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Fulda, Mittwoch, den 3. Mai 1905.

32. Jahrgang.

Erstes Matt.

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§ Das Blutbad in Warschau.

Die Befürchtung, daß es am zweiten russischen Ostertage in Petersburg zu einem neuen Straße«- gemetze! kommen werde, hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Dafür erlebte aber, wie schon gestern telegraphisch gemeldet, Warschau ein Blut­bad» daS dem Petersburger vom 22. Januar nichts nachgibt. Wie es eigentlich dazu kam, was de» Anlaß gab, daß das Militär auf die Menge zu schieß;« begann, ist aus den bis jetzt vorliegenden Telegrammen nicht zu ersehen. Die Telegramme find natürlich der Zensur unter- warfen gewesen. Um so bedeutsamer ist es, daß sie nicht die Volksmenge, sondern das Militär als den angreifenden Teil darstellen und nicht die Menge, sonder« die Soldaten zuerst Ausschreitungen begehen lasten.

Sine aus 5000 Arbeitern mit ihren Famllien bestehende Menge zog in der ersten Nachmittags­stunde „unter Abstngung revolutionärer Lieder" durch die Straßen «ach dem Witkowsky-Platz?. Militär rückte an und ohne daß die M-;ge Gewalttätigkeiten begangen, das Militär gereizt oder gar angegriffen hätte wenigstens wird darüber nichts berichtet — fingen die Sol­daten plötzliich an zu schießen, mit Ge­wehrkolben und Säbeln dreinzuhauen und mit dem Bajonett zu stechen. Die Menge machte Kehrt, aber das Militär schoß weiter in fie hinein. Dann dränge« die Soldaten in die .Häuser und mißhandetten die Personen, die sich Z»rt verbargen, Erst 7 bis 8 Stunden später, um 9 Uhr abends, ist von Ausschreitungen btt Menge die Rede; in der Vorstadt Prags drang sie in eine Branntweinnieder läge ein, was wieder daS Milttär zum Schlesien veranlaßte. Sodaun wurde auf eine vorü wettende Patrouille eine Bombe geschleudert, durch die mehrere Kosaken und andere Personen verletzt wurden. An anderer Stelle gab eS einen „Zusammenstoß", von dem nicht zu erkennen ist, ob die Menge das Militär oder dies die Menge angrtff; eS ist nur die Red« davon, daß Husaren vier Personen getötet hätten. Wie viele Opfer die unseligen Er« rigniffe gefordert haben, wird man zuoerläsfig wohl ebensowenig erfahre», wie die Zahl der Opser des 22. Januar in Petersburg. Nach den Telegrammen muß allein die Zahl der Ge< töteten wett über hundert betragen haben, darunter ficher auch Frauen und Kinder. Von getöteten oder verwundeten Soldaten wird, mit Ausnahme der 3 Kosaken und eines Schutzmannes, die durch den Bombenwurf, und 2 Soldaten, di« bei dem Vorfälle in der Branntweinniedsr- ilage, sowie eines Polizeibeamten der bei anderer Gelegenheit verletzt wurde, nichts berichtet. DaS beweist doch wohl, daß die bewaffnete Macht nicht gerade in der äußerste» Notwehr geschoffen und gehauen hat.

Nun dürfen wir uns nicht verhehlen, daß es auch bei uns höchst wahrscheinlich zu Blut-

vergießen kommen würde, wenn 5000 Arbeiter mit roter Fahne und unter Abfingung revolu­tionärer Lieder durch die Straßen ziehen wollten. Die Polizei würde den Aufzug zu verhindern suchen und wenn die Menge sich nicht beeilt«, „auseinanderzugehen", dreinhauen. Wir glaube« ja gern, daß die große Muffe der an drn War­schauer Aufzügen beteiligten Arbeitet ebensowenig wußte, waS fie tat, wie die vielen Tausenden, die am 22. Januar dem Popen Sapon folgten, in dem Glauben, es gelte, dem Zaren eine Pe- tition mit den Wünschen der Arbetter zu über- reichen. Aber der Bombenwurf verrät in Ver­bindung mit den mancherlei Mtentate» auf Mi­litär und Polizeibeamte, die in den letzten Mo­naten vorgekommen waren, daß die treibenden Kräfte anarchistische und andere umstürzlerische Elemente waren, die die einfältigen Arbetter für ihre Zwecke mißbrauchten, wahrscheinlich sogar aus das Blutbad spekuliert hatten.

