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Fulda, Samstag, den 13. Mai 1905.
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Wodien-Rundfdiau.
(Nachdruck verboten.)
Fulda, den 13. Mai 1905.
Der deutsche Kaiser ist am 4. d. Ml», mit feto« Familie von der Reise nach dem Süden wieder in der Heimat eingetroffe», nachdem er auf der Rück« reise noch in Venedig Station gemacht halte. Beim Verlassen de» italiemschen Boden» sandte er au den «uig von Italien da» MUche Danktelegramm, worauf der König in der übliche» Weise erwiderte. Zunächst reiste er »ach Karttruhe, wohin ihm der Reichskanzler Gras Bülow eutgegengefahren war, «ad dann weiter ta die Reichslande.
Am Mittwoch trat der deutsche Reichstag nach längerer Ferienpause wieder zusammen. 6» wird sich nun bald entscheiden müssen, wa» er in diesem SeffionSobschnitte »och erledige» wird. Er hat mir noch ein paar Wochen zur Arbeit, da er über Pfirgsten hinan» ohne Zweifel nicht beisammen« bleibe» wird. Die beiden Militärpe»fio»»gesetze werde» trotz alle» Geschrei» liegen bleiben müssen, Weil die Deckungisrage noch ungelöst ist. De»dald dem Zentrum heftige vorwürie zu machen» ist ganz «»begründet; e» kann doch nicht dafür, daß lern Geld da ist nnd die Regierung noch keine Vorschläge z»r Beschaffung neuer Einnahmen gemacht hat. Ob der Reichstag noch in die Lage kommen wird, fich mit de» »ergarbeiterschutze zu befassen, ist ungewiß. Am Mittwoch ist auch da» preußische Abgeord« »etenhau» wieder zusammengetrete». Die Ent« scheidung über da» Bergarbeiterschutzgesetz wird erst in nächster oder übernächster Woche fallen. Wie, da» ist »och ganz ungewiß. In der Presse der Mehr- heittparteien ist zwar neuerding» wieder die Hoffnung au-gesprochen worden, daß man sich mit der Regierung versündigen werde, ab--r von einem sachlichen Entgegenkommen der Mehrh-H war bisher nichts zu merke». Allerdings war j r auch an einer Berständi- auua nicht zu arbeiten, solange die Abgeordneten da» heim waren. Vielleicht fördert der von der Rom* Mission unternommene Anrflrg in da» Ruhrgebiet die Verständigung. Sollte der Landtag versagen, so -Wirb da» Zentrum, wie auch der Abgeordnete Dr. Bachem jüngst auf dem Parteitage der rheinische» Zmtrnmrpartei ia Düffeldorf a»kündigte, nicht säumen, im Reichstage vorzugrhe». Ob bei der Kürze der Zeit noch die Möglichkeit besteht, hier ia bä laufenden Tagung etwas zustande zu bringen, ist ftellich recht zweifelhaft. Weniger Schwierigkeiten al» die Arbeiterfchutzaovelle wird, »ach dem bisherigen Verlauf der «ommiffiou»verhandluugen zu urteilen, da» Gesetz über die Stillegung der Zeche» nehmen.
In dem Streit um die „akademische Freiheit" ist jetzt auch der Senat der UuiverfitSt Marburg mit einer Eingabe an den Kultwimisister hervorgetreten. Wo die Disziplin in der Studentenschaft so systematisch untergraben wird, darf man fich am Sude nicht mehr darüber wundern, daß auch die Herren Professoren fich nicht mehr an die Regeln halten, deren Beobachtung man sonst bei Beamten al» selbstverständlich vorau»zusetzen gewohnt war.
Ser Mote» im Taschentuch.
Dem Holländischen nacherzählt von I. R>mo.
7 ------ (Rachdruck verboten.)
(Schluß.)
„£) dank — Fleisch ausgezeichnet — esse gern vchseupeisch, aber . - ."
Run, dann werden Sie mir auch da« Vergnügen machen, »och ein Stückchen zu nehmen. Diese» hier scheint besonder» saftig z« fein. Darf ich e« auf Ihren Teller legen?*
„Hm! — Bitte!"
