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5.Si«"仫. wochenbeiiage:„Illustrierte Sonntagrzeitung"
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51.
Fulda, Freitag, den 3. März 1905.
32. Jahrgang.
Zweites Ml'crLL
a. Das elshMüertjährige MfolinS« ct» jubiläom im Jahre 1855.
(Fortsetzung aus Nr. 34)
7. Die Mission.
" Zur Vorbereitung auf das Fest fand vom 27. Mai bis 5. Juni durch die Jesuitenpatres Roder. Pottgeißer und Hergarten in der Dom- ktrche eine hl. Mission statt. Einladungen zur Teilnahme ergingen an die Pfarreien*) der Stadt und Umsegend.
Am hl. Pfingflfeste wurde die Mission in feierlicher Weise durch eine Predigt des Herrn Bischofs Christoph Florentius eröffnet. Der Gang der Mission war der gewöhnliche. Die Predigten, besonders die Abend- predigten, wurden sehr fleißig besucht. P. Roder wußte durch seine rührende Zusprache das Herz ebenso zu bewegen, wie P. Pottgeißer durch seine scharfe Logik und klare Darstellung d«r Verstand zu überzeugen; den praktischen und eindringlichen Vorträgen des P. Hergarten mußte gleichwohl jedermann seinen Beifall zollen. Auch die Andersgläubigen fanden sich durch die Predigten augezogen und erbaut; es fiel ja auch kein verletzendes Wort; man blieb durchaus bei der Sache, die aber gründlich besprochen wurde.
So erwarben sich die Jesuiten bald das allgemeine Vertrauen, sie konnten die Zahl derer, die stch an ihren Beichtstühlen einfanden, nicht genügen. Gegen das End; der Woche wurde der Besuch der Predigten immer stärker und die Zahl der ankommenden Fremden immer größer.
Zahlreiche Scharen sammelten sich am Postgebäude, um die mst jeder Post neu ankommenden Fremden zu sehen und zu begrüßen. Die Post harte nicht eigene Fuhrwerke genug, um die große Zahl von Fremden, welche Fulda besuchen wollte», gleichzeitig zu befördern. In allen Straßen wogte eS von Menschen; allein man hörte hier nicht daS Lärmen und Toben eines Volksfestes, man begegnete überall Menschen, welche eine überirdische, himmlische Idee, die sie beherrschte, herbeigeführt hatte. Am Sonntag den 3. Juni war während der drei Predigten die Domkirche buchstäblich angefüllt, so daß einzelne Besucher nur noch entweder durch das Seminar oder durch das Dompfarrhaus in die Kirche gelangen^ konnten. Wahrhaft imposant war «8, die ungeheure Volksmenge zu sehen, welche an demselben Abend nach 9 Uhr aus den Pforten des Domes hervorquoll und sich über den Domplatz, die Promenade, den Schloßplatz
*) Dompfarrer Schmitt, Stadtpfarrer «alb HoSpttalSpsarrrr Ney, GarnisouSpfarrer P. Franz Neuster, Landdechant Handschuh (JohaimeSberg), Land- dechant Wagner (Haimbach), Pfarrer KreiSler (Bimbach), Schüßler (Kämmerzell), Gnau (Marbach), «au- marm (Margrethenhann), Wiegand (Dipperz), Renzel Slorenberg), Deigert (Hattenhof), Pfarrverwef« «»er (Petersberg).
«sssssss^ssssssssssssssss^s
Lin bürgerlicher Zahr.
Novelle von Carl Tonte Scapinelli.
3* ------(Nachdruck verboten.)
XI.
Der Hochzeitstag des Fräuleins Ada Heller war gekommen. Loiben war Heller bei allen Borberei- N»gen behilflich gewesen und hatte dafür gesorgt, daß alles möglichst fein und vornehm arrangiert werden sollte.
Er hätte am liebsten für die Hochzeitsgesellschaft daS Diner bei Sacher bestellt, aber Heller wollte bei diese» »nlaffe seine herrlichen Wohmtume zeigen, und so Waren sie schließlich üb«einaekomm«, da» Diner Mar zu Hause za servieren, die Küche aber Sacher zu ftbertragen.
