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Druck und Verlag des Lnldaer Actiendruckers in Znlda (yarmoniH Srrnsprecher Ur 0°

32. Jahrgang.

Fulda, Mittwoch, den 19. April 1905.

M »0

Die Reform -er Perfonen-Tariser

aas der Eisenbahn.

Gestern teilte die ,Fuld. Zrg/ eine Meldung Berliner Blätter mit, nach weicher die Beratung über die Persone»tarif»Reform bereit- zu einer Einigung über den Zuschlag für Schnellzug-Be- Nutzung geführt habe; mit Recht war dazu be- merkt, daß gegen eine solche „Reform" Wider­spruch berechtigt sei.

Die vereinbarten Fundamentalsätze sollen näm­lich nach jener Meldung daraus hinausloufen: Für die einfach« Fahrt wird die Hälfte des bis­herigen Preises sür die Rückfahr-Karten erhoben, d. h. 6 in der ersten Klaffe, 41/* H in der zweiten Klaffe, 3 in der dritten und 2 $ in der vierten Klaffe. Aber daS gilt nur für Per- sonevzüge. Für Schnellzüge wird ein Zuschlag erhoben, der */» bis ’/. H für das Kilometer und für kleinere Entfernungen mindestens 50 betragen soll.

Wenn das durchgeht, so tritt sür Norddeutsch- land, also sür dre größere Hälfte des deutschen Reisegebietes, eine empfi dltche Verteuerung des Fernverkehrs, statt der versprochenen Vereinfachung eine neue Umständlichkeit ein. ein. Die große Mehrzahl der Reisenden im preußisch-hessischen Gebiete löst jetzt eine Rückfahr­karte, fährt also für 6, 4 und 3 das Kilo­meter, ohne sich darum bekümmern zu brauchen, ob der auserwählte Zug ein Personen- oder ein Schnellzug ist. Künftig würde der Fahrgast erst zusehen müffen, wie der betreffende Zug auf den Fahrplänen etikettiert ist, und dann würde er sich entscheiden müffen, ob er für die Benutzung eines sagen. Schnellzuges einen Zuschlag von 22 oder gar 25 Prozent des Fahrpreises dritter Klaffe zahlen oder liever zur Ersparung dieses Zuschlages sich in Geduld einem Bummelzuge anvertrauen soll. Wenn er nach Lösung der Karte den be- triffmden Zug verpaßt, so kann er nicht einfach den nächsten Zug benutzen, sondern muß erst den Zuschlag nachbezahlen oder den gezahlten Zu­schlag sich zurückgeben laffen, falls der nächste Zug einen andern Titel trägt. An jedem Schalter muß eine doppelte Garnitur von Fahrkarten ge- halten werden und dazu auch Zuschlags karten brr verschiedensten Dimensionen, da das Nach­lösen sehr häufig «intreten wird. Auf vielen Fahrten wird die abwrchs lade Benutzung von

Personen- und Schnellzügen nötig werden; dann wird entweder am Abgangs - Schalter eine um» stäiirliche Rechnung über die Bemeffung des Zu­schlages erfolgen müffen, oder man wird dem Fohrqaste den Zuschlag such für die Personen- zuzsstrecken abnehmen müffen.

Das wäre kein Fort'chrttt, sondern für den wettaus größten Teil Deutschlands ein Rück­schritt, sowohl im Punkte der Einfachheit, als auch im Kostenpunkte.

Die Preiserhöhung würde am schärfsten die dritte Klaffe tnff<n, nämlich mit 22 bis 25 % des bisherigen Rückfahrpr-ises. Da der Schnell zugS Zu chlag bei allen Klaffen gleichmäßig sein soll, würde die erste und zweite Klaffe verhältnis- mäßig weniger betroffen werden. Warum will man denn gerade den kleinen Mittelstand aus den Schnellzügen in die Personenzüge drängen und zu Bummelfahrten zwingen, bei denen Zeit, Kraft und Z-Hrungskosten verschwendet werden?

Was ist denn überhaupt der Unterschied zwi­schen Personen- und Schnellzügen? Die ersterer halten etwas öfter an, als die anderen. Dieses häufige Anhalten liegt aber gar nicht im Wunsche oder Jutereffe der Ferm eisenden; sie wollen lieber in glattem Lauf befördert werden. Auch die Bahnoerwaltung hat kein Jnterrffe an der lieber- füllung der Personenzüge mit Feruretsenren. Das ÄetriebStntereffe geht nur dahin, daß dir Schnell- züge nicht auf kurze Entfernungen benutzt, nicht von den Muffen des Nahverkehrs überlastet werden. Daher könnte eS gerrchifertigt fein, für Schnellzüge überhaupt nur Fahrkarten für größere Entfernungen z. B. von w nigsteus 50 Kilometer auszugeben. Aber eS ist nicht gerecht und zweck­mäßig, eine Strafe dafür zu verhangen, wenn Leute, die Hunderte von Kilometern zurücklegen wollen,-diejenigen Züge benutzen, die gerade zur zweckmäßigen Urberwindung größerer Strecken eingerichtet sind.

