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Fulda, Samstag, den 6. Mai 1905,
32. Jahrgang
dir.
und Art der Maifeier sei ihm durchaus un«
Deufläies Reich.
Berlin, den 5 Mai 1905
Der Mn int TOentuch.
Dem Holländischen nacherzählt von I. Nemo.
1 ------ Machdruck verboten.)
Ein heller, klarer Septembermorgen. Auf b« Straßen der kleinen Stadt Binnendyck ist er einsam mld still, so still, wie er in einem Prodinzstävtchen am frühen Sonntagmorgen nur sein kann.
Der Laden der Herrn Opwyk Ist geschloffen. Die Strümpfe, Unterjacken und die sonstige» gestrickte», ge, häkelten und gewebten Wollware«, welche in den Wochentagen die Augen der vorbetgehendrn HanS- «ütter auf fich zu ziehen pflege«, find verschwunden; zwei grün angeftrichene Fensterläden entziehen fie neidisch den Blicke» und geben zugleich dem Haute ein mehr oder weniger trübselige», gelangweilte» AuS- schen.
Der Eigentümer derselben, Herr Opwyk, -itzt mit seiner Gattin in einem kleinen, hinter dem Laden gelegenen Stübchen am Frühstückrtische. Er ist ein wohlbeleibter Fänsziger, mit $ln« Glatze, auffallend kurzen Sliedmaßr» und einem vollmondartigen <«rfichte, dessen Würde selbst durch die Echlatwütze mit ihrer hin und her tänzelnden Quaste nicht beeinträchtigt werden kann. Die Dame dagegen ist unendlich lang und hager, und bat faltige Antlitz stimmt iu Farbe genau überein mit der Schlafrr.ützr ihre» EhegemahiS: eiuverwascheniS, hier «ab da in Trau übergehende» Selb.
Die Miene der Gatten ist in diesem Augenblicke wenig sonntagSmäßig; die Brauen der Dame berühren sich beinahe über der großen spitzen Rase, und di- Äeuglei» de» Hausherrn starre« zur Zimmerdecke empor mir einem »»»druck, zwar nicht de» Zorne» — der Zorn stört die Berdamvrg — aber doch eine» lebhaften, ingrimmigen Aerger»
„W ist nicht zum An-Halte«!" knurrt er endlich^
während er die Augen von der Decke weg und auf stink» Teller richtet. Ein halbe» Brötchen verschwindet auf einmal in dem stch weit öffnenden Munde and verhindert ihn am Weiterspreche«. „Erst da» laute Lache« und Lärmen der Kinder und «un da» unaufhörliche Hi«- und Herlaufe«," fährt er fort, sobald seine Zurge de« nötigen Raum bekommt, um sich einigermaßen frei bewegen zu können.
*@» ist unerhört, wie ungezogen die Range» find," stimmt seine Frau bei, welche selbst nie Mutterglück gekannt hat.
„Sie Leute sollten fich schämen," weint Herr Opwyk.
»Sprich doch einmal mit Petersen und mache e» ihm ttar, daß e» so nicht weiter gehe« kann," rät seine Tattiu.
„Jawohl — gib mir noch ei« Li, Luise — ich traf gestern den veuen Empfänger; der Mann sucht eine paffende Wohnung, und unser Hau» schien ihm zu gefallen."
„Ich würde „Sott sei Dank!" sagen, wenn wir >ie Petersen» mit guter Manier Io» wären — hier hast Du noch rin Brötchen mit Rauchfleisch."
„Danke!"
„Petersen» MietSkoutratt läuft am ersten November ab, und — nun hör' doch einmal da» Stampfen da oben," sagt die Fr-u.
„Ja — reiche mir de« Käse 'mal — der Em- ifänger würde gern fünfzig Guidrn mehr zahlen» uno dann, er hat nur zwei Kirwer, selbe beinahe erwachse». — Nein, keinen Zwieback, danke!"
