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MaerM Zeitung

gionatsbeitoges „Mdatt GeschichtSdlÄer"

32. Jahrgang.

Fulda, Freitag, den 24. März 1905.

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(Nachdruck verboten.)

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Marthas Zchlvikgkmatter.

Dem Leben nachcrzählt von Marg. Schlichter.

woche-desagt! „Illustrierte Sontrtagsjtihing“

Xujetge»: Sie t#* fpaltige Petitzeile 4d«r deren Saum 15 yfe «eklamen die PetttzeU 25 pfg.; bei wieder. Holungen wird entfr«. Rabatt gewährt.

Druck und Verlag d zuldaerAktiendrucka in Zulda (hannoak Fernsprecher M.T

3*WW täglich, ett gUWchwr der donn» Mhffeiertage. viertel. Ml.»a,»»»pretv vringerloh« und

Angeld in Mda und MttiM-sopsg.

AerautworMcher

worden. An seine Stell« rnmde Ber er al Linewitfch, der bisher die erste Armee kommandierte, zum Ober« kowmandierraden ernannt. Die Mllitärpartet tu Petersburg will den Krieg fortfetz«, und Lmew^ch. der als Blücher der rnsfijchen Armee bezeichnet Wird, soll rffevbar eine andere „IcLtl* einschlagen, als sie Kmoparkin bisher mit so großem „Erfolg* avgewandt hat. Daß die Rtff« schließlich noch fi gen werden glauben aber immer weniger Leute. Auch di« franW- fischeu Fremde laben lei« rechtes Vertrauen »ehr. Sie wollen kein Geld wehr borgen.

Ja Südwestafrika haben om 10 urd 11.März neue schwere Gefechte mit den Hottentotte« stattgo» fanden. Am 10. März wurde von der Abte«»«« des Hauptmann- v. koppy am Sudans gange dar Schluchten von Nurndvo bte reindliche Stellung ge* stürmt. Am 11. März schlug Major v. Kamptz be* Feind am Rordausgang der Schluchten zurück. Es tottibe viel Vieh erbeutet. D.e Verluste deS Feindes an Mannschaft war g oß. Auf deuischer Seite sich ein Seilet, 2 O fhtne und 11 Reiter wurden Dee* wund t. Am 10. März stürmte Hauptmann Ktrchuer eine feindliche Stellung b i Kofit. Hinter dieser fanb fich aber eine stark verschanzte zwette Stellung, die niä t mehr genommen werden konnte, angeblich Wege» hereinbltthendrr Dunkelheit. Auf deutscher Sette waren die Verluste schwer. E- fielen 2 Oifizlere und 7 Unteroffiziere und Reiter, 2 O fixiere und 32 Unten» o st ziere und Reiter wurden verwundet. Hendrik Wit bot und sei» Sohn Zwak soll verwundet fern.

Wodien-Rundfdiau.

Fulda, den 24. Mürz 1905.

(Nachdruck verboten.)

