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Fulda, Donnerstag, den 25. Mai 1905.
32. Jahrgang.
Erstes Maü.
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0 Kottenverein und Zlottenagttatto«.
Fürst Salm wurde am Mittwoch vom Kaiser empfange«. Er ist Präsident de- Deutschen Flottenvereins und man irrt sich schwerlich in der Annahme, daß der Empfang mit der bevorstehenden Generalversammlung des Vereins in Stuttgart im Zusammenhänge steht, «mal da gleich hinterher der Ehrs des Marine- kabineis, der auS Berlin nach Wiesbaden ge- kommen war, Vortrag beim Kaiser hatte. Der Klottenvrrrin steht vor der Frage, ob er fort- fahren will, auf eigene Hand für ein eigenmächtig aufgestelltes „großzügiges" Flottenprogramm zu «gitteren, oder ob er fich darauf beschränken will, Verständnis und Interesse für die Flotte überhaupt im Volk zu verbreite« und gegebenenfalls für die Forderungen der Regierung zu agitieren.
Einem Teil der Flottenschwärmer geht die Einschränkung der Agitation hart gegen den Strich, wie der Austritt der Generale MengaS und Keim aus dem Vorstande und der grimm« Zorn verschiedener Blätter über die «neuen Ec- rtaniffe", die diese« luS tritt herbeiführten, zeigt. Manche Leute habe», wenn ihnen etwas nicht nach der Mütze geht, gleich die Fabel zur Hand, Jntrignen des Zentrums, der Jesuiten oder deS Papstes feit« schuld. Durch die Vorgänge in Metz waren im jetzige« Augenblick die leichtgläubigen Gemüter wieder ganz besonders empfänglich geworden für solche Märchen, und wir haben dann auch gehört, daß daS Telegramm, das dem Flottenverein die Unzufriedenheit des Kaiser» über die Art seiner Agttatio» in sehr deutticher Form ausgedrückt zu haben scheint, auf «Treibereien des Zentrums" und daSBemühen d«S dem Zentrum orenstbaren Reichskanzler» zmückzufrmen fei. Diesmal hatte daS Märchen jedoch kein langes Leben, da fest- gestellt werde« konnte, daß daS Telegramm auf der Mittelmeerreife veS Kaisers entstände« P, während welcher der Reichskanzler nicht in feiner Nähe war und ZevtrumSleute und Jesuiten erst recht nicht.
Daß daS Telegramm bei der Leitung des BeuorrrinS überrascht hat, begreifen wir.
! der Kaiser doch «och am 3. März auf ein igungStelegramm der Gruppe Berltn-Vran- denburg eine durchaus aufmunternde Antwort t. Und das war geschehen, nachdem der im Reichstage scharf krttistert und
vom Staatssekretär von Ttrpitz halb und verleugnet worden war, während ander- Admiral Holtmann auf der Versammlung genannten Gruppe erklärt hatte, der Flotte«- «Mein bleibe bei seiner Agttatton und laste fich bmch Angriffe nicht irre machen. Ab« so wett- fremd find doch die Herren vom Flottenverein auch nicht, daß fie sich üb« die ihnen zu teil ge-
wordene Ueb«raschung als etwas untthörteS o«. wundern nnd entrüste« sollte«. ES find doch schon manche ander« Telegramme «gange«, die noch «ehr Ueberraschung und Aufsehen zu er- regen geeignet waren. Und diese Telegramme hätten die Herren auch darüb« belehre« könne», daß eS zur Absendung solch« Telegramme kein« besond«en Jntrignen bedarf.
Die Haupttache ist. ob d« Tadel, den daS MUtelmett-Telegramm auSsprach, begründet war. Richt danach sollen die Leiter deS Flotten- Vereins frage«, w«s veranlaßt habe« könnte und wie die «wartete »endnung d« Anfichten deS Kaisers üb« die Agitation deS Flottenoer- eins zu «klären fei, sondern ob nicht tn der Tat diese Agttatton verfehlt sei. SS wird außerhalb des FlottenvaeinS und de» Kreises der Flotten- intereffenten wohl nicht allzuviele Leute geben, die die Rüge ungerechtfertigt finden. «S war hohe Zeit, daß d« Nebenregierung des Flotten- v«eins ein «Halt!" zugmufen wurde im Interesse der Flotte. Das geben alle besonnenen Flotten- freunde zu. Keine v«antwortliche Regierung kann eS dulden, daß irgend eine Privat Ver- einigung fortgesetzt Rebenregi««ng spielt und »ndekümmert um die tatsächlichen Verhältnisse unter Ausspielung hoher Stnfiüffe Vorschriften zu machen sucht. Die Marinsoerwaltung insbesondere mußte fich sage», daß es ihre» Flotten, plänen mehr schade al« nütze, wenn fortgesetzt mit großem patriotischem Tamtam Propaganda für uf«lose Forderungen gemacht und der Schein hnv-rrgerufen werde, als ob diese Forderungen fich der Sunst hoher und einflußreich« P«so»en «freut. Es war dah« ihr gutes Recht, wenn fie fich dagegen wehrte und jeder, dem an dem ruhigen und geordneten Sange «ns«« Politik gelegen ist, kann eS nur mit Genug- tttung begrüßen, wenn fie damit Erfolg hatte.
