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32. Jahrgang.
unter mancherlei Formen und Gewalten zum Frühstück, Mittaamal und Nachteffeu bereitet werden, neben diesen macht dos häufig gepflanzt werdende Kraut, der Ga!at, die Milch von Kühe« und Z'.egen die Hauptnahrung auS. Bon Kohl- raben, Blaukohl, Wirfing, Fssolen, weißen und gelben Rüben v. s. w. weiß man nichts. Nur der wohlhabendere schlachtet sich ein Schwei«, das er selbst gemästet hat.
Unter den Getränken steht der Born, fe nennt man das Trinkwaffer, am ersten Platze, welcher hell, rein und vorzüglich gut angetroffe« wird. Nach nichts sehnt sich der von feiner Heimat entferme Einwohner mehr als nach seinem gesunden frischen Born. — — DaS nach dem Born am stärksten konsumiert werdende Getränk ist der Branntwein, man sieht ihn als das erste Stärkungsmittel an und achtet ihn mit Ziel und Maas genoffen, der Gesundheit sehr zuträglich. Bier wird nicht so allgemein geliebt und getrunken, wie Branntwein,---den Wei«
kennt man nur dem Name« nach.
Der Rhöneinwohner betreibt den Ackerb«» mit vielem Fleiße, großer Anstrengung und beträchtlichem Aufwande. Rauhes Klima, fieintgteS, zum Theil schweres, kirn»4) und thonartiges Feld, dann die Berge legen dem Anbaue der Felder große Hinderniffe in den Weg und verursachen, daß beim Düngen ein Wagen, bei» Ackern ein Pflug gewöhnlich mit 4, auch 6 Stück bespannt werden muß, die Anzahl deS nöth gen Viehes erfordert die Anwesenheit zweier, oft dnyer Personen. Sch-ff und Geschirr (unter diesen beiden Ausdrücken versteht man alle möglichen Geräthschaften, die zum Ackerbau erforderlich find) werden, obwohl sie massiv gefertigt find, schnell und stark abgenutzt und sind äußerst schwer zu dirigieren. Indeß von Jugend an seine Landesart und schwere Arbeit gewöhnet, weiß er nicht anderst, als daß er sein Brot im Schweiße des Angesichts, mit Acheln und Krache«, wie er sich ausdrückrt, verdienen muß.
.... wird viel Fluchs gebauet, der gewöhnliche einheimische wird indeß dem wilden oder russischem Flachse, welcher sehr lange StengÄ treibt, vorgezogen, weil dieser bei auch nur etwas trockener Witterung seltener geräth.
Der in großer Menge gebaute Flachs wird bis zum Rocken bearbeitet, im Winter gesponnen und zum Theil auch von den Einwohnern selbst gewebet, zum Theil an auswärtige Weber verkauft, welche die Tücher in großen Quantitäten nach Würzburg, Futd, Hünfeld, Bremen, Frank« furth uns Holland verfahren und versilbern.
Das Spinnen und Weben ist bei weitem der allgemeinste Erwerbszweig; beinah in einem jedem Hause steht ein Webstuhl, der im Winter stets im Gange ist; wenn zu dieser Jahreszeit alle Gewerbe stocken, so ist das Svinnrad, der Webstuhl die sicherste Nshrungkquell; für jede« Geschlecht, für jedes Alter und wenn man in Erwägung zieht, wie oft der Flachs durch die Hände gehen muß, und selbst daS Garn, bis auf den Wedstuhl kann gebracht werden, fo wird man leicht begreifen, wie eine ganze, selbst die zahl» rricksts Familie, stets befchäsigt fein muß, um auch nur einen Stuhl im Gange zu erhalten.')