Ritter v. Bachmann hatte stch anfang» al» Bräu» tigrnu in alle» hineingemengt, aber al» er dann sah, Sotten stehe heller hilfreich zur Seite, da hatte er stch beruhigt, Loiben würde schon am besten wissen, wa» er täte.
.Daß er nur net, lieber Papa, eine solche Pim- potthot^M daran» «acht wie seine/ hatte er zwar näselnd einmal zu Heller bemerkt, der aber hatte Wchestch geantwortet:
Lieber Paul, aristokratisch rannst ja d» trotz aller Anstrengung nicht sein, wie Loiben e» im Grund
.Na, schließlich ist er doch nicht» andere», al» unser Heitre de plaisir, al» dein Arrangeur.'
,O nein, er ist mein künstlerischer Beirat.'
.Künstlerischer Betrat? Wa» soll da» heißen — »a ja — meinetwegen!'
Durch die viele Arbeit, die Loiben teil» durch die Hochzeit, teil» auch durch seinen eigeuttichen Berus «wnch», hatte er in der kurzen Zett, die er jetzt
nach der Stadt zu bewegte. Zu bewundern war auch die ruhige und würdige Haltung der Menge, die — freilich unter dem Eindruck der meisterhaften und hinreißenden Predigt des P. Pott- geiget: über die Kirche, — die Hallen der Kathedrale verlaffen hatte.
Fulda war eine glückliche Stadt! Die Festesfreude verklärte jedes Antlitz; man stand ja dem Jubelfesttag so nahe! — als ungeahnt von Kaffel her ein Blitz wie aus hellem Himmel die Festesfreude störte. Am 3. Juni erhiell der Hochw. Herr Bischof ein Schreiben des Regierungsdirektors Heppe, worin derselbe im Auftrag des kurfürstlichen Ministeriums mftteilte, daß das fernere öffentliche Austreten der Jesuiten im Predigtamte nicht gestattet werde und um schleunigste Nachricht über die dieserhalb getroffene Anordnung ersuchte. Als die Predigten, um einen Skandal zu verhüten, ihren Fortgang nahmen, lief ein zweites Schreiben des Regierungsdirektors ein, worin Te. Blschöfi. Gnaden „um sofortige Erledigung des gestellten Ersuchens angegangen' wurden. Der Hochw. Herr Bischof beriet sich hierauf mit , dem Domkapitel und« es wurde ein Domkapitular und der Kapitels-Syndikus nach Kaffel abgesandt, um die getroffene Verfügung rückgängig zu machen. Hiervon setzte der Hochw. Herr Bischof den Regierungsdirektor mit dem Ersuchen in Kenntnis, die Vollziehung der Verfügung betreffend Entfernung der Jesuiten bis zur Rückkehr der Deputation ausschieben zu wollen. Auf diese bischöfliche Zuschrift erklärte der Regierungsdirektor am 4. Juni, daß es nicht in seiner Macht liege, dir Verfügung des Ministeriums eigenmächtig zu sistieren, und daß er, da Se. Bischöfl. Gnaden die nötige Anordnung in der Sache nicht getroffen habe, selbst bereits die erforderlichen Schritte getan habe, um die für heute anaekündigten Predigten, „in möglichst schonender Weise zu verhindern'. Der Polizei- kommiffar hatte nicht nur die 3 bereits anwesenden Jesuiten,-sondern auch den Patere Haßlacher, der soeben angekommen war, und die Festpredigt übernommen hatte, von der Verfügung des Ministeriums benachrichtigen lasten. Da im Weigerungsfall Gewattmaßregeln in Aussicht standen, welche die traurigsten Folgen nach sich ziehen mußten (dem Vernehmen nach soll an jenem Morgen das Militär in den Kasernen konsigniert gewesen fein), so unterblieb die auf 8 Uhr angekündigte Predigt. Auf Befehl Sr. bisch. Gnaden verkündete der Dompfarrer dem bereits lange harrenden Volke, daß eingetretener Hindernisse wegen die Predigt« der PP. Jesuiten unterbleiben müßten, daß aber das auf heute morgen als Schlußfeier der Mission verkündigte Totenamt alsbald^ stattfinden sollte. Die durch diese Mtt- teilung hervorgerufene Trauer des Volkes war groß und allgemein. Zwar wurde die betrübende Nachricht mit jener Ergebung ausgenommen, die einem frommen Volke gqiemt; aber man sah und hörte allgemein, daß dasselbe durch dieses Verbot tief imHe^en und in seinem heiligstenRechte verwundet und gekränkt war Das Totenamt wurde gehalten, das Volk sang mit durch Weinen erstickter Stimme den Meßgesang für die Verstorbenen, und so paßte denn diese Trauerfeierlichkett ganz zur Stim
mung des Volkes, die durch die Maßregel der Stoatsregierung herbeigesührt war. Trauernd verließ es die Kirche.
