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32. Jahrgang.

Fulda, Samstag, dm 22. April 1905.

-HL 92

der Maschine an, der entfernt werden mich, wenn das Ding frisch und flott laufe» und Be­stand haben soll. Bei der lebendigen Masch mr, die man Mensch nennt, geht es ebenso.

Schwere Schtcksalsschiäge werden manchmal Kiffer ertragt n, als die fortwährenden kleine» Reibungen und Arrzerniffe, die uns die Lebens» freude und Lebenslust verderben. Da wir nun alle mehr oder weniger Anlage Pharisäer­tum haben, so bilden wir unS gern ein, döß dm Schuld an diesen Bitrerniffen nur bei den ander« Leuten liege und daß wtr also selbst gegen diese unoetbientett Heimsuchungen nichts tun könne». Wenn sich einer in diesen sel bstgefälligenAberglaubm verbeißt, so kommt er aus dem Aerger und Groll erst recht nicht heraus. Wer klug ist, faßt a» die eigne Nase und fragt: Wo stecken denn bei mir die Keime des Unbehagens und des Un­glücks?

„Ach, wie stöhlich könnte ich Ostern feier», wenn nur in unserer Familie etwas mehr Liebe und Gemütlichkeit herrschte!"

Das ist alleroings traurig. Nun möchte rch dich eben ausS Sewiffen fragen, ob du selbst । benn auch immer liebevoll, freundlich und ge» mütlich gewesen bist. Deine Ehehälfte und deine Kinder hätten die und bte Fehler, sagst du Da­ran mag wohl etwas Wahres sein, bum Menschen find keine Engel. Vergiß nur nicht, daß du auch ein Mensch bist und die Ungemüt­lichkeit meist auf Gegenseitigkeit beruht. D» forderst Lirbe; dann mußt du auch Liebe geben, und zwar nicht bloS in Worten, sondern «>.'ch in Werken, und nicht blos in einigen gehobenen Stunden, sondern fortwährend, auch in dem ge­wöhnlichen Alltagstriebe. Du willst, daß dte ®einigen dir immer gefällig, freundlich und ver­gnüglich entgegenkommen. Bitte, mache es es ih«en vor; das wird mehr helfen, als wen« ! du mit brummigem Geficht über ste zu Gericht fitzest. Du willst Sonnenschein in deinem Hanse Haden, aber du weiß: doch, daß di« dunkle« Wolken die Tonne verdunkel», und wen» du selbst im Hause herumzehst wie eine düstere Regenwolke oder ein graues Hagelwetter, bae* darfst du dich nicht wundern über die trübe, sonnenlose Stimmung in deinem Hause. Wer« gemütlich haben will, der muß gemütlich sei«!

Bei einem anderen gehl's mit dem Glück wt eigenen Hause roch so leidlich, aber er hat Ver­druß und Streit gehabt mit Verwandte« ob* Bekannten, und kann den Aerger, der fich dabei in seinem Herze« angesetzt hat, noch mcht los werden. Vielleicht waren eS blos Kleinigkeit«; aber auch kleine Staub» u- d Schmutzreilch« können zu schlimmen Reibungen führen und a«f die Maschinen lähmend und vernichtend wirk«. Natürlich behauptet jeder von den streitend« Teilen, er habe vollständig Recht und der cm- dere habe vollständig Unrecht; der erste SchnÄ müffe von drüben geschehen usw. Manchmal fügt er noch mit schönem Ausenaufschlag hmz»: Vergeben muß man ja als Christ, aber vergeff« kann ich es ihm nicht! Dummes Zeug. Nimm den Besen u d das Wischtuch und räume d« ganzen alten Schmutz gründlich hinweg. Schwamm

Das ist die hohe Bedeutung der Auf­erstehung Christi von den Toten. Das chkinen diejenigen, welche heute die Auferstehung Jesu leugnen, nicht erfaßt zu haben, welches Verbrechen fie an der Menschheit begehen, indem le dieselbe wieder überantworten der Schreckens- Wirschaft des TodeS, fie wieder hinauSfioßen auf das Meer der alten Zweifel, dem fie kaum entronnen!