Die V-Züge stehen auf einem besonderen Blatte. Sie bieten den Reisenden etwas beson­deres und unterscheiden sich wesentlich von den anderen Zugarten; ihr Zuschlag ist nicht nach einzelnen Kilometern abgestuft und kann im Wa­gen selbst geregelt werden. Wenn man alle sog. Schnellzüge zu leicht unterscheidbaren v Zügen auSgestaltet, so wird der damit eintretende all­gemeine Zuschlag wohl erträglich fein. Aber sür alle Züge, die hier und da an einem kleinen Nest nicht anhalten, einen Zuschlag einzuiühren, der schon bei 300 Kilometer wnizste.-s 2 M. also hin und zurück 4 M. oder gar 41/« M. betragen würde, daS wäre eine arge Plusmacherei, eine unerträgliche Erschwerung des Fernverkehrs für

die minder wohlhabenden Klaffen. Lieber gar keine Reform, al- ein solches Gegenteil von der erhofften Vereinfachung und Verbilligung be' Reisens. Wenn die süddeutschen Fmanz- minifter glauben, sie könnten ohne dm landes­üblichen SchnellzugSzuschlag nicht auskommen, so mag schließlich dieser Zuschlag dort vorläufig be­fielen bleiben, wo er besteht. Ec beeinträchtigt ja die Betriebsmittelgemeinschast nicht betörtig, wie die Verschiedenheit in der Klasseneinteilung. Für Norddevtschland aber gibt es keine andere Reform, die bitf/6 Namens würbig ist, als der halbe RSckfahrpreiS ohne alle Schikanen. Sonst Lffen wir eS lieber beim alten, bis die Zeiten und die Minister für einen wirklichen Fort­schritt reif find.

vermischtes.

• Seit ist Geld. DieS »ort ist englischen Ur­sprungs. „Time is money“ heißt «8 bei unseren Vettern jenseits d«S «anal», und fie wissen ganz genau, wie wahr und wertvoll dleS kurze Sprüchlein ist. Zeit ist Seid, — natürlich nur für den, der sich «ei» ver- dienen will und die Zeit auSzunutzen versteht. Für Müßig,Lager und notorisch« rafch«ndi«be gilt eS selbst, verständlich nicht. Diese haben wohl Zett, wisse» aber nicht- mit ihr auznsaugr» und schlagen fie deSbalb etosach tot. Dem Fleißige» aber ist jede Minute Gel- de» wert und eine versäumte Stunde oft unbezahlbar. .Morgenstnudr hat «old im Munde" sagt ein andere» Sprichwort und bestätigt hiermit »nr die Wah'hett de» erste». Wer mit seiner Zeit »u rechne« versteht, wer fich »ach ihr seine Arbeit einteilt, wird selten in Verlegenheit kommen, die Hilfe anderer sür seine Ar­beite» zu beanspruche». Er verdient fich selbst da» «eld, da» er jenen hätte für die Arbeiten zahlen müffen, die er selbst erledigte. Wem «8 aber bet seiner «e- schSftignng auf ei» oder mehrer« Stündchen nicht an­kommt, «er lieber mit gute» Freunde» beim «las« Vier fitzt, a!» fich um sei» »rot zu bekümmern, der bat den Wert der Zeit nicht erfaßt und braucht fich über die Fölsen nicht zu wunder». Ihn kostet di« ver­schwendete Zeit einen schöne« Groschen Geld. Nimmt er da» hinzu, roa» er nebenbei noch für fich verbraucht hat, so wird schon im Laufe eine» Jahre» ein recht beträchtlicher Kapital daraus, daß ihm bet der »tlan, oft genug fehlt. Und der beste Bewei» für die Wahr- r eit jme» Worte» find un» doch die Männer eigener Kraft, die an» de» kleinsten Anfänge» fich aufgefchwun- gen habe» zu hocha»gefrheueu Stellungen. Sie alle habe» neben dem Wörtchen »Rast' ich, so rost' ich" auch dem Wahlspruch »Zeit ist Geld" gehuldigt.