„Noch eine Taffe Tee?"
„Sitte. — Na, jetzt wttd <8 aber doch zu arg — die Kinder oben find wahrhaftig die reinen Kobolde. Morgen werde ich ernstlich mit Pttersen reden, und ihm sagen — ein Ei könnte ich schon noch nehmen — danke."
Kopfschüttelnd ißt Herr Opwyk sein vierter Ei, und seine Fron seufzt herzbrechend dazu.
besondere von 15 deutschen Hochschulen, außerdem von den Lehrkörpern der Univerfiläten Oxford und Cambridge und von 148 amerikanischen Professoren. Neuerdings hat nun aber der Prorektor der Universttät Göttingen folgende» bekannt gemacht: „Bezüglich der an den Herrn Kulturminister gerichteten und in die öffentlichen Blätter gelangten Eingabe von Prorektor und Senat der UniversttSt Söttlvgen finden fich fast täglich neue teils richtige, teils unrichtige Nachrichten in den Zeitungen. Auf viele Anftagen erkläre ich hiermit, daß die akademische Behörde allen solchen Zeitungsnachrichten vollständig fern steht, und daß Anftagen über ihre Richtigkeit oder Unrichtigkeit von mir nicht beantwortet werdeir." Die .Kreuzztg.' bemerkt dazu: „Jeder Leser wird diese Bekanntmachung hauptsächlich auf die angeblichen Zu- stimmungSerklärungrn beziehe«. Nach den von uns eingezogenen Erkundigungen find die Nachrichten darüber aber nicht „teils richtige, teils unrichtige", sondern im wesentlichen durchaus unrichttg. Mit den 15 deutschen Hochschulen scheint es wenig oder gar nichts zu sein, mit Oxford und Cambridge ist eS auch nichts und dm 148 amerikanischen Professoren stimmt eS c-leichfallS nicht. ES ist schwer zu erklären, wie unter diesen Umständen der Prorektor eine solche, dm Tatbestand nichts weniger als klar- stellend» Bekanntmachung erlaffen konnte, statt längst Beranlaffung zu nehmen, jenen falschen und auf Irreführung deS Publikums berechneten Nachrichten in unzweideutiger Weise entgegen« guiteter,,“
§ D«s Organ des Evangelischen B««de-, die .Dmtsch-evang. Korresp.', hatte, wie wir erwähnten, neulich eine Empfehlung des liberalen Bibelwerks von Jülicher-Weiß- Gunkel gebracht. Wie man dem.Retchsboten' jetzt mitteilt, "geschah dies ohne Vorwissen und Einverständnis des ZenttaloorstandeS des Evangelischen Bundes, hat bei diesem peinliche Ueber- rafchung hervorgerufen und ist als „unange- meffen" bezeichnet worden. Aber er ist schon öfter vorgekommen, daß der Evangelische Bund diese Korrespondenz desavouierte; warum bricht er dmn seine Beziehungen zu ihr nicht ab ? fragt der »RetchSbote^. Auf die Frage wird m an wohl keine Antwort erhalten.
—* Bo« de» „Rückgang der Berliner Börse" seit dem Jnkrasttretm deS Börsengesetzes redet die liberale Preffe bekanntlich bei jeder Gelegenheit. Zur Beleuchtung dieses „Rückganges" kann folgende ZeitungSmeldung dienen: „Entsprechend der von dem Verein für die Jntereffen der Berliner Fondsbörse gegebenen Anregung und in Uebereinstimmung mit der Makierkammrr hat der Berliner Börsenoorstand beschloffen, die Vermehrung der Berliner Kursmaklerstelle« nm 6 zu beantragen."
