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M S2. Fulda, Samstag, den 4. März 1905. 32. Jahrgang.
Drittes Atcrtt.
Beiträge zur. Lebenshaltung gewerblicher Arbeiter.
Das Reichs-Arbeitsblatt beginnt mit der Veröffentlichung von Beträgen zur Beurteilung der wntschaftlichen Verhältnisse und der Lebenshaltung tu den Streifen gewerblicher Arbeiter aus verschiedenen Teilen Leuischlands. Die Untersuchung erstreckt stch auf eine Anzahl Landgemeinden bei Karlsruhe und auf zwei hauptstädtische Zentren, Berlin und Dresden. Zu Grunde liegt ihr de: Bericht, der seitens des dadiichen Fabrikmspektors Dr. Fuchs an das Grvßherzogltche Ministerium des Inner» erstatret und von der Großherzog- lichen badischen Fadnlinfpektion herausgegeben ist, ferner zwei Darstellungen der Statistischen Aemter von Dresden und Berlin. Der badische Bericht, weicher zunächst zur Beröffenllichung gelangt, unterzieht die wirtschaftlichen Verhalt- nisse der in den Landorten wohnenden Industriearbeiter, die morgens zur Verrichtung ihrer Tätigkeit in die Stadt gehen und abends nach ihrem Dorf zurückkehren, einer Untersuchung. Diese Eigenart trefft sur die Meh zahl der badischen Industriearbeiter zu. Die Erhebung erstreckt sich über den L»n »streifen entlang dem Rhein, oberhalb und unterhalb der Stadl Karlsruhe, welcher östlich vom Harittwatb begrenzt wird und 17 Landgemeinden umfaßt. Es hancett sich um ein Untersuchungsgebiet mit rund 30 OuO Einwohnern unv 2000 Industriearbeitern, die, sofern sie nicht m der ö.lUchen Industrie tätig stno, mtt wenigen Ausnahmen in den Fabriken von Karlsruhe arbeiten.
Wir heben aus der intereffanten Darstellung folgende Schilderung der Ernährungs- und WohnungSverhältnisse hervor:
Ueder die ErnährungSoerhältntffe liegen An- Giben auf Grund der Haushallungsdudgets von U Arbeiterfamilien vor, die zu genauer An- sthretdung der in sechs Wochen (Mai und Juni) ««brauchten Nahrungsmittel veranlaßt wuroen. Nach Volt und Rubner, denen stch auch Dr. Htrschfeld anschtreßt, ist für eine gute Ernährung nölig: 118 Gramm Eiweiß, 56 Gramm Fe«, 500 Gramm Kohlehydrate. Der Wärmewert vieler Nahrungsstvffe entspricht 3094 Ka- lotieen. Vergleicht man damit die Durchschnitts berechnung, Vie sich für die einzelnen Familien ergibt, so zeigt sich, daß sie diesen Anforderungen nicht genügt, sondern durchweg Himer ihnen zurückbteibt. Am augenfälligsten tritt dies bet oen Eiweißstoffen in Erscheinung, wo sich die durchweg unzureichende Fleischnahrung geltend macht. Im einzelnen wiesen sieben von diesen Familien eine genügende, vier eine mangelhafte und drei eine ungenügende Ernährung auf. — In die Augen springt bet allen Familien, nament- rich aber bet den schlecht ernährten, zunächst der Mangel an Felrnahrung. Nach den Ur- teilen der Merzte ist dies darauf zurückzuführen, daß Milch und Buuer von Erwachsenen sowohl wie von größeren Kindern zu wenig genoffen, vielmehr meist verkauft werben, um dadurch Mehroerdienst für die Haushaltung zu erzielen. Ein «euerer Mangel ist das Fehlen von Eiweiß, welches wohl mehr bet Frauen und Kmvern, als bet den Männern tn die Erscheinung attt. Der Grund ist der Mangel an Fleisch- Nahrung, eine hauptsächlich bei ländlichen Arbeiterfamilien zu Tage tretende Erscheinung. Wie