MaerM Zeitung
wochmdella«-..IllustrierteSomitaarzeituna momtsMiagti „Klldaer SeschichMMer".
w-chmdÄ--«,„Illustrierte Soimtagrreitung"
32. Jahrgang.
Fulda, Montag, den 1. Mai 1905,
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Druck und Verla- I Kulba-rSctiendruek« in Lnlda (harmon- Fernsprecher M.»
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Mit de« 1. Mui
beginnt ein
zweimonatlicher Bezug
(Mai und Juni)
auf die täglich erscheinende »Fuldaer Zeitung' mit der Wocheubeilage: »Illustrierte SonntagSzeimng'.
Preis für die beide« M»«ate
Goll sich nun niemand dieser armen „Waisen der Natur" annehmen? Goll man fie den harten Kampf itm daS tägliche Brot allein kämpfen, ste dabet häufig untergehen laffen? voll ruhig zugesehen werden, wie daS Samenkorn der katholischen Religion, daS in das Herz des taubstummen Kindes in der Schule gesät, allmählich verdorrt wegen Mangel an wettet« religiöser Fürsorge? Sollen die katholischen Kinder, die an nichtkatholischen Anstalten der Mark Brandenburg und PommeruS keinen katho« lischen Religionsunterricht erhalten, der katholische« Kirche verloren gehen?
Nein und abermals nein!
Soll aber in der Delegatur (Mark Brandenburg und Pommern) in leiblicher und geistiger Beziehung für die katholischen Taubstummen in wirksamer Weise gesorgt werden, so ist in Berlin eine Zentralstelle — ei« Tauustummenheim nebst Kapelle - - unbedingt notwendig
DaS hat auch Se. Eminenz der Hochwürdigste Herr Fürstbischof in BreSlau, Georg Kardinal Kopp, anerkannt.
Ist eine solche Zentralstelle geschaffen, so kann eher der leiblichen Not der Aermfien, die uns in verschiedenen Gestalten entgegentritt, gesteuert «erden; dann werden auch die vernachläsfizten taubstummen Kinder eine gründliche religiöse Erziehung genießen können; dann kann auch ein regelmäßiger Gottesdienst — hl. Meffe mit einer ben Taubstummen verständlichen Predigt eingerichtet werden. Denn diese Armen bedürfen mehr noch als andere der Tröstungen der hl. Religion, um gegen die zahllosen Gefahren für Glauben und Sitte geschützt und gestärkt zu werden.
Jahrelang wird schon zu diesem Zwecke ge« sammelt, und doch st noch nicht einmal zum Ankauf eines Grundstücks das nötige Geld vorhanden.
Christliche Liebe! Blicke noch einmal dem bleichen stummen Kinde in daS trauernde Auge! — Ünd wenn ei nun dein Kind wäre, dein einziges liebes Kind vielleicht! — Und eS ist dein Kind — Kind desselben guten SotteS, den auch deine Kinder Vater nennen, Bruder und Schwester deS liebreichen JrsukiudleinS, 'das auch du Bruder und Freund nennst! Um deS JesukiudleinS willen, daS auch den Taubstummen ein Erlöser geworden, erbarme dich ihrer, erbarme .dich der taubstummen Kinder!Z
Möchten doch alle, die diese Zeilen lesen, jenen armen Schuster nachahmen, der da sagte: „Mir hat der liebe Gott alle Sinne gegeben, und ich hÄ>e auch gesunde Kinder — deshalb gebe ich auch sehr gern etwas für die Taubstummen!" — Sehe hi« und tue desgleichen.
Anmerkung. Bettelbriefe werden nicht verschickt. Wer etwas näheres über die Taub, stummen zu reiften wünscht, der mache einen Vermerk auf dem Postanweisungsabschnitt, und spätestens im nächsten Jahre folgt eine illustrierte Broschüre gratis und franko.
Das Heim nebst der Kapelle wird der Ehre des hl. Geistes geweiht werden.
Auch die geringste milde Gabe nimmt gern dankend entgegen der Taubstummen-Seelforger Pater Aegidius Wallerand (Dominikaner), Berlin NW. 21, Turmstraße 44. ______
Sonntagsmorgen!
Ein Bild aus dem Leben.