** In der Maifeier - Versammlung des 5. Berliner Wahlkreises sprach fich der Reichs- tags - Abgeordnete Genoffe Robert Schmidt
sympathisch; fie nehme zu sehr den Charakter einer ordinären FidelttaS an und zeige zu wenig Ernst. Schon im vorigen Jahre habe es einen deprimierenden Eindruck auf ihn gemacht, als er des Abends die Festrede vor einer Zuhörerschaft halten mußte, die fich unmittelbar vorher am Tanze vergnügt hatte und nach Beendigung der Rede sofort wieder lustig weiter tanzte. SÄner Anficht nach könnte die Arbeiterschaft dm 1. Mai auch in würdigerer Art feiern als mit Tanz und Ulk-Trio.
V In neuerer Zeit ist in verschiedenen Se- werkschasten wieder ein Vorstoß zur Abschaf- f««g der Heimarbeit gemacht worden: vor allen Dingen suchen dabei die Arbeiter den Arbeitgebern die Ueberzeugung beizubringen, daß die Regelung der Heimarbeit oder ihre gänzliche Abschaffung auch für die Arbeitgeber selbst von höchstem Interesse ist, weil durch die Heimarbeit vielfach eine Konkurrenz großgezogen wird, die für die Entwickelung der ganzen BerufSzweigeS von Nachteil ist. Einen Erfolg «ach dieser Richtung hin haben jetzt die deutschen Formstecher errungen. Sie habe«, wie die,Nat.- Zettung' berichtet, mit den Arbeitgebern einen Tarifvertrag vereinbart, der die gänzliche Abschaffung der Heimarbeit zur Folge haben soll. Nach den Bestimmungen deS Tarifs, der aller- dings vorerst nur provisorisch abgeschlossen ist, und noch der Zustimmung der Gesamtheit der Arbeitgeber und Arbeitnehmer bedarf, müffen die Arbeitgeber innerhalb des ersten Halbjahres «ach Inkraftsetzung heS Tarifs alle Verbindung H^maroeuern löse«. Wird der Verftag definitiv angenommen und gelingt seine Durchführung, so würden alle Heimarbeiter im Form- fiechergewerbe gezwungen sein, i« Werkstätten und Fabriken Arbeit anzunehmen und die Heimarbeit wäre beseittgt.
* Sus Deutsch. Tüdtvestaftika. Sin Telegramm auS Windhuk meldet:
A» Typhus »rstorbex: Retter Herman« Bauschte, geb. am 26. Sept. 1888 zu Steinau a. O., früher Jn- fanterir-Regiment Nr. 164, am 80. April im Lazarett KeutmauShog; einjährig-freiwilliger Gefreiter Wilhelm Rente«, geb. am 80. «ug. 1880 zu Westerstede, früher Fnfauterie- Segimrut Nr. 148, am 80. April im Sayxicett Lüderitzbucht; Reiter Max Uotfcheubacher, geb. am 1. November 1880 zu Bamberg, früher Grenadter-Regt- meut Nr. 110, am 27. April in der Krauteufammelftelle Kubub; Reiter »rüst Eonrad, geb. am 26. März 1884 zu Striegau, früher Drazoner-Regiment Nr. 4, am 1. Mai im Lazarett Lüderitzbucht: Reiter Konrad Schuster, geb. am 24. Sept. 1881 zu Erlangen, früher königl. bayerisches 4. Infanterie-Regiment, am 1. Mai im Lazarett Lüderitzbucht; Reiter Richard Kaden, geb. am 29. Mär, 1882 zu Zöblitz, früher königl. sächsische» 7. Infanterie-Regiment Nr. 106, entfernte sich am 28. April auS KoivaS von der Truppe.und ist nicht zurückgekommen.
»*. Berkin, 5. Mat 1905. Der Kaiser ist heute von seiner Südlandreise wieder auf deutschem Boden angetommru und in Karlsruhe eingetroffeu. — DaS Oberhofmarfchallamt des Kaisers ist in voller Tätigkeit mit den Borberettungrn für die BermählungS- frirr deS Kronprinzen. Am Sonnabend, 8.Juni, findet die Ankunft und dir feierliche Einholung der Braut statt. Am Montag erfolgt der Empfang aller offiziellen Gratulanten und die Urberreichung der Geschenke. Ferner ist für diesen Tag ein Galadtner und Galaoper anberaumt. DienStag, 6. Ium, ist der Brr- mählungStag. — DaS DenkmalKaiserWilhelmSI.
