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Fulda, Montag, den 3. April 1905.

32. Jahrgang.

i.

Vorlage ge- weit durch- Herrenhaus- nach langen aus unserem

des Abgeordnetenhauses für die wanne», im Herrenhause noch schlagender gewirkt. Mit dem beschluffe ist die Kanalftage mm

die Friedenspräsenzstarke des deutschen Heeres und betreffend Aenderung der Wehrpflicht, betr.

Deufidies Reich.

Berlin, den 1. April 1905.

§ In der Sitzung des ivu«de-r«1s vom April wurde den Gesetzentwürfen, betreffend

Deutschland in die frühere Dürftigkeit zurückgeworfe». Sine Verteuerung aller Lebensmittel müßte die Folge sei« den» Deutschland könne die Zufuhr auch deS Getreides aus dem AuSlande nicht entbehre«. Infolge der Schädigungen von Handel und I». dustrie müßte auch die Landwirtschaft der Not anheimfalle».

Fürwahr, so sagt mit Recht die .Freie Deutsche Presse', eine solche Schilderung ist ge­eignet, graulich zu mache». Sie ist entworfen nach dem Muster der Schreckbilder, welche die Flugblätter bei den SeptennatSkämpsen von 1887 verbreiteten. Wie man damals es so dar. stellte, daß Deutschland dem Untergange preis« gegeben sei, wenn die geforderte Heeresver- stärkung vom Reichstage nicht sogleich für sieben Jahre, sondern zunächst nur für drei Jahre be« willigt würde, so muß »ach den Schilderungen deS Flottenvereins Deutschland der Verarmung anheimfallen, wenn nicht zu den zwei Doppel« geschwadern von Linienschiffen noch alsbald ein drittes hinzukomme.

Dabei hat der russisch-japanische Krieg soeben gezeigt, daß Geschwaderkämpfe von Linien­schiffen heutzutage überhaupt nicht mehr vorkommen. Desto mehr wird von dort be­richtet über Kriegsschiffe, die durch Minen oder Torpedos in die Lust gesprengt find. Auch er­weist sich die Entsendung von Flotten im Kriege auf weite Entfernungen überhaupt von zweifel­haftem Wert. Getrauen sich doch die Geschwader der b ltischen Flotte Rußlands nicht an den Kriegsschauplatz im fernen Osten heran. Für den Schutz der deutsche» Küsten komme» Kriegs­schiffe kaum in Betracht. Unsere Küsten schützen sich, wie zutreffend dargetan wird, von selbst. Die deutsche Handelsflotte aber, welche über daS ganze Weltall zerstreut ist, kann auch durch hundert Kreuzer nicht überall geschützt werden. Im Gegensatz zu England, Nordamerika und Frankreich ist für Deutschland der Schutz der Landgrenzen in politischer sowohl wie wirtschaft­licher Beziehung die Hauptsache nr.d M diesen Schutz sorgt mehr als ausreichend die Land­macht.

Die Agitationen des Flottenvereins sind da­nach auf Täuschung desjenigen Teils deS Volkes berechnet, welches die wirklichen Verhält- niffe nicht kennt. Um so unverantwortlicher ist eS, daß dergleichen irgendwie unterstützt wird. Ohne solche Protektion würde der Flottenverein alsbald in e n Nichts zusammenfinken. In der Tat: die Versaffer von Flugblättern, wie die hier in Rede stehende», machen sich groben Un­fugs schuldig.

Jahren heißer Kämpfe endgiltig politischen Leben beseitigt. Alle Welt wird froh

oder ftm Abschluß gebracht ist. Die «osten der Orte» richt«,, trägt in diese« Falle der Staat, sofern die Anordnung der «ommunalausstchtSbehörde im Ber- watt«»sSstreüverfahre»i82S) anfgevoben wird. Reicht die imBefchlußvers»hre»sestgesetzteL«istu«g»nrDeckung der «osten nicht auS, so ,reist die Bestimm«»« deS 8 90

§ 81a. Unberührt bleibt die Verpflichtung deS Staate», diejenige» Kosten zu trage», wllche durch lardeSpolizeiliche Maßnahme» zur Bekämpfung über- tragbarer Krankheiten entstehen.

