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Fernsprecher Nr 9
M 54.
Fulda, Dienstag, dm 7. März 1905.
32. Jahrgang.
SÄ
22
------(Nachdruck verbvtru./
Sßi» wollt- er jetzt dimit, da feke Frau mit dem Tode rang.
Der Abend war hereiagebrochen, da» Kranken- gemach war mir matt durch eine grüne Lampe er- taWel Einmal hatte der Arzt wieder nachgesehen. Röch--l«d, stöhnend, ringmd lag die Kranke da.
Den Kopf zwischen den Armen, die G-statt schlaff vorgebeugt, die Augen stier vor sich gerichtet, so saß Dothen Pua-m in einer Ecke in tiefe, grau.nvolle, fchmerzeaKreiche Gedanken versunkk«.
< Dl saß er nun, j der Energie, jeden Willen» bar.
tzie und da sah er auf die F edernde und dann wieder zur dunklen Tür hin. Und unwillkürlich war ihm, als müßte daher der Tod kommen, btt schwarze Würgengel Ddl
Was uütz!e ihm jetzt seine Arbeit, seine Sucht, Geld zu vervienrn, was nutzte ihm alle Mühe dieses arbeitsreiche« Jahr»S, drrennvegen er die, für welche, Wege» welcher er schaffte. vernachlässigt hatte, deren?, wegen er ste allein gelaffen hatte, eiujam und krank, so kra k und einsam, daß ste fich aufge-afft und zu ihm gekommen war, mn hier zu sterben?
Der Arzt, der adermat» vor Mitternacht nach der sanken gesehen, hatte jede Hoff.mag, da- Leben der Franken za erhatten, allfgeg-dea. Sr wollte mit «oron Laiben gemeinsam am Krankenbette cmeharre-, aber dieser bat ihn, fich ruhig inS rächste Zimmer zu u3i^ er wolle mtt seiner Fra« am li bsten allein sei«.
Wied« hatte er fich auS Bett der Kranken heran» 9JW und hielt ihre Hand in der seinen und lauschte "rem Röcheln. 1
Der ruHifch-Japan. Krieg.
Auch die Kämpfe am Freitag und Gamstag im Norden, Westen und Süden Mukvens hoben noch keine entgiltige Entscheidung gebracht. Auf dem rechten und linken Flüge! haben zwar die Japaner wesenilichr Vorteile errungen, im. Zen- trum der russischen Stellung scheinen sie jedoch nur wenig Terrain gewonnen zu haben. Jeden» falls ist die.Herold'-Depesche, die von der Eroberung des Putilowhügels durch die Japaner und einer RäumungMukdens berichtet, den Tatsachen vorausgeeilt. Im allgemeinen jedoch kann man sogen, daß sich die Lage Ku» ropatkins verschlimmert hat. Recht schlimm scheint es mit dem rechten russischen Flügel zu stehen. Wie die ,T>mes' auS Petersburg erfährt,
Sin bürgerliches Jahr.
Novelle von Carl Conte Scapinelli.
schwebt der Flügel der russischen Armee in großer Gefahr. Die Japaner haben diesen Teil bet russischen Armee bereits vollständig umgangen, so daß die Sicherheit der ganzen russischen Streitkräfte bedroht ist. Die ganze russische Armee bereitet fich vor, sich zurückzu- ziehen, um der Vernichtung zu entgehen. Die Raffen werden wahrscheinlich die schweren Geschütze, welche fie am Schaho ausgestellt habe», im Glich taffen müsse». Die Verluste der Ruffen während dn jüngsten Kämpfe um Mukbrn werden von der.Times' auf lOOOOO geschätzt.
Die vorliegenden Tel gramme laffsu an Klarheit recht viel zu wünschen übrig und japanische und russtschr Meldungen widerspreche« fich öfter. Wir lasse« die beiderseitigen Depeschen hier folgen.
