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32. Jahrgang.
Fulda, Mittwoch, dm 10. Mai 1905.
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Endlich bitten wir die »Kreuzztg.' und ihre GtsiakurlgSgenoffe», doch einmal erwägen zu wolle». waS aas dem Wahlkampf gegen die So« zialdemokratie werden soll, wenn derselbe nur unter Parole „mue Steuern auf Müffenvrr- brauch!" vor sich gehen und unter dem frischen Eindruck der arbeiterfeindlichen Haltung der Kartellparteien im Abgeordnetenhause steht!
Es ist traurig, sehr traurig, daß in der .Kreuzztg.' so krauser Zeug avfgetischt werden kau», daß nur aus einer argen Befangen» heitund kurzsichtigsten Jnteressenpo- litik erklärt werden kann und keiner andere« Partei Freude und Vorteile bringen kann, als der Sozialdemokratie mit ihrem bekannten „Schweinetlück".
Kl. o. „Ami".
von Julie Landskron.
(Nachdruck verboten.) sie jemand zusammen am Fenster miteinander einen Spaziergang
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ieieil«! Ms sN straltt-ePetitreMMs deren Kaum IS WL- XtNamen diePetttzeL 25 pfg.; bei Wiebes- Holungen wird entsps Rabatt flewShrt.
Druck und Verla- d«§ Suldaer Actiendruckem in Kulda (Harmonik Iernsprecher Ur. $=
„Na und---".
„Ami ist allein — er fürchtet sich — und ---doch, ich kann ja auch zu Haus blei- ben---" und gekränkt über sein langes
Schweigen will sie schnell wieder hinaus eilen...
„Na, ich werde also Mutterstelle bei Ami vertreten!"
Nach einiger Zeit trat er richtig im Zimmer ein, um daS Hündchen zu holen. Ernestine ist bereits in vollem Staat.
„Sieh an!" ruft Herr Zorner, als er seine Gemahlin so herausgeputzt fleht, „die Gnädige scheint Eroberungen — —" doch wie er ihre gekränkte Miene bemerkt, verschluckt er seine bos» hafte Bemerkung, ja noch mehr, er bemerkt sogar: „Liese Frisur kleidet Dich sehr gut, Ernestine!"
Ernestine!! Es klang noch stundenlang nach in ihrem Innern. Seit Jahren hatte er str nicht mehr so genannt. Und wie gut er gegen Ami war! Sogar während dem Gang des Stückes durchzogen diese Gedanken ihre erstarrte Trele und zum erstenmal seit langer Zeit freute sie fich auf ihr Heim, während sonst das Nach» hansekommrn meist der Abschluß aller Freuden für sie war. L
An der Türe sprang ihr Ami freudig bellend entgegen, auch ließ er nicht zu, daß Herr Zorner zu Belt ging, sondern pendelte so lange zwischen Speisezimmer und Herrn Zornrrs Hchlafg'mach hin und her, bis dieser endlich fich an den Tisch setztr, wo Frau Ernestine ihren kalten Aufschnitt verzehrte. Dann legte er sich der Länge nach auf den Schoß des „Herrn", indem er mit ver» schlaf-nen, doch schlauen Auge» auf das Ehe» paar schaute.
Eines T-grs wurde die Nachbarschaft in aan besonderes Erstaunen versetzt, als plötzlich das fein -ltche Ehepaar Zorner, ein Bild des Friedens, neben einander zum Fenster hinauSschauten. Mitten zwischen stand das Hündchen.
Frau Ernestine, dir plötzlich ganz gesellig geworden sch en, besuchte eine Freundin, die, wie sie wußte, eine große Hundeliebhaberin war. Ami, mit einer blauen Schleif« hrrausgeputzt, machte durch seine zierlichen Kanststückchen der Erziehung Frau Zorners alle Shre. Ars er je» doch beim Nachhausegehen zum Tor hinaus sollte und die Straße durch einm heftigen Regenschauer feucht glänzen sah, kehrte er entrüstet wieder um. In diese Lachen konnte er doch unmöglich hinaus» treten! Schnell zog er seine kleinen Beinchen
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Er jagte daher laut bellend hinter dem gestrengen Herrn drein. Die Herrin, welche ängstlich „Ami Ami" rief, beobachtete er gar nicht. Aber das merkwürdi ste an der Sache war, daß Herr Zorner nicht im geringsten beleidigt über die Anmaßung des Hündchens schien, sondern über seine strengen Züge eine Art Lächeln fliegen ließ und er beinahe gemütlich wurde.
