Einzelbild herunterladen
 

Altzaer W Zeitung

I

MonatrbeUager „Kü-ü-r Eeschicht§))!äüer"

32. Jahrgmg.

Fulda, Freitag, dm 14. April 1905.

M 86

[1M0

zu vermieten.

Wnttlnrstratze 7,

3 Zimmerwohnung,

[1786

angenommen bet

woch-ndeu-giI„IllustrierteSoimtag^eitung

Karl Bftbsam,’ WachSwarenfabr. u. WachSbl., Fnlda.

den Himmel ragte, halb ruiniert worden und zum Teil eingefiürzt. __________________________

nie0

* -

iaieii«»! vt» m spattige pttityüt •er« 8m« 15 psz. Beflmn« die petiheü, 25 psg.; bei wieder' Holungen wird entfpr.

Rabatt gewährt.

Druck und Verla- bet Zuldaer Acttendrucker*- in Sulda (Harmonie, Zernfprecher Ur.».

0 3m Bomllovkeller in Berlin.

Das nächtliche Berlin bringt sonderbare AuS- gebürte« hervor. Dies trübe, gärende ^LebkN, dar nie erlischt, daS sich noch regt, wenn schon die Morgendämmerung die grauen Häufermassen und den Asphalt färbt, hat Sammelpunkte, die sich erst von 11 llhr abends an belebe« und di« der ruhige Bürger nie kennen lernt. Nur die Poltzei kennt fie genau und verfolgt alle Wand» lungen, die fie durchwachen, mit Sorgfalt. So wie fie tu Paris den „debite de rin“ auf den äußeren Boulevards eine für diese sehr schmeichel» haste Aufmerksamkeit widmet, so beobachtet fie im Berliner Zentrum und Osten die Bouillon» keller. Dam hier hält fich allerhand lichtscheues Gesindel ix den Stunden von 11 Uhr abends bis 5 Uhr morgens auf.*

Der Bouillonkeller ist eine Errungenschaft der neuesten Zett; er bestand vor einige» Jahren noch gar nttht. Hier bekommt man Bouillon, Milch, Kakao, Schokolade, warme Speisen, aber keinen Alkohol. Abstinente« werden dies mit Wohlgefallen vernehmen, doch würde« fie im Irrtum sein, wen« sie deswegen die Lokale alS Stätten der Tugend ansähen. Mitunter trinkt eben auch daS Laster Milch. Der Allohol ist auS dem Programm dieser Lokale auSgeschallet, well fie mit ihm als SchankstSttm polizeilicher Kouzeffion bedürfen würden, und daS wollen fie eben vermeiden. Zartfühlende Seelen, wie die, die hier verkehren, wollen nicht gern die Polizei» aktuare noch mit unnötiger Schreibarbett über» laste«. So ton« der Wirt feinen Keller schließen und aufmachen, wann er will, und in den Stun» den zwischen Mitternacht und Morgen herrscht hier das munterste Leben.

Um es Kimen zu lerne«, rnüffen wir ftellich daS elegante Berlin, das Berlin des Westens gänzlich und auch in Gedanke« hinter uns lasse«. Hinter der Nationalgalerie und dem Hackeschen Markt verttefen wir uns in das vtraßengewirr des Zentrums, streif« wenigstens flüchtig das berühmte Scheunenviertel und kommen auf die endlose Linienstraße, die «och die Umwallung des atten Berlins kennzeichnet. Hier ist die Gegend der kleine« Trödelgeschüfte, der Pfand­leihe«, der Roßschlächterei«», der Kleidermaga» ziae, wo man schon für 10 Mk. einen fertige« Anzug bekommt. Die blinkenden Schutzmanns» Helme, die unter dem Gasglühlicht der Straßen» latenten sichtbar find, die elektrische Bahn, die noch bis V13 ihren Weg trottet, find die einzig« beruhigenden Forme« der Zivilisatio« hier. Den« die andere«, die mä««lichen und weibliche« Ge­stalten, die fich hier noch Herumtreiben, flößen wenig Bertrauen ein. Hier in der Gegend der Linienstraße find auch die Bouillonkeller häufiger. Hebet einem leuchtet ein weißes WirtShauSfchlld

