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32. Jahrgang

Fulda, Montag, den 6. März 1905.

drS

Bus dem Reichstag.

(Nachdruck Verbotes.)

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patkins, dir am Freitag Äsend i«Petersburg eintrafen. Dann hä-ten mir e« hier mit einem plötzlichen „SysiemweLftl" zu tun. der wmitteb bar nach dem Erlaß des ersten Manisestrs ein getreten wäre. Jndeß be uht di- Meldung wohl aus bloßer Vermutung. Welche Ueberascvungm Rußland uns in der nächsten Zeit : och bereiten wird, kann niemand voraussehen. Warren ron also in Ruhr ab.

bloße Lorhandenfern solcher, nicht etwa bloß I eoa-melischen, sondern aggressiv antikatho-. lischer Vereine es manchem krrchl ch pkfinrten karholifchen Studenten als et re Ke wissen spfi'cht erscheine-« läßt, einer karholischm Verbindung j berzutreten — Aber darum hat nach den Heu tigrn HochschulstütuttN noch niemand das Recht, solche konfeifiorelie Berbindungen auf­zulösen. D'e Politik der ,R8m, ßtp/ Ians also nur den Erfolg haben, neben der politisch» konfessionellen Bewegung auf den Hochschulen noch eine politisch-antikonsrifior klle anzufachen — zu größerer Belebung „des freies und fa~ erad- schastlichsn Hochschulleöels"! Arme Studentlein — wie fich die Politiker jetzt wieder einmal um Euch reißen, um in Euch die „Zukunft" zu ge­winnen! Ob Eurer Freiheit dieser politische „Keilbetrieb" gut bekommen wird?"

* Die Protokolle der Kommission der Beschwerde« v»« Bergarbeiter« auf den rheinisch westfälischen Zechen machen, je mehr chrer veröffentlicht werden, einen um so befrem« denderen Eindruck. Regelmäßig spricht die Kom­mission als ihre Ansicht über da« Ergebnis der | Untersuchung aus, daß ernste Mißstände! und ein Grund zum Ausstande nicht vorge- legen haben. Wenn sie einmal eine Beschwerde im Vordersätze halb und halb als begründet en» | erkennt, io sagt sie im Nachsatz sicher, die Sache sei von keinem Belange. Die vcharsmach« sind darüber voll Freude. Ja, wie erklärt sich denn da aber die allgemeine Gährung und Un­zufriedenheit bei 200000 Bergleuten und der Ausstand? Um nichts und wegen nichts streiken doch alle diese Leute nicht. Bei der Beratung der Novelle zum Berggesetze wird fich wohl er­geben, daß die Protokolle der Untersuchung«- kommisfion denn doch kein richtiges und voll­ständiges Bild von den Berhältniffen auf den

um stlckie unter einer Hosen Schneedecke, eisig kalt fuhr ihr der Nordwind an die vom Fieber geröteten Wangen, ihre Zähne schlugen klappernd zusammen. Und doch lächelte fie selig. .

Ob man van der Bahn au« nicht in die H-llersche Fab ik telephonieren Kante, srug sie einen Bed,ensteten.

Die Amworl wurde verneint. S>e überlegte ein- Weile, dann wachte sie sich auf und schritt, so schnell ihre Füße ihren kranken Körper tragen konnten, dem von ferne sichtbaren Fabrikgebäude zu. _

U^d als sie mit dem Aufgebot ihrer letzt« Kräfte bis hin gekrmmen war und Fritz gegenüber stand, da konnte fie vor Freude und Aufregung kein Wort lpcechea.

Schluchzend war fie ihm uw den Hal« gefalltn und barg hren Kopf an seine Sttuliern-

Er redete auf fie eia:

„Ja, Mitz. was treibt dich denn her, ist za Hause waS vorg-fall-n?" . . , m ,

D-e Sehnsucht treibt mich her, und deine Briefe j — ich darf dich doch nicht allein lassen."

Und dann nahm sie s'inen Kopf und sah ihm iu seine blauen Augen und legte ihre Wange auf die seine.

