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M 73.
Fulda, Donnerstag, den 30. Mär^ 1905.
32. Jahrgang.
arbeiterfteundlichen Bestrebungen rühmen, wenn man gleichzeitig alles tut, um die Gegnerschaft dieser Bestrebungen zu verstärken und die Erfüllung der Ardetterforderungen zu hintertreiben. Letzteres läßt fich aber Bebel nach Kräften angelegen sein; er bemüht fich geradezu, auch aller zu verhindern, waS die Lage der Arbeiter oer- beffern und alles zu fördern, 'was fie verfchlech lern könnte, weil chm da- Parteitntereffe über daS Arbeiterintereffe geht. DaS Gleiche güt auch von den übrigen Genossen und besonders der sozialdemokratischen Presse. Man braucht zum Beweise nur an den BergarbetterauSstand zu er- innen.
Die Sozialdemokraten waren eS, die zum Streik hetzten, während selbst die Führer der sozialdemokratischen Gewerkschaften ihn nicht wollten, weil fie die Niederlage vor- auSsahen. Sozialdemokraten haben den Streik zu verlängern gesucht, wiewohl er nur mehr Not und Elend über die Arbeiter bringen konnte. Sozialdemokraten haben die eigenen Parteigenossen verdächtigt und beschimpft, die fich für die Beendigung des Streiks erklärt hatten. Die sozialdemokratische Presse hat die Ankündigung der Berggesetznovelle benutzt, um Unzufriedenhett und Mißtrauen gegen die Regierung bei den Arbettern zu erregen. Sie hat die Novelle selbst und die erste Beratung mit Hohn und Spott behandelt, um die Arbeiter zu verhetzen. Handelt man so, wenn man ehrlich für das Wohl der Arbeiter wirken will? DaS heißt doch nicht nach besten Kr ästen helfen, damit ein möglichst gutes Gesetz zu stände komme und möglichst viele Wünsche der Arbetter erfüllt werden, sondern eS heißt, das Zustandekommen des Gesetzes hintertreib en und die Position der Scharfmacher stärken. Es beweist, daß die Sozialdemokraten nicht daS mindeste Interesse an dem Wohl und Wehe der Arbeiter nehmen, sondern bewußt daS Scharfmachertum stärken, weil ihnen daS für die Part« das Einträglichste zu sein scheint.
Auch ihr Verhalten gegenüber dem Zen- trum dürfen wir als Beweis hierfür anführen. Das Zentrum ist unstreitig die arbeiterfreundlichste Partei und gibt fich wie keine andere Mühe um die Fortführung der Sozial- reform. Jede Partei sucht sonst besonders Fühlung mit der Partei zu halten, die gleiche oder ähnliche Ziele verfolgt, weil fie dadurch für ihre eigenen Bestrebungen Unterstützung gewinnt. Hätten nun die Sozialdemokraten aufrichtig das Wohl der Arbeiter im Auge, so müßten sie vor allem mit dem Zentrum zusammenzuwirken suchen. Statt dessen wird keine Partei von ihnen mehr angefeindet, verdächtigt und verleumdet, alS gerade das Zentrum. Statt diesem bei der sozialpolitischen Tätigkeit zu helfen, arbeiten fie lieber den Scharfmachern in die Hände.
Fortwährend
wfrwt* alle Postaustalter», Laudbriesi freie*, ZeituugSträger und nufere Expe- MÜm (Harmonie)
schlMM Ulf ta 2. Ml 1905 free .Fuldaer Zeitung« zum Preise von 1 Mark 50 Pfg. (ohne Bestellgeld und Bringerlohu) entgegen.
(Nachdruck verboten.)
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Marthas SchmMmtter.
Dem Leben nacherzählt von Marg. Schlichter.
•» Scharfmacher Bebel.
Den Sozialdemokraten ist dringend zu toten, daß sie dem Genossen Bebel baldigst einen „silbernen Maulkorb" dedizieren. Der brave Mann ist Über ein Menschenalter hindurch so umschmeichelt und verhätschelt worden, daß man ihm nicht Übel nehmen kann, wenn fein Selbstbewußtsein allmählig jede Fähigkeit zur Selbstkritik in ihm erstickt hat und er fich ein» bildet, alle?, was er rede, fei untastbare Weisheit, auch wenn er die ärgsten Unvorfichtigkeiten und Torheiten zum Besten gibt. Mit zunehmendem Alter hat fich bei chm außerdem eine Sucht entwickelt, über alles bei jeder GelegenheU zu schwatzen, die abstoßend wirkt. Die Genossen sollten also für ihn Kritik üben und feine Streitend Redelust etwas eindämmen in feinem eigenen und im Parteiintereffe. So ost er mit dem Reichskanzler anbindet, holt er fich Niederlagen und zwar scheinen diese Niederlagen um so schwerer zu werden, je öfter fie fich wiederholen. Man muß schon ein vom Parteifanatismus garz verblendeter Genosse fein, um nicht einzusehm, daß die Abfuhr, die er fich am Mittwoch wieder Holle, »ine ganz blutige und für chn einfach blamabel war.
