Huldaer M Zeitung
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Druck und Verlag b« KuldaerActtendrucker« in Zulda (harmouieZ Zernfprecher Nr. 9.
M ss.
Fulda, Samstag, den 4. März 1905.
32. Jahrgang.
Erstes Mlaü.
Q Kein Friede, keine v rfaffnng.
Wie so häufig in den von einer revolutio« «Sren Bewegung bedrohten La dern, so herrscht jetzt auch in Rußland bei den Regierenden Rat. lofigteit und Unentschlossenheit. Man schwankt fortgesetzt zwischen den verschiedensten Entschlüssen hin und her. Heut läßt man die Arbeiter, die dem Zaren eine Petition überreichen »ollen, niederschießen, morgen setzt man den Empfang einer Arbeiterdeputation im Zaren- schlöffe in Szene. Heute kündigt man Reformen auf allen Gebieten an, morgen verhängt man die Militärdiktatur. Heute kündigt man Preß- Freiheit an, morgen verbietet man den Blättern, von den wichtigsten Vorgängen im Lande Mitteilung zu machen. Heute begünstigt man Sie Kundgebung der Semftwos und sonstigen Körperschaften zu gunsten einer Verfassung, morgen bedroht man alle mit den schärfsten Strafen, die so „taktlos und frech" find, fich an einer solchen Kundgebung zu beteiligen. Sestern System Plehwe, heute System Swiatopolta-Mtrrki, morgen System Trepow.
Vor einigen Tagen wurde au8 Petersburg gemeldet, der Landwirtschaftsminister Jermolow habe dem Zaren auf dessen Befehl eine Denk- schrist überreicht, worin er den Erlaß einer Verfassung und die Einberufung einer Volksvertretung als notwendig bezeichnete, und der Zar habe ihn nach eingehender Beratung beauftragt, eine entsprechende Verfügung an den Minister des Innern und ein Manifest auSzu- arbeiten. Die Nachricht war offiziösen Ursprungs. Nicht minder offiziösen Ursprungs war aber auch am Doanerstag die Petersburger Meldung, daß alles falsch sei. Bis auf weiteres gilt nun diese alles bestreitende Meldung, denn fie hat durch das neueste Manifest bei Zaren Bestütigung erhalten. Darin werden die „übel gestnnten Führer einer aufrührerischen Bewegung", die »freche Anschläge gegen die heilige orcho- doxische Kirche und die durch die Gesetze gefestigten Grundpfeiler deS rusfischen Staates" unternehmen, abgekanzelt, die »gutgesinnten Leute" werden aufgefordert, fich an dem „heiligen großen Werke der Ueberwindung des hartnäckigen äußeren Feindes" und der „Ausrottung des Aufruhrs im Lande" zu beteiligen und schließ- »ch wird die „Befestigung der Selbstherrschaft" den getreuen Untertanen als Aufgabe vorgestellt, denn die Einrichtung einer „neuen öandesver- iretung auf neuer Grundlage" ist „unserem Baterlaude nicht angemessen".
Also der blutige Krieg in Ostasien, der schon ungeheure Opfer an Gut und Blut gefordert hat, und überall za Ungunsten Ruß- lands ausschlägt, soll fortgesetzt werden bis E Stege über den „hartnäckigen Feind", der
von dem Soldaten des heiligen Rußland nicht lgeu lassen will; eine Verfassung und größere Freiheit, worauf das Volk, weniostkuS
feine mlellißenten Kreise hoffrn, gibt es nrcht, eS wird vielmehr die Selbstherrschaft „befestigt". Man erkennt aus den widerspruchsvollen Ent schließungen d<S Zaren deutlich, wie die vrr- schiedenen Parteien in der Regierung um ihn ringen und wie er bald der einen, bald der anderen zustimmt und selbst nicht w'iß, was et tun soll und wer rhn am besten berät. Augenblicklich ist der Ooerprokurator deS „heiligen Tynod" PobjedouoSzow und die sog. Großfürsten- Partei wieder obenauf, deren Ideal die Erhaltung deS unbedingten ObfolutiSrnnS deS Zaren und der Alleinherrschaft der „heiligen orthodoxen Kirche" ist, ein Ideal, das in der Wirklichkeit aus die Willkürherrschafteiner korrupten Beamtentums hinaus läuft.