Allein nach unserer Ansicht kann das daS Vorgehen des Militärs ebensowenig retten, wie das am 22. Januar in Petersburg. Die rus­sischen Behörden scheine» überhaupt eine un­glückliche Hand zu habe», wen« es gilt, Kata- ftrophe« zu verhüte«. Warum ließ man es erst z r drn Ansammlungen vieler Lausende von Ar­beitern kommen? Vorbereitet war man doch zw-ifellsS auf so etwas. Die Macht, die An- sammlunge« zu verhindern, hatte man auch; man brauchte nur hsrumziehende kleine Trupps zur Umkehr zu nötigen, oder, wenn man auf den Straßen nichts ungewöhnliches bemerkt haben foßte, den Wiikowsky-Platz zu säubern und zu umstellen, sobald man merkte, daß sich dort größere Menschenmengen sammelten. Es wird berichtet, die 5000-köpfige Menge sei mit roter §2hne na» dem Platze gegangen. Wen« daS richtig ist, so muß fie fich doch irgendwo gesammelt haben und daS hätte man verhin- der» könne«.

Hätte man nun aber einmal die Ansamm­lung auf dem Platze geschehen kaffe», so ist nicht abzusehen, warum man nun ohne weiteres in die Menge hineinzuschieße« und vor allem, warum man das Feuer fortzusetzen brauchte, als die Menge floh. Ausschreitungen ernsterer Natur, außer daß die Leute eben versammelt waren und fangen, waren off mbar nicht vorgekommrn. Nun lehrt ja leider die Erfahrung, daß bei solchen Gelegenheiten leicht eine Kleinigkeit, ein Mißver- ständnis, ben Anloß zu einer schweren Rata» strophe gibt. So berichtet denn auch ein eng- Usches Blatt, der Befehl zum Feuern sei infolge eines Irrtums erteilt worden. Ein Student, der Kriegsnachrichte« mit lauter Stimme öffent­lich mitteilte, geriet, so erzählt das Blatt, mit einem Schutzmann zusammen, der ihn festnehmen wollt«, und schoß diesen inS Sei«. Eine vor« beimatschierenoe Patrouille begann darauf um sich zu schießen und erschoß dabei einen Zimmer­mann, der ruhig auf dem Bürgersteige stand. Sein« Kameraden verlangten Rache, riefe« die Arbeiter anderer Gewerbe zusammen, organi- sterte« eine Prozession mit roter Fahne, und alS diese durch die Straßen ziehen wollte, kam es zu dem Zusammenstoß mit der bewaffneten

Aus geheiligtem Soden.

Erzählung von Heinrich Ernst.

19 ------ ^Nachdruck vrrbsttA.)

Bernhard war vor Schrecken erblaßt, als er die Stimme des ftemden Mannes vernahm Ec trieb fehl Kamel neben Ismail hin und bat diesen flüsternd:

„Ermögliche es mir, diesem Manne ins Antlitz zu seben. Ich glaube ihn zu kenne«/

„Laffei di- Kamele weiden," befahl Ismail seinem Wahidieh. „Bindet auch meinen Sklave« los, damit er a«S d?r Quelle trinken kann/

Bernhard, der musterhaft die Rolle des Sklaven spielte, wurde von seiner Fessel befreit. Jetzt konnte er sich dem fremden Manne nä.ertt, der auch ihm nunmehr sein Gesicht zuwanvte. Heller Mondschein fiel auf seine von Mitleid bewegten Züge. Aber kaum hatte« sich die beiden ins Auge gesehen, da fielen fie einander mit einem Aufschrei r ec Freude um den Halt.