oer Fleischkonsum tu den Hintergrund tritt, so erhöht stch im selben Maße der Brot- verbrauch und die Kartoffelnahrung, die,e ist nach 'Ansicht zweier befragter Aerzte anscheinend zu reichtüh. Vorwiegend wirtschaftlich nachteilig, roetl verhältnismäßig zu teuer bezahlt, ist auch der manchmal hohe Verbrauch an Wurst; in einer Familie, um ein augenfälliges Beispiel an» zuführen, entfallen auf den BeköstigungStag 26 Gr^wm Fletsch und 77 Gramm Wurst. Die Wurst wurde dadurch, daß ste unmuielbat zum Genuß bereit ist, in beu Arbeiterfamilien etn sehr beliebtes Nahrungsmittel. Der Verbrauch an den verhältnismäßig billigen HlllfenfrÜchlen »st, wie allgemein in bet Bevölkerung, gering. Butter, Fette, Oele werden in fehr geringem Umfang verbraucht. Der Milchverbrauch ist im Durchschnitt Nicht gerade niedrig, jedoch um zu sparen, wird sie mitunter abgerahmt. Die Verwendung von Zucker wird noch immer als ein Lurus betrachtet, da die Leute von feinem Nährwert nicht- wissen. Außerordentlich hoch fowotzl qaantUatto, wie auch un BeryäilNlS zu den Ge- samikosten des Haushaltes, ist oer Verbrauch an geistigen Getränken. Im Durchschnitt werden unter Einrechnung des Werter oer eigenen ObstweinerzeugniffeS 219 Mk. im Durch
schnitt der 14 Familien ausgegeben, während die Gesamtkasten der Haushaltung (NahrungS- u. Ge> nußmittel) 1021 Mk. im Durchschnitt betragen. Die Sonntagsausgaben find ebenfalls größtenteils Ausgaben für geistige Getränke, ste find in vorstehender Summe nicht enthalten. Demnach beträgt die Ausgabe für geistige Getränke 21,5 Proz. mehr als ein Fünftel der HauShaltungS- kosten. Den Hanptanteil hat das Bier mit 147 Mark, dann folgt der Wein, teils Obstwein, teils leichter Traubetiwrin oder Kunstwetn mit 65 Mark, in letzter Linie Branntwein mit 7 Mk. In einer ganzen Reihe von Familien könnte nach Ansicht des Berichterstatters die Ernährung durch Verwendung des für geistige Getränke ausgegebenen Geldes zum Ankauf von Nahrungsmitteln in eine genügende Familienernährung verwandelt werden. In sämtlichen ärztlichen Aeußerungen kommt die Klage über all zu großen Alkoholgenuß, der die richtige Ernährung der Arbeiterfamilie beeinträchtige, zum Ausdruck. Ein Arzt schreibt z. B.: „In der Ernährung ist ein Hauptmangel, daß zuviel Milch tn die Stadt adgefühit wird und für das erlöste Geld Flaschen- biet ins Haus und Feld geholt wird." Zu dem Anwachsen des Genuffes geistiger Getränke hat nach Anficht des Berichterstatters der weitver- zweigte Flaschenbierhandel wesentlich beigetragen. Nach den geistigen Getränken folgt an zweiter Stelle die Ausgabe für Schwarz- und Weißbrot mit 186 Mk. — 18,7 Proz. ihr folgt mit 150 Mk. — 14,7 Pcoz. die Ausgabe für Fleisch und Wurst; für Müch werden 103 Mk. --- 10,1 Proz ausgegeben. Von den verbrauchten Nahrungsmitteln ist im Durchschnitt der betrachteten 14 Familien gerade der fünfte Teil eigenes Erzeugnis; bei einzelnen Familien wird bis zur Hälfte des Bedarfs in eigener Wirtschaft gemahnen. Das Bestreben geht in erster Linie dahin, Milch, Sier, Butter, Kartoffeln und Gemüse selbst zu produzieren. Daneben kommt fast nur noch Broifrucht in betracht, welche manchmal einen erheblichen Teil, bisweilen den ganzen Schwarzb-olbedarf zu decken gestattet.
