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, JSit'ÄT.«. wachendella-e! „Illustrierte Sonntagszettung"

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rnsprech« » K

S Der Zeldzug gegen die kathol. §lL)emenvrrbin-ungen

wird von Profeffor G. v. Below in Tübingen im »Tag' entschieden verurteilt, v. Below be­ruft fich darauf, daß er sechs Jahre Profeffor in Münster war, wo fast nur katholische Korpo- rationen bestanden, er also richtige Ge­legenheit gehabt habe, die katholischen Ver­bindungen kenne» zu lernen. Gr schließt Ach durchaus dem Protest an, den der Marbur- ger Profeffor der protestantischen Theologie Bauer in der ,Allg. Ztg.' gegen die Agitation gerichtet bat. Daß die katholischen Verbindungen fortwährend „Holzereien" beginge», weil sie das Duell verwerfen, bestatt er. Ohne die schlagen­de« Verbindungen würden vielmehr die Holze­reien sehr erheblich geringer sein. UebrigenS be­tte teile er den Studenten in erster Linie nach dem Fleiße und da müsse er den katholischen Berbinvungen ein ziemlich günstiges Zeug­nis ausstellen. Wen« ihre Mitglieder auch nicht die fleißigsten Studenten feien, so ge­hörten sie doch zu den fleißigen. Wenn man jedes konfessionelle und politische Bekenntnis als Grundlage einer studentischen Bereinigung verdamme, so müffe er sagen: Der Kamns bet Prinzipien ist mir hebet als di- Arichgiltigkeit yatabie Prinzipien. lebhafte Interesse föt kirchliche politische Fragen könne bei den nur gfinftig wirken; eS hindere sie, E einem stumpfen Grnußleden aufzugehen. Zweifellos fänden sehr viele katholischen Studen­ten in den katholischen Korporationen eine« sitt- lichenHalt. Seien die anderen Korporationen «itklich all« geeignet, ihren Mitgliedern einen sittlichen Halt zu geben? Man könnte es einem kacholtschen Vater einstweilen kaum verdenken, wenn er den katholischen Verbindungen vor be­stimmte« anderen den Vorzug gebe.

Herr v. Below verbreitet sich dann über da« Zentrum, als dessen Vorspann er die katho­lische« Verbindungen anfieht. Wir übergehen HaS, well er fich da in ganz irrigen Voraus- setzungen bewegt und bemerken nur, daß er un- befangen genug ist, in den Vorwurf, daS Zen­trum sei schlechthin antinational, nicht einzu- stimmen. Dann führt er weiter auS, daß er die jetzige Agitation gegen die katholffche Berbtn- düngen nicht gutheißen könne, weil sie in den Fehler dec Demagsgenverfolgungen zurückfalle, mit Polizeimitteln die Verbindungen unterdrücken zu wollen, weil ferner die Agitation zu bedenk­lichen Konsequenzen führen würde, und well die Verquickung der nationalen und kirchlichen Frage mit anderen Dingen (Verwerfung des Duells) tadelnswert sei und in den katholischen Verbindungen daS Gefühl erwecken müffe, unge­recht behandelt zu werden. Man erreiche mtt der Agitation nur das Gegenteil von dem, was man anstrebe, v. Below schließt: „Wenn man jedoch auf eine leidliche Mitwirkung der Katho- llleu an den nationalen Fragen rechnet und nicht eine Steigerung der kirchlichen Abschließung wünscht, dann stelle man den übereilt unter­nommenen Feldzug möglichst bald ein md ge­währe den katholischen Korporationen die Aner­kennung ihrer Existenzberechtigung, welche un- zweifelhaft ein Stück bet notwendigen akademi­schen Freiheit ist. DaS Zusammenleben und Zusammenarbeiten der katholischen Verbindungen mtt den anderen Bereinigungen wir» jedenfalls bessere Früchte tragen als ihre Bekämpfung".

In der ,Nat.-Ztg/ äußert fich ein „alter Herr" über den jetzigen Kampf für die „akade­mische Freiheit" sehr abfällig, indem et den Heißspornen Klarheit und Logik abspricht. Et tadelt die politische Betätigung det Studenten durch Einmischung in die nationalen Stteitigkeiten des Auslandes. Demonstrative Bersammluntzen und telegraphische Kundgebungen seien nicht mehr als unbedenkliche polllische Betätigung anzusehen. Die einzelne möge harmlos sein, ihre Häufung fei es nicht. Der „alte Herr" ist kein Freund der konfesstonellen Verbindungen, aber er meint: „Wenn einmal Verbindungen exklusiven Charak­ters überhaupt geduldet werden, kann man de« katholischen Studenten nicht verweh- re«, was den andere« zugestanden wird. Daß eS eine Verirrung war, im Namen bet akademi­schen Freiheit die Unterdrückung der katholischen Verbindungen zu fordern, darüber wird gegen- wärtig wohl nur noch eine Meinung sein. Hätte man in Hannover gleich das rechte Wort gefun- de«, al» diese Angelegenheit zuerst auftauchte, so würde diese ganze Affaire im engsten «reise er­ledigt worden fette. UebrigenS wird man sich auch darüber wohl kaum noch einer Täuschung hin­