Er faßte ihre Hände, die eiskalt waren, «-fühlte ihre glühende Wang- an seiber brennen und sah, tote das Fuder fie zittern machte.

.Du bist nicht wohl. Mitzi, du hast dich auf der Fahrt erkältet; wem Gott, du kannst dich ia gar nicht mehr auf den Fußen halten ! Komm, komm tn ein warmes Zimmer, du mußt gleich zu B-ttel Aber warum schriebst du mir n.cht, daß du kommen würdest f

Du — hättest — mir diese Bitte abgeschlagen und"d°ch will ich bei dir sein zu Hause istS so em- saw U'd cor, wenn man krank zu Bette liegt.

V .«her Mitzt, daS ist ja ein Wahnto tz von btt,

als dir Erziehung der Studenten zum Lib eralismus, und zwar zu einem streng anti- kirchlichen Liberalismus, der die konfessionelle Volksschule und ollen kirchlichen Einfluß im Staate beseitigen will. Die ,Köln. Z g' holt die akademischen Ortsgruppen de« Toangelt chen Bundes »für eine du-chaus unerfreuliche Erschei­nung in unserem Universttälsleben", denn sie trügen „den Gegensatz der Konfessionen genau so n das freie und kameradschaftliche Hochschulleoen hinein, wie die katholischen Korporationen". Das st richtig, man kann sogar sagen, daß die höchst unliebsame Erscheinung der Absonderung katho- lischer Studenten in konfessionellen Verbindungen durch die akademischen Ortsgruppen des Evan­gelischen Bundes noch verstä kt wird, da das

Bewegung m ,

Frau v. Loibi» fuhr nun zu ihrem Man»! Die Nicht fühlte fie fich wenig wohl, fie fröstelte, trotz der «eisedecke, trotz der Winte.jacke; fie legte ich für Minutm^elnlMummnte,^so"pig»'n "böse Träume j Er ^^drn F-brflarzt rusew fie wieder auf. Sie war s.hr müde, und wenn ste' ro'n- °‘n<

oufBonb, konnte fie sich kaum auf den Fußen halten.

Morgen» um 7 U t war J“ *-*“± reffte fie fich oul und stieg aus. Die Land chast rings-

Lin bürgerliches Jahr.

Novelle von Earl Conte Ecapinelli.

Und er t®anß fie, fich sofort i»S Bett zu legen.

* Der,Re!chsanz.' teilt amtlich mit, daß die Hamdelsverträge mit Oesterreich-Ungarn, Ita­lien, Belgien, der Schweiz. Serbien und Rumä­nien deutscherseits am 28. Februar d. I. auf den 1. März 1906 für den Fall und unter der Bedingung gekündigt worden find, daß die Aus­wechselung der Ratifikationen der zu diesen Ver­trägen abgeschlossenen Zusatzverträge nicht recht­zeitig erfolgt sein sollte.

* In dem dem Reichstage demnächst zu­gehenden Nachtrags-Et-t für De«tsch-«üd. weftafrika wird auch eine Summe gefordert werden zur Errichtung, Unterhaltung und Be­wachung von Konzentrations-Lagern für gefangene Herero und Hottentotten.

§ Heber die konfessionelle« «tuden te«yerdt»d««ge« schreibt die.Kölnische Zei­tung«: „Der große Grundstrom der Bewegung | selbst, der Einspruch gegen das Umsichgreifen ber konfesfionellen Verbindungen, wird in den nun geregelten Grenzm feines Laufes um so tärkrr und tiefer we den und zu einem Kampfe mit rein geistigen Waffen führen. Was unsere akademische Jugend jetzt in stürmischen Kund­gebungen dargetan hat, daß fie konfessionelle Verbindungen als Fremdkörper im akademische» Bürgertum empfindet, das muß zu einer festen Weltanschauung ausreifen, die dem Kons es st- o n a l i s m u « auf allen Gebieten im Interesse der geistigen und der nationalen Wohlfahrt an- eres Volkes entgegentritt." Dazu bemerkt die .Krenzztg.': „Hier haben wir wieder einmal

Eeucheugesetzes.