Von den Kirchtürmen rufen die Glocken zum Hochamte. Da eilen fie hin, Frauen, Kinder, Männer, Gesunde und Schwache, Frohe und die, welche ein stilles Leid drückt. Drinnen in den hohen, heiligen Hallen, unter dem Jubelgesange der gläubigen Menge, in der Nähe ihres euchari« fiischen Gottes, vergessen fie ihren Kummer, und der Priester spricht ihnen im Namen des Herrn Trost und Mut zu. Wie viel leichter tragen sie nun ihre Bürde.
Unter der Menge steht eine Mutter, an der Seite ihr Kind. Sie hat dem Kleinen die Händchen gefaltet und es mit der Hand zum Hochaltäre gewiesen. Starr schaut das Kind zum Altäre; es folgt mit den Blicken jeder Bewegung des Priesters. Es schaut — und es schaut so fremd, so verwundert auf das BUd vor seinen Augen, auf die flackernden Kerzen, auf die bunten Blumen, auf den Dornengekrönten, der blutüberströmt am Kreuze hängt — auf die holdselige Frau mit dem lächelnden Kinde im Arme, das ihm zuzuwinken scheint — ach, so fremd schaut es, als kenne es Muller und Lohn nimmer. Und dann wendet es den großen, fragenden Blick zur Mutter, als wollte es sie fragen — aber seine Lippen bleiben stumm, und nur tieftraurig und sehnend schaut es ihr in das Auge. Und die Mutter lächelt ihrem Lieblinge zu, aber es ist ein schmerzliches Lächeln — ach, so weh tut ihr der Blick ihres Kindes, und sie wendet sanft dks Kleinen Köpfchen wieder dem Hochaltäre zu und faltet seine schwachen Händchen.
Und nun ist es still geworden.
Der Priester hat das feierliche Gewand abgelegt und tritt auf die Kanzel. Von seinen Lippen strömen Worte deS Lebens, des Trostes und der Ermutigung. Unverwandt hängen die Blicke der Gläubigen an feinem Munde; regungslos folgen sie seinen Worten.
Das Kind ist dem Priester mit den Blicken gefolgt. Lange hat ei ih« angeschaut, so ftemd,
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vie Musik der Elemente.
Die Natur ist voll von Klängen und Tönen; wie ein geheimes Orchester liegen in den einzelnen Elementen die Melodien verborgen, die daS Ohr des Musikers in ihnen erlauscht und zu reinen Gesängen gestaltet. Wohl hören wir gewöhnlich in dem Singen der Flamme, dem fließenden Wohllaut des WafterS, dem majestätischen Brausen des WindeS nur Geräusche, die ron de» Kompositionen, di« wir im Konzertsaal hören, weit obliege«. Aber in ihnen schlummert schon der Rhythmus und die Klangfarbe, auSder die schönen Forme« einer Symphonie geboren werden. Von solcher Musik, die auS der Luft, Erde und Wasser ertönt, spricht J.F. Rowbo- th am im „Strand Magazine". Die sagenden gehauchten Klänge, die der Windhauch auf seinen Schwingen trügt, hoben die Maluyen aufge« fangen auf eine Weise, die mit dem System un« fern AeolSharfe sich berührt. Die suchen sich nämlich ein Feld junger BambuSstämme aus, daS auf einem freien, vom Wind durchwehten Platz liegt,und bohren Löcher durch die Stämme, so daß der Wind bald mit leisem Hauch hin- durchfährt, bald in einem harmonischen Getön üb« daS Feld braust und so ein fortwährendes Orchester wechselnder Melodien erklingen läßt.
