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Fulda, Donnerstag, den 11. Mai 1905.

JIH 107.

32. Jahrgang.

Deuffdies Reich.

Berlin, den 10. Mai 1905.

e*. liebet König Friedrich Wil­helm IV. nnb die Jesuiten erzählt Prinz Kraft zu Hohenlohe-Ingelfingen in feinen Memorien folgendes: „Der König besuchte die Hauptkirche der Jesuiten in Rom, die chiesa del Geeit Dort begrüßte ihn der damalige Ge- »eralobere des JesuÜenordens, P. Beckx. Der König aber antwortete nicht, drehte ihm den Rücken und kies eilends davon. Neber diese in nicht, katholischen Blättern viel rörterte Erzählung, die dem Winter 1858,59 angehört, hat der bekannte Historiker H. Eris ar (3. J.), der gegenwärtig in Rom weilt, Nachforschungen angestellt. Das Resultat dieser Nachforschungen ist, daß es sich offenbar um eine Erfindung handelt. Kein Mensch, kein Buch, keine Chronik weiß etwas davon! P. Ballerini (8. J.) hat nie etwas davon ge­hört. P. Gallerani (8. J.), der damals in dem mit der Kirche al Geeit zusammenhängenden Profeßhause der Jesuiten wohnte, verfichrrt, es fei niemals etwas Aehnlichrs erzählt worden. Prinz Kraft, der jene Geschichte der Welt zum Besten gibt, schreibt von dem Begleiter des Königs, dem irreußtschen Minister - Refiderten Alfred v. Reumont: „Die allgemeine Stimme in der Berliner Gesellschaft bezeichnete ihn als einen Laienjesuiten, d. h. ein geheimes Mitglied Des Ordens von Ignaz Loyola, das öffentlich weltliche Aemter auch bei Ketzern bekleidet." Die „Berliner Gesellschaft" hat ehre blödfianig alber­nen Vorurteile gegen alles Katholische, besonders gegen die Jesuiten, auch im 20. Iah hindert noch nicht aufgegeben. Go hieß es noch kürzlich in jener „Gesellschaft", das Berliner Warenhaus Wertheim sei mit Jesuitengeldern gebaut und von Jesuiten eingesegnet worden!"

V Oberbükgermeifr e Kürschner von Berlin ist vom Kaiser t l? graphisch nach Straß- biirg im Elsaß befall n worden. Mit dem Oberbürgermeister ift auch Gtrdtbaurat Hoff wa n übgereist. Der Monarch will mit ihnen die Pläne durchgehen, die städtischerseits für die Etnzug-kei«lichk?iten bei der Kronprinzenhochzeit aufgefteut worden find.

* Der Minister des Innern, Dr.vnn Belhmann-Hnllweg, wird sich am 14. dS. MtS. nach Uroille begeben, um sich bet dem Kaiser als Minister des Innern zu melden. Man kann wohl annehmen, daß hierbei auch die Frage zur Erledigung kommen dürfte, wer der Nachfolger des Herrn v. Bechmann Hollweg im Oberpräfidtum von Brandenburg werden wird.

* Mit Bezugnahme auf die in der »Deutsch. Ztg/ vom 9. Mai veröffentlichte Eingabe der Halli'schen Nektorenkvnserenz vom 10. Mgi d Je. wird der ,Nordd. Allg. Zig/ mitgeteiit. daß diese Eingabe dem Kn ltusmini ster noch nicht zugegangen und auch ihrem Inhalte nach erst aus dieser Veröffentlichung bekannt ge­worden ist.

• Sozialdemokratie nnb Volksverein. Die Sozialdemokratie will sich bekanntlich eine

Vn Mote» im Taschentuch.

Dem Holländischen nacherzählt von I. m o.

S ------ (Nachdruck verboten.)