Der Reichstag scheint das KontingeutieruugSe Programm des Seniorenkonvents du'chzuführen und alle bereits gegen ibn geschleuderten Anklagen wegen Verschleppung der Etatsberatung entkräften zu wollen. Bis jetzt wenigstens hat er fich an dar Programm gehalten. Die Beratung der -LtatS deS Reichsamtes der Innern wurde au dem festgesetzte« Tage beendet und der Etat des Reichskanzler, der Etat der Aus« »artigen Amte- und der Koionialetat beanspruchten nicht mehr als die vier Tage, die dafür tu Aussicht genommen waren. Die Debatte beim Etat des Reichs­kanzler« drehte fich bi» zum Schluß hauptsächlich um unser Verhältnis zu Rußland. Der Reichskanzler be. tonte wiederholt, daß Deutschland in dem vstafiatt- scheu Kriege strenge Neutralität beobachte. Die Ver­mietung oen Gch ffen oet Hamburg-Amerika Linie an Rußland zum Zwecke der Versorgung de» rusfischen Ostseegeschwader» mit Kohlen bedeutet nach seiner Darstellung keine Berletzwg der Neutralität. Gegen eine russische Anleihe in Deutschland einzuschreiten, bat die Regierung nach seiner Anficht keine Beran- laffung und kein Recht. Die große Mehrheit deS Reichstag» billigte da» Verhärten der Regierung gegenüber Rußland, sowie überhaupt die auswärtige Politik, nur die sog. Ausweisung von Nüssen erregte vielfach Bedenken. Wetter wurde aber die Polevpolttik verhandelt. Der Reichskanzler bestritt entschiede«, daß mit dieser Politik, tuSbesondere mit de» Ansieb- lungSgesetze konfesfionellr Z ele verfolgt werden. Bei« Etat des Auswärtigen Amte» kündigte Staatssekretär Frhr. v. Richthofen noch für die laufende Tagung einen Gesetzentwurf über den Erwerb und den Ver­lust der Staatsangehörigkeit an. Beim Koionialetat nahm der 86g. Sorten die Missionen kräftig in Schutz Segen verleumderische Angriffe, die in einem Berliner Hatte von Kulturträgern zweifelhaftester Sorte gegen ste erhoben worden find. Kolonialdtrcktor Dr. Stübel erkannte au, daß den Misfionen bei der Kolonisatton eine große Rolle zukommt und ein gute» Verhältnis zwischen ihnen und den Beamten dringend zu wün­schen sei. Am Montag fand die zweite Lesung der Militärvorlag« patt, die nach den KommisfionSbe« schlvGen zur Annahme gelangten. Beim Militäretat wnrde wieder über die Eoida enmißhandlnng-n, den hüufigen Ausschluß der O ffentlichkeit bei den Kriegs­gerichten, die harten Strafen für Vergehen von Unter­gebenen gegen Vorgesetzte und dgl. verhandelt. Unter andere» wurde eine vom Abg. Gröber beantragte und vertretene Resolutio« angenommen, wonach der Be­griff mlldttube Umstünde in dar Militärstrafgesetzbuch ausgenommen werden soll, damit in leichten und ent­schuldbaren Fälle« doch nicht so fu chlbare Strafe« vertüngt zu werde» brauchen, wie das in den letzte» Jahre« «ebrfach zu allgemeinem Entsetzen geschehen ist. Die Haltung de» KriezSmiuifier» ließ leider daraus fehlt Be», daß die Resolution einstweilen eben­sowenig Erfolg haben wird, wie im vorigen Jahre eine ähnliche.

Da» preußische Abgeordneteuhan» hat fr drei Sitzungen die dritte Beratung des Etat» er-

Angesühr drei Woche« vor der Adresse Pablo» nrit Frau und Sind von Europa langte sei» Brief i» Elternhanse an. S4 war gerade um die Zeit der Hauptmahlzeit. Die weiblichen Glieder hatte, fich bereits h» Eßzimmer efrgesunden. Do« Joequin ließ deute aul fich warte», und al» er erschien, zeigte sei» ganze» Wese» Unruhe und freudige Erregung. Da« matte aber seine Gestrenge nicht. Ihr strafender Blick schien zu sage«:

„Fünf Minute« Verspätung.'

„Grabieltta,' er gab ihr immer diesen Armen von der Brautzeit her, „e# ist eia Brief vo» Pablo an« Bekomm«; i« vierzehn Tage» bi» drei Wochen wird er hier sei«/ sagte JocGüu.

„D, bi» ist ja schönt- riefen alle zugleich.

■ -Ja, nicht wahr, fiebe» Jahre ist eine lange fielt Er qt inzwischen et« Munn geworden," sagte Gabriela. Dabei regte sich in ihr der mütterliche Stolz. Denn Pablo war hübsch «rd immer ihr besonderer Liebling gewes«.

„Ja, H*b er bringt «nS etwa» ganz Besondere» mit Ratet einmal, wa» es ist."

,8bx jede etn seidene» Kleid?" «einte Maria Lasse und ttmschie vergnügt in die Hände. Joaeptfr schüttette mit de» Kopfe.

„Gchtne Schmucksache» ?" riete» die beiden andern.

«Auch nicht •

„Fetnes sächfische» Pirzeüan?" «einte die stet» dsavilche Hausfrau.

JRea, ihr ratet e» nicht." Und Joe »rin »ah» fönen ganze» Mut zusammen, zog be« B.ies hervor, "ttuahm ihm die beigesägte Photographie und zeigte F mt» einer gewiss» Feierl.chkett. Ans die Wirkung. •* Bild»» hatte er sei« Hoffnvu» gesetzt. Patte,

guten Leute w'ffen ja zum größten Teil kaum, daß ein Deutscher Kaiser und e n Deutscher Reich -Mert.