Auch bei unS war in den Zeiten der Romantik, da man den geheime» Lauten der Natur nachhorchte, der süße Klageton der AeolSharfe eine leise Begleitung der unter Trauerweiden eintönig schwärmenden Seelen und Jea» Paul hat vor allem weihevolle, tönende musikalische, Wasserwerke und vom Wind durchwühlte Gai- tenspiele in ben künstlichen Waldtälern ‘feinet Sehnsucht geschildert. Auch der grandiose und mächtige Gesang der Elemente, d« die großen Schauspiele der Natur, den Orkan, das Gewitter begleitet, hat in seinem mächtig anschwellende« Fortissimo, feine« bald schrill gellende«, bald dumpf dröhnenden Akkorden eine musikalische Wirkurg, deren wir uns freilich in der Form einet Beethooenschen Pastorale ganz bewußt werden. Auch die Erde hat eine innewohnende Musik. Was für ei« fein«, gebrechlicher und zart durchdringender Ton tönt nicht auS einem sein geschliffenen Glase; wie ein Helles Stimmchen klingt es, wenn man an gutes Porzellan klopft. Die Meister in der Kunst des Porzellan-, die Chinesen, haben auch die musikalische Verwertung gewiffer feiner Arte« von Erde und Steinen allein ausgebildet. Sie nehmen besonders feine Erde und reinigen fie noch durch Waschen in verschiedenen Wassern, bis die Erde schließlich die Form eines flüssigen Schlammes hat. Dann wird dieser Schlamm auf zwei Ei«, ein Gänse- und ein Hühnerei, aufgetragen, bis der Schlamm sich auf der Eischale festgesetzt hat. Ist der Schlamm hart geworden, dann wird das Ei zerbrochen und herausgenommen, und es bleibt nur noch die Tiform in der Erde zurück. Die Oeff- nung wird dann für den Mund «weitert und fünf Löcher, drei vom und zwei hinten, in die Erde gebohrt. Dan« ist das Blasinstrument fertig, dem die Chinese« die 5 Töne ihrer Tonleiter entlocken, uxd daraus entsteht jene „Musik der Erde", deren „harmonische Klänge die Ohren d« Mädchen umschmeicheln und süß« tönen als der Gesang der Nachtigall."
Sine primitivere Form der Erzeugung von Tönen auS Erde ist die, daß man runde G e ■ äße mit Erde füllt und ste wie Trommeln an. chtägt, sodaß ein dumpfer zitteriger Ton ent. teht. Doch kennen die Söhne des himmlischen Reiches auch „musikalische Steine", die sie ans d« Erde aukgraben und aus denen ste große Instrumente und Orgel« v«f«tigm. Ein
solches Instrument, wenn es von einem geschickten Musiker gespielt wird, hat einen sehr schönen vollen Ton. Die Steine werde« an ganz bestimmten Stellen, hauptsächlich an den Ufer« des FluffeS Ya, gesammelt und mit großer Sorg- falt ausgewählt. Indem man ei« kleines Stück abschlägt oder sonst eine Veränderung vomimmt, weiß man den Ton deS Steines zu variieren. Gewöhnlich find e8 schmucklos viereckige Steine von allen Farben; bei schönen Instrumenten find sie aber auch zu phantastischen Gebilden umgestaltet, zu Herzen, Fischen. Glocken, Gefichtern re. Die Steine hängen an^langen Gerüsten, jeder Stei« repräsentiert einen Ton bet Tonleiter. Der Spielende schreitet mit einem kleinen Hammer entlang und schlägt ben Stein an, der den zur Melodie notwendigen Ton hervorbringt. Auch das Waffer hat seine Melodien und Gesänge. Das eintönige Rauschen eines Gebirgsbaches, das zärtliche Flüstern kleiner Wellen, die majestätische Donnerstimme des Me«es, sie alle haben ihre musikalische Schönheit. Auch das Fallen d« Regentropfen, das Brausen und Gurgeln der Wafter- sälle hat seinen Rhythmus und seinen Takt. Diese vielfachen Töne hat man nun auch in künstlichen Instrumenten auffangen wollen So haben einige Jndianerstämme Nordamerikas Wasser- trommeln erfunden, durch die sie klatschende Töne zu erzeugen vermochten. Wie das Spritzen und Klatschen des WafterS, so entzückt auch daS Brausen und Zischen des Waft«falles das Ohr des Naturmenschen. Go haben ste auch Instrumente erfunden, die aus zwei Gchalen bestehen, von denen die eine daS Wasser in die andere strömen läßt, worauf d« Strom sich roieb« in bie erste ergießt. Das gleichmäßige ruhevolle Fließen unb Plätschern solch' einer KaSkabe hat C. F. Meyer in einem berühmten Gedichte beschrieben. Nichts ist wohllautenber als bas gleichmäßige Fallen eines Waft«flrahles. Das haben schon bie alten Griechen gewußt, als ste in bem gleichmäßigen Tropfensalle bet Wasseruhr bie Stunden verträumten. Auch von einem Spiele wirb berichtet, burch bas die alten Griechen sich am Klange der fallenben Wasser ergötzten. In bet Mitte eines Saales stanb ein SBaftetbaffkt unb in bieses ergoß jeber Mitspielenbe sein mit Wasser gefülltes Gefäß. Es war eine viel geübte Geschicklichkeit, in möglichst rnnbem Bogen unb sanftem Fall ben Strahl sich ergießen zu lassen, unb es best nb ein edler Wettstreit, wessen Gesäß im schönsten Schwünge unb mit bem süßesten Gesänge sich in bas Bassin ergossen habe. Noch heute bewunbern wir bie Kunst des „einschenken- bett Satyrs" auf antiken Plastiken, bet solch' ein Kunststück mit höchster Grazie ausführte.