„Mein Bruder!" riefen beide gleichzeitig.

Bernhard und Konrad hatten fich gefunden.

Wie war er möglich, daß die Brüd r fich so un­erwartet an dieser Stelle begegnete»? Auf diese Bge gab Konrad, aU fich alle an der Qnclle gelagert

en, die Antwort mit folgender Erzählung seiner

„Auch ich wurde, wie Du, mein Bruder, al» Sklave von den Seeräubern verkauft, die «niet Schiff geentert hatten. Aber Gottes Hand war sichtbar mit mir, denn der greife Morlim, an den ich verschachert ward, war mir ei« gütiger Herr. Ich vermißte bei ihm nicht- al- die Fettheit, aber Hamid Ben Ali mochte mir meine Fessel» leicht. Er schenkte mir große- Bertraueu m»d fetzte mich als Berwatter über seine Güter, die am Fuße des Libanon in einer hert- Aches Landschaft liege». Er selbst wohnte in Antiochia,

wo er einen großartigen Handel mit alle» arabischen Ländern betrieb, und eben deshalb, weil er so weit von seinen Landgütern entfernt wohnte, bedurfte er für diese einer Verwalters. Daß er mir diese- Amt übertrug, in welchem ich fast ganz unabhäng'g und ohne jebe Ueberwachung war, bewies, wie sehr er mir vertraute. Ich ehrte sei« Vertrauen und war ihm allzeit mit herzlicher Dankbarkeit ergebe«. Ich ver­mißte also nichts zu meinem Glucke als die volle Freiheit, welche mir gestattet Haden würde, wieder zu Christen und in meine Heimat zurückzukehr-n.

„Im Sommer pflegte Hamid auf Reisen zu gehen. Dan» brachte er sei« Töchterchen Emiurh h:rau» ans seine Güter, um in seinem Schlosse am Libanon den Sommer zu verbringe«. Herrliche Gärt-n umgeben dieser Schloß, ü»d in diese» Gärten, die natürlich ebenfalls meiner Aufsicht unterstellt waren, erging fie fich oft. Bl» ich sie dort znm ersten Mal sah — dort draußen wurde sie nicht so streng von der Welt abgeschieden —, war fie noch ein Kind, aber fie wuchs mit de« Jahren zur blühenden Jungfrau Hers».

Und so kam er, daß fie mit ihren strahlende», seelev vollen Augen mein ganze» Herz gefangen nahm, und ich bemerkte, daß auch fie mich gern sah und Freude daran fand, mit mir über meine Heimat, meine Eltern und Geschwister zu spreche». Ein sehr- süchtiger Zug spielte um ihre« Mond, wenn ich ihr von dem krästige», bewegten Leben de» Abendlandes erzählte, von ben lieblichen Bergen und Tälern de» SchwabeolandeS, von unserer fleißigen Tätigkeit, der Tapferkeit der Männer, der Anmut und dem hohen Anseheu der Frauen. Namentlich aber leuchteten ihre dunkel« Auge» auf, wenn ich von der Gröhe unserer Dome sprach und der Hoheit unseres Glaubens, der o Erhabenes geschaffen und au» unsere« deutschen Lande« so blühende Stätten der Gesittung arid Wodl- ahrt gemacht. Gotte» Gnade machte fie empfänglich für die 6aat, die ich z« freue« aewürdigt ward, und bald war fie i« Herzen eine Christi«, wen« fie ti

Macht und dabei zu Blutvergießen. Mr möchten gern annehmen, daß diese Lesart richtig sei, wiewohl nicht abzusehen ist, warum fie in den Telegrammen aus Warschau nicht erwähnt wird; fir enthält doch eine gewisse Ent- schuldigung für das Milttär. Lieber nehme« wir fie jede«falls an, als die Vermutung, die ein Berliner Blatt aufstellt, daß nämlich die Truppen und ihr« Befehlshaber auf Rache für die mancherlei Attentate der letzten Zeit ge« sonnen und nun die Straßenkundgebungen be­gierig benutzt hätten, um ihre Rache zu kühlen.

