Monakbrilage? „ßÄöaer GeschlchLOWer"
32. Jahrgang.
Fulda, Donnerstag, den 20. April 1905.
JI3.
im
und Tand, wenn nicht gar in Matsch auf, well ihrem Leben ein großer Gedanke und eine große Aufgabe fehlt. Wohlan, hier ist eine Aufgabe, dir Aufgabe des fokalen und charitatisrn Wirkend; aber diese nicht bloß avfgefaßt als Sport und Spiel und modernsten ZeitoertreibS, der etwas Abwechslung bringt in die Langwelle müßigen Salonlebens mit seinem seichten Se- schwH, netc, als große Aufgabe, zu deren Be- wältiguug die ganze Kraft eingesetzt wird im vollen Bewußtsein, daß eS sich hierum große, heilige Pflichten handelt.
Freilich, zu einem solchen Kreuzzuge, zu dem der große Krevzträger aufforderte, gehört ein hochgemuter königlicher Sinn, der nicht ängstlich erwägt, ob der Erfolg des Augenblicks ihm gehört, der nicht ängstlich fich selbst schont, sondern bereit ist, da« Brandopfer der Berufsarbeit für die Gesamtheit zu bringen, der voll unerschütterlicher Siegeshoffnung feine Sache in SotteS Hände empfiehlt.
Solch hochgemuten Sinn eben soll die Mensch- heit lernen in der Schule deS Kreuzes. Und welches Herz müßte nicht von flammender Begeisterung, vou tatkräftigster und opfermuttgster Liebe erfüllt werden, der diese Liebe betrachtet, die durch ein Kreuz der Menschheit geoffenbart worden ist. Hier ist der Quellpunkt der christlichen CharitaS, deren Feuer fich immer wieder entzündet an dem Feuerbrand göttlicher Liebe am Kreuze. ______
Deutsche? Reich.
Berlin, den 19. April 1905.
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** Der Seh. Postrat und vortragende Rat
Reichspostamt Wachholtz ist zum Sch. Oderpostrot ernannt worden. — Der Postrat Oster ist zum Sch. Postrat und Vortragenden Rat im Reichspostamt ernannt worden. — Der Postrat Schrader ist der Charakter als Seh. Postrat mit dem Range der Räte 3. Klaffe verliehen worden. Die Oberpostdirektorstelle in
„D Herr, wie habe ich solches verdient?" Rein, demütig nahm sie die Heimsuchung hin al» Buße sowohl wie auch al» Prüfung zur Läuterung ihrer Seele. Obwohl diese ihre junge Seele wissentlich kaum je gesündigt, so saug Maria doch, der trostlosen Verzweiflung de» gestrigen AbrUd» eingedenk erschüttert und tiefbewegt die demütigen Worte de» Bußpsalme» mit der Gemeinde mit:
„O Herr, mein Sott und einzig Heil, Srhöre Deines Knechte» Flehen, Daß nicht BerdammntS sei mein Teil, Mein LoS, zur Höllenpein zu gehe»!
«m Lage tu]' ich nur zu Dir, Und »acht» werf' ich vor Dir «ich nieder — O schm»' herab in Huld zu mir Und höre mein Klagelieder!
Mein Herz ist übler Sünde» voll. Die mich zur Hülle »iÄrrziehr»; Berworsen hat »»ich. Sott, Dein Groll, Seit meine Late» zu Dir schriee».
Ich seufz' i» meiner Sünden Grab, «om Lode ist mein Lug' umnachtet: Die Gruft, ach! öffne Most» Stab! Gib Acht, Herr, denn meta Auge schmachtet!
O Herr, steh nicht die schwere Schuld, O schau nur au die btttte Reue, Auf daß im Glanze Deine» Huld Meta «eben wieder fich erneue!"
Als die Jmigkrou fich so vor Gott gedemüiigt und seine Nachsicht, seine Gnade e» steht hatte, waadte fich ihr Geist wieder ibrem armen Baler zu, und fir bettle für ihn zum Herr» über Lede» und Lod. Ach! auch in das Gebet schlich sich der quälende Zweifel: Ist ei nicht schon zu spät? Sollte fie für die Rettung de» irdische« Ledens ihre» Steter» beten oder herein für den Friede» seiner Seele? vi- wollie ststhatten ca der Hoffnung ans Besreisng ihre» Baier», und Ye teilte hierfür des Himmels Beistand erstehen. Aber immer wieder trieb fie eine
Wegen ves hl Rwtfetiteg wird die nächste Nummer unserer Zeitnwg erst am S»mSt«g ansgegeben.