W. London, 6 März 1905. Reuters Bureau meldet aus Mulden vsm 5. abends: Die Schlacht tobte ununterbrochen während des ganzen TageS am Sonntag. Die japanische» Schrapnells platzten innerhalb l1/* Meilen bis gut Hurrho-Eisenbahnbrücke, 4 Werst nördlich von Matiapu, die ganz augenscheinlich das Ziel des japanischen hartnäckigen und ununterbrochene» Artilleriekawpfes war. Die Verwundeten wurden mit der Eiftnbahn und auf der Chaussee zurück- befördert. In anbetracht der fünftägigen, hefrixe» Gefechte find die russischen Verluste nicht übsr« mäßig. Die Japaner litten mehr. Um 4 Uhr 30 Min. nachmittags wurde wieder Geschützdonner aus schweren Geschützen in der Richtung von Westnordwest von der Station Muksen her gehört, wo Kuropatkin gerade mit dem Angriff gegen die äußerste Linke der Japaner ansetztr. In der Nacht vom Sonntag wiederholten die
Japaner die Angriffe.
W. Petersburg, 6. März 1905. Die .Peterb. Telegr.-Agentur' meldet auS Melden von heute stüh 4*/* Uhr: Die Angriffe der Japaner gegen v«schiedene Punkte unserer Front wurden gestern fortgesetzt, doch überall zurückge- chlagen. Am heftigste« tobte der Kampf aus dem rechten Flügel von der Ortschast Maüjapu bis zu dem am Morgen besetzten Nuefintun. Die Artillerie wechselte bis zum Abend Schüsse. Trotz ber Kälte nimmt der am 24. Februar begonnene Kampf, der fich auf der ganzen 120 Werst langen Front dis Mukoen ausbreitrt, einen immer hartnäckigeren Charakter an. Die Japaner erleiden große Verluste. Wir verloren an Verwundeten gegen 15000 Mann.
W. Petersburg, 6. März 1905. Generäl Kuropatkin meidet vom 5. März: In der Front bei Mukden herrscht Ruhe. Im Norden von Modapu dauert die Schlacht mit Erfolg für uns fori. Heute Nacht griffen die Japaner Kadonisan an, indem sie am Schaho Geschütze und Reoolver- kanonen aussuhren; alle Angriffe wurden zurückgewiesen. Der gegen die Stellung von Kutulin gestern abend 11 Uhr gerichtete Angriff wurde zurückgeschlagen. Auf der äußersten linken Flanke war die Nacht ruhig.
Jetzt, da fie von ihm gehen sollte für immer, da wußte er «st, was et an ihr verlöt. Wenn fie ihm stürbe, dann ftürhe für ihn ftb Lebenszweck, seine Lebensaufgabe, dann stürbe seine Energie, sein Pfl cht- grfühl, dann stürbe alle», was ihn da» letzte Jahr langsam so arbeitSsam, so tatk, ästig gemacht. Dan« war alle» au», sein neues Lebe« war zerstört.
Aber da» konnte ja nicht sein, da» konnte ja nicht sein, diese Krankhett war nur über fie gekommen, damit fie durch fie fich näh« schäzrn, fich noch mehr liebe« fernen sollten. Ji, ja, wen» fie gesund sein wird, dann will ich mit ihr reifen, nach Süden, an» Meer, dann hat da» Geld wieder seinen W«t, bann ja, dann jal
Und er schlummerte ein, nut e n wenig, nur für kurze Zeit, und fühlte noch immer ihre Hand in der | seinen.
Auf einmal fühlte er fich an» dem Schlaf gerüttelt, e» zerrt etwas an seiner Hand.
Er springt ans; « ist zur Stelle — ja, da ifi er! „Wer ist da? Wer will toaS?!* Er schaut im sich, er horcht, dann wird er sich'» bewußt: seine Frau röchelt laut, ihre Brust hebt und senkt fich, fie krallt die Hände auf der Decke. . . .
Ja, ja, d« Tod ist da, « steht an seiner Seite, an Krankenlager.
Da faßt er den zuckenden Körper, « wirft fich Üb« ihn, « küßt die w tten Lippe», er küßt die stiere« Augen, « schreit, schreit, di» ihm da» Wort im S - lande stecken bleibt:
»Doktor, d« Tod, Doktor, der Tod — d« Tod!* Und anfheulend fällt « über seine Fran, die nun wieder ruhig ist, ganz ruh a und still für immer.
