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Druck und Verlag I Fuldaer Actirudruck« 8« Fulda (HarmaM Fernsprecher M v

Jt$ 122.

Fulda, Montag, den 29. Mai 1905.

32. Jahrgmg.

Deutidies Reich. *

Berlin, ben 27. Mai 1905.

ca •egen Bischof Beuzler von Metz wird weiter gehetzt. Der ,Magr»eb. Zentr. Anz' brachte kürzlich die au< Berliner Blätter« ent» nommene Mitteilung, Bischof Benzler sei zu dem Festessen im Generalkommando zu Metz einge­laden worden, hab« sich aber, ohne zu antworten, plötzlich aus M tz em feint. Während der An» Wesenheit Gr. Majestät im Metzerlande fanden drei Festessen statt, außer den in Militärkastnos und ausschließlich von Militärs besuchten. Au allen drei Festessen hat Bischof Benz» ler teilgenommen nnd es ist kein ihm unan« genehmes Wort von drn Lippen des Kaisers ge­fallen. Die .Deutsche Ztg.' (Berlin, 13, 5) be­richtete ebenfalls, der Bischof sei von dem Fest' essen fern geblieben uud bringt dann denBischo mit dem neuesten Lothringer KirchbofSfal in Bavx in Verbindung. WaS der Bischof mit diesem Fall zu tun hat, ist nicht erfichilich. Wie die ,8 A.' bereits meldete, handelte es sich in Vanx um ein protestantisches Jntoleranzflückchen: Der protestantische Pfarrer von Ars bemüqte sich vergebens, eine verstorbene Protestantin auf drm katholischen Teil deS konfessionell geschiedenen Friedhofs bestatten zu lasten, gegen den Willen des Bürgermeisters und deS Mannes der Ver­storbenen. Die protestantische Preffe hat fich denn auch gehütet, auf den Fall Vaux fich ein zulasten. Nur wenige find darauf hereingefallen, unter anderen die ,Tägl. Rundschau' und natür­lich auch die ,Wartdura'. (19. 5.)

§ Die znr Sreichskafse gelangte Ist- einnahme, abzüglich der AuSfuhroergütungen usw. und der VerwsltungSkosten, beträgt für dm Monat April beidennachbezeiLne'e» Einnahmen :' Zölle 35 079 944 Mark (-J- 1648 803 Mark), Tabaksteuer 768198 Mk. (- 7 981 Mk.) Zucker- steuer 10 893 283 Mark (— 3 764114 Mark), Salzsteuer 4 374 243 Mark (— 33 941 Mark), Maischbottichsteuer 47 588 Mark (+ 154 857 M), Branntweinverbrauchsabgabe und Zuschlag 8 680 564 Mk. (— 1071632 Mk), Brennsteuer 468 438 Mk. (+ 19 430 Mk.) Schaumweinsteuer 288 065 Mk. (— 37 401 Mk.), Bravsteuer und UebergangSabgabe von Bier 2 644 504 Mark (4- 742 Mark), Summe 63 244177 Mark (— 3 091237 Mark). — Sptelkartenstempel 187 070 Mk. (+ 20146 Mark ).