Krstes ZA'aLL.

geben können, daß man mit dieser Stellungnahme in Wirklichkeit die Geschäfte deS Zentrums be­sorgt hat, natürlich wider Willen .... Wann wird der Deutsche, auch der liberale Deuffche, endlich die Gewohnheit ablegen, gegen jede Er- scheinung, die ihm nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen? Sollten nicht die Wirkungen des ersten Kulturkampfes oder des Sozialistengesetzes aas- reichen, auch dem Blindesten die Augen zu öffnen?

Deuffdies Reich.

Berlin, den 10. Mäq 1905.

** lieber die Ansprache, welche der Kaiser bei der Rekrutenvereidigung in Wilhelmshaven gehalten hat, wird berichtet: Der Kaiser sprach unter Hinweis auf die von den beiden Geistlichen gehaltenen Reden ein­gehend über drei Punkte, nämlich über die Be­deutung des Eides, über die mangelhaste Pflege der Religion in der Jugend und schließlich über den Krieg in Ostafien. Der Monarch ermahnte die Rekruten, an der Religion und Gottesfurcht festzuhalten und die Baterlandesliebe zu pflegen. Gr wies auf daS alte Gebot hin: „Du sollst Vater und Mutter ehren", verglich den Lander- Herrn mit dem Vater, das Vaterland mit der Mutter der Soldaten und gab seiner festen Er­wartung Ausdruck daß die jungen Seeleute auch diesen beiden ste die schuldige Liebe und den schuldigen Gehorsam versagen werden. Zum Schluß lenkte der Kaiser die Ausmerkfamkeit feiner Zuhörer auf die Vorgänge in vstasien, hob in rühmenden Worten die große, über aller sehende Vaterlandes liebe, Opferfreudigkeit, Tapferkeit und Helbstlrsigkrir S« in schweren, heißen Kämpfen ringenden Gegner, namentlich der Japaner, hervor und hofft, daß die jungen Rekruten fich an diesem hehren Beispiele erbauen und ihnen gegebenenfalls nacheifern werden. Mit den Worten: „So gehet denn hin und tut eure Schuldigkeit! * schloß der Kaiser seine Rede.

§ Eine Denkschrift ist dem Abgeordneten­hause zugeaange« zu dem Gesetz betreffend Schadloshaltung des Herzogliche« House- Schleswig Holstein - Souderburg - Glücks­burg. In derselben wird zur Begründung der angeforderten Gummen ausgeführt, daß zwar nicht anerkannt werden könne, daß das Haus Holstein-Glücksburg fich in derselben Lage befinde wie die Fürstenhäuser, welche in den 1866 er­worbenen Landestellen ehemals regiert haben, denn während eS fich bei diesen um eine Ver­gütung für den Verlust anerkannter Rechte ge­handelt habe, stehe ein solcher Verlust bei Hol- stein-Slücksburg nicht in Frage. Dagegen. heißt eS in der Denkschrift weiter, war nicht von der Hand zu weisen, daß im wesentlichen dieselben Rückfichten ausgleichender Gerechtigkeit, welche dafür maßgebend gewesen find, dem Hause Hol- stein-Augustenburg eine Schadloshaltung für die ihm durch den Gang der politischen Ereignisse erwachsenen Bermögensnachteile durch daS Gesetz von 1885 zu gewähren, dafür sprechen auch dem Hause Holstein-Glücksburg für die ihm er­wachsenen Nachteile eine angemessene Ausgleichung zu teil werden zu lassen. Die weiteren Dar- legunqe« der Denkschrift enthalten den Nachweis der Vermögens Verluste, den daS Herzogliche Hans durch die politischen Ereigniffe gehabt hat. Er- wähnt sei, daß Kaiser Wilhelm bisher in recht­lich nicht verbindlicher Weise auS Verwandtschaft- lichen Rückfichten bis zu einer anderweiten Rege­lung der Angelegenheit dem Herzog Friedrich Ferdinand jährlich eine Beihilfe zu den Unter­haltungskosten für daS Schloß in Glücksburg in Höhe vor 20,000 Mark gewährt hat. Von allen in Frage kommenden fürstlichen Familien ist bisher allein das HauS Glücksburg ohne eine Ausgleichung für die erlittenen Bermögensnach- telle geblieben. Bei der Bemeffung der Jahres- reute in Höhe von 150,000 Mk. kommen auch die früher gewährte« Nebenbezüge, fowie das Recht auf Apanagen in betracht.