In der letzten Zeit hatte man uns fleißig über die Reform-Arbeit des „Minister- komiteeS" berichtet. Bon praktischer Durchführung ihrer Reformvorschläge merkte man freilich nichts. Nunmehr wird auch der ganze Reformeifer einschlafen. Die Reformen find verschoben, da sie „nur bei ruhiger Stimmung der gesamten Bevölkerung möglich" find, d. h. fie sollen am Rimmermehrtag eingeführt werden. DaS Tschinownikrum kann wieder in ungestörter Willkür schalten und walten. Allerdings muß man hivzufügen, so lange es dauert; morgen kann der Zar wider eine andere Laune haben und von der liberalen Partei für Reformen begeistert worden fein. Der gleichzeitig mit dem Manifeste erschienene kaiserliche Erlaß, der „allen treuen Untertanen" die Möglichkeit geben will, dem Kaiser Ratschläge und Wünsche wegen Vervollkommnung der Landesverwaltung zu Gehör za bringen, wird wohl von keiner Sette ernst genommen werden. _
Etwas Gutes kann auS dem fortgesetzten Schwanken und den wechselnden Entschlüssen und Kundgebungen deS Zaren unmöglich hervorgehen. Die Folge kann lediglich die Steige- rung der Unzufriedenheit sein. Auch wir halten, wie schon wiederholt betont, Rußland nicht reif kür eine Verfassung nach westeuropäischem Muster, aber, wenn man einmal dem Volke Hoffnung ans eine solche Verfassung und auf Reformen macht, hinterher aber wieder die Befestigung der Selbstherrschaft und die Verschiebung der Reformen proklamiert, so muß U n. heil daraus entstehen. Glaubt man die Hoff- nung auf eine Verfassung nicht verwirklichen zu können, so müßte man um so energischer die Re- formen in die Hand nehmen, insbesondere Rechtssicherheit und Glaubensfreiheit schaffen, wie die Vorschläge der Minister-Komitees es in Aussicht stellten. Die Verweigerung der Glaubensfreiheit kann man aus dem Manifeste uumfttelbar herauslesen, denn da wird die Alleinherrschaft der unduldsamen „hei- ligen orthodoxen Kirche" verkündet; die „An- schlüge" gegen fie find offenbar die Versuche, Glaubensfreiheit einzuführen. Die Verweigerung der Rechtsficher heft wird indftekt in dem Manifest ausgesprochen.
Die nächste Wftkung der Kundgebung werden wohl neueSchreckenStatender revolutionären Partei fein. Jeder Zweifel, daß das Verlangen
nach Freiheit nicht erfüllt werden soll, ist jetzt befetligt. Dos Schwanke» und Zaudern hat keinen Zweck mehr; nun fam der Terrorismus mir seiner wilden Entschlossenheit Platz greifen.
Deuffdies Reich.
Berlin, den 3. März 1905.
• Hebet die «ittelmeer-Uteise des Kaiser- ist jetzt die endgültige Bestimmung getroffen, daß der Kaiser am 26. März in Taormina eintreffen wird. Die Kaiser!. Familie begibt fich auf der Yacht „Hohenzollern" nach der Rhede Sradini und fährt dann zu Wagen nach dem etwa eine Stunde entfernten Taormina weiter. Der Kaiser hat dort das Hotel Cineo für die Monate März und April zum Preise von 100,000 Lire gepachtet. Die Hotelgäste mußten am 28. Februar das Hotel räumen. Das Hausgerät für daS Kaiserpaar wird auS Berlin nach Taormina gebracht. Dort (in Taormina) werden großartige Empfangs-Vorbereitungen getroffen. Der Kaiser hat versprochen, fich auch einige Tage in Messina aufzuhalten.
