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MaerM Zeitung

Momttsdellage? »Lulöaer GeschichtsbMer^^

32. Jahrgang.

Fulda, Frettag, den 7. April 1905.

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Die Ausgaben haben betragen: Für Brot, Fleisch, Eier, Milch, Kartoffeln, Kohlen......

Für beaufsichtigte Kinder . . . . Verschiedene Ausgaben für Bücher, Zeitschriften, Kollekte rc.....

Unterstützungen in bar . . . . -

anstatt verpflegt. Durch Einrichtung einer Spar' kasse sucht der Verein die Sparsamkeit zu fördern Die Einlagen, welche mit 3>/z °/o verzinst werden, werden jedes Jahr am 1. Oktober zu Anschaffung der Winterbedürfnisse zurückgezahlt. Die Ein lagen der Sparkaffe der St. Sturmiuskonferenz betrugen im Jahre 1904 M. 1125,97.

Es wurden im Ganzen 55 Familien unterstützt, teils dauernd, teils nur vorübergehend, meistens nur in Fällen, wo durch Krankheit des Ernährers Erwerbsunfähigkeit eingetreten war. Gestorben sind im Laufe des Jahres sechs Pfleglinge.

Die Einnahmen des Vereins haben betragen:

«fttetatage. viertel- MiLve»»-rpr«i« MM vrimr«rl»h« und toSsIeelb titelten* wart» 1«. 60 Pf0-

LHMlettenZos.vam»

wocheLdellagi!„IllustrierteSomdagsicitung*

Anteiliger Erlös aus den Neujahrs- entschuldigungskarten.....

Von den Wohltätern laut Liste . . Von den außerordentl. Mitgliedern Kollekte in den Generalversammlungen Kollekte in den Sitzungen des örtl.

Verrvaltungsrates......

Sühnegelder..........

Besondere Gaben...... • •

Kollekte in den wöchentlichen Sitzungen

der aktiven Mitglieder...... Besondere Geschenke direkt an die

Konferenzen....... • •

168,03 726,50 233,—

163,61

Rechenschaftsbericht des Vereins vom hl. Vincenz von Pan! in der Statt ßulda über das Jahr 1904.

Den verehrten Wohltätern Rechenschaft zu geben über die Verwendung der dem Verein zuge­flossenen Mittel, Aufschluß zu erteilen über die Art und Weise, wie die Mitglieder die Armen­pflege ausüben, ist der Zweck diefes Rechenschafts­berichtes.

Den beiden hier bestehenden Konferenzen ge­hören zur Zeit 47 aktive Mitglieder an und zwar 30 der St. Sturmiuskonferenz für die Dom­pfarrei und 17 der St. Blasiuskonferenz für die Stadtpfarrei; außerdem gehören dem Verein 24 außerordentliche oder Ehrenmitglieder an, welche einen bestimmten Beitrag leisten und nur den Generalversammlungen, nicht aber den wöchent­lichen Sitzungen beiwohnen. Die St. Blasius­konferenz hat im Laufe des Jahres 1904 durch den Tod des um den Verein sehr verdienten Herrn Probator Wehner einen herben Verlust erlitten.

Die wöchentlich stattfindenden Sitzungen waren im Jahre 1904 tn beiden Konferenzen von den Mitgliedern sehr gut und regelmäßig besucht. Nach den Vorschriften der Statuten wurden die vorliegenden Unterstützungsanträge eingehend be­sprochen, untersucht und erledigt. Unterstützungen werden nur dann gewährt, wenn nach sorgfältigen Erkundigungen und nach persönlichem Besuch der Armen dieselben sich als notwendig Heraus­stellen. Die Tätigkeit der Konferenz beschränkt sich jedoch keineswegs auf die Verteilung des Almosens, sondern erstrecktsichauf alle Werke der Barm­herzigkeit, sie geht möglichst darauf aus, die Quellen der Armut ausfindig zu machen, um besfernd und helfend einzugreifen, den Pflege­befohlenen, wo dies immer geschehen kann, die Wohltaten der sozialen Gesetzgebung zu vermitteln, Arbeit zu verschaffen, Stellen zu vermitteln usw.

Der Verein war auch verschiedentlich bemüht, gegen das die Kinder schwer demoralisierende Hausbetteln einzuwirken.