Die Sozialdemokraten lieben eS, unter großer Reklame Reden von Gegnern als AgitattonSbro- schüren zu verbreiten. Die Reden des Reichs- llurzlers, insbesondere auch die beiden letzten »erden fie dazu kaum als geeignet ansehen, auch wenn die Reden Bebels zugegeben werden. Und wenn fie doch so töricht fein füllten, so werden fk wenig damit auSrichten. Jedenfalls hielt der Reichstag, der dir Reden hörte, einen ganz anderen als Bebel für den Sieger. Graf Bülow bezeichnete Bebel als den wirksamsten Helfer des Scharfmachertums, und darin hat er vollkommen recht. Niemand liefert den Scharfmachern mehr Material zur Stütze der Behauptung, daß alles, was für die Arbeiter geschehe, nur dazu diene, die revolutionäre Sozialdemokratie zu stärken.
Ohne Zweifel ist Bebel in seiner angeborenen und angeschmeichelten Verbohrtheit der festen Ueberzeugung, daß ihm feine rednerischen Torheiten zur Ehre gereichten, da fie von seiner Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit zeugten. Aber man soll fich doch nicht auch zugleich seiner
geheimsten und entlegensten Winkeln dieser Erde verborgen, kaum gesehen von einer Menschen Ange, aber dennoch zum Lobe de» allmächtigen Scköpfer» ins Dasein gerusen. Er kommt mir vor, als stehe ich hier in einem seiner herrlichsten Tempel, der blaue Himmel die Kuppel, die Baumriesen ringsum die Säulen und und der brausende Waflersturz die Orgel, die unermüdlich in gewaltigen Melodien dar Lob der Ewigen fingt l"
.Welch' ein fromme» und poetische- Gemüt du hast," sagte Martha und blickte leuchtend zu ihm aus.
.Ich glaube, da- ist ein Erbstück meiner Tante Guadalupe. Uebrigens können wir uns hier bet längerem Aufenthalt tüchtig erkälten. SS weht eine eisige Lust. Ich will dem Burschen seinen Lohn geben, dann suchen wlr uns ein geschützter Plätzchen zum AuSruhen aus, dort unten im Rücken des Berges. Der Indianer nahm daS Silberstück in Empfang und biß einige Male kräftig darauf und klopfte damit wiederholt auf einen Stein, bis er fich schließlich von der Echtheit überzeugt hatte.
Martha lachte.
„WaS hm «Sie mit dem Gelbe?" fragte fie. In der Hand eines Indianer- bedeutet ein Taler schon ein kleiner Reichtum.
„Mit dem, waS Mutter schon erspart hat, wird» gerade reichen für eine Schüssel voll Mole und eine Kanne voll Pulque cowpuesto auf Vater» @raj in der Allerseelennacht, nächste Woche. Im vorigen Jahre hat er nur ein Hühnchen bekommen und ist recht traurig gewesen. Aber Sie müssen e» nicht sagen, daß Padre Minervino e» hört, der will nicht» davon wissen!"
„Ja, da» glaube ich," sagte Pablo. „Du verstehst nicht, wa» für eine Bewandtnis da» hat, ich will eS dir unterwegs etffiken."
„Was Mole ist, weist btt doch, daS au- Truthahn, Nuagulote mit circa 20 Gewürzarte« zubereit.te Nationalgericht aller Mexikaner. Pulque ist ein Getränk, bereitet aas dem Safte der Magsey, einer
„Sollen wir morgen die Partte zu dem Waffer- ialle machen, von dem Padre Minervino sagt, er fei Ml schönste wett und brett in der Gegend?" sagte Pablo eine» Tage- zu seiner Frau. Diese war natürlich damtt einverstanden, äußerte aber ihr Bedenken, der weite Weg könne ihrem Manne zu anstrengend sein.
„Nein, ich habe mich hier genügend gekräftigt, wir müssen uns nur nach einem guten Führer umsehen."