Aber als ob überhaupt eine so gewaltige, welterschütternde Tharsacke mit so armseligen „Beweisen" sich abtun lasse, wie ste die Leugner der Auferstehung hinzunehmen gezwungen find, „Beweise", deren Armseligkeit die ganze Not und MosiMt ihrer Urheber offenbaren.

Wenn etwas in der Weltgeschichte als tat­sächliches Ereignis beglaubigt ist, so die Aufer- tehung Christi. Sie ist es, die dem Christen, tum zum Sieg verholfen über das Heidentum, weil es für die Menschheit eine Antwort hatte ür das bis dahin unlösbare Rätsel des Lebens und des Todes. Und damit ist dem Christentum der endliche Sieg gesichert für alle Zeiten.

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Druck und Verlag I ßuldaerAetiendrucker in S'döa (harmoE Fernsprecher Ur A

Q Ostern — das Swgesfeft des Christentums.

„68 ist vollbracht" — doS war der Sieges­ruf des stekdenden Erlösers. Vollbracht war das Werk der Bosheit. Diese mochte sich einbilden, daß jener unterlegen sei und seine Sach« für immer verloren. Aber die Freude war von kurzer Dauer. Bald, sehr bald mußten fie einsehen, daß fie selbst Vie Besiegten seien und jener, den fie vernichtet glaubten, als Sieger dastand.

Immer wieder richtet der Christ seine Augen hin nach jenem einzigen, gewaltigsten Ereizniffe der Menschheits-Geschichie: der Auferstehung Jesu von den Toten und seinen Sieg Über feine Feinde, zumal dann, wenn er in einer Zeit lebt, die ebenfalls von sich rühmt, Christus und Christentum mit dem Brandmal der Schande ge­zeichnet, getötet und ins Grab gelegt zu haben. Ist doch eine solche Betrachtung ganz besonders geeignet, den Mut zu stärken und das Bewußt­sein der Siegessicherheit zu geben, selbst wenn man einer Welt voller Feinde gegenübersteht.

Wie war es denn damals? Welche gemischte Gesellschaft hatte sich dort zusammengetan, um Christus und Christentum zu vernichten, Phari­säer und Sadduzäer reich-n sich auf einmal die Bruderhand, Pilatus undHerodeS werden Freunde, Juden und Heiden verbinden sich zum gemein­samen Angriffe. Und die Freunde Jesu? Siner seiner auserwählten Zwölfe wird um klingenden GoideS willen zum Verräter, die anderen fliehen, ja einer verleugnet ihn, und wenn ste ihn arch auf seinem Todeswege begleiten in banger Furcht, so fehlt ihnen doch zu weiterem der Mut.

Ist es heute vielleicht anders? Haben wir nicht auch unsere Pharisäer und Sadduzäer, die orthodoxen und liberalen Eiferer für das lautere Evangelium, für welche der Haß gegen die Kirche die Formel wird, auf die hin fie sich die Hände reichen, so weit sie auch sonst ausein­andergehen? Sehen wir heute nicht Juden und Reuheiden einmütig im Kampfe gegen die Kirche, so viele der letzteren sonst in Antisemitismus machen? Haben wir nicht unsere Pilatuffe und Herodrffe, will sagen politische Parteien, welche sonst in weitem Bogen einander ausweichend, vor Freuden einander in die Arme fallen, wenn es heißt: 6orasez l’inläme. Und es fehlen auch die Judasse nicht, welche um einer Heirat oder Karriere wegen dm Verräter spielen, so wenig wie jene, welche den Petrus zum Vorbild nehmen nur in seinem Falle aus feiger Menfchenfurcht! Ist es da unbegreiflich, wenn einer bei solchen Zeitverhällniffen sich' zu dem Urteil berechtigt glaubt, daß es verzweifelt stehe um die Sache Christi?

