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Bki dem Festmahle wurden nämlich auch die unvermeidlichen Hochs auf den Kaiser usw. au8« gebracht und die „organifterten" Tsfelgenoffm sollen sich mcht entblödet haben, in das Hoch einzustimme». Außerdem galt die Feier der Ein­weihung einer Kirche und das dürfte für man« chen der Entrüsteten noch anstößiger gewesen sein al» das Kaiserhoch. Wie kann sich ei« zietbe- wußter Genosse an der Feier zur Eröffnung einer „Vrätte des religiösen Aberglaubens und Dunkel­männertums" beteiligen! Ja, wenn ein neues Affenhaus im zoologischen «arten „eingeweiht" worden wäre, aber eine Kirche —!

Also wurden die Miffetätrr vor ein „Volks- gericht" geladen, um sich zu verantworten und ihre Strafe entgegenzunehmen. Vorstand und Ausschuß des zielbewußten Vereins empfahlen, sie für ein Jahr aus der Organisation auszu- schließen, ihnen somit auch für diese Zeit alle Wohltaten, die die Organisation gewährt, za ent­ziehen. Mit Kollegen, die ihre bisherige Leber- zeugung für ein warmes Abendbrod verkauften, so hieß es in der lebhaften Debatte, töm man bis auf weiteres keine Gemeinschaft Haden. Sol­chen Leute» sei auch zuzutrauen, daß sie bei ge­gebener Gelegenheit auf ihre Arbeitsbrüder oder auf Vater uns Mutter schöffen. Natürlich, wer nicht genau so denkt, wie die Schreier wenigstens zu denken vorgeben, dem ist Diebstahl, Raub und Mord, kurz jede Schlechtigkeit zuzutrauen. Milder urteilende „Volksrichter", die sich heim­lich gestehen mußten, daß sie selber gern das warme Abendbrod genoffen hätten, verurteilten zwar das Verhalten der Festteilnehmer ebenfalls auf das schärfste, meinte« aber, ehe Rüge sei eine ausreichende Sühne.

Von de« Schuldigen war nur ein Teil an­wesend. Nur einer war „frech" genug zu er. klären, er sei mit voller Üeberzeugung zu dem Festesten gegangen; nach Feierabend gingen ihn die politischen und gewerkschaftlichen Grund­sätze, die er am Tage bekundete, gar nichts an. Der Mann verdient Anerkennung für seine Offenherzigkeit. Wie mancher „Organisierte" mag sich nur solange als Senoffe fühlen, wie seine Arbeitskollegen ihn unter Aufsicht haben und ihn ter­rorisieren, nach Feierabend aber die ganze So- zialdemokratie mit Arbeitsrock an den Nagel hängen! Aber er verschweigt es hübsch. Andere Angeklagte entschuldigten sich, sie hätten sich nichts bei dem „Theater" gedacht, sondern seien nur deS Effens wegen hingegangen; bet den Hochrufen hätten die meisten Festgenoffen ein gute- Stück Fleisch in den Mund gestopft und daher nicht rufen, sondern nur grunzen können.

Diese läppische „Entschuldigung" erregte zwar große Heiterkeit, aber die Mehrheit der Versamm­lung beschloß, zwölf Genoffe«, die der Tat über­führt worden find, für ein Jahr von der Organisation auszuschließen. Sollten imch andere Schuldige ermittelt werden, so gelten auch diese als ausgeschloffen. Man muß fich wundern, daß. den „Organisierten" nicht schon verboten worden ist, an einem Ktrchenbau über- Haupt zu arbesten. Ist denn das nicht ein offen­barer Verrat an allen sozialdemokratischen Prin­zipien, wenn man eine Kirche errichten Hilst? Die „Zielbewußte«" sollte« hierüber doch einmal nachdenken; wir zweiseln nicht, daß sie zu einem entschiedenen „Ja" kommen würden. UkbrigenS wird über verschiedene Zimmerer demnächst wohl noch ei» strengeres BolkSgericht ergehen, als über die eßlustigen Maurer. Etliche von ihnen sollen bei der Einweihung des Domes mit Sammel­büchsen umhergestanden und Almosen für die innere Mission gesammelt haben. Das ist doch unstreitig eine weit größere Sünde, als daS Grunze» bei einem Kaiferhoch.