Mit einem höflichen, aber zugleich peinlichen Lächeln nimmt et da» saftige Stückchen entgegen, während er mit einem Blick auf den Hausherrn sagt: -Ad« Petersen tot dem Mahle wenig Ehre an — schlecht dressierter Ehemann. He, he, hei — Pffl — warm — pff!"
,O, ich bin kein so schlechter Ess«, wie Sie •»einen, H-rr Arend»," sagt Petersen. „Sb« Sie haben recht, eS ist warm hier, ich w«de da» Fenster ein wenig öffnen."
Ec steht auf und starrt, nachdem « seinen Platz Wieb« eingenommen hat, tatlo» auf feinen Teller, do» welchem eine zweite Portion Braten mit Möhren ch» höhnisch anzugrinsen scheint, «ach auf fein« Stirne sammeln fich j'tzi die d den Schweißtropfen, ob« er muß seine Rolle spielen und — « itzt.
Fran Petersen ist in der Tat da» Ideal d« Gast- fron, »t steht alle», sorgt für alle« m,d «schöpft fich bi Aufmerksamkeiten. Zuweilen wirst Gustav ihr einen stehende» Blick zu, wenn fie ganz harmlos fragt: „Schmeckt e» Dir richt, Gustav?" Doch fie will ihn nicht verstehen. Eine gelinde Strafe hat et verdient seine Vergeßlichkeit, und fie sorgt, daß fie ihm Ja teil wird.
Auch die Marburg« Eingabe ist gegen alle guten Beamten-Sitte» alsbald inj der Presse veröffentlicht worden, damft diese den würdige» Senat feiern ob seiner Topserkett und Lärm schlagen gegen den Kulturminister. Die Eingabe ist verfaßt und abgesandt worden, nachdem b«ett, offiziö» erklärt worden «ar, die bekannte »«füguug des MinistaS habe nur vorübergehende Geltung, btt dmch eine Rektorenkonferenz die Frage bet Studentenausschüsse neu geregelt worden sei. DaS verrät, daß eS dem Marburg« Senat wenig« auf die Wahrung der „ata. demischeu Freiheit" als auf die Agitation ankam. Daß die akademifchen OrtSaruppen des Svangelifchen Bundes in B«liu und Eharlottenhurg, die die Hetze gegen die katholischen Studentenverbindungen al» be- soideren Sport betreiben, in ein« „Denkschrift" ihren eigenen konfessionellen Charakter bestreiten, fei nur nebenbei al« Kuriosum erwähnt. Daß d« Evange- lische Bund die Wahrhasttgkeit und Ehrlichkett unt«. gräbt und Sophist«ei, Rabulist» und .jesuitische" Kunstgriffe pflegt, wußten wir ja schon längst. Die Zöglinge von den „akademischen Ort»gruppen" bewähren fich nur al» seine gelehrigen Schül«.
Am Dienstag wurde d« 100jShrige Tode»- tag Schillers in ganz Deutschland und auch hn «u,lande überall, wo Deutsche wohnen, festlich begangen.
In Oesterreich nahm da» «bg-ordnetenhau» am 3. Mai feine Sitzungen wieder auf. E» beschäftigte fich in zweiter Lesung mit dem neuen Zolltarif, de» man „aus der Obstruktion auSgeschaltet" hat, beendete die Smeraldebatte und beschloß mtt überwiegender Mehrheit da» Eingehen in die Einzelberatung. D« Zolltarif wird, wie allgemein anerkannt wurde, den Bewett liefern, ob da» Han» wirklich Wied« ar- beittsähig ist od« nicht. In d« Debatte wurde na- türlich auch da« wirtschaftliche Verhältnis zu Ungarn «wähnt und die Sntschloffenhett, die Interessen Oest«. reich» zu wahre».