Die Nachbarn wunderten fich, daß Frau Ernestine plötzlich ganz hübsch geworden. Sie, welche sonst vergrämt und mißmutig einherschlich, sah nun in sorgfältigerer Toilette ordentlich jung aus, wenn sie mit Ami von ihren kleinen Brazier» gängen Zurückkehrte. Die Tränen, welche aus Frau Ernestinens Augen manchmal auf des treuen Amt's Fell fielen, vergalt dieser mit solcher verständnisvollen Teilnahme, daß sie mit Dank gegen das Geschick erfüllt war, welches ihr diese« Freund gönnte.
Eines Tages erhielt ste von einer Freundin zu ihrem höchste» Erstaunen eine Theaterkarte zugeschickt, das war ein Ereignis. Seit Jahren war ste nicht im Theater gewesen. Dann mußte man Toilette machen, das schöne Stück! Kurz, es war ein Ereignis!
Plötzlich fiel ihr etwas ein, Ami, der arme Ami! Sie konnte ihn doch nicht allein zu Hause taffen, er würde fich furchtbar grämen.
„Grit, Ami?" Ami machte sofort eine beleidigte Miene, obwohl er besänftigend ein klein bischen mit dem Schweiferl wedelte.
„Nein, Du bleibst nicht allein!" Dir hat sich entschlossen! Zu etwas sehr schwerem hat sie fich entschlossen! Na, es ist ja sür ihren Sterling! Sie pocht an ihres Gatten Tür, der erstaunt auffieht, als seine Frau bei ihm eintritt.
„Sine sticke Seltenheit, was verschafft mir diese außergewöhnliche Ehre? und mit ironischem Lächeln fügt er hinzu: „Die Gnädige hat fich wohl geirrt!"
„Nein — ich — ich möchte Dich um etwas bitten."
„Ah, die Gnädige kann sogar bitten, wenn ste etwas braucht."
„Ich gehe ins Theater, habe einen Sitz be» kommen."
den ganzen Tag den Kopf in die Zritung und ärgerte sich über all-S, waS drinnen stand. Das war ja lauter Blödfinn das! Er hätte natürlich aller anders gemacht, bester, viel besser! Herr Zorner hatte nämlich die Eigenschaft, alles bester zu können. Frau SrneAm sreq-nncierte weder Koff-es noch Tees, fie fürchtete den Einblick in ihre unglücklichen Eheverkättniffe. Aus diesem Grunde nahm fie auch kein Dienstmädchen. Sie schämte fich ihres häuslichen Jammers.
Sines TogrS, von ihrem Spazierganze nach Hause kommend, hatte fie ein Bündelchen mit- gebracht, aus welchem ein kleiner, semmelfarbiger Kovf mit vorwitzigen, neugierigen Augen hervor- guckte.
„WcS willst Du mit dem Tier?" knurrte Herr Zorner wütend, als aus dem Tuck e ein kleines, tollpatschiges Hündchen heraushüpfte.
„Die Buben wollten eS ins Wester werfen — da — da — gab ich ihnen ein Geldstück... und . . ." sagte die Frau schüchtern.
„Natürlich für solchen Unfinn hat meine Frau Gemahlin immer Geld! Werd emen hübschen Spektakel geben mit diesem Weh!"
„Sr wird Dich nicht oft genieren in meinem Zimmer, da Du Dich dorthin gewiß nicht ver- irrst", sagte die Frau in gekräo.krem Tone.
„Tollen wir vielleicht dort gemeinschaftlich gähnen? Danke, danke, ich muß nicht von allem haben!"
Ernestine nahm ihr Hündchen auf und eilte in ihr Zimmer. Jetzt hatte sie doch etwas, was fie Herzen, an fich drücken, ihren Schmerz klagen konnte; jetzt, wo das dankbare, kleine Kerlchen mit seiner rauhen Zange so lange ihre Haud streichelte, bis er an der Miene seiner Retterin merkte, daß nun alles wieder gut sei.--
Nach etlichen Tagen hatte er ein sür allemal seinen Standplatz auf einem seioengest.ckc n Polster in Frau Ernestinens Schlafgemach eingenommen, oder er lag in der Küche auf einem Stückchen Teppich und verfolgte aufmerksam das Hantieren seiner Herrin, ohne einen Blick zu verwenden. Von den gespannten Berhältniffen seiner Herrin und ihrem Gatten nahm er nicht die geringste Notiz. Wenn z. ». Herr Zorner, un^edxld^ oder mißmutig über irgend etwas, und er gab leider sür ihn immer rin solches ErwaS, im Zimmer auf und ab ging, die Schnüre seines Schlafrocks rückwärts nachfchleifend, dann glaubte Ami in der Naivität seines Hundeherz nS, dies Auf» und Aöpendeln sei von Herrn Zorner nur zum Vergnügen für ihn, den Ami, arrangiert.