Dieser war denn auch bald in der Person eine» Jndtanerburschen gefunden. Er stellte aber die sonderbare Bedtnqung, er wolle an Ort nsb Stelle bezahlt fein, w,S ihm denn auch zugesagt wurde.
„Der teilt da» Mißtrauen aller seiner StammeS- genvssen," lächelte Pablo; „da- iS ihnen tief eingewurzelt. Böse Erfahrungen ihrer Vorfahren mit unseren Stammeltern mögen der Gründ davon sein."
Bella unter der Obhut der Wirtin zurückll-ffend, unternahmen fie a n andern Tage den geplanten AuS- fiug Es ging bergauf und bergab a f rauhen Pfaden, und der Weg war beschwerlicher und Wetter als man gedacht hatte. Endlich hörten fie von wettern ein dumpfe» Brausen, da» immer deutlicher wurde Jetzt hatten fie ihr Ziel erreicht. Martha und Pablo blieben wie gebannt stehen, während der Indianer mtt der Gleichgiltigkeit eines Naturmenschen fich attf einen FelSblock setzte, sein Pfeifchen hetvorzog und zu rauchen begann. Bon der Höhe eine» gigantischen Felsens stürzte das Wasser, einem leuchtenden, gewal- fifltn Perlenstrom gleich, brausend und zischend in die Tiefe, schäumend und polternd über Fel» und KieS 6* engen Lette seinen Weg talwärts suchend.
„Wttttiel Schöne» und Herrliche» ist doch in den
Deutliches Reich.
Berlin, den 29. MäqZ1905.
* Nachdem daS preußische Herrenhaus seine Zustiwmuna zu den vom Abgeordnetenhause bewilligten ReprSsettttttiottSgelder» in Höhe von je 14000 M. jährlich für die preußischen Minister erteilt haben wird, soll demnächst tu einem Nachtragsetat für 1905 dieselbe Summe für den preußischen KriegSmi- nister nachgefordert werden, dessen Gehalt bekanntlich zum Militäretat deS ReichShauShaltS gehört.
* Die Denkschrift zur Seknudärbtth»' verlege wird im Abgeordnetenhause nicht vor Sude der nächsten Woche zur Ausgabe gelangen, weil die Drucklegung deS umfangreichen Akten- stückeS (300 Setten mit vielen Karlen) eine geraume Z-tt in Anspruch nimmt.
* Art- Dentsch-Güdwestafrik«. Di- nachträgliche Verlustliste der Abteilung Kircher lautet: Gefalle»: Unteroffizier Teßmann, geb. 5. Febr. 1881 in Goehle; Gefreiter Kafimir »alecki, geb. 1. Sept. 1881 in Kompie: Retter Anton Reuther, geb. 30. Juni 1881 in Bockwa, (Kopfschuß); Reiter Wilhelm Straß, geb. 16. Juni 1883 in Schweringen, (Schuß in den Unterleib); Reiter Martin Mandel, geb. 31. August in Küsterdingen; Retter Heinrich Schneider, geb. 20. Aug. 1881 in Nieder Walgern, (Schuß in de» rechten Oberschenkel); Reiter Johann Schlenz, geb. 26. Ott. 1883 in WillstSdt; Reiter Hermann Schmelzer, geb. 14. August 1883 in BenndorS, (Brust- schuß); Reiter Johann Simmett, geb. 28. Jan. 1883 in Ruß, (Kopfschuß); Gefreiter Friedrich Brüßle, geb. 24. Sept. 1879 in Norenberg; Retter Emil Mittig, geb. 8. Juni 1885 in Sroedel (Kopfschuß). — Schwer verwundet: Sergeant Oskar Weber, geb. 12. Ott. 1876 in NeuLebuS, (Schuß durch da» Schulterblatt); Sergeant Wilhelm Stöhle, geb. 24. Mär, 1880 in MeimSheim, (Schuß durch Brust und Unten Oberarm): Gefreiter Willy Spittel geb. 2.Dez. 1880 in Langensalza, (Schuß in die Brust und die linke Hand); Reiter Emil Naß, geb. 1. Juni 1881 im Dors Schvetz, (Schuß in