Posen ist dem zum Oberpostdirektor ernannten Postrat Dreß!er aus Aachen, die Oberpostdirektorstelle in Danzig den zum Oberpostdirektor ernannten, bisher als HUfsarbetter im Reichs- pystamt beschäftigten Postrat Sönksen übertragen worden.
(*) Prof. Haeckel ist, wie die »Preuß. Rotr/ hört, von einer Konzert-Direktion zu einem VortragS Zyklus engagiert worden und erhält für jeden Vortragsabend 1000 Mk. Aehnlich würde eS dem Herrn sehen, fich wie ein fahrender Komödiant von einem geriebenen „Manager" als „Zugstück" herumführen zu laffen. Schade, daß Barnum nicht mehr lebt.'
—* Der lippische Erbfolgestreit dürste durch den Tod beS Reichsgerichtspräfidenten Dr. Gutbrod auch eine Verzögerung erleiden. Der Verstorbene war Vorfitzender des zur Entscheidung der Srbfolgefrage gebildeten Gerichts- Hofes, und hatte fich noch auf dem Krankenlager mit den Akten dieser Streitsache befaßt. Der neue Prästdent des ReichSgerichtS wird Zett gebrauchen, um fich mit dem umfangreichen Aktenmaterial vertraut zu machen.
§ D e ,B. P. N/ tr-sen der Auffassung ent' gegen, daß die verbündeten Regierungen kett» Gewicht darauf legen, d..-ß der Reichstag nach fehle« Wteserzufamme-ttrüt noch alle unerledigten Vorlagen aufaroet. ^. Es sei selbst verständlich, lmß fie die recht baldig? Verabschiedung aller von ihr an Obtdj&tM gebrachten Vorlagen wünsche, die Maß« und Gewichtsordnung, Mi- lttärpenfionSnorcllkN, Nosellen »um Börsen» und Börsensteuergesetz ufro. Der R-ichstog werde noch mindesten- vier Wochen Beratungszeit bis zum Pstngstfeste Hanen. Sollte beschloffeu wer» den, nicht über Pfingsten hinaus zu tagen, so würde auch in diesen vier Wochen genügend Zeit fein, nicht nur sämtliche schon eingebrachten Entwürfe zur Verabschiedung zu bringen, sondern auch noch etwaige neue Bor lagen zu erledigen. Hierhin könnte beffpielSweise, wenn die Verhandlungen über den neuen deutsch-bulgarischen Handelsvertrag recht bald zvm Abschluß gedeihen, dieser Vortrag gehöre». Auch würden näh einige kleinere, schon längere Zeit in Vorbereitung befindliche Entwürfe zur Vorlage an den Reichstag fertiggestellt werden können, so die über den Schutz der Werke der bildenden Künste und über den Schutz der Erzeugnisse der Photographie, sowie über Erwerb und Verlust der Staatsangehörigkeit. — In der Wtrklichkett wird es wohl etwas ander» kommen, als hier erörtert wttd.
(*) Genickstarre. Der Kultusminister hat einen pathologischen Anatomen nach Ober- schlesten entsandt, um in enger Fühlung mit dem Leiter deS bakteriologischen Instituts in Beuthen O.-S. und den KrankenhauSärzten an der wissenschaftlichen Erforschung der Genickstarre durch pathologisch-anatomische Untersuchungen noch Möglichkeit beizutragen.
e Bei der im Reichsamt des Innern vor- bereiteten Umänderung der Bestimmungen über die Sonntagsruhe handelt es fich einer Zei- tungömeldung zufolge im wesentlichen darum, bis bisherigen, teilweise von einem der abweichenden BundeSratSverordnungm über Ausnahme» von d«n allgemeinen SonntagSruhe-Bestimnnmge» in ein möglichst einheitliches System zu bringe» und verschiedene, namenüich von der Geschäfts- weit unliebsam empfundenen „Unstimmigkeiten" zu beteiligen.
** Die Erhebungen über die Kartelle, die längere Zeit unterbrochen worden waren, werden jetzt wieder fortgesetzt. Wie die ,Eisen- Ztg/ erfährt, sollen die Verhandlungen demnächst wieder ausgenommen werden, und zwar wird man fich zuerst mit dem deutschen Stahlwerks verband beschäftigen. Auch an der Denkschrift über daS gesamte Kartellwesen, die nach der Resolution Spahn u. Sen. dem Reichstage vorgelegt werden soll, wird zur Zett im Reichsamt des Innern eifrig gearbeitet Doch ist es bei dem Umfang der Materie und bei ihrer sehr verwickelten Natur noch nicht abzusehen, wann diese Arbeit zum Abschlüsse gelangen wird.
