32. Jahrgang.
Fulda, Mittwoch, ben 26. April 1905.
M «4
Deuffdies Reich.
b«? 25. AprU 1905.
§ Der vorläufige Abschluß für die Reichs ei«»»hmeu im RechuuugSjahre 1904 liegt, soweit Zölle, Verbrauchssteuern und Stempelabgabe« tu Betracht kommen, nunmehr vor, während die Angaben über dis Einnahmen der ReichSpofiverwaltuvg und der Reichschen- bahnverwaltung noch fehlen. Wie vorauSzusehrn war, haben die Zölle sowie die meisten Verbrauchsabgaben den Voranschlag nicht erreicht. Der Ausfall beträgt bei den Zölle« nicht weniger als 24*71 Millionen Mark, wöhrend die Der« brauchssteuern infolge des stark«« UeberschuffeS der Zuckersteuereinnahmen de« Etatsanschlag um 91/, Mill. Mk. überschreiten. Zölle und Brr- brauchssteuern zusammen hatten also eine« Miaderertrag gegenüber dem Etatssoll vo« 15 Millionen Mark. Die Einnahmen aus den Stempelabgaben liegen um rund 4 Mill. Mark über dem Voranschlag, weil die Börkensteuer einen Urberschaß von nah;,", u Mill. Mk. und die Wechselstempelsteuer einen solchen um über l*/i Mill. Mk. ergeben hat, während der Stempel auS den Lotterielosen eine« Ausfall von 8'/.
gründet hinstelle« lasten. Man hat doch mancherlei Beispiel ungehöriger polnischer Agitation oder Wirksamkeit durch Geistliche.
Trotz alledem müssen wir indeß den deutschen katholischen Vereinen (eigentlich nennen fir fich deutsch-katholisch, was einen sehr bedenklichen Beigeschmack hat und sehr unerfreuliche Erinnerungen weck) und ihrem Verbände unsere S,m. pathie versage«. Wir wolle« nicht bestreite«, daß manche aufrichtige Katholiken i« bestem Glauben daran beteiligt sein mögen, aber im allgemeinen find diese Vereine offenbar auf einem Irrwege. Schon das allein muß die lebhafteste» Bedenken erregen, daß ste von der hakatistischen Preffe mit so auffallendem Eifer in Schutz ge. nommen werden. Den meisten Hskatisten, zumal ihren Wortführern, liegt doch an den kirchlichen Jntereffen der deutschen Katholiken nicht dc-s mindeste. Sie betrachten diese nur alS Hilfs- truppen in dem ungerechten K .mpse gegen das Polentum und 618 Deckmantel für ihre katholtken- feindliche« Pläne.
Die Hakatisten gehen fichtlich auch in erster Linie darauf auS, die deutschen Katholiken gegen die bischöfliche Behörde zu verhetze«. Leider scheint der Verband der „deutsch- katholischen- Vereine ohnehin schon reichliches zu leisten in Angriffen aus die kirchlichen B-hörden und Untergrabung ihrer Autorität, Soweit wir wenigstens die Sache zu übersehen vermögen, wird nicht an letzter Stelle der Eibisches von Posen angegriffen a!S derjenige, der das Groß- polentum begünstigt und die deutschen Katholiken sernachläkfige und schäbige. Erzbischof Dr. von StablewSki ist ein viel zu gewissenhafter Oberhirt, als daß ihm nicht in gleicher Weise das Seelenheil aller seiner D.özesanen am Herzen liegen sollte.