Im zweiten Stock fitzen, so ziemlich um dieselbe Zett fünf Kinder um den großen runden Tisch. Die drei jüngsten habe« Servietten umgebundeu, und aller Augen folge« den Bewegungen der Mama, welche beschäktigk ist, für dir erforderliche Anzahl Butterbrode zu sorgen. Frau Petersen ist eine noch junge und hübsche Dame mit blondem Ho ar und freundlichen, blauen Augen. Jyrem ganzen Wesen fieht man e» an, daß fie fich die glückliche Gewohnheit angeeignet hat, alle» von der beste« Seite zu betrachte«.
Jede» Kind hat jetzt seine Ration Brot und Mllch in Empfang genommen, und Mama schlägt die biblische Geschichte auf, au» welcher fie ihnen während de» Frühmahle» vorzulesen pflegt. Etwa» davon bleibt doch hafte«, denkt fie, und überdies ist da» Borlesen ein bequeme» Mittel, die beweglichen Kleinen ruhig und still zu haften.
Der Aefteste der Hoffnung-vollen Schar, ein Kgabe von etwa 10 Jahren, hat augenscheinlich einen gesm den Appetit: e» dauert ihm zu lange, bi» Mama fertig st und da» Gebet gesprochen wird, und so benutzt er ')tnn die erste günstige Gelegenheit, um rasch ein Stückchen Kruste verschwinden zu lassen; da» Schwesterchen, welche» ihm an Jahren am nächsten steht, scheint bagegtn ein Leckermämchen zu sein: t» nimmt schnell sie Schnitte Schwarzbrod von seinem Teller und chiebt fie unter den Rand de» großen Tablet».
„So — jetzt beten!"
Alle Sprossen de» Hause» Petersen neige« die Köpfchen und machen da» Kreuzzeiche«. „Lieber Sott, egne diese Speise und diese« Trank," klingt e» fünf vial nacheinander, immer undeutlicher und schneller; dann kommen die Mündchen in Bewegung, und der kleine dreijährige Jan, da» Nesthäkchen, stopft da« einige so voll, daß seine Äugen groß und rund werden vor Anstrengung.
„Jan, psui! — Pauline halte Dich doch gradi!" agt Mama, ein Ei neben den Teller ihre» noch abwesenden Manne» legend. „Karl, steh' einmal nach, ob Papa noch nicht fertig ist — aber komme gleich zurück."
im Kuppelraume der Wandelhalle deS Reichst»,S tft nunmehr errichtet. Die Statue befindet fich aber noch in ihrer Umhüllung. — Die Berggesetzkommiffion des Abgeordnetenhauses stellte am Frettag abend den Bericht über die »rbetterfchutznovelle fest. — Der ständige Hilfsarbeiter in der KolonialabteUung. Wirklicher Legationkrat Professor Dr. Helfferich ist zum Vortragenden Rat in der Kolonialabteiluu, ernannt worden.
** Da der Verfasser des im,SauloiS' ab- gedruckten, bereits als unecht bezeichneten Jn- terwiews den Schein zu bewahren sucht, als habe er A-nßernnge« des Reichskanzlers wiedergegeben, so fieht die,Nordd. Allgem. Ztg/ fich zu der Feststellung genötigt, daß der ,Gaulois< einer groben Mystifikation zum Opfer gefallen ist. Die von ihm gebrachte Unterredung ist ein freies Phantafiegebilde. Herr Rich et hat den Reichskanzler nicht gesprochen, und es ist ihm auf seine Bemühungen um eine Unterredung nichts weiter mitgeteitt worden, als daß der Reichskanzler nicht in der Lage sei, ihn zu einem politischen Gespräche »u empfangen.!