Zur Feststellung der Wohnungsverhält. nisse dienten einmal die Angaben der 50 über ihre Lebensverhältniffe vernommenen Arbeiter, feiner die Besichtigung von 75 Wohnungen. Die Wohnungen der Arbeiter haben, ebenso wie in oen Srädtrn, überwiegend 2 Wohn- bezw. Schlafräume, von den 75 besichtigten Wohnungen hatten 14 nur 1 Wohn- und Schlafraum, 51 deren 2, 7 deren 3 und 3 Wohnungen 4 Wohn- und Schlafräume. Die Trennung der Wohn- und Schlaft äume ist in sehr vielen Fällen nur unbefriedigend durch Vorhänge, Schränke und dergl. durchgeführt, so daß also in Wahrheit viele Arbeiteiwohnungen aus einem Raum bestehen. Zu fühlbaren Mißständen führt dies beim Auftreten infektiöser Krankheiten, bei linder- reichen Familien, die zugleich erwachsene Söhne und Töchter haben. Auch die Küchenverhältniffe ließen in den 75 besichtigten Wohnurgen vielfach zu wünschen übrig. Eine eigene Küche hatten 64, 5 Familien benutzten mit einer an- deren gemeinsam eine Küche, und 6 Familien hatten überhaupt keine Küche, sie kochten Sommer und Winter im Wohnraum. Die Küchen find in den älteren Häusern oft sehr klein und dunkel, zahlreiche von ihnen find vor dem Wohnzimmer auf einem Vorplatz eingerichtet; manchmal finden ste stch bei Dachwohnungen unter unoerschallem Dach. Die AuSrneffungen entsprechen bei den Wohn- wie bei den Schlafräumen nicht immer den durch die Bauordnungen vorgeschriebenen Mindestmaßen. Bon 77 Schlasräumen boten 46 nicht einmal 10 Kubikmeter Lustraum; in 18 Fällen trafen auf eine Person nur 4 und 5 Kubikmeter Luftraum. N«r wo kleine Familien z. B. jung verheiratete Eheleute oder auch in besonders guten Verhältnissen lebende Arbeiter wohnen, befriedigen die Schlafräume. In engem Zusammenhang mit der Enge der Schlafräume fleht die knappe Zahl der verfüg- baten Betten. In den untersuchten Haushaltungen war die Zahl der Setten fast durgängig so bemeffen, daß in einem großen Bett zwei i-ersonen, in einem kleinen Bett eine Person schlafen muß. Die knappe Bettenzahl, die in gesunden Tagen eben noch ausreicht, läßt bei Eintritt von Krankheiten, zumal von Lungentuberkulose, die wünschenswerte Trennung des Kranken von dem Gesunden nicht zu. Zum Schaden der Erkrankten wie der Gesunden muß dabei auf die Anwendung der gebotenen Vorsichtsmaßregeln verzichtet werden. Viel zu wünschen läßt auch Beleuchtung und Lüftung der Wchnräume, Zahl und Größe der Fenster, sowie ihre AnorSnung übrig. An stch gesundheitswidrige Wohnungen wurden nicht oorgefunden. Da die Törser auf kiesigem Untergrund erbaut find, kommt Feuchtigkeit auch dann selten vor, wen» die Wohnung nicht untakeSert ist. Die meist« Gebände haben
nur ein Stockwerk. Die Mehrzahl der Arbeiter wohnen im ersten Stock oder Parterre, wenn sie ein Haus ihr eigen nennen, sobald sie zur Miete wohnen, bildet die Dachwohnung die Regel.
Die Darstellung der eingangs erwähnten Berliner und Dresdener Untersuchungen wird in einem der nächsten Hefte des .Reichs-Arbeitsbl/ erfolgen.
