte Sitzung unter- schied fich, waS die Frequenz angeht, natürlich nicht zu ihrem Borttil von ihrer Vorgängerin vom lebten Donnerstag. Die .Stimmung" war der Neuigkeit entsprechend, die man vor der Er­öffnung aas dem Seniorenkonvent erhalten hatte. Tin wenig anangenehm überrascht war man doch vielfach davon, daß geschlossen und nicht vertagt werden solle. Die Anwesenden konnte» fich aber wenigstens sagen, daß fie nicht schuld seien, auch wenn es, entgegen der Versicherung deS Präsidenten, eine „Strafe" sein solle. In der mit elementarer Sewatt hereingebrochenen Ferienstimmung «ar natürlich wenig Jntereffe für die Verhandlungen zu erwarten. Man hatte auch von vornherein den Plan gefaßt, nicht die ganze Tagesordnung aufzuarbeiten. Eigentüm­lich traf es fich, daß der Reichstag seine Tätig- kett mit einem einmütigen „TadelSvoturn- gegen die Regierung schloß. Wiederholt hat fich daS Haus schon mit der Frage eines gegen de« dänischen Abg. Jeßen, Redakteur des,Flensborg AoiS' schwebenden Straf- verfahrens beschästi-t Der Reichstag hate seine', it den R>chSkanzler ersucht, ihm die Akten in

die Banknotenvorlage, die Kamerunbahnvorlage, die Maß- und Sewichtsordnung. Die Milttär- penfionsgesetze würden indes auch liegen ge- biteben sein, wenn der ReichStog stets beschluß- und arbeitsfähig gewesen wäre und noch eine Welle getagt hätte. Denn bie Mehrheit will erst wiffen, wie die Mittel zur Deckung der Mehrausgaben beschafft werden sollen. Bekannt­lich soll diese Frage in einer großen Reichs- finanzreformvorlage beantwortet werden, hieben» Reichstag in der nächsten, bereits im Ok­tober beginnenden Session zugehen soll. Außerdem erwartet ihn im Herbst eine neue Marineoorlage, und wenn dann die Mllitär- penfionSgesetze, die Böisengesehnovelle und was sonst jetzt unter den Tisch- gefallen ist, wieder erscheinen, sowie eine Anzahl weiterer neuer Vor­lagen hinzukommen, so eröffnet fich die AuSficht auf eine so arbeitsreiche Tagung, wie er fie selten gehabt hat. Und da glaubt man noch immer, ohne Diäten auskommen zu können?

(Wettere politische Nachrichten finden unsere Leser tm Zweiten Blatte. D. R.)

Bus dem Landtag.

192 «itzm, vorn 80. Mai 1905,

Sachen des schwebenden Strafverfahren- zur Einficht gtt überreichen Diesem Gesuch «ar nicht Folge gegeben worden mit der Begründimg, daß diese Akten ausschließlich zum «lenen 0e- brauch der Behörde bestimmt seien. Die Sache wurde dann an die GeschäftsordnimgSkommiffion verwiesen. Diese schlug eine Resolution vor, daß der Reichstag in dieser Strafuntersuchung, w'lche ohne Genehmigung deS Reichstages er- folgte, einen Verstoß gegen Artikel 31 der Reichs« Verfassung erblicke. N-ch längerer Debatte wurde diese Resolution einstimmig angenommen. Bor Beendigung dieser Debatte, gegen ’/*3 Uhr war Staatssekretär Graf PosadowSky mit der be- wußten toten Mappe in den Saal eingetreten, wo er am BundeSratStische nur den Schatz- sekretär Freiherr v. Stengel und im Hintergründe einige Kommtffare vorfand. In wenig feierlicher Weise erfolgte dann unter den üblichen Formali- täten der Schluß. Die kaiserliche Botschaft, die den Grafm von PosadowSky zur Schießung d« Reichstags ermächtigte, war von heute datiert. Daß der Reichskanzler fie gegengezeichnet habe, vergaß der Staatssekretär bei der Verlesung mit- zuteilen.