* Zu der Nachricht, daß der Unterstaats, sekretär im Staatsministerium Freiherr von Seckendorfs zum Nachfolger des verstorbenen ReichSßerichtSpräsidenten Dr. Gutbrod ernannt worden sei, bemerkt die »Nordd. Alls. .Ztg.^, daß für die Neubesetzung der Stell, des ReichszerichtSpräfidenten bisher weder Beschlüsse des BundeSratS herbeigeführt, noch dem Kaiser Verschlüge unterbreitet worden seien. Wie der ,Berl, Lok. Anz.' berichtet, hatte fich der Staatssekretär des ReichSjustizamtS Dr. Niebstdio^- DonnerStaanach Leipzig begeben, um mit ver- ^UviFiett Mitgliedern des R'jchsgerichtS Rück- 'prache zu nehmen wegen der Neubesetzung deS PrästdentenpostenS, jedoch haben fich die Besprechungen zu bestimmten Vorschlägen noch nicht verdichtet. Die Angelegenheit dürfte vor 14 Tagen nicht erledigt sein. Ob der Unterstoats- fekretär im StaatSministertum o. Seckendorff für den Posten ernstlich kn Gftracht kommen wird, steht zur Zeit noch Zar nicht fest, vorausgesetzt, daß Herr vo» Scck uLorff überhaupt Neizuns empfinden sollte, seine jetzige ausgezeichnete Stet mng mit der in Leipzig zu vertauschen, was vo« ihm nahestehender Seite bezweifelt wird.
* Rektor und Senat der Universität Mardnrg haben dem Göttinger Beispiele folgend eine Eingabe an den Kultusminister gegen dessen bekannte Verfügung gerichtet, " wie dar heute so Mode ist, ebenfalls schleunigst in der Presse veröffentlicht worden ist. Das die Verfügung nur vorübergehende Geltung hat, scheint man in Marburg noch nicht zu wiffen. Wir haben keine Veranlassung, auf daS Schriftstück näher einzugehen, und bemerken nur, daß es im allgemeinen etwas geschickter abgefaßt ist als daS Göt inger. So wird auch die plumpe Anspielung vermieden, als habe der Minister seine Verfügung unter dem Drucke des Zentrums erlaffen. In Sachen der Göttinger Eingabe war in den verfchiedenste» Blättern die Mitteilung entfalten, daß dem Göttinger Senat zahlreiche ZustimmungSerklärungen zugegangen feien, ins-
Parlamentarische Rachrichte«.
** Dem Abgeordnetenhause ist ein Gesetzentwurf bett. Aendernng des Gesetzes über die ««sführuug de» Reichs Vieh- sencheugesetze» vo« 18. Marz 1881 mit Begründung zugegangen. Dis Aenderung bezweckt eine Beschleunigung, Erleichterung und Vereinfachung des Geschäftsganges insofern, als die zur Abwehr der Seucheneinschleppung aus dem Auslande in Gemäßheit der §§ 7 und 8 des Reichsgesetzes zu erlassenden Anordnungen vom LandwirtschastSminister selbst getroffen werden können. Die Begründung bezeichnet diese Maßnahme als im Jntereffe der Veterinärverwaltung und weiter Kreise der am Viehverkehr beteiligten Bevölkerung liegend.