In Ungar» können die ehemaligen'.Opposition»- parteien ihre» wahlfiege» imm« noch nicht froh w«- den. Die «rifi» „schwebt" noch. Herr v. Ti»za waltet noch imm« al» Ministerpräsident. Bor einigen Tagen war « wieder beim Kaiser in Wien und al» Ergebnis sein« Konferenz teilte er feinen liberalen Freunden mit, et hoffe, daß da» Kabinett in den allernächsten Tagen fein« provisorische» «rnt»führung enthoben werde. Wa» da» sage» will, steht dahm; schw«lich heißt e», daß nun bald ein Ministerium von Koffuth» Gnade» am Horizont erscheinen werde
In Frankreich find jüngst die «eneralräte Wied« zusammengetreten. Wiewohl fie Politll nicht treiben sollen, tun fie e» bekanntlich dennoch bei jeder Gelegenheit. Ein teil nahm jetzt auch Stellung zu dem TrenunugSgesetze; e» sprachen fich etwa ebenso viele dagegen wie dafür au». Die Mehrheit hielt e» jedoch nicht für der Mühe wert, Stellung zu nehmen. Offenbar macht ein großer leit de» französischen Volke» fich die Tragwette de» Gesetze» imm« noch nicht recht klar. Daß die katholisch gesinnten Elemente fich enbl«6 zu einem energischen Widerstande aufraffen werden, darf man nicht mehr hoffen. E» wird zwar viel gegen da» Gesetz geschrieben nnd deklamiert, ab« die Taten, die de» Kirchenfeinden impo- »inen und da» Handwak legen könnten, bleiben au». — Bor einigen Tagen tauchte Wied« da» Gerücht aus, d« Minister des «utwätttgen, Delcaff«, wolle wegen Meinungi Verschiedenheiten mtt dem Minister, präfidenten Rouvi« in Fragen der auswärtigen Politik zurücktreten. Halbamtlich wurden die Rücktritt-
D« Braten ist vnschwunden, die Tell« find gewechselt. und der dienstbare Geist kommt h«ein mtt rol-au-vent aux Champignons.
Arends machte große äugen, und al» die Gast, fron ihm die Schüssel präsenttert, sagt « nach Atem schnappend: „Unmöglich, meine Gnädigste, habe dem Brate» zu sehr zugesprochm."
„Sie scherzen, e» war kaum der Mühe wert, wa» Sie aenommen haben."
„Ein Sla» Bourgvgne, Herr Arend»?'
„Danke — bin nicht durstig."
„Jetzt find Sie ab« nicht galant, He« Arend»; mich haben Sie abgewiesen!"
„Run denn, ab« nur sehr — sehr wenig."
SRabame bedient Gast und Gemahl und nimmt fich dann selbst ein mikroskopisch kleine» Stückchen. Sie ist bi» jetzt so ganz aux petits soins für die beiden fcerren gewesen, daß fie die vorh«gehenden Gerichte kaum b«Ührt hat, und so kann fie also recht gut von diesem ein wenig essen.
Pertersen wagt mtt Heldenmut den Anfall auf seine Portion; Arend» pustet und versucht zu essen. Einige Mtnmen herrscht Schweige». Da» Gesicht de» Gaste» ist jetzt beinahe blau; es glänzt, al» ob e» poliert wäre, seine Augen w«den Kein und rot. Der alte Chambertin ist köstlich, und erscheint, daß Arend» den starken »ein nötig hat, um die Speisen hinunter zu spül«, denn « trinkt mit ein« gewissen Gier und fast nach jedem Bissen. D« atme Gustav hat bereit» heimlich die Weste so wett Wie möglich lo»geknöpft, doch da» Hilst nur wenig, und al» nun Kaarje auf» neue heredttrttt, diesmal mit LammSkoteletten, brich ihm buchstäblich d« Angstschweiß au».
Arend» Blick ist ebenfall» auf die neue Schüssel gefallen; eine Sekunde starrt er fie an; da« seid«» Taschrr-luch, womit « eben den glänzenden Schädel reiben wollte, entgleitet fein« Hand, « selbst statt in seinen Stuhl und stammelt: „Wahrhaftig, genau dasselbe — kann — nicht — mehr."
„Wa» gefällig?" fragt Frau Petersen «. schirckm.