* Aus Deutsch-Südtveftafrika. Nach einer Meldung des Generalleutnants v. Trotha aus Kub mußte Major v. Estorss die Verfolgung der Witbois 45 Kilometer südöstlich von Kowisr Kalk wegen Wassermangels
innere Stimme, abzulosik» von dieser Hoffnung mw daS Opfer ihre» GebettS dem Seelen hell de» «ater» zuzuwenden.
Dieser Kamps in ihrem Inner» sollte bald entschieden werde«. Nach dem hl. Opfer erhob der ehrwürdige Patriarch die Stimme zum gemeinsamen Gebete mtt feiner Gemeinde, um Fürbitte einzulegen für die Verstorbenen und für die Lebenden, für die Pilger, die znm heiligen Grabe wallen, und für die Erhaltung b»r heiligen Stä le» selbst, und endlich für dte ganze Christenheit Damit war sonst der Gottesdienst zu Ende; heute aber fuhr der Bischof mtt vor innerer Bewegung zitternder Stimme fort:
„Lasset auch nn» beten für einen neuen ölut- zengen unserer heiligen K- che, der in dieser Nacht fein Lebe» htagegebe» hat für seinen Heiland! Zwar dürfe» wir mtt Sicherheit vertrauen, daß unser göttlicher Erlöser seinem standhaften Bekenner die Mar« Inrertame verliehen und ihn der ewige» Anschanung fetaer Herrlichkeit teilhaftig gemacht hat. Dennoch lasset im» beten, und wenn der, für den wir bet«, der Fürbitte nicht mehr bedarf, so nimm, o Herr, da» Opfer de» Gebetes für unsere Gemeinde an, bie ja in ihrer schweren Bedrängnis so sehr auf Deinen gnädigen Beistand angewiesen ist. Betet also mit wir, meine Brüder, für unseren verstorbenen Bruder Johanne», de» Andrea» Sohn, der tat stand« baf ea Bekenntnis feine» Heilande» in dieser Rächt unter dem Schwerte der Ungläubigen fei« Blut vergossen hat!'
Hier unterbrach fich d r ehrwürdige Patriarch, denn ein markerschütternder Aufschrei dmchzitterte jäh da» Gotterhau». Die Beter, welche erschüttert die Kunde von dem M:rtretode de» allverehrten Greise» vernommen, sprangen unwillkürlich aus nnd schauten nach dem Winkel der Kirche hi«, woher der Aufschrei gekommer. Dr lag Maria, d'e Tochter de» Blwzengen, oti den kalte» Steinen, einer Toten glkich. Do» Bewußtsein hatt» fie verlassen. (F. f.)
* Karfreitag-
„Wenn ich erhöht fein werb«, werbe ich alles an mich ziehen", so sprach einst bet göttliche Heiland. Dieses Wort hat er etagelöst bei seinem Opfertode am Kreuze. Bon Kalvarios Höhen läßt er seinen Rus auSgehen an bie Menschheit, um fie an fich zu ziehen unb fie zu erlösen bmch sein Wort und fein Werk. Alles Weh, unter dessen Druck bie Menschheit seufzt, hat er mit hinaufgenommen an sein Kreuz, um eS dort dem himmlischen Vater aufzuopfern unb baburch es nmzuwanbeln zum Heile der Menschen. Die Wotcke, bie wir da von des sterbenden Gott- menschen Sippen hören, fie find bk Seufzer, bie von brr Menschen Sippen zum Himmel tönen, ober bei ihm find es nicht bloS Ausbrüche beS Schmerzes und des Slenbes, fie find mehr, fie find zug eich umgeprägt zu flammenden Aufrufen an bie Menschheit.
Welch' greller Widerstrett besteht zwischen dem, was die Welt dem Menschen bieten kann, und dem, was bas Menschenhetj begehrt unb verlangt. Tob unb Untergang ist das letzte Wort, bas bit Natur für den Menschen hat, and er will doch Leben haben, ewiges Leben. Mag er am DieSseitS fich berausche — bas übertönt nur für kurze Zett bes Herzens Sehnsucht, unb wenn bann die Stunde der Ernüchterung kommt, ^>ackt ihn graufig bas Gefühl der Verlassenheit. HilfliB, rettungslos, mit keiner anderen Aussicht olS der des Unterganges unb der Vernichtung steht er fich hineingestellt in bie ungeheure Maschine des WellprvzesseS: „Mein Sott, mein Sott, warum hast du mich verlassen!" Das ist der Hilferuf deS von Selben heimgesuchten Menschen, der fein Auge zum Himmel richtet, ob ihm nicht von dort Hilfe werbe. Sr kann eS nicht fassen, daß btt Himmel geschloffen unb bk Sattheit dort oben kein Herz haben soll für die gepeinigte Menschhett.