Der Gegenstand wurde gestern auf die heutige Tagesordnung gesetzt mit der Begründung, daß eine besondere DiSkasfion darüber nicht ftattfiadeu werde. Heute «ar man anderer Ansicht und deshalb wurde der Gegenstand von der Tagesordnung abgesetzt.

ES folgt die Beratung de» Etats der Banner«

Abg. Büsing (natl) will den Antrag Aurr nur al» Material überwiesen öabeu.

Nach weiterer GefchäflSordnnngSdkbaite, in welcher sowohl vom Abg Trimborn wie vomAbg. Singer betont wird, datz daS HauS bei Annahme de» Antrag« Trimborn sich keineswegs auf Einzelheiten festlege, «ird der Antag Trimborn angenommen

ES folgt die Beratung deS AndagS Treuen- fels tkouf) bett. Aenderung deS § 838 des Bürger!. EeletzbucheS Dieser Paragraph macht die Tierhalter für die durch .hre Tier, verursachten Schäden unbedingt haftpflichtig. Der Antrag Treuenfel» will, daß sie Haftpflicht nur einträte bet Verschulden deS TterhalterS.

Abg. v. Tr ueuf- lS (?onf) bringt verschiedene Fälle vor, um die tinhaltbarkeit der jetzigen Fassung deS § 833 darzutun.

Ada. Tchmibt Warburg (Z.) betont, daß er für die Aenderung des § 833 fei, während ein Teil seiner Freunde die Sache für noch nicht spruchreif erachte und ein anderer Teil et« entschiedener Gegner der Aendernug sei. Er persö-ltch stimme der Aenderung umso mehr zu, alS der ursprüngliche BundeSratSent- wurf selbst eine derartige B-stiwmuug, wie ste der An­trag Treuensels wolle, vorgesehen h-be.

Abg. LnraS lnatlib.) erklärt fich für den Antrag TreuenfclS.

Der Antrag TreuenfelS «ird schließlich an eine Kommission von 14 Mitgliedern verwiesen.

Montag 1 Uhr: ReichSamt deS Innern.

Schluß -/«5 Uhr.

Hrfchetnt täglich, mit Auenahme der See* gilb Feiertage, viertel- «Hrl.vez«g5preir tzhae vringerlohn und pesteLgeldinZuldaund «moSrtrlMk.sopfg.

Verantwortlicher

Deuffdies Reidi.

Berlin, den 4. März 1905.

»nrei-enr We ei* fpaltige Petitzeile »der deren Sau« 15 Pfg. Reklamen die PetitzeU« 25 pfg ; bei Wieder­holungen wird entfpr. Rabatt gewährt.

Druck und Verlag d«g znldaerActiendruckerck in Znlda (harmoniez. Fernsprecher Ur. 9.

recht zum Ausbruch, so daß fie wie ohne Besinnung dasag.

Den Blick sorgenvoll auf seine kranke, fi-bernde Frau gerichtet, die rechte Hand auf ihrer glühenden Stirne, saß Fritz an ihrem Liger.

Eme schwere Lungenentzürdurg," konstatierte der Arzr und macht ein ervsteS, bekümmertes Gefich!.

Fritz traute fich gar nicht näher in ihn zu dringe», auch seiner Frau M'.chte er keinen Borwmf, et selbst war schuld daran, daß fie gekommen, er und seine

Derlei stille, ruhige Naturen, wie M tzi eine war, durfte man eben nicht künstlich auS ihrer N uhe bringen wenn man nicht fürchten mußte, daß fie darob ihre Stille ihre Ueberlegung für immer verloren. Er hatte ihr von seinem leiwtl-bigen Feuer gegeben, und eS war au« dieser heimlichen Glut ein Brand ent« ftaub-n, dessen Folgen vielleicht fmchtbar waren.

Aber fie war jung und kräftig, veelleickt ging diese Krankheit, die alljätolich Tausenoe md Tausen -e von Opfern fordert, für diesmal noch an ihr oorüb-r.

