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32. Jahrgang.

Fulda, Donnerstag, den 18. Mai 1905.

M 113

15 Pf-.; M W** tz»lun-e» wtrt catflff

Rabatt geehrt.

vmck 106 Verla- toi fultaer Rttieebrwta* te gitfb« (OenaMüf Kemsprech« » •

III.

DaS Hau» de» Bankier Brun« lag in dem vornehmsten Teile der Stadt, im sogenannten Westend. An dem heutige» Abeno strahlte dir riefige Fenst«' front eine wahre Flut von Licht au», und die Straße widerhallte weithin von der au» den Sälen tönenden Musik. Man feierte dort die Hochzeit der einzigen Tochter, and obgleich di« Neuvermählten schon am Nachmittage die Brautrrise aogetreteu hatte«, hielt doch ein glänzender «all die Gäste bi» zur späteste« Stande versammelt.

E» schien, al» wolle der Besitzer an diesem Abend mit einem Male de« volle« Glanz seine» Aeichrmete entfalten, so prächtig waren die Räume an» gestattet und mit wahrhaft fürstlicher Verschwendung ffc die Unterhaltung und da» Behagen der Geladenen gesorgt Bon der tageihrll erleuchtet'» Hall« führte« die mir kostbare» Teppiche» belegte« Treppe« dmch eine« Wald von blühenden Gewächsen zu den Festsälen empor, i» dene» sich die Spitzen der vornehmen und vor allem der reiche» Welt bewegten.

Tiefrote Sammttopete» mit eiugewtrkte« Sllber- blättern bedeckten die Wände, and ihr warmer Farbe», ton sog dar Lichtmeer auf, welche» von deu zahlreichen Kandelaber» von Berglr.stall «u»strömte. Gleichfarbige Bordänge fiele» t» schwere» Falte» an de« Feaster» und Türöffnuvgr» nieder und wurden von blitzenden P'eilen cm» massivem Sllber an de» Leiten ausgenommen

E» war eine Tavzpavse eiugetreteu, und die strahlente Menge wandelte auf und nieder. Wie da» wogte, und rauschte, lächelte «ad flüsterte! U'bcrall sah man sich neigende und beugende Gestalte«, während da» hinter Blumen verborgene Orchester die wriche« Klänge einer melodischen, berückenden Weise «Gnm> ließ. Geschäftige Diener glitte» geräu'chlo» auch« und nichte» die feinste» Erfrisch«» gen; wem plauderte, scherzte und grüßte, bot sich herzlich btt Hände, «Eckte und va mundete sich gegeuseitig in der liebru»»iKdtoWea Weis« und mit der verbindlichste« Miene. (8- W

worden. Dir vollzogene «enehmigungsurkunde wurde gestern an die Gräfin abgesandt. In­zwischen ist auch die von ihr beantragte Snt- laffung aus dem sächfischen Staatsangehörigen- verbände von der Kreishauptmannschaft Dresden erteilt worden. Nach dem »ertrage überläßt der König der Gräfin die Prinzessin Anna Monika Pia bis zum 1. Mai 1906. Danach verpflichtet sich die Gräfin, die Prinzesfin einer vom König hierzu abgesandten Vertrauensperson herauSzu» geben. Solange die Gräfin die Prinzesfin in ihren Händen behält, wird ihr zu de« Unterhal- tungskosten ein Beittag in gleicher Höhe wie die letzten Monate, gleich 200 Ml. monatlich, ge­währt. Ferner veqichtet die Gräfin auf die Staatsangehörigkeit und verspricht, daß ste auch künftig niemals die Aufnahme in den Verband eines deutschen TinzelstaateS nachsucht. Der König sagt zu, daß für di« Zeit nach dem 1. Mai 1906 ein Wiedersehen der Gräfin mit den gemeinschaftlichen Kindern jedes Jahr ein­mal statlfinden soll. DaS nähere über Zeit, Ort und Ausdehnung der Zusammenkünfte usw. zu bestimmen, behält fich der König vor. Für di- Zeit vom 1. Juni ab wird die Rente der Gräfin auf 40,000 Mk. jährlich erhöht?' — Hoffentlich nehmen dt« schier endlosen Mitteilungen Über die Gräfin Montignoso in gewiffen Zeitungen nun ein End«.