Und doch: wie in dm Tage» der großen Er- eigniffe der ersten Kar- und Osterwoche zu Jeru­salem die Sache Christi aus der tiefsten Srnied- rigung zur höchsten Herrlichkeit aufflreg, so wird

Unpolitische Zeitläufe.

(Nachdruck verboten.)

H Berlin, den 20. April 1905.

Zu Ostern wollen alle Leute fich recht freuen und froh sein- Schön. Aber wir kommt man zur richtigen Öfter- und FrühlingsglLckseligkeit? In dm Büchern ist dieser Artikel nicht aufge­legt. Auch der reichste Millionär kann ihn nicht kaufen. Wer ihn haben will, muß fich ihn ge- fälltgst selbst fabrizieren. t

DaS Rezept ist nicht so einfach wie das Re­zept zum Osterkuchm, den die sorgsame Mutter । bückt. Emen kleinen Fingerzeig gibt unS daS i „große Rrivmachm", das zur häurl'chm Öfter- [ Vorbereitung gehört und den Aerger manches be­quemen Hausvaters bildet. O, scheltet nicht Über Fegebesm und Wischlappen, sonder« danket dm | fleißigen Frauen, die gründlich aufräumen in allen Ecken und Winkelchen mit den eingmistetm Keimen deS Unbehagens und der Kranlhrit, die daS HauS aufnahmefähig machen für die reine Lenzesluft und den seligen Ostersonnmschein. Geht euch daS mit Verständnis an und ahmt eS nach!

Jawohl, nachahmen. Nämlich so, daß jeder in seinem Kopfe und Herzen aus Anlaß drS Oster- und FrühlingsfefleS ein großes Reinmachen veranstaltet. „ ,

Nun denkt vielleicht mancher, es soll eine Predigt über dir kirchliche Osterpfiicht geben. Aber daS wird her Pfarrer schon mündlich be­sorgen. Ich möchte die Sache von der welt­lichen Sette und im Ginne einer vernünftigen Lebensführung betrachtm.

Wenn dein Junge ein Fahrrad oder deine Tochter eine Nähmaschine hat, so weißt du, daß eS ohne fortgesetztes kleines Reinmachm und zeit­weiliges gründliches Reinmachen nicht geht. Es setzt fich immer wieder Staub und Schmutz in

rate ich. Deine Zunge zu bitten. Es find schlechte Zeiten gekommen sür Such Chvistenbundr."

-Lästere nicht an dieser heiligen Stätte!" erwiderte der Patriarch unerschrocken. „Du beschwörst den Zorn der Himmels auf Dich herab Darum fordere ich nochmals, daß Deine Krie-er dar Haus Gotte» 6er- lass'», in dem fie nichts zu suchen haben."

Wätend ries der Seldschuck: „Nichts zu suchen?! Alte.-, Du bist kühn! Und wahrlich, wir haben gerade | fitzt hier fihr diel zu suchen! Ihr Christer,Hunde steht «j» he» g-hbea Jerusc l-mS im Bunde, Ihr verberget den jungen der Wshidieh vor mir! Leugne nicht, es könnte Dir sonst übel ergehen, sondern gestehe, wo Du meinen Sklaven verborgen hältst."

„Bevor ich Dir antworte, o Fürst," entgegnete der Pattiarch, „erhebe ich zum brüten Male d e Forde­rung, daß Deine Leute die Kirche verlassen." ~

Ha, mache mich nicht rasend, närrischer Greis!" rief der Motsallam zvrubebend. „Du hast garnichtS zu fordern, ich aber befehle Dir jetzt, daß Du mir meine Frage ohne Umschweife beantwortest!"

Der Patriarch erwiderte mit fest« Stimme: „Ich kann nicht Gewalt gegen Gewalt setzen, aber mich ver­mag auch keine Gewalt der Erde zu zwingen. Dir za antworten. An anderem Orte will ich Dir Deine Frage beantworten, aber nicht hier."