** Der im vorigen Jahre begründete Ber- baud der dentfche» Jude« hat eine Umfrage veranstaltet über die Zurücksetzungen, die angeb­lich die Juden wegen ihres Glaubens in den verschiedenen Zweigen der Staats- und Kommunal« Verwaltung, im Zivil- und Heeresdienste erleiden. Besonders ins Auge gefaßt ist hierbei auch eine aktenmäßige Feststellung des Ausschusses jüdischer Bürger vom Schöffen- und Geschworenendienste.

§ Mit dem 1. April dieses Jahres wird bei der A»fiedel«ng-.K»«»isfio« für West- Preußen und Posen zu Posen eine eigene, selbst­ständige Rechnung legende Hauptkaffe eingerichlet, auf die die sämtliche», gegenwärtig der hiesigen RegierungS-Happttaffe für die Ansiedlungs-Kor--- mtsfion obliegenden Geschäfte, sowie die Geschäfte der bisherigen Spezialkaffe der Anfiedelangs- Kommission übergehen.

* DaS Herrenhaus hat heute die Kanal- volage mit großer Mehrheit angenommen. Ma» hätte erwarten können, daß sich dort der Groll und Widerstand noch weit deutlicher be­merklich machen würde, als im Abgeordneten­hause, da die ganz überwiegende Mehrheit doch der Partei der konservativen Kanalgegner ange- hört. Aber dar Gegenteil geschah. Hatte in der konservativen Fraktion des Abgeordneten- hauses sich bis zuletzt eine starke Abneigung gegen die Vorlage» erhalten, sodaß zeitweilig sogar eine Spaltung drohte, so ging im Herren- Hause alles glatt und ruhig ab. Keine Erbitte­rung, keine Entrüstung, kein zäher Widerstand, sondern eine ganz leidenschaftslose Geltendmachung von Bedenke». Offenbar Men die politischen Erwägungen, die einen Teil der Konservative»

0 Vas Treiben des Zlotteirveremr wurde vor kurzem im Reichstage als „gemein­gefährlich- bezeichnet. Seit einigen Wochen verbreitet der Verein allenthalben Flugblätter, die man mindestens als sehr eigenartig bezeichnen darf. In einem dieser Flugblätter heißt es, daß ein Feind der Arbeiter sei, wer im NrichStage nicht für eine stärkere Flotte stimme. Die Flugblätter berufen sich im Eingang aus das im Oktober 1899 gefallene Wort deS Kaisers: „Bitter not tut uns eine starke Flotte!- Sie schweigen aber darüber, daß der Kaiser in feiner jüngsten Rede zu Bremen vor Antritt der Dlittelmeerfahrt geäußert, er danke Sott, daß er nicht, wie damals, einen Notschrei auSzustsßen brauche. „Die Flotte schwimmt, nnd sie wird gefallt*, das Material an Menschen sei vorhan­den usw. Zu diesem Ausspruch paffen die Flug­blätter des Flottenvereins, wie die Faust au das Auge.

Rach dem Marineetat von 1905 befinden sich, wie die .Freie Deutsche Preffe erinnert, gegenwärtig im Bau 8 Littienschrffe, 3 große, 3 Leine Kreuzer. Nach dem im Flottengesetz von 1900 festgelegten Plane wird die Flotte 1917 einen Bestand erreicht haben von 38 Linien- schiffen, 14 großen und 38 kleinen Krerzrr». Sine derartige gewaltige Flotte ist vom Flotten- verein spöttisch als „Flottchen* bezeichnet worden.