Ein! «derer, nicht minder bedeutender Er« werbszwetg, ist dis Dirzucht. Das schwerfällige Anbaum und Bestellen der Felder erfordert viel Vieh, indeß bringt es di« Lags der zum Thefl unbewohnbare« Gegend schon mit sich, daß der Bewohner derselben mehr Vieh erhalte« und ernähren kann, als in so manchen Gegenden »«« seres Vaterlandes gehalten wird. Man denke sich, das groß« Rhöngebirge, von welchem viele Fuhren Heu, mitur trr von besserer Qualität eingefahren werden, die ergiebigen Wiese« iv verschiedenen Gründen, die großen gemeinschaftliche und Gemeinde-Waidplätze u. s. w. und man wird sich de« zahlreichen Hornviehbestand des Bauer« erklären könne», hierzu kommet noch, daß mit jedem Iah e der Anbau des KleeS sich mehret. Bei diesem Vorrath an Futter könnte indeß dieser Erwerbszweig noch blühender stehen, »en« nicht gar nicht viele Güterbesitzer aus Rath eine« Theil des Futters an Auswärtige käuflich abzu- geben sich gezwungen fänden, die Felder würde« brffer gedüngt und ergiebiger im Erttage werde«, uns so mancher Bauer würde dann mit seinem vielen Vieh nicht Ursache haben, sich für ben oft andauernden Winter bange sein zu kaffen, wie dies der Fall häufig ist, daher sieht man bisweilen einzelne Güterbefitzer schon im Frühjahr gleich noch geschmolzmkm Schnee an den Raine« hüten, zur Zeit, wo roch keine Waid vorhanden ist.
Auf einem Spaziergänge kurz vor Ostern irttf ich im Jahre 18 . . in der Nähe des Dorfe»
J|£ 75 Fulda, Samstag, den 1. April 1905.
Unpolitifdie Zeitläufe.
(Nachdruck verboten.)
® Berlin, den 29. März 1905.
Der 1. April steht vor dec Türe, der Freu» dentag der Schelme und der Leidenstag der Einfältigen. Ich halte nicht viel von der herkömmlichen Neckerei, denn es kommt wenig guter Witz, aber viel Aergernis dabei heraus. Wenn aber ein Volksgebrauch so alt, so weit verbreitet und so dauerhaft ist, wie die Apriffcherze, so kann man annehmen, daß doch ein ernster Sinn hinter dem kindischen Spiel steckt. Tatsächlich ist diese Sitte ein Spott auf die Leichtgläubigkeit und Gedankenlosigkeit, eine Mahnung zum Aufpaffen, Nachdenken und selbständigen Urteile«.
Mit treuherziger Miene erzählt ma« einem arglosen Mitmenschen Dinge, die recht plausibel klingen, aber doch bei näherem Zusehen unfinnig find, oder man gibt ihm Aufträge, die ganz leicht erscheinen, und doch garz unmöglich sind, z. B. Mückenfett oder Grillenmilch in der Apotheke zu holen. Wer blos mit dem Ohre^hört und nicht mit dem Gehirn, fällt auf die Dummheiten hinein und wird ausgelacht. Nachdem er Lehrgeld bezahlt hat, versucht er sich schadlos zu halten, indem er nächstens selbst denkfaule Leute in den April schickt und- sich dabei sehr schlau und überlegen vorkommt.
Die Moral vom 1. April kommt schließlich auf da« elfte Gebot hinaus: Laß dich nicht verblüffen — weder durch schön klingende Worte noch durch aufgeputzte Unwahrheiten!
Wenn dir z. B. jemand etwas von Mücken- fett vorredet, so mußt du in deinem klugen Sinn dich fragen: Was ist denn das eigentlich? Haben denn die Mücken eigentlich Fett am Leibe, sodaß man aus ihnen ein Gchmalz Herstellen kann? Schön. Aber wenn du in „aafgellärkn" Zeitungen oder Büchern so kräftige Schlagworte liest, wie „Staatsfeindlichkeit" oder „Kulturseind- lichkeit des UltramontanismuS-, „Geistesknecht- schäft" oder „Rückständigkeit" bei den Katholiken und bergt, so mußt du auch denken: Halt, die Herren wollen mich vielleicht in den April schicken; ich werde doch mal erst prüfen, ob auch Sinn und Verstand in diesen ReöenSarten ist.
Im öffentlichen Leben wird tatsächlich alle Tage »ach dem Rezept vom 1. April verfahre«. Ma» wirst mit verblüffenden Schlagworten um fich, hinter denen nichts steckt, als Vorurteil und Haß. Diese hohlen Redensarten werden immer so oft wiederholt, daß sie sich in die weichen Gehirne so zu sagen einprägen. Wer denkfaul oder dumm ist, bekommt so den Eindruck, daß die Schlagworte der Wirklichkeit entsprächen. Papst Pius IX. hat vor 50 Jahren schon gesagt: Man muß den Worten ihre rechte Bedeutung wiedergeben! Diese Mahnung ist jetzt erst r«ht am Platze, da der Maffenoerbrauch von trügerischen Schlagworten koloffal gestiegen ist. Also sei jeder so klug, daß er bei allen tönenden Kraftworten erst die nüchterne Frage stellt: Was soll das bedeuten? Was ist davon bewiesen? Wo hört hier bi« Wahrheit auf und fängt der Schwindel an?