Hatte dieser Tag so mit Trauer begonnen, so endete er mit der freudigen Kunde, welche die aus Kaffel zurückkehrende Deputation mft- brachte, daß nämlich die die PP. Jesuiten in ihrem Predigt amte hindernde Maßregel zurück genommen sei. Dir Nachricht verbreitete sich schnell in der Stadt und brachte überall die freudigste Bewegung hervor.
(Fortsetzung folgt.)
Permifdifes.
(*) «leine Nachrichten. Halle. In Möckerling brach ein Maurergerüft zusammen. Bon sieben Arbeitern, die abstürzten, wurden 8 schwer verletzt. — Berlin. Ein Kafienbote der deutschen Bank, der 12C0C00 Mark zu befördern hatte, wurde unterwegs überfallen. Der Täter ist verhaftet. Erhandelt stch um einen vermögenden Bauunternehmer John-Freie«, walde. - In Berlin wird fir den Sommer 1907 eine Marine- und Handelsausstellung geplant. Die erforderliche Garantiesumme in Höhe von 3 Mill. Mark soll zu einem wesentlichen Teile bereits vorhanden sein. — Speyer, »ine Landkarte von Europa für die Schule anzuschaffen, bat der Lehrrr eines pfälzisch« Dorfes den Bürgermeister. Dieser berief de» »emeinderat ein, der aber lehnte de» Antrag ab, nachdem ein Hochwohlweiser erklärt hatte: „Meine Herr», ich maan, die AuSaabe bräuchte wer net zu mache, wer waaß, ob jemolS aanS von unfre «inner nach »iroba Kramt.“ — «armen. Die spanischen Schatzfchwindler senden ihre Briefe fortgefrtzt weiter auS. Kürzlich haben Herren in Barmen, Elber- selb, Remscheid und a» anderen Orten «ieder Sendschreiben erhalten, i» welche» ihnen der dritte Teil von 800000 Frank» angeboten wird, wen» sie dazu helfe«, daß ein Koffer, der sich im Depot eine- franMschm BahnhofS befindet, auSgelöst werden kann. -Königs- Hütte. Wie dem .KönigShütter Tageblattt vo» amtlicher Seite mitgeteilt wird, find in der Zeit vom 19. bis zum 25. Februar 6 Erwachsene und 22 Kinder a» Genickstarre erkrantt. 4 Erwachsene und 11 Kinder find gestorben. — Lübeck. Das .Einjährige' er- sungeu. Um seine Künstlerschaft nachzuweisen, sang der bei dem 1«2. Inf -Regiment in Lübeck zweijährig dienende Opernsänger Werner im dortige» Etadttheater den Max im „Freischütz“, und der Beweis galt alS erbracht. — Neuplötz (Pommern). Auf dem dem früheren Landwirtschaftsminister v. Heyden-Eadow gehörigen Rittergut Neuplötz vernichtete ei» Er oßf euer mehrere WirtschaftSHSufer und groß, Setreidevorräte, auch 500 Schafe verbrannten. — Hannover. Eine neue SubmiffionSblüte wird mitgeteilt. Beider Ausschreibung vo» Arbeite» für eine Bahn Kirchrode— Lehrte in Hannover betrug daS höchste Angebot 698182 Mark, daS niedrigste 263555 Mark. — Aachen. Auf der Srube Gouley der BereinigungSgefellfchaft find der Steiger GibbelS, der Gehilfe Funke» und der Ar- beiter Heiliger durch niedergehendes Gestei» verunglückt. Di, Leich,« find geborgen.