die linte Hand); Reiter Karl Lucht, geb. 20. Nov. 1882 in Alt-Gerdshagen, (Schuß in den rechten Ober- arm); Milttärbäcker Gottlob Wagner, geb. 11. März 1885 in Waiblingen, (Schuß in den rechten Oberarm u. Streifschuß am Hol»), Reiter Fr.Pallas, geb. 31 .Dez. inSchwittersdorf (Schuß in linte Brust); Retter Paul Helm, geb. 16. Nov. 1881 in Perleberg (Brustscruß); Retter August Norgel, geb. 5. Juni 1883 tn Schwarzstein, (Schuß durch beide Füße); Reiter Franz Wucher, geb. 14. Januar 1879 in Schiltberg, (Schuß in den rechten Oberarm und die Brust.) — Leicht verwundet: Leutnant d. R. Beermann, geb. 20. Nov. 1874 in Bublitz, (Fleischschuß in den Unten Unte« schenke!); Wachtmeister Bruno Klebe, geb. 25. Mai 1880 in Berlin, (Fleischschuß im rechten Oberschenkel); Sergeant Richard Großmann, geb. 10. März 1878 in Cordes Hagen;
Streifschuß in der rechten Hand; Unteroffizier Hermann Götze, geb. 13. Juli 1876 in Merseburg, Fleischschuß im rechten Oberarm; U^tet- ofizier Arthur von Kostka, geb. 13. Nov. 1882 in Schldlitz, Streifschuß am linken Oberarm; Reiter Fritz Witscher, geb. 12. Juli 1882 in Elberfeld, Schuß am rechten Ohr; Retter Johann Matern, geb. 18. August 1882 in Allen» stein, Schuß in der linken Hand; Retter H»S« Steinert, geb. 27. Febr. 1884 in Tillendorf, Streifschuß am rechten Oberschenkel; Reiter Klaus Hööck, geb. 7. Mai 1883 in Lüderdeich, Streifschuß an der linken Schulter; Retter August Za« chariaS, geb. 18. Jan. 1883 in Rhein, Streifschuß am Kopf; Retter Bruno Hohmann, geb. 13. April 1883 in Riesa, Schuß am rechten Fuß. Nachträglich gemeldet: Unteroffizier Albert Seiet, geb. 22. Dezember 1880 in Liebenow, am 29. Mai im Lazarett Otjofondn am TyphnS gestorben.
—* Die Osterferien werden im Abge- ordnetenhause wohl nicht vor dem 12. April beginnen. In der nächsten Woche soll an drei Tagen die Plenarsitzung auSfallen, um der Kom» Mission Zeit für die Beratung der Berggefch- Novelle» zu geben.
Perlemeuterische Nnchrichten.
* Die Kommission des Abgeordnete» hcknses znr Vorberntnng der Berggesetz- Novelle» ist heute gewähtt worden und hat den Vorsitz den Abgg. Dr. Spahn (Z.) und Beuchelt (k.) Übertragen. Außerdem fitzen vom Zenttum in der Kommisfion die Abgg.: Brust, Hitze, deiSler, Stötzel, Graf Strachwitz-Bartelsdorf und Trimborn. — Die Kommisfion wird ihre Beratungen am Freitag aufnehmen.
§ Die B«dgetko«Misfio» frei Abgeordnetenhauses hat am Dienstag den Antrag bete, dte Sonntagsruhe für die Eisenbahnbeamten und -Arbeiter der Regierung zur Erwägung überwiesen und den Antrag deS Fehr, v. Zedlitz, welcher wünscht, daß die vom Hanfe jetzt beschlossenen Stellenzulagen von resp. 600, 400, 200 Mk. für die Direktoren, Lehrer und Lehrerinnen am Seminar, die jetzt als persönliche Zulagen gelten, vom nächsten Jahre an pension-fähig gemacht werden, abgelehnt. Die Petitionen der Schuldieuer an staat- lichen höheren Lehranstalten um Besserstellung werden der Regierung als Matertal Überwiesen. Der Antrag des Abg. Gamp, der eine erhebliche Erhöhung des Fonds zu Unterstützungen für Geistliche aller Bekenntnisse wünscht, wurde angenommen.