Die Flugblätter verlangen nicht nur einen beschleunigten Bau zur Ausführung des Flotten- Plans von 1900, sondern auch eine Erweite­rung desselben derart, daß schon im Jahre 1912 ein Flottenbestand von 48 Linienschiffen, 12 großen und 36 kleinen Kreuzern und 24 Tor- pedobootsdivifionm mit 120 Torpedobooten vor­handen sein würde. In der »Köln. Bolksztg/ ist von sachkundiger Sette ausgerechnet worden, daß das Reich, um in neun Jahren diesen Flottenbestand zu erreichen, an einmaligen und an fortdauernden Ausgabe» zusammen Über die Ausgaben »ach dem Flotlengesetz von 1900 hinaus einen Mehraufwand von 3165 Millionen Mark aufbringe» müsse. Die Agitationsschriften des FlottenoereinS versuchen die Bedeutung solcher Ziffern herabzumindern durch die Behauptung, daß das deutsche Volk Jährlich für 31/« Milliarden Mark Bier, Wein und Branntwein konsumiere. Rur eine geringe Einschränkung dieses Konsums genüge zur Aus­bringung neuer Flottensteuern.

Während man auf der einen Sette derart den Steuerdruck aus der Aufbringung der SRtttel für eire verstärkte Flotte als möglichst gering darzustellen sucht, weiß man in den Flug­blättern nicht grell genug ausmmale», wie schreckhaft die Folgen sein müßten, wenn man eS bei dem Flotlenpian von 1900 mit seinen 38 Linienschiffen und zahlreichen Kreuzern bewenden ließe. Besser als eine schwache Flotte fei gar keine Flotte, den» ein siegreicher Feind könne durch plötzliche Uebersälle Den gesamten Seehandel Deutschlands zerstören. Würde derart der Welthandel unterbunden, so würde

die Feststellung des ReichshaushaltSetatS für daS Rechnungsjahr 1905 und betreffend die Feststel­lung deS HauShsltsetatS für die Schutzgebiete auf daS Rechnungsjahr 1905 die Zustimmung erteilt.

§ Die Zeitungsmitteilung, daß gegen den Anfiedelungskommiffar in Südwestafrika Dr. Rahrbach ein Disziplinarverfahren mit dem Ziele der Dienstentlassung wegen bewußter Durch­kreuzung der Absichten seiner Dienstbehörde usw. eingeleitet worden sei, wird von der »Nordd. Allgm. Zig.' für gänzlich unzutreffender« klärt. Ebensowenig trifft dir Mitteilung eines anderen Blattes zu, wonach der Legationsrat Dr. Schnee Berufen fei, den Gouverneur von Samoa Dr. Sols za ersetze».

* Die Mattttkwlarbeitrage für 1905 betragen nach deren endgiltige» Gestaltung des Etats für die Bundesstaaten 266567 881 M. (mehr gegen 1904 30130768 M ). Es entfallen u. a. auf Preußen 163 775977 M. (mehr 18305045 M.), auf Bayer» 28282223 M. (mehr 3475250 M.), auf Sachse» 19957 812 M. (mehr 2 231326 M ), auf Württemberg 10145747 M. (mehr 1154762 M.), auf Bade» 8874493 M. (mehr 931975 M), auf Olden- bürg 1896470 M (mehr 211969 M.), auf Slsaß-Lothringen 8168722 M. (mehr 914055 M. gegen 1904). Die Sesamtkopfzahl ist auf 56367178 berechnet worden.

* Um das Zustandekommen des Geuchen- gesetzeS zu sichern, werden gegenwärtig im Ab­geordnetenhaufe Kompromißverhandlungen gepflo­gen, die darauf abziele», daß Staat, Provinzen und Gemeinden sich in die Kosten teilen, während »ach dem Regierungsentwurf Staat und Pro­vinzen nicht beteiligt waren und die Kreise, die jetzt ausgeschaltet werden sollen, die Hauptlast trugen. Die Kompromißanträge lauten im Einzelnen wie folgt:

§ 28. Die Ssmeinden sind verpflichtet, diejenige» Einrichtungen, welche zur BekLwpfu», der übertrag­baren Krankheit«» (§ 1. Abf. 1.) notwendig find, zu t«ffrn und für deren ordnungsmäßige Unterbaltung zu sorge«. Dis «reife sind befugt, diese Einrichtungen an Stelle der Gemeinden zu treffen und zu unterhalten.