gesehen oder . _ „ .
machen in den halben Dutzend Jahren, als ste in der stillen Gaste wohsten. Wmn Herr Zorner gravitätisch nach rechts gewandelt, konnte man darauf schwören, daß seine Frau bald danach nach links steuerte, und da fie nur eine alte wortkarge Bedienerin, anstatt eines Dienst- Mädchens hielten, mußte man fich mit Mut. maßuÄge« über den Grund, weshalb fich daS Ehepaar so spinnefeind war, zufriedei-geben.
Ja, weshalb? Die ersten Jahrs ihrer zehn- jährigen Eqe versuchten ste es, sich sogar in einander zu schicken. Das heißt, Ernestine unter» nahm diesen Versuch. Cr gelang nicht. Der Gatte — heftig polternd. Sie leicht gereift, alles in sich verschli-ßmd. Ihre weinerliche Miene in solchen Fällen forderte ihn förmlich zum Widerspruch heraus:
„Stecks doch nicht diese intereffante Duldermiene auf, ich bin natürlich ein Tyrann — ein Menschrnfrester, in den Augen meiner tiefoer- letzten Frau Gemahlin, bm, hm!"--
Das vertrug Frau Ernestine nicht, schlich in ihr Zimmer und weinte sich aus.
Wenn er einen Sport gehabt hätte, Rad- führe - oder Laubsägearbeiten und dergleichen, oder einen Klub! Aber er war ungesellig steckte
Vernriidites.
cd Boll um« Wein trinke«, «nd wieviel? Hebet diese sielsmsteittene Frage bat, angeregt durch daS gute Weinjahr, die Senser ,Revue Ägrtcole* die Meinungräaßerunzen von nngeführ 81 Netzten der welschen Schweiz und de» benachbarten französischen Departements eingkholt. Diese .Revue' scheint ihren Lesern etwas zuzutrauen; denn fie hat als Durchschnitts» maß sür einen Erwachsenen einen Liter Wein täglich angenommen. Damit wäre» die 80 Mediziner in ihrer großen Mehrheit allerdirflS nicht einverstanden. Sin einziger behauptete, daß ein Sites Wein täglich für die Gesundheit bei Menschen nicht nur zuträglich, sondern geradezu unerläßlich sei. Und dieser eine «ar ei» Franzose, Dr. Ehareot Fernand in Arlemare (Drvart. Ain). „Ich tttoie jeden Tag einen Liter bis anderthalb, nicht mehr noch weniger; meine Frau und meine beiden Kinder .twaS weniger ttnb wir befinden unS sehr wohl dabei" So schreibt dieser wetnfröhliche Doktor und fügt Hinz«, der Krieg der Alkoholregner sollte fich nicht gr«e» de» Wei», sonder» gegen die grüne», blaue» und gelben Schnäpse richte», die besonders in de» Städten die Menschheit vergiften und entnerven. Bierzehn weitere Aerzte können fich mit dem Durchschnitts« maß von einem Liter im Tag nur unter entschiedene» Vorbehalten in Hinficht auf Alter, Geschlecht und Be- schäftigusgrart atfirdru; die Mehrheit de, Angefragte» aber, 46 Aerzte, fub der Ansicht, daß ein halber Liter im Tag ungefähr daS Durchschnittsmaß für eine» vernünftigen oder wenigstens unschädliche» Weingenuß darstellen könne. Entschiedene Gegner jeden, auch deS mäßigsten WetngenuffeS traten nur 12 auf, während 7 weder ja noch nein sagte». AIS goldene Milte, die die Wahrheit bergen soll, ergab diese «msrage als» de» halben Liter im Tag.
♦ Plappermaul. Der kleine HanS (zu seinem sehr dicken Onkel): .Du scheinst doch nicht so schwer zu sei», wie Du auSstrhst, Datei.* — Onkel: „Wieso meinst Du daS, HauS?" — Der kleine HanS: „Papa erzählte neulich» er hätte Dich hochgenommen "
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Nerantowrtliches
• Var böse Zentrum.
