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^feiertet«. Wertet*

wochmdMge Illustrierte Sonntagrzeitung'

32. Jahrgmg.

Fulda, Samstag, den 15. April 1905.

■g^SlieHiX SmIMuI «wirte lÄtoepft

IKMeitertZosva«« i flUr »i« 3dtret« Äiwieler in

Vie Lawine in dm Alpen,

DK nächsten Monate find die Monate, denen der Bewohner de- Alpendorfes mit Sorgen und Bange» entgegen steht; denn jetzt kommt die Zeit, wo der Winterschnee in den Hochalpen schmilzt; die Zeit, wo am häufigsten die Lawine nieder­kracht und mit ihren wuchtigen Mafien von Schnee und Gestein alles niederreißt und unter sich begräbt, was fich ihr entgezenstrllt. Zwar gehe» allenchalben an den am meisten gefährdeten Stellen die Bemühungen von Bewohnern und Behörde» Hand in Hand, um Schutzmaßregeln zu treffe». Man errichtet starke Mauern und pflanjt Bäume an, um das Rollen der Lawine zu verhindern. Aber gegen b!e ungestüme Na« tvrgrwalt der Lawine ist die Macht der Menschen gleich dem Nichts. Sie knickt de» stärksten Baum wk ein leichtes Holz und legt ganze Wäl­der nieder, fie reißt mit Leichtigkeit dk festesten Mauern um, trögt Häuser fort und legt fie in Trümmer, und begräbt Menschen und Tiere unter fich.

Welch ungeheuerer Schaden die Lawinen schon angerichtet haben, geht auS einer Statistik der schweizerischen Bundesregierung hervor. Im Winter des Jahre« 1887 bis 1888 gingen 1004 Lawinen in den Tälern nieder. Davon ver- Wüsteten 400 die Wälder, fegten über Dörfer fort, töteten 49 Personen, verwundeten dreimal soviel rmd tötete« 700 Stück Birh. 850 Häuier

KeckNH.

Rovellette von H. ». Norman«.

------ (Nachdruck verbot«».)

Gunther Recklitz hieß er.

Aber schon in der Schule hatte» ihn die Altersgenossen Kecklitz genannt; sogar der Lehrer sprach ihn mit dem Spitzname» an, wen» er nach Klaffenschluß dem lustige», übermütigen Jungen über den blonden Krauskopf fuhr.

Wenn der Kecklitz in der Schule gescholten wurde, war es nie wegen Faulheit oder Ber* nachläfftgung seiner Pflichten, sondern stets w il er Poffen u»d Unfinn trieb. Wen» er gelobt wurde, konnte er die Freude darüber nie ruhig und gelaffen tragen: „Hut! Herr Lehrer, Sie find aber lieb I" ES hals auch nicht, daß mau's ihm mit Güte oder Strenge abgewühne» wollte; das übersprudelnde SlückSgefühl und die äuge« borene Keckheit fiegten immer wieder.

Sein Spitzname blieb ihm während fernes DienstjahreS bei den Pionieren, und auch als er in's Leben trat, denn ob er auch sein« fröh­liche Anlage zu meistern und zu milder» suchte, konnte er doch über sein Naturell nicht hinaus, und mühte fich auch nicht ernstlich darum, »eil er immer wieder die Erfahrung machte, daß et» Teilchen Keckheit oft bester auf der Lebensfahrt hilft, als alle Weisheit.

Sein älterer Bruder hatte fich dem Studium der Philosophie hingegebe» und saß seit Jahre» bis tief in die Nächte über seinen Bücher«. Als er zum angestrebten Ziele gelangte und i« dem Examen eine gute Note erhielt, starb plötzlich sei« Vater, der als Beamter ein gutes Schalt bezogen hotte, und ließ die Witwe mit de« beiden Söhnen und einer spärlichen Penfion zurück. Für Gunther waren das keine fröhliche« Ausfichten, und sein Hong zur Landwirtschaft, sein Traum von Land- und Walöleben schwebte wie etwas Unerreichbares in der Luft, trotzdem verlor er seine gute Laune und seine frohe Hoff» nungSgläubigkeit nicht; keck wie er nun einmal veranlagt war, sagte er: „Nur Mut! Das schlimmste was postieren kann ist, daß ich als Hüterjunge oder Schäfer aus's Land gehe und meine Karriere als Gutsherr von «men herauf beginne!"