In Boyern hat die Zentrums Partei ihren Wahl- ausruf veröffentlicht, der dr» Ltberalen natürlich wenig gcsällr, von dem sie aber zugrben müssen, daß er fich v >n gehäjfigen Angr.ß-n aus die polttifchen Gegrer freihält.

Ja Baden ist die Einigung aller Liberalen für die bevorstehenden LandiagSwadleu glücklich erzielt worden und e» herrscht jetzt große Freude über den „liberalen Block'. Daß dieser „Block' bis über die Wahlen hinaus halten wird, wagen fie selbst noch nicht zu besten.

In Oesterreich beschäftigte sich da» Abgeord­netenhaus mit einem Anträge, eine Kcmmiffion zur Vorberatung deS künftigen Verhältnisses zu Ungar« einzusetzen. Es zeigte fich, daß die Volksvertrernng fest emschlossen ist, die Neuregelung fich nicht wehr oktroyieren zu (offen, sondern selbst dabei mdzuwirke« und die Interessen, insbesondere auch die wirtschaft­lichen, kräftig zn wahren. Minister präfident Frhr.v. Gautsch versprach, daß die Regierung gleichfalls die Inter« ssen Oesterreich» entschiede« vertreten und de« ihr znftehenden gleichberechtigte« Eir fluß auf gemein­same Angelegenheiten zu wahren wissen werde.

In Frankreich hat die Abgeordnetenkammer die tage über die zweijährige Dienstzeit in der vom Senat be chlvffenen Fossung mit 519 gegen 32 Stimmen angenommen. Am Dienstag begann, ge­mäß einem mit 347 gegen 245 Stimmen gefaßten Beschlusse, die Beratung des Ge,-tzentwurs» über die T'ennung von Kirche und Staat. — Der Pariser Gemeind erat, an küssen Spitze längere Zeit ein Na» t'vnalifl stand, hat z-tzt einen Sozialisten zu seinem Präfident en erkoren, entsprechend der Mehrheit seiner MUglieder.

In Italien hat der Abgeordnete Forti» den Auftrag, da» new Ministerium zu bilde», nicht auSzu- führen vermocht. Der König beauftragte daher den bisherigen Minister des Aeußer« Ti toni, vorläufig auch da» Ministerpräfidisw und da» Ministerium de» Inner« zu übernehmen und bestätigt die übrigen Minister, die ihre Sntloffung eiusereicht hatten, in ihre» Aemtern. Am Mittwoch trat die Kammer wieder zusammen.

JuR ußla n d wird weiter gestreikt und demonstriert. Die Untersuchung de» Zwischenfalls beim Ealutschießkn während deS Feste» brr Wasserweihe i« Petersburg soll enbgiltig das Fehlen einer bösen Absicht festge- strllt haben. DaS Kriegsgericht verurteilte die be­teiligten O sickere und Mannschaften wegen Unterlassung dienstlicher Obliegenheiten zu empfindlichen Strafen.

Auf d-m ostasiatische» Kriegsschauplatz wurde« die flehenden Russen mehrere Tage lang von den Japaner« verfolgt. Die Schlacht bei Mulden hat zu keinem Sedan geführt, aber daß sie eine schwere Katastrophe für die Russe« bedeutet, zeigt fich alle Tage mehr. Diese haben fich auch in Tieliug nicht zu halte« vermocht, e» nicht einmal versucht, sonder« find weiter «ach Norde» geflohen. Die Japaner besetzte« Iteling am 15 März, nicht ohne i« der Umgebung noch viele Gefangene gemacht zu haben. Obwohl die Russe« bei ihrem Abzüge v-ele Vorräte zerstört hatte«, war doch die Beute der Japaner groß; besonder» auch au Eisenbahnmaterial Die Japaner machten in Tteling aber noch nicht Halt, sondern blieben den Russen weiter auf den Fersen und btfhbtn fich bereits weit im Norden von Tieling. General Kmopatkin iS feite» Kommando» nunmehr enthoben und «ach Petersburg zurückgerufen worden, dann jedoch auf fein Bitte« zum Führer der ersten Armee ernannt wir nicht in Anbetracht seiner meisterhaften Anffüs- rung und seine» tadellose» Fleiße» in diesem Falle einmal Güte und Milde walten lassen?"

„Rein, ich werde e» ihm nie »ergebe», daß er de« wichtigsten Schritt seine» Leben» ohne entern Rat getan bat."