„Hel" macht ihr Gemahl.
abstchten jedoch ganz entschiede» bestritten. Krieg», miniff« Berteaux hielt am Sonntag i» Poiffy eine chauvinistisch gefärbte Rede, die Wohl nur den Zweck hat, ®titaffe betzuspringen. ____
In Rußland hat nach dem Warschau« Blutbade die Snegnng wieder bedeutend zugenommen. Namentlich au» den polnischen Landesteilen wird viel von Unruhen, Attentaten und Streck» gemeldet. In Warschau, wo von den Sozialdemokraten v«geblich der allgemeine «u»stand in» Werk zu setzen versucht wurde, haben noch wied«hott Zusammenstöße d« Menge mtt den Kosaken stattgefunden, die zu Mut- vergießen führten, wenn auch nicht in dem Umfange wie am 1. Mai. Ein Polizeibeamter wurde von Unbekannten überfallen und durch Revolverfchüffe vn- wundet. Auch wurde gegen eine Patrouille wiederum eine Bombe geschleudert, die ab« nicht explodierte. In Lodz gaben Kosaken, angeblich weil fie angegriffen wurden, eine Salve ab, durch die sech» od« ffeben Arbeiter verwundet wurden, »ach d« einen LeSart tätlich, nach der anderen leicht. Während die angreifende Menge auf die Kosaken gefeuert haben soll, unb an» den Fenstern d« anliegenden Häuf« angeb. lich etwa 100 Schuß aus die Kosaken abgegeben wurden, weiß man doch nut von einem verletzten Kosccken zu berichten. Aehnliche Berichte üb« Unruhen, Attentate, u. s. w. liegen au» vielen anderen russisch« Städten vor.
Aus dem ostafiatischen Kriegsschauplatz In der Mandschurei scheinen die Japaner Wied« energisch im Borrücken begriffen zu fein und bereit» ansehnliche Erfolge errungen zu haben. Da» dritte ruffffd)e Geschwader unt« Admiral Nebogatow passierte am 4. Mai die Malakkastraße und am 9. die Höhe vo» Saigon. E» wird nun möglichst rasch die Ber- einigung mit dem Geschwader RoschdjestwenSlyS h«- beiführen. Diese» fährt langfam an d« anämischen Küste nach Norden wettet, wobei n in jeder Bucht Ank« wirst und so lange verweilt, bi» die Japaner Lärm schlagen und die Franzosen fich mit Rücksicht auf die Nenttalität genötigt sehen, ihnen den Aufenthalt zu v«weigern, worauf in bet nächsten Bucht ba» Spiel fortgesetzt wirb. Der Aufenthaltsort d« japanischen Flotte, bie übrigens durch die Kämpfe bei Port Arthur bedeutend mehr geschwächt worden sein soll, ott bisher zugegeben wurde, ist unbekannt. Angeblich finden gegenwärtig zwffchen England und Frankreich Verhandlungen Üb« die Berechtigung beS japanischen Protests gegen bie Begünstigung b« Russen statt. Die englische Regierung soll Frankreich versprochen haben, einen Druck auf Japan auszuübeu, um einen Bruch mit Frankreich zu »«hindern. Die Konferenzen, bie König Eduarb nach fei#« Rückkehr nach London mit den hervorragendsten Mitglieder» d« Regierung hatte, sollen damit in Verbindung stehen. Jedenfalls protestieren die Japaner immer energisch« gegen bie Verletzung ber Neutralität burch bie Franzosen. Die britische Flotte in den chinfischen Gewässern soll in all« Elle bebentenb «höht werbe». Daß etwas vor- geht, dafür scheint auch der Umstand zu spreche», baß plötzlich bie Aufschiebung b« diesjährige» großen Manöver ba englischen Flotte angelfinbigt wurden. — DaS russtsche Deschwad« in Wladiwostok hat j'tzt Wied« etwas von fich höre» lasse». Russtsche Torpedoboote nahmen auf der Höhe von Sutkay du Westen der nörblichen japanischen Insel Jeflo ein Segelschiff weg und zündeten eS an.
[:] Zehnstundeniag.