§ 29. Die Anordnung zur Beschaffung der in § 28 bezeichneten Einrichtungen erläßt die Kommunalaus- fichtSbrhörde. Segen die Anordnung findet innerhalb 2 Wochen die Beschwerde und zwar bei dr» Landge­meinden an den KreiSauSschuß, bst Stadtgemeiuden an den Bezirksausschuß und in weiterer Instanz an den Vrovinzialrat statt. Wird die Beschwerde auf die Be­hauptung mangelnder Leistungsfähigkeit zur Ausführung der Anordnung gestützt, so ist auch über die Höhe der von denGemeindeu zu gewährendenLeiftung zu beschließ en. Segen die Entscheidung deS ProvmzialratS steht den Parteien die Klage im BerwaltungSstreitverfahrrn innerhalb derselben Frist beim Oberverwaltungsgericht zu. Auf diese Klage findet dir Vorschrift deS § 127 Abs. 3 deS Gesetzes über die allgemeine Landrsver- waltung vom 30. Juli 1883 entsprechende Anwendung.

§ 30. Reicht die im Brschlußverfahre» festgesetzte Leistunz der Bemeinde nicht zur Ausführung der an­geordneten Einrichtung a«S, so trägt, sofern die Rem» munalauffichtSbehörde ihre Anordnung aufrecht erhält, di« Provinz die Mehrkosten. Die Hälft« drrfelben ist vom Staate zu ersetzen.

§ 31, Bei dringender Gefahr tat Verzüge kann die KommunalauffichtSbehörd« die Anordnung zur Durch, führung bringe», bevor daS Beschwerdeverfahren und daS BerwaltungSstreitverfahren »ach § 29 eingelettet

darüber fein.

** DieBerggesetzkomMission des Herren­hauses feste sich, wie wir in Ergänzung unserer letzte» Meldung mitteilen, wie folgt zusammen: Graf zu Sulenburg-Praffen, Vorsitzender, Graf von H oh enthal-Dölkan, stellvertretender Vorsitzender, Marx, Schriftführer, Graf von Westphalen, Stellvertreter des Schriftführers, Graf Henckel Fürst von Donnersmarck, Graf Fink von Finckenstein.Schönberg, Graf zu HoenSbroch, Graf von KönigSmarck, Meyer, Frhr. v. der Recke, Fürst zu Salm- Horstmar, Graf von T i e l e-Winckler, VopeliuS, Dr. Wachler, Zweigert. Von den Mitgliedern sind 4 Bergwerksbesitzer. Ein parlamentarischer Berichterstatter will roiffen, daß

Marthas ZchmMMtttt.

Dem Leben nacherzählt von Marz. Schlichter.

12 ------ (Nachdruck verboten.)

Allerdings wurden die Mägde zur Kirch? kom­mandiert. Aber auf Kommando ist noch niemand fromm geworden, und Donna Gabri-lenS Brifprel war nicht danach angetan, die Frömmigkeit begehrlich zu machen. Kleta, die Köchin, trödelte dann die Straße entlang und kaufte Spitzen und Bänder, um des Sonn­tags ihrem Schatz in bte Augen zu stechen. Antonia, das Hausmädchen, machte am SamStag abend mit ihrem Bräutigam, der Gärtner war, einen recht aus­gedehnten Spaziergang. Kamen die Mägde dann so vergnügt heim, so dachte Gabriela, eS gehe doch nichts über den Seelenfrieden, und wie gut es sei, daß man so fromme Mägde habe.

Martha fügte sich in daS Unvermeidliche, aber sie fühlte sich f äglich unbehaglicher im Hause ihrer Schwieger­eltern, namentlich litt ihre Gesundheit sehr unter dem stete» Aerg-r u".d flammet Dazu wirkte die gänzlich veränderte Leber Sweiie nachträglich aus ihr Bi si eden. Sie bekam ein Magenleiden, daS sie zwang, vorsichtig in der Buiwrhi der Speis-n zu fein. Da gab e» denn bei Tisch recht unliebsame Aeußerunge» von feiten ihrer Schwi^ermutter und den beiden unlieb­samen Töchtern. Die Stiche waren meisten- so sein, daß der arglose Dou Joaquin nicht merkte, wie fir die zartfühlende junge Wuwe um fn tiefer verletzten Wie langsam schlich die Z'it unter solche« Verhältnissen fit Martha In den Tagen deS Glücke- verflogen sie schnell, und jetzt schien fie ihr bleierne Flügel zu Haden.