* Zur zweiten Lesung deS Gesetzentwurfes Über die Friedensstärke des Heeres ttt der Budgetkommisfion haben die Zentrums- Mitglieder der Kommi-fion den Antrag ge­stellt : 1. von der Friedensstärke2000Oekonomie- Handwerker zu streiche«, die bis -um 31. März 1910 durch Zivilhandwerker zu ersetzen find. Die Verminderung der gahl soll mit dem Ersetze ein treten, 2 die Zahl der vorhandenen Formationen bei derJnsanterie auf 633Bataillone, bei der Kavallerie auf 510 Eskadrons, bei der Feldartillerie auf 574 Batterien, bei der Fußartillerie auf 40 Bataillone, bei den Pionieren auf 29 Bataillone, bei den BitkehtS truppen auf 12 Bataillone, beim Train auf 23 Bataillone in der Weese zu erhöhe», daß bei der Kavallerie 10 SskadronS vom 1. April 1910 bis zum Schlüsse deS Rechnungsjahres 1912, die

M 58.

Fulda, Samstag, bett 11. März 1905.

32. Jahrgang.

übrigen Formationen bis zum Schluffe deS Rechnungsjahres 1909 gebildet werden. Dieser Antrag, der also die Friedenspräsenz Stärke statt um 10 339 Mann nur um 8 339 erhöhen und die Errichtung der in der ersten Lesung von der Kommission abgelehnte 10 Kavallerie-ESkadrons bis nach Ablauf deS neue« Qainquenats hinaus- schieben will, dürste mit großer Mehrheit an­genommen werden. Weiter beantragt das Zentrum mit Rückficht auf die jetzige Finanzlage und die angekündigle „Steuerreform" eine Resolution folgenden Inhalts: „Die finanziellen Wirkungen deS Entwurfs eines Gesetzes, be= treffend die Friedensstärke deS deutschen HeereS werden erst von dem Etat des Jahres 1907 ab zum Ausdruck gelangen.“

* Die grundlose« Verdächtigungen der deutsche« Politik in China durch die .Times' ist die ,Nordd. Allgem. Ztg.' schon ein­mal mit aktenmäßigem Material entgegengetteten. Jetzt schreibt fie: Wieder liegt ein derartiger Fall vor. Am 29. Januar brachte die .Times' auS Peking ein Telegramm, wonach Deutschland jede Gelegenheit ergreife, um fich in innere chinesische Angelegenheiten einzumischen. Es verlange, daß China ihm die Name« bet Gouverneure von Schantung zur Bestätigung vorlege, und habe Ysng-stih hsiang gezwungen, vor Abreise auf feinem Posten Herrn von Mumm einen Besuch zu machen. — Es finb Beweise bafür vorhanden, daß versucht worden ist, mit dieser Depesche Miß- ttauen gegen Deutschlands Absichten sowohl in Japan wie in Amerika zu erregen. Mit Rück­sicht hierauf veröffentliche« wir nachstehend eine telegraphische Aeußerung des Kaiserlichen Ge­sandten in Peking zur Sache: „Peking, 6. März. Weder gegen KangS noch gegen Hus Ernennung ist von mir Einspruch erhoben worden. Gin Be- stätigungSrechr für Gouverneursernennungen habe ich niemals in Anspruch genommen. Mit Pang habe ich eine Zusammenkunft gehabt. DaS ent­sprach dem beiderseitigen Wunsch, persönliche Fühlung zu gewinnen. Glatt erfunden find die von englischen Blättern auS chinesischer Quelle übernommenen Behauptungen über deutsche TruppendiSlokationen längs der Scdaßtungbahn oder über neue Forderungen, die ich an Hing mit Beziehung auf feine Provinz gestellt haben soll. gez. Mumm."