-* Der Reichskanzler «ras v. Bülow empfing gestern den Bürgermeister Altenberg von Memel zu einer Besprechung tn Sachen des in Memel zu errichtenden NattonaldenkmalS.
* Der dritte Nachtragsetat für Süd w-ftafrik« wird, wie ein Berichterstatter meldet, Mitte der nächsten Woche dem Reichstage zu- gehen; er wird gegen 55 Millionen Mk. fordern, vielleicht auch etwas weniger. Der vierte Nachtragsetat wird Ende März folgen; auch er wird gegen 20 Millionen, soweit es fich oorauSsehen läßt, fordern.
\ Das Protokoll über die Untersuchung der Beschwerde» der Bergarbeiter auf der Zeche Prosper, Schacht II wird im Reichsanzeiger' veröffentlicht. Die Kommisfion kommt zu dem Ergebnis: „Wenn auch den vorgebrachten Einzelbeschwerden, namentlich in bezug auf zu harte Strafen, sowie auf Beschimpfungen und Mißhandlungen seitens der Beamten eine gewisse Berechtigung nicht abzusprechen ist, so ist die Kommisfion doch zu der Ueberzeugnng gekommen, daß auf der Schachtanlage Prosper n erhebliche Mißstände der allgemeinen Natur, welche einen berechtigten Anlaß zu K agen der Belegschaft geben könnten, namentlich mit Rück- ficht auf den langen Zeitraum, für den die Beschwerden vorgebracht find, und auf die große Belegschaft, nicht als vorhanden angesehen werden können."
* BolkSschmllehrer als Einjährig-Freiwillige. Nach einer statistischen Aufstellung des Deutschen LehrervereinS haben im Jahre 1903 in Berlin, Koburg, Gotha, Lippe und Meiningen sämtliche VolkSschullehrer, die ihrer Militärpflicht genügten, einjährig-freiwillig gedient. In Bayern dienten 137 von 149 militärpflichtigen Lehrern, also 92 Prozent, in Braunschweig 74, Hannover 60, Wiesbaden 56, Altenburg 53, Baden 50 Prozent als Einjährig- Freiwillige. Den niedrigsten Prozentsatz. 4 Prozent, stellte Oldenburg.
Lin bürgerliches Jahr.
Novelle von Tarl tonte Scapinelli.
30 ------(Nachdruck verboten.)
ft«!, «ns einmal fühlte Mitzi, daß so eine vor. nehme gemilchte Gesellschaft, in der die ginanzaristo. trat«, der Erbadel und die Bureaukratie vertreten wm», etgniUich viel weniger reizlos, viel weniger hochnäsig sei, als fie fich es vorg-stellt.
Immer wieder mußte fie aut Fritz sehen, wie er nach und nach ganz der Mittelpantt der Lasel wurde, wie alle imt «hm sprachen, alle ihm zutranken, so daß Brautpaar ganz zu verg ffea schien.
Frelltch bald erinnerte ein Redner daran, bald ein zworter, bald «in dritter, so ging das fort. . . .
Äte man fich schon bereits erheben wollte, um in Aufenthalt z« nehmen, erhob fich der Maullgam Rute» v. Bachmann, um zum Schloß auch Baron Lochen, seinen lieben Fleund, leben zu lass », um ihm für alle Mühe, die er fich gegeben, zu danken, um ihn endl'ch auch al£ den Wiederervecker des Att- üsten« Porz- llavS zu feiern.
aae stießen erfreut mit Fritz an, der lächelnd a u 7„’Jnb 0(8 °lle schon wieder saßen, denaoch üehrn blieb, um auch zu sprechen.