♦* Die Tätigkeit d-S Reichstage» in der adgelanfenen Session. Ss wird nicht an Stimmen fehlen, die vehaupten, das Ende der Reichstages sei recht kläglich gewesen. Gew.ß, ein schönes Schauspiel war die st än« dige »eschlußunf ähigkeit nicht und eS ist nicht sehr schmeick elhaft für den Reichstag, daß « «ach Hause geschickt wurde, weil man an seiner Arbeitsfähigkeit verzweifeln mußte. Aber statt deshalb übet ihn herzufallen, sollte man lieber endlich der Einsicht Raum gönnen, daß eS eben ohne Tagegelder für die Abgeordneten nicht mehr geht; oder vielmehr, da diese Etnstcht längst auch bei den Regierungen Platz gegriffen hat, der BundeSrat sollte fich endlich entschließen, zu tun, was er selbst für richtig hält. ES geht doch nun einmal auf die Dauer ohne Tagegelder nicht mehr, und man sollte meinen, die Verbün­deten Regierungen hätten daS zu ihrem Verdruß schon himeichend „am eigenen Selbe- erfahren. Uebriaevs so ergebnislos, wie man u«h den Angriffen auf den Reichstag vielleicht glauben könnte, war die abgelaufene Tagung keines- wegS. Außer dem Etat, der rechtzeitig fertig- gestellt wurde, und mehrerer Ergänzungs Etat» wurde eine Reihe wichtiger Vorlagen erledigt. Wir nennen vor allem die fleben Handelsoer- träge und die beiden Militärvorlagen, ferner daS Gesetz über die Entlastung des Reichsgerichtes, das Totalifatorgesetz und daS auS einem Jni- tiatteantrag hervorgegangene Gesetz wegen Arn- derung der GerichtsoerfaffungSgesetzeS. Zahl- reich waren sodann die Jnterpellattonen, Reso- lutionen und Anttägen au« dem Hause. Bon letzteren erwähnen wir nur den Tolrranzantrag des Zentrums, der leider nicht mehr in die zweite Lesung kam, Über den aber ein sehr umfang« reicher KommisfionSbericht not liegt. Recht zahl­reich find allerdings auch dir unerledigt ge- blieber en Vorlagen. Wir nennen die Militär- p-nstonSgefetze, die Novelle zum Bötsengesetze,

Verlesung der Interpellation LahenSltz (Ztr ), ob der bisherige mit der Firma Siemens n. So. adgeschlnfiene Vertrag bezüglich der Verpachtung deS Malischen Mineralbrunnen? in NiedakelterS in Fra- chinge» aufgehoben ist und ob diese Quellen cm den ÖÄ iS SSÄ»

Abg. EahenSly (Ztr.) richtete an die Rrgttrmg die dringe»de Bitte, leine Berläugeru«, der Pacht« vertrüge mit der Firma Siemens vormnehmm, oh» daS Sicherheit gegeben werde, daß die leidende Mensch« bett diese heilkräftigen Mineralwässer zn einem äuge- messen« Prei» erhalten, der jetzt von der Firma ge« forderte Preis sei v,elzu hoch.

- Minister v. Podbietski suchte die Verläu,«m« XVÄ IÄS'ä; LS #t8 Bon allen*'Seilen wurde dem3^erpellauttnd«m

zur Verbilligung geschehen müsse.

Da» Hau- nahm dann in dritter Lesmg d« Staatsvertrag mit Bremen jm bett. Gebiets- abtretunge» an der unteren »eser.

Dann ging man an die zweite Lesung de« MntnngSsperregesetzeS.

Da» Ergebnis der «eratungen war die An- nähme des KommiffionSbeschlnsses, b« Handelkminister gab die Erklärung ab, daß er w, Herbst ein «esrtz über Mutungen und Zusammen- legunge« von »rubenseldern rinbringen werde.

Von den Konservativen wie vom Zentrum> ««be der Wunsch ausgesprochen, die Regie'nvg möge die noch freien Kohlen- und Kalifelder

Bezüglich deS Ralt8 wurde dieser Wwesch in einem vorn Abg. v. Arnim (Ions.) soi mutterten Antrag nieder- g<U^o8 HauS beschloß diesen Antrag an die Berg- gesetzlomnnsfio« zu weiteren Beratungen »uverweiftn. Schließlich wurde da» MutungSsperre,-setz auch in drttter Lekung angenommen. Am Schluß der Sitzung teilte der Präsident mit, daß da» Herrenhaus an bet «erggesetznovelle keine Änderung vornehmen wolle,

Oktober vor der Türe und — das Geld für das erste Quartal der Miete fehlt."