Mit verglasten «ugerlah fie ibn in ihren PhanMsien an und lallee fortwährend: „So laßt wich doch zu Fritz, ich will, dort ist er ja, Fritz, Frtz!

„Ja. ja, mein He>z, ich bin ja b't Dir, sei ruytg, Mitz', ich, der Fritz, siebt ji bei dir!"

Während er an M tz'S Krankenlager saß, laS er die ebe-, angckommene ßt-chrnftiagSpost dwch. Unter den Brie'eu befand fich auch einer von H-ller, tn dem dieser ihm mitteilte, daß eine Menge Bestellungen eivgegangen wären, und daß er fich erlaube, gleich­zeitig per Geldbrief an ihn die erste Rate Provifion zu senden und idm außerdem fernen Geh t eiheblich erhöhen würde. Er war eine hohe Summe, von der im Bri se die Rede war. Aber Loidea achtle dessen kaum. Er legte >hn z >r anderen Poft auidm TisS. G 1» hatte jetzt aus einmal gar keine» Wert sür iHv; d eses Wort hatte auf eromol seinen süßeu Klang verloren.

I (Fortsetzung folgt.)

Bus dem Landtag.

AbgeordnetenhanS-

164. Sitzung vorn 4. März 1905.

Eröffnung 11'/« Uhr. „

Erster Gegenstand der Gesetzes ist die 3. Beratimg

waltnng.

Beim Kapitel „Gehalt deS Ministers" wurde» »er« fchiebene Wünsche vorgebracht.

Abg. Dr. Hirsch Berlin (fr. Bp.) verlangte eine Statistik über daS Baugewerbe, die vom Minister »et- fpro^n murbe. verlangte ein Gesetz,

worin festgelegt wird, daß die im Landeskuliurintenffe getroffenen Beftimmuagen der großen wasserwirtschaft­lichen Borlage allgemein für alle Wasserbauten i« Kraft gesetzt werden. ,

Abg. Dr. Becker (Z) klagte über rigorose Hand­habung deS EnteignungSrechtiS.

Abg. v. Hage» (Z.) verwandte sich dafür, daß dem Echleufinperfoual an Kanälen Sonntagsruhe ge­währt werde.

Der Minister versprach die sorgsame Prüfung i btefe®tn”%er Teil Der Sitzung füllten Reden übet Berliner BrrkehrSverhältniffe auS. Bezüglich der Wasserbauten an der Oder wurde vom R-gierungS- tisch eine Beschleunigung,«gesagt. Ebenso bezüglich der vferbefesttgungSarbeit am Rhein.

Nach weiterer unerheblicher Debatte wird der Etat unverändert bewilligt.

Montag: Zweite Lesung deS Eisenbahn Etats.

Schluß 4'/« Uhr.

ziehen."

Das steht auf den ersten Blick aus wie eine plötzliche neue Schwenkung, von einer Bekehrung vom eben erst verkündeten Absolutis mus zum Konstitutionalismus. Jndeß besteht ein Widerspruch zwischen beiden Manifesten nicht. Es handelt fich gar nicht um die Einführung der Volksvertretung nach westeuropäischem Mutter, sondern nur um die Errichtung eines vom Volk gewählten B träte« sür dir Regierung, der weit-r gar keine R chte bat, als daß er sein Gutachten über Gesetzentwürfe abgibt. Er soll keine gesetz­gebende Körperschaft sein, kein Budgetrecht, keine Kontrolle über die Verwaltung haben, keine selbst ständige Beschlüsse fassen, sondern nur seine Meinung zu dem sagen dürfen, was die Rr- giernnZ ihm vorlegt. „

Wer mit uns der Ansicht ist, daß Rußland für konstitutonelle Einrichtungen noch nicht reif fei, wird diese Volksvertretung sqätzen, als einen vorsichtigen ersten Schritt zu wirklichen parlamentarischen Einrichtungen, vor- ausgesetzt, daß er überhaupt ernst gemeint ist. Aus diesem Kern kann fich allmähltg eine Berfaffung entwickeln, wie fie für rusfische Ber- hältniffe paßt. ° Ä