. Die Justizk-MWisfio« frei Abge- ord«ete»ha»feS hat eine Petition des Verbandes fortschrittlicher Frauenvereine um Aen« derung des Fürsorge - SrziehungSgesetzeS in der Richtung, daß die vom Kammergericht gegebene einengenbe Definition bett. Unterbringung von Kindern für die Zukunft ausgeschlossen werde, der Rigierung al» Material überwiesen. Bon Veiten der Regierung wurde vor einem Dränge» auf Revision des Gesetzes gewarnt. Die Statistik
breitblfttterigen KakMSart, von denen bu bei Texcoco io viele gesehen hast. Wa» für den Deutschen da» Bier, da» ist für den Mexikaner fein Pulque. Pulque conquesta ist eine Zusanunensetzung ou» dem Gaste verschiedener Früchte, al» Maguey, Bananen, Anana», Orange«. 6» ist sehr berauschend. Allerseelennacht bereit n die Indianer, die sonst nur schwarze Bohnen und Mai» essen, ihren Truthahn zu einem leckem Mole. Beim Dunkelwerden ziehen fie mit diesem Gericht nebst einer Kanne Pulque zu den Gräbern ihr« Verstorbenen. Beim Scheine der Fackeln warten fie auf die Ankunft ihrer verstorbenen Angehöriqen, die dann da» servierte Mahl einnehinen sollen. Um sich die Zeit zu vertreiben, trinken fie einen Schluck Pulque nach dem andern, bf» sie ihrer Sinne nicht mehr mächtig find. I« diesem Zustande unterhalten fie fich und speisen wtt den vermeintlichen Geistern. Wenn'» gut abläust, schlafen fie an Ort und Stelle ihren Rausch au». Doch gewöhnlich hole« fich die toten in biefer Nacht ihre Opfer, d. h. die ganze Geschichte endet mtt einer Schlägerei, nicht selten sogar mit Mord und Totschlag. Heulend vor WM stürzen die braunen Gestalten auseinander löst, al» habe fich die Hölle geöffnet um auf Erde« eine ihrer gräßlichsten Orgien zu halten "
„Da» ist schrecklich, schreitet denn niemand dagegen ein?"
„Nun, auf ein Menschenleben mehr oder weniger kommt e» dem Staate ja nicht an. Und wa» die Geistlichkeit auch dagegen sagen mag, bet dem Aberglauben der Indianer und -breit mangelhaften religiösen Kenntnissen rann fie dem Unfug nicht steuern."
Mittlerwette war man dem Dorfe näher gekommen, und da» war gut. Martha batte voll Gorge bemerkt, daß ihr Mann häufig stehen bleibeu wußte, um nach Atem zu ringen. Wie langsam wurde fein Gang, wie häufig wiederholte sich der starke Huste« anfall l Zu Hause, beim Scheire der Lampe sah fie erst recht sein müde« und bi eiche» As Ssehen.
„Du hast dich zu sehr angestrengt, Pablo, sich
doch früh zu Bett, damit der Auiiflug keine dösen Folge» für dich habe"
„DaS will ich auch UebrigenS war'» doch ein herrlich« Tag! Ich finde obre dergleichen Genüsse schöner in der Srimterung al» in der Wirklichkett, well dann nicht beeinträchtigt durch körperliche» Unbehagen, Hitze, Kälte, Müdigkeit usw. Ja, e» war der letzte schöne Tag ihre» Zusammensein». Hebet Pablo» Haupte schwebte der schwarze Todeivogel, und e» war, al» ob Martha seinen Flügelschlag beut« tich hörte. Denn Gorgen und böse Ahnungen erfüllten ihre Seele, al» fie fich zur Ruhe legte und lange der Schlaf ihre Augen floh. Al» fie «ach kurzem Schlummer um Mitternacht erwachte, glaubte fie ein Geräusch zu höre«.
„Pablo, ist dir nicht wohl?"
Keine Antwort.
Eilend» sprang fie aus uud zündete ein Licht an, und foffungktc» starrte fic in da» totenbleiche Antlitz ihre» Manne», aus dessen Brust ein dicker Blutstrom lag. Lange bemühte fie fich vergeblich, durch Reibung feiner Stirn und Schläfen mit kölnischem Wasser da» Bewußtsein ttr ihm zu wecken. Endlich schlug re die Augen auf.
.Wa» soll ich tun, Pablo?"
„Sa's, Salz I" stieß er hastig hervor. Und al» er einen Exlöffel voll zu fich genommen hatte, war da» Bluten getttCt. Beim ersten Morgengrauen schickte Martha ein Telegramm an Pablo» Eltern. Dieser lag den ganzen Tag ruhig mit geschloffenen Augen. Nur ab tind zu blickte er unruhig nach der Tür, al» erwarte er jemanden. Ob seine Eltern wohl komwerr würden? Noch vor vierzehn Tagen hatte er ohne Martha» Wissen einen reuigen Brief an seine Mutter £ schrieben, ihre Verzeihung zu «flehen. Aber keine Mwort erfolgte. Inzwischen hatte da» Telegramm die Familie Rtbero in große Aufregung versetzt. Don Joaqum erklärte mtt ungewohntre Bestimmtheit: „Ich reffe hin."
(Fortsetzung folgt.)