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». äX’ä«. wocheilberioge: „Illustrierte SvMiagrzeitung" *^&v<2** Monakbellag«: „KUdaer SeschlchtrblStter".
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Druck und Verlag der Kuldaer Skttendenserei in Suita (Harmonie) Sernsprecher «r. 9.
JK 58.
Fulde, Samstag, dm 11. Marz 1905.
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Ein Verbrechen des Hryrns
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Bon ft. H. ------(Nachdruck verboten.)
Unpolifirdie Zeitläufe.
(Nachdruck verboten.)
® Berlin, den S. März 1905.
Die Asche vor der Stirn ist kein angenehmer und lieblicher Puder; aber gesunder als die übrigen Der chSnerungSmtttel.
»Doktor, ich bitte Dich, sprich nicht so von der jungen Dame! Sie hat mir ost gesagt, daß fie nur ans ausdrücklichen Wunsch ihrer Mutter . . .*
»Bah! Andere Leute wissen da gut Bescheid. Sieh', sth bin seit drei Jahren in diesem Neste und keime die BerhLVniffe. grau Direktor N, die in demselben House wohnt . .
»Reid und Klatschsucht fallen über da» arme Mädchen her, veil sie hübscher und geistreicher ist, al» die anderen alle/
»Ra, na, beruhige dich! Hübscher? Darüber ließe sich streiten. Geistreicher? — Nun ja, gescheit ist fie und berechnend — eine vcllendete Kokette. Sieh' ihr doch einmal zul Beobachte mit deinen Jurißenam«! Oder hat dir der kleine Schalk Amor schon die Binde umgeworfen? — Solltest mir leid tu», armer Noah" die» war mein Kneipaame an» der Studentenzeit — »solltest mir leid tau. Bist wein Leibstich» gewesen, de-dalb fühlte ich gewissermaßen jefct *ech moralische Pflichten gegen dich. Aber mir scheint, ich predige tauben Oiren. Best doch sonst ein vernünftiger Junge. Laß' dir nicht» vormach«!"
Bertranlich und nicht sehr zart klopfte er wich auf die Schulter; ich machte eine abwehrende Bewegung
»Noah, Noahl sei klug. — Do kommst doch zum Slot heute abend. — Nein? — Bruder, die «en rumst rät dir, z« erschein«."
-Die Berunnft in Gestalt von Freund Weiß — nun, ich will mir'» überlegen," sagte ich schließlich, Uw ihn lo» zu werden. Fast haßee ich ihn in diesem Augenblicke, meinen einstigen Leibburschen und den treuen Freund so mancher Jahre. Bon keinem andern hätte ich ein Wort Über 90a geduldet; auch ton ihm war mir jede Bemerkung höchst peinlich. Nicht zum
Auf dem ostasiatischen Kriegsschauplätze wird seit einiger Zeit wieder auf der ganzen Linie erbittert gekämpft, wobei die Japaner unstreitig in Borteil find, ja die Lage für drt Ruffen breit- höchst ernst geworden ist. Im Westen von Mulden unternahmen die Japaner eine große UmgehungSoperation, infolge deren fie, anscheinend mitbetachieetenAbtettnug«, der rechten Flanke der Ruffen, in den Rücken kamen und mit der Hauptmacht ihres Unten Flügel» bis ziemlich nahe an die Stadt gelangten. Im Zentrum kämpfen die Japaner ebenfalls mit Erfolg. Am wildesten wurde im Osten gekämpft, wo die Japaner immer von neuem gegen die Stellungen der Ruffen in den Pässen an- stürm.en. Die Japaner, die auch hier eine Uma'hung planten und beim Beginn der Operation die Ruff« znrückgedräugt hatten, konnten gegenüber der zähen Tapferkeit der Stuffen zunächst keinen vollständigen Erfolg erringen, trotz der entsetzlichen Opfer, unter deren fie Simm auf Sturm auf den Kautulln-Paß unternahmen.