Einig« Augenblicke später steht er auf der Schwelle be8 Lesezimmers. Seine Seele ist zu erblicken. Im anstoßende» B.llardsaal befinden ftch nur em paar junge Leute. Nun, dann in Gotte» Namen nach Hause. Dach rein, e» ist erst ein Biettel vor zwölf, vor halbe:»» wird da» zweite Früdfiück doch nicht genommen — ihm bleibt also noch Zett gering, um sich eben die z üetzt angekommene Zeilang anzusehen. Ohne daß er e» fick gestehe» will, quält ch« doch da» vewußlsein, leine« Hausgenosse« gegeoüöer nicht sehr liebenSwürdg gewesen zu sei«, und unwillkürlich schieb: et da» Heimgehe« so lange wie möglich auf Ec sucht sich de« bfq lernte» Lehnstuhl tta Saale au» nov fängt an zu lese«. Der Leitartikel interesstrt ihn nicht besonder»; er gähnt einmal, zweimal; die Buch­staben scheinen lebendig z» werden und eine« Tanz uufzusöhren, g?.nz- Zetten kommen in Bewegung, sie gleiten auf und uiever, und endlich mischt sich alle» z« einer unkenntlichen schwa zea Maffe: Petersen sffatt seine Auge« mit Anstr ngung noch einmal recht wett, dann schl-eßea fich die schwere« Lider, dar Blatt entschlüpf de« wachtlose» Hande«, da» Havpi sinkt auf die Brust — Petersen schläft.

Die Peudule auf dem Schornftrtnmantel schlägt haibzwei, der Schläfer erwacht, reibt fich die Augen, steht erstaunt, wo er sich befindet, und kommt allmählich Sn volle« Bewuß.scin der Waktickkett zurück. Roch mer ist alle» am ihn herum still und leer. Gähnend reckt und dehnt er seine ei» wenig steif gewordene« Glieder «ab erhebt sich. Da» Stündchen Schlaf hat

neue Organifat ion geben, die auf eine größere Zentralisierung hinzielen soll. Der sozialdemo' krattschen Presse (Dortmunder.Arbeiter-Zeitungs Nr. 99) des Ruhrgebiets genügt diese aber «och nicht. Sie hält außerdem eine „systematische Agitation «ach ganz bestimmten einheitlichen Plänen," für notwendig mit Rücksicht auf die „ebenso planmäßige wie intensive Provaganda, die in äußerlich sehr wenig bemerkbarer, ober desto erfolgreicherer Weise" der Volks- verein für daS katholische Deutsch- land jahraus, jahrein treibe. Der Zentral­leitung des VolkSvereins habe die Sozialdemo­kratie nichts AehnlicheS an die Seite zu stelle». „Uni, wenn der Zentrumsturm trotz allem noch so fest steht, wenn wir in den ganz schwarzen Gefilden immer noch so wenig Eingang finden konnten (die letzte Reichstagswahl beweist es), so hat die schwarze Partei das vor allem der unablässigen Tätigkeit ihres Volksvereins zu danken! Man sehe doch nur die Jahresziffern dieser Organisation unablässig durch, um zu er« messen, was da in der mündlichen und schrift­lichen Propaganda geleistet wird! Hut ab vor dieser Arbeitsleistung!" Dem Volksoerein muffe in Zukunft ganz anders entgegengearbeitet »erben, wie bisher. Angesichts dieser neuen sozialdemokratischen Kriegserklärung gibt es für uns nur eine Losung: Organisation des Volks- Vereins bis in den abgelegensten Orten, überall lebhafte AgikationSarbest in seinem Ginne! Die Sozialdemokraten werden uns dann gerüstet finden.