Der gelehrte Bruder war angestevt; solch eine Stellung, rote man fie meistens nach langem Studium, großem Fleiß und guten Abgang«» zeugnifie» von der Hochschule findet: Zu reich dotkrt zum Sterbe», zu schlecht zum Leben. Aber dennoch erbot er fich, dk Mutter zu fich S nehmen, um gemeinsam mit ihr «och für unther sorgen zu können.

„Nee, lieber Rolf," sagte Gunther; „Du bist schon mager und abgespart genug; wenn Ihr noch für mich sorgen müßtet, blieben ja schließlich von Euch nur Schatten übrig. Macht Euch um mich keine Gedanken, ich mache schon was ausfindig!"

Das Goldstück, das ihm die Mutter gegeben hatte, um fich einen Winterüberzieher billigster Qualttät zu kaufen, trug er in ein Losgeschäft. 8r nahm nur Kircherbaulose, weil er von dem Gedanke« auSging, daß man auch beim Lstteris- fptel edle Zweck verfolgen rnüffe, und er wählte nur solche Lose, die baldigst gezogen werde» sollte».

Al« er heimkam, fragte die Mutter: „Run, und der Ueberzieher?"

„Es muß noch etwas geändert werde»; in drei Tagen bekomme ich ihn."

In drei Tagen stam dk erste offizielle Ge­winnliste heraus und er hielt eS für felbstoer- stäudltch, daß er gewinnen müsse.

Aber eS kam anders; drei Lose und drei Nie kn.

Pfeifend sprang er die Wohnuvgstreppe hin* auf und auf dir erneute Frage der Mutter sagte er: „War nicht fertig; SamStag!"

SamStag war die zweite Ziehungsliste da;

-er hatte fünf Lose und fünf Niete».

Er rieb fich dk Hände; nur ein LoS hatte er »och; aber diese Lotterk hatte die meisten Ehavcen und die höckste« Treffer. Sr fang, als er in die Wohnstube Kat.

„Und der Uebe^ieher?" Die Mutkr fegte es verdrossen. Gunther legte den Arm am ihren Nacken und meinte lachend: „Mütterchen denkt wohl gar, ich hätte daS Geld verjubelt? Na, warte nur. Du wirst Auge» machen, wenn ich nächsten Montag stolz mit meinem Uebei- z eher komme!"

Abends am Montag fuhr er mit einet Droschke erster Güte «ach Hais; er hatte den erste» Treffer gemacht und kam mit Paketen belade« heim. Natürlich hatte er einen Ueberzieher feinster Qualttät, mit Pelzfutter.

DK Mutter fiel halb in Ohnmacht; ** halb, das Sliick hielt die »wette Hälfte |«rfl<

und wie er seinen Glauben betätigt? O nein, das wäre kein vernünftiger Bekenner, sondern ei» geck. nhaster Schwätzer. Man soll die Perlen nicht vor die Säue werfen, heißt es in der Schrift, und daS soll nicht etwa bedeute», daß alle Andersdenkende mit jenen Tieren zu ver- gleichen seien, sonder» soll vielmehr mahnen, über hohe und heittge Dinge nicht an ungeeigneten Orten, z. B. am Schnapstisch und nicht vor un» würdigen Leuten, z. B. gottlosen Spöttern, Er- örierunge« zu pflegen. Wenn die Verhättniffe so find, daß das Gleichnis von den Perle« und de» Säuen zutrifft, dann ist es am besten, still- schweigend oder mit einem kurzen, einfachen und kräftigen Protest fich zu entferne«.