In den Bereinigten Staaten von Nordamerika trat Präfi ent Roosevelt an 4. März seine zweite Amtsperiode an. Au» diesem Anlaß richtete er eine Adresse an das amerikanische Bolk, worin er dessen ohnehin schon nicht geringem Selbstbewußtsein tüchtig schmeichelt und ihm sagt, daß er gegen alle anderen Nationen eine freundschaftliche Haltung ein nehmen müsse, fih aber auch kein Unrecht gefallen lassen dürfe.
erstenmal sprach er so zu mir. Sobald er mein Jntereffe für da» schöne Mädchen bemerkt hatte, er. laubte er fich versteckte Andeutungen und offene Bor- stellungen. Wollte er mich wirklich al» Freund warnen? oder war sein Motiv Eifersucht? An jenem Abende glaubte ich zweisello» da» 2 friere; aber ich behielt meinen Groll sür mich und wanderte nach kurzem Abschiedsworte meinet Behausung za.
Aus meinem Tische lag ein Brief meiner Mutter, ein lieber, zärtlicher Brief voll herzlicher Besorgnis, guter Ratschläge und endloser keiner Einzelheiten au» ihrem täglichen ße en. Ich war ihr einziger Sohn. Ihr Leben ging ganz in der Sorge nm mich ans. Run lagen Ne Studienjahre längst hinter mir; kein Examen brachte ihr mehr Herzklopfen und schlaflose Nachte; ich war in gesicherter angesehener Stellung, wo» hatte Mütterchen noch zu sorgen? — Ich war rreibig Jahre alt; also war e» nach ihrer Ansicht höchste Zett, mich zu verheiraten. Eine leise Andeutung in meinem letzten Briese hatte da» Mutterherz in Flammen gesetzt. Sie sah ihren Wunsch erftHt, sah mim glücklich an der Seite einer geliebten und liebenden, aaftrö, frommen, tugendhaften Braut Me ne Ber- mSgenSverhättuiff- elanbt« i» mit, bei meiner Wahl van materiellen Rückächten unbeeinflußt, um dem .Zuge meine» Herzens zs folgen.
Die Heben Worte de» Briefes brachten einen Rißwu in meine Stimmung. Sanft, fromm, hingebend, das waren die Ehmotterzüge meiner Mutter. Nabe- wußt hatte fie dem Bilde meiner künftigen Brant den eigenen Stempel aufgrdrückt — Aber diese« Blde entsprach Ella nicht. — Segen die Warnungen de» Freunde» konnte ich mich entschließen — bei den ahnungslosen Worten der um da» Glück ihres Sieb» tag« besorgten Mutter sah ich da» Mädchen in an» «em Lichte. Wie oft hatte ich sie ans dem Rasen liefe Sp eie heftig und rückficht»lo» gefeten, eigenwillig, selbstsüchtig, sich totdtängend — Temperament und Jugend Übermut hatte dH e* genannt. Nun verland ich e» plötzlich, ander» — aber nur sät einen Moment Da», wa» ich Liebe nannte, die heiße be
gehrliche Leidenschaft wallte wieder auf. Hundert Entschuldigungen sand ich für ta» schöne Geschöpf: die anderen mißgönnten ihr jeden Erfolg, beneideten fie — kein Wunder, daß fie fich wehrte, daß fie ihnen zuzette« ihre Ueberlegenhett zu fühlen gab. Ihre Mutter lebte von einer kleinen Pension und dem bescheidenen Reste ihre» einstigen Bermögeu», sie mußte fich manche Einschränkung« auferlegen, wa» Ella» hochstrebenden Sinn sicher verbitterte. Lebte fie erst in gesicherten, behaglichen Berhältniffen, unter der Leitung eine» liebenden, fürsorglichen Gatten — so wett war ich schon wieder in meinen Gedanken — bann würde sich manche» Harte, Herbe ihre» Wesen» mildern. Wie zärtlich sprach fie immer von ihrer Mn ter, von ihrem verstorbenen Bruder» der doch ein Berschweuder, ein Taugen icht» ersten Range» ftwesen war! — N:in, ich wollte-in meinem Ent- chluffe nicht wankend werden, wollte taub bleiben legen olle Eiv flüstern» g-n von außen — und dann von innen.