2. Kapitel.

Nach der Trauung.

3* de» Saal«, wo di« Kerze» Echtem«» wie et» Meer von Licht, Hör' ich t«bel«, bitt' ich sch«N«: Wahre Freude hör ich «icht! — Saft Du durchschaut de» fcrtt»» sußeruTcheius Mfi mancher lächelt, der tro Herze « weinet. Wie manchem Nacht ist'-, dem die erscheinet. Ms« manch« muß,was «nichtsei»will,seint —

Veden» ». d. Haide.

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Wert legt, durch die Anregung der vondergesandt- i schäft einen Beweis dafür hat geben wollen, daß i « dieser aggresstven Tendenzen abholden Richtung i auch seinersetts Rechnung ttägt.

* Die Gozialdemakrate« der 12. und 13. sächsischen Reichstags - Wahlkreises be- 1 schloffen, bet den Landtagswahlen auch solche bürgerliche Kandidaten zu unterstützen, welche insbesondere die Forderung des allge- meinen, gleichen und direkten Wahlrechtes aner- kennen. Darob herrscht große Freude bttm Frei­sinn; doch werden ihm wohl auch die Sozial­demokraten nicht auf die Beine zu helfen vermögen.

* Hebet den Verlauf deS Aufstandes i« Deutsch - Südwestafrika wird amtlich ge- meldet: Der Bethanierhäuptling Cornelius Fre- derik mit etwa 300 Mann war zuletzt am Zu­sammenfluß des Kutip und der Kimme festste- stellt; Major Täubler beabfichtgte, ihn mit im ganzen 4*/i Kompagnien und 2 Geschützen von verschiedenen Seiten anzugreifen. Von diesen Truppen stieß am 8 Mai die 1. Stappenkom- pagnie unter Hauptmann v. Rappard von Süden kommend auf den überlegenen Gegner, der fich mittlerweile nach dem oberen Gangchab gezogen hatte. Rappato wurde schwer verwundet; er fielen 6 Retter, verwundet wurden 6 Reiter. Am folgenden Tage erreichte von Norden kom­mend Hauptmann Baumgart« mit 90 Gewehren nach 46flündigem anstrengenden Marsche dar Sefechtsseld und griff überraschend die Stellung von Cornelius an. Dieser floh nach kurzem Widerstande unter Zurücklaffung von vier Toten und einem Verwundeten sowie großen Vtehmaffen mtt etwa 100 Reitern der Richtung auf Ber- seba. Der Rest seiner Leute zerstr-ut- sich. An Stelle der erschöpften Abteilung BaumgärtelS nahmen der herbeigeeilte Täubler und dir erste Etappenkompagnie die Verfolgung auf. Major v. Kamptz befindet fich im Vormarsch gegen KouchanaS, woselbst neuere« Nachrichten zufolge Morengo seinen Anhang gesammelt hat. — Die Zahl der gefangenen HereroS bettägtjetzt 5804, darunter 1493 Männer und hat seit dem 10. April um 2371, darunter 601 Männer, zu- genommen.

—77»««», 17.»lat 1905. Der Kaiser istgestern adend tn Wiesbaden ein getroffen. Dort ffnbet heute dieersteBegean«»-deSKaiser»mit dem großherzog­lich hessische» Ehepaar seit dessen Vermählung statt. D« Raff« wird i« Main» bett Gegenbesuch machen und stch an der in Aussicht genommenen Rhttn- fahrt beteiligen. - Der Rats,» hat d«t badische» StaatSmtnist« Freiherr« v. Dusch de« Roten Adler, orde» 1.Riaffe »«liehe».- Die Ralserin wird heute abend i» Begleitung deS Prinzen Adalbert Potwam wieder verlasse» und stch zur Teilnahme an de» Mai. sestspielen »ach Wiesbaden begebe». Dir Ankunft auf dem dortige« TamtuSbahtchose wird morgen früh 8 Uhr erfolge». - DaS «Militärwoche»blatt' meldet: Pri», Eitel Friedrich, Hauptmann im erste«Garde-Regi- ment zu Fuß, «urde »um Rommandeur der Leib kompagni, diese» Regimen» ernannt »»Stelle deS Grafe» »i»«arck.vohl«, d« i» den Hofdienst der künftige« Rronprinzesstn etntrttt.