Auch dort, wo in würdiger Umgebung ein Bekenntnis am Platze ist, braucht man noch längst nicht immer auf eine Dtskujfion, ein Wortgefecht fich etnzulaffen. Im allgemeinen kommt ja überhaupt bei solche» Disputen über die tiefen und heiligen Fragen deS Glaubens und Gewiffens nichts heilsames heraus; man et* hitzt fich die Köpfe, tauscht scharfe und immer schärfere Redensarten aus, und schließlich bleiben die Zweifler und Spötter doch bei ihren Be­hauptungen stehen. Ja, fie bilden stch meistens ein, daß fie mit ihren hohlen Phrasen und schlechten Witzen das Feld behauptet hätte», wie ja überhaupt bei einem Wortwechsel von unge- bildeten oder erregten Leuten diejenigen im Bor- teil find, die recht rücksichtslos schelten und spotte«. Soll über heilige Sachen wkklich dis­putiert werden, so muß es in einer ernsten, weihevollen Stimmung an einem würdigen Otte geschehen, und wer da al« Anwalt der Wahr­heit und Tugend austreten will, der muß zu dieser Aufgabe auch die gehörige Befähigung haben. DaS ist nicht jedermanns Sache, alle kniffe und Unwahrheiten der Gegner sofort zu durchschauen und zu durchhauen; dazu gehören tiefere Kenntniffe und eine größere Geschicklich­keit im Gebrauch des Wortes. Wer die nicht besitzt, der läßt fich auf die Kopsflechterei gar nicht ein, sondern begnügt fich mit beet einfachen, bescheidenen und würdigen Bekenntnis: das ist meine llrberzeugung, die ich in ernstem Nachdenken und in der Erfahrung meines Lebens mir ge­bildet, und ich verlange für meinen Glauben denselben Respekt, den Bk für Ihren Glauben oder Unglauben in Anspruch nehme»! Punktum. DaS genügt.

Also in dem Bekenntnisse mit dem Munde muß man die rechte Form und daS rechte Maß zu wahren wiffen. Aber es gibt noch ein an* derrs, besseres, wirksameres Bekenntnis, bei dem man fich frei gehen lassen kann: das Bekenntnis durch die Tat, durch eine gute, tüchtige und wahrhaft christliche Lebensführung. „An ihren Früchten werdet ihr fie erkennen." Trage auch Du gute Früchte und sorge für gute Früchte in Deinen Familien; dann steht Dein HauS unter dem rechten Zeichen des Bekenntnisses.

Und mögen diejenigen, die in einer katholi- chen Gegend wohnen, stets bedenken, daß eS Ür die zerstreuten Glaubensbrüder viel chwerer ist, das rechte Bekenntnis in Wort und Tat abzulegen. Darum muß es ihnen Herzens­sache sein, die Katholiken in der Diaspora zu unterstützen, damtt auch dort das Hosanna nicht verstummt und der Weg des Herrn nicht ganz ohne Zier und Schmuck bleibt.

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Mvakdeklage; „HlllöiM GefchichtMMer".

und Hütten und 1300 Hektar Wald wurde» voll­ständig zerstört. Rechnet man die gewöhnliche» Unfälle, bei denen Postwagen, Schlitten und hier und da einzelne Personen fortgetragen werde«, »och dazu, so wttd die Liste noch viel größer.

Von der verheerenden Kraft einer solchen Gchneeberges, der einen steilen Abhang hinunterdonnert, macht man fich, so schreibt der ,Münft. Anz.', schwer eine Vorstellung. Lawinen von 500 bis 1000 Meter Breite und 10 bis 20 Meter Höhe find in dieser Jahreszeit in berüch- ttgten Gegenden, die man sorgfältig meidet, keine Seltenheit. Diese unberechenbaren wechen Schnee- maffen rufen einen solche» Luftdruck hervor, daß ganze Wälder, die nicht dttekt auf dem Wege der Lawine, sondern nur in ihrer Nähe liegen, wie GraS niedergemäht und Fenster in Häusern zerbrochen werden, die mehrere Kilometer ent­fernt liegen. Bor drei Jahre» wurde« die Hüt­ten im Kanton Graubünden fast 400 Meter von der Gewalt der Lust fortgetragen, und die große Lawine war ein Viertel Kilometer vom Dorfe niedergegangen. Im Jahre 1889 wurde das Dach einer Scheune über die Aare gefegt und fast 500 Meter entfernt in das Dorf Guttannen getragen. Die Höchstzahl der Opfer wurde im vorigen Jahre erreicht. In dem Bergdörfchen Pragelato in Piemont wurden 102 Bergleute unter einer Riesenmasse weichen SchneeS begraben. Nur 23 wurden lebend herausgegraben, obgleich eine große H'lsSabteilung schnell zur Stelle war. Zwei der Ueberlebenden, die nach 50 Stunden auSgegraben wurden, waren infolge der ausge­standenen Schrecken wahnsinnig geworden. Im vorigen Jahre kamen 13 Personen bei der Katastrophe bei Grengiols umS Leben. Fast 100 Dorfbewohner wurden obdachlos durch eine La­wine, die 1000 Meter lang, 80 Meter breit war und 325000 Kubikmeter Schnee und Trümmer enthielt. Das ist vielleicht die größte Lawine, die bekannt geworden ist. In dem Saatstale wurde vor zwei Jahren das Dorf Prattigau unter zwei Lawinen begraben, die zweite fiel 5 Stunden später als die erste und hatte de» Tod von 57 Personen zur Folge, die vier Dörfler, die Opfer der ersten Katastrophe reiten wollte».

