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Fulda, Samstag, den 4. März 1905.
32. Jahrgang.
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rchriftleiter:Zos.vau»
A°L«'-"A»-. wochenbeiiage:„IllustrierteSonntagrzeitung
Der heutige Donnerstag hat an vielen Orten den sonnigen Beinamen „feiten Donnerstag" oder „ichmotziger (schmalziger) Donnerstag". In Rußland nennt man überhaupt bie letzte Woche oor den Fasten Butterwochs. Man steht, daß unsere Vorfahren großen Wert daraus legten, vor dem Uebergang zur mageren Fastenkost erft noch den Körper von innen arg gehörig einzu- setten. Jetzt brauchen wir zu Fastnacht nicht so fetthungrig zu sein, denn das gemilderte Fastengebot läßt Butter und Schmalz zu. Trotzdem möchte ich den guten Rat geben, unter zwei liebeln das kleinere zu wählen; d. b.: wenn du durchaus zu Fastnacht deinem Magen etwas Extraes zukommen lassen willst, dann halte dich lieber an die Schüssel, als an die Flasche. Denn der Appetit ist nicht so gefährlich, wie der Durst. Wenn der Teufel angeln geht, so kommt er mit dem flüssig»» Köder weiter, als mit dem trockenen. Der Alkohol in seinen verschiedenen Formen träat die Hauptschuld daran, wenn die Karnevalsbelustigungen ungemütlich und roh werden. Man sagt gewöhnlich, effen und trinken hielten Leib und Seels zusammen. Ich möchte dazu das Amendement stellen, statt „trinken" zu setzen „Master trinken" oder meinetwegen auch Milch trinken. Denn dis Alkoholtrinkerei bringt tatsächlich Leib und Seele vorzeitig auseinander. Der Alkohol ist Echetdewsssrr.
Was nun daS Esten angeht, so könnte man aus dem Fastengebot folgern wollen, dis Kirche halte die Mahlzeit für etwas Böses. Das wäre ein Trugschluß. Das Fasten soll uns richtig effen lehren. Das Tier frißt, der Mrnfch aber soll essen, daher sein Bedürfnis nach Nahrung unter der Fuchtel der Vernunft und des Ge- wiflens halten lernen. Wie jetzt daS Fastengebot gemildert ist, braucht wirklich niemand Hunger zu leiden oder auch nur einen schiefen Magen zu bekommen. lUe*, was zu jung, zu schwach, oder mit Arbeit belastet ist, bekommt ja Dispens, und den übrigen schadet es wirklich nichts, wenn fie die Zahl ihrer Mahlzeiten etwas vermindern und abends vor dem Schlafengehen den Bauch nicht gar zu stramm auf den Leisten schlagen.
Dieser Tage lief durch die Zeitungen die Gpeiseordnung für einen modernen Personen- dampfer. DaS war unheimlich zu lesen; dort wird den Paffagieren von morgens früh bis abends spät alle 2 oder gar alle l1/* Stunden aufgetischt. Das ist daS reine Schlaraffenland mit Abfütterung ohne Pausen. Wenn die Reisenden ihre wache Zeit gänzlich der Magenaus- stopsung widmen und dabei wenig Bewegung und gar keine Arbeit haben, so wird das Schiff ja zum Gänsenudelstaü. Tut effen zu seiner Zeit, aber nicht kauen in Ewigkeit!
Glücklicher Weise haben die Leute, die fich auf dem f-sten Lande befinden, meistens noch etwas mehr zu tun, als effen und trinken. Die Arbeitspflicht befö drrt einerseits den Appetit und andererseits die Mäßigkeit. Wer vor dem Effen fich das Brot schon verdient hat, dem schmeckt es prächtig, und wer nach dem Effen wieder ins Geschirr muß, der hüte fich vor Magenüberladung.