Erst seit wenigen Monaten war ich in H. Sou Sator we ig zu Geselligkeit genügt, hatte ich mich durch den Einfluß meine» Freunde» Weiß, den ich zu meiner größten Freude wohlbestallt al» praktischen Arzt im Städtchen vorfand, bewegen lassen, an den Vergnügungen de» Winter» Anteil zu nehmen. Auf einem Balle batte ich Ella kennen gelernt Ihre Schönheit, ihr lebhafte», muntere» Wesen ft ff elfen mich vom eisten Suz-nblick au, wie wich nie ein Weib ge- effdt hatte. BI» zu dieser Stunde hatte ick chrem Geschleckte ziemlich glekfrgültig gegen Über gestanden. Kein tiefere» Gefühl heute mied je erfaßt; ich h>ett mich eine» solch-u gar nicht fähig. Bi» zu di-sem Tage Haffe ich mit keine Rechenschaft gegeben über die Empfindungen, die Ella» Nähe in mir w ckte.
Ich hatte eine einsame Jugend verlebt Meine chwächliche Gesundhett verbot mir, an den tollen Spielen und Stretchen der Schulkamerakea teilzu- nehmen. Nach dem früh« Tode meine» Batet» i Stete mich meine M»tiee mtt übertriebener Sorg» alt und ließ mich nie an» den Ang«. Nur auf den
er, jetzt die »ruck vermehr« können, daß in den R-giernugSkreisen Ratlosigkeit herrscht und der Zar zwisch« den Partei« unficher hin und her schwank. Am 3. März erschien ein Manifest drS Zaren, worin er fich entschieden für die Fortsetzung de» Kriege» in Ostafien aussprach, die „übel gesinnten Führer einer aufrührerischen Bewegung" gegen die heilige orthodrxische Kirche und die bestehende Staatsordnung scharf tadelt, alle Untertanen zur «Befestigung der Selbstherrschaft" aufforderte und die Verschiebung der Reforrnpläue bi» zu „ruhiger Stimmung der Bevölkerung" ankü- digte. Da man immer noch in den Kreisen der Intelligenz auf freihettliche Reform« gehofft hatte, erregte diese Kundgebung Ueberraschnug und Erbitterung. Einige Stund« spät« wurde man aber mit einer neuen Kundgebung überrascht. In einer Bersüguvg an den Minister des Inne« zeigte der Zar feinen Entschloß an, „von nun an mit Gottes Hilfe würdigste, das Berttan« des Volkes g«ieß«de und von der Bevölkerung gewählte Männer zur Tellnahme an der Ausarbeitung der Beratung legislativer Entwürfe heranzuziehen". DaS ist nun keineswegs eine Volksvertretung im westeuropäischen Sinne; aber fie könnte schließlich doch d« ersten Schritt zu versaffungS- mäßigen Zuständen bild«, fall» fie fich ihr« Aufgab« gewachsen zeigt. Die Susständ: und Unruh« im Lande dauern an.
der Bevölkerung nicht allein für die zollpolitischen Pläne ChamberleiuS noch nicht gewonnen ist, sondern auch die wehr zuruckhattende Politik de» Ministerium» nicht bimst.
In Rußland liebt man, scheint Ueberraschnug«, die aber nur d« Sind«
und handelspolitische tot Ion zum formell« Abschluß gekomwm uab den BertragSstaaf« nochmal» nachdrücklich zu «tannen gegeben worb«, wa» fie zn erwart« hab«, wenn fie etwa die Ratifikation der neu« Verträge verweigern ober verschleppen wollten. Zugleich ist damtt f.ster Bvd« geschaffen für die Neu- regeltr.g unserer Handelsbeziehung« zu dm Meist- begünSigunfllpaat«. DaS Mehrergebni» d r neu« Zölle wttd für die Reichstaffe nicht so reichlich sein, wie man sicher wohl angenomtn« hatte. Reichsschatzsekretär Frhr. v. Siengel berechnete e» in der Bob- getkommisfion deS Reichstags auf 70 bis 80 Millionen Mark jährlich, wovon 40 bis 50 Millionen für die Witwen- und Waiseuverficherung zarückzulegen fein würden, sodaß nut 20 bi8 30 Million« blieben Damit wäre die Finanznot des Reiche» nicht gehob« Der ReichSschotzsekretSr, ber nun doch eingesehen hat, daß er schon der neuen Militärvorlage wegen ein übriges tun muß, kündigte denn auch für nächsten Herbst eine „große Steuer-Finanzreform" au. Nähere» über feine Pläne wallte er noch nicht verraten, da die verbündeten Regierungen erst ihre Zustimmung erteilen müßt«. Doch ging au» seinen Andeutungen hervor, baß er eine direkte Reichssteuer, wahrscheinlich eine Reichserbschaftssteuer plant. Nach der Haltung, die da» Zentrum bisher beobachtet hat, dürste er auf neue indirekte Steuern, die den Maffen- verbrauch der unbemtttelren Klaffen vorzugsweise be- lasten, jedenfalls nicht rechnen.