„O Gott, was fangen wrr da an l seufzte Elma. „Doch wir bezahlen ja unsere Lebensmittel am Anfang jedes Monates und haben das Geld sorgfältig zurückgelegt. Sollen wrr es diesmal lieber zur Miete nehmen?" - , .

„Nein, wir würden dann von vornherein den "uns so notwendigen Kredit verlieren. Du weißt, meine Liebe, wir muffen pünktlich fern, denn jeder kennt unsere Lage und erwartet mit Spann­ung, ob wir unseren Verpflichtungen nachkom-

Sie errötete heiß bei dieser Bemerkmig und fragte: „Bringt denn Deine Praxis nicht mehr ein, es scheinen doch so oft sehr reiche Leute unter den Kommenden zu sein?"

Der Doktor lächelte bitter. „Reich allerdings, aber das hindert gerade diese Leute nicht, ihren Arzt mit der Berichtigung feiner Forderungen lange, ost Jahre lang warten zu lassen. Ferne Wagen, rauschende Roben und artige Worte, aber - selten bares Geld. Auch jft die Zahl der Kuw den keine so große. Die Konkurrenz ist groß und ich gehöre noch nicht zu den Modeärzten. Zu­dem ist das Ansehen unseres Hauses kein blenden­des, umsoweniger können wir eine noch billigere und einfachere Wohnung nehmen, dann wäre keine Hoffnung auf eine einträgliche Praxis mehr. Dem äußeren Scheine müssen leider immer Opfer ge­bracht werden." Ä r .

Tief aufseufzend stützte Elma den Kops tn die Hand. Zum ersten Male war der Mangel mit seiner verzehrenden Sorge an sie herarme- treten. Sie dachte daran, wie viele Menschen wohl auch in einer äußerlich wohlhabenden Sage leben möchten, denen es in Wirklichkeit am Not­wendigsten gebricht. *

(Fortsetzung so'gt.)

seine Sprechstunden in die Morgenzeit verlegt und es so eingerichtet, daß der neben dem Wohn­zimmer liegende Empfangssalon als Wartezimmer für seine Patienten diente, welche früher meistens den höhern Ständen und der Geldaristokratie angehört hatten. Von dort aus gelangte man in sein Privatkabinett, das wieder einen eigenen Ausgang hatte. Die ganze Wohnung schloß ein geräumiger Vorplatz mit Glastüre ab. Wenn auch nicht alle, so fanden sich doch viele von den früheren Patienten wieder ein, und wie oft zuckte Elma's Herz schmerzlich zusammen, wenn sie das Anfahren der Equipagen, das Rauschen der seidenen Kleider vernahm. Wie oft, wenn Truda auf dem Markte war, drückte sie die Türe der kleinen Küche fest zu, ängstlich besorgt, einer frühem Bekannten zu begegnen, die mit neu­gierigen Augen sehen käme, wie sie ihr Unglück ertrüge.

Nach und nach über verminderte sich diese Furcht. Kam dann die Mittagszeit, so zeigte sie ihrem Manne stets ein heiteres Gesicht, und während er am Nachmittage feine Kranken in der Stadt besuchte, vergingen ihr die Stunden unter mancher nützlichen und angenehmen Beschäftigung. Sie führte ihr kleines Hauswesen mit großer Sorgfalt, schrieb und rechnete und wurde von allem so in Anspruch genommen, daß sie erst nach einiger Zeit bemerkte, wie die Miene ihres Gatten immer düsterer und sorgenvoller wurde.

Eines Abends, es war in den letzten Tagen des September, saßen beide an ihrem gemütlichen Tee­tisch. Wenden's gedrückte Stimmung war heute besonders auffallend, und auf ihre dringende Bitte gab er zögernd zur Antwort:

„Ich hätte Dir meine Sorge so gern verhehlt, aber nun geht es nicht länger, und ich weiß, Du teilst sie gerne mit mir. Alles, was ich bisher ein­nahm, haben wir für die unbedingt notwendigen.

Ausgaben verbraucht, und nun steht der erste