Der Obhut des Vereins sind mehrere Fürsorge­zöglinge anvertraut. Eine Anzahl Kinder werden auf Kosten des Vereins in der Kinderbewahr­

Sr. Eminenz — dem Feste seine Krone ge- worden. Es ist diese Kundgebung deS hl. Vaters auch ein Zeugnis für die späteren Geschlechter, daß zur Zeit der 1100 jährige» Bontfatiusjubt. läumS der Bischof mit seinem KleruS und mit seiner Herde treu im katholischen Glauben flehend an dem Erbe des hl. BonifatiuS festhielt, und daß Fulda nicht nur deffen Gebeine, sondern auch seinen Geist besaß. Der Bericht schließt mit dem Wunsche, daß bet der folgende« Jubel, feier Fulda, ja Deutschland in Fulda am Grabe seines Apostels mit gesteigerter Begeisterung rufen möge:

Gaude Fulda, plaude Germania, Patria tui et Apostoli erudita dottrinia, illuatrata virtutibua, auffalta Patroeiniia, et in so magnifica Dei magnalia!

„Freue dich Fulda, jubele Deutschland, unterwiesen durch die Lehren deine- Vaters und Apostels, erstrahlend in seinen Tugenden, gestärkt durch seinen Schutz und verherrliche in ihm Gottes Großtaten."

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3» einem .»ückdU-l auf die KestM- ckihmr der Berichterstatter die Andacht, Frömmig« Zeit, Würde und erbauliche Ordnung, welche daS Volk ta der Grabesktrche des hl. Bonifattus ge­zeigt habe. Einige Hellebardencräger genügten, Ae schönste Ordnung herzustellen; alles gehorchte «f etS'.n Wink derselben, sodaß man bei der große» Messe der täglich die Kirche Besuchenden dieser Folgfamkett des Volkes nur die größte Nnerkennung zollen mußte. Namentlich herrschte «ährend den Predigten die größte Sülle und Aufmerksamkeit, was umsomehr Anerkennung verdient, wenn man bedenkt, daß die Zuhörer tzr der Regel eine» mehreren Stunden wetten Weg zurückgelegt hatten und sehr ermüdet waren.

Auffalle» mußte es auch, daß Männer der Stadt Fulda, die sich seither nm fetten an kirch­liche» Festlichkeiten beteiligt hatten, die durch Hre Unentschiedenheit und falsche Liberalität in religiöser Beziehung bekanm waren, durch den efftiflften Besuch deS Gottesdienstes sowie durch Hre würdige Haltung sich bemerkbar machten, nicht zu gedenken der vielen nichtkatholischen Ehrten, welche täglich und mtt großer gttube dem Gottesdienst anwohnten und laut chren Beifall auSfprachen. Noch größere Aner­kennung verdient da« Betragen der großen Menge während der feierlichen Aufzüge außer­halb der Kirche. Man wurde nichts gewahr von jener ärgerlichen Neugierde, die fich durch !Lrm«deS Hin- und Herztehen, Rennen und Drängen bemerklich machte. DaS richtige Ver­ständnis von dem, war vorgtng, die innige Würdigung des Helligen, geheimnisvollen Kultus, eine hl. Andacht durchdrang daS Volk und leitete -46. Auch das Betragen der Nichtkacholllen ver­dient alles Lob. Nicht wenige von ihnen fielen mtt den Katholiken auf die Knie und nahmen den Segen hin, den die zum Do« und von da zurückziehenden Kardinäle dem Volke erteilten, gewiß infolge einer Ahnung, n>enn nicht An- erkenn«*g der hl. Würde, welche diesen Prälaten Ame wohnte. Auch am 5. Juni gelegentlich der «tt vielem Glanze abgehaltenen Prozession mtt und zur Verehrung der Reliquien deS heiligen BonifatiuS hörte man nichts, was den Glauben der Katholiken hätte beleidigen können. Im Gezentell! Auch die Protestanten sahen diese allehrWÜrdigen Reliquien mit aller Ehrfurcht an; * schien, als fände man eS ganz in Ordnung, als hatte man eS für ganz natürlich, daß man die Ueberreste des Mannes, dem ganz Deutsch- land fsvielzschuldig ist, auch in Ehren ßatte. Wirst man endlich einen Blick auf das Betragen der großen während deS Festes in Fulda ver- fammetten Volksmenge hn allgemeinen, so ist man wiederum genötigt, dieses als höchst muster­haft zu rühmen. Die Zahl der während des Festes i» Fulda anwesenden Fremden und Wall­fahrer kann mit Genauigkeit nicht angegeben «erd«; man schätzt sie auf mehr denn 100000. Die weltliche Regierung hatte vorsorglich in Er­wartung der Unordnungen und Skandale, die