Der .Vorwärts' kann daS Gefühl nicht über- winden, daß die zielbewußte» Maurer fich mit ihrem Beschluß nicht nur lächerlich gemacht, sondern fich den Gegner» gegenüber auch ehe starke Blöße gege.be» haben; er muß be- kennen, „daß die Angelegenheit sich wohl hätte verständiger erledigen laffen." Hätten bürger­liche Organisationen fich ein ähnlicher Stückchen zu gute kommen laffen, so würde er fich ohne Zweifel einer «eit kräftigere» Sprache bedient haben. Um seine Verlegenheit zu verbergen, dreht er rasch de» Spieß um; das Verfahre« bet Maurer sei noch milde im Vergleich zu de» tit Kriegervereinen alltäglich beliebten Maß­nahmen. Aber tadelt nicht auch der.Vorwärts' die Krieger, und sonstigen bürgerlichen Vereine, wenn fie ein Mitglied wegen deS Verdachts sozialdemokratischer Gestnnung auLschließen, auf das schärfste? Diese Vereine wollen meist gründ- sätzltch keine Sozialdemokraten in ihrer Mitte dulden. Bei der Berliner Maurersrganisatton aber handel eS fich nicht um den Ausschluß von Nichtsozialdemokraten, sonder» von Leuten, die gute Genoffe» zu sein meinen und eS bleiben

wolle»; nur roe'l fie das ungeheure Verbreche« begangen habe», an einem Effm aus Anlaß einer Kirchwethe teilzuschmen, und die Höflich- kett besaßen, bet einem Hoch wenigstens zum Schein mflzurufen, werden fie gemaßregett. DaS ist zwar echt sozialdemokratisch, aber Terrorismus ist es auch. ____________

vermischtes.

[) Dir Geschichte der Feuerzeuge zei»t, daß bi» zum Schluß deS 18. Jahrhunderts der Welt alS Bor- richtungr», mir deren Hilfe man brennbare Stoffe ent­zünde» tonnte, znr Berfüguvg standen: DaS Retbseuer« zeug, das Schlag- oder Pinkfeuerzeug (Stahl, Stein «nd Feuerschwamm), Brennlinse« br;w. Bremespiegel und daS pneumatische Feuerzeug, d. h Borrichtunge«, dir fich sämtlich auf mechanische bezw. optische Bor« gänge stützen. Mit dem Erwachender wtfieaschaftliche» Chemie wurde» dann tm Anfänge deS IS. Jahrhunderts Feuerziugr bekannt, welche die bei chemischen Vorgänge» erzeugte Wärmezur Entzündung anderer Stoffebenutzte». 1812 erschienen in Wien zuerst die sogen. Tunt-oder Sttypfeuerzeugr, dünne Holzstäbe, die an einem Sude mit Schwefel überzogen waren und an der äußerst« Kuppe et» Klümpchen chlorsaureS Kali trugen; durch Eintauchen in ei» Gefäß mit to»zeatrierter Schwefel­säure (von ASbrst auf,esoze») entzündete fich das Hölzchen. Etwa zu derselben Zeit benutzte man, z«rst in Erfurt, Papterstreifen (FidtbuS), die in eine Löfim» von gelbem PhoSphor i» Schweseltohlrnstoff ««taucht wurden und fich dann a»derLuftvo»selbstsutzündeten. 1823 erfand Döbereiner feine Zündmaschine. Erft 18« kamen die PhoSphorzünder, unsere alte» Schwrfrlhötzrr, auf den Markt. Ob fie von dem Ungar Jriayi in Wien oder von dem Deutsche» Kammerer auf de« Hohen- aSper« erfunden find, ist zweifelhaft; jedenfalls kam« fie von Wir» zuerst in de» Handel. 1848 nutzte Böttger in Frankfurt a M. dir von Schrötter 1844 gemachte Erfindung der Umwandlung des gelbe» Phosphors w roten aus und brachte unser? heutigen Rribzündhölzer aus den Markt. Sie tragen eine Kappe auS chlorsaure« Kali, Mennige, Branvstetne u. d«l.(aberkeinen Schwefel) und werden durch Reibe« an einer auS rotem Phosphor bestehende» Reibfläche entzündet. Dir in der »asbe- leuchtung heute vielfach angewendete» Selbstzünder benutzen fast alle dir katalytische Wirkung deS feinver­teilten Platins zur Entzündung deS Lruch.gafeS. Die elektrischen Zünvrr schließlich verwenden bot Widerstand dünner Drähte zur Entzündung leicht brennbarer Stoffe. (Technische Berichte, Bruno Heinrich Arendt, Brrlm, S.-W. 12)