• Ei» erschütterndes Bild, erzählt daS .Wiener Extrablatt', eutdüllte eine beim Bezirksgericht Land- straße gegen de« 14jährige« Leopold Winker wegen Bettelns durchgeführte ««Handlung. D« «nab, gesteht, bettel» gegangen zu sei», well er dazu gezwungen war. Der «ate, ist tot Drei kleine Kinder find zu Haufe außer ihm, und die Mutt«, eine Bedie««i», lag krank. Die Kinder schrie«, um Brot. Er fei fottgegange», um ein paar Kreuzer zu erbetteln. Richt«: »Wieviel Kinder seid ihr?' Knabr: .vier.' Richt«: .,»« ist daS älteste?" «nabe: „34!" Richt«: «Ah, so, und da haft Du dir Verpflichtung gefühlt, etwa» herbeizu- schaff«,?" Knabe: ,Za." De, Richt« läßt dann die Mutter rufen. Sie gibt vor Gericht mit« Träne» an,
gewußt zu baden, daß ihr Sohn betteln geh,. Sie hab* ihn aber nicht zurückballen können, da fie zu Bette lag. Dann sei fie eigentlich froh gewesen, daß d« Knabe so mutig war und fortKing. Der Richter sprach den Knabe» frei, weil unwiderstehlicher Zwang oorlag. Mit einem erleichterte» „Küß die Hand" gingen dann Mutt« und Kind zur Tür hinan».
* Ein Brief, der ihn erreichte. Bon eiaem Kämpfer in Südwefiafriko, dem Leutnant v. erhielt der Karlsruh er Stadtrat folgend« launige» Brief: Salkfontei», den 30. Dez. 1904. „Au den Magistrat bet Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe. Trotzdem zu unser« weit vorgeschobenen Abteilung keinerlei WeihnachiSseudungeu gelangte», traf zu mein« großen Freude doch am 24. Dezember eine solche au» der Stadt Karlsruhe in Gestalt eine» Steuerzettels vom 1. Oktober d. I. ein. Um so größer ist mein Bedauern, daß ich augenblicklich nicht in der Lage bin, He geforderten . . . M. senden zu können. Der Grund hierfür liegt in der Eigenart de» H«ero- und Wiiboilande», deren Ortschaften leid« noch imma ohne Reichrbanknebenstellen find. Da nun auch die Militärverwaltung uns ohne SriegSkaffeu marschieren läßt, well man hi« in d« glücklichen Sage ist, o$se Geld leben zu können, ist e» wir nicht möglich, die Summe aufzubringen. Ich bUte deshalb, mit der Zwangsvollstreckung, vor allem, wenn die Zusendung des Bollziehungsbeamten auf meine Kosten geschieht, warten zu wollen, bi» ich Gelegeahett habe, mein Gehalt in Windhuk abheben zu könne». Im übrigen zeichne ich ergebens (gez.) Leutnant v. K., Steuer- munmer 9168.“ — Der Stadtrat bewilligte dem wackere« Osfizi«, d« stch in schwierigen Verhältnissen einen so guten Humor bewahrt hat, mit B«gnügen die gewünschte Z,hlu"g»ftist.