* Der evangelische Kirchenbauverein, der nunmehr auf eine 15jährige Tätigkeit zurück­blickt, hielt am Freitag in Berlin feine vierjäh­rige Hauptversammlung ad. Nach dem Jahres­bericht war das Jahr 1904 für die Einnahme besonders Künftig. ES gingen 1217 334 M. ein (gegen 593 564 Mark im Vorjahre). Davon kommt der Hauptanteil auf die Kaiser Wilhelm- GedLhtniSkkche, nämlich 672322 M.; sonst standen für Berlin und seine Vororte 104428 M., für die Provinz« 160107 M. zur Verfü­gung. Für die Augusta-Viktoria-Sttstung auf dem Oelberg bei Jerufalem, für kirchliche Bauten in Palästina, Brafilim und Tfingtau wurden 280477 M. verwandt. Der Bericht möchte den hohm Betrag zurückführen auf die Angriffe, die im vorigen Jahre gegen dm Verein und insbe­sondere feinen Borfitzend«, Fl hin. v. Mirbach, gerichtet wurdm. Die Versammlung ernannte Frhrn. v. Mirbach einmütig zum Ehrenmitgltede des Vereins, nachdem Direktor Dr. Fischer ein­gehend seine Verdienste geschildert nnd die Art seines Sammelns verteidigt batte. Währmd der i5jährigm Tätigkeit des Vereins betrug der Ge« s rmtkostmauswand für die Arbeiten von feiten der Ktrchenbaukmnmisfion des Evangelischen Kirchlichen Hilfsoereins und KirchmbauvereinS e.-.schließlich des Wertes der Plätze 13896759 Mark. Diese Gelder wurden aufgebracht durch 1) Gnadengeschenk des Kaisers 2269072 Mark, 2) Geschenke der Königlichen Familie 1005 615 M., 3) die Berliner Stadtsynode 470000 Mk., 4) die Stadt Berlin einschließlich des Wertes der überwiesenen Plätze 437000 Mark, 5) aus Staatsfonds 560246 M., 6) Kirchengemeinden 1196000 M., 6) Kreisoerbände und poltttsche Gemeind« 157400 M., 8) Sammlungen, frei- willige Synoden ufw. einzelner Geber 7801425 M. Seit einigen Jshrm nimmt übrigens die Gebelust für Berliner Kirchen ab.

** Der Bremer Prediger Mauritz, deffe-r „taufen“ vom Senat für nngiltig erklärt wordm find, wird vom Montag an die Taufen wiederholen und dabei die vorgefchriebene Formel auwendm. Wir find neugierig, ob man nun diese Laufe in gläubigen protestantisch« Kreifm

als g ltig anerkennen wird. Wenn Prediger Mauritz auch die richtige Form gebraucht, so ist doch als ausgeschlossen (u betrachten, daß er dabei beabsichtigt, die Taufe im Sinne der Kirche zu spenden, „zu tun, wa 8 b i e Kirche tut“.

** Antisemitische Anwandlungen ver­rät abermals der „Vorwärts“. Er schimpft über eine Kundgebung der russischen Regierung au8 Kiew, die sich mit angeblichen Schikane» gegen die jüdische Bevölkerung befaßt. Er be­titelt feine Ergüsse darüber „Zur Beruhigung der Gell jaden in Westeuropa“ und schließt mit den Worren: „Das Gewissen der jüdisch« Hoch­finanz wird sich gewiß durch diesm albernen Schwindel beruhig« lasten, aber dir Mendel­söhne bedürfen dieser Beruhigung« nicht. Sie leihen dem System von Kijchinew und Schitomir auch Geld, wenn man sich das Geld für derartige Telegramme ersparen würde.“

* Zur Invalidenversicherung. Die Ver- ficherungs-Anstalten habm bekanntlich daS Recht, einen erkrankten Versicherten, dessen Invalidität noch durch ein geeignetes Heilverfahren ver­mieden werden kann, ein solches zu gewähren Derselbe kommt in der Regel in eine sog. Heil­stätte, ein Bad odrr in ein Krankenhaus. In einem solchen Falle gehen die etwaigen Ansprüche des Versicherten an die Krankenkasse auf die Versicherungsanstalt über, diese zieht also auch das Krankengeld ein. Falls der Erkrankte Angehörige — auch Eltern, Groß­eltern, Geschwister — hat, deren Unterhalt bis­her ganz Überwiegend von ihm bestritten worden ist, so muß die Bersicherungs-Anstelt diesen An­gehörigen eine Unterstützung zahlen, auch wenn er einer Krankenkaste nicht angehört. An Unterstützung muß grwäh.t werden: Wenn der Versicherte einer Krankenkaste angehört, das halbe Krankengeld, sonst ein Viertel des ortsüblichen TagrlohnrS. Die Versicherungs-Anstalten dürfen aber über diese Mindestsätze hinausgehen und je nach Bedürftigkeit und den Familienoerhätt- nisten deS Versicherten die Unterstützung wesent­lich erhöhen. Für den Bezirk der Landesoer- ficherungranstalt „RheinProvinz“ find nach dieser Richtung folgende Grundsätze ausgestellt:

75 Prozent des Krankengelde» bezw. ho des ortsüblichen Tagelöhner werden gewährt, wenn nur eine zu unterstützende Person vorhanden ist, der Ber­ficherte aber bereits über 13 Wochen erwerbsunfähig war, ehe das Heilversahrm eingeleitet wurde, oder, toenn große Bedürftigkeit vorliegt, insbesondere die für die Kur erforderlichen Kleider richt beschafft werden könnm, oder wenn roch eine wettere ver- dienstunfähige Person in der Familie vorhanden ist; — daS ganze Krankengeld bezw. die Hälfte deS ortsüblichen Tagelöhner wird bezahlt, wenn bis zu drei verdienstuirsäbigr Personen zu unterhalten find; — der 1*/,fache Betrag der KraukiNgrldeS bezw. ’M deS ortsüblichen Tagelöhner soll dann bewilligt werden, wenn noch mehr als drei erwerbsunfähige Angehörige zu unterhalt« find.

Gleiche oder ähnliche Grundsätze werde» wohl die meisten Versicherungsanstalt« aufgestellt haben, In der Rege! wird aber die erhöhte Unterstützung nur auf Antrag gewährt, wes­halb kein Versicherter, der in die Lage kommt, ein Heilverfahren beantragen zu müffen, es ver- absäumen soll, die Vergünstigungen für fich in Anspruch zu nehmen.

* Rene Verluste in Südwestafrik«. Ein Telegramm auS Windhuk meldet: Ge­fallen auf Patrouillenritt bei Kowes am 17. Mai: Oberleutnant Heinrich Häring, geb. 15. Mai 1871 zu Freiburg, früher J»st.-Rezt. 163; Unteroffizier Reinhold Stahn, geboren 22. Nov. 1878 zu Logau, früher Eisenbahnregi­ment 2; Reiter Wilhelm Bitter, geb. 16. Dez. 1881 zu Neu-Jaromirz, früher Inf.Reg. 140; Reiter Wilhelm Thies, geb. 3. März 1881 zu Telle, früher Luftschifferbataillon. Im Gefecht bei KoweS am 17. Mai: Unteroffizier Franz Lengowski, geb. 22. August 1878 zu Bialkev, früher Küraffier-Regiment 5; Reiter August Krüger, geb. 29. Nov. 1882 zu Jakobshageu, ftüher Lehr-Reg. der Feld-Srüllerieschießschule; Reiter Konrad Girod, geb. 8. April 1879 zu Dresden, ftüher 1. kgl. sächsisches Feld-Art.-Reg. 12; Reiter Max Helwig, geb 11. Juni 188»zu Bromberg, ftüher Feld-Art.-Reg. 53. Im Ge­fecht bei Biffrport am 19. Mai: Feldwebel Ro­bert Schnalle, geb. 2. Ott. 1874 zu Lrobschütz, früher Feld-Art.-Reg. 66; Unteroffizier Heinrich Oelze, geb. 8. März 1883 zu Hildesheim, früher Jnf.-Reg. 60. — Verwundet: Auf dem Pa- trouilleuritt bei Kornes am 17. Mai: Reiter Adolf Bode, geb. 21. März 1883 zu Nordhaufen, rüher Jnf.Reg. 49; Reiter Louis Bernhardt, leb. 24. Nov. 1882 zu Waltersdorf, früher Inf.- Heg. 163. Im Gefecht bei KoweS am 17. Mai: Assistenzarzt Johannes Kahle, geb. 27. Juni 1878 zu Neuendorf, ftüher Feld.Art.-Reg. 62; Unteroffizier Franz Jegust, geb. 6. März 1878