• Ei» Bnrrnnkrateustückchrn erste» Range» haben fich bayerische Eisenbaynbeamte geleistet. Prof. Dr. Hoffa in Berit» hatte eine längere Automobilrrise unternommen. Bet München wurde daS Auto befett und mit der Bah» zur Reparatur nach Ochsenfurt (Station an der Linie Würzburg—AnSbach) trans­portiert. Hier entdeckte ein Bahnbeamter, daß tw BenMbehälter deS Fahrzeuges noch ei» Rest Benzin enthalten war. Die Bahnvorschriften verbiete» dies und gestatten eine Bestrafung nach dem Gewicht des Bruzins einschließlich der Emballage. Die Bahnoer- walt»»« erklärte daS ganze Automobil als Em­ballage deS Benzinrestes und setzte eine Strafe vo» 21,500 Mk. fest! Gegen diese Strafe wurde natürlich Rekurs angemeldet.

kiterarikkes.

* Die Osternnmmer der »Wett', illustrierte Wochenschrift für das deutsche Bolk, dürste «egen ihres stimmungs- und gemütvollen Inhalt-, sowie ihrer geschmackvollen Ausstattung allseitigsten BeisaW sicher sein. DaS hohe Fest der Auferstehmrg deS Herr» erfährt in Wort und Bild eine entsprechende Würdi­gung, den Leser zur Erbauung und geistige» Erquick«« einladend. Aber auch sonst kann der Inhalt ei» hoch­interessanter genannt werden. Die Aufsätze über „Shakespeares Heimat" und „Palermo", reich mU Bil­dern geschmückt, bieten sehr viel deS Anregende», w* der attuelle Teil der Weltrundschau brMert durch die neuesten und zeitgemäßesten Aufnahmen. So wfc» diese Nummer dem Leser« und Freundeskreise zur be­sonderen Befriedigung gereichen. Dieselbe ist geschmückt mit 22 Bildern und kostet nur 15 Pfg. -4

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Anzeigen MtetecJettnfmsich««MrüsimMM,

32. Jahrgang.

Fulda, Dienstag, den 25. April 1905

Druck und Verlag 065 8«ldaerLctiendruck«M in 8»ldo (Qormonu;

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Jn alle Gaue, in denen die deutsche Zunge klingt und treue katholische Herzen schlagen, «lfen wir laut hinein:

Auf nach Fulda

in den ersten Junitagen dieses Jahres

zur ehrwürdigen

Grabesstitte des hl. Bonifatius

U50 Jahre sind am 5. Juni verflossen, seitdem der große Apostel der Deutschen sein heiliges Leben, überreich an Mühen und Erfolgen, mtt dem glorreichen Tode des Martyriums gekrönt hat. Das ganze katholische Deutschland muß es also als eine Ehrenschuld betrachten, i tiefen hehren Gedächtnistag mit allem Glanze mitzufeiern und dem heiligen an seinem Grabe den Tribut des Dankes darzubringen.

Es besitzt ja in Wahrheit unser Vaterland keinen größeren Wohltäter, als jenen Mann, vom Feuer des Glaubens durchglüht, unter unsäglichen Mühen und Gefahren auf deutschem i Boden das Lhristentum gepflanzt und mit ihm auch Bildung und Sitte bei den deutschen Stämmen begründet hat.

Nach den Worten eines großen Geschichtsschreibers, der selbst außerhalb der katholischen Airche gelebt hat, steht alles, was später in kirchlicher, politischer und geistiger Beziehung in Deutschland erwachsen ist, auf dem Fundamente, welches Bonifatius gelegt hat. heiliger, als den Israeliten die Gräber ihrer Patriarchen waren, muß den Söhnen des hl. Bonifatius seine Grabesstätte fein; denn er hat unser Volk und uns in diesem geistig gezeugt.

Fulda, stolz darauf, dieses Grab zu hüten, ladet alle katholischen deutschen Glaubens­brüder auf das herzlichste ein, öffnet weit feine Arme und versichert liebevolle Gastfreuudfchast.

Drei Aardinäle der römischen Airche, zahlreiche Airchenfürsten und Prälaten aus Deutsch­land und (Oesterreich, die hochw. Erzbischöfe von Westminster und Utrecht haben unserem Vor- schaben freudig ihre Sympathien bekundet und ihr Erscheinen zum Feste in sichere Aussicht gestellt. Unser hl. Vater Pius X. hat huldvoll die Vorbereitungsarbeiten gesegnet, für die Tage des Festes reiche Gnaden gewährt und feinen Nuntius in München beauftragt, bei dem feierlichen Schluffe der (Oktav ihn zu vertreten.