Zu den Schlagworten gesellen sich dann die unwahren Behauptungen. Es gibt fürchterlich viel Lügen in der Welt, aber noch viel mehr Unwahrheiten. D. h. viele Leute sagen mit bösem Bewußtsein die Unwahrheit, und noch mehr Leute plappern Unwahrheiten nach, die sie fich haben ausschwatzen lasftn oder auch sich selber eingebildet haben.
Oft kann man von einfältigen Leuten hören: Ja, bas ist doch ganz sicher, denn der und der hat es mit bestimmt gesagt! Ach du lieber Himmel! Von dem, was die Leute unter Eid vor Gericht aussagen, ist ein großer Teil nicht wahr, wie die Wider sprüche und die nachträglichen Aufklärungen sehr häufig ergeben. Wie sollte nun alles wahr sei«, was am Biertisch, bei Kaffeeoifiten, beim Ttraßenklatsch, in den Werkstättenpausen erzählt wird? Wir wiffen ja doch all« auS Beobachtung oder vielleicht aus eigener herber Erfahrung, daß die Gerüchte ähnlich entsteh:» und wachse», wie eine Lawine. Ein kleines Flöckchen, das fich bewegt, bildet den Keim; das Flöckchen wächst und wächst, indem die Neuigkeit von einem Mund zum andern «»ändert. ~ Der Erne sagt, eS könnte wohl so ge- wesen sein; der Zweite sagt, es ist so gewesen, der Mitte sagt, es sei doppelt so schlimm ge- wesen, der Vierte fügt hinzi, es fei wahrscheinlich früher schon noch was Schlimmeres vorgekommen, bet Fünfte schmückt die Geschichte voch etwas au? und versichert steif und fest, von allen Seiten
sei ihm bie unbedingte Richtigkeit der ganzen Geschichte verbürgt worden. So wird aus einem Schneeflöckchen eine Lawine, welche die Ehre und vielleicht das LebenSglück vom harmlosen Mitmenschen grausam vernichtet. W-nn da« Unglück da ist, so wäscht jeder Klatschbruder und jede Klatschschwester ihre Zunge in Unschuld und sagt: Ja, ich habe eS doch so gehört und habe bloß wettet erzählt, was alle Welt schon wußte. Nein, du bist mitschuldig an dem Unheil, buS da angerichtet ist, well Du von den übt inen Klatschzungen dich hast in den April schicken lassen. Warum hast du nicht erst etwas nachgedacht über die Richtigkeit des Geredes? Warum haft du dich nicht gefragt, woher denn die Leute all' die Einzelheiten, die sie behaupten, zuverlässig kennen lernen konnten? Warum hast du nickt berücksichtigt, daß Haß, Neid und Klatschsucht immer den Frosch zum Ochsen aufzublasen pflegen? Du hättest entweder deive Zunge davon lasse» oder erst die Sache untersuchen sollen. Wenn man dir oder de» deinige» so eine üble Nachrede anhängen sollte, ha, da würdest du schön weitern über die Lieblosigkeit, Leichtgläubigkeit und Boi h eit der Leute, die ihr Wergnüge« daran finden, ihren Nächsten mit Schmutz zu bewerfen. Nun, was du nicht willst, daß es dir geschieht, daS tue auch den Andern nicht!
„Vom Hörensagen" — daS ist ein nichtswürdiges Hilfsmittel des Teufels. Der vernünf- tige Mensch soll nicht blindlings nachplappern, waS ihm einer ins Ohr geblasen hat, sondern erst verdauen, was et hört, erst «achsenken über die Wahrheit und über dir Folgen. Er ist doch kein unvernünftiger Papagei, sondern ein mit Urteilskraft und Gewissen begabtes Wesen. Aber viele Leute find voch schlimmer wie die Papageien. Vie gleichen einer Phonographenwalze, die alles, was man in den Trichter hineingesunze» oder geredet oder geblasen hat, in krächzenden Tönen verschlechtert wieder von fich geben. Immer denken, denken, denken, denn dazu ist dir der gefüllte Gehirnkasten gegeben morse«. Und wen» du zum Denken und Prüfen zu dumm oder zu faul bist, dann halte hübsch den Mund und mische dich nicht in Dinge, bie du nicht verstehst, damit du nicht zum Aprilnarren oder gar zum Mitarbeiter der Hölle wirft.