zu Witt girren, früher Feld Art. Reg. 52; Ge­freiter Friedrich Blöcker, geb. 1. Frbr. 1885 zu Röbel, ftüher Feld-Art.-Reg. 24. Im Gefecht bei Btffeport am 19. Mai: Sergeant Wilhelm Rnole; geb. 27. Juni 1879 zu Diesdorf, ftüher Pionierbataillon 4; Unteroffizier Albert Häufler, geb. 25. Sept. 1880 zu Marbach am Neckar, früher 2. württ. Feld-Art.-Reg. 29; Gefreiter Emil Wawries, geb. 31. Juli 1882 zu Krey- wöhnen, früher Ulanen-Reg. 8; Reiter Karl Gölicke, geb. 31. Jan. 1883 zu Würmlitz, früher Jnf.-Reg. 32; Reiter Richard Hartwig, geboren 11. Januar 1882 zu Flieth, früher Pionier-Ba« taillon 15; Retter Rudolf BarrMhin, geb. 22. Dez. 1882 zu Minker, früher Jnf.-Reg. 24; Reiter Gustav Wildner, xeb. 11. Dez. 1881 zu Primkenau; früher Lehr Regiment der Felds! - ttllertefchießschulk'. — Vermißt: Im Gefecht bei Kowes am 17. Mai: Unteroffizier Johann Grundmann, geb. 15. No?. 1881 zu Königsdorf, früher Hufaren-Reo. 1.

** Die Rechnung» - Kommission des Reichstages bat durch den Abg. Schichert (kons) Bericht erstattet über die Ueverficht der Einnahmen und Ausgaben dcS ostafrikani­schen und südwestafrikanischen Schutz­gebietes für 1901.

(') Die Gefchäst-ordunngs-Kommisfion des Reichstages beantragt, zu erklären, daß durch die Ernennung des Reichstags-Mit­gliedes Beck-Heidelberg (natl.) zum Großherzogl. Badischen Geh. Reg.-Rat das Mandat desselben nicht erloschen fei.

* Ess em, 27. Mai 1905. In einer gestern abend stattgehatten Versammlung des Psarr- klerus und einer größeren Anzahl hervorragender Laien der Stadt Ess« wurde laut der .Essener Volkszeitung* einmütig beschlossen, in Straßburg den Amrag zu stellen, daß Ess« als Ort der nächsten Generalversammlung der Katholiken Deutschlands bestimmt werde.

Bus dem Landtag.

190, «ituuf vom 27. Mai 1905.

«röfirmng 11'/. Uhr.

Zweite Lesung drS Zechenstill egungS- Gesetzes.

Der Regierungsentwurf führt in der Haupt­sache einen BetriebSzwang und eine BetrtebLverwavung ein, nm die BergwerkSbesitzer zu zwingen, ein Berg­werk, deffen G:öffa«»g oder Fortsetzung tm öffentlichen Interesse liegt, zu betreiben

Die Kommission hat den Rrgtern»»Sentwms in verschiedene» Punkten obgeschwächt. To hat fie ein vorbereitendes Berfahren ei»,«führt, welches den BergwertSbesttzer berechtigt, durch daS Oberbergamt die ZulSsfizkeit bezw. Uuzuläsfiskett einer «tilleguug seststellen zu laffew. Ferner hat fie gegen­über den Anordnungen des OberbergamteS daS Brr- waltungSstreitverfahren eingefügt und schließlich bestimmt, daß der B e r z i ch t auf daS Berg­werk den BergwerlSdefitzer von der Verpflichtung b e« freit, di: fich auS »er BetrtebSpflicht ergebende» Koste» zu tragen.