Die Frage: Wie kann man dis Macht des Zentrums im Reichstage brechen?" wird neuerdings ernsthaft aufgeworfen und sorgsam behandelt, und zwar nicht etwa von fanatischen Kultur- käwpfern oder hrrrschsüchtigen Mittelparterlerv, sondern von der .Kreuzzeitung', dem Hauptorgan der konservativen Partei
Warum ist denn das konservative Blatt mit einem Male so unerbittlich und mordlustig gegenüber dem Zentrum? Es meint, die Art, in der daS Zentrum seinen maßgebenden „Einfluß" im Reichstage geltend gemacht, habe „recht unange- nehme Formen" angenommen, und „insbesondere gibt daS Streben dieser Partei, die verbündeten Regierungen zur Einwilligung in eine Reichs- erbschaslssteuer und damit zu einem Brücke mit der bisherigen Steuerpolitik »u zwingen, ausreichenden Grund zur Besorgnis". Also wegen der Erbschaftssteuer will die .Kreuzzeitung' einen Vernichtungskrieg gegen die Zentrums- tellung unternehmen. Wegen des bißchen Erb- chaftSsteuer soll die innrrpolitische Entwicklung n heillose Verwirrung gestürzt werden.
Nebenbei ist es gc r nicht richtig, daß die Zentrumsfraktion sich zum stürmischen Vorkämpfer der Erbschaftssteuer gemacht habe. Ihre Steuer- Politik im Reich hat sich vorläufig nur negativ betätigt, nämlich in der bestimmten Erklärung, die übrigens schon vor Jahren abgegeben und gesetzgeberisch bekundet ist: keine weitere Belastung der schwächeren Schultern durch Massen- Verbrauchssteuern zuzulaffen. Wen» man darin einen „Bruch mit der bisherigen Steuer» politi!" finden will, nun, so ist «S eben ein Bruch mit einer Unsitte, die mit den sozial- polittschen Bedürfnissen der Jetztzeit nicht mehr in Einklang zu bringen ist. Es geht nicht mehr an, alle Reichslasten aus die breiten Schulter» der mieera contribaena plebs abzuschieben, und insbesondere müffen die Aufwendungen für die sogen. Weltpolttik, die wesentlich den besitzenden Klaffen zugute kommen, auch anstandS- und gerechtigkeitshalber von diesen Klaffen nach dem Maßstab ihrer Leistungsfähigkeit mit getragen werden.
Wer trotzdem auf die einseitige Ausbildung deS Systens der indirekten Abgaben besteht, dem fehlt der zeitgemäße soziale Jnstckt. Darum bedauern wir es herzlich, wenn die konservative Panei wegen der kleinen Belastung, die eine Reichrsteuer aus Erbschaften allenfalls ihren be» sitzenden Mitßltedern «ustrlegen könnte, sich in eine so heftige Opposition gegen diesen Steuer» gedanken hineintretben laffex sollte, daß ste wegen dieser verhältnismäßig unbedeutenden Einzelheit einen grundstürzenden Parteikampf enifrffeln wollte. L-ider h.brn ja schon die Konservativen im preußischen Abgeordnetenhause beim Berggesetz sich von den Nationalliberalen und den Freikonservativen in eine schlimme anti- soziale Strömung verlocken lasten. Wir können mit dringend wünschen, daß sie rechtzeilig wieder zu einer selbständigen Politik sich aus schwingt, die fich den Ehrentitel „christlich-konservativ" mit Fug beilegen kann.