* DreSde«, 17. Mat 1905. Das »Dresd. Journal' meldet: „Der Vertrag, de« in Voll- macht deS Königs StaatSminifter Otto am 5. Mai in Florenz mit der Gräfin Montignoso abge- schloffen hat, ist vom Könige genehmigt sammen zu lebe», soswollen wir gleich morgen Deine ^Da Mtng'dte'^mge Frau ihre Arme um den Hals der Alte«, küßte die runzlig- Wange und ge- loöt ihr, alle Liebe »«gelten za wollen.

Am and«» Tage wurde bet Umzug bewerkstelligt. Boni brachte bem Hausbesitzer einen Zettel mit bet Angabe ihr« nunmehrige« Wohnung «nb bot, wen» jernanb »ach ihr frage, ihm Straße unb Hausnummer zu nennen. Sie erfuhr nie, baß b«, auf beste» kommen sie seit Wochen sehnsüchtig gewartet, genau eine Stunbe nach ihrem AuSzuge an ber Tüte be» Trödelladen» gepocht hatte. Der Händler und Besitzer de» Hinterhauses, ein grämlicher, geizig« Jude, glaubte in dem stattlichen, vornehmen Herrn einen Käufer seiner berühmten Waaren zu sehe«. Er war dah« seht enttäuscht, al» dies« uut »ach grau Lebrbach fragte, und brummte etwa» von ärmlichem Gefindel, welche«, Sott sei Dank, au» sein« schönen Wohnung anSgezog« sei. Bon ihrem jetzigen Ausmthalte wiffe « nicht». Dan» schlug er bem Fremde« die Türe vor d« Rase zu, machte einen Fidtbu» au» bem kleinen Zettel und zündete seine Pfeife damit an.

H.

Der Winter ging vrrüb«; die Tage wurden läng« und milder. Etwa bi« Monate nach ber oben «zählten Begebenheit machte fich Boni eine» Morgen» auf/um einen Korb voll frisch geplättet«, fein« Wäsche nach b« Hauptstraße zu tragen 3« bet Nähe btt Liüfrauenkirche mußte sie a» einem Buch­labe» stehen bleibe«, benn e» hatte sich dort eine ziemlich große Menschenmaste angesammelt, um eie« vornehme« Trauung zuzuiehen.

Da öffnete fich da» Portal, und da» eben v«. wählte Paar trat heran«. Der Bräutigam, eine schöne, stattliche G-statt mtt einem prächtige» braune» Bollbarte, führte mit vor Glück strahlend« Augen bte Braut zu dem haarenden Sagen. ®i«e Wolle

• Die «örseukommissto« de» ReichSta-». hat die 2. Les«»» beendet, «d 8 68b wurde mit lu gegen 9 Stimmen! folgender Antrag Gamp an,enorm««: .Eine Rückforderung beff«, wo» bet oder »ach der Abwickelung de» Geschäft» zu seiner W-füllrmg! ^wtstet mord« ist, ffnbet auf gründ der Vorschriften de» tz »1, Abf. S u»d de» 8 66 nicht statt. Geg« Forderm»-« au» Börsentermtngeschäft« ist eine Ausrechnung «■< gründ anderer Börsmtermtngeschäste auch dam» zu­lässig, wenn diese Geschäfte »ach § bl, Abf. » ob« § 66 ein SchuldverhältuiS nicht bestünden.' »ei § 68c gelangte mit sehr »roß« Mehrheit eM An- tiag Burtage (Ztr.) u. Gen. tn folgvader Faff»»° zur Annahme: .Wer ein Börsengeschäft in Wertpapieren geschloss« hat, welche »ach § 61, Abf. 8 ober »mch § 66 ein GchuldverhättniS nicht begründen, ist b«ech- tigt, seine Befriedigung auS einet für bte unwirksame »«bindlichkett bestellten Sicherhett zu suche«, der Besteller ihm gegenüb« schristlich ertlärt hat, daß die Sicherhett zur Deckung von »«lüsten au» Börs«- terrningeschäfte» bienen soll, und sofern die Gich«h«t in barem Gelbe, Banknote« ob« i». solche« Wert' papieren bestellt worden ist, bei den« .er» Börsen- od« Marttprei» amtlich festzestellt wird. In der Erllärute müsse», wen» die Sicherheit tn Wertpapieren befugt, diese nach Gattung und »ach Zahl oder R««wett be­zeichnet sein. DaS Schriftstück, in welchem ff« abge­geben wird, darf andere Erklärunae« nicht enthalten - wird diese Form nicht beobachtet, so ist bte Grkl«»Mk unwirksam.' «n AbänderungSauttag Dr. Por- zig skons.) $u diesem ««trage, bet bte gen^e »e» zeichnung d« Wertpapiere »ach Littera und Ruuwaw oder sonstigen bestimmte» Rennzeichrn verlangte, wurde abgel-b-;. Die übrigen Bestimmungen deS würben ohne wesentlich- *«*««•• S&Eff bamtt bte zweite Lesung beend, gt.Diedritte «sung findet am Domr«»wg, den 18. Mai, statt.