aSSÄN*. modKtMag«„IllustrierteSomüagyeitung'
0 Deutsche und polnische UathoMen im Osten.
In der „Ostmark" ist bekanntlich vor kurzem ein Verband der deutschen katholische« Vereine gegründet worden. Diese Vereine mache« fich statutenmäßig u. a. „die Wahrnehmung der kirchlichen Interessen der deutschen Katholiken" zur Aufgabe. An und für fich vermögen wir katholischen Laien das Recht, auch zu solchem Zweck fich zusammenzulun, nicht grundsätzlich abzusprechen. Gewiß ist es Aufgabe der ktrch. ltchen Obrigkeit, also vor allem des Bischofes, für die kirchlichen Interessen seiner Diözesane« zu sorgen, aber es ist nicht abzusehen, warum Laien ihn darin nicht sollten unterstützen dürfen. Wenn sie in Gegenden mit so schwierigen Verhältnissen, wie wir fie i« den polnischen Landesteilen haben, die kirchliche Behörde auf Mängel in der Seelsorge für die deutschen Katholiken aufmerksam machen, wenn fi- Wünsche äußern wegen Vermehrur-g der deutschen Predigten und Gottesdienste, wenn fie Vorstellungen erheben gegen die Verdrängung der deutsche« Sprache aus der Kirche zu Gunsten der polnischen, so vermögen wir darin an und für fich keinen unzulässigen Eingriff in die Rechte des Bischofs zu erblicken.
Am allerwenigsten steht es den großpo nischen Agitatoren und Heißspornen zu, darüber Zeter und Mordio zu schreien und von Feindseligkeiten gegen den Oberhirten zu reden. Sehen wir doch, wie die Polen es fast überall in deutschen Gegenden machen, in die fir eben erst eingewandert find. Sofort beginnt die Agitation für die Errichtung polnischer Gottesdienste; in tumultuarischer und herausfordernder Weise werden Geistliche und Bischöfe bestürmt, ihr«« Wünschen zu willfahren. Erheben diese aber Schwierigkeiten, so droht man mit der Beschwerde in Rom und erhebt diese auch in der Tat. Bischöfe, die Bedenken trage« oder fich außer stände sehen, polnische Predigten und Gottesdienste, wie fie verlangt werden, einzurichten, werden in der gröbsten und rückstchts- loseste« Weise geschmäht. Sogar polnische Geistliche beteiligen fich an ben Angriffen. Wir ervmern nur an die polnische« Frechheiten, mit denen der Bischof von Paderborn bedacht wurde. Dabei verstehen die in deutsche Ständen ein- gewanderten Polen zumeist ausreichend deutsch, besser gewöhnlich, als die deutschen Katholiken in den polnischen Landesteilen polnisch verstehen. Den Agitatoren ist es im letzten Grunde auch »eist gar nicht um daS kirchliche und religiöse Interesse der Polen zu tun, sondern nur um national-polnische Zwecke. Auf der anderen Seite werden fich aber auch die Klagen deutscher Katholiken in polnischen Gegenden über die Zurückdrängung ihrer Sprache durch einzelne polnische Geistliche nicht einfachhin als unbe-
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KernnNvoeKcher
Mill. Mk. zeigt. Wenn die Post und die Eisen- bühn ben zu erwartenden Urberschuß ergebe«, so wird dir Summe sämtlicher Reichseinnahmrn ungefähr de« Etatsanschlag erreichen.