Essen klingt sehr prosaisch; aber die Worte „Mahlzeit, Mittagsmahl, Saflmahl", haben schon einen poetischen Klang. Wir denken da an einen gemeinsamen Tisch, an dem eine zusammengehörige Gruppe von Perssnen in Frieden und Freundschaft sich an den eßbaren Gottes- gaben eifeeut Es ist bedauerlich daß die mo> »eine Lebensweise, namentlich in den Städten, fontele Leute zwingt, einsam in irgend einer Garküche oder in einem Winkel der Arbeitsstätte ihre Mahlzett einzunehmen. Mit R-chi wird der „stille Suff" verächtlich gemacht; daS „stille Futtern" ist auch nicht schön. Es fehlt da der Befriedigung des körperlichen B-dürfniffeS die Weihe der Gemütlichkeit.
Der Sprtserisch in der Familie ist viel mehr als ein Futterttog. Er bildet ein wesentliches Stück von dem „häuslichen Herd", den Dichter und Denker mtt Recht preisen. Die gemeinsame Mahlzeit hält die Famrllenglieder zusammen; nicht bloß der Magen schöpft auS der Familien- schüffel, auch daS Herz. Wo die Hausfrau gut, und der HauSvater klug ist, da sorgt man möglichst für die gemütliche Bereinigung aller Glieder zum leckeren Mahle,
Die Hausmünaskost ist ein Kitt für daS Familienleben. Der Familientifth ist auch ein HUfSmtttel der Erziehung. Für dir Jugend tst'S sehr wertvoll, daß fie angehalten wird, mit sauberen Händen und Kleidern am Tisch zu er- scheinen, fich manierlich beim Effen zu benehmen und beschetden fich am munteren Tischgespräch zu beteiligen.
Früher übten Eltern und Kinder den ganzen Tag in der häuslichen Gemeinschaft; jetzt liegen die ArbettSstätten meist außerhalb veS Hauses.
kölnischer Wochenbrief.
[:] Rom, 3. März 1905.
Pc pst Pius X. erlich ein neueS’Motupopio, welches sich mit den apostolischen Protonotarm und den päpstlichen Hausprälaten beschäftigt, in deren verschiedene Rang verhält nisse und Privilegien ziemlich viel Unsicherheit sich etnge» schlichen hatte. Es gab bisher sieben wirk! che apostolische Protonotare (darunter als einzigner Bicht'taliener Prälat Wilpert), welche alS so!che ein Gehalt bezogen, sowie säst 600 tuulare Protonotare „ad instar partimpnetiom". 3:|e Domheften der hiesigen patriarchalischen Basil,len sowie weniger hiesiger und auswärtiger Kirchen haben nun ebenfalls den Titel von apostolischen Protonoiaren und betrachtetest fich — mit Recht oder Unrecht — als zur Klasse der „wirkliches gehörend. Um diesem zweifelhaften Zustande ein (Snbe zu machen, verfügte Pius X„ daß bhfe
Die Familie ih wämenö der Arbeitsstunden zer' rissen. Um so wichtiger ist dir Bereinigung beim W'ttagswahl. Da kann der nötigste Gedanken» und G-fühlraustausch stattfinden. Mancher Baier sieht ja seine Kinder überhaupt nur am Speisettsch. Um so mehr muß er diese G legen» heit benutzen, fich zu informieren und im Tischgespräch dann fich erzieherisch zu betätige». „Geplauder zwischen Suppe und Gemüse", sagt vielleicht jemand verächtlich. Aber in diesem anscheinend so leichten Geplauder kaan ein kluger Baier und eine tüchtige Mutter Goidklttner aus- fheuen, die reiche Frucht bringen. So nebenbei, daß die Kinder koum die Absicht merken. Aber nicht sehen wirkt so ein gelegentliches gemütliches Wort der Belehrung, Warnung und Aufmunterung besser als eine förmliche Predigt.