Die Frage ist nur, ob es richt zu spat ist, ob sich Ruhs und Zufriedenheit im Lande mit diesem Zugeständnis noch Herstellen läßt, nachdem in den gebildeten Kreisen die Beseitigung des Absolutismus und Stnsührung der Repräsentativ- Verfaffunq allgemein als notwendig empfunden und dte Hoffnung darauf von oben genährt wor> den ist. Möglicherweise gibt die neue Volksser- tretung den Anstoß zu einer vollständigen Um­wälzung, die man gerade mit ihr verhüten will. Unverständlich ist e« übrigens, warum dte beiden Kundgebungen nicht gleichzeitig veröffentlicht worden find. Die ungünstige Wirkung, die dnrck die erste unstreitig aukgeübt wurde, hätte durch die zweite doch wohl ganz oder zum Teil aufge­hoben werden können, während jetzt einmal die Unzuftisdenheit infolge des ersten Boden gefaßt hat und der zweite nun mit viel kritischerem und mißtrauischerem Rüge angesehen wird.

Nach einer Meldung aus Petersburg wäre der zwrite Erlaß zurückzusühren auf sehr un­günstige Nachrichten über die Laae Kuro-

Willig folgte fie. Er ging auch nicht mehr anders, aut den »untn gincn. i fie konnte kaum wehr Men, vor den Augen tanzten fie in Jdmtz Mühmm ihr rote Fläwrnchen, ein ^ü"eftrost durch!uhr chren Lnb 1 - - * - " ' I Kaum war fie zu Bette, da kam da» Fieber erp

Eltern könnten noch kommen und fie von ihrem Eat- > chttisse abBrirgen. _ , , . .

Und richtig, kaum war fie fottgewesen, da kam auch schon ihre Mutter in die Wohnung, die den Abevd, da H-rr Achrer seinen S.-ammt>sch heute aus­suchte, Bei toter Tochter verbringen wollte

Sie war sehr erstaunt, als fie vorn Dienstmädchen hörte, die gnädige Frau fei auf die Bahn gefahren, um zu ihrem Mann nach Jednitz zu reisen

Ut,-b air ihr Betti ooi jammerte, dte gnädige Frau werde fich ficher noch mehr verkühlen, fie wäre aus dem Bett aufgestanden und fortge'ahren, da wurde Frau Achrer sehr aufgeregt.

Wenn fie fie nur noch erwischen könnte, noch »mückhalten könnte. .. „ r .

Sie fuhr mit der Trambahn auf die Bahn, kam infolgedessen viel, viel später als Mitzi an, di- eben durch die Eingangspforte zum Perron gehuscht und den Zsa bestiegen hatte.

Frau M-tzi sah ihre Mutter längst deS Zug'S bin und her laufen, überall schauen, auch marchmal leise ihren Namen rufen — einen Augenbl'ck hatte fie überlegt — aber nein, waS ging sie l tzt thre Mutier an fie gehörte zu ihrem Mann, fie wollte zu ihm, ste'setzte sich auf die gegenüberliegende Seite, zog den Botdang herab und wartete klopfenden HerzeaS. Ste wußte e», eS war schlecht, dumm, rückfiLtrlo» von ihr — aber fie konrte nicht anders — die Sehnsucht nach ihrem Mann hatte fie auf einmal gepackt — fie wußte zu ibm reisen, fie mußte.

Ein Pfiff — ein Stoß, der Zug setzte fich tn

Zechen geben.

* Im Slbgeorbueteuhause hofft man die Beratung des Etats bis zum 18. März beenden und den Etat am 20. März dem Herrenhause überweisen zu können. Dte Finanz Kommission oes Herrenhauses wird dann sofort die Beratung des Etats beginnen, sodaß das Plenum des - v rjL - ,,., . , Herrenhauses etwa am 24. März zur Etatsberatung

den Beweis, daß dte politischen Drahtztehrr der v.Ementreten kann. Die Kanal-Vorlage wird ^Bewegung" nicht« anderes im Sinne gaben, Aetren^aufe etft nach der Erledigung des " « S-, «t.,hi>nt»n »'N, @tQV betatenroett)eH/ desgleichen die inzwischen

noch vom Abgeordnetenhause an's Herrenhaus gelangenden Vorlagen.