„Meine Herrschaften!"
_ Ätt» lieber Freund Ritter ö. Bachmann hat die Btebonswürdigkeft gehabt, meine Schwachen Verdienste » lam«, beredten Wort,» zu fden, die mir aar bin nut ein d-scheiden-r Ardener, «« alS solcher gebührt mir diese Anerkennung nicht.
ganz besonderer Faktor, meine Damen und Herren, A *>_ bim Ritter o. Bachmaun. dem ich, dem viele «Wrtraien danken mfiffea — da» ist das Bürger. «», btt echte Wiener Patrizierst-md, ans dem heraus ** Frauen geholt, an« oem her«« ich mir
mein Arbeit« eld erworben. Immer naher kommt die Seit, da die Bersötznueg, die Verschmelzung des Adels mit dem vürgerstand vor fich geht, die Adeligen üben bürgerliche Berufe au», geben ihren Kindern bürgerliche Mütter.
Darauf, auf den echt Wiener Patrizierstond, auf sein Blühen, Gedeihen und Verschmelzen erhebe ich mein Glas; wir aber wollen trachten, die altererbten Eigenschaften de» «del», die sehnige, zähe ffroft, de« nimmer beugsamen Ricken zu Nutz und Frommen desselben zu verwerten, nicht chre Knechte, nicht ihre Sklaven, ihre Freunde und Helferthelfer zu fein! Da» bLegerliqe Wien, Profit! —“
Die meisten der Gaste stutzten ein wenig bei diesen Worten LoibenS, die wie eine Ironie klangen, in denen der verhaltene Trotz eines geknechteten Aristokraten fich Lust machte.
Bachmann wußte zuerst gar nicht, wa» anfangen damit, dann aber lächelte er dazu — heute lächelte er ja über alles.
Nur zwei Menschen sahen Loiben beim Zutrinken warm und verständnisinnig tn die Augen: seine Fran Mitzi und sein alter Freund Gras Lichtenegg.
„Du bist und bleibst halt doch ein ganzer Aristokrat", flüsterte er ihm zu. Dann fügte er wie lobend bei: „Deine Frau fleht heute sehr rytc, sehr fein au«! Bravo, bravo!"
Die Bersttmmung, die durch Loiben» durchfichtige Rede ein wenig Platz gegriffen, war bald geschwunden, und al» Schnäpse und Liköre herumgereicht worden waren, hatte man längst daran verg-ffen.
Bald hatte man auch zu tanzen begonnen, und krau Mitzi hatte fich auch ttotz de» Verbote» de» Arztes am Tanzen beteiligt.
Auf einmal war in ihr eine Freudigkeit, eine Jugend erwacht, die bis heule uu ee kleinlichen Sorgen, unter ernsten Bedenken geschlummert; auf einmal fühlte fie sich wohl unter diesen fremden, festlich ge- schmückieu Menschen in diesen feinen Räumen.
Hie und da schien es ihr, d» ginge fie in alledem unter, als vergrabe fie der Glanz, die Freude, dann aber sah fie von ferne wieder die Gestalt ihre» Manne» auf tauche«, der alle an Kopse» änge Überragte, der selbst eine Dame im Arm dahinschwebte Und da wurde fie wieder stolz auf ihn, und ihr war, ai» wäre fie mit ihm gewachsen, als hätte er, dr fie an» dem heimischen Boden entwurzelt, in ein neue» Erdreich verpflanzt
Mitten in diesen Festfreuden verstand fie erst manche Aeußeruog ihre» Manne», manche» Wort an» seinen Briefen, jetzt verstand fie erst recht seinen Charakter, seine leichtlebige, feine, aristokratische Stoen»« ar ff ffung, seine Siebt zu den hübschen Porzellan- ftjuien, zu den netten Schäfergruppeu, zn den leichten 8(um*nguirlanben . . . und in der Freude darüber ließ fit fich von fremben Leute im Tanzt dreht», ließ fich von ihnen Komplimente machen, ließ die schwere Seihe ihrer Robe rauschen, und rascheln, und all-» erschien ihr wie ein Märchen, wie in einem Gedicht.