Die zweite Novelle zum Berggesetze ist dem Abgeordnekenhause nunmehr zugegaugm. Der Jnhatt entspricht dm früheren amtlich« Ankündigung«. E» wird fich nun darum handeln, wa» die Konservativ« Und Scharfmacher dazu sagen.
In Oesterreich gestattet fich da- Abgeordneten- bau» schon wieder Skandalszenen. Am Frettag voriger Woche machten die Ehristlich Sozialen mächtig« Spektakel, well der Präfidmt fich geweig-rt hatte, einen der Ihrigen in die Rednerliste einzuttagm. Sidal« demokraten, Alldeutsche spektakelten, um dem Präsidenten ihre Zustimmung zu bekunden. Hoffentlich find solche Anfälle parlamentarischer Tobsucht nur vorübergehend.
In Ungarn stebt die Krisis noch immer ans dem alten Fleck. Der Kaiser hat wieder Besprechung« mit einer Anzahl ungarischer Politik« gehabt, aber bet Ausweg an» der schwierigen politischen Lage wurde noch nicht gesund«.
Ja Frankreich ist nach offiziös« Mitteilung zwttqen dem ftultusminifier und dem Kamweraus- tchuß zur Beratung des Sesrtzmtwmfe» üb« die Trennung von Kirche und Staat vollständige» Einvernehmen erzielt worden. Bekannttich s tllen nach dm Abfichten b« Regierung von bem Gesetzentwurf noch ba» Budget und bie Militärvorlage erledigt werden. -■
In Italien hat ber Ministerpräsident Giolitti aus Gesnndhettsrückficht« fein EntlaffungSgesuch eingereicht. Giolfttt ist wirklich krank, ab« der Hauptgrund seine» Rücktrittes ist in den Schwierigkeiten zu such«, die die ObstrnVion der Etsmbahnangestellt« dem Ministerium baetiet hat. Die Eisenbahner betrachten denn auch den Rückttitt als einen von ihn« errungenen Sieg. DaS neue Rabinef, mtt btfftn Bildung Forti» beauftragt wurde, wttd allem Anschein nach an» d« bisherig« ministeriell« Partei gebildet w«dm und keinen Wechsel in ber Politik herbeiführ«.
In England gerät da- Robinet Salford mehr und mehr ins Schwanken. Jmm« wieder nehm« bei Nachwahl« die Liberalen d« Ronferoatiben Mandate ab, wa» dafür spricht, daß die Mehrheit
Wodien-Rundfdiau.
Fulda, ben 11. März 1905.
(Nachdruck verboten.)
$Jm Reichstage gehen die sozialpolttischen Et- örtarungeu beim Etat de» Reichsamtes des Inne« ••****• « i>vei Dutzend der dazu vorliegenden Re-
Ntoion« bieten ja reichlich« Stoff; es werb« ab« «ch «och mancherlei andere Dinge besprochen von den« die Resolution« nicht red« ; z. SB wurde laua 2? ba8 Berhältni» zwischen Aerzten »n! ftnwtantass« und d« Leipzig« «erztistreik behandelt Alle Red« find beladen mtt ein« weitschweifigen P> lemik zwischen Sozialdemokaten und ihren Gegnren bk zu weit« nicht» al» einer ermüdend« Ausdehnung ber Verhandlungen und zu einer schwächeren Besetzung des Hanse» führt. In der Presse, die dem Reichstage Nicht hold ist, well da» Zentrum so stark varin ist, w«dm jetzt wird« heftige Borwürfe gegm ihn erhoben, taff « die Etatsberatung verschleppe. Blätter, die Jahre lang ein« weit ärgeren Verschleppung im preußisch« Abgeordneten Hause nachsichtig gegenüber gestanden baden, sollten doch mindesten» erst abwarten, ob d« Reichstag nicht d--ch noch rechtzeitig fertig ttabe. Einstweilen hat der Etat de» Reichsamte» be» Innern noch nicht so viel Zeit in Anspruch genommen, wie in früheren fahren, wo d« ®tat trotz- dem znm 1. April vreabsch-edet wurde. Die Borwürfe auf da» Zentrum zu kouzc trier-n, ist vollends unge- rechtttrtigt, denn baS Zentrum ist nicht der Reichrtag and der AbsentiSmuS ist uammtlich auf d« Recht« mindesten» so stark wie bei irgend einer anderen Partei.