Das gilt sowohl für das öffentliche Leben, wie für bas Privatleben. Boshafte unb schwindelhafte Geschichtenträger find nicht bloS an der Straßenecke und an den Klatschtische» zu finden, sondern auch in den Zeitungen und auf den Rednertribünen. Wer da mit Skandalgeschtchten und Entrüstungs-Anekdoten zur Verunglimpfung vd:: Andersdenkenbrn hausieren geht, dem gebührt das schärfste Mißtraue». Das" ist ein unedler Wunsch und in der Regel auch ein unwahrer Mensch. Wer sich von einem Tröselkram ver- blüffen läßt, ist eben ein Aprilgeck.
Nun gibt eS noch eine andere Gorte von Schwindlern. Die gehen nicht auf dis Verkleinerung des Nächsten hinaus, sondern auf dir Vergrößerung ihres liebe» Ich. Der eine zählt dir mit verblüffendem Gelbstbewußtsein seine Tugenden, Erfolge und Verdienste auf. Der Andere kommt mehr von hinten herum und erzählt dir mit anscheinender Sachlichkeit und Unbefangenheit eine Geschichte, in der et eine rühmiiche Rolle spielt. Eigenlob soll bekanntlich sich durch schlechten Geruch verraten. Aber manche L ute sind nasenblind unb geruchstaub, und bei dem versteckten Seldstlob wird bet Geruch oft unter anderm Parfum versteckt. Wer sich nicht zum Aprilgecken bet Eitelkeit mache» will, bet denkt und prüft mit mißtrauischer Vorsicht, wen« ihm jemand Dinge erzählt, die zur eigenen Verherrlichung dienen.
Zum Schluß lassen sich noch viele Leute in ben April schicken durch Schmeicheleien. Wie der täppische Bär auf Honig verseffen ist, so fallen sie gierig über alle Lobsprüche her, die ihnen von artigen ober auch von hinterlistigen Zungen zugehau^t werben. Sie nehmen die fadeste Schmeichelei für bare Münze, und wenn ihnen ein Spekulant ober ein Einfaltspinsel ein glänzendes Zeugnis ausstellk, so bilden sie fich ein, daß alle Welt fie bewundere und ihren aus- gespreizten Pfauenschwanz verehre. Immer denken und prüfen, namentlich bei verführerischen Schmeicheleien!
Schließlich möchte ich noch erwähnen, daß man auch jemanden in den April schicken kann, indem man ihm eine wahre Geschichte so erzählt, daß er fie sür »»finnig hält und ihr den Glaube« versagt. Wenn ich z. B. meinen Lesern erzählen wollte, ich sei jetzt Spitzenkragenhändler ge« worden, so würden fie wohl den Kopf schütteln und fegen, so leicht ließen fie fich doch nicht zum Narren haben. Aber im Grunde hat die Sache doch ihre Richtigkeit. Eine treue Leserin hat nämlich mit größter Kunstfertigkeit unb berou.i» berungswürdigem Fleiße einen herrlichen Spitzen
kragen verfertigt, ich möchte sagen gedichtet, unb opferfreudig dies mühsame Werk ihrer Hände zum Besten des Zehlendorfer kttrchenbaues geopfert. Bravo! Ich hoffe, daß wir aus dem Kunstwerk einen sehr stattlichen Ertrag ziehen. Für den guten Zweck wird alles verwertet: sowohl das herrliche Erzeugnis der Nadel, wie daS Buch, das de; unpoluiiche Onkel gestickt hat.
□ Aus einem alten pfarrbuch der Rhön.
Es ist Abend. Draußen heult der Sturm, rüttelt in meinem kleinen anliegenden Garten an den alten Bäumen, daß sie ächzen und schüttelt die jungen Bäumchen wie Federwische. Unaufhörlich schlagen Schve. flocken an die Fenster- scheibm. In melrem Z-mmer ist es behaglich warm, im Ofen praffeln dicke Buchenscheite, und durch die nicht gencu schließende Tür; fallen lange, zitternde Lichtstreifen auf bie blanken Dielen. Heute abend will ich mir einen besonderen Genuß verschaffen; den alten Pfarrschrank habe ich aufgeschlossen unb ein langes, schmales Buch in meme Hänöe genommen, worin ein alter Pfarrer vor nunmehr fast 100 Jahre» Aufzeichnungen über seine Rhövpfarrei und deren Bewohner machte.