6o wußte denn der Menschhett bie große, gewaltige Tatsache geoffenbart werben, daß Sott ein Herz habe für seine Seschöpfe, daß Gott nicht bloS ein unerbittlicher Rächer unb Straf» aller Verletzungen seines Gesetzes, sondern auch die Liebe selbst sei. Dort auf Golgatha's Hügel warb benn bas Opferfeuer der Liebe angrzündet, wk die Welt fie nimmer gesehen, als ein Höhen- feuer, bas hineinleuchtet in die Finsternis grau- stgtt Verlassenheit, in welche bie Menschhett fich hinabgestoßen sah. Der Ruf der verzweifelnden Menschheit: „Mein Sott, mein Sott, warum hast du mich verlassen?" — er tönt vom Kreuze herab aber als eine Einladung und ein Aufruf an alle, die aus bet grenzenlosen Verlassenheit ringen nach der Wahrheit, daß fie um den Se-
kreuztgten sich scharen, um mtt chm einzugehen tn dir selige Gemeinschaft mit Sott. Denn Sott hat ein Herz für seine Seschöpfe, bas ist die Botschaft des Kreuzes, die Botschaft von dtt großen Sieb-, bi« jener trostlos pessimistischen Weltanschauung des HeibenlumS, die der heidnische Dichter auSdrückt in den Worten: „Den Söttet» ist dtt Mensch ein Regelfpkt" ein- füt allemol den SarauS macht.
Und noch ein anderer Wort hat der Sohn Gottes vom Kreiqe h«ab gesprochen, daS ewig bewunderte Wort der höchsten FeindeLlirbe: „Vater, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!", em Wort, daS selbst dem modernen H:identum die Annkennung ab» genötigt hat. Wie weltenvttschieden von dem Wort des Rachedurstes: Äug' um Auge, Zahn um Zahn! klingt dieses Wort anS des sterbenden Erlösers Munde.
Abtt nicht blos Feinde stiebe lehrt dieser Wort. SS ist ebenfalls ein Aufruf und zwar an alle, welche zu der Wahrhrtt des Christentums als Bekenn« fich stellen, mit der Kraft d« Wahrheit daS Böfe von innen heraus zu bekämpfen und za überwinden. Wann ab« war ein solch« Aufruf zum Nachweis deS Christentums durch den Beweis des „SeisteS unb der Kraft" je so dringend, als in einer Zett, die wie dir Gegenwart im Namen der höchsten Ideal«, d« Sittiichkett unb der Wahrheit, eben dem Christentum den Krieg erkkärrn zu müssen glaubt?
Und ein drittes Wort noch erschallt vom Kreuze, der Ruf: „Mich dürstet!" Wer kennt ihn nicht, diesen Httferuf, der in diese Welt des Todes feftgebonnten Seele, den Ruf nach den Ouellbächen ewigen Lebens. Denn „wie der Hirsch nach den Waffrequellen, so dürstet metse Seele nach Dir, c Sott! dem Starken unb Lebendigen." Wo ab« könnte dieser Durst nach Leden anders gestillt wttden, als eben aus jenen Quell bächen, bie aus beS Heilandes Wunden reinigend und sühnend und lebenspendend üb« die Menschheit fich ergossen? Alle diese Dürstenden und Leidenden, unter innerem Druck nach Erlösung Seufzenden, fie alle lebet dieses Wort deS Heilande- ein, „in Freude Mass« zu schöpfen aus den Quellen des Erlösers", d« allein ist bie Quelle des ewigen LebrnS.
Hätte ab« der sterbende Heiland, als «, der noch im TodeSkampfe als ein König proklamiert wurde, feinen Ruf zur HeereSfolge in feinen königliche» Dienst auSgehen ließ in die Welt, jenes Faktors vttgeffen können, der von so gewaltiger Bedeutung ist für den stttliche» Aufstieg deS Menschengeschlechtes — der Frank Doch horch! hallte eS nicht vom Kreuze httnird«: „Weib, siehe da deinen Sohn!" Da warb bie Frau aufgerufen zur Mitarbeit an der Verwirklichung unb Ausgestaltung des Reiches Sattes auf Erben. Frauen unb Jungfrauen, das ganze weibliche Seschlecht wird von dem sterbenden Heilande untre sein Kreuz gerufen, um in diesem Zeichen mitzukämpfen an der Beseitigung alles Elends. Wahrlich, eine Aufgabe des höchsten Krafteinsatzes wert! Wie manche Frau geht in d« Alltäglichkeit, in der Verflachung ob« in Putz
Gefcchr. Und (le fand die Kraft wieder, welche in ihrem gt.n$en jungen Leben die Glaubensstärke, da» Gottvertrauen, die Lkbe zu ihrem Heiland ihr verliehen.'