(♦) «ns schwarzen Gefilde«. Unter dieser Sp'.tzmarke veröffentlicht die Dortmunder sozialdemokratische »Arbeiterztg/ (18. April) nach der Magdeburger Volksst/, der ,Ulmet Ztg/ (17. April) u. a. Bl. eine« Artikel über das in der kirchenkeindlichen Preffe beliebte Thema: „politische Tätigkeit katholischer Geistlichen". Danach soll der katholische Pfarrer Wieland von Gundheimbri Worms gelegentlich der Gemeinderats- sowie brr Reichs- unb Landtagswahlen von der Kanzel herab seinen „Gemeinde- Mitgliedern" als Pflicht auferlegt haben, nicht nur für den Zentrumskundidaten zu stimmen, sonder« ihren ganzen Einfluß aufzubieten, damit der Zenl^umskanLidat als Sieger heroorgehe. Denjenigen, die biiftr Pflicht nicht Nachkomme«, soll mt Verweigerung des hl. Abendmahls, der Sterbesakramente, der Ab- so lut io« usw. gedroht worden sein. Einer totkrsnken Frau soll der Pfarrer die Spendung dec Sakramente verweigert habe«, weil idr Mann für ben liberalen Kandidaten stimmte (!!). Einem AuSträzer der »Wormser VolkSztg.' soll er mit Verweig.rung der Absolution usw. für sich unb für seine Angehörigen gebroht haben, wenn er weiter sür die genannte Zeitung tätig fei! Am Tage einer G-meinderatSwahl soll der Pfarrer ben Versuch gemacht haben, ihm genehme Wähler zur Wahlurne zu schleppen, und eine« alten kränklichen Mann, den eine Angehörigen „zur eignen Sicherheit" einge« schloffen hatten, aus dem Fenster zu zerrm. Es sollen auch viele Katholiken Gundheims fich an feen Bischof von Mainz gewandt und mit ihrem Austritt aus der katholischen Kirche gedroht haben, wen« der Pfarrer nicht bald versetzt werde. — Hierzu schreibt Herr Pfarrer Wieland der Zentral Auskunftstelle: Ich erkläre mit aller Entschiedenheit, daß alles, was mir hier sorge- morsen witb, eitel Sch»indel unb Ver- leumbung ist.
♦ Die Grundsteinlegung der katholische« Kirche in Kalkberge- RüderS- borf bei Berlin fanb unter ganz außerorbent- kicher Beteiligung seitens ber Festgemeinde wie der Katholiken Sroßberlins und der Mark am gestrigen zweiten Osterfeiertage statt.
(•) Demnächst wird im Kulturministerium eine Sitzung stattfinden zur Beratung gründ- legender Bestimm«« ge« für die Gt«de«te«- ««-fchüsfe an ben deutschen Universitäten unb Hochschule«. An dieser Sitzung werde«, wie bte .Post' berichtet, sämtliche Rektoren dieser Anstalten in Preußen teilnehmen. Die Satzungen werden der Bildung von Studentenausschüssen bestimmte Vorschriften sitzen unb ferner Bestimmungen enthalten über die Beteiligung der Studierenden an kirchlichen und politischen Fragen, denen ste in Zukunft ganz fern bleiben sollen. Die im Ministerium festgestellten Satzungen für den Ausschuß sollen für die Studentenschast maßgebend sein und etwaige Aenderungen lokaler Natur in Zukunst nur vom Ministerium ge
nehmigt werden. Anscheinend wird eS weg« dieser Frage noch manche unliebsame Rtmpfe zwischen Studenten und Profefforen einerseW und dem Kultusministerium andererseits gebe«.
% SS war jüngst von einem Besuch die Rede, ben Vertreter der Londoner K<rufm«»«S- fchaft in Berlin machen sollten. Dieser Besuch würbe dann abgesagt, was in einzeln«» Blätter Englands auf politische Beweggründe zurückgeführt wurde. Der Sekretär beS brüifehe« Komitees für baS Studium fremblänbifcher Kommunaleinrichtungen, bas Pfingsten Berlin besucht, erklärt nun in einer Zuschrift an die Morning Post', lediglich deshalb unterbleibe fk dieses Jahr der geplante Besuch der britische» kommerziellen Abordnung der Londoner Internationalen Affociation in Berlin, weil eine Anzahl Mitglieder seines Komitees zugleich Mitglieder der Londoner Internationalen Affociation seien und weil er unangenehm erschiene« fsi, zwei gleichartige Besuche in Berlin kurz hint«- etnander zu machen.