Man darf hoffe», daß das Telegramm des Kaisers de»Ueb«eiftt etwas gedämpft hat. Dieselbe Gruppe Berlin-Brandenburg, die noch vor einigen Monaten unt« Führung de» Admiral» Hollmann so frisch für die Fortsetzung d« biSH«igen Agitation eintrat, hat bekanntlich vor einigen Tagen unter Führung desselben Herrn Hollmann eS als Aufgabe des Vereins bezeichnet, Verständnis für die RegierungS-Forderungen zu v«bretten. So wenig es vielen Mitgliedern des BneinS zusagen wird, fich einen halbamtlichen Stempel aufs rücken zu lasten und den Flug ver Phantast« zu hemmen, die Mehrhett dürfte fich doch fügen, «eil die ganze FlottenvereirrstStigkeit ohne hohe Gunst «ine Spielerei wäre. An- dernseUS müssen wir ab« auch darauf vorbe- rettet fein, daß die Stimmung, die in dem Telegramme zum Ausdrucke kommt, demnächst wird« einer andern Platz macht und d«Flotten- ««ein alsdann wird« mit »ollen Segeln in den Ozean d« «großzügigen Agitation" hinauSsteuern
Kan; von wenden.
Novrlle do« Maina «rechte». A ------ Nachdruck verboten.
Der junge Mauu erwachte au» fein« Betäubung, drückte die Briese krampfhaft zusammen und stürzte aus die Straße htmm». Siu Papier war ihm tut» fallen; er eilte zurück; aber d« Porti« kam ihm zu- vor, reichte e» wie abwehrend hinan» und v«schloß dann hastig die Türe, »enden sah «och, wie der Stenn nach d« Stirne deutete; — und diese eine Bewegung brachte ihn wird« zu fich selbst. Sr schob Sen Hat ries in'« Gesicht und eilt« fort au» btt Nähe der Meukcheu, dem Strande zu.
Die Alleen lagen jetzt einsam da, und niemand begegnete ihm. Die Schatten der Bäume fiele« laug auf den sandigen »eg, der Wind war stärk« geworden, und dre Mondsichel warf ihren bleichen Schein «s die dumpf brausende See. —
Wend?« lleß sich auf eine in Dunkel stehende Bank nied r «nd barg sein Antlitz in den Händen. — Da» also war d« erste Abend in Nizza! Leben und Tod, Reichtum und Armut hatten em grause» Wechselspiel getrieben, nnd da» Schicksal seine kalte Hand aus fein und kein« Gattin junge» Glück gelegt. Wie Mcklich war fie gewesen, und nun rändle ihr d« lob den geliebten Batet, und « durfte ihr la um Zett zur Fassung und Killen Trau« gönnen; fie mußten fich beide aufraffru und mit dem Leben kämpfe«, denn fie waren ja wahrscheinlich arm geworden, bettelarm fa ein« einzigen Stunde! Er Äg'ell auf. — O, daß ich glauben konnte, d« uu hefte fich an meine Fährte! Doch wa» tut'-, wenn nur Elma liefern harten Schlag nicht erliegt, und ich Tor, ich wähnt- diese frohe «rnderaugen vor allem Leid schützen zu können? Doch Sr, der e» üb« fie schickt, wird e» tragen Helsen.'
Die feucht-, vom Me« aufsteigende Lust lleß Wenden'» Sörp« erschauern; « raffte fich auf und schritt langsam dem Hotel zu, so langsam, al» wolle er die kurze Entfernung zu Stunden au»- dehn«. Nie war ihm ein Saug so schwer geworden, denn « mußte ja Elma die Trauernachricht mit. teilen; nur heute nicht, diese ewzige Nacht sollte sie noch von dem geliebten Bat« al» von einem Lebenden träumen und fich «och reich und glücklich wähnen.