*# Die Mitteilungen, die über Einzelheiten der NeichSfinanzrefonn durch einige Blätter gehen, beruhen, wie eine öfters von offiziöser Seite unterrichtete Korrespondenz betont, lediglich auf Kombinationen. Die Einzelheiten de» Planes werden erst festgestellt werde», wenn fich der BundeSrat mit der Angelegenheit befaßt. Das ist aber noch nicht der Fall. Soweit möglich, steht gegenwärtig nur das fest, was in diesen Mitteilungen nicht enthalten ist, und das ist die Einbringung einer Novelle zum Braustener- gesetz, die eine Steuerstaffelung nach der Be­triebsgröße bezweckt. Es liegt, schreibt die Korrespondenz weiter, in der Absicht der leitende« Berliner Stellen, im Laufe der bevorstehenden Sommers eine Zusammenkunft der Finanz- minister der größeren deutschen Bundesstaaten zu veranstalten, damit ihnen die Möglichkeit zn einer eingehenden Aussprache und zu einer gegen- fettigen Verständigung über die grundlegenden Fragen der geplanten Reichsfinanzreform ge­boten werde.

—* Eine« Ko«pro»ißantrag zxr Ka­vallerie Vermehr««g hat das Zentrum zur zweiten Lesung der Militär vor!age in der Budgetkommisfion eingebracht. Die neue Mili­tärvorlage fordert, daß bis zum Schluß deS Rechnungsjahres 1909 510 Kavallerie-Eskadrons vorhanden sein sollen, 28 mehr als gegenwärtig. Das Zentrum hat in der ersten Lesung in der Budgetkommisfion beantragt, 18 SSkadronS mehr als bisher zu bewilligen, also 500 EskadronS. In der ersten Lesung ist sowohl dieser ZenttumS- antrag auf Vermehrung der Schwadronen um 18 als auch die Regierungsvorlage auf Der- mehrung der Schwadronen um 28 abgelehnt worden. Für die zweite Lesung beantragte nun das Zentrum die volle Bewilligung der vck« der Regierung geforderten 51t) Eskadrons, nur mit der Modifikation, daß 10 Eskadron- erst vom 1. April 1910 bis zum Schluffe des RechnungS- jähre« 1912, die übrigen Formationen aber, wie die Militärvorlage verlangt, bis zum Schluffe deS Rechnungsjahres 1909 gebildet werden. Weiter beantragte daS Zentrum eine Resolutton folgenden Inhalts: „D»e finanziell« Wirkung« der Entwurfs eines Gesetze«, betreffend die Fried«Sstärke deS beutfäen HeereS, werd« erst vom Etat des Jahres 1907 ab zum Ausdruck gelang«.* Außerdem beantragt daS Zentrum, von der FriedenSflärke 2000 Oekonomtedand- roetter zu streichen, die bis zum 31. März durch Zioilhandwerker zu ersetz« find. Die Vermin- derrmg der Zahl soll mit dem Ersetz eintreten.

* Für die Hochzeitsgabe bar StSdt* an da« Kronprinzenpaar stehen, wie Oder' bürgermeister Kirschner von Berlin, der Vorsitzende des Städte-Komitees, in einem Schreiben a« die beteiligten Städte mitteilt, gurgelt 410,000 Mk. gut Verfügung. 8Btc es heißt, haben fich 138 Städte mit 7,123,730 Einwrhner gut Zahlung eines Satzes von 5 Mk. und mehr für je 100 Einwohner bereit erklärt. Außerdem hab« 154 Städte mit 56,000 Einwohne« kleinere Beiträge angeboten. Mit diesen stellt fich die Gesamtsumme aus 410,000 Mk.

* Zur zweiten Novelle zn« Berg­gesetze teilen die ,8erL Pol. Nacht.' ei sichtlich osfijiSsmit.dieOrdnung des Knappschafts­wesen S soll den Gegenstand eines besondere» Gesetzentwurfs bilden, mit deffen Votbetsttung die Regierung schon feit einer Reihe von Jahren beschäftigt fei, und dessen Vorlegung jetzt in nahet Aussicht stehe.

(*) Das Herrenhaus ist nunmehr, wie wir bereits angekündigt hab«, auf b« 27. März einberufen worben. Die Tagesordnung ist noch nicht festgestellt.

Parlamentarische Rachrichte«.