Wo auch der Familientisch an Werktagen schon zersplittert sein sollte, da mache man doch ja aus ihm sonntäglichen Mittagsmahl ein F. mitienfest. Die Mühewaltung der kochenden Mutter und die ausue-venderen Groschen des Baiers lohnen sich reichlich durch A ff sschurg des Familiengeistes. Der Vater kann ja am sonntäglichen Frühschoppen etwas absparen, dann kommt er auch um so pünktlicher nach House, und die Pönkrlichkest in der Tischzeit ist die ge» büyrendk Gegenleistung des Mannes gegenüber der Küchenarbeit der Frau.
Die Hobe sittliche Bedeutung der Fauvlien- tcfel soll ferner den Mann veranlassen, fich während der Mahlzeit ganz den Getnigen zu widmrn, nicht etwa die Zeitung zu lesen, oder in feinem eigenen Gedanken steuern und verdrossen habet sitzen. Gemütlichkeit muß die Parole am Tisch fein, und dazu kann der Vater das Meiste beitragen. Die Mutter hat ja in der Schöpfung der Gerichte schon das Ihrige geleistet.
Zu einem rechten und echten Familientisch eines Ehrtstenmenschen gehört nalürl'.ch auch das Tischgebet. DaS gibt Weihe und eine gute Stimmung. Und in der Tat ist bet der Mahlzeit das kurze Gebet sehr am Platze. Denn der Herr Hai das Mahl der Seinen geheiligt Der -Herr Hai in seinem Eidenwallen das Familienmahl gepflegt. Von der Hochzeit zu Kana bis zu der lieblichen Idylle von dem Mahl zu EmauS. Und wenn wir an das letzte Abendmahl mit der Einsetzung des allerheiligsten Wunders der Liebe denken, so müssen wir uns immer mit frommer ,Ehrfurcht an den Tisch setzen, die dem Alter als Vorbild gedient hat. In diesem Lichte wird daS Familienmahl nicht bloß der animalischen Niedrig» kett enthoben, sondern es wird zu einem Gottesdienst gemacht, zu einem gemütliche HauSgottes» dienst im Sinne des Spruches: Wo zwei oder drei versammelt find in Meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen!
Wohl dem Hause, wo man nicht zu erschrecken braucht, wen« plötzlich während der Mahlzeit der Herr einträte durch die geschloffene Tür, wie einst bei den Jünger», um seinen Friesen zu wünschen und baS Brot von Emaas zu brechrn!
„Aller Augen warten auf Dich " * * *
Diese Betrachtung über den Familientisch ist auch zu anfang der Fastenzeit ganz gut am Platze; denn wir sollen gerade jetzt lernen, in wahrhaft christlicher Weise daS Nahrungsbedürfnis zu befriedigen und bei der körperlichen Ernährung auch der Seele das Ihrige zu geben.
Schließlich weise ich noch darauf hin, daß das Fastenalmssen eine schöne Einrichtung ist, die der Wahl des guten Zwecke« freies Spiel« raum läßt. Ich kenne ritten Pfarre dkk &?* stimmt darauf hofft, daß in der Fastenzeit hie Mridkätigkett wieder gröster wird, als tei» sie in der KarnevalSzett war. Ich meine den Pfarrer Deitmer in Steglitz bei Berlin, der such Zehlendorf psfioftert.
Dir neuen Verträge und der reue Zvllmrif werden <im 1 März 1906 in treten. Attts tft jetzt froh, d.ß dir langjäh ig-n ZMämpfe vo-bci sind usd nun eilte lange Ruhepause ei tritt.
In Oesterreich hat das Ahgeord^etenbaus die Rekrutervorlage in allen Lesungen a genommen.