Obgleich gewöhnlich schnell der Tod durch Ersticken eintritt, wenn jemand unter dem Schnee begraben ist, hat man Fälle erlebt, daß Leute, die sechs, acht und selbst vierzehn Stunden unter dem Schnee begraben waren, am Leben geblieben find. Im vorigen Jahre wurden fieben sranzö- fische Soldaten von einer Lawine überrascht. Secks entkamen und machten fich sofort an das Rettungsroerk; der fiebenle wurde nach acht­stündiger Arbeit hrrausgezogen. Inzwischen war ein Arzt angekommen, und eine Stunde später erzählte der Patient sein unangenehmes Abenteuer. Das einzige Aettungsmittrl, wen» man unter eine Lawine gerät, ist „Schwimmen". Man muß versuchen, fich auf der Oberfläche der weichen, wogenden, nachgebenden Masse zu halten, und daS kann man nur durch Schwimm- bewegunge« erreichen. Sowie man erst „unter­geht", ist die Gefahr groß.

Der amerikanische Bergsteiger Charles Baumgarten aus Chicago geriet zu Beginn deS vorigen Monats auf der Pointe d'Otny in der Dent du Midi Gruppe in die größte Gefahr. Baumgarten erzäblt fein Erlebnis wie folgt: „Da roir beide, meine Frau und ich, uns nicht ganz wohl fühlten, beschlossen wk einen Auf­stieg in dk Berge zu machen und wähtten dazu die Pointe d'Orny, die wk beide im vorigen Sommer zweimal bestiegen hatten. Wk ver­ließen am 4. Januar Viy'y und begaben n«S nach Champer; da ich den Weg gut kannte, gingen wir ohne Führer. AllkS ging gut, bis wir zu einem steilen Schnseabhang kamen, ber unsicher aussah, und ich ging allein vor, um Umschau zu halten. Ein guter Führer hätte daS niemals getan, aber eS war ber kürzeste Weg unb ich schlug ihn ein. Ich feilte mich von meiner Frau ab unb bat fie, etwas herunterzu­steigen, damit fie im Falle der Gefahr sicher wäre. Ich war kaum zwanzig Meter gestiegen, da schien ein Riß schnell quer über bas Schnee- selb zu laufen, unb bie ganze Masse fing an, fich abwärts zu bewegen. Kaum hatte ich Zeit, mich auf ben Röcken zu werfen unb Arme uwb Beine auszubreiten, benn schon stürzte bie La­mme mit immer mehr zunehmender Geschwindig­keit den Abhang herunter, ber 120 Meter hoch war. Im nächsten Augenblick lag ich atemlos auf einem schmalen Frlsgrat, etwas links vom Abgrunb. Noch zwei Schrttte weiter unb es wäre um mich geschehen gewesen. Ich war nur an dem Ranöe der Lawine gewesen und wie durch ein Wunder auf den Felsgrat geworfen; so wurde eS mk nachher nicht schwer, zu meiner Frau zurückzukehren. Wir stimmten beide Überein, daß wir für einige Zett vom Bergsteigen genug hatten, und stiegen nach Champer hinunter."

"Unpolitische Zeitläufe.

(Nachdruck verboten.)

® Berlin, ben 13. April 1905.

Am Palmsonntag sollte fich eigentlich bie Menschheit so recht schämen. Es ist da ein unauslöschliche« Schänd- unb Brandmal auf die Stirn der sog. öffentlichen Meinung auf gebt Adi worden. Auf ba8 tönende Hosanna vom Sonntag folgt am Freitag das kreischende „Kreuzige ihn!" Volkskunst war Schall unb Dunst, unb bis jum heutigen Tage hat fich oft genug gezeigt, baß bie Volksseele in ihrer Schwäche und Beweg­lichkeit Überall fich gleich bleibt.

Am Palmsonntag sollte eigentlich auch trüb- felige Traurrstimmung herrschen. Die Leidens- -woche beginnt; bk erste Passion wkd in ber Kirche verlesen.