»egen die Einführung deS Zehnstundentages fft Fabrikarbeiterinnen ist seinerzeit von einer Reihe von Handelskammer» sowie Arbeitgeberverbänden lebhaft« Widerspruch erhoben worden, weil derselbe Den Interessen der Industrie y widerlaufe. Dagegen find, wie auS d« kürzlich vom ReichSamt deS Innern haauSgegebeuen Denkschrift üb« die Arbeitszeit der Arbeiterinnen hervorgeht, die deutschen SewerbeauffichtSbe« amten in der überwiegende» Mehrzahl (66 von 84) d« Anficht, daß eine Herabsetzung ö« Ar- beitSzeit der Fabrüarbeiterinven im allgemettie» wohl durchführbar sei, auch unter Berückstchtt- ;ung d« berechtigten Interessen der Unternehmer.
Zur Begründung wird angeführt, (oergl. ReichSarbeitSblatt Nr. 4) eine dauernde erhebliche Beeinträchtigung derArbettSleifiuna sei von der Einführung dtS zehnstündigen Maximal- arbeitStageS nicht zu befürchten, selbst nicht in denjenigen Anlagen, in welchen die Verkürzung der Frauenarbeit auf die Arbeitsbedingungen der männlichen Arbeiter zurückwirken werde. Di- Leistung btt Arbeiter lasse fich nämlich nicht durch läng«e Ausdehnung der Arbeitszeit m be- liebtpem Umfange steigen. Bei übermäßiger Be- schästigungSdau« nehme die Leistung gegen den Schluß d« Arbeitszeit imm« mehr ab. Richt nur im gesundheitlichen Jnt«effe der Arbeiter- schäft, sondern auch vom wirtschaftlichen Standpunkte der Untttnehm« sei dah« btejentge Regelung btt täglichen Arbeitsbauer am vortril- Haftesten, welche e« dem Arbeiter ermögliche, während der ganzen Zeit seiner Beschäftigung eine gleichmäßig angespannte Tätigkeit zu entwickeln. Vielfach hatten deswegen die Unternehmer schon jetzt freiwillig die tägliche Arbeitszeit unter die zugelaffene Höchstbau« von 11 Stnnbe» herabgesetzt. SS sei zu hoffen, daß bei gesetzlicher Einführung deS zehnstündigen Maxi- malarbeitStageS für Arbetterivnen d« Verlust <m Arbeitszeit durch die Erhöhung der LeistungS- fähigkeit ganz od« wenigstens zum Teil allmäh« lich wieder ausgeglichen werde. In welch«» «rade ein solch« Ausgleich erfolgen werde, hänge von verschiedenen Umständen ab, vor allem davon, in welchem Umfange die Produktion eines Betriebes auf der Leistung der menschlichen Ar- bette traft beruhe und inwieweit fie durch gleichmäßig laufende, in ihrer Schnelligkeit nicht beliebig zu steigernde Maschinen vermittelt werde. In Betrieben, in denen die Handarbeit noch eine große Rolle spiele, würde ein nachteilig« Einfluß von der Einführung deS zehnstündigen MoximalarbettStageS am wenigsten fühlbar werden, da eben die erhöbe Leistungsfähigkeit der Arbeiter einen Ausgleich herbeiführen werde. In denjenigen Betrieben dagegen, in denen fich die menschliche Tätigkeit allein auf die Bedienung und Ueberwachung gleichmäßig lausender Maschinen beschränke,
„Pffi — Wasser bitte! — Kann nicht mehr — keine» Bissen mehr — weiß, wa» noch kommt — SammSlotelette mit Böhnchen — Huhn mit Birnen — pff! — Kalm - pff! — Pudding — Dessert pff!"
Fran Petersen, die ihm ein ®laS Waff« ein geschenkt hat, steht ihn so «staunt an, daß d« Dicke, gezwungen lachend. forifShtt: „Ich will rffenherzig alle» sagen — pff 1 Danke, e» ist mir schon besser. — Hatte soeben im Hotel Odrnbosch gespeist — ba». selbe Menn, genau baSfelbe."