Darüber vergaß fit auch da» Verbot de» Arzte», darüber übtrdSrie fit ihr tigtnes trockene» Hüsteln.
Al» da» Fest zu Ende war und Fritz mit ihr den Fiaker bestieg, der |t* nach Haufe bringen sollte, da lächelte fie ihn selig an, indes er den Abendmantel fester um ihre Schaltern drückte . . . nun verstand, nun kannte fit ihren Mann, ihren Fritz
Darum war ihr btr Abschied von ihm doppelt schwer, al» er nun wieder nach Böhmen fahren mutzte.
„Ich schreib' dir wieder recht fleißig," sagte er.
„Atzt muß ich dich schon wieder taffen,* meinte ie traurig, .und ohne dich, Fritz, ist'» so öd, so leerl*
Ae er Wien vt- lassen hatte und Frau Mitzi zum ersteamal wieder allein ihr Heim betrat, da war e« ihr, al» wärt e» nicht mehr |o hübsch und so behag- lrch, wie früher, al» hätte Fritz diesmal etwa» mit ich weggenommen; auch so kalt, so eistg kalt kamen ihr die Zimmer vor, es fröstelte fit, fie muffte wieder h»ß«.
* B-tt», 3. März 1905. Der bl. «ater bat der katholisch.che logischen Falultät d-r hie- stgen Universität das Recht der Doktor» Promotion verliehen. DaS päpstliche Breve ist heute tn Köln eingetroffen.
* Goth«, 3 März 1905. In der Sitzung deS gemeinschaftlichen Landtages brachte der sozialdemokratische Abgeordnete Bock einen Antrag ein, der die kobmg-gothaischen Bundesrats- bevollmächtigten dahin instruiert wiss-n wollte, daß er alle neuen Forderungen für das Heer und die Marine ablehnen solle, da durch die wachsenden Ausgaben daS Volk verarmen würde. Der Antrag wurde gegen acht Stimmen abge- lehnt. Ein zweiter Antrag Bock, der fich dafür auSspricht, daß die Kosten für die neuen Mi» litärauSgaben nicht durch indirekte Steuern, sondern durch eine Reichseinkommen- ur d Erbschaftssteuer gedeckt werden sollen, wurde mit zwanzig Stimmen angenommen.
Parlamentarische Rachrichte«.
* Geste Eitznug bet Tolttuuzkommiffiou des Reichstage-. Die 14. Kommission des Reichstage» zur Borberatung de» vom Zentrum einUebrachten Gesetzentwurfs bett, die Freiheit der ReligionSUburg h.elt gestern abend ihre Sitzung ab.
Entsprechend dem Vorschläge deS Borsttzenden Abg. Dr. Spahn »ahm die Kommisfion »ach kurzer Debatte Abstand von einer ©eneralbebat e, da eine solche im Plenum ohnehin durch drei Tage ausgiebig stattfand, eine genaue lleberficht über die in der »werten Session deS vorigen Reichstags gepflogenen allgemeine« Erörterungen int Berichte der damaligen IX Kommisfion vom 10. Mai 1901 vorliegt und etwa weiter avzure- gende Fragen durch besondere Anträge zur Sprache gebracht werden könne».
8 1 lautet: Jedem Rtichsangehörigeu fleht inner« bald deS Reichsgebietes volle Freiheit des religiösen Bekenntnisse», der Bereinigung zu Religionsgemeinschaften. sowie der gemeinsamen häuslichen und öffentliche» ReligionSübung zu.
De» bürgerliche» und staatsbürgerliche» Pflichten darf durch die Ausübung der ReligionSfreihett kein Abbruch geschehe».