* Die »ahlPrüfuugs Sommiffio» des Reichstages, sowie die Kommissisn zur Borberatung der Maß- und Gewicht«- ordnung tagen am 18. bezw. 19. d. M.

in zweit« LefSUg wSb vor«„^ch"ich die gan^Wo^e in Anspruch nehmeL Am kommenden^

S. Beratung stattfinden. Nach der Meldung tiüeS parüt/ mentarische» «M-ichterstMter? soll am DienSta, «te Mittwoch die 2. ge’ung ber StilleMtN,«Novelle «folgen und am 25. die 8. Lesung dieser Vorlage. Die BrrMmte be» Antrag» Garnp betreffeub MntnngSsp«re tff ffc den 26. bezw. 27. d». Mt». (2. unb 8. Lesung) in Ans­icht genommen.

' Die Handels. u»d «ewerbekommisffo« des «bgeorduetenhause» beantragt, eine Petition von Apothekern «ege» Aenderung b« Bestimmungen vom 20. Juni und 6. September 1894 betreffend die Be­handlung heimgesallenet Apothekenko«, »essionen (Entschädigung für de» GefchäftSwert usw.) der StaatSregi««»» al» Material zu übe,weisen.

* Die Bndgetkommisfion deS «bgevrduetm- Hauses brschästtgte sich am DienStag abend mtt dem Anträge Aronsoh» (frf. vgg.): Die tötegliche EtaatSregierung zu ersuche», im Staatshaushalt für da» Jahr 1906 in den Etat der Anffedelungkkommisfion ür Westprcußen und Pose» für zwei kaufmännisch vor- gebildete Hilfskräfte mit Rang nnd Bezügen von Re- giernngSräten die erforderlichen MMel einznstelle». — Die Rommtffton beschloß, bem Plenum die Ablehnnn« beS AnttagS Aronsoh» zu empfehle», dagegen ihm eine Resolutto» vorzuschlagen, durch die die StaatSregiermrg «sucht wird, dahin zu wirken, daß durch die Anfiede- lungSkommtsfiim nicht Warevhänfer und handwerkliche Großbetttebe gefördert werden. , , _

♦ Die Ro»Mission deS Abgeordnetenhauses ür den Antrag Gamp auf Sperrung bet Blutungen hat ttn weiteren Verlauf ihrer Beratens vom Dienstag Beschlüsse noch nicht gefaßt. ®a6 vanptthema, über daS geffrtiteu wurde, war die Frage, ob die Regierung eS bet de» gesetzlichen Maßnahme« auf einen Uebergang von der Bergbanfreiheil in daS StaatSrnonopol abgesehen habe. Die Regi«»»g be­stritt dies und «klärte den vom Antrag Vamp vorge­sehenen »eg b« Suspendierung b« MntnngSfteiheir

Deuffdies Reich.

Berlin, den 17. Mat 1905.