' Die Budgeikounuisfiou deS Reichstags nahm am Freitag ein Antrag Gröber (Z.) an, wonach tu daS Besetz bett, di- Wehrpflicht zu Art. 2 ehte § 4 eingrführt werde» soll, wonach die Zeit für Uedunge» der Personen deS Beurlaubtenstandes unter möglichster Berücksichtigung der Jntenss« der bürgerlichen Be- rnfSkretse, namentlich der Brnteverhöltniffe, in d« ein­zelne» UebungSbezirk« festzusetzen ist. Die Regierung erklärte sich mit dem Anträge einverstanden. — D»ne Debatte wurde der Rest der Porlaae bett, die Wehr-, pflicht argenommen. Bet der Beratung der Hebet- ficht deS Geldbedarfs für die AuSgleicksmaßaa'omrn auS Anlaß der Durchführung der 2jährigen Dienstzttt erklärte Ab,. Gröber (Z), es müffe festgestellt werde», daß «S dem Reichstage nicht verschräntt sein würde, in j-.dem einzelnen EtatSjahr nach seine« Er- meffe« zu beschließen. Eine «dgiltige Annahme der entsprechenden StatSforderung« bedeute die Annahme der Vorlage nicht. Zur Sache glaube er, die EtatS- sorderungen rechtfertigt« fich aus der Bsrlage. Dieser Auffassung trat der konservative Abg. Frhr. v. Richt- Hofen bet. Die Siuzelsorderungen sanden keinen Widerspruch. Abstimmung konnte nicht erfolgen, weil eS fich nicht um eine Etatsforderung handelt. — Hieraus ging daS HauS zur Beratung deS Milttär- etatS über. Auf Antrag deSAbg. Erzberger (Z.) erklärte der Kriegsminister, daß er über die tn Metz »«gekommene Tötung eines Passanten durch eine» Poste« vor Eintriffen eines etngeforderten Br- richteS fich nicht abschließend äußern könne. Eine Reihe von Position« wurden bewilligt. Dienstag: Fortsetzung.

Die Toleranzkommisstou deS Reichstag» hielt heute chre zweite Sitzung ab. Zum Referenten wurde Abg. Dr. Pichler (Z) gewählt. Z 2 deS vom Zent- rum vorgelegte» GefetzeutwmfS (religiöse Erziehung der Kinder) erhielt folgende Faffung: „Für die Be­stimmung de» religiösen BekenntniffeS, tn welchem ein Kind erzogen werden soll, ist jede Vereinbarung der Elter» maßgebend, welche zu jeder Zeit vor und «ach der Eingehung der Ehe getroffen werden kann." §3, nach welchem in Ermangelung einer solch« Verein­barung die Vorschrift deS B. G.-B. eintritl, wird un­verändert «genommen. § 4 erhielt nach dem Antrag S ch r a d e r (fr. Vgg) folgende Faffung: „Gegen den Will« der Erziehungsberechttgte« darf ein Rtnb rncht zur Teilnahme an dem Religionsunterricht «gehalten werden.* Abgelehnt wurde mit all« Stimmen geg« die der Sozialdemokratie folgender Antrag vollmar: „die ReltgiouSunterweisuug darf kein« lehrpl«wäßigen NuterrichtSgegen stand der öffentlich« Schule bild«.' Die Konservativen und Na­tionalliberale» stimmt« geg« alle Anträge. Der Abg. Obe ring (t) betonte, daß seine Fr«nde d« ganz« Toleranzantrag adlehn« müßt«, weil er die Staatshoheit auSgeschalten wiffm wollte.

Bus dem Reichstag.

160. Sitzung vom 10. März 1905.

eteffl^tataceUbe8 Etats deS Reich»amtS de» 3«ent wird fortgesetzt beim Xitel „Gehalt de« Staatssekretärs". , , _ _

Abg. Dr. Mugdau wiederholte JHne «ngrffe geg« die sozialdemokratische Araukenkassenver- waltung, die ein Zerrbild der Selbstverwaltung sei.

Abg Gröber (Z.) besprach zunächst die Frage de» SchmiergelderunweseuS und bat, sowohl die Resolution auf Erhebungen wie auch auf gesetzgeberische Einschränkungen an,»nehm«. Im weiter« begrüntete er eine ZentrumSresolutiou auf Ausdehnung der Ar­beiters chutzdestimmung en der kranken, und Jn- validenverficherung« auf die HauSgewerbetreiberdm. Als hervorstehendeS Merkmal dieser Art tc8 Semei be» betrieb» beschnei er: übermäßig lange Arbeitszeit, geringe Löhne, und ein beispielloses WohnungSelevd, woraus fich ei» phyfischeS und geistiges El«d schlimm­ster Art ergebe.

Abg. Froelich (Avttf) verbreitete fich über die schädlich« Folg« einer übermäßigen Assoziation deS Kapitals, speziell de» in jüdisch« Händ« be« fiudlichen Kapitals, trat für den Befähigungs­nachweis ein und warnte schließlich davor, den Gast­wirt«, die sowieso schwer belastet feiin, noch we ter sozialpolitische Last« austubürd«.

Ab,. Scheid« »au» (Sozd.) polemisierte n schärfster Form gegen den 86q. Dr. Snugdan, dem >r vorwmf. daß er einz-lne Fhler, die hie und da von sozialdimokraUschkn Krauten kossknvorständ« begar^r, worden seien, verellgemeinert habe.