,«ber, Gabrielita, i« diesem Falle konnte« vir ibm doch nicht raten," sagte Jocqttn, der wohl wieder eine» boshaften Kobold hinter fich halte, der ihm die schlotterigen Arme in Bewegung setzte. Dazu hob er bald den rechten, bald den linken Fuß aus, wodurch er einem Tanzbären glich, der auf einer heiß« Platte seine Knust erlerne« soll.

„Das rst e» ja eben. Ich hatte e» so gut mit ihm vor und lärgst im Men für Pablo eine Fra« aurgesncht. Lola T-rtl wäre die richtige für ihn ge­wesen und mir al» Schwiegertochter hoch willkommen."

„Ja, ob aber ihm diese al» Fra» ?" sagte Joa- fptin in fast unhörbarem Tone.

„Wie konntest d» doch eine solche Wahl treffen? Die Lola ist ja ein ganz herzlose», stolze» Geschöpf," mischte die jüngste Tochter fich jetzt vorlaut ein.

„Du naseweiser Ding hast hier gar nicht mfizu- spreche»," fertigte sie die Mütter ab. Doch baS-nafe- messe Ding störte fich gar nicht an diese Bemerkung, hielt vielmehr die Pyotographie «ft fichtlichem Wohl­gefallen in der Hand und sagte herzlich:

„Ich werde ste recht lieb haben," worauf der Pater fich zu ihr gesellte, hocherfteut, t» seiner Jüng­st« wenigste«» eine« BuvdeSzevrssc» gesund« zu hab«.

,Dazn wirst d» keine Gelegenheit habe«. Diese Person kommt nie in unfex Hau»," gab ihr die Mutter zurück

„Ab«, Gabrielita, da» ist doch wohl nicht »et» letzter Wort."

„Dar wirst du sehen."

Der Eintritt der Mag», »Ache die Snppe brachte, schnitt alle wetteren DiSkusstone» ab. Da» Mahl wurde schweigsam eingenommen. Donna Gabriela blickte finster vor fich hi» und rührte feinte Biss« an. Am andern Tag lag ste mtt stark« Migräne zu Bett,

ledigt. Zu größere« Debatte« von allgemeiner B-- bmtnag tarn e» nicht mehr. Beim Sisenbahnetat wurden, noch viele Wünsche »»getragen, die bei der zweiten Lesung nicht mehr hatten angebracht werd« können. Der Minister teilte mit, daß der lleberlchuß der Eisenbahnen im Jahre 1904, wiewohl der Fi-kuS durch den Bergarbeiterstreik 12—13 Millionen an Einnahmen ein gebüßt habe, 650 Millionen betragen werd-, de» ist 27»/» Mill orten mehr, al» im Etat vorgesehen war. Weiter erklärte er, daß bei der Personentartfreform nicht alle Sondertarise auSfallen und z. B. Feriensonderzüge beibehalt« werden sollen. Beim Etat des Mfrißers be» Inner« klagte der nationallib. Abg. Dr. Jaeuick« über den ZickzackkmS und die Begünstigung dec Konservativen in Hannover. Rach seiner Anficht gehört die Provinz den National- liberalen, die am wirksamsten der velfischen Agitation entgegenarbeiten. Darum war er auch sehr ärgerlich, daß zum Polizeipräsident« in Hannover ein früherer konservativer Abgeordneter ernannt worden ist. Wenn die Katholik« Beriickfichtigung ihrer Konfession« in den höheren Beamtenstellen fordern, so ist da» höchst anmaßend und ungehörig, w«n aber die Rational- liberalen verlangen, daß die hoh« Stell« in einer Provinz mit ihren Leuten besetzt werden soll«, so ist da» durchaus berechtigt. Zwei nationalliberale Redner erhob« b im KultuSetat auch Einspruch dagegen, daß an den zu einem erheblich« Teile von katholischen Schüler besuch'« Gy nnafium in Saarbrücken katholische Lehrer avgrstellt werd«, weil die Ar statt stiftnng»- gemäß evangelisch sei. Letztere» ist nach der Be­hauptung des Minister» ketneSweg» festgestellt, jeden­falls würden die Nalionalliberal« keinen Einspruch erheb«, wen« e» fich »m die Anstellung protestantischer Lehrer an einer stiftung-gemäß katholisch« Ar stall Handelle; im Gegenteil fie würden dies durchaus gut- heiß« und über Intoleranz klag«, wenn die Katholiken fich dagegen wehrt«. Ur» wäre e» freilich auch lieber, wenn der Minister dem Rate der beide« National- liberal« folg« und ein katholisches Gymnafium in Saarbrücken errichten wollte. — Der Gesetzentwurf über die Freihatturg der NebttschwemmungSgebiete der Flußläufe wurde tu zweit-r Lesung ange­nommen.