XIII.
Ak» Fritz v Laiben am nächsten Morgen mtt tot» geweintem Gesicht an seinem Schreibtisch saß und die Trauertolegrawme an seine Anverwandten und Bevnmte,
Hierauf wird die Sßeitnberatang auf Dienstag 1 Uhr vertagt. Borher Rachtragsübereiukommen betreffend das Inkrafttreten deS ost«retchischen HaudelS- vertrageS.
Schluß «/.6 Uhr.
Busland.
* Die Einführung der Prügelstrafe i« Dänemark steht nunmehr tm Falkeching
Deutfehes Reich.
Berlin, den 6. März 1905.
* Zn der Mittelmeeereise des Kaiser- wird noch gemeldet, daß die Einfahrt des Kaiser- schiffeS in den Tajo zu ein« Begegnung mit dem Könige von Portugal in Lissabon bestimmt in Aussicht genommen sei, fern« von Vigo aus ein kurz« Ausflug an Land, auf dem der Kaiser vom Prinzen Karl von Bourbon als
Bus dem Reichstag.
156. Sitzung vom S. März 1905.
I Eröffnung l1/« Uhr.
Die -leratungder »tat? des ReichsnmtS deS Innern wird fortgesetzt beim Titel „Gehalt des Staatssekretärs".
Abg. Dr. Pothoff (steif. Bgg,) nahm den Haufier- handel gegen die Angriffe deS Sbg. Erzberger in Schutz. ES fei falsch, dem tzanfierhandel Unredlichlett und Un- reellttät vorzuwerfen.
Abg. Werne»^ölutts.) gab zu, daß man die Hausierer gewähren taffen könne, die serbstgefertigte Waren vertriebe«. Auch auf die WarenhSnser müsse ein schärferes Augenmerk gerichtet werden, insbesondere fo!lte der Frage der Feuersicherhett in den großen Warenhäusern größere Aufmerksamkeit gewidmet werden.
Abg. Horn-Sachsen (natl.) trat für die Glas« hüttenarbeirer ein.
Abg. Dr. Thaler (Btt.) begründete die Resolution des Zentrums, welche die Vorlegung eines »rfetzent- wursS zur Regelung der Arbeitszeit, die Kündigungsfristen ic für die Gehilfen btt Rechtsanwälte, Notare und Gerichtsvollzieher, ferner die Beamten und Angestellten ber Krankenkassen im Sinne ber Schuhbestimmungen für die Handelsangestellten fordert.
Abg. Mertens (fr. Bp.) bemängelte die lex-Durch- führung des KinderfchutzgefetzeS, wie fie namentlich in Erziehungsanstalten zu Tage trete.
Abg Dr Wolff (Wirtfch. Bgg.) verbreitete' fich über die Frage der Brreinfachun, und Vereinheitlichung der sozialen BerfichernngSgesitze und sprach die Erwartung auS, daß fich bet Staatssekretär G»as Posa- dowsty auf diesem Gebiete vom Lokomotivsühr« der deutschen Sozialpolitik zur sozialen Organisation aufschwingen möchte.
schrieb, brachte ihm der Briefbote den G tdbrief von Heller.
»Jetzt kommt daS Geld, jetzt komm '« die Tausend«/ lachte « bitter vor fich hin, „und stillen fich mir zu Dienste« und wollen von mit auSgegeben fein. Jetzt, jetzt . . .* Ei« bitt««, fast bös« Zug huschte üb« fetH finsteres S-ficht.