* Kindermund. Der Heine fünfjährige Han» wird zum -rst-n Male in die Kinderschule geschickt. Al» er nach Hause kommt, fragt ihn die Mutter, wie eS ihm gefallen habe. .E» «ar schön, Mutti, aber ich kann doch auch zu Hause brav sein lN

* Schön gesagt. »Hat der Meier noch immer so fiele Schutt»» ?" — „Nr, au» den grövsten hat er fich scho - herau»geheiratet."

GotterdlenßorbMlNs hi gälte.

Gründonnerstag. Do«. Bon >/»6 Uhr an werden Beichten gehört, nach jeder halben Stunde AuS- triluug der hl. Kommunion, 9 Uhr Bischöfliches Hoch­amt, Weihe der hl. Del« und Urbertragung de» Aller- heiligsten in daS dl. Grab, 4 Uhr Matutin und dann Andacht vor dem heil. Grabe. — Stadtpfarrkirche. 61/., 6 und 7‘/i Uhr Austeilung der heil. Kommunion, 8 Uhr Amt, danach Uebertragnug de» Allerheiligste» ins hl. Grab. AbradS 6 Uhr Andacht. — Michael», kirche. 7 Uhr Amt mit KommuuionauSteilung, 5*/» Uhr Abendandacht. — Geverirkirche. 8 Uhr Amt, 6 Uhr Schlußandacht. — Pfamkirche z«m heil, «eiste. 7 Uhr Hochamt, 6 Uhr Abendandacht. — Frauenberg. Gelegenheit zum Empfang der hl. Sakramente morgen» do» */i6 Uhr an. Um 8 Uhr feier!. Amt mit General- kommuuton; nach dem Amte Uebertraguug de» Aller- heiligsten »um heil. Grabe, wo dasselbe zur Anbetung ausgesetzt bleibt bis zum Schluß deS Gottesdienste» am Karfreitag. 2 Uhr Zeremonie der Fußwafchung; um */i6 Uhr feierliche Metten; um 7 Uhr öffentliche Betstunde.

einete Marken 29.00—29.25 M

eine« Marken 26.0)—26.50 9t, eine« Marken 24.75—25.25 M., einete Marke» 23.00—28.50 9t, einete Marken 20.00—20.50 91.,

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Msrttterlcht«.

• Frankfurt, 17. April 1905. Am heutigen Wocheumarkt waren einheimische Brotfrüchte schwach offeriert uud ebenso gefragt. Die geringen Umsätze vollzogen fich zu vorwöchentlicheu Preise». Ausländische Brotfrüchte tu effektiver Ware fortgesetzt knapp und etwa» besser beachtet. Preise wenig verändert. Gerste geschäftSIoS. Hafer etwas besser begehrt zu unveränderten Preisen. MaiS behauptet, bei ruhigem Geschäft. — ES notieren je nach Qualität und Herkunft: Weizen, hiefiger und Wetterauer 18.00—18.25 Mark, kurhesfischer 00.00—00 00 Mark, norddeutscher 00.00 bi» 00.00 Mk., nfffischer 17.75—18.75 Mk., Red- Winter 00.00—00.00 Mark, Kansas 00.00—00.00 Mark, La Plata 18.25—18.80 Mark, Donauweizen 00.00—00.00 Mark. Roggen, hiesiger, 14.40-14.75 Mark, bau«. 14.40-14.75, russischer 00.00-00.00 Mt, Gerste hiesige 17.50-17.75, Pfälzer 17.50-18.00, Ried,erste 17.75—18.00 M., Hafer, hiesiger, 14.60—15.10 Mark, do. neuer (0.00—00.00, bayet. 00.00—00.00 Mt, russi­scher 14.00-15.50 Mark, rumänischer 14.00—15.50 Mark, MaiS Mixed 11.70—12.00 Mark, Donau- matt 00.00—00.00 Mark, La Plata 00.00—00.00

Roggenmehl, hiesiges, Nr. 0 21.50—22.00 M., Nr. 1 19.00-19.50 9t, Nr. 2 15.50—16.00 M. AlleS per 100 Kilo tncL Sack. — Futterartike! fest n. gesucht Weizen- schalen 5.15—5.25 Mt, Weizenlleie 5.10—5.20 M., Roggenkleie 5.60—5.75 M., Futtermehl 6.50—7.50 9t, Malzkeime 00.00—00.00 Mark, Biertreber, getrocknet, 6.25—6.50 Mk je nach Qualität AlleS per 60 Kilo netto effektiv loco hier.

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