§8 zwischen dem R ektor und „btt“ Studentenschaft der «harlutteubarger Sachschttle ist nun der Friede geschloffen worden. Ein Anschlag am schwarzen Brett der Hochschule besagt: „Rektor und Senat einerseits, die Studentenschaft d« königliche» Technisch«, Hochschule anderersettS, «klären hiermit imJntereffe der Herbeiführung deS akademifchen Friedens und der gedeihlichen Weiterv«folg«ng d« Ziele d«S Unterrichts und Studium-, daß bei den biShttig«, Vorgängen von kein« Sette eine Be- leidiqung beabsichtigt war, und daß Aeußerungen, welche von der anderen Sette als Beleidigung empfunden worden find, biermit deidnfettS ent- güttig zurückgenommen werden." In einem zwetten Anschläge bem«kt der Rektor: Die ' Studierenden werden zu einer allgemeinen Studentenverfammlung am Samstag mtt bet Tagesordnung: Wahl von Vertretern etngeladen. «Die Studentenschaft" hat also gefiegt. Zur Befestigung der Disziplin wird dar gewiß UN. gemein beitragen.

* Hebet de» Empfang des deutschem Ge- fa»W«t Grafen Tattenbach beim Sultan von Marokko wird der ,Köln. Ztg.' aus Fez gemeldet: Graf Tattenbach drückte dem Sultan den Dank des Kaisers aus für den glänzenden Empfang in Tang« und betonte, der Besuch des Kaisers sei ein Beweis der starken und dauernden Freundschaft des Kaisers für den Sultan. Der Kaiser wünsche die durch zwei Verträge be. gründeten Beziehungen Deutschlands und Marokkos , zu pflegen und wetterauszugestalten. Graf Tattenbach überreichte dem Sultan dar Groß- Äeuz deS Roten Adl«ordenS mit bet Kette unb Brillanten, sowie ein kaiserliches Handschreiben M, öerknüpfte damit den W nsch aus seine lange unabhängige Herrschaft b<8 GultanS. Dieser dankte äußerst fteundltch für die Sntfendung der Misfion und für die Ordensverleihung. Graf Tattenbach ist mtt der Antwort des Sultans sehr zufrieden und erhofft eine glatte Erledigung seiner Aufgabe. Der Maghzm hat alle ftanzöfifchen Vorschläge als mit den internationalen Verträgen unvereinbar abgelehnt. Nur für den Schutz bet Grenze sollen 2000 marokkanische Soldaten unter franzöfischen Instrukteuren aufgestellt werden.

§ Die Entsendung ein« feanzöfische« Goudergesaudtschaft zu den V e r m ä h l u n g s - Feierlichkeiten am deutschen Kaiserhofe ist, wie auS Paris berichtet wird, auf die per­sönliche Jnttiattve deS Ministtts des Auswär­tigen, Herrn Delcaffo, zurückzuführen. Diese Meldung stimmt, wie die ,Rat.-Ztg.' bemerk, mtt dem in Berlin in polittschen Kreisen herr­schenden Eindrücken fibet die Haltung, die Herr DelrassS gegenwärtig Deutschland gegenüber einnimmt. Nach allem, was verlautet, ist seine Behandlung d« schwebenden Fragen keineswegs feindselig, sondern durchaus entgegenkommend. SS liegt nahe, anzunehmen, daß Herr Delcaff« der öffentlichen Meinung Frankreichs, soweit fie auf ein freundliches VtthällntS zu Deutschland

Parlamentarische Nachricht«.

§ Die Bndgetkommisfion des Reichs­tag- befaßte fich am Mtttwoch mtt der Kamerun-Eisenbahnvorlage. E« gelangt »nvächfi ein Brief des Direktors des Kamerun- Eisenbahnsyndikats Rens zur Verlesung, in welchem fich dieser über die vom Abg. Lctttmann gemachten Angriffe beschwnt. Sin Beweis gegen die Verläßlichkeit der P«son der Herrn Rens wurde ttotz wiederholten Drängens eines Kom- misfionSmitgliedes weder erbracht noch versucht. Die vnatung über den Gesetzentwurf auf Ueb«- »ahme einer Reichsgarantie für eine Eisenbahn von Duala nach den Manengubab«gen wurde bei 49 der Bau- und BetriebSkonzesfionsurkunde (Grundeigentumsbeschaffung) fortgesetzt. Die §§ 9 und 10 wurde» angenommen; über die §§ 11 (Landgerechtsame), 12 (Bergwerksgerechtsame) und 13 (Landverüußerung) wurde gemeinsam oer- handett. Beim § 11 entspann fich über die Konzedierung von Landblöcken eine längereDebatte. Hierauf wurde ein Antrag Erzberger, dem § 11 folgende» Absatz hinzuzufügen: „Die Auf- fichtSbrhörde hat die Fristen zu bestimmen, inner» halb welcher bei Verlust der Landgerechtsame die Kuttivierung der Landblöcke begonnen «etben muß," angenommen, mit ihm § 11. Der 12 wurde mit einem Zusa-antrag Erzberger, wo­nach die AufstchtSbehörde die Fristen zu bestimme» hat, innnhalb welch« bei B«lust d« Bergwerks­gerechtsame die Schärfung ausgenommen w«den muß, angenommen. § 13 wurde ebenfalls ge­nehmigt. Zum Schluß wurde ei» Antrag Kopsch auf Vorlegung einiger Akten deS Kolonialamtes angenommen.