Gern greife ich zu diesen alten, vergilbten Blättern mit seinen krausen, feinen Schriftzügen, bewundere vielfach die scharfe Beobachtungsgabe des Schreibers, bie fich in diesen Aufzeichnungen kundgibr,-und stelle Vergleiche an zwischen oet „guten, alten Zeit" und den jetzigen Verhältnissen. Da ich hoffe, daß auch zahlreiche Leser der .Fuldaer Zeitung' diesen Aufzeichnungen Jn- tereffe entgegenbringen werden, sollen dieselben, soweit fie von allgemeinem Interesse sind, nicht vorentdalten werde».
Ur ter der Ueberschtist: „Körperliche Gestalt und Tracht der hiesigen Einwohner" findet sich wörtlich folgendes:
„Die Einwohner von hier find im Durchschnitt von großem Körper- und robustem Knochenbau. Die Gefichtszüge beim männlichen Geschlechte verraten Offenheit und jene des weiblichen Geschlechtes Bereinigen vorzngswets munteres Wesen mit Offenheit nnd Treuherzigkeit, wie sie es nennen. Ihre sonntägliche Tracht ist ganz einfach; sowohl das männltcke, als weibliche Geschlecht bedienet sich nebst groben, selbstgefertigten Leinwand, das ausFlachs undWolle, ebenfalls fe bst bereitete Beidergemanges (halb Seinen, halb Wolle), grün ober blau gefärbt zu Kleidungsstücke, nach altdeutschen Zuschnitte, dann schwerer Schuhe von Rindsleder. Die Mehrzahl bleibt dieser einfachen Kleidertracht ihrer Vorältern treu und nur Einzelne, vorzüglich unter dem weib lichen Geschlechte, find seit 10 bis 15 Jahren von dieser einfachen Kleidertracht abgewichen. Der Grund hierin liegt in bet Nachahmungs- und Gefallsucht, wobei ich nicht unbemerket laffen kann, daß grade die weniger wohlhabenden sich bestreben, einander zu übertreffen. *)
Wie sich an Fest - Tagen die weniger wohlhabenden weiblichen Geschlechts und Jugend deeisert, , ch moderner zu kleiden, so scheinen sich die wohlhabenden Männer und vorzüglich Weiber an Werktägen im Bestreben zu gefallen, durch alte Lumpe», in bie fie sich hüllen, und durch Unrriblichkeit unb Schmutz einander zu überwiegen. So wenig Aufwands man bedarf, nm Reinlichkeit zu haudhobcn, so trifft man sie doch nur in sehr wenigen Häusern an?)
Die Häuser find sämtlich von Holz errichtet, meistens einstöckig; Mangel an erforderlichem Baumaterial, ihrer Profession nicht mächtige Handwerkslente, anderer Seils Dürftigkeit der Einwohner, die leinen Sinn für schönere Bauart haben, find die Hauptursache des elenden Zustandes der Gebäude» die bis daher größtenteils mit Strohdächern versehe« wurden und einen erbärmlichen Anblick gewähren.')
— — — — Sämtliche Gattungen von Früchten, als Weitze», Ko»n, Gerste, Haber, sowie Erbsen, Linsen und Wicken werden zwar gebaut, allein fie bieten die Ausbeute nicht bar, wie unter einem milderen Himmelsstriche---
desto besser gedeihen die Kartoffel, fi» müssen vermischt mit Haber, 'Gerste und Wicken den Mangel an einem Kornbrod ersetzen, sowie.sie
*) Die einfache Bauerntracht wird leider immer mehr verdrängt, der „Hut" hält bereits seinen glor- reichrn Einzug beim weiblichen Geschlechte, der „Mo- däühut" ist nicht mehr unbekannt. Gewöhnlich fleht bie' übrige Kleidung mit der „neumodischen" Kopfbedeckung nicht so recht im Einklänge, und so kau» man nickt behaupte», daß daS Ganze eine» harmonischen Eindruck macht.
2) Das hat fich nunmehr gründlich geändert.
•) vis vor kurzem konnte ma» noch in dem hoch- gelegenen Fraukenheim Strohdächer sehe», die teilweise noch mit MooS überwuchert waren. Gegenwärtig gibt eS m. W. nur »och t» Unterweid im W-imarischen Gebiete zwei Häuser, die roch mit Stroh bedeckt stsd.
*) Leim — Lehm.
•) De; Flache anl au in der SR'i.t geht seine» sicheren E-rde