WaS nun den Wahlfeldzug der «Kreuz» zt g.' angeht, so hat das Blatt wenigstens mal die Einsicht, daß es mit der blcßen Parole und Taktik „gegen das Zentrum" doch nicht getan ist, sondern daß die ersehnte Kartell- Mehrheit nur zustande kommen kann, wenn man den parlamentarischen Bestand der Sozialdemokratie einschränke. Sehr richtig. Daher fordert deS konservative Blatt Einigung der bürgerlichen Parteien über die grundsätzliche Bekämpfung der Sozialdemokratie und zugleich Gewährung voller Gleichwertigkeit für die bürger» lichen Parteien, namentlich von seilen der Nationalliberalen gegenüber den Konservativen! Wenn die ,Kreuzztg.' mit ihren Konfl,ktswahlen warten will, bis diese schönen Vorbedingungen wirklich erfüllt find, so hat die Sache noch gute Weile. Und wenn man die Aukstechung des Zentrums und die Wiederherstellung der alten Kartellmebrheit als Ziel hinftellt, so muß man doch den Kampf mit zwei Fronten führen, sowohl gegen das Zentrum, wie gegen dieSozial- demokratie. Gehört nun daS Zentrum nicht auch zu den bürgetltchen Parteien, die fich gegen den Umsturz einigen sollen? Oder glauben die Serren, die jetzt im Reichstage die Kartellminder, be t vertreten, ohne daS Zentrum allein mit der Sozialdemokratie fertig werden zu können? Dann könnte fich ja im Reiche da, traurige Schauspiel wiederholen, daS soeoen in Karlsruhe die blindeifrigen Kulturkämpfer zum Gaudium der Sozialdemokratie veranstaltet haben.
Wetter nicht zu Faß gehen lasten!" und er hüllte das Hündchen in das mitgebrachte Schabrokerl. Er könnte sich leicht erkälten!" Daß seine Frau in der leichten Tollette ebenfalls dieser Gefahr ausgesetzt war, fiel ihm natürlich nicht auf. Aber Ernestine war von so warmem Dank er- üllt über die Aufmerksamkeit ihres Satten gegen ihren kleinen Liebling und saß ganz glücklich in dem für Ami gespendeten Wagen.
Als die wärmere Jahreszeit herankam, meinte eines Tages plötzlich Herr Zorner: „Findest Du nicht, Ernestine" — er nannte sie jetzt immer so — „findest Du nicht, daß Ami, ich möchte sagen, eine Zimmerfarbe hat, er bedarf der Landluft — muß mehr Bewegung machen . . . wir könnten ja eine Sommerwohnung mieten!"
Eine Sommerwohnung? Jahrelang daS Ziel ihrer Wünsche in der heißen stickigen Straße, in der sie lebte, und das, das sollte sie nun erreichen! Sie nahm Ami vom Boden herauf, um ihrer Freude Luft zu machen, fie mußte etwas herzen — kosen, an fich drücken, um drm Jubel ihres Innern Ausdruck zu geben. Eine Träne fiel auf sein glänzendes, blondes Fell, aber eS war keine vom Schmerz ausgepreßte, wie sie solche zahllose geweint halte. — Berge und Wälder, unterbrochen von grünen Wiesen mit Blumen geschmückt, leuchten vor ihren Augen auf; alles in glänzenden Sonnenschein gehüllt. Ja, gab es denn noch so viel Sonnenschein auf der Welt für sie, die gewöhnt war, im grauen Schatten der Lieblosigkeit zu schmachten?
Und so mußte die Nachbarschaft erleben, daS feindliche Ehepaar mit dem Hündchen in ihrer Mitte in einem schönen Landauer zur Bahn fahren zu sehen, um den Sommer auf dem Lande zuzubringen. Doch damit man aus dem Kopfschütteln nicht herauskam, bezog später bei ihrer Rückkehr das Ehepaar Zorner eine schöne große Wohnung in einem schönen Hause, denn die alte war für die Familie zu klein geworden.
AIS es wieder Frühling geworden war, lachte ein Sonnenstrahl durch die bunten Butzenscheiben eines hübschen Erkerchens auf Ami, der mit höchst wichtiger Miene ein Kinderwägelchen bewachte, vor dem er gravitätisch saß und kein Auge davon wandte, bis sich von dort her ein feines Skimmchen hören ließ und zwei rosige Fäustchen hülfloS sich in die Luft streckten. Nun kam Lebe» in Ami, er rannte zur Tür, kratzte energisch, sprang dann mit einem beruhigenden „Hau hau" an das Wägelchen zurück und nun wieder an die Tür, bis auf dieses zielbewußte Manöver hin Frau Ernestine eintrat, die er schweifwedelnd empfing mit einer Mene, welche auf deutsch zu sagen schien wie einst König Philipp: „Ich habe das meinige getan, tun Sie das Ihre!"
zurück.
Da wollte ihn Ernestine, welche ihr Kleid zusammel-gerofft hatte, hinaufnehmen, als ein Wagen vor dem Hause hielt und — ihr Gemahl —TW"3--—
heraussprang. „Ran kann doch Ami bei diesemj8s!'nef.!<sftseL7ss,sl5^iI°kf.llnka°,l:k°°°i.L§pe'Son,