Jq Ungarn ist d r Plan eines Ueberganqsmi- 'iste-iumS Daiandi gescheitert, weil dl- Krffutt-Prrtei die Bea-ill'gung des RekrutenkonlingentS an die Bedingung knüpfe, daß vorher die Wahlreform angenommen werde. Graf Julius Audraffy schlug dem Kaiser die Bldung eines Roatiiior 8-Ministeriums aus du bisherigen Oppofitionspürteien vor. Die Sache scheiterte aber an der Militäcfrage. Wie Andraffh erklärte, Hätte der Kaiser gegen die Zolltrennung nichts einzuwenden; er fordere nur, daß Ungarn mit Oesterreich sowohl daS künftige wirtschaftliche Verhältnis als auch bezüglich derHondelSverirägeinSreinekomwe. Falls eS Ungarn al« in seinem Inter ess- gelegen erachtet, kürzer» Handelsverträge als vi« 1917 zu schließe», so mache bit König keine Einwendungen da- gegen, daß dieser Versuch unternommen w-rde. Die Krssuth-Partei verlangt ober auch Zugeständnisse in der Militärs-age.
In Frank - eich hat die Kommjffion der Abge- ordnete, kammec die Vorlage über Dreh ung von Kirche und Staat mit einigen Abänderungen angenommen. So sch ell tote fie wird aber Kammer und Senat kaum arbeiten.
In Italien beabsichtigt die Regierung die StaMbahnli»ien, deren Betrüb bisher Pcivatgesell- schaften überlassen würde« war, selbst in Betrieb zu nehme» und der Linie» der Pnoatges-llschaften für den Staat auzukaufe», um so der bisherigen Lotterwirtschaft im italienischen Eisenbahnwesen ein Ende zu mache» und für die Staatskasse einen Geisinn zu erziele» Die Vorlage, die der Kammer gemacht worden ist, triff auch Fürsorge für die Angestellte». Aber fie verbietet d-» Busstand und bedroht die Anreizung dazu mit Gefängnis, die Teilnahme am 8h?fl' stand mit Disziplinarstrafe». DaS hat große Auf regung unter den Angestellten hervor gerufen, die von de« Sozialisten eifrig geschürt wurde. Von dec Proklamierung des allg-meiae» Ausstandes haben die Füdrer Abstand get amtne». Dafür empfehl'» fie die „Obstruktion", die denn auch am letzten SamStag in alle» großen Städten begann. Unter dem Schein p'inüchster Beobachtung aller Vorschriften verzögerten Staffieret, Schaff er, Zugführer, Wrgenwäicher »sw durch allerlei Kunstgriff- die Abfahrt der Züge, verlangsamten die Fahrt bi« ins Unerträgliche ufro. Es trat ohne förmliche» Ausstand eine allgemeine Verkehrsstockung ei». Die Regierung brodle de» G sell- schaften mit Zvangsmaßregel», wen» fie nicht für geordnete» Betrieb sorgte».
I» Rußland hat der Kaiser ei»ft von dem Land» irtschaftSminiper Jermolow auSgearbeiteten Denkschrift über die gesamte innerpvlitische Lage seine Zustimmung erteilt, wori» die Einführung einer Verfassung »nd die Berufung einer Versammlung von Volksvertretern für notwendig erklärt wird. Der Kaiser gab Befehl, ein Manifest im Sinne der Denk- schrist zu entwerfe». Ob Rußland nun wirklich zu einer Verfassung kommen wird, steht dahin. DaS Mtnisterkvwitee arbeitet fleißig weiter an Resormvor- schlägen, und der Kaiser bestätigt fie. Inzwischen gebt aber im Lande «ach wie vor aller drunter nnd drüber. Zu den zahlreichen Aus? ändert der Fabrikarbeiter, die «och immer nicht beendet find, ist neuerdings »och der Ausstand der Ejseubahnongestellten an verschiedenen Linie« gekommen, bi: dem Verkehr völlig inS Stocken brachten. Die Berwoltungen bewilligten verschiedentlich die Lohnforderungen der Angestellten, aber daS half nicht vtel. Es hatte eben auch dieser Ausstand politische Gründe, insbesondere richtet er sich gegen den Krieg. Wege» der Ern o-düng des Groß fListen Sergius wurde» ungefähr 60 Personen in P oskau verhaftet Im Kaukasus scheint völlige Anarchie zu herrschen. I» Baku und Saturn sind Mord und Plünderung an der Tagesordnung.