§ Zur sozialer» Bewegung der Privat- bea»te« wird von den ,Berl. Pol. Nachr/ ge- schrieben: Während die obligatorische Invaliden- Versicherung der Handwerker keine Aussicht auf Verwirklichung hat, ttftniex sich die Bestrebungen auf Ausdehnung dieser BersicherungSpsticht auf die Privatbeamten an den zuständigen behörd­lichen Stellen großer Gy npathien, und zwar um so mehr, als eS sich hier um einen großen Kreis von Personen handelt, die als Angestellte fich i» den Rahme» des JnvalidenoerstcherungSgesetzes ganz gut einstigen lasten. Man würde jedoch fehlgehen, wenn man annehmen würde, daß eine gesetzgeberische Aktion in dieser Richt» .g schon für die nächste Zukunft zu erwarten wäre. ES handelt sich bei den arbeiten der zuständigen Regierungsstellen vorläufig erst um Erhebungen über die Verhältniffe der Privatbeamten. Die Erhebungen sollen das Material Herbetbringen, auf dem die späteren Arbeite« aufgebaut werden würde». Man wird demnach, da diese Sr- Hebungen noch einiger Zeit bis zum Abschluß bedürfen, gut tun, nicht schon aus ein baldiges gesetzzeberischeS Vorgehen zu rechne». Auf jeden Fall gehört die Idee der Ausdehnung der In­validenversicherung auf die Privatbeamten zu denen, die unter den Plänen für den Ausbau des BerficherangSgebLudeS die meiste Aussicht auf Venviklichurg haben.

* Heber Berliner Schwindel hat der Rechtsanwalt Dr. Werthauer et« Buch ge­schrieben. (Verlag Hermann Seemann Nachfl) Ein ganz besonderes Kapitel verdient danach die „schwarze Bande", deren Mitglieder fich befon»

ihn erq »di, aber — wa» mag seine grau über sei« AuSvlriben gedacht haben!

Langsam wandert et seiner Wobnnvg zu. Scho» von »eitern steht er, daß alle Jalousien niedergelassen find: allem Anschein «ach ist niemand za Hmse Petersen öffnet die Türe und tritt ein: Totenstille herrscht überall Im Wshnzimwer findet er auf dem Tische ein Papier, worauf seine Fra« geschrieben hat: „Lieber Gustav, ich mache mit den Kindern einen Spaziergang; solltest D« »och wieder auSgehen, komme dann nicht z» spät zurück, Kaatjr will heute der Abendandacht beiwohnen "

„Da» ist doch wahrhaftig bet verdrießlichste und langweiligste Sonntag, den ich je erlebt habe," brummt Petersen, während er fich ein Gla» Wasser eisschenkl, da» et in einem Zuge leert.

Die im Zimmer herrschende Wärme bat eine schläfrig machende Wirkung, verdrösse« gleitet Peters n» «uze von einem Gegenstände zum anderen. Jsm gegenüber hängt der Spiegel, er -irft einen Blick hinein und brummt ärgerlich: „Guter Himmel, ich bi« wahrbaftig der Person fizirte Katzenjammer! Sei« Wunder, daß MentelMg fich über m ch lustig w-ckte."

Da? Sopha scheint thm z« winken; er zieht Schuhe und Rock au» uab macht e» fich bequem. „Summ, summ, summ!* Die musizierende Fliege setzt fich auf seine Rase und fliegt bann, durch ein ungeduldige» Pasten verscheucht, wieder davon. Petersen Höri dar Gammen immer undeutlicher usb bann — gar nicht mehr.

* ♦

„Papa, Papa! Es ist "beinahe fünf Uhr, n«d die Suppe steht schon auf dem T.sche; — wir essen heute eine gebratene Ente und auch Pudding!"

„Ja, ja!"

„Papa," wiederholte der kleine Sarl, den bätet« sichert Arm ungeduldig schüttelnd, „Mama läßt fragen, ob D« kommst "

,Hm! — Wa» sagst Du? Ich schlafe nicht — was

ist los?" fragt Petersen, und sei« schlaftrunkener Blick hält verwirrt Umschau nach der Ursache der plötzlichen Störung.

„Oo Du zu Tisch komme« willst, Papa?"

„Zu Tische?"

„Ja, P-pa — wir warten auf Dick."