(:) AlkoholiSmnS in Berlin. Nicht weniger a(8 208 Kranke wurden wegen EänferwahnsinnS im letzten Jahr« im städtischen Krankenhause Friedrichshain in Berlin ausgenommen. Der ärztliche Direktor knüpft in seinem BerwaltungSbericht hieran folgende Bemerkungen: „Diese Zahle» find eigentlich noch viel zu gering, da Eänferwahnstnn fich noch im Anschluß an zahlreiche andere Krankheiten als Komplikationen entwickelte. I« grradez« erschreckender Weise tritt bei dem Material deS KrankinhauseS in Friedrichshain zutage, in wie enormer Weise der Alkoholmißbrauch in der Arbeiter- bevölkerung von Berlin leider verbreitet ist und wie schwerwiegende Echäden für Leben und Gesundheit er mit fich bringt. Ich geh- kaum fehl, wen» ich annehm«, daß bei den Männern ein Biertel b« ein Drittel aller Krankheiten durch übermäßigen Alkoholgenuß (SchnapS) und sein- Folzr-Erscheinungen hervor,«rufen ist T-ilS find -S Erkrankungen der «eber, teils der Niere», teils deS Herzens und der Gefäße, teils des Nerven- und MuSkelapparateS, die durch den Alkohol bewirtt werde» und die Leben, »efundheit und ArdeitSfähtgkett eines große» TtileS unserer arbeitende» Klaffe frühzestig schädigen respektio vernichten."
* Gedankensplitter eines lachenden Philosophen. Die Oberfläche der Erde dreht fich bckanntlich in bet Sekunde mit einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern um ihre Achse. Darau» folgt, daß man jedesmal sechs bi» acht Meile» barhäuptig läuft, wen« zur Begrüßung eines Bekannte» den Hut zieht, dabei wundert man fich, daß so viele Leute Schnupfen kriegen!
* Bor bem Balle. Frau (zum Manu): „Du kannst doch eine rechte Freude haben an Deine« vier Töchter» — eine hübscher wie die andere!" — Manu (verdrießlich): ,0 ja, aber auch eine ledig« al» bie andere!"
so unverständlich. Unb bann hat es zur Mutter aufgeblickt; aber bet Mutter Auge hat bem Liebling nicht geantwortet. Ihr Blick wat gebannt; er hing an bem Redner, der dort oben stand, unb ihr Antlitz wat so leuchtend, so freudig, so glücklich.
D« Kleine starrt unb sucht ben Zusammen- bang, unb fein großes träumendes Auge wandert fragend von bem Rebnet zur Mutter unb von bet Mutter roiebet zu bem Priester bort im weißen Sewanbe.
Die Predigt ist zu Ende. Die Gläubige« verlassen allmählich daS Gotteshaus; nur eine kleine Schar kniet noch vor bem Muttergottes- alter in tiefer Andacht. Dorthin lenkt bie Mutt« mit bem Kinde ihre Schritte. Auch fie möchte noch bie Muttergottes mit bem Jesuskinde begrüße«. Lange ruhe« ihre Blicke auf bet lieblichen Gruppe, halb schaut fie das Kind an, bald die Mutter. Da auf einmal wird ihr Blick so traurig; übet ihre GestchtSzüge zieht ei« unsagbar tiefes Weh; ein Gedanke macht fie erbeben; fie fällt auf die Kniee und läßt de« Tränen freien Lauf. —
Arme Mutt«! Warum so traurig? Bist du denn nicht auch Mutter? Hast den« du nicht auch ein Kind? Ab« ach! ben süßen Mutternamen hat sie von ihrem Kinde «och nicht vernommen: eS ist — taubstumm . . .