„Die Freude kann ich euch schon machen, ihr lieben Banknoten! O ja! Ihr könnt wir jetzt helfen, die, die während mein« vergeblichen Jagd nach euch einsam und allein war, die j'bt fteroen mußte, wenigstens fürstlich zu begrabe r. Ober glaubt ihr, ich behalte euch für mich, o rein, da ist Fritz v. Laiben doch zn sehr Kavalier! Ihr kommt mir gerade recht! Nicht wie die Frau de» armen Fabrtkbeamten Loibe« soll die Tote da drinnen eingescharrt werde«, nein, wie die deS Fceihetrn v. Laiben, deS wohlhabenden, reichen BaronS!" '
llttd als könnte er feinen Schmerz dadurch stillen, als könnte « die quälenden Gedanken zum Schweigen bringe«, traf « alle Anstalten zur Urdersührung ber Leiche nach Wien und zu einem fet«ltchen, höchst kostspielige« Leichenbegängnis.
Wenn seine atme Mitzi schon als Tote nach ihr« Vaterstadt zurückkomme» sollte, so sollte fie ee weuig- sien» nicht als Arme. Wien sollte ausschauen, sollte frage«, wer da so sürstlich bestatt« würde, w« da» wäre, den man da sechsspännig im Leichentvage» zum FrieSdos brachte.
Und wenige Tag- daraus staunte« wirllich b'e Wien« d« Bezirke Währing und Döbling, als fie einen pompöse« Leichrazng durch ihre Straßen ziehe» sah«, dem Friedhof z». Und jed« fra Je, wer da bestattet würde, und manch armer Teufel brummte Sb« die Bet schm-«dungSfucht ber Reiche«, die für ihre Tote« solche Summe» ankg-ben und fie darbe» ließ«.
-A Baronin war'-, a reiche Baronin, hat u uicktr von ihrem Geld g'habt, hat dessentwegen do sterben müssen!" flüsterten die Leute.
Und die arme Baronin, die in der Wegmüllergesse geboren worden war, die bann in der Borstadt bescheiden al- Fibrttbeamtenfta» gelebt, wurde so zur „reichen*, reich tm Tode, die so arm im Leben gewesen.
Graf Lichtenegg, Rieita und Hell« waten von Bekannten auf dem Friedhöfe anwesend, Frau Acht« wat zu Hanse g blieben, denn ihr Schmerz um da» verlorene einzige Kind totr zu groß. Herr Achter brummte, während ihm die Tränen hetuntttliefe» « d war nahe bat an, seinem Schwiegersohn an MitzS Tode die Schuld zu geben.
Lchtenegg war an Fotz herangetreten und halte fich an dkffen Arm gehängt:
„Ärmer Fritz, nun ist die Gute auch abberuf-n worden S-i stark, trog' es und vergiß nicht, daß tu an mir und meiner Tochter alte Freunde hast, alte Freunde, bei deren du Trost und Erholung, Mti- gesiihl und — Liebe fi dest Willst du nicht auf ein paar Tage nach Schloß Lichtenegg hinaus, wir bleib k Heuer auch üb« Weihnochie« und Neujahr draußen: ? Du warst immer unser NevjahrSgap, fet eS auch hem r. Wir wollt» dir den alten Schmerz mild«« belfer-; Fr tz, wir wollen d.ch in» neue Jahr führen, ta8 für dich hrffentlich glücklich« und besser ablSnst a's dieses alte.*
,Ja, Lichtenegg, bi» ich meine Geschäfte abg" wickelt habe und bi« Weihnachten vo iib-r ist, bann komm ich, nach Ehlvtster, wie alle Jahre! Hab' Dar k für alle Güte, Liebe!* Und während de« arme«, Herrn v Laiben die Träne» üb« die Backe» Hefts, küßte er den väierlichen Freund auf die Wange.
(Schloß folgt.)
Stertret« des durch den Empfang fürstlich« Gäste ta fein« Hauptstadt zurückgehaltenen Königs von Spanien begleitet werden dürfte. In de» italienischen Gewässern, vrrmutlich tm Golf von Neapel, wird eine Zusammenkunft des Reichsoberhauptes mit König Viktor Emanuel stattfinden. Rom wird voraussichtlich nicht berührt werden. Vielmehr dürfte der Kais« von Neapel aus die Weiterreise nach Sizilien antreten, wohin die Kaiserin ihrem Gemahl nach Taormina vorausfahren wird.