„Wa» sag- Du? Ist e» schon spät? — O — ah! — Ja, ich komme gleich, geh' nur“

Karl verschwindet; Papa erhebt fich langsam vom Sopha, reibt ein Weilchen feine «uaen und kommt bann, nachdem et ein paarmal „Hm I" gesagt nnb fich geschüttelt und gestreckt hat, z« der angenehme» Sru- deckung, daß die Folge« feiner gestrige» Nacht- schwälmere« vollständig gehoben find. Sei» Kopf­schmerz ist wie weggezaubert, und er verspürt einen tüchtigen Hunger. R.sch wäscht er im anstoßende« Schlafzimmer Gesicht und Hände und begibt fickt" in bester Stimmung zum Speisezimmer, wo er bne den Kindern mit einem fröhlichen: „Da kommt Papa!" empfangen wird. Einen Augenblick steht er feine Frau forschend nnb mit einem Bvfluge von Reue an. Doch ihre Mime ist offen unb herzlich, und so nickt er ihr bald verlegen, halb schelmisch zu unb sagt: „Da» Schläfchen hat mich zu einem ander« Mensche» gemacht. Grd mir schnell etwa» zu effen, ich habe einen wahre« WollShunger."

Da» Mittagessen verläuft sehr gemütlich; die Kinder find gut?« Laune, den« Papa ist außerordent­lich rachgibig und e-zählr allerlei Schnurr-«. Nur Kaatje kann die ««gerechte Behandlung, wUche chr zu teil geworden, noch nicht ganz vergessen, fie wirft, so oft fie erscheint, auszutragen oder die TL« zu wech­sel«, ihrem He«« einen btt ter bösen Blick zu nnb Petersen, bet die» bemerkt, murmelt unhörbar: „Solch' ein srech » Geschöpf!"

Da» Mahl ist eingenommen; bie Kinder gehen unter Aufsicht der zuverlässigen Bonne noch ein Stündchen spazieren, während H-rr und Fra« Petersen fich in da« Wohnzimmer zmöckziehk», um hi« Tee

Bus den Reichstag.

182. Sitzmg vom 10. Mai 1906.

Eröffnung 211» Uhr.

Da» Hau» ehrt da» Andenken de» verstorbene« Ab,. Faller matt.) in der üblichen Weise.

Mine Reihe von Rechnu«g»sachen (Bericht- erstatter Abg. Hng (Ztr.) wird ohne Debolt« «ledigt.

In 1. und 2. Bereitung wird die auf der inter­nationalen SanttätSkonferenz zu Part» am 3. Dezember 1908 vereinbarte Uederernkunfl erledigt.

E» folgt die 2. Beratung de» vom Abg. Hage­mann (natl.) beantragten und von Mitgliedern aller Parteien unter stützten Gesetzentwurfs bett. Aend erung de» GerichtSverfassuugSgefetze». DaS Gesetz bezweckt ei» beschleunigtes Berfahren. sowie die Er­weiterung der Zuständigkeit der Schöffengerichte-

«et § 27 führt

Abg. Hagemann (natl.) au», daß feine Partei dem Gesetzentwurf in der Fassung der »ommisston zustinmren, weitergehendeAbänberrngSanträge aber ablehnen «erd«.

Abg. Brnnstermann (Rp.) und Ab«. Dr. f«t)i| (kons.) traten ebenfalls für bie Annahme der unver­änderte» KommisfionSbeschlüffe ein.

Nachdem sich noch Ab,. Lattmann (Anttf.) für di« Borlag« ausgesprochen hat, fchlteßt die Diskussion.

Der § 27 wird angenommen, ebensodeba-telo» § 28.

Zu § 53 liegt ei» Antrag Lattmann (Antts.) vor, den Schöffe» Reisekosten und Diäten zu gewähre«, den der Antragpeller kurz begründet.

Staatssekretär Dr. Rieberding: Die Wirkung des vorliegenden Gesetzentwurf» ist Vahrn zu schätzen, daß in Zukunst ca. 10 12C0C Sachen jährlich den Schöffen­gerichten mehr znfallen al» bisher. DaS würde bei de» rund 2ü: 0Schöjsevgerichien inDeutschlanddurchschnitt­lich pro Jahr für die einzelnen Schöffengerichte B—6 Fälle mehr ergeben. ES liegt also durchaus kett» An­laß vor, eine prinzipielle Aenderung, wie eS der Antrag will, einzuführen, zumal eS stch um ein so kurzlebige» Notgesetz, wie e» daS vorliegende ist, handell.