Unberührt bleibe» die allgemeinen polizeilichen Borschriste» der LandeSgesetze über daS Vereins- und «ersamwlungSwese».
Zu 8 1 wurden verschiedene AbSnderungSanträge gestellt; nach längerer Debatte wurde beschiessen: a) in Absatz 1 das Wort „ReichSangebörige" zu stretchen; b) im Absatz 2 vor dem Worte „Pflichten* eiuzufüge« „Rechten und"; c) den Absatz 3 ganz zu streichen. Alle übrigen SbänderungSauttäge wurde» abgelehnt und § 1 mit 16 gegen 2 Stimmen angenommen. ((Veqen § 1 stimmten nur die beiden Nationalliberale».) Der Lag der nächste» Sitzung ist »och unbestimmt
* GtimmAttgSbild a«S beut Reichstage. Jrn Reichstage — wie er auSfah, brauchen wir ja wohl nicht zu sagen — nahm Henle bei Fortsetzung der Debatte über dos Gehalt deS Staatssekretärs Grasen v. PossdowSky — von dem Gehalt ist in alle den Tagen noch mit keiner Gilbe die Rede gewesen — zunächst der Adg. Dr. Spahn das Wort, der endlich wieder ein neues Thema „anschnitt". Er empfahl eine Resolution auf Vorlegung einer Denkschrift über die Wirksamkeit der Kartelle und Syndikate. Die Vertrustung greife immer weiter um fich, aber gesetzgeberisch könne man der Sache erst näher treten, wenn man einen Ueberblick über die gesamten Verhällmsse habe. Dem Staats»
Ihre B-rkühiuvg halte fich durch - öS Tanzen verschlimmert, ihr Huste» klang hohl und trocken. Nun hatte fie ja Zeit, fich auszukurieren.
Ei», zwei Tage blieb fie im Bette liegen, nahm schweißtreibende Mittel, schlief viel, und la» in den wachen Stunden griffen» Briefe, und nun verstand fie fle erst recht, und immer größer wurde ihre «ehn- sucht nach dem fernen Gemahl, und immer unerträglicher erschien ihr das Alleinsein, diese» Krank-zu- Hause-liegw.
Ihre Eltern hatten fie einmal besucht, und all fie ihnen in ihrer naiven Begeisterung von der Hochzeit bei Heller erzähtt, ol» fie Ihrer Mutter die sa öne seidene Robe gezeigt, die fle damals angehabt, da hatte nicht nur ihr Vater, der alle Schrer, gewettert, sondern auch ihre Mutt, r schalt fie, wie eitel fie geworden, wie verschwenderssch Fritz sei, da er ihr ein so teure» Kleid, da» man nicht einmal auf der Straffe tragen könne, gekauft habe.
So war fie froh, al» fie w eber allein war, und die Elter», die ihr diese neue Welt einreißen wollten, fort waren.
Und wieder kamen Briese von Fritz. Einer dieser Briese lautete folgendermaße«:
„Liebe Mitzi! Al» ich heul' rach der Arbeit mich ausmachte unb in den herbstlichen düsteren Wald chritt, eine large Allee entlang mit halbenedlätte:len Säumen, mit dürrem ruscheligen Laub am Wege, dochi' ich an Dich, mein Lieb, an meinen Frühling daheim.
Seit ich Dich damals bei Bachmann» Hochzeit inmitten der anderen so glücklich, so jugendlich fro , so chön und vorn» hm sah, bist Du mir doppett lieb ge« vvrdeo. Wie em Bundesgenosse bist Du mir er» chienen, der nun auch gleich mir die Schönheit bei L.blu» erkennt, der nun auch an meiner S-tte kämpft» wird, kämpfen wie ich durch die Arbeit g<,e» ene anderen.
Ich weiß nicht, wa» da» ist, feit jenem Feste, da ich fie i Ke so seldfthenllch, so gnädig, so wohlwoür. d