% Welchen Ausweg die französische Regierung auS der Sackgasse finden wird, in die fie mit der marokknnifche« Frage geraten ist, läßt fich noch nicht erkenne«. Von deutscher Seite wird ihr die Berufung einer Konferenz empfohlen, ae der dir Signatarmächte der Madrider Konferenz von 1880 teilzunehmen hätten. So schreibt die ,Nordb. Allg. Ztg/: „Mtnisteiprästdrnt Rouvier hat «ach ausführlichen Berichten in seiner Rede u. a. die Bemerkung fallen lassen: „Man macht unS ben Vorwurf, nach dem Abschlüsse des Abkommens mit England dieses Abkommen Deutschland nicht mitgetetlt zu haben- Man müßte sagen: den anderen Mächten, denn von diese» Abkommen wurde keiner Macht Kenntnis gegeben." Diese Bemerkung liegt dem Gedanke« nahe, daß es vielleicht vorsichtiger gewesen wäre, die Signatarmächte der MadriderMarokko-Konoentstm vo« 1880 übet das sie berührende Abkommm mit England in Kenntnis zu setze« uns auf diese Art zwischen den Signatarmächten einen Meimmgs« arStausch anzuregrn, der in mancher Beziehn«, dir jetzt vermißte Klärung der Lage schcm damals hätte bringen könne«. Inzwischen nehm« die Vorbereitungen für die Reise der n*tec Führung des Grafen Taitenbach stehenden Gesandtschaft nach Fez ihren Fortgang." Dir ,Südd. Reichskorr.' läßt sich offiziös aus Berlin schreiben: „Es «tag nochmals erklärt fei«, daß unser Vorgehen in Marokko keiner fremd« Genehmigung bedarf, weil eS fich nirgends mit dem anerkannten Völkerrechte, weder mit dessen allgemeinen Regel», noch mit ben besonder« auf Marokko bezügliche« Abmachungen in Widerspruch setzt. Unmittelbare Verhandlungen mit der marokkanischenRegierung,Sondergesandtschaft«an ben Hof des Sultans, Regelung "der Beziehung« zum scherifischen Reiche als zu einem unabhängig« Laube, selbstänbige Wahrnehmung ber eigen« Interessen, — bie8 alles ist in Marokko rechten-, ist ber auch in ben» englisch-französischen Abkommen anerkannte statu» qao. Mit naivem Erstaunen schreibt bet »GauloiS* zur Reife deS Grafen v. Tattenbach nach Fez, offenbar beab- fichtigt Kaiser Wilhelm direkte Beziehungen znm
Maer M Zeitung
Msnatrbeüager „HMtM EeschiHEMMer".
Aus geheUigtem Soden.
Erzählung ton Heinrich Ernst.
13 ------ (Nachdruck verboten.)
„Richt doch!" unterbrach ihn hier Maria. Jfct starb nicht für Dich, sonder« für seine« göttliche« Erlöser, zu dem er standhaft fich bekannte, obwohl ihm der Motsallam dar Lebe« schenke« wollte, wen« er zum Islam übergehe."
Ismail antwortete nicht, feem» er fühlte, wir diese Erklär««» ihn ganz verwirrte. Bei seiner Bekehrung und Dankbarkeit sür de» greise« Ehriste» empfand et den tiefste« Abscheu und Zorn üoer die Grausamkeit deS Motsallam — und doch, bewies dieser nicht durch ferne Handlungsweise, daß et ein eifriger Anhänger d-s Propheten sei? Verlangte dieser denn nicht die Bckehrung der Ungläubigen durch da» Schwert? Ismail fühlte, wie er innerlich mehr und mehr den Lehren des Koran entfremdet wurde, und er ward dadurch beunruhigt und vo« Schmerz erfüllt.
Bernhard ergriff, erschüttert über das traurige So» der Jungfrau, schweigend ihre Hand und drückte fie herzlich, da«« aber drängte er zum Aufbruch.