Da »ar da» Gartenpförtchen «reicht; « tastete an dem verschlungene» Sisengnter, btt seine bebende Hand da» Schloß gefunden hatte. Mit leisen Schritten eilte « die Bernndatreppe hinauf und stand bald vor d« Gla»tüe de» Schlafgemaches. Leise trat er ein, nur einen Bück wollte « auf ihr liebliche» Gefichtcheu «äsen, de« die Trän«, de» Kummer» bi»h« so fremd geblieben waren.
Eine Nachttawpe in Rosa-Gla»kugel hing von ba Decke de» Zimm«» herab und beleuchtete die schlummernde Gestatt ba geliebten Frau, die auf ein« Chnioe longue ruhte. Sie mochte wohl auf de» Gatten Heimkehr gewartet taSen; denn fie trug noch da» weiße mtt Spitzen besetze Hau-kleid.
Wenden sah de« glücklichen «u-druck, da» sorglose Lächeln, da» ihren Mund umspielte, und ein bittere» Weh durchzuckte ihn. Seine trockene«, brennenden Ange« irrten in dem eleganten Raume muh« und blieben zuletzt auf ben Schleifen de» «leide» haste«. — Da plötzlich zog eS vor seinem geistigen Auge vorbei — wie ein lärgst vergessene» Bild au» alten Tage«: er sah eine düstae, laste Mansarde und Irinnen ein bleiche» Sei» mit einen abgezehrte«, hungernden Kindel — Wer hatte dort für kurze Zett Wärme, Hoffnung und Lebe« Verb teil et und war da«« gegangen für imm«? — „Loni!* klang ei wie ein Hauch von den zosammeugepreßien Lippen, „Du bist g«ächt."
Und der gequälte «mm schlich leise wird« hinan» nnd lehnte sich an die Betfistlng be» Balkon». Eine
Deuffdies Reich.
Verls», ben 24. Mai 1906.
• WuhlbeeinflNffnnse«. Im Abgrord- «etenbaufe kamen heute (Mittwoch) arge Wahl- beeinfluffungen zur Sprache, die int schlesischen Kohlenrevier und zwar tu ben Bezirken Benthe«- Kattowitz zu gunste« bet nationatiiberalex Kandidaten Junghann und Dr. Boltz vorge- kommen find. D« von Zentrumsseite aus- gehende Wahlprotest führt eine ganze Reihe von Fälle« an, wo von Bergbeamten auf die Arbeit« durch Drohungen eingewirkt ist, um fie zu veranlassen, die nationalliberalen Kandidaten, von denen b« eine Bergrat, b« andere Generalsekretär der b«g- und hüttenmännischen BneinS ist, zu wählen. Obendrein find die Arbeit« in wiederholten Fällen in geschlossenem Zuge zum Wcchllokale geführt und dort «egen ihr« Stimmabgabe kontrolliert worden. Trotz aller dieser Vorkommnisse beantragte die Kommission die Giltigkeit der Wahl. Vie stellte fich auf den Standpunkt, daß, wen« auch wirklich alle die Unregelmäßigkeiten und Beeinflussungen vorge- kommen seien, dadurch nicht soviel Wahlmämrer« stimmen »«giftig würde«, als notwendig sei, da- mit auS der Mehrheit für die beiden national- liberale« Abgeordneten eine Minderheit werde. Daß die Arbeiter in geschloffenem Zage von ben Arbeitsstellen zum Wahllokal geführt find, «klärt die Kommisfion recht harmlos mit dem berechtigten Bestreben b« Arbeitgeber, bie Leute von vorherigem Wirtshausbesuch abzuhalten. Die Abg. Tourmanu (Z.) und be Witt (Z), sowie Abg. Sißling (fr. Bp.) wiesen daraus hin, baß bie hi« von der Kommission betätigte Praxis im schroffsten Widerspruch stehe zu ben Urteilen be« Reichstags üb« Wahlbeeinflussungeu. Indessen ließ fich bie konservative-nationalliberale Mehrheit durch solche Einwendungen nicht ab- halten, endgiltig bie Giltigkeit der Wahlen auszusprechen.