Die Abgg. Stadthagen (S.) und Pohl (fr. Bp.) trete« ebenfalls für dr« Annahme de» Antrag» Satt» mann ein.

Abg. Dr. Spohn (Z): Nachdem der Herr Staats­sekretär den An rag Lattmann sür unannehmbar er­klärt hat, wird nn» bedauerlicherweise nichts übrig bleiben, al» vorläufig auf de« Antrag Lattmann zu verzichten. ES ist aber von jeher unser Standpunkt gewesen, den Schöffen eine Entschädigung für ihre Tätigkett yi gewähren. In welcher Form die» am besten geschieht, darüber werden wir bei der Revision der Strasprozeßordnung zu entscheiden haben. Mit dem Abg. Stadthagen haben auch wir den Wunsch, daß alle geeigneten Personen zur Mttwirttmg heran,«zogen werden. Rach politischen Rückfichten darf bei der Aus­wahl der Schöffen nicht verfahren werden.

Damit fchlteßt die DiSkuiston. — Der Antrag Lattmann wird gegen die Stimmen der Sozialdemo­kraten, Freifinnigen und Antisemiten abgelehnt.

Zu Artikel 1 § 80 wtrd ein Antrag Stückle» (S.) angenommen, wonach für Preßvergehen allgemein di« Schwurgerichte zuständig sein solle«. Der Beschluß beruht allerdings auf ZafallSmehrhnt.— Damit ist der Antrag tzagemann erledigt.

Eine Reihe foztaldemokratischer und freifinnig«« Anträge, die über de» Antrag Hagemann hinan»» gehen, »erben vom Präsidenten al» geschästSord» unngSmSßig nicht zulässig bezeichnet.

Donnerstag 2 vhr: Kamerun-Eisenbahn. Schluß k>»/. Uhr.

Parlametttnrische Nachricht««.

V Berlin, 10. Mai 1906. Dem Reichstag ist die Novelle ,nm Fleischbeschaugesetz zugegangen. — Di«Kommissionsür dre Novrlle zur Ztvilprozrß- ordnung hat am Mittwoch den vom Abg. Trim- bor» verfaßten Bericht festgestellt. — Die Rom» Mission des Reichstage» wird am 11. Mai zur Beratung der überwiesenen Maß - unb Gewicht»- ordnnng schreiten. — Die ReichStagSIommis- fion zur Vorberatung der Novell« !,nm Börsengesetz und die Wah'prüsungSkommisfion de» Reichstags werden am 16. Mai tagen.

ders auf Kredilfchwindeleien gut verstehen.^ Leute, die aus dem Zusammenbruch ihres Geschäfts nur ein paar Firmenstempel gerettet, eröffnen bald hier bald dort — Berlin ist groß — plötzlich einen Maffenverkauf von Honig, Rauchwaren, Kartoffeln, Spargel, »epfelwein u. a. m. Der- laufen fie gut, so ist es nicht auSgeschloffen, daß der eine oder andere Lieferant, der meist in der Provinz fitzt, auch bezahlt wird; gewöhnlich aber geht alle- auf Kredst und wie: Riesensummen werden in kürzester Frist fällig, ost bis in die Hnnderttansende gehend. In richtiger Erkennt- niß der menschlichen Schwächen legen diese Ge­schäftsleute den Hanptwerr auf imponierende Briefbogen: Erstes und ältestes Berliner Lebens- miitelverkaufsbureau und Geschäft. Hauptgeschäft und Zentrale. . . straße. Drei Filialen am Platze, Kellereien da und da. Konto bet der Nationalbanr, Telephon des Cdrfs Nr. . .