Wie es fich mit dem Anlaß zu den traurigen Vorgängen nun auch verhalte« mag, jedenfalls wird man niemand überzeugen, daß die Hin- schlachtung so vieler Menschen notwendig ge­wesen wäre und sich nicht bei einiger Umsicht und Besonnenhett aus Seiten der Behörden und der bewaffneten Macht hätte vermeiden laffen. Es ist in unverantwortlicher Weise gegen die Menge mit Feuer und Schwert gewütet worden, ohne daß eS notwendig war. In Petersburg dürfte man denn auch nichts weniger als zu- frieden sein mit den militärffchen Befehlshaber» in Warschau, denn man muß sich sagen, daß die Vorgänge vom 1. Mai nur zu neuer Aufregung im Lande und zur Stärkung der anar­chistischen und umstürzlerischen Be­wegung beitragen könne. Di« blutigen und gewalttätigen Ereignisse, di« gleichzeitig aus einer Reihe anderer polnischer Städte gemeldet werden, zeigen ja auch nur zu deutlich, wie die revolutionär« Gährung schon um sich ge­griffen hat.

Deutiäies Reich.

Berlin, den 2. Mai 1905.

* Ren* eilt Retholik Sozialdemokrat fei«? Nein! so lange er seiner Kirche ange­hören will; erst wenn er aufgehört hat, Glied der katholischen Kirche zu sei«, ton« er Sozial­demokrat fei«. Wer sagt das? Der „Vor­wärts". Nämlich in einer Besprechung der Broschüre des Senoffen Dr. Laufenberg-Düffel- dorf „Rann ein Katholik Sozialdemokrat sein?" (Bergl, .Vorwärts' Nr. 91 vom 16. April 1905.) Armer Genosse Laufenberg! Hat der Mann da mit vieler Müh und Not Tag und Nacht gesonnen und gesponnen, um ein Vogelnetz herzustellen, so fein und so schön, daß ihm sicher die katholischen Arbeiter ins Garn gehen sollten. Jetzt kommen die Berliner und fahren mit plumper Faust in daS zarte Gespinst und sagen, daß nur dann ein Katholik Sozialdemokrat fein könne, wenn er mit seiner Kirche gebrochen. Merkwürdiger Spott des Geschickes. Der Genoffe Laufenberg hatte den glorios klugen Gedanken ausgehkckt, daß ein Katholik nicht bloß Sozialdemokrat sein könne, sonder« sogar müsse, wenn er eS mtt seinem „christlichen Gewissen" L la Laufenberg Ernst nehme. Jetzt kommt der .Vorwärts und sagt: Nein; das gerade Gegenteil ist der Fall. Man höre:

„Sollte mit jenem Satze gesagt sein, daß ein Proletarier, der Katholik ist, durch die besondere

nach avße» auch z« ihrem Schmerze «och nicht fein durfte.

„Ihre» Baier» Wohlwollen gegen mich gab mir im vorige» Jahre die Freiheit wieder. Er kam von einer langen Reise nach Ptrfirn sehr ermüdet und leideod wieder und fürchtete, daß e» mit seine« Kräften zu Ende gehe. Da gab er mich frei und, weil er keinen Sohn hatte, gedachte er mich zu adoptiere» und an die Spitze seine» weitverzweigten Geschäfte» zu stellen. Da offenbarte ich ihm rneke Liebe zu Emineh. Mit Freuden nahm mich der alte Grei» al» seinen Eidam au. aber einen Tag vor der Hochzeit entschlief er sanft. Emineh und ich trauerten innig um d-n geliebte» Tote« und empfähle« ihn in heißen Gebeten der Gnade Gotte».