Fürwahr, atme Mutter! Arme» taub» stummes Kind!
Liebet Lefer! Hast du schon einmal einem solchen Kinde in das fragende Auge geschaut? Hast du in diesem stummen, tieftraurigen Blick >aS Sehne« feiner schuldlose« Seele gelesen? Hast du daS bange, bittende Flehen verstanden, das dieser stumme Blick an dich richtete? — „Sage mir, ach, sage mir —", so steht es geschrieben in ben fragenden Kinderaugen, die »ich so träumerisch, so seltsam, so unverstanden anschauen.
Du armes Kind! Und kann dir denn niemand Antwort geben? Sollst du den« nie wissen, war Menschenseele« so hoch «hebt? Und soll eS dir immerdar verborgen bleiben, was jenes Kind auf den Arme« d« Mutter bedeuten soll, und was jener am Kreuze für dich getan, und was deiner einst harrt, wenn deiner unschuldigen Seele fich die Pforten des ewige« Lebens öffnen?
Christliche CharitaS! Dir gebe ich dieses Kind! Kannst du eS von dir weifen? Kannst du dein Ange diesem stummen, wehmütigen Blicke verschließen? Kannst bu ungerührt an dies« hungernde« Seele votübergeheu? — O siehe, fie möchte ihre Feffeln sprengen, auch fie möchte hinauStufen in bie wunderbare Gottes- schöpfung, möchte miteinftimmen in ben Jubel der Werke SotteS, möchte verstehen, begreifen, erfasse«, warum alles um fie her so glücklich unb freudig ist; auch fie möchte ihn kenne«, ben große«, gütigen Batet im Himmel, der alles geschaffen hat, zu Dem alles hinstrebt, möchte ihn auch anbeten, lieben, loben unb preisen.
Dir, lieber Leser, gab bet gütige Sott alle Sinne. Bon frühester Kinbheit an lauschtest du bem Mutterworte, das bir vom Batet im Himmel erzählte, unb auf der Mutter Schoß stammeltest bu bei« erstes k übliches Gebet. Der Mutter Stimme brang als erste, wunderbare Offenbarung in deine verlangende Seele, und deine eigene schwache Stimme war der erste lallende Gruß, ben bu beinern Schöpfet botest. So standest bu bestänbig mit ihm in seligem Austausch der Siebe. Weißt bu zu schätzen, was dir geschenkt worben? Hast du je ben herrlichen Gnadenvorzug begriffen, ben bu empfangen? Hast bu je baran gedacht, wie glücklich du vor tausenden deiner armen Mitbrüder bist? —
Lies in bem stummen Blick jener Atmen, benen Gehör unb Sprache versagt ist, deine Bevorzugung, dein Glück unb vielleicht — deinen Undank! Hast bu dem Batet im Himmel je für diese Gaben gedankt? Hast bu fie nicht gar mißbraucht? — Vielleicht steigt es jetzt in Deiner Seele auf wie ein Vorwurf ob unerkannter Gnade« unb Vorzüge — wie tiefes Mitleid mit de« Armen, denen Sott die Herr- lichen Gaben der Sinne versagt hat.
O, dann komme, mache eS gut a« unS, den atmen Tauben und Stummen. Hilf uns, damit auch wir glücklich ««ben wie bu! Gerne möchten wir bir selber sagen, aber ach, wir können eS nicht, wir heben unsere Hände und flehen. Ach, hilf uns, daS Glück finden. Wir fühle« u«S so ftemd, so einsam unter ben glücklichen Menschen. Dunkel ist es in unser« Seele. Ein banges Geheimnis ist unS bie Wett, ein ungelöstes Rätsel, eine unbeantwortete Frage.
Taub und stumm, fürwahr ein großes Mißgeschick ! Nun gibt es in Berlin zirka 400 erwachsene katholische Taubstumme, bie auS allen Gegenden Deutschlands hierhergekomme« sind.