In meinem Neubau „Aw vahNhos Nr. 5<“ per sofort freundliche

3 Zimmerwohnung mit Bodenkammer, Speisekam­mer und Gartenanteil zu ver­mieten. [1722

Job. Maller.

mit trübem Licht. Wir steigen hinab und befin­den uns in einem niedrigen, von Glasflamme« «hellt« Raum, d« mtt Tisch« besetzt ist; neben­an ist ei« zweiter, beide leidlich sauber gehatt«. Merkwürdig« Inschrift« an den Wänden, die zu d«ken geb«: -Vor Taschendieb« wird gewarnt." „Unnütz« Aufenthalt ist hi« nicht gestattet." „Handel ist nicht gestattet." Der Wirt kennt sein Kutturmllieu. An einer Wand hängt daS Bild des Landesherrn; eine andere ist mtt schauder­haft« Reklame-Plakaten, tropische Landschaften darstellend, behängt. Die Tische find schlecht ge- putzt, d« grüne Anstrich d« Wände ist lange nicht erneuttt, von hinten dringt der Dampf ein« Äaffeetfld;e herein. Ein an d« Wand hängendes Plakat belehrt uns, daß eS hi« auch Mittagstisch gibt — für 40 Pfennig. Für 10 Pfennig «halt« wir eine Taffe Bouillon. Eine Kritik des Getränkes unterläßt man an Ort und Stelle besser. Die Mitbürg«, die um uns fitz«, haben uns aufmerksam und etwas mißtrauisch gemustert beim Eintreten: manch« von ihn« sieht aus, als ob es ihm auf ein paar Jahre Plötzensee mehr oder nrntig« nicht ankäme. Eixige spiel« Kart«, ein Paar würfeln, mehrere lesen in ein« Zeitung, die der Wirt hält, unb diskutieren dabei. Edie tadellos gescheitelte !Fri- fue ist daS höchst» Zeichen von Eleganz, daS mau hi« kennt; die, die sie hab«, seh« darum nicht vertrauenerweckender auS; im Gegenteil. Da kommt eine brette Gestalt die Treppe herunter, die langsam durch das Lokal geht, fich in eine Ecke fetzt und ein Getränk bestellt. SS ist ganz still geword«, fich« ist es ein Schutzmann in Zivil. Er beobachtet und wartet; auf wen roetfi man nicht. Vielleicht komm« in ein« halb» Stmlde noch mehrere, dann aber in Uniform. Dann «kb« eS die Nachbarn und die wenig« Nachtpaffanten, daß die nächtlich« Gäste hi« auS dem Lokal abgeführt und auf die Wache ge­bracht w«den. Wer nicht verdächtig ist, wird entlassen, die übrig« behält man. Im allge­mein« sucht die Polizei all« diesen Kellnkneip« imm« mehr ein Ende zu mach«; von 1898 bis 1903 find allein über 200 geschlossen worden; jetzt dürften noch ISO vorhand« sein. (K. Z.)

ätSotitgt. Meeteb ;6$eL»eiM$$seei8 ite» SringerW LNtz

®L5» pstz

VoottwOttUche»

wenn man zufällig geht oder fährt. So war ich einst, alS ich von ein« dienstlichen Ausfahrt nach Lahore znrückkchtte, höchlichst «staunt, als ich die Eingeboren« in dicht« Häuf« auS ihren Häufe« hervoreilen und wie ein« Ameisenhaufen vor mir wimmeln sah ohne ein« ersichtlich« Grund. Erst als ich mein Haus «reichte und sah, wie meine Tür von Stein« , und Mörtel ganz verschüttet war, ver- mochte ich mir die Angst und Aufregung der 2«te zu erklär«. Eines Tages saß ich gerade bei d« Arbeit an einem Aufsatz, als der «ste Erdstoß erfolgte. Ich hatte die Fed« in d« Hand und wartete auf eine innere Erleuchtung, als in einem Augenblick die Wände des Bun­galows fich spaltet« und durch ein« «g« Spalt helles Sonn«licht hereindrang und ich die grün« Bäume hindurchschimme« sah. Mtt einem Sprung war ich an d« Tür und sah mir doch Heber die Bäume drauß« an, denn in einem Raum mit so unsicher« Wänden wollte ich nicht läng« bleib«. Einige Läufer war« eingesall«, und ein paar Tote wurden gesund«, aber in diesem „Himalaya-Bezirk seismischer Un- ruhen", wie ihn die Geolog« nennen, sind doch so ernsthafte Erdbeben, wie eins eb« «st mehrere Provinz« verwüstete, im ganz« sehr selten. Tb« weil das so fett« vorkommt, wird sich« die sehr abergläubische eingeborme indische Preffe daS Unglück mit dem bevor­stehenden Besuch deS Prinzen von Wales in B«bindung bring«.