Wie endlos lang erschien ihr der Tag! Wenn aber der Abend endlich kam mit der lang ersehnten Ruhe und dem Frieöen und fie in der Stille chre-

ZimmerS auf die holde Unschuld ihre- schlummernden Liebling- blickte, so wünschte fie, e- möge nie wieder Morgen werden. Aber das ewig gleickmäßiggehende Rad der Zett kehrt sich nicht an unsere Wünsche, gleich­viel ob e- Glück oder Unglück, Freude oder Schme-z ür un» im Gefolge hat. Für Martha brachte jeder Tag tagend ein neues Leid, doch keine- traf fie so schwer wie die Erkrankung ihre- einziggeliebten Kindes, >a- ja die Freude ihre- Herzens nnd der alleinige Trost ihre- Leber» war. Bella bekam nämlich D'ph« theriti», und e» folgten Tage namenloser Angst und Sorge für die arme Mutter. Nur wenn ihre Kräfte ir verließen, trat fie ihren Platz am Berte der Kleinen ür kurze Zeit an Maris Luisa ab. Die Gegenwart der gestrengen Großmutter regte da» Kind zu sehr auf. Do .r Josqain, der sein Enkelkind sehr lieb hatte, z eigte fich der dieser Gelegenheit al» ein geschickter vipiomat, indem er unter allerlei Borwäsden seine bessere Hälfte au» dem Krankenzimmer komplimentierte. Zur Beruhigung Martha», vielleicht auch, weil er einer Kunst nicht ganz sicher war, zog er einen zweiten Arzt hinzu, und er gelang ihren gemeinschaftlichen Bemühungen, dar Ku d zu retten. Rach dem heftigen Fieber konnte Bella fich gar nicht recht erhole», und >er Arzt erklärte, daß bei der schwächlichen Konstitution de» Kinde» die sorgsame Pflege nottue. „Geben Sie dem rinde Milch, Milch und abermals Milch!" lautete eine Mahnung. Anfangs geschah da- denn auch.

Mexcko ist zwar ein reiche» Land, und wenn ti ogar von Milch und Honig fließen soll, so ist da» zewiß bildlich gesprochen. In Mexiko kostet die Milch o gut Geld wie anderSwo, und Donna Gabriela erklärte eine- Tage», daß die Extraausgabe für ein Liter Mllch pro Tag ihr HauShaUnvgSbudget zu sehr belaste und wieder gestrichen werde» müsse. Martha war in Berzweiflung. Sollte fie fich an ihre» Schwiegervater wenden? ES würbe einen heftigen kampf geb:», und auch iw günstigste» Falle hätte fie einen Sieg entgelten müssen. Sie floh zu Donna Guadalupe. Bisher hatte fie e» vermiede», diese stille

Dulderin mit Klagen zu belästigen. Mit ihr durste Rartha über Pablo sprechen. Und da» war ihr immer ein süßer Trost. Aber jetzt, wo e» fich um sie Gesundheit ihres Kinde» handelte, ba-fte fie nicht schweige», fie mußte bei der guten Xante Trost und Hilfe suchen. Und wie Martha jetzt ihre Not zu klage» begann, erzählte fie wehr, al» sie beabsichtigt hatte. ES war, al- ob der so lange still getragene Kummer, die ganze Bitterkeit ihre» Herzen» fich ge­waltsam Bahn brecyen müsse. Unter heißen Tränen prüdelten ihre Worte von den Lippen. Donna Guadalupe hörte fast noch mehr heraus, als fie sagte, und gewann ein treue» Bild von dem traurigen Leben dieses armen jungen Wesens und wollte gern erleichtern (elfen, sofern es in ihrer Macht stand.