Die »bgg. Dr. Spahn (Z) und Dr. Hager (Z) stellen eisige AbänderungSauttSge. To wird bean­tragt, zu bestimme», daß auch vor der Einfchkä»k«»g deS BergwerkSbetriebeS Vas Oberbergamt um seine Gntscheidung angegangen werden kann, ferner, daß der durch Bergarbeiterschutzgesetz eingesetzte BergauSschuß die 1. Instanz und daS Oberbergamt die 2. Instanz bilden soll.

I» der GeneraldtSkassio« erklärt

Abg. d. Keffel (t), daß seine Partei ben Rom» mtsfionsbrschlüffeu zustimme», die Zentrumsanträge aber ablchnen werde.

Minister Möller erklärt, bte Regierung sei mit ben KommifstonSbeschlÜfle» einverstanden.

Abg. Dr. Hager (Z.) begründet die vom Zentrum beantragte» Aenderunge».

Abg. Kraufe-Waldeaburg (kons) erklärt, feine Partei werde der ZwangSverwaltung nicht zustimme» könne». <-

Abg. Dr. Friedberg (ntl) spricht fich in ähn­lichem Ginne au». Wenn in der Frage der ZwangS- verwaltung kein Gntgegenkomme» gezeigt würde, so «erde seiner Partei die Annahme der Borlage sehr erschwert.

Abg. Oeser (fr. vp.) pflichtet dem Vorredner bet.

Abg. Woiff L.ffa (fr. vp.) erklärt, seine Partei bet Botleoe üttfltinnren.

Ein RegierungSkommiff« widerlegt die gegen die ZwangSverwaltnng geltend gemachte» Bedenke». Mau dürfe nicht außer acht laste», daß das Bergwerks- eigentnm ganz ander» fei, als daS gewöhnliche eigen» bim.

Bei der Abstimmung wurde» verschiedene Zru- trumSanträge angenommen, dogegen die AbändenmgS- anträge der Nationalliberale» und Fretstnnigen ab- gelehnt und daS ganze Gesetz angenommen.

Ei» KommtfstouSantrag, wonach die Ge­meinde» von stillgelegtem rentablem Bergdefitz Ab- gaben erhebe» tö»»e», wird bei Regierung zur Er­wägung überwiese».

Montag 11 Uhr: 8 Lesung deS GlillegungS- gesetzeS, Bremer Vertrag und -s. Lesung bet MulungS- sperre.

Schluß S'/. Uhr.

Ausland.

* Die erregte« Gemüter der fhvan- zvsev wollen wegen der Ueberreichung deS Or­ders vom hl. Grabe cn den deutschen Kaiser noch immer nicht zur Ruhe kommen. ES fei natürlich, meint der .Unioers', daß die Reden des Kaisers und der deutschen Kardinäle eine gewisse patriotische Erregung in Frankreich zelligen mußten. Sich übermäßig zu erregen, ließe doch gar kein Grund vor. „In den letzt« Zeiten", schreibt er, „ließm verschiedene Ereig- niffe den Wiederbeginn einer Art kleinen Kultur­kampfes in Deutschland bt fürcht«. ES ist daher sehr begreiflich, daß der Kaiser diese Ordensver­leihung dazu benützte, feine Untertanen zu be­ruhigen und damit gleichsam ein Pfand drS Frieders zu stiften; es ist in der Tat etwa- Geheimnisvolles in der Persönlichkeit seines Ent- schluffrk; niemand hatte eine Ahnung von dieser Begegnung des Kaisers mit den beiden deutsch« Kardinälen und den Bischöfen Elsaß-Lothringens. Man mußte unwillkürlich darin eine zweite Auf­lage der Steife nach Tanger sehen. Unter ben gezenwär ige« Umständen war es ganz logisch, an das Protektorat im Orient zu denken. Wenn die Worte deS Kaisers und des Kardinals Kopp, die zweifellos als unbestimmt bezeichnet werden müffen, als eine Bedrohung in bezug auf das Protektorat ouSgelegt wurde», so ist nicht Deutschland und noch weniger der heilige St«hl, sondern vielmehr Frankreich selbst daran schuld. Die garze Gelt fieht, wie die ftan» zöfische Regierung mit aller Gewalt daran ar­beitet, die hundertjährigen Hilfsmittel zur Er­haltung seines Einflffes im Orient und äußerst« Osten zu zerstören. Der hl. StuP vermag nichts mehr zu tun, diesen Wollen der frarzSfischen Regierung zu verhindern. Und was Deutschland betriff', so kann eS nichts an­deres tun, als zufehen, wie Frankreich feix« jamme lichrn Selbstmord vollzieht. Die Red« in Metz fi'd weniger antifranzöfifch, als die von Waldeck, Combes, Bi« venu, Martin JaureS, und Konsorten in der Kammer immer wieder roieöetbolten Erklärungen."