Der preußische Minister deS Inne« Freiherr v. Hammerstein ist am Montag «nerwarttt an einem Herzleid« gestorben. Er ist seit langer Zett der erste Mnister, der im Amte starb. Sc war ungefähr vier Jahre Minister und ist in dieser Zeit «»gemein oft entgleist. Großer h.t er nicht geleistet und wa» er Selristet hat, war meist wenig nach unserem Sin«, tu seinem Nachfolger wurde der Oberp äfideut von Brandenburg v. Belhmanu-Hollweg ernannt.

Kaiser Wilhelm wird auf der Reise «ach dem Süd« auch Tanger anlauf« und dort von einem marokkanisch« Würdenträger begrüßt werd«. Da» erregt natürlich Aufsehen und gibt zu allerlei Ver­mutung« über Adstcht« Deutschland» auf Marokko Anlaß, zumal nachdem der Reichskanzler Graf Bülow jüngst im Reichstag erklärt hatte, er werde dafür sorgen, daß unsere wirtschaftliche Inter! ff« in Ma­rokko auch in Zukunft nicht geschädigt würde«, der gegenwärtige Augenblick aber sei nicht geeignet, wei­tere- darüber zu sag«. Besonder« mißttauisch und eifersüchtig ist «an in England und F ankr-ich. Daß man schon im voran» einen großen Erfolg vor fich herposaun« läßt und die Aktion mit soviel theatra­lisch« Beiwerk in Sz«e setzt, ist nicht nach unserem Geschmack. Wie kau« man un» weiß «ach« wolle», daß fich der Marokko«« eine ungeh uee Begeisterung weg « de» erwartet« B-suche» bewächttgt habe. Die strahlend Our Glück, hotte den Arm um Martha» Schult« gelegt und blickte auf fein Töchterchen her­nieder, das auf dem Schoße b« Mutter faß. Alle bi« starrt« darauf hin. ®abrieler» Gesicht war ein einzige» Fragezeichen, und erst allmählich kam ihr da» Verständnis für die Sttuation.

„«a» soll da»?' fragte fie unwirsch.

„Ja, nun, kannst du e» dir nicht bratet ?"

„Pablo hat fich verheiratet. Diese reizende Frau ist unsere Schwiegertochter und die» liebliche Kind ist unsere Enkelin "

„Ah," riefen Enrtqaetu und J«kS Wie an» einem Munde.

„Wie freue ich mich, fie kennen zu lernen," faste Maria Luise, aber ein Bl ck auf daS Antlitz ihrer Mutter Härte fie eines andern belehr« soll«.

„Bist du von Swu«? Glaubst du denn, daß ich eine Person in mem Han» aufnehmen we.de, die Pablo mit Sott weiß welche» Künsten »«strickt und die ihn zu eher Verbindung ohne Einwilligung feiner ®tern verleiten konnte?'

Run wußte Dos Jvcqnfr, woran er war. Ab« er hatte fich fest vorgenommen, Partei für die jungen Leute zu nehm« und diesmal energisch zu zeig«, daß et da» Haupt ba Familie war. Aber immer «ehr packte ihn bte > dregerg, bie auf seine hageren Glied« dieselbe Wirtnug ausübte wie die Hand be» Kinde», b»e au be« Bindfaden seine» Hampelmannes zieht. Er fing an zu zappckn und zu trippeln, iudem « schüchtern sagte:

„Padlos Frau trifft durchaus keine Schuld. Sie hat es gar nicht gmstzt, daß er unsere Sinwilligtwg nicht etngehvtt hat. Er gibt allttdings z«, daß er gefehlt hat, ab« da nun die Sache einmal nicht zu ändern ist, ttm Wir am best«, ihn« nachttäglich den erbet«« Segen zu gebe«.'

„Das werde ich nie tun."

„So lies doch nur, wa» er schreibt i"

„Ist nicht fritig. Mit schön« Bwttn kann er fein Vergehe» »tat Wied« guttnochra."

„Pablo oppckliert an unsere Nachsicht, da er uns bi» jetzt doch nie Anlaß zu Klag« gegäb«. Sollen

• Unpolitische Zeitläufe.

j (Nachdruck verbot«.)

® Berlin, den 22. März 1905.