„Run, Tu wirst Gelegenheit finden! rief der Motsallam. „Aus, Ihr Knechte, verschließet Re Tür«, und «iner achte daraus, daß der Alte dies HauS nicht verläßt. Ihr anderen folgt mir, »vir werden diesen Tempel der Ungläubigen und die Wohnungen ihrer Priester durchsuchen."

Und ohne s»ch »etter um den Patriarchen zu bekümmern, wandte er fich der Sakristei zu. Erstaun» blieb er in dem offenen Eingänge derselben stehen, den» vor fich sah er dir holde Jungfrau, deren Bild er nicht vergeffen hatte seit jenem Tage, da er de» wunden JSwail dem Arzte übergeben hatte.

Ihn rührte nicht die Totenbläffe ihres Angesichtes, ÄS er fie jetzt plötzl-ch vor fich stehen sah. Sedte

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K«autw«Mcher

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g.Ä’Ä-- MchoSM,«!«MustrietteSomtagtzeitung»

Augen flammten in finnlicher Lust, während die ihrige« mit dem Ausdruck de» Entsetzens auf den Mörder ihres BaterS gerichtet waren

„Wohl, daß ich hier Dich finde!" rief der SM- schock. „Dich suche ich heute nicht minder, ÄS de» Scheik, den Dein Bater mir entzogen hat. Aber zittere nicht, o Jungfrau, Dir soll kein Leid gescheh«». Freilich, Dein Bater mußte sein Verbrechen mit de» Tode büßen, Dir aber, obwohl Du verdächtig bist, ft* Mitwiss-rin zu sei», will ich Leben und FrArit schenken — wenn Du diese Gnade mit Deiner Steve ve. giltst, die meta Lebe» verschönern soll."

„Halt ein, halt ein, Scht-ckllcher!" flehte Maria, von Abscheu und Grauen erfüllt fich abweuds». „Wie vermagst Du von Liebe zu sprechen- wo D« mein Herz auf den Tod verwundet hast! O «i» Gott, gib mir Kraft, daß ich meine Serie vo« dar Sünde de, H^ff-s bewahre, der in mir aussteigt gegen de» Mörder meiues BaterS, daß ich meWe Panne bezähme, die diesem Scheusal fluchen möchte!

Start vor Verwunderung vernahm der Statt» Halter diese Worte, die ihm in ihrer Verwegenheit nur dem Wahnsinn entspringen zu können schice».

„Du wagst, mich zu schmähen?" rief er außer üch und ergriff heitig ihren Arm und schüttelte ihn. aber riß sich loS und stürz!» dmch die offene Tür der Seckristei dem AuSgange de» Gotteshauses zu. Aber fie fand daS Tor verschlissen, und die Scherge» de» Motsallam sprangen ihr nach und brachte« ste vor ihrem Gebieter zurück _ Ä _

Dieser lachte höhnisch. „Entfliehen wolltest Duuttr? Nein, mein Täubchen, diese» Gedanken gib ans. Du hast nur noch die Wahl, ob Du meine Sklavin werde» willst — ober die eiste unter meine» Frauen 1 Daran et tarne meine Großmut und sträube Dich nicht länger.

Maria erschrak, fie sah fich in der Gewalt dit?^ Unmenschen und konnte ihm nicht entrinnen, unb rne | entfcn! der Mut, fie gab fich Valoren. Aber du blitzte vor ihrem Geiste roch ein Rettu«gSst-.ahl o>tz.

I wenn fie Zeit gewinnen tonnte, war alle« gewonnen 1 (F f -

Aus geheiligtem Soden.

Erzählung von Heinrich Ernst.

10 ------ (Nachdruck derbst:«.)