„Jetzt steht mir aber doch b« «erstand still!• ruft Petersen.
„«ba. He« Arenb»," sagt Marie, bem Patienten Bau de Cologne reichenb, benn dies« steht au», al» könne ihn jeden Augenblick ein Schlaganfall treffe».
„Ja — pff! — noch ein wenig Wasser, bitte 1 — Schäme mick, e» zu bekenne», ab« — hatte ganz auf bie Einladung vergessen — kam, nm mich zu ent. schuldigen."
„Der Tausend!" ruft Peiersen.
„Ja, bet Grog unb ba Thampagn« — gestern abend — spät aufgeffanben heute — Katzenjammer — Kopfschmerzen — vollständig alle» vergessen — pff!"
Einen Moment fiberwilifgt da» Komische ba Situation den Ernst b« Sspfrau, boch rasch ihre Selbstbeherrschung wiebngewinnenb, sagt fie teil» nehwenb: „Aber, lieb« He« Arenb», wetzhalb Haden Sie un» ba» nicht gleich gesagt?"
Die Miene, womit bet dicke Man» sie anfieht, ist überaus kläglich, obgleich seine Auge» nicht mehr so rot ffnb, al» vor einigen Minuten.
„Sie verstauben mich nicht — ich wollte »ich unhöflich sein. Erst nach bem Diner im Hotel fiel mir et», baß ich — hier «»geloben war."
„Aber so etwa» ist mir noch in meinem Leben nicht vorgekommen!" fällt Petersen ein. „Und wir
stockt, benn seine Frau hat ihm eine« bedeut- [amen Blick zugeworfe» und ihn dadurch noch eben früh genug ptr «instcht gebracht, daß e» töricht sein würde, zu viel zu fagen.
„Ja, wir habe» Ihne» auch noch so zngeredet,
unserem Tische Ehre anznton," vervollständigte fie beit angefangenen Satz.
„Ja, e» wurde mir schwül genug dabei, stöhnte Arend»,
Auf bet Treppe werben plötzlich Stimmen laut unb ehe Mama e» verhindern kann, Wirb bie Türe anfgerlffen unb Pauline tanzt über bie Schwelle. Hinter ihr tauchen Karl unb bie drei Kleinst auf.
Beim Anblicke be» gedeckte» Tische» öffnet PaÄip- bie Augen so weit fie kann, und mtt kindlichem Freimut ruft fie: „0, Mama, b:kommen wir denn heute zweimal Mit..."
Da» helle Stimmchen wird erstickt dmch die Hand, welche Mama eilig auf den Mund ber Meinen Schwätzerin legt, unb bie ganze unruhige Bande vor fich her treibenb. führt Fraa Petersen biefe schnell bie Treppe hinauf to» Rinberiiwmar. Hier wirb ein Äonhalt geschlossen: Ma^u verspricht M morgen eine leckere Zugabe zum Frühstück, uno ba» Keine Bölkche» verpff chtet stch dagegen, stch ganz ruhig zu verhaften und vor dem Zudettegeh«- »tot mehr nach um en zu kommen. D« letzte Artikel ist bet wichtigste: Warna weiß au» Erfahrung, wte wenig fie fich auf bie Verschwiegenheit ber Meinen Plapvermänlchen oetlaffen kann.
Herr Arend» bleibt noch ein Stündchen, « trieft noch eine Taffe See und fängt allmählich au, fich von den aukgefiandtten Strapazen zu erhole», uiwjpt aber doch früh Abschied »nia viele» Freundschaft < verfickttungen und Entschuldigungen. «
Sobald bie Titte fich hinter ihm geschloffen Hw. sagt Petersen anfatwenb: „Gott sei Dank! Da« ist rin un-ngenehmet Tag für Dich gewesen, Mache, aber Du Haff Dich tapfer gehalten."
Marie lacht. „In diesem «rag hat ei» Teufel- chen gesteckt, Gustav, mtiuff Du nicht auch?
Gustav antwortet mit tinem Kuß, und v«n stürmisch begönnest» Tage folgt rin gewmUcher Abend.