Wenn Frühlingsanfang im Kalender steht, gibt iS bei unS zu Lande in der Regel erst be» Vorfrühling. Dazu paßt sehr schön Mariä Ve» kündiaung als Fest des Vorfrühlings der Eilösung.

Ostern fällt dieses Jahr so spät, daß u* hrffrn dürfen, dieses erhabenste Fest des ganze« «kchenjohreS inmitten einer herrlich aufsprosse» den unb treibenden Na ur feiern zu könne». Hoffen, ja, aber ei kann auch anders komme«, da der Gang des Wetters «och ur sicherer ist, al» der Gang der Mode ober bet Politik.

Aber alle zeitweiligen Enttäuschungen urch Rückschläge in der jugendfrischen Natur kö»n« doch nicht hindern, daß wir allzumal in b« LenzeSzeit einen gewissen, elektrischen S rom fa der Gliederung und im Geiste spüren, daß wir uns ein wenig verjüngt vorkommen und unsere Körper« und Geistes k, äste etwas schwellen und fich anspannen, ähnlich wie die Knospen an be« Zweigen. Die Lebenslust wird aufgemuntM unb damit auch die Lebenskraft gehoben, so weit e» die Gesundheit und die Jahre überhaupt »och |»Iaffe». Da» ist angenehm und kann auch nütz­lich sein, wen» die sogen. FrühlingSgefühlen ft» vernünstige» Zügeln und Geleisen bleiben. J»> wohl, freut euch deS Lebens, alt wie jung, wek noch beS Lämpchen glüht und der Frühli»« wieder in dieses Ptlgertal zieht! Feuet euch, daß ihr noch die steigende Sonne genießet und im Lichte wandelt, bei dem man noch wirken »nd schaffen kann!

und wehe den Mägden, welche zu »hr zittert mürben Sie beitend« fich vorher dreimal und hatten e» recht eilig, ba» Zmmer »leb« zu verlassen. Eine brückende Schwüle leg über dem Hause während der nächst« Tage. Warta Luise hatte nochmal» ein« Versuch ge­macht, bie Mutter umzufilmmen, ab« v-rgeblich. Don Joeqttv» Bemühung« ftvchtelen erst recht nicht».

Kehr« wir zu btn Reiftndm zurück Bei seiner Ankw-st i» B«a Cruz ging Pablo zum Zollamt unb erkundigte fich, ob daselbst eme Sendung für ihn an- gekommen lei.

Er hatte nämlich mehrere Kist« wtttvoll« chirurgi­sch« JnstrmueMe und medizinischtt W«ke, bere» Be» schrffung den Rest von Martha» B«mögm In Au» Ipruch »ahme«, dmch einen Spediteur vorau»schickm lasse». Welch hart« Schlag für R.b«o, al» « be®» nahm, daß eb« dieses Sch ff untergegangen seil De« er hatte die Sendung nicht v«fichert und de»halb kein« Anspruch aus Schadenersatz. In sehr gedrückter Stimmung frhr « n.it Fran und Kind sein« Ber­stadt z». Seinen Elle« hatte « die Zett sein« An­kunft telegraphisch mitgetetir, ab« b« Gedanke, wie man ih« daheim gefiant sei, beunruhigte ihn, je näh« er dem Ziel d« Reise kam. Jcht war« die Türme von Puebla fichlbar. D-r Zug lief in bie Halle et». Sergeben» suchte sein Auge nach einem Familieumtt- gliebe. Niemand war gtlomm«, ihm den W-lHvm- menSgruß darznbieteu. „Also doch zürnt man mir." Das war sein erst« Gedanke. Der Äusdrack von Gut- tänschnng unb großer Trostlosigkeit in Martha» be« frmmttte« Gesichtchen schnitt ihm tief in» Herz. Acht und wa» komnte er sagen, sie zu beruhigen? fc wagte es natürlich nicht unter diesen Umständen, fie sein« eitern znzuführen, sondern brachte fie vormst «ft b-m Liub zu einem Gasthof. Dann begab er sich um Hause der Seinige» Ein« Augenblick reute sich fr Dvuna Gabriela da» Mntt«h«z beim Anblick chicv» Lieblings, des stattlich« ju,g« Manne-, w«n «ch nicht mt fr blühendem Au»ietzra von ehemals. Ader bann gewann ber Zorn wieder bie Oberhand, »w ihre ganze Haltung taten zu sag«: „Rühre mich «M an, wir find fertig mitemander." .(3- f*