Da» preußische Abgeordnetenhaus hat mit Hilfe von «bendsttzungen die zwette Beratung beS Kultusetats glückliq zu Ende geführt. Reformschul- vesen, Parität aus dem Gebiete dw höheren Schul«, da» Ueb«handnehmen der AnSländ« an den Tech Nische» Hochschulen, DmkmalSpflege und ähnlich war« die Frag«, bie in b« letzten Sitzungen behandelt wurdm. Rach den erst« stürmischen Tagen belief« bie Kulturdebattw dttSmal tut allgemeinen recht ruhig. — Rach einem neu« vergeblich« Versuche, da» Sen- chengesetz ht dritter L sung zu «ledigen, setzte da» Ubgrordnekmbau» die 6tat»b«otung beim Etat der Sauverwaltung fort, der nur eine Sttzung beanspruchtt. Ane ausgedehnte Debatte knüpfte fich an den Eisen- bahnetaf. Minister von Budde fettete fie, wie üblich mtt einer langen Rede über bie Entwickelung de» Eisenbahnwesen» ein, die eigentlich eine Lobrede auf bie Verwaltung war. Er stellte eine Pnsonmtarff- reform auf Grundlage de» halben Preise» der Rückfahrkarte, nötigenfalls ohne vetelligung Süddeutsch- land», in Aussicht. Wohltuend berührt d« Geist sozial« Fürsorge, von dem Oie Ausführungen des Mi- WrrS sengten. Dem P ane der BetriebSmittelgemein- fchast zollten alle Partei« Beifall, jedoch waren alle auch darüb« emta, daß die «ettieb-mtttelgemettschaft nicht zm- ^ssenbahngemeinschaft, zu RrichSeismbahuen führen dürfe.
Nachdem die Handelsverträge mit Oester- reichUngo«, Italien, Belgien, d« Schweiz, Rumänien «mb S«bien vom 28. Februar zum 1 März u. I». gekündr^ waren, ist wett« eine kaiserliche Verordnung «gang«, daß der neue Zolltarif am 1. März n. I». in Kraft triff. Damit ist also die große Zoll-
Ein Schwärmer für die Leichenverbrennung sagte mir einmal: „(iuete Kirche nimmt zu dem AschermittwochSkrenz keine Erde, sondern Asche, da» Erzeugnis der Verbrennung. Darin liegt angebeutet, daß der Körper eigentlich vttdrannt werden sollte."
D« eifrige Mann griff bei diesem Beweisversuche in'S Blaue. Die Formel heißt nicht: Gedenke, daß du Asche wirst, sondern vielmehr: Gedenke, daß du Staub (pulvis) bist und zum Staub zurückkehren wirst! Die Kirche hat also de« Erdenstaub im Auge, zu dem gerade daS Begräbnis im Schoße der Erde auf gerade« Wege zurückführt. Daß zur Slimbezeichnung nicht geweihte Erde, sondern geweihte Asche ge- nommm wird, zeugt von dem praktischen Sinn, der bei Einführung dieser Zeremonie gewaltet hat. Die Erde, die man vom Boden austiest, macht einen unfauhren Eindruck. Die Asche aber, der Rückstand nach den, Vnb^nnungsprozeß, gilt überall als ein sauberer Stoff. Sogar im Sinne der modern« Bazillenlehre.