„In seinem Vermächtnisse hatte er mich zum Erben bestimmt. Ich ließ heimlich einen christliche» Priester in unser Hau» in Antiochia kommen, welcher Emineh zunächst noch einige Tage in den Lehren unsere» hei­lig-« Glaubens unterrichtete; dann taufte er fie und gab unsere Hände zusammen im heilige« Sakramente der Ehe. Da die Seldschucken auch in Antiochia ein schreckliche» Regiment führen, wußten wir unsere« christlichen Glauben verheimlichen, »m dort bleibe« zu dürfen. Dazu aber mußte ich mich entschließen, da ich die reichen Hilfsquelle», die mir durch Gotte- Fügung zuteil geworden waren, dazu benutze« wollte, um nach Dir, o Ber^ard, und Odo zu forschen. Statt wunderte fich zwar in Antiochia, daß ich Emineh noch nicht geheiratet habe — ich konnte mich nicht entschließe», nach nmhawedauischer Sitte nochmal» festliche Hochzeit mit ihr zu halte« —, aber mau ließ vn» doch in Friede», weil «an glaubte, die Trauer um chren Sätet halte Emineh roch ab, zur Hochzett ihre Zustimmung zu geben.

„Sofort, nachdem ich Hamid'S umfangreiche» Geschäft übernommen hatte, dessen Han delSbe^ehungeu fich über olle mnh-unedanischen Länder avrdehute«, beauftragte ich überall vertrauenswürdige Männer,

katholische Ausprägung seines christlichen Gewissens auch besonders zur Sozialdemokratie prädisponiert fei, so wäre das nicht die Wahrheit, sondern da- Gegen­teil derselben."

Laufenberg hatte gesagt, die Sozialdemokratie verttag« fich mtt der Zugehörigkeit zur katho­lischen Kttche, jetzt erklärt der .Vorwärts', daß Leute, die noch kirchengläubig seien, überhaupt nicht das Zeug zu richtigen Genoffen habe« können. Und er beweist das mit folgender Aus­führung:

„Die Sozialdemokratie ist da» jüngste Kind jener Autonomie, jener Selbstherrschaft der freien, gefetz- mäßig denkenden Vernunft (»al nal), die in der Reformation ihren AuSgang nimmt und in der klassischen Philosophie ihre Fortsetzung findet. Zu diesem anti- autoritative» Prinzip steht der Katholizismus, der das Prinzip der geistigen Autorttät vertritt, in schärfstem Gegensätze . . . Der Sieg de» autonomen Denkprivzip» ist nur möglich durch die Ueberwindung des katholischen Glaubens- Prinzips."

Erst dann aber, wenn der Katholik aufgc« bört hat, auf feine Kirche zu hören, ist er be­fähigt, zu einem „prinzipienkiaren Genoffe«" erzogen zu werden! Man darf dem »Vorwärts' für diese offene Sprache dankbar fein und muß sich merken für alle Fälle, in denen die Genoffe« mit der trügerischen Behauptung, die Sozial­demokratie fri nicht religionsfeindltch, Haufieren gehen.