Auf dem ostasiatische» Kriegsschauplätze hab-n die Japaner neuer birg» die Offensive wieder kräftig und mtt Erfolg ausgenommen Am 24. Febr. eroberten fie de» von de» Russen besetzte» n-d be- fefiigte» Hügel BereSnewSk, nachdem die Russe» am Tage vorher einen Angriff abgeschlagen hatte», »sch einem erbitterten Bayonettkampfe. Der Hügel war r ff »bar ein wichtiger Stüpankt der Russen, dessen Verlust nicht dadurch wett gen acht wird, daß Kun patkin die Tapferkett seiner L-ute lobt. Am 26 zwangen die Japaner die Russen nach schweren Verlusten Tsinchentchen z» räumen. Anck rm Westen sind die Japaner de» Rosse» in ben Rücke» gekommen Diese beschwere» fich, baß die Japaner die Neutralität Chinas verletzte«, indem fie durch die Mongolei zogen, und daß japanische Truppe» i« chinefifcher Kleidung auf« getreten seien, infolgedessen fie für Tschumschusen ge- Batten wurde«
Wochen-Rundfdiau,
Fulda, den 4. Mörz 1905.
(Nachdruck verboten.)
Der deutsche Reichstag beschäftigte sich, nachdem die Handelsverträge glücklich unter Dach unb Fach gebracht find, in dieser Wocke lediglich mit der veratLng des Etats Beim Po st-tat wurde» bte in anderer Gestalt wieder aufgetauchten Ostmarkeu- znlagen abermals abgelehnt. Angenommen wurde ehr Komwiffionsantraa, d- ß das Mcx malgehalt der Snterbeamten auf 1600 Mark festgesetzt werden soll. Beim Etat der ReichSeisevbahnen wurde eine Resolution betreffend Sonntagsruhe und Urlaub der Angestellten angenommen. Keim Marineelat entspann fich eine längere Debatte über die A itation deS Flottenvereins, die schon in der Budgetkomm ffiou zu Erörterungen Anlaß g-geben hat. Der Abgeordnete Gröber fntifierte d e Tätigkeit des Vereins, der ei» förmliches Nebenregim-nt neben dem Reichk- warineawt einrtdren zu wolle» scheint, aus eigener Mach vollkommendrit Flotteiiprogroimne au stellt, für die eirzulretcn jedes BaterlanbSsreundes Pflicht sei» soll, der Frage, tote die Kasten zu decken sstest, ober geflissentlich aus d-m W ge geht. Staatssekretär v. Tt Pitz erkannte zwar dankbar an, daß der Flotten- Verein Berständtiss unb Interesse für die Marine im Volk zu velbreiien suche, betonte aber, daß er fich mit f iten S tzunge» in Widerspruch sttz-, wenn er ein eigenes Flotter Programm aufstelle, und daß die R ihSDaritteoerwaltung fich dadurch in keiner Weife veckrfloffr» lasse und von ihrem wohlerwogenen Programm ntcht abyehe, daS heute noch dasselbe set wie im Jahre 1900. Neber den Inhalt der für nächsten Herbst angekündigten Flotteuvorlage teilte er nichts näheres mit. Auch die Redner aus dem Hause gingen n cht daraus ei», doch betonte Abgeordneter @<öbet schon jetzt, daß die Kosten nicht in bireHeu Steuern ben ärmeren Klassen ausgebürdet werden dürste», Dan» folgte die zweite Beratung deS Etats d.-S Reirsamtes des Inner», die 14 Tage bis s Woche« dauern dürste, da bei biefesi Etat alle mögliche» sozialpslitifchen Frage» erö tert zu toerdea pflege»