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sich bei einer so mafsenhast und au8 allen Gegenden Deutschlands zusammenströmenden Volksmenge ereignen konnten, ihre Anstalten getroffen, nament* ltch eine ganze AnzahlPoliztsten nachFulva beordert; allein dtePolizri fand nie weniger zu tun als während der Festwoche; keine Unordnung fiel vor, kein Skandal störte da« Fest, man hörte weder in Wirtshäusern noch im Freien zankende, streitende oder auch nur scherzende Stimmen, man sah keinen Betrunken«, was im geg«telligen Falle nicht zu verwunde« gewesen wäre, wenn man bedenkt, daß Tausende von d« Anwesenden kurz nach oder gar um Mitternacht, vielfach mtt leeren Mag« aufgebrochen war«, und dann während der fchwül« Nacht und des warmen Morgens unter Gesang und Gebet einen wetten Weg zurücklegten, von Müdigkeit, Hunger und Durst erschöpft in Fulda ankamen, daß viele wegen des Empfanges der hl. Sakramente bis Mittag, ja einzelne bis gegen Abend nüchte« blieben; wie leicht konnte eS gescheh«, daß auch der Rüchtemste, durch einen Trunk geistiger Se- tränke mehr oder minder in den Zustand der Trrmkerihett geriet! Dennoch sah man kein solches Beispiel.

Das Volk verbreitete fich in der Stadt und labte fich in ben Wirtshäusern mit Speise und Trank oder nährte fich im Freien von dem mitgebracht« Vorräte; aber nirg«ds rastete es lange; der vielfache Gottes- dimst, dem es eifrig beiwohnte, rief und sammelte eS in der Grabesktrche seines hochgrfettrt« Apostels, und deS Nachmittags nach der Predigt zog eS wie eS gekomm« — in Prozession wieder heim, das Herz voll von dem, was es geseh« und gehört hatte. Auch deS Nachts beobachtete daS Volk das würdigste Benehmen. Große Gruppen, die in Wirtshäusern nicht Unter­kommen konnten oder wollte», lagert« fich vor den Tor« der Häuser und an anderen Plätze», unterhielten fich von dem, was fie am Tage er­lebt hatten und zog« dann zusarnrn« in d« stets offenen Dom, wo sie fich d« fromm« Bete« anschloff«, die unaufhörlich diese hellige Stätte bevölkert«.

Diese« würdige v«ehmen des Volkes fand sein« S«nd in dem Glaub«, der es beseelte, und in der'auftichttg«, ungeheuchelt«, fromm« Meinung, in welcher es zu dem Grabe des heilig« Bonifatius gepilgert war; nicht minder in dem gut« Beispiele, welches dasselbe in Fulda fand, wo man festfeindliche und störende Beran- stalmng« möglichst verhindert hatte.

Kurz die 1100jährige Feier des Märtyrer- Indes des hl. BonifatiuS «ar im eiaerttltchen Sinne doS Wortes ein Kirchenftst; darüber herrschte nur eine Stimme, alle Einwohner Fuldas, alle Pttger, vom geringsten bis zum vornehmste», besonders die in Fulda gewesen« Prälat«, stimm« darin überein.

Besonders Se. Emin«z der Kardinal Male Prela nahm, wie dies aus einem Schreib« an den Herrn Bischof Christoph Florentius hervor­geht, das freundlichste Andenken an das Fest mit nach Hause.

Einige Wochen später teilte er dem Her« Bischof mtt, daß auch der hl. Vater, dem er Bericht erstattet habe, über die Fuldaer Festlich- keit seine große Freude geäußert habe. Durch diese feierliche, in einem eigenen Breve offen ausgesprochene Anerkennung von fett« des hl. Vaters war — nach dem Ausspmch

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Die entstandenen Mehrausgaben wurden auS der Rücklage, welche aus überschüffen früherer Jahre gebildet ist, gedeckt. Wie aus der Rechnung»- aufstellung ersichtlich ist, wurden fast alle Unter­stützungen in Naturalien, weniger nur «Geld, gewährt, und auch diese letzteren nur mdtrekt zur Bezahlung von Miete rc.

Es konnten noch zur Verteilung kommen: ein Waggon Kohlen, Geschenk eines Fabrikbesitzers, und 135 Flaschen Wein, Geschenk eines lang­jährigen Mitgliedes, sowie eine Anzahl Kleidungs­stücke aus der Kleiderkammer des Vereins. Außerdem wurden die dem Verein gratis über­lassenen religiösen Sonntagsblätter und Kalender verteilt. Die in früheren Jahren vom Verein ins Leben gerufene Suppenanstalt, welche von den ehrw. barmherzigen Schwestern unentgeltlich geleitet und unterhalten wird, erfreut sich fort­gesetzt einer guten Frequenz und bedarf fernes Zuschusses seitens des Vereins.

Allen verehrten Wohltätern der Armen beS Vincenzvereins sprechen wir den herzlichsten Dank aus und bitten, auch in der Zukunft denselben ihr Wohlwollen nicht zu entzieh«.

Fulda, im März 1905.

Der Vorstand tts Vincenzvereins.

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