Auf einen Wink deS Patriarchen brachte man b>e Leblose in die Sakristei, wo man ihr von dem Weine eiuflößte, der zu dem hl. Opfer verwandt wurde. Nach kurzer Zeit schlug fie die Augen aus. Ihr junger, kräftiger Körper ertrug auch den neuen Schlag, und ihre starke Seele war jetzt so gefaßt und ruhig, wie man bei solchem Leid nur irgend erwarten tonnte. Sie selbst bat de» greisen Bischof, der ihr Trost zu­sprach, er möge ihr von dem Tode ihres BaterS erzählen, yt sei gefaßt, daS Schrecklichste zu erfahren.

Der Pattiarch erzählte: „Heute in aller Frühe kam ein Soldat des Statthalters in mein Hau», der heimlich dem christlichen Glauben ergeben ist und mir daher manchmal nützliche Mitteilungen und Winke au8 der Umgebung de» Motsallam überbringt. Dieser Manu berichtete mtt, daß man gestern abend Deinen greisen Bater gefangen in den Palast de» Statthalters eingebracht, unter der Beschuldigung, daß er den jungen Scheck der Wahidieh aus feiner Obhut heimlich habe entfliehen kaffen- Johannes, vor den Motsallam ge­führt, erklärte, der Scheck fei mit seiner Hilfe nicht au» der Stadt enifloben, unb er glaube auch nicht, daß er bereits die Stadt verlassen habe; jedenfalls hatte er sich verborgen. Man wollte ihm zunächst Ächt glauben, aber er beteuerte, das fei volle Wahr­heit und mehr vermöge er nicht zu sagen. Run aber war der Statthalter äberyugt, Johanne» selbst habe den Scheik verborgen, und er suchte mit fürchterlichen Drohungen jenen zu beweges, den Aufenthaltsort des Gefangenes zu »erraten. Dein Bat» aber erwi­derte standhaft: „Ich kann e» nicht." „Kennst Du denn das Versteck de» Wahibi-h?" fragte Abdallah. .Auf diese Frage, o Herr" — entgegnete der Greis

auch die Weltgeschichte eS einmal zu buchen Haden, daß das Jahrhundert desMrnismusund i Pantheismus, die Zeit des Materialismus und Sozialismus allzufrüh deS Sieges über Christi Sache fich gerühmt, weil eben doch diese schließ­lich als Sieger aas dem Kampfesfelde stehen blieb. Dafür ist uns eine untrügliche Bürgschaft die Tatsache der Auferstehung Jesu, die den end- gütig'n Sieg des Christentums über alle gott- kindlichen Mächte bedeutet.

Aber noch andere Gegner als seine Feinde unter den Menschen hat Christus mit seiner Auf­erstehung überwunden: die Sünde und den Tod. Welch furchtbares Joch hat die Sünde der Menschheit aufgelegt! Wer vermöchte es aufzurollen daS erufetzliche Bild von all' dem Unglück und Weh, daS mit der Sünde seinen lir.jug gehalten in dis Menschheit? Da hat er, der Unschuldige und Heilige, fich eingegliedert in die Menschheit, deren ganzes Sündenelend mit finaufgenornmen an das Kreuz. Seinen Sieg aber über die Sünde dokumentiert seine Aufer- tehung; denn der Sünde Sold ist der Tod, der eben durch diese in die Welt gekommen. De» Tod zu entthronen von seiner bis dorthin un­angefochtene» Llleinherrschaft. durch eine tatsäch­liche Auferstehung von den Tote» der Welt den Beweis zu erbringen, daß der Tod nicht das letzte Wort ist für den Menschen — baS mußte gezeigt werden und ist gezeigt worden in Christi Auferstehung aus feinem Grabe.