:: Die Alpenbewohner und die poft
Aus Dresden wird der ,Nationalzeitung' geschrieben: Profeffor Dr. Karl Vollmöller, der schon mehrfach über alpine Dinge öffentliche Vorträge gehalten bat, hielt jüngst wieder in der Gesellschaft für Literatur und Kunst einen Vortrag: Heiteres aus den Alpe«, ein Beitrag zur Psychologie der Aelpler- Er untersuchte darin, wie der Aelpler stch zu den mobernen Errungenschaften des Verkehrs, der Technik und der Wissenschaft, überhaupt zu modernen Verhült- ntffen, die ihm fremd und ungewohnt find, stellt. Was den Verkehr anbelangt, so handelt es stch hier nicht um die klar zutage liegenden Eisen- bahnoerhältniffe, wo das Auge sieht, wie die Lokomotive die Wagen zieht anstelle des angestammten RoffeS, als vielmehr um die ge- heimntsvollen Leistungen der Post und des Telegraphen, wo man nicht steht, wie es zugeht. Man wirst den Bries in den Briefkasten und gibt das Telegramm am Schalter auf, und beide machen ihren größeren oder kleineren Weg. Das steht der einfache Mann nicht und steht es auch nicht ohne weiteres ein. Daraus entstehen nun komische Situationen, die ja jeder Besucher der Alpen schon selbst miterlebt hat. Einige Beispiele, die alle historisch beglaubigt find, mögen das Gesagte erläutern. Ein Bauer aus dem schwäbischen Hochland schuldete einem Herrn in München mehrere hundert Mark. Er wagte jedoch nicht, dasselbe der Post anzuoertrauen, sondern fugt lieber selbst nach München, um das Geld eigenhändig zu übergeben. Aus die Frage des Herrn: Ja, warum haben Sie es denn nicht per Postanweisung geschickt? Pa hätten ste sich die mühselige Reise ersparen können, antwortete er: Die Postgeschichte ist mir zu unsicher. Wie soll ich da wiffen, ob das Geld auch richtig ankommt. Das kann so leicht unterwegs verloren gehen oder einer wegnehmen. Lieber zahle ich die paar Mark für die Reise, als daß ich nachher noch einmal Ihnen ein paar hundert Mark zahlen müßte. — Die Beoeu- tung des Briefkastens an dem Landpostamt wird nicht erkannt. Eines Tages kommt durch das Fenster ein Brieflein in die Poststube geflogen. Das Postsräulein steht gerade noch, wie eine Bauerndirne daoonspiingt, die als Auf« geberin des Briefes nicht gesehen fein wollte. Der Landbriefträger bestellt natürlich nicht jeden einzelnen Brief, den einmal ein EinödSbauer bekommt, nach fernem Hof. Da müßte er manchmal stundenlang laufen. Eines Tages kommt ein Brief mit folgender Adresse an: „An das wohlgeachtete Fräulein Veronika Santbichler, Unterbergrotefenbauer im Graben zum Joch. Bitte eigenhändig oder unter den Dengelstern legen, ja nicht dem Vater geben, aus roaarS l“ Der Briefträger sagt: „So preffant ist der Bries nicht, den behandelt mer bis zum Sonntag ein- fach protestantisch (postlestanttscy)." Posttagernde Briefe find im Gebirge natürlich etwas ganz Seltenes.) „Da treff ich die Dirn und sage ihr, fie soll sich ihren Bries abholen." UeberHaupt werden am Sonntag, wenn die Leute alle in die Kirche kommen, vielfach bet der Gelegenheit Briefe bestellt. Der Adrrffat nimmt fie selber mit oder es besorgt fie ein Nachbar. Ist der Sonntag fchön, bann werben bte Briese, mit einem Stein beschwert, auf das Grab eines Verwanbten auf bem K,rchhos gelegt. Die Bauern holen stch.bte Brieffchaften ab. Ein bösartiger Junge hatte die beiben liebenswürdigen Postdamen tn Klausen in Südtirol bei seiner Mutter verschmäht. Diese wuroe wütend und sagte nun: Die zwei Schlangen lesen alle Briefe, die sollen mir's aber entgehen; keinen Brief und kein Ppket gebe ich mehr auf bei denen, ste sollen nie mehr an mir verdienen, alles trage ich nach Waidbruck auf bte Post (fünfviertel Stunden Weg). Schließlich würbe ihr das doch zu langweilig, und bann gab fie bte Briefe wieder auf bet Klausner Post auf, aber alle fünfmal verpetschiert. Dabei verwendete ste soviel Siegellack, daß em Bries einmal doppelt wog und fie bann Strafporto zahlen mußte, weil der Bries nicht angenommen wurde. Ein Bauer bringt eine Ziege ins Postbureau uns verlangt, ste solle mit der Post fortgeschickt werden. Er kann nicht begreifen, daß die Post keine lebenden Ziegen befördert. Wütend geht er von bannen. Auch folgende- WirtShaus- gespräch ist historisch. Gin Forstmann fängt an:
„Seit wir ein neues Postsräulein haben, hat stch ein ganz gefährlicher Unfug eingenistet. So lange unser Dorf besteht, hat eS protestantische (postrestantische) Briefe nicht gegeben." Der Dorfkrämer meint: „Also gegen unseren Glaube» geht eS schon." Der Forstmann: „Ich weiß ganz bestimmt, daß ein solcher Brief auf der Post liegt, aber die Sxpeditorin will ihn keinem von unS geben, sondern macht ei« Geheimnis daraus. Es ist traurig, daß solche verdächtige Briefe überhaupt von der Post befördert werden. Dagegen soll man meines Erachtens Einspruch erheben." Der Gendarm untersucht die Sache und zieht natürlich ohne Erfolg ingrimmig ab. Ein alteS Mütterlein will ganz frische, in fette« Papier gehüllte Schmalznudeln ihrem Sohn nach Wien schicken: „Gelt, bist so gut und schickst es gleich fort, weißt, es find Weihnachtskücheln, auf die freut* sich der Michel in Wien morgen schon." „Aber, Mutter!, so geschwind geht das nicht." „Ja, dann magst Du halt nicht. Wenn Du nur ein bissel magst, können die Küchel noch ganz gut warm in Wien ankommen." „Aber von Seedorf bis Wien braucht das Paket 18 Stunde», da werden die Küchel doch kalt." „So, bann telegriphierst eben die Küchel!" Das Postfrän- lein klärte nun das Mütterlein auf, daß das nicht ginge. Schließlich meinte fie: „Nun, so schick's halt mit der Post, hier hast einen Zettel." Auf demselben stand: „An meinen liebe» Sohn in Wien." Das Postfräulein meinte, mit der Adresse könne man unmöglich den richtigen Empfänger finde«. Spitz erwiderte das Mütterchen: „So, daS wäre noch schöner! Die Kaiserliche« haben sogar meinen Sohn höchst droben in bet Einöde an der Grenze heraus- gefunden von wegen der Militär, und jetzt tu« re, als könnten fie ihn nimmer, seit fie ihn in'S kaiserliche Klüfte! gesteckt haben. Na, daS gibtS nicht! Du willst halt ein Trinkgeld haben, daS merk ich, aber schau, Posterin, ich hab selbst nichts." ________
Permiidifes.
• Meuz IS HS-de waten ungemein zierlich und fein, wie die ganze Gestalt der Exzellenz Auf Wunsch der Familie find sie unlängst im Atelier von Reinhold Begas abgeformt worden. Menzel arbeitete, gleich Lionardo, mit der Unten Hand ebenso gern und sicher, wie mit der Rechten. Er äußerte selbst einmal hierüber in feiäem Atelier: .Hier rechts an der Staffelet male ich, und zwar mit der rechten Hand, und hier lintS zeichne, radiere und aquarelliere ich, und zwar mit der (inten. Niemand oe mag zu unterscheiden, mit welcher Hand ich etwas gearbeitet habe, eS ist mir völlig gleich.' — Die linte H-md nannte er einem anderen Besucher, Herrn Norden, gegenüber, „seine Liebe': „«18 ich noch alS Kind in BreSlau auf dem Boden herumkroch und mit Kreide Figuren auf ihn zeichnete, da war eS mit dieser Hand. AlS ich 1» Jahre alt wat, fing ich erst an zu malen. Dann «bet gleich mit der rechten Hand. Das erste Bild machte viel Mühe, sehr viel; daS zweite wurde schon bester, und nun ging'S. Und so ist'S noch heute: wenn ich in Del male, immer mit der Rechten, Zeichnen und Aquarell und Gouache immer mit der linken."
* Die Kriminalität deS Studenten. Dieses Thema behandelt der Knlturhistoriter Dr. Manfred Wittich im Jahrbuch der Deutschen Burschenschaft. Die besonders Hohen Zahlen bet Beleidigung und Gewalt und Drohung gegen Beamte bringen den Verfasser auf die Annahme, daß solche Vergehen in dieser traurigen Häufigkeit nur unter der Einwi-kung deS Alkohols zu erkläre« find, und daS veranlaßt ihn zu folgenden, in ihrer Offenheit bemerkenswerten Ausführungen, die dadurch an Wert gewinnen, daß der Berfaffer selbst alter Burschenschaftler ist: „DaS wird jeder zugeben müssen, daß eS der Blüte der deutschen Jugend unwürdig ist, wenn ihr geselliges Zusammensein nicht auf fröhliches Trinke«, sondern auf viehisches Saufen gegründet ist und wenn die» durch einen auf mittelalterlichen PennaliSmu« beruhenden Komment derartig methodisch betrieben wird, daß semesterlang jeder Kneipgenoffe biS zum Erbrechen vollgepumpt wird, sodaß er in halber B- finnungSlostgkett nach Hause taumelt und unter dem Einfluß solcher Alkoholmengen die Herrschaft über stch selbst verliert."
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Emil Seellg
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