** Der jetzt dem Staatsministerium zur Be­ratung vorliegende Entwurf einer Reichlerb- sch astssteuer steht, wie der ,Berl. Lok. Anz.' mtt teilen kann, eine jährliche Entschädigung vor für diejenigen Bundesstaaten, die bereits Erb­schaftssteuern erheben und infolge der Einführung einer ReichSfieuer auf ihre Sondersteuer zu ver­zichten hätten. Der Ertrag der vorgeschlagenen meichrerm'4ü".?k::u;r, die «ach elsaß-lothringi­schen Muster ausgearbeitet ist tmo also auch die Erban fälle an Kinder kinbegreift, wird auf etwa 100 Millionen berechnet; von dustm Er­trag würden alljährlich die an die Bundes floaten zu zahlende Entschädigung — etwas über 20 Millionen — abzuziehen fein. Nur zwei Bundesstaaten würden leer ausgehen, die übrigen haben alle Erbschaftssteuern in mehr oder weniger ausgebildeter Form. — Die »Nord­deutsch« Allg. Zig.' bemerkt zu dieser Meldung, „daß die Reichs-Finanzreform bisher nur in vorläufigen Grundzügen erörtert ist und weder über di« Reform im ganzen noch über einzelne Steuerprojekte Beschlüsse gefaßt find." Das ist doch wohl kein eigentliche» Dementi. ES besagt nur, daß noch keine Beschlüffe gefaßt seien. DaS behauptet aber auch der .Berliner Lokal-An­zeiger' nicht.

** In der Zeit von 1892 bis 1903 find in ben westlichen Provinzen Preußens im ganzen 137 Berättderttttgen i« der Anzahl der Ge»ei«deeittheitett festgestellt worden, und zwar 100 bei dm Landgemeinden, 34 bei den Gutsbezirke» und 3 bei den Stadtgemeinden. Die Veränderungen führten zu einer Vermehrung der Gutsbezirke und Stadtgemeinden um 11 bezw. 8 und zu einer Verminderung der Land­gemeinden um 66, also um einen Gefamtver.

«ach Dir, Bernhard, und Odo Nachforschungen anzu­stellen. Alle Bemühungen schienen lange vergeblich, da erhielt ich kürzlich aus Aegypten Nachricht über Dich. Bei eisern rr Heu Emporkömmling wärest Du Sklave gewesen, aber vor einiger Zeit entflohen mtb nicht wieder aufgesunde» worden Noch den wetteren Nachforschungen meine» Gefchäftrfreunde» sollten Deine Spure« nach Palästina weises Auch mir schien e» im höchsten Grade wahrscheinlich,, daß Du Dich nach Palästina und zwar jedenfalls nach Jeru­salem gewandt habest. AlSbald sprengte ich '» Antiochia auS, daß ich beabsichtige, meine Pilgerfahrt zum Grabe der Propheten nach Mekka anzutreten, und so entging ich allem Verdacht, als ich mich auf den Weg machte, vm über DamaikuS nachJerufalem zu eile», wo ich seiest nach Dir, wein Bruder, Nachfrage halten wollte. Gott Hot eS gnädig so gefügt, daß di hier bereit? Dich tr-ffe. Ihm dartte ich dafür aus voller Seele 1"

„Auch mein Herz ist von heißem Dank erfüllt kür Gottes überreiche Grade, die wich hier so unver­hofft Dich, meinen teuren Bruder finden ließ!" rief Bernbard, tesem er Konrad abermals umarmte.

Auch Ismail und Maris waren tief gerührt und beglückwünschten die Brüder zu ihrem frohe« Weder­sehen. Kvnred aber war jetzt auch begierig, vor Schicksal Bernhard- z« erfahren, und dieser erzählte daher nvn auch, w'e er mit Maria und dem Scheck der Wahidieh zusammen auf diese Straße gesüh. r worden. So erfuhr Konrad auch die Geschichte der Jungfrau aus Jerusalem und ihre» Begleiter» urö Schülers Ismail.

Von einiger A«te!lm.hme für fie erfüllt, fegte Konrad: „Mögen die Antiochener mich immerhin auf der Pilgerfahrt noch Metka wähnen! Wir aber «ollem insgesamt owkehren und sack meinen Gütern am Libauon ziehe«. Dort findest Du, mein edler JSmaL eine gteiflatt, in der Du vollkommen gesichert mp und ohne olle Sorge Dich auf da» heilige ®afcwuÄ