Was aber bedeutet diese Ueberwindunz der Sünde für den Menschen? Daß er seinerseits ebenfalls die Sünde za bekämpfen und zu be­legen habe. Hohe sittliche Forderungen! Aber nicht unmöglich, wie Schwachheit und Feigheit sich so gerne selbst einreden möchten, sondern er- füllbar in der Kraft deS Auferstanbenen und der von ihm verdienten Gnade. DaS ist der Weg, an deffe» Ende die Vollendung der menschlichen Persönlichkeit steht. Denn wahrer und vollen­deter Mensch ist gleichbedeutend mit wahrem und ganzem Christ! Darum aber braucht keiner zu zagen und zu zittern, als ob ihm daS gesteckte Ziel unerreichbar sei! Mit der Kraft deS aufer- standenen Christus wird auch er auferstehen können auS der Welt der Sünde und Schwachheit.

Und endlich der Sieg Christi über den Tod! Wie hat doch vorher die Menschheit ge­gittert bei dem Gedanken an den Tod und seine unerbittliche Macht! Die Totengruft mit dem Pesthauch der Verwesung und dem grinsende» Totenschädel: das sollte Las letzte Ende sein, baS puBctam finale des Menschen? Wohl schlum­merte in der Menschen Brust bas Verlangen unb drr Gedanke an eine Unsterblichkeit. Aber was soll dieser Gedanke noch bedeuten angesichts der Tatsache, daß keiner, der einmal eingegangen in die Pforten des Todes, zurückkehrte ins Leben. Mußte er nicht allen Halt verlieren, za einem wertlosen Traumgebilde werden? Sollte aber dem Tode sein Stachel genommen werden, dann konnte daS nur bann geschehen, wen« einer be­wies, daß er der Macht deS Todes nicht unter­worfen fei unb bie Pforten bes Grabes sprengen könne.

— „vermag ich Dir keine Amwort zu g-beu, ober es steht ja in Deiner Macht, durch Deine Leute die ganze Stadt nach dem Berschwundenen durchsuche» zu kaffen." Rasend vor Wnt, befahl Abdallah nun, durch die Folter Deinem Bater ein Geständnis zu erpreffen. Umsonst! Johanne» schwieg. Da rief Absallah: „Du bist des Todes, und nur Sine» kann Dich retten: schwöre Deinen Irrglauben ab und bekenne Dich zu Mohamed dem Propheten!" Der Wüterich g'aubte wohl selbst ttchi daran, daß Johanne» seinem Erlöser untreu würde, er wollte mit dieier Fsrdrrung offenbar nur einen neuen Grund erhalten, den Christ n den schwersten Martern zu unterwerfen. Unb so geschah e». Johanne» aber blieb, wie man ihn auch peinigte, standhaft in seinem Glauben. Da» Ende, mein arme» Kind — soll ich Dir auch da» Ende erzählen?"

„Ich weiß ei", erwiderte Maria leise, „et starb unter dem Schwerte alS Blutzeuge Jes« Christi! Ich aber will nicht mehr klagen, sondern dem Herrn dan­ken, daß er mich gewürdigt hat, die Tochter eine» Märtyrer» zu sein!"

Plötzlich erscholl der schwere Schritt Bewaffneter in der Kirche und da» Geklirr der Waffen an den Kettenpanzern.

Der Pattiarch verließ sofort die Sakristei, um den Eindringlingen entgegenzutreten, die e» wagten, den Frieden de» Gotteshause» zu stören und seinen ge­heiligten Boden zu entweihen. Betreffen blieb er einen Augenblick stehen, als et denStatthaltrran dcrSpitze der Bewaffneten sah, dann aber trat er mit tägiger Würde furchtlos dem Tyrannen entgegen undLfprach:

„Du bist im Hasse de» Herrn, o Fürst, darum gebiete Deinen Kriegern, die gewechteu Räume dieses Hause» zu verlaffen. Dich aber frage ich: wa» suchst Du hier?"

Der Statthatter aber lachte roh. „Bin ich nicht der Herr?" höhnte er. „So ist diese» Hau», wenn e» da» Hau» de» Herr» ist, mein Hau», unb meine Krieger sollen hier bleiben. Dtt aber, aller Kann,