W«n in Europa ein solches Erdbeben ein­träte, dann würden die Verluste mindestens zehn- mal so groß fein, weil unsere massiv« Stein- baut« alles in ihrem Sturze mitreißen und be» grab« würden. Die natürliche Entwickelung ein« Architektur in von Erdbeben bedroht« LSnd«» ab« führt zu einstöckigen Häufnn, dnen Ausdehnung mehr in die Brette fich er­streckt, als in die Höhe. So ist die Gefahr der Schwankung« verringert und das leichte Ma­terial, Hotz und Mörtel, leistet nur wmig Widerstand. NichtSdestowenig« gibt eS in Pendfchob und besonders zu Lahore, Amritsar und Delhi, alles Otte, die schwer gelitten hab«, wundervolle Heberreste von Archtteklur« aus Indiens groß« Bergang«hett. Moscheen von traumhaft« Schönheit, die fich in vielfarbigem Marmor «glühend darb eten, und Tempel, der« gold«e Dächer weithin glänz«, leucht« wie In- wel« aus der wett« mit niedrig« Hütt« be- deckt« Landschaft; sie find jetzt d« Zerstörung anheimgefallen, d« fie durch die Jahrhund«te getrotzt. In Lahore hat auch das prächtige moderne Gebäude, das zur Erinnerung an un. sere groß« Prokonsuln Lawrence und Mont- gomery errichtet wurde, riefige Riffe «hatten und wird noch sür lange Zett wohl Spur« drS Unglücks aufweisen. Ebenso ist die Kathedra'e, die alS ein hoher viereckiger Bau wie ein Mo­nument «ropäisch« Gesittung und Kultur gegen

Erdbeben in Indien.

Das große Erdbeben, welches vor kurzem Lahore verwüstete, hätte dieM«sch« nicht so unerwartet überraschen können, wenn man nicht gewohnt wäre, kleine Erderschütterungen ui Subito alS etwas Alltägliches zu betrach- t«. Hebet diese Erdbeben eHähtt E. Kay Ro- binson in einem englisch« Blatte: „Solche gewöhnliche Erdstöße brech« plötzlich mit einem lang hi-rollenden Gedröhn wie das Braus« eines unterirdisch« Eis«bahnzuges herein und find von ein« Erschütterung begleitet, die das Geschirr er- litt« läßt, an den Tür« kräftig rüttelt und Hüte von den Ständern herunterwirst. An sie ist jebtt, der längere Zett in Indien, vor allem in b« an Erdbeben reich« Gebiet« des Hima­laya gewes« ist, völlig gewöhnt, und solch' alt- gewohnte Dinge flöß« nicht mehr Schreck« ein. Der Ruck erfolgt so plötzlich und Überraschend, baß meistens schon alles vorüber ist, wmn man «st daran denkt, etwas zu tun, um fich zu rett«. Unb so ist der erste Gedanke nach Überstand«« Gefahr gewöhnlich d« d« Dankbarkeit und des Aufatmens, daß es glücklich abgelauf« ist. Aber man nimmt fich fest vor, das nächste Mal recht aufzupaffen und auf der Hut zu sein, damtt man beim allererst« Anzeich« sogleich d« „Bunga­low" (Rasthäuser für Reisende. Die Red.) ver­gaffe. Doch w«n aufs n«e die unterirdisch« Mächte fich rühren, dann ist die Ueberlegung vttgeffen und man läuft nur ganz instinktiv ins Freie, um bei einem etwaig« zwett« Erdstoß baS Schauspiel mtt der Seelenruhe betracht« zu Sun«, die uns das Gefühl bet Sicherheit ver­leiht. Nach ein« klein« Weile geht man dann wied« hinein und lacht am nächsten Tage üb« die leine Aufregung. So find die meist« Er­innerung« an indische Erdbeben mehr heite­rer als ernster Natur.