* Der französische Senat bewilligte ein stimmig einen Kredit von 17000 Franks z« Teilnahme des Unterrichtsministeriums an der internationalen Ausstellung in Münch«.

* A« Hofe deS Zaren soll angeblich bei Wind schon wieder einmal sich gedreht hab«. Der Petersburger Berichterstatter der ,Times- verzeichnet von allen Seit« eingehende Gerüchte, wonach im ZarSkoje Selo wiederum die äußersten Rückschrittler augenscheinlich die Oderhand hätten. Man behauptet sogar, Pob- jedonoszew werde demnächst eine Stellung er Halle», die die Geschicke deS Reiches sowohl wie die der Kirche in seine Hand Ie(e. Die Rück­schrittler äußerten mit voller Zuversicht, fie wür­den imstande fein, die Reformen zu vereitel» und die mit Ungeduld erwartete Nationalver­sammlung tu einem ohnmächtig« Gaukelspiel zu gestalten.

* lieber die Verurteilung eines Dy- «aniitatteutSlerS wird dem Londoner.Daibg Telegraph' aus New-Hork berichtet: Arn Somt- abend wurde der Urheber deS am 11. Mai 190s gegen de« Eunarddampser „Umöria" im hiefig« Hafen verübt« Höllenmaschinen - Anschlags, Geßlrr Roffeau, zu 4 Jahren Gefängnis Denn* teilt; der Verurteilte fleht auch im Verdacht, d« Anschlag gegen daS Standb'.ld Friedrichs des Groß« in Washington verübt zu hab«.>y

* Zur abessinische» Eifenbahnfrage sagt die offiziöse römische .Tribuna' unter Hin­weis auf die Mitteilungen ftanzöfischer und eng­lischer Zeitungen in betreff eines Abkommens zwischen Frankreich, England und Italien, * seien allerdings Verhandlungen zwischen d« dtei Regierung« im Zuge, aber die ftanzöfisch-eng- lischrn Meldungen Über die Bedingungen, nut« welchen daS Abkomm« bereits abgeschloffen fette fall, find unzutreff«d oder verfrüht.

* Vom »hast»tische» KrieasschanplaSz, Zu einer Seeschlacht soll es dem Bureau Reuter und aus chinefifcher Quelle stammenden Nach­richten zufolge in der Straße von Korea ge­kommen fein. (Siehe die Telegramme.) Noch ist eS zwar Gerücht, aber es ist wahrscheinlich etwas an diesem Gerücht. SS ist möglich, daß RostdjestwrnSky mit dem besten und schnellst« Teil seines Geschwaders dir Fahrt nach der Straße von Rerea beschleunigt hat. Die nach englischen Blättern am Donnerstag und Freitag in Schanghai gesehen« russisch« Schiffe wär« also daun nur Nachzügler gewesen. Nach dem Bureau Reuter find die Schiffe der baltisch« Flotte am Freitag abend von den Saddle Insel» wieder abgegang«. Die Japaner rüst« fich bereits für d« Empfang der Raffen unb treff«