Die Flüchtige« folgten ihm, dem Lause de« Bächleins entlang, zum Grunde de« Tale», wo ste, hinter einer Gruppe hoher Lorbeersträucher versteckt, die Be- gletter Bernhard» sanden. Gerührt sanken fich Ismail und 6dim in die Arme, unb dann wechselten die Frage« »ach dem Later, der Mutier »nd «Schwester, »ach den Schicksalen Ismail« ta Jerusalem, und die Brüder hätte» wohl de» Erzählens kein Ende gefunten, wenn nicht Bernhard wieder gemahnt hätte, keine Zeit zu verlieren.
Ismail hätte laut jubeln mögen, al» et fich wieder mit dem Schwerte ««gürtete, als et sein feurige» Roß wieder bestieg und Selim ihm die Lanze zuretchte.
Jetzt war et wieder ein freier Mann, er fühlte Me alte Kraft in {einen Armen Wiederkehr e«, ben alten Heldengeist unb Kampfmut ta der Brust erwachen. Sei» tte«e»Pferb stampfte mit ben Huse» ben Bode», so mutig unb froh, al» wen« e» seinem Herr» beweise« wollte, wie glücklich es sei, ben jungen Heide» wieder tragen zu dürfen.
Unterdessen hatte auch Maria mtt Bernhard» Hilfe da» Pferd bestiege«, welche» für fie mi genommen unb gesattelt war, einen sanften aber flinken Zelter, ba» Veste Tier dieser Art, da» Achmed besaß
Al» alle ihre schnellfüßigen Renner bestiege« hatten, flohen fie mit Windeseile ihrem Ziele z«, fort an» dem Bereiche der Seldschucken, die über Stadt und Land und ihre Bewohner soviel UnheU gebracht hatten.
Selim ritt weit voran» und bildete gewissermaßen die Borhut der kleine« Schar, während seinen be den StammeSgenoffe» auf beid n Setten ta weiter Ent- fernung herritte». So dmfte« die Flüchllinge hoffen, unbemerkt im Dunkel der Nacht die Zelte daWcchidieh zu erreiche«.
Die Hoffnung der Flüchllinge sollte nicht getäuscht werde». Dir leichtfüßige» arabische« Pferde trüge» fie wie im Fluge über Berg und Tal, und al» der Morgen dämmernd heraufzog, waren fie so weit gekommen, daß der Arm be» Motsallam fie nicht mehr erreithe« konnte. Rach Sonnenaufgang rasteten fie eine Stunbe, um fich von ben Anstrengungen be» nächtlichen Ritte» zu erhole« u»b für bie Fortsetzung derselbe» neue Kräfte zu sammel«; länger durste man doch nicht verweilen, um nicht etwa von nach- gefanbten Häschern de» Statthalter» erreicht zu werde«.
«»bald sah man die Retter in bet Morgensonne wieder fröhlich dahintraben. Sie alle waren voller Hoffnung und frohen Mute» — nur Maria wmde zaghafter, je mehr ste fich dem Lager der Wahidieh näherte, je mehr sie au» der Gefahr entrann. In deren Bereich hatte ihre Spannkraft keine» Augenblick
nachgeloffen, jetzt aber trat an Stelle bt» Bestreben», dem Motsallam zu entfliehe», bie ängstliche Sorge um bie Zukunft.
Zoar konnte fie nicht zweifel», baß Achmeb fie mit aller Herzlichkeit empfangen würbe, aber konnte er ihr etre Zufluchtsstätte bieten, in ber ihres Bleibens war? Was sollte fie, bie Christin, unter eifrige» Muhamedanern? Sie galt ihnen als Ungläubige — unb was gilt überhaupt ein Weib bei ben Anhängern be# Koran! Sie mußte fich vereinsamt fühlen, fie konnte namentlich beShalb Im Lager Achmeb» nicht glücklich sein, weil ihr bort bie Ausübung unb Betätigung be» christliche« Glauben» unmöglich sein würbe.