Innerhalb der erst« 24 Stund« nach mein« ersten Ankunft in Lahore, das ja in dies« Be- ziehung besond«s berüchtigt ist, machte ich den kühn« Versuch, ein Erdbeben mit dem Fuße fortzustoßen. Ich bildete mir nämlich ein, ein« b« Hund« hätte gegen die Beine des Tisches ge- stoß«, an dem ich saß und schrieb, als « plötz­lich wie unter einem jäh« Stoße sich bewegte, und stieß mehrere Male mit dem Fuße nach ihn«; erst als ich unter den noch von der Er­schütterung wackelnd« Asch blickte und nichts bacunt« sah, kam ich langsam auf d« Sedan- tat, da könnt« doch die Mächte d« Natur ihre H<md im Spiele haben und gab meine vergeb- Ach« Bemühungen auf, die inneren Vorgänge b« Erde mtt Fußtritt« zu verscheuch«. Von solchen gelinden Erdstößen merkt man gar nichts.

Schöne

3 Zimmer-Wohnungen an ruhige Leute sofort zu ver­miet«. [1882

________4.

Sine schöne, große

Eine schöne

Mmsmhn-MyW per 1. Mai ob« später zu ver­mieten. [1736

Kranznsenwäldche« 8.

2 ZiMtt-WohuM

vermischtes.

• «portSmätzig ««Sgedrückt. .Warum hab« Eie Ihr« Berlobuu, mit Fräulein 3L be«# «fee» hob«?' .Ich habe beim Taudemfahreu erkannt, baß fie immer cm ber Lenkstange fitzen wollte!'

• verdächtig, »ater (zu seinem Sohn, etoem E tubent«, bet baS Gesicht voller vchmiffe hat) : „Aa, wie schaust bmx du auS? Soll« bie Leute vielleicht denk«, b« hast mit ber Mutter ,'raust?'

RtlhMti- **> Snjrijtnttfl.

Uqiil rein u wriß,nach welcher jede Dame ilB H»UI verlangt, erzielt man sicher nur durch

Myrrholinfllycerin.

2 Zimm mit Licht und Zubehör zu vermiet«. [1684 Krouhofstrnße 87.

Schöne Schlafstellen, auf Wunsch mit Kost, sofort zu vermieten. [1765

SeMÜfe«arkt 1».

Anständige Leute könn«

Schlafstelle

«halte«? ^1776

««i,straße 60.

ES wirb noch eine Anzahl jugendlicher Xtbetta und XtbtUerinnen

1 Stage, mit abgeschlossenem Vorplatz, Bleichras« und Gar- tenontetl ist sofort zu vermiet«.

1767s HirtSrai« LS.

Uenban Uiesigerweg \5I\T einige

Wohnungen zu vermieten. Näheres zu er­fragen bei_____________[1778

Heinrich Bommel, Löherstr. 25.

Im Mansardenstock schöne wohnnng, 2 große Zimmer und Küche zu vermiet«. [1101

E. Stern, Karlstraße 10,

Sntsanlaus.

Ein von 150 bis 600 Morg« Größe zu kauf« ge­sucht, am liebst« in katholisch« Gegend. Verkäufer s«d. genaue Offert, u. D. 26 a. d. Exp. [618

Äemtaegeffc 5 ist ein

Laden

«M zwei anftoftenbtn Sim»er» m»ttt günstig« Bedingung« zu vermiet«. Näheres AuS- Aluft hittübtt wird «teilt

WaiebrichSmarkl 4.

Sine schöne freundliche

4 Zimm-Wnhuung

in 1. «age zu vermieten.

V. Sennefelder,

Schweinemarkt 6/8.

Ein Logis, bestcheckb auS 8 Zimmern, Ra« Hnet, lküche, Keller unb Boden- warn, auch etwas Land, p« 1, Mai pr vermieten. [1771

Freundliche

3 Zimmerwohnung an ruhige Leute sofort zu v«- mieten. Preis 20 Mk. monat- W [1734

Marttstraße S