§ Schon wiederholt ist in der Presse vor schwmdelhaftm Las- *«> PrSmieuloSge- schäften in ben Niederlanden gewarnt worden, deren Hauptsttz Amsterdam ist, die fich ab« auch tat Haag, in Arnheim, Rotterdam und in anderen Städten finden. So wurde bereit- mehrfach in d« Presse auf daS betrügerische Treibe« d« Kommet ea- und Kreditbank, d« Internationalen PrSmieubunk, d« Nationale« Renten- und Kreditbank, bet Internationalen Wechsel- und Sffeklenbank, d« Holländische« Kreditbank, Grün u. Ko., deS Bank Effekten- KontorS, Web« u. Ko., Fortuna, sämtlich in Amsterdam, hingewiesen. In letzt« Zett find die „Holländische Voden-Kredit-Anstalt (Hollandaohe Grondkreditbank)", sowie daS Banktontor für Staat-lose, Akt.-Ges." unb b« „Niederländische Allgemeine Effekten-Handel, Akt.-Ges." in Amster- dam neu errichtet worden. Der,ReichSauzeig«' weist bah« jetzt nochmals nachdrücklich und ganz allgemein darauf hin, daß «ach den fett Jahren gemachten Erfahrungen schlimmst« Art und d« Anficht ernsthaft« FManzleute vor einerveteili.
gung an allen in dm Niederlanden befindliche« Unternehmungen, die fich mit dem Handel und be« Spiel von LoSanteilen ober von Anteilen an Prämienpapieren ober von Promeffen an Ge- »innen auf Los- ober Prämienpapiere befasse«, eindringlich gewarnt »«Ben muß. Die Tätigkeit dies« Bank« ob« ihr« deutschen Agenten pflegt ferner gegen dm § 7 deS Deutschen ReichSgefitzeS vom 16. Mai 1894, betreffend die Abzahlungsgeschäfte, in der Mehrzahl der Fälle aber auch gegen ben Betrugsparagraphen deS Deutschen Strafgesetzbuches zu verstoßen. Wer in Deutschland eine Agentur ober Vertretung derartiger Institute Übernimmt, setzt fich bah« fast immer strafrechtlich« Verfolgung au». Der Zusatz „durch Königlichen Beschluß genehmigt*, der fich auf ben Prospekten derartig«, als Aktiengesellschaften begründete Banken befördert, beweist für die Solidarität der Bank nichts; « hat nur for- melle Bedeutung und drückt nur aus, daß die Statuten b« Gesellschaft, wie gesetzlich vorge- schriebm, der niederländischen Regierung zum Zweck der Prüfung eingerercht find, ob die für Aktiengesellschaften geltenben Normativbestimmungen, z B. hir,sichtlich des Vorstandes, deS AusstchtSrateS, der Srneralv«sammlung «sw., im Statut beachtet worden find. Liegen i« dieser Beziehung keine Anstände vor, so werden die Statuten durch Königliche Dttordnung „genehmigt", b. h. es wird die Erlaubnis erteilt, daß die Aktiengesellschaften von diesem Augen- blick an ihren Geschäftsbetrieb beginnen können. Sine staatliche Gewähr für die Solidität beS Unternehmens ist in bem „Königlichen Beschlüsse" nicht enthalten.
** Bon allen ben verdächtigen Handlungen, woran fich Deutschland «ach ausländischen Pleßmeldungen an der Küßte vor» Gchautuug schuldig gemacht haben sollte, ist, wovon jetzt auch die chinestsche und die japanische Regi«u«g Üb«ze«gt find, nichts übrig geblieben. Sine deutsche Festsetzung in Haitschou ist weder tat- sächlim begonnen »erben, noch wird fie diplomatisch vorb«eitet. Die Behauptung bet .TimeS' auS Paris, es sei in Peking die Ermächtigung zum Errverb von Haitschou nachgesucht, diese Bitte ab« von Ehina abge» schlagen worden, ist — so wird halbamtlich ii der.Süddeutschen Reichskorrespondenz' verfichev — glatt erfunben. Bon d« Eröffnung einet beutschen Zwischenhasen- zwischen vchangha: unb Kimttschou war überhaupt nie bie Rede Mit b« Kabelverdinbung Tsingtau—Schangha hat eS allttdinzS feine Richtigkett. Daß ab«» «vie London« Blätter fich auS Tokio melden ließen, „die Deutschen" mtt d« Legung des Kabels tn unerlaubter Weife begonnen hätte«, stimmt »ieb« nicht. Denn die chinestsche Re- gierung hat die Landung des Kabels in Schanghai ausdrücklich vorher genehmigt.