So buchte ben« Maria traurig schon jetzt bar an, die Z tte ber Wahidieh bald zu verlasse« uab^ in einem andere« Lande unter Christen fich eine neue Heimat zu suchen. Dieser Gedanke erfüllte fie mit einem Schmerz-, über dessen Ursache fie fich keine Rechenschaft gab. Ach, wen« fie »rtannt hätte, daß ihr Herz davor zmückbebte, von Ismaik sich trennen zn müsse«, dann wäre fie wohl erst recht ihre» ganze» Mutes beraubt worden! Aber bet bie Herze« bet Menschen lenkt wie Wafferbäche, er verbarg ihr gnäbig noch bie Geheimnisse ihres eigene« Herzen».
J-mall sah wohl ihre Traurigkeit, aber er schrieb fie allein bem Schmerze über de» Tod ihre» Bater» z»; darum schwieg er, ihre Trauer ehrend.
Rach zweistündigem Ritt erhob fich in ba Ferne eine Statowotte. Selim, welcher voramitt, hielt an unb überlegte, ob er hinta ba «"durchdringlichen Wolle Freunde ober Feinde vermuten sollte. Aber e» war ja kaum möglich, daß hier ein Feind ihnen begegne» konnte; Seldschucken durste« e» nicht wage«, in die em unabhängigen Wüstenlande zu streifen und unter de» arabische» Stämme» hatte» die Wahidieh keine Feinde. Immerhin gebot e» die Vorsicht, ba Reiterschar, bie unzweifelhaft hinta der Staubwolke verborge» »ar, zunächst allein entgegen zutreten.
Durch e nen Wink bewog er J»mall, Beruh«» unb Maria zu hatten, während er ber Reitasch« entgegengalvppiate. Bald sah man ihn in ba Staab" wolle verschwinden, bie iw er näher kam. Ptötzüch tauchte er toieba auf und neben ihm ei» anderer Reiter; beide spornten ihre Pfade auf» Aeußafle am und »intten zugleich den Flüchtlinge».
„Mein Bata!" rief Ismail jubelnd. Er ist «s entgegengekommen. Run Iaht un» eilen, auf daß ich jein teure» Haupt wledersehe!"
Ihre Renner flogen über die Ebene, al» hätte» fich die Empfindungen Üra Reiter ihnen mitgeteilt.
Run trafen ste fich. JSrnall und Achmed spra»gm gleichzeitig von ihren Pfaden und fielen einanber ta die Arme. Lange lag JSmall, seiner Begleit« tot- gessend, an der Brust des greisen Bater», da tiefbewegt war und keine Worte sand, um seiner Freude über die Rückkehr seine» Sohne», da fein größter Stolz war, Ausdruck zu geben.
Daun erinnerte fich Jswall aber da Tochta sedws hingegangenen GastfteuudkS unb er führte fie zu fetaem Bata, ba fie liebevoll umarmte.
„Möge Allah Dich fegi eu, meine Tochter!" lief a au». „Könnte ich Dir danken, wie Dn es vev- dievst und wie meta Herz mich antreibt! Was mir Ä— teiie alle» mit wir, unb it bin »och DK» na; beim Dir verdankt ein gteifa Bata, daß er seinen geliebten Sohn wiedererlangt hat. Dir HD» danken es die Wahidieh, daß fie nicht ferna zu trauer» brauchen um die Hrffuung ihre» Stammes!"
„Dein Dank gebührt nicht mir," erwiderte bfa Jungfrau, „sondern meinem Bata, dem D» freilich nicht wehr danke» kmwst, Golt hat ihu abberufe« vo» biefa Erde."
„Du bist verwaist, Du arme» Stad!" rief Achmed von Mitleid bewegt. „So stehe denn wich als Deine» Bater aal* — Maria dankte gaührt dem gütigen (Steife, dann bestiege« wieder alle ihre Pferde, mm fort ging es dem Sager da Wahidieh entgegen.