Als ich jung war, habe ich mir viel ben Kopf zerbrach« über das Wesen be8 Schmutzes und bie Ursache des Ekels, den wir gegen gewisse Stoffe empfind«. Seitdem die Bakterien u, d Kokken rc., die unfichtdaren Einwohner der widerwärtigen Stoffe, entdeckt worden find, ist daS Rätsel leicht zu lösen. Der trockene Sand ent» hält in der Regel keine schädlichen Keime; deshalb ekeln wtt uns nicht vor ihm, ja wir benutz« chn sogar zum Scheue« und Putzen ober nach alter Sitte zum Bestreuen bet Diel«. „Sand scheuert den Magen", sagie man unS Kinde«, wenn wir beim Essen auf rin versprengtes Sandkorn biffen. Die eigentliche Erde dagegen, ein Stück von dem fruchtbaren Bob«, hat man stets als verdächtig, oder geradezu als schmutzig erachtet. Ebenso hatten und hab« die Leute ein« instinktiv« Abscheu vor einem Haar, das in die Suppe ober in die Butter gerat« ist, obschon boch bas Haarröhrchen an fich ein ganz harmlose- Ding ist. Ehe der Mikroskop ben sichtlich« Beweis gebracht, ahnte man ganz richtig, daß am Haar leicht gesundheitsschädliche Keime fitzen. Und längst ehe die gelehrten Her« de« Inhalt der Mundhöhle durchforscht hatten, hatte daS Bolk einen «kräftig« Widerwillen gegen den Speichel, ja sogar gegen den eigenen Speichel, sobald er nur die heimatliche Mundhöhle verlass« hatte. Der Instinkt ist der Forschung vorausgeeilt; bie volkstümliche Prax.s war schon sehr alt, als die Theorie erst hintennach kam. So hat die Kirche zu ihrem Aschenkreuz schon i« grauer Borzett einen Stoff gewählt, gegen dm auch der Bazill«vater Dr. Koch nichts einwenden kann.
Bekanntlich hat dir Bazillenlehre zu einem ärgerlichen Streit in ber protestantischen Kirche geführt, wegen ber gemeinsamen Benutzung des Abenbmahlkelcher. Die katholische Kirche hatte auch auf diesem Gebiete ihre praktische Erbweis- heit schon längst bewiesen. Es ist sehr schwierig und gefährlich, in einet großen Gemeinde daS «llerheiligste in bet Form des Weines auszu- dringenden Rat wohlmeinender Freunde stand fie VON bem Bor hab« ab, ihren Wohnsitz nach d« llriver» sttätSstadt zu verleg«. Der Gedanke an eine Trennung war ihr unertrögch. „Der Junge muß ein Mann werd«. Du kannst ihn doch nicht ewig am Sängelbande führ«", hatte ihr Brnd«, mein Vormund entschieden. So zog ich denn allein auf die Univnfität. Meine Gesundhett hatte fich zwar gekräftigt, aber ich war Nein und sck mächtig geblieben, und jeden Versuch, die akademische Fre hett in vollen Zügen zu genießen, od« auch nur einigermaßen am flott« Burichenleber teilzw ehmen, mußte ich teure bezahlen. Sinern dies« mißglückte» Bresuchr batatfte ich meta« Knetpnamen „Noah".
Ich zog wich zurück, ohne mich jedoch ganz abzu- schlteß«. Au» Pietät trat ich ein« tatholsch« Verbindung bei, d« einst meta Vater an gehört harte. Freunde schliffen fich mtt au; fie gewöhnt« fich an mein stiller, ernste» Wesen und gaben e» auf, mich ta den Krei» ihrer Vergnügung« zs zieh«. Ich war der Sonderling de» Bunde»; aber ich glaube im ganzen wohl gelitten. Au ihr« Fest« nahm ich eU« fett, spendete aber taratft reichlich, der« Glanz >u «höhe».
Meine natürlich« GeisteSgab« ermöglichte» e» mir, dem Studium ohne allzugro»- A strengung meta« Kräfte zu folg« Du-ck> da» tajdmöfr ge, tret'g enthaltsame Leben, da» ich fthsAh ut fierte fich meine Gesundhett. Dennoch otgte ich » et er Methode und war tob blieb ein einsilbig i, jufi menschenscheuer Geselle. Aeugstltche Selbstbeobachtung störte mir jeden Genuß. Ob meta Herz stärker ober schwächer »achte, ob meine Nerven stch normal zeigten, ob genügend Appetit mb Schlaf Vorhand« u. s. w , die» alle» beschäftigte wich üb« Gebühr. Ich war aus bem Wege, ein vollendeter Egoist zu torec« und olle Dinge nur »ach dem Gefichtt punft zu betrachte», ob ie meinem Ich, zunächst meinem körperliche» vefirde», »indertich ob« sörberltch sei«.
(Fortsetzung folgt.)
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