von Atta», Tüll und echten Spitzen umgab die zarte Erschituung, und ihre reiche Toilette, sowie die reizen­de» Anzüge d« vrantsührerinnen riefe« manche« halb­lauten AuSrus ber Bewunderung hervor. Die Wagm rollte« davon, und die Mer ge ging auseinander.

Noch immer lehnte die arme Fra« an der Laden- tür und starrte mit leichenblassem Gesichte und wett aufg«iffe»en Augen in'» L«re. Sie hatte ihn wiedn- geseben, — an d« Seite einer Andere«.

D« Korb war ihrem Arme entfallen, und sein duftig« Inhalt lag te d« Straßenrinne. Erst al» ste sah, daß einige Gassenjungen fich ihr höhnend näherte», raffte sie die nassen, beschmutzten Spitzen zusammen und stürzte nach Hause zurück. Aus ihr innige» Bitte« kaufte die Muhme die TageSnummer de» Anzeiger» und la» d« fast Verzweifelten die Name» d« kü^lich vermählte» Paare vor. Unt« anderen stand dort auch: „®ma Bruun mtt Dr. Frau» von Wenden."

Lann die» sei« Name sei«?" fragte die alle ^““»eln,"- erwiderte Jene/ „er hieß Erwin." Sie barg da» Gesicht in den Hände« und stöhnte leise: „Verheiratet und nicht mit mir!"

Seit jenem Morgen erlosch der letzte Fnnkm von Hoffnung in Loni'» H«ze»; sie wartete »icht mehr. —

Kan; von wenden.

Novelle von Marga Brechte».

2 ------ Nachdruck verboten.

_«bu er liebte Dich" nicht, wehrte die Muhme, _tok hätte er sonst so plötzlich sortbleiben können?"

„Vielleicht ist « krank geworden," sagte die junge Frau. „Ab« seht, länger aus ihn warten konnte ich nicht. Bor vier Tagen gab ich die letzten Pfennige für ei» halbe» Brot au»; da» teilte ich ein und weichte dem Kleine« jeden Tageiu Stücklein ia Wafs« auf, e» schützte doch vor dem Berhung««. Arbeit wollte m r niemand geben, und bettel« bmnte ich «icht. Am liebste« wäre ich gestorben."

Die Alte bekreuzte fich und sagte ernst: „Kind, wa» für sündhafte Gedanke»! Da weißt doch, daß Gott nie mehr Leid schickt, al» wir Mensche« tragen können. Wenn'» auch manchmal scheint, al» ginge e» üb« unsere Kraft, dann hat'» auch schon ein End', und e» kommt Hilfe. Sieh' da» war heute bei Dir auch der Fall Und uun hör' meinen Plan. Im verflossenen H«bst hab' ich wied« so viel von der Gicht zu leiden gehabt, und da fiel mir in den langen, schlossen Nächten ei», wir könnten zusammenffehea. Dann würde ich de» Haushalt besorgen und Deine» Beinen Joseph h ittn. Du aber könntest auswärts nähe» gegen oder auch feine Wäsche, Spitzen od« Ungleichen auSbeffern und plätten. Da» bringt unm« ein hübsche» Stück Geld ein."

fioni sagte nicht», doch ihre freudig glänzenden Auaen waren auch eine Antwort. Die Muhme fuhr tat“ An» dem Plan wurde die Tat. Gestern hab' ich mein liebe» Dorf verlassen und bin te zwei kleine Stübchen in d« ».....Vorstadt gezogen. Für

Deine Sache« iß geradn «och Platz. 8^» Dir» nir ni^ b«»ge davor ist, mtt einer alten Frau zu­