Rri«, gnädige Frau, ich laß Sie nicht die weite Reif' machen mit dem Katarrh, nein, gnädige Frau, ich hilf Ionen einfach nicht ewpacken!" raifornierte das Dtenstrnädchen „Dem gnädigen Herrn wär' da» ficher nicht recht, wenn er wüßte, daß Sie krank find! Sud gor mit dem Nachtzug — nein, gnädige Frau, nein, bitte, bleiben Sie, bleiben Sie doch!"

„Das verstehst du nicht, Betti, laß mich nur, Icß «ich tut!" sagte Frau Mitzi mit seligem Lächeln. „Ich muß einfach fahren I"

„Wenn Sie aber so krank find, gnädige Frau, Ihre Wangen glüh'a ja tote Frmr l"

„Die Lus'v-ränderung wird mit gut tun!"

Die mme Betti schwieg eine Zeit und stüftelte sorgenvoll den Küps. Dann begann fie wieder:

„Srh'n Sie doch, wie'» draußen schneit, wie der Binb die Flock'« jagt!"

W „Ach, ich fchre im Wagen zut Bahn, und In der Eisenbahn ist'S ja warm, und in Jedtttz holt mich der gnädige Herr auch mit dem Wagen ab "

Sie ließ es fich ri^t auSreden, fie war vom Bett ausgestanden, hatte fich angetteivet. Ein bischen matt fühlte fie fich, und heiß und kalt mar eS ihr zugleich, aber daS war ja nur die Auineguna, dar war za nur die Freude, daß ste rua die Möglichkeit besaß, ihre« Fcitz baldmöglichst zu sehen, zu haben.

SS war 4 Uhr nachmittag», in einer halben Stunde batte ste ihr G'päck fertig — und nun kam die schrecklichste Zett deS Warten,.

Um demselben möglichst zu entq-hen, fahr fie, ob- wohl der Nachtzug erst nach 9 Uge obfuhr, schon um 7 Uhr aus die Bahn und tet bett. Zu Hau e hatte fie immer noch eite unbestimmte Angst, ihre

— 155. Sitzung vom 4. Mär, .1905,2

“ Der Antrag Auer u.Sen. (sozd.) betr. Errichtung emeS ReichSarbeitSamtS, sowie Errichtung von Arbeitsämtern wird nach einer längeren Ge- schäftSordnungsdebatte auf Antrag Trimborn lZtr.) der Regierung ,ur Berücksichtig ung überwiesen, nachdem verschiedene Redner deS HauseS, so der Abg. Trimborn (Ztr) und der Abg Singer (sozd) kest- gestelli haben, daß daS HauS bezüglich der Einzelheiten deS Antrags Auer nicht gebunden fei.

§ lieber Rußland

sollte ein vorsichtiger Redaktmr eigentlich gar nicht mehr schreiben; denn bis daS Geschriebene gedruckt in der Zeitung steht, ist es meist schon nicht mehr wahr. Kaum war am Samstag die Nachricht von dem Manifest gedruckr, in welchem der Zar das „Banner der selbfth-rrlichen kaiser­lichen Gewalt" schwingt und alle seine Unter­tanen „zur Befestigung der Selbstherrschaft" auf­fordert, da meldete auch schon der Telegraph von einem zweiten Manifest, worin der Zar seinen Entschluß kundtut, „von nun an mit Gottes Hilfe würdigste, das Vertrauen des Volkes genießende und von der Beoötkerung gewählte Männer zur Teilnahme an der Ausarbeitung und Beratung legislativer Entwürfe heranzu-

Ml-aer W Zeitung

w°ch-nd°iiag°: „Illustrierte Sonntagzzeitung" m°n-t-b°u°g°- „guldaer Geschichirblatter.