„Kind, warum hast du mir nicht früher dein Herz anSgeschüttet ? Glaube mir, ich kenne meine Schwägerin, ich habe fie schon al- junge» Mädchen gekannt und damals meine ganze Berersamk-it angewandt, um meinem Bruder von der unglückseligen Heirat abzu­raten. Aber er wollte nicht hören, nnv eS ist ge­kommen, toe ich gesagt habe. Er hat fich selbst ver­loren an der Seite dieser herrlchsück.tigen Frau^die außerdem eine an Härte grenzende Lieblosigkeit besitzt. Ich beschränke schon seit Jahre« meinen Verkehr mit ihr bis auf da» geringste Matz, und das ist besser so. trimm nur immer zu mir, wenn das Herz dir schwer ist, eS wird dir hier erleichtert werden,- und sanft strich fie über MmthaS Scheitel, die allmählich ihre Trän?» trocknete und wieder ruhiger wurde.

Bon nun an kletterte klein Bella jeden Tag die Treppe hinauf zur Tante Guadalupe. Und wenn fie mit ihren Fäustchen an die Tür pochte und ihr Helles Stirnmchea Einlaß begehrte, glitt e» wie Sonnenschein über das Antlitz der alten Dame, und mit Entzücken tauschte fie aut da- Geplauder der Kleine», da» eia !östliche» Kauderwelsch von Deutsch und Spanisch war. Nach dem Befehle der Großmutter sollte B-lla nur spanisch sprechen. Wern aber Martha ihr Kind deS abends ganz Ifir fich hatte, störte sie sich nicht an

diesen strengen Uta» und redete mit ihm in ihrer Muttersprache.

„Darf ich diesen abend ein Stündchen bei dir bleiben, Tante Gmrdalrpe?" sagte Martha einige Wochen später und küßte die Wange ihrer gütigen, mütterlichen Freundin.

„Du weißt, daß du mir stet- willkommen bist, tust sogar ein guter Werk, wenn du mir die Zeit ein wenig verplauderst, selbst wenn e- unangenehme Disqe find, die du zu berichten hast. Denn heute hast du wieder Verdruß gehabt. Da» merke ich an deiner Stimme. Gesteh'» nur, du hast gemeint"

„Za, da» hake ich, aber e» kommt mir wie Ent­weihung vor, meine Kämpfe in dein friedliche» Heim zu tragen, gleicht e» doch einer ruhigen, sonner beschienen en Bucht, wohin die Stürme deS Leben- nicht zu bringen verwögen."

„Er hat aber lange gedauert, bis ich mein Schiff­sein in bteiem Hasen der Frieden- vor Anker gelegt habe. Alles Gute will auf Erden erkämpft sein, auch der innere Friede."

„Und die S-duid, ist es nicht so Tante? Ackr, ich hadere soviel mit m-inem Schicksal und denke immer, wenn mein Beichtvater mich ermahnt, me ne Leiden mit Ergeb >ng in GotteS Willen zu tragen. Toch Geduld ist leichter gepredigt als geübt. Aber wenn ich bei dir bin mb sehe die Fr- udigk.it, mir der du dein°Krenz trägst, so muß ich dir unwillkür­lich nachahmen Du bist gewiß immer so geduldig gerne??», liebe Tante?"

,D rein, Kind, such ich habe lernen misse» in d-r Schule der Leide». Welcher Art fie waren, will ich dir erzählen. Tein Schicksal hat Aehnlichkeit mit dem meinigen. Meine Geschichte kann dir also von Nutzen sein. Du sollst fie höre». Ich war zwane'g Jahre alt, jung, gefeiert und lebensfroh, als ich mich mit Manuel Ülbatio, dem Sohn einer dir e rea Familien in der Stadt, verlobte. Ich war unbeschr iv- lich glücklich, denn die reinste, tiefste Neigmg te un» zusammengesührt. We stolz t jg ich reu

tfaHfr Petitjdfc oLüf deren Beu* js PU. Beflawen die petitzett- 25 Pfg.; bei wieder« Holungen wird eutfpi?

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