♦ Nach amtlich« Feststellung gibt eS in Preußen zurzeit 816» Innungen, und zwar 5805 freie und 2364 Zwangs»Innungen. Die Zahl d« Innung-- AuSfchüffe (Organisationen von Innungen im Bezttke derselben Aussichts-Behörde) betrfigt 172, die der Innung- - Verbände (und
Flut von bittere« Bedanke« stürmte aus ihn ein: also batum hatte der Bankt« ihn so bereitwillig al» Schwiegersohn willkommen geheißen, darum so zur Beschleunigung b« Hochzeit «errängt; « wollte bie Tochter da sichern Hasen toiffen, ehe bie Katastrophe möglita «eise hereinbrach. Sollte auch Elma diesen Umsturz b« Verhältnisse geahnt haben? «ein, be» war unbeukbar, ihre sorglose Unbesangenhett in oll diesen Woche« war keine Marke «wese«. Gottlob, in ihrem gegenseitige« Verhältnisse trat keine Ber- Liderung ehr, « würde fie gleich heiß geliebt und begehrt haben, auch wenn er bamal» gewußt hätte, daß fie arm sei, so arm, «He «. Und nun stand nicht« mehr zwischen ihnen, bet große Reichtum würde wohl in Rauch mrsgehen, und « allein durste für seine teure Gattin «betten unb sorgen. „Gott im Himmel, erhalte mit Gesundheit und Kraft; gib, daß mein Mut nie erlahmen möchte, und sende mW deinen Segen für die Tage voll Arbeit und Mühen i* So flehte Stuben an» tief gläubigem Herzen und gelobte fich, keine Anstrengung zu scheuen, um Elma'» Lazu einem glückliche« zu machen. Er schritt im Garte« auf und nieb«, bi» fich ba Sturm feie« Gefühle gelegt haben würbe. Die Schatten be» abend» wurden lieg«, und ei begann kühl zu Waden, ab« Wenden fühlte e» nicht. Er sah auch nicht, wie droben die Balkontüre aufging und seine jange Frau in ihrem weißen Gewände auf der Beranda erschien. Da tief ei leife: „Franz, bist Du hier?"
„3°, Geliebte, ich komme," gab er znr Antwort, aba seine Stimme klang so hohl und verändert, daß fie erstaunt aufbllckte. Dann band er vor ihr, bltich, wüde und erschüttert, da» Lächeln, $e bem er die blutlosen Lippe« zwa«g, ließ die Spure« be» maern Kampfe» nur noch derttlicha hervor tret en.
«lma sagte Mtlich: „Da bliebst so lange, da schlief ich znletzt ehr, erwachte ab« eben, und al» ich auf meinen Ruf keine Antwort erhielt, suchte ich Dich
draußen."
«enden sprach nicht; et fürchtete, seine Aufregung
zu verraten, und hielt nm ihre Hand fest in ba seinen. Da legte fi« ihre lleinen Hände auf seine Schulter«, zog ihn tn die Mitte be» Zimmer», so baß ba rosige Schimmer ba Lampe voll auf sei» Gesicht fiel, 8»b sagte: „Du siehst so fonbab« an», so verstört, — um unserer Liebe willen, sag' mir, ist etwa» vorgesallen?"
Gr schwieg noch imma.
„O, Da warst auf bet Post, wa» für Nachrichten bring« Du heim?"
„Morgen, liebe» Herz, laß «u» für heute ruhen," bat ba Doktor.
.Nein, Franz, ich lasse Dich nicht; meinst D«, ich körn te schlafe« mtt biefa Unruhe in meinet Seele? Sprich, ich kann alle» hören, ich habe j. Dich, Geliebt«, und bin stark. Ist ei etwa» mtt Prpa?"
Ihre Stimme brach. Da gab a »ach; er zog fie nieder auf da» Sopha und erzählte ihr alle» — Ia” iSe* «^t^<matBh6on wett vorgerückt, aba be» Licht erlosch nicht. Noch lange, lange vermischte fich mit dem Getöse be» Winde» bie leise, tröstende Stimme de» Manne«, ba sein schluchzend«, junge» Weib zu beruhigen suchte.
VI.
Die nächsten Tage vergingen sehr hübe. Elma batte ihre Kraft überschätzt. Der aste habe Schwaz, den fie in ihrem jungen Leben empfand, beugte fie so tief darnieder, daß ihre geistigen unb körperlichen Kräfte vollständig «lahmte«. Sie lag weinend und schluchzend auf ihrem Ruhebett und konnte ben Gedanken nicht fasse«, baß ihr treua, geliebter Vater, welchen fie so wohl unb, wie fie meinte, glücklich ver- lasseu, nun nicht mehr nnta ben Lebenden fei. Allein und unter Fremden war er g.storben, ohne ei« Segen»« wort, ohne Abschied« grüß für fie auf ben Lippen, und fie sollte ibn nicht Wiedersehen I Ihr weiche» Gemüt unterlag fast de« Kummer und machte ste für latem Trost uuempfäuMH. — (Tory. W