Es soll diese hehre Gedächtnisfeier eine glanzvolle Aundgebung katholischen Glaubens ^»d dankbarer Liebe werden. Sie soll das Glaubensleben erneuern und stärken und das Feuer religiöser Begeisterung mächtig entfachen. Sie soll zur Ehre Gottes, zum Ruhm unseres Glaubens- vaters, zum Wohl der Airche und unseres geliebten deutschen Vaterlandes gereichen.

Also auf nach Fulda, zum größten Nationalheiligtum des deutschen Volkes, zur ehrwürdigen Grabesstätte des Apostels der Deutschen, des hl. Bonifatius.

K«lda, den 2. April (905.

t JIdalbcrtUS €ndtrt, Bischof von Fulda, Ehrenpräsident.

I). f. Müller, Domdechant, Ehrenpräsident.

Dr. Jtrenbold, Generalvikar. Dr. JlntOhi, Oberbürgermeister: Vorsitzende.

Jos. Derdener, Domkapitular. Robert Kircher, Beigeordneter: stellvertr. Vorsitzende. Dr. Leimbach, Professor: Schriftführer.

Karl Jlrnd, Stadtrat. Otto Goebel, Bankier. August Müller, 2. Beigeordneter. (Karl Reinhardt, Stadtrat. Eib. Schmelz, Dompfarrer. Dr. Schmitt, Regens und Domkapitular. Richard Schmitt, Stadtrat: Vorsitzende der Linzel-Komitees.

Programm.

1. Sonntag den 4. 3unh

vormittags foUhr: sestpredigt des fiochiv. fierrn BischoTs Dr.Rorum von Crier und Pontifikalamt.

Nachmittags 3 Uhr: Prozession durch die Stadt mit den Reliquien des bl. Bonifatius unter Teilnahme der boebw. Herren Prälaten.

Abends 7 Uhr: fest-Uersatsmlttttfl, in welcher u. a. die Herren Abgeordneten Landgerichtsrat Dr. Gröber und Rechtsanwalt Dr. Schmitt sprechen werden.

II. Montag bis Samstag incl. (s. bis 10. Juni):

\X. An allen Tagen: vormittags 9 Ubr Pontifikalamt mit festpredigt (am Montag des hochw. Herrn Bischofs Dr. v. Keppler von Rottenburg, an den übrigen Tagen wie an den Abenden von Mitgliedern des Benediktiner-Grdens).

1. Am 5., 7. und 9. Juni: Nachmittags 4 Uhr feierliche Pontifikaivesper.

H. An den Abenden des Dienstags, Donnerstags, Freitags und Samstags: Predigt mit Hndacbt. 4. Montag den 5. Juni: Abends fackelZUg.

6. Mittwoch den 7. Juni: Abends Aufführung VON Ailtvergers Oratorium „Bonifatius“.

III. Sonntag den 11. 3unh

vormittags 9 Uhr: feierliches Pontifikalamt Sr. Cxcelienx des Boehm. Herrn üuntius von München mit festpredigt.

Nachmittags q Uhr: feierlicher Schluss der Oktav.

Anmeldungen mit der Angabe, ob Privatlogis oder Hotelwohnung gewünscht wird, welche Tage für den Aufenthalt in Fulda in Aussicht genommen find, richte man möglichst frühzeitig an das Wohnungs-Komitee für das Bonifatius-JuNläum in Tulda Rotel RurTurst. Anfragen und die Anmeldungen von Prozeffiynen sind zu richten an den Schriftführer «CS Zentralkomitees: Herrn Professor Dr. Leimdach in fulda.

[] Lin sozlaldemottatischrs Nachspiel zur Berliner vombauseier

Die „zielbewußten" Herren Maurer in Berlin Haben wieder einmal ein schönes Pröbchen ihrer FrechettSliebe und chrer Neutralität in religiöse« Dingen geliefert. Es ist so schön, daß selbst dem vorwärts', der doch nicht so leicht in Verlegen- heit gerät, bei der lächerliche» Geschichte etwas unbehaglich zu Mute wird. Die Dombauver­

waltung hatte am 17. März für die beim Dom­bau tätig gewesenen Arbeiter ein Festessen veranstaltet. An diesem hattkn fich auch eine Anzahl Mitglieder des „Vereins zur Wahrung der Jntereffen für Berlin und Umgegend", der durchaus auf sozialdemokratischem Boden steht, beteiligt. Das hatte eine große Entrüstung unter den „auf dem Boden des Klaffenkampfes stehen­den" Genoffrn hervorgerufrn (die größte vermut­lich bei denen, die fich nicht hatte« beteiligen können) und mußte unbedingt gerächt werde».