Innerlich gestärkt and gekostet sank fie auf ihrem Lag« niedre, und ihr ermatteter Leib ergab fich bald einem ruhige», erquickende» Schlummer. Sie hatte fich an gekleidet niedregckegt, da fie ja noch in dieser Nacht de» Angriff der Wahidie auf die Stadt erwarten konnte. Aber nicht» regte fich in der Umgebung der heftige» Stadt, die in Ruhe und Sicherheit dem grauende» Morgen entgegenschlmmnerte.
Al» der Borbote der ausgehende» Sonne, da» Morgenrot, fie erweckte, begab fich Maria zunächst in den Garte» and stieg in da» Gewölbe hinab, nm zu sehen, wie ihr Pflegling die katte Nacht überstanden hatte. J»mail schlief noch, in ein Panthersell gehüllt, da» Johanne» vorsorglich in die Höhle hatte bringen lassen.
Die Jungftau verließ ihn, ohne hn zu weck«, nachdem fie ein Täfelchen neben chm hingelegt hatte, auf dem fie ihn bat, ruhig in dem Gewölbe zu bleiben, bi» fie zurückkehre.
Dann hüllte fich Maria in ein« dunklen Mantel und verließ, tief verschleiert gleich einer strenggläubige» Muhamedanen», da» Hau», um nach dem Kloster zu egen.
AI» die Jungfrau in die Kirche eintrat, begann gerade die hl. Messe, wüche der ehrwürdige Patriarch von Jerusalem an jedem Morgen selbst zu lese» pflegt. Maria gedachte, erst nach dem hl. Opfer bei dem Oberen de» Kloster» rach dem Schicksal chre» Vater» fich zu erkundig«, und fie warf fich daher in einen dunklen Makel de» Sottethause» nieder» um »»gesehen und ungestört ihre Schmerzen und ihre Bitten dem göttlichem Erlöser zu offenbaren.
Aber nicht tn fruchtlosen Klagen erging fich chre fromme Seele; fie jammerte nicht über da» schwere Geschick, welche» ihr «rferlegt war, fie fragte nicht:
Aus geheiligtem Boden.
Erzählung von Heinrich Ernst.
S ------ (Nachdruck 6erboten.)
Aber al» fie mm die Lebentkraft der kleine» Namme neuerweckt, und deren Licht wieder hell erstrahlte, da ward auch da» Bftdni» de» Gekreuzigten do» wunderbarem Schimmer übergossen, der Maria» Mge mit überirdischer Gewalt anzog. Die Jungfrau senkte sofort wieder de» Blick, al» wen» fie plötzlich schamvost auf einer Sünde fich ertappt sähe.
Und wirklich sündhaft kam ihr jetzt auch ihre Bre- zweiflnug vor. Erschüttert sank fie vor dem Kreuze niedre, und Tränen entstürzte» ihren Äugen. Während |e fich reuevoll ihrem Heiland zn Füßen warf, sand fie z^teich übernatürliche Kraft, himmlische» Trost, und in ihren Tränen löste fich der qualvolle Schmerz, die dmupse Verzweiflung ihrer Seele. Der finstere Gedopte, d-r wie ein Teufel seine Kralle» in ihr Herz geschlagen hatte: der Gedanke, daß fie durch die Znrüaylnmg Ismail» die Mörderin ihre» Steter» geworden fei, wich von ihr, und in ihrem Geiste er» ! «ante fir wieder klar, daß Jrmall» nachträgliche Hntreterfnng vor dem Motsallam den Christen, drr jenen hatte vergebe» wollen, nicht gerettet haben mürde.
Aber war auf anderem Wege Rettung möglich? Wohl hatte Maria selbst de« Jüngling de» Weg vvrgezeichnet, wie ihr Bater zu befreien fei, ober ihre eigene Hoffnung war nicht so groß, al» jene, welche fie dem Araber eingeflößt hatte. Und doch — gab e» sonst einen Hoffnungsschimmer für fie? An dieser Hoffnung mußt« ste ftftbatte« 'm übrigen aber all -br Hoffen tn Gotte» Hano »egen.
Int künftig sichte fie vor dem Bilde de» Gekreuzigten -mi Hilse ta dieser Rot, um Stärke in Unglück und
e Maer
sJÄä* wschmd-n-ig«, „Illustrierte Sonntagrzeitung"