Telephon der Versandabteilung Nr.....Giro-

tonte bet der Reichsbank, Telegramme dreffe... und in dem Gül weiter. Für etwaige Nach­fragen der Behörden oder für kundigere Liefe- tonten dient ein ganz einfacher Briefbogen, schlicht und vornehm, wie ihn reelle Firmen führen. Manche haben auch noch eine dritte Sorte für Fälle, in denen man zweifelhaft sein könnte. Ernes Tages kommt es zum Klappen. Der Chef mit der schönen Hauptnummer tm Telephon buch ist längst über Berg und Tal. Die H-lfers- heiser haben von nichts eine Ahnung, find wie a«S den Wolken gefallen, schwören lächelnd den OfftnbaiungSeid . . . „man manifestiert fich so durch" . . . und warten geduldig, b.s das Haupt der schwarzen Bande eine» TageS im anderen Stadtteil unter anderem Namen auftaucht und fein Spiel von neuem beginnt,

** Im Monat April fi-rd itt ve« deutsche« Münzstätte« für 4268700 Mark Doppelkinnen und für 925 880 Mark Krone», beide auf Püoatrechnung, für 725972 Mark Zweimarkstücke, für 1807577 Mark Fünfzig- Pfennigstücke, für 166 218,90 Mark Zchnpsennia- ßücke, für 97 614,30 Mark Fünfpfennjgfiücke, für 6589,08 Zweipfennigstücke und für 6213,61 Mark Einpfennigstücke geprägt worden. In erster Reihe wird bei diesen Prägungen die große Summe der Fünfzigpfennigstücke auffallen. Es handelt fich hier um die Umprägung in die neuen Stücke. Die alsdann in die Erscheinung tretende umfangreiche Anfertigung con Nickel- münzen ist von uns bereits angekündigt worden. Sie dürfte in nächster Zeit fortgesetzt werden.

Bus dem Landtag.

Ubg«vrtznet«n-an».

178. «itzung vs« 10. Mai 1906.

Eröffnung 11'/« Uhi.

Zur Debatte ftand der aus einer Anregung de» Abg. FuchS (Z) bervorqegavgene KomnttsfiovSb«

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zu trinke«. Fran Pttersen schließt die «och offen- stehenden Fenster und zieht die Jaloufie« auf. Wäh­rend fie damit beschäftigt ist, fällt ihr Blick von un­gefähr auf einen an der anbei« Sette der breiten Gracht vorveigeherden Hem«, unb fie sagt verwundert: „Ei, dort geht Herr Arend» an» Amsterdam vorbei? Wußtest Du, daß et hier in Binnendyk ist? •

Wie Von einer Tarantel gestochen, springt Peierse» auf. . . .

„Herr im Himmel, da» war eS!"

Die C:garre entgleitet feiner Hand und fällt an? den Tepp ch unb ein brenzlicher Geruch verrät augen­blicklich, welche» Unheil fie dort angerichtet. Mit einem ©diredeniruf hebt Frau Petersen fk ans und setzt sodann dr» kleinen Faß energisch auf bie Brand- stklle.

„Lieber Gustav!" rüst sie vorwmfSooll.

Gustav wirr abwechselnd bleich und tet.

_Da» war e»! Da» war e»I" wiederhott er ver- zweifelnd. „Ich rate Arend» gestet» eingelad««, heute bei nn» z» speisen."

.Hier zu prssen! Um Gotte-Willen l"

„Ja, es ist schreckiich! Fottschicke» könne« wir rh« nicht — er ist mein bester Kunde, wie Du wecht und — li-ber Gott, wa» fangen wir an?"

„Die Wahrdett hülfen wir ihm auf (einen Fast sagen; er würde die Sache al» eine unverzeihliche Beieioigung ausnehnuv."

„Wie konnte ich do» auch vetgrsse«! Wenn — er fi-h: un», er grüßt! Btamworte seinen Gruß doch, Marie! Lieber Hiwme!, war tun vir sitz:?"

Marie neigt, am Fevst-r st-bend, srennbltch lächelnd, da» blonde Hmpt vor dem näher kommenden Gast«, wädrend ne zu ihrem Maure sagt: „Beruhige Dich, Gustav, ich weiß Rat; in einer holde« Stund« stehe ein Diner auf dem Tisch, da» fich sehen lasse» to»a-

„Aber, lieb.» Kind, wie willst Du . .

.Still, da schellt er schon, empfange D» A» — ich oi« Im Augenblick wieder da." (F s-)