*♦ Der Deportations-Ausschuß des Deutschen Kolonial-Bundes hat an den Reichskanzler eine längere Eingabe gerichtet, in d« Vorschläge gemacht w«den, wie eine fakultative Strafverschickung in die Wege geleitet werden soll. Für die Untttbringung von 500 Gefangenen, die der mit mindestens fünfjähriger Frsi- heittstrafe belegten Kategorie der Gewohnhrits- j Verbrecher zu entnehmen wären, ist eine Summe von einer Million Mark vorgesehen, während für den Bau eines für die gleiche Anzahl Verbrech« ausreichenden Zuchthauses in Deutschland 1,9 Millionen Mark aufzuwenden find. Als Anreiz soll den Sträflingen bei guter Führung eine spät«e Anfiedelung unter bestimmten Bedingungen in Aussicht gestellt werden.
** Das Protokoll!! der Verhandlungen über tue Untersuchung d« Beschwerde« der Berg- arbeite» auf der Zeche Gneisenau wird im | »Reichsanz.' veröffentlicht. Das Gesamturteil der Kommission geht natürlich dahin, ,daß die Un- tersuchung das Vorhandensein von Mißständen auf der Zeche „Gneisenau" nicht «geben hat."
* Etimwnttgsbild aus de« Reichstage. Montag und noch dazu Rosenmontag — mehr brauchen wir zur Kennzeichnung der heutigen Sitzung des Reichstags wohl nicht zu sagen, wenn es auch in Berlin selbst keinen Karneval und keinen Rosenmontag gibt. Die „$e* wtung" des Etats des Rrichsamts des Innern, Titel: Gehalt des Staatssekretärs wurde fortgesetzt. Abg. Dr. Pott hoff von der freisinnigen Vereinigung „brach eine Lanze" für dir Hausier« uud erzählte den Nichtanwesenden und Nichtzahörecn, wie « über verschiedene Resolutionen denke. D« Antif. Abg. Werner denkt über Hausierer, Warenhaus« usw. natürlich be- deutmo anders als Herr Patthoff und schleuderte seine Meinung mit der allen Antisemiten eigenen Lungrnkraft in den Saal. Dann folgte der sozialdemokratische Abg. Horn aus Sachsen, ein würdig«, ruhiger, bedächtig«, gar nicht nach Unt fturj und Barrikaden aussehender alter Herr, 1 Anes Zeichens R-daktsur in Lindenau bei Kötzschenbroda, der langsam und lange seine all ! jährlich wiederkehrende Rede über die Arbeits- j
Bus dem Landtag.
»»geordnetentzanS.
155 Sitzung vom 6. März 1905.
Eröffnung: 11* « Uhr.
Nachdem ei» Antrag Dt. Krause- Königsberg (nt) bett. Noistandsbarlehcn an bie Kleinschiffer, bte durch den Waffermaniel tm Sommer 1904 derartig geschädigt sind, daß ihre Existenz gefährdet ist, an die Bubget- kommisston verwiesen war, begann bie zweite Lefunq deS Eifenbahnetats.
Minister Bnbbe leitete bie Bethaublung mit einet mehrstündigen Rebe übet bie Entwickelung beS Eisen- bahuweienS ein. Er konstatierte eine Abnahme bet Unfälle nnb die weitete Verbesserung bet SichrtungSau- lagen. Auf bie 3. Wagrnkiaffe soll besondere Rücksicht geuomwen werben. Der Bergarbeiterstreik hat den preußischen Eisenbahnen einen Schade« von 7 Millionen Mark zugefügt, 1 Million Mark komme davon auf Mehrausgaben für Kohlen. Der neue Etat sieht nicht weniger als 10 308 neue Beamtenstellen vor; darunter sind mehrere neue Beamtevkategorien. DaS Iaht 1904/5 eröffnet günstige UebetschußauSfichten. Im Miutstermm arbeitet man jetzt hauptsächlich an bet Frage bet Petsouentartfrefotm. Der Minister beutete im weiteren Verlauf ber Sitzung an, daß in den süddeutschen Bundesstaaten die Frage ber Tarifreform auf bet Basis der Halden Röckfahrkatte Schwierigkeiten begegne nnb bemerkt, er fet eventuell gewillt, mit ber dringend notwendigen Reform für Preußen, Hessen und die Reichs« laude allein vorzugeheu.