Aber wenn wir uns und dk anderen Leute genane? beobachten, so finden wir, baß das Lieb­liche sxnb Tröstliche, das in der Feier dieses Tages liegt, fich nach oben drängt und bie Serk fich gar z« gern an dem Hosannarvs unb bem Schmuck der vorläufigen Triumphstraß« beS Herrn erbaut. Es wirb schon etwas ORerfrei be unb Pfingstjubel vorweg genommen. In das Scham- und Trauergefühl mischt fich schon das Bewußt­sein des nachfolgenben Triumphes und bk Hoffnung, baß roir teil haben werben an bem ewigen Hosanna. Der landesübliche Ersatz für bie Palmen wird mit seinen jungen Sprossen zu einem weihevollen Zeichen des Frühling«, und durch alle Buß- unb Trauer«olken bricht zeit­weilig ber Sonnenstrahl: Es muß boch Frühling »erben, in ber Natur und in den Herzen!

Es ist nun einmal MenschenaU, mit mehr Eifer nach dem Angenedmen zu trachten, als nach dem Unangenehmen. Daher kommt ja auch ber Name; was uns gefällt unb behagt, das nehmen rotr gerne an, es ist uns „angenehm". Wenn dabei Maß gehalten wird, so ist ein solcher Optimismus ja auch besser, als TrÜbfinn und Verzagtheit, welche die Tatkraft lähmen. Es schadet also auch nicht, wen« wir am Palm- fonntag recht wacker in das Hosanna einstimme» und die Kätzchen an de« geweihten Zweigen alS Vorzeichen des natürlichen unb geizigen Früh­lings hoffnungsvoll begrüßen. Nur dürfen wir ben ersten Grundton nicht verbecken lassen: Durch Kreuz zu Freud! daS ist bie Signatur dieser Zeit.

Wer stch den festfreubige» Bekennern vom Palmsonntag anschließen will, muß auch gleich mtt festem Bewußtsein entschlossen sein, am Kar­freitag sein Bekenntnis zu wiederholen unb zu beMfttgen.

AlS beim Einzüge Christi der Volksjubel auf den Straßen ausbrach, gehörte nicht viel Tapfer- kett dazu, mitzmufe» unb mitzufeiern. „Mit­läufer" gibt es bei allen guten unb schlechten Dingen, bie zur Zeit oder an bem betreffenden Orte volkstümlich find. Wenn aber auf den Wellenberg daS Wellental folgt, unb daS Gegen­teil wieder „modern" wkd, bann sondert fich dk Spreu vom Weizen. Die charakterlosen Mit­läufer verschwinde» oder geraten sogar auf bie andere Sette, unb nur eine kleine Anzahl ber Getreuen bleibt bei ber geknickten Fahne. Wer blos mttmacht, was ihm seine Umgebung gerade Vormacht, braucht fich nicht vkl einzuvilden, wenn er auch zufällig in bie gute Strömung ge­rate» ist. Aber wer auch gegen den Strom stch in feinen Grundsätzen zu behaupten vermag, der barf schon eher sagen: Ich bin ein Mensch, bet auf eigenen Füßen steht und seinen Charakter selbständig zu betätigen sucht.

„Wer mich vor den Menschen bekennen wirb.." Unter den gegenwärtigen Verhältnissen steht bas offen« Bekenntnis zum Glauben unb zur Kirche im Bordergrmb ber Pflichten, die Ehre und Gr- wissen gebieten.

Jo, auch bie Ehre gebietet das Bekenntnis zur rechten Zett. Es gibt freilich Leute, bie ba meinen, sie müßten gerade ber Ehre halber ihre Zugehörigkeit zu einem anZefeindeten Bekenntnis verheimlichen. Aber gerade diese feige Heimlich, leit ist ehrlos, und wenn bie andere« doch hinter bk Maskerade kommen, so vergessen fie ben Feigling erst recht, und zwar mit gutem Grunbe, während fie den ehrlichen Bekenner vielleicht ge- haßt, aber doch respektiert hätten. Und schließlich muß jeder, der nicht ben Mut seiner Meinung hat, stch selbst verachten.

WaS er ist, bas muß ber brave Mensch auch zu scheinen wagen.

Jo, soll er tzsnn immer mit offenem Munde herum gehen und überall aufrufen, was er glaubt,

Jß. 87