DaS preußische BbgeorduetenhauS setzte die Beraiung deS KultuSeiatS fort. Fast eine volle Sitzung wurde der Frage der „akademischen Freiheit" gewidmet. Dabei kam dann für den Äangelische« Bund und die von thm betörten Studenten, die unter dem Vorwande des SchvtzeS der akademtschr« Freiheit die konteffionelle H-tze gegen die katholische» Siudentenvereinigunge» betreiben, da- sehr unange- n^me Ergebnis heraus, daß absolut niemand die zBetoegnng" als berechtigt anerkennt, sonder» alle Parteien einmütig die A ficht vertreten, daß die iathvli;Se» Studenten ein Recht habe», sich z» eigene» Korporaiioue» zufammeuzutun, und es gegen bie akademische Freiheit verstößt, ihnen bies verbiete» zu wollen. Bon liberaler Seite würbe bie Angelegenheit des liberalen Predigers Fischer in Beckin zur Sprache gebracht, bet bekanntlich vom Konfisto- rium eine Rüge erhalten hat, weil er aut der Kanzel bie Gottheit Ctzristi leugnete. Der Minist-r und bie Konseivativen meinten, die Sache gehöre nicht in daS mterkonfessisnelle Parlament und verwiese» die Pro- ‘e^<r«ian Synoden Das Zertrum beteiligte fich ^tü'liq nicht an bet Berhandiung über diese inner« «gliche Angelegenheit der Protestanten. Auf «e Anregung deS «bg. Dr. Ditirich wegen Erhöhung der Dotationen für bte Diözesa'-vertooltungen erfolgte eine enfgegenlcmmenbe Antwort; zur Zeit S'zL . Bedürfnis festgestellt Ausgedehnte Debatten knüpfte» sich an das Kaviiel Elemevtar- , ^an kprach über konfessionelle Schule, geistliche Schnlanfficht, Lehrervorbildung, Un vrrfitäir- studien der Lehrer, Lehrer befoldung, Schulpolitik 1» volnifchen Larbesteilen u s. w. Die große Mehrheft de- Hauses unb Bet Kultusminister sprachen nZf.rx1 ^’e Bribehalmng bet geistlichen
1 * au#' ^ht zum Verdruß der Natio- «mtberalen, bie gern von dem Schulkowpromiß loi- nomme» möchte». Zu einer längerem Polendebatte e Ostmarkenzulogen Anlaß, die nun E für Lehrer an ben Mmelschul-n unb höheren Mäbchenichu'en gewährt werden sollen. Das Zeuirnm WEte dagegen, weil eS nut Zulagen will, bte allen »eljtertt ge^hri roeroen und unwidertrflch finb, wo richt zur Züchtung des Sirebertums biene» können.
Nach Annahme der Handelsverträge im Reichstage wurden die.bara» beteiligten Reichs- und Staatsbeamte» vom Kaiser mit allerlei Aurzrühuunse» bedach^ Der Reich fandet Graf Bülow, der den ihm «gebotene» Frustent-lrl ausgeschiage, habe» soll, er« «eit die Büste des Kaisers in M-ta or mit einer Kadimitsorbte, toort» irmi Da»? mb Anerkennung für ©elhifle» deS schwierrxen Werke« ousgefproLen «mrd. Staatssekretär Graf v. Possdowsky erhielt den Schwarze» Adle.otbe», den er wohl »er dient hat den» tt hat doch die eigentliche Arbeit bei der 3lta. «flelung unserer Z'll- unb H rndttsPolitik geleistet, der L-ubwittschaftsminister v. Podbi.lSki daS »roß. ftwvz deS Roten AblerorbenS, StoatSfekeetär Frhr. v. Richthoftn wurde zum StaMwinifi« m>b Ml- »ied« des preMßische» StaatsmmisteriumS ernannt, anbete Leute erhielten OrderjarSzeichnungen.
UnpotifiFdie Zeifläufe.
(Nachdruck verboten.)
® Berlin, den 2. März 1906.
Alles geht zu End«, sogar die ungeheuer fange Faschingszeit des Jahres 1905 mit seinem verspäteten Offert am in. Wenn die Frühjahrs- iBfibatfeiten so lange gedauert habe», so brauchen wir uti in diesen letzte» Tagen nicht noch eine Hetzjagd nach Vergnügen zu veranstalten. Je rutzlgii:, desto gemStticher!
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