Im Anschluß an die Rede des Ministers entspann fich zunächst eine DiZkusston über die BetrtebS- mittelgemeinschaft.
Die Redn« aller Parteien sprachen diesem Pro- eit ihre Sympathie aus, jedoch waten alle darin einig, daß e8 sich nicht handeln dürfe nm einen Schritt zur Reichseifenbahngemeinfchast.
Mivistet Budde erklärte, baß man mit der Betriebsmittelgemeinschaft eine Ersparnis von etwa 8 Millionen zu machen hoffe.
Die Besprechung ging danach übet zur Frage ber Tatifresotm und die allgemeine BetkehtS- politik
Abg. Wallenborn (Z.) begrüßt die Tarifoerein- achung, »>'e ber Minister erstrebt. Die GchnellzugaN' chlüffe seien zu oerbeffent und 3 Klasse-Wagen allen Schnellzügen beizugeben.
Bon allen Seiten deS HauseS wird bas heute geltende System bet Rückfahrkarten verurteilt.
Hieraus vertagt fich das Ha«S.
Mittwoch 11 Uhr Fortsetzung.
Am Dienstag tagt nut die Budgetkommisfion.
Schluß */.5 Uhr.
I Verhältnisse i» den Glashütten hielt. Der Zen- trumsabgeordnete Thaler begründete mit sachkundigen Darlegungen eine Resolution auf Vor- legung eines Gesetzentwurfes, welches bezüglich der Schilfen der Rechtsanwälte, Notare und Gerichtsoollzieh«, ferner der Beamten und An- gestellten der Krankenkaffen, über die ArbeüSzett, die Kündigungsftisten, die Sonntagsruhe, die berufliche AuS- und Fortbildung, die gleiche oder ähnliche Schutzvorschriften vorficht, wie fie | das Handelsgesetzbuch und die Gewerbeordnung hinsichtlich der Handrlsangeflellten enthält. Der freifinnige Abg. Mertens klagte üb« die mangelhafte Ausführung des Gesetzes über dis ge- wttbliche Kinderarbeit und bat den Staatssekretär, „in diese Dinge mit dem Seziermeff« der Kritik hineinzuleuchten". Nachdem noch dec Abg. Dr. Wolff von d« wirtschaftlichen Vereinigung eine Mittelstandsrede gehalten hatte, wurde bereits um 1h6 Uhr die Weiterberatung auf morgen vertagt.
♦ Staatssekretär Krätke veranstaltete heute i abenb in bet großen Mittelhalle des Reichspost- mus e ums einen Vorttagsabe-d äbet Schnell' n. Mehrfach Telegraphie. Zahlreiche Persönlichkeiten, weit über 600 Herren und Damen, auS den Kreisen bet Regierung, bet Künste und Wissenschaften, ber Post, der Litteratur, beS Parlamentes und deS MiUtSrs waten anwesend, n. a. Minister Stadt, Staatssekretär Nieberding, Kolouialdirektor Dr. Stübel, Generaloberst v. Schlieffen, bie Professoren Miethe, Bauleavx, Eulenburg, bie Abgeotbneten v. Katdorff, Gröber, Liebermann von Sonnenberg, Arendt, Stören, Graf Driola und Mngdau. Den «ortta, hielt Telegrapheningenieur Feyktabead. Et führte mtt Apparaten nnb Lichtbil- bet» bie verschiedenen Schnell- und Mehrfachtelegta- phensysteme vor, darunter den Schnelllelegraph Siemens und Halske. 20 000 Wörter pro Stunde, ber jetzt zwischen Berlin rnb Königsberg erprobt wirb. Der Vortragende erntete lebhaften Beifall. An ben Vortrag fchlvß fich ein geselliger Abend im bet Wohnung KrätkeS.