* Die Kommisfiou des Abgeordnete«. Hanse» für die Berggefetznovelle über die Stillegung von Zechen hat am Freitag ihre Beratung begonnen. Zunächst fand eine . Generaldiskussion statt über den Artikel 1, welcher die Aberkennung deS Bergwerkseigentums sowie den ZwarW betrieb und die Zwangs- Verwaltung vorsteht. AuS der SeneraldiSkuffion verdient heroorgehoben zu werden, daß die Regierung di« Auffassung zurück wies, als ob fich der Entwurf speziell gegen die Kohlensynldi- katr richte; vielmehr fei bet Entwurf gegangen aus verschiedenen Anregungen drs Ab« geordnetenhav.srs, Die Debatte bezog stch im weiteren vorwiegend auf die Fragt, ob als Voraussetzung für di« zwangsweise FortfühlXM HO Betriebes die Bestimmung des Entwurfes beizu^ behalte« fei, daß der Betrieb Gewinne versprechen müsse. Vom Zentrum wurde die Streichung dieser Voraussetzung gewünscht. Die Konservativen erklärten fich gegen den Betriebs« und VerwaltungSzwang. Die Stellungnahme der einzelnen Parteien wurde von einem frei- konservativen Redner dahin präzifiert, daß daS Zentrum der Vorlage am sympathischsten gegenüberstehe, während die NationaSibrralen stch am meisten ablehnend verhielten und die Konservativen eine Mittelstellung zwischen beiden einnehmen. Vonseften des Zentrums wurde angeregt, ob nicht ein Rechtsmittel in Schaffung eines besonderen Gerichtshofes, bestehend aus zwei Vertretern der Behörde, der Bergwerks- befitzer und der Arbeiter gegeben werden könne. Dieser Gerichtshof könne ja rasch über die Notwendigkeit deS Zwangibettiebes und der ZwangS- verwaltung entscheiden. Von Setten der Frei- konservativen wurde ein Antrag gestellt, der eine völlige Umänderung deS Gesetzentwurfes bedeutet. Die GeneraldiSkusflon wurde fortgesetzt. Fortsetzung morgen 11 Uhr.
Karl, der tarnet hungrige Erstgeborene, erwisch: «och schnell ein Stückchen Brod und verläßt damit daß Zimmer. Seine Mutter sucht in ihrem Buche, wo fie da» vorige Mal stehen geblieben ist uad wartet
Während einer halben Minute herricht Stille, dann kommt Karl zurück und sitzt fich, ohne ein Wort zu sagen, wieder auf seinen Platz.
„Nun?"
„Papa steht noch in Hemdsärmeln." „So! Wa» sagte Papa denn?" „Mach Dich fort!" entgegnete bet Gefragte kurz, ohne fich im Essen stören zu lassen.
„6m!" macht Mama. — „So, Kinder, seid jetzt ruhig und geot Acht!"
Sie schenk erst «och eine Tasse Tee ein, die stt neben dar Ei ihre» Ehegrwahl» setzt, damtt dieser bei seiner Ankunft alle» bereit findet, und fängt down an zu lesen von den 3»raeliten, welche durch Pharao unterdrückt werden.
„Marie, habe ick. Dir giftet«, al» ich nach Haus« kam, etwa» gesagt?" fragt Herr Peterse«, in» Zimmer tretend. Seine Stirn« ist bewöltt und jede sedier Beweaurgen verrät eine gewisse nervöse Ungeduld, „Etwa» gesagt? — Wir find just am Lest«.
Gustav."
Herr Petersen wirst fich auf einen Stuhl, gähnt ein paar Mal, fährt mit der Hand über die Auge« und wiederholt mtt einem Ar finge vo« Gereiztheit «Nu». Marie, habe Ich Dir etwa» gesagt oder nicht?"
Marie schüttelt den Kopf und legt ihr Buch au? den Tisch. Die Israeliten befind« fich eben mitte« im Rett« Meere und dort bleiben fie eine geraume Wette, denn Freu Paterse« beobachtet lüchelnd ihre« Herrn Gemahl, welcher sein Taschentuch hrrvorgezoge» hat «ab jetzt mit grämlicher Miene die zusamme»ge- knotete Ecke btffdBen von alle» Seiten betrachtet. Endlich fragt er verdrießlich: „Also Du w«ißt gar nicht» von der Sache?"
„Wie könnte ich davon wissen? Ich war längst z» Bett zegar-ge«, al« Du au» dem Klub kamst," eefr