* Der neue Lloybdampfer „Prinz Ettel Friedrich", d« soeben auf fein« Ausreise nach Ostafien allgemeine Anerkennung und Bewund«uug gestochen hat, besitzt eine besondere Attraktion in einem Turnsaal. Dies« sand bei alle» Besucher» da» größte Jnt«effe. Jed«, d« eine längere Seefahrt gemocht hat, weiß, wie sehr man sich an Bord nach gehörig« Bewegung sehnt. Man sucht diese« Bedürfnis zu genügen durch eifrige» Uwherlaufen an Bord und dmch die mehr oder wind« intereffante» Spiele. Sus diesem Dampf« Hoden wir nun die großartigsten Bewegung-Möglichkeiten. Man schwingt sich kühn auf den Rumpf eine» Pferde», auf dem ein Herren- oder Damen,attel mit Steigbügel und Zügeln liegt; ei» Druck auf einen elektrischen Knopf setzt da» .Pferd' n Bewegung, «an kann Schritt, Trab, Galopp retten, e nach Bedarf und Neigung. Od« man faßt zwei Sriffk an, die dmch elektrischen Antrieb in Bewegung gefetzt werden und den ganzen Körper ungeuchm durchrütteln. Ein Rud«apparat ist vorhanden, sowie ein Gestell, auf dem der leidenschaftliche Radfahr« die liebgewordene Tretbewegung leisten und täglich ungezählte Rtlomet« rasen kann. Apparate, em Schwimmbewegungen zu machen, Maschinerie», um Rnwpsdrehunge» zu üben, Gewichtshebeapparate und »och allnlei andere» ist aufgestellt. Da» muß eine gesegnete Verdauung geben, und die exzellente Küche De» Norddeutschen Llryd bekommt ohne Zweifel aa Bord des „Prinzen Eitel Friedrich' noch einmal so gut wie auf den anderen Dampfer».
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Akademie semeatere
nieder in Wien zubrachte, wenig Gelegenhett, mit einer Frau viel allein zu sein.
Diese war wieder traurig, einsilbig, aber fie hatte doch Fritzen» glühende Briefe nicht v«geffen.
Wenn er in Geschäften fern vom Hanse war, oder wenn « in seinem Arbeitszimmer saß und la» und schrieb, dann zog fie heimlich seine Briese heran» und la» fie imw« und immer Wied« und war bei ;enem anderen Fritz, bei ihrem liebe», gemüwollen Fritz, d« oben in Böhmen in der Porzellanfabrik war.
Da lächelte fie oft selig vor sich hin und glaubte den Fritz, d« iw and«en Zimm« saß, übttlistet zu haben. Wenn er fich hundatmal da drinnen liuschloß, wenn « fich noch so sehr in feine Schriften, in seine Arbeiten vertiefte, er war bei ihr, ja, ja, « war bei ihr!
Ja, fie freute fich fast schon, wenn « nach Bachmann« Hochzeit »och in der Nacht wieder nach Böhme» uhr, um einige Tage dort zu arbetteu, dann würde» Wied« die schöne», litten Briese komme», i» denen er ganz ihr Eigen, ganz ihr Fritz vor.
«i Freilich, damal» bei der Fahrt im offene» Fiaker satte fie fich arg verkühlt, hatte fich einen starke» huste» geholt, d« von ihr gar nicht weiche» wollte, o daß man einen Arzt konsultiere» mußte.
.Lungenspitzenkatarrh I* hatte dies« konstatiert, „Schonung, nicht an die kalte Spätherbstlust, a» die kalte Winterluft!'
Und wen» fie fich auch jetzt beff« fühlte, so wollte ie au» ihrem Heim gar nicht mehr heran». Schon gestern abend hatte fie zum große» Aerger Fritzen» am Polterabend bei Hell« nicht teilgenomme» und fich mit Unwohlsein entschuldigen kaffen.
Lotten hatte den Gäste» und Freunde» am Polterabend erklärt, « hoffe, daß seine Frau morgen zur -ochzett wenigsten» kommen könne, daß e» der Arzt erlauben werde.
Die Gäste schmunzelte» wohlwollend, da» wollte
kein« glauben, der Katarrh war eine AuSrede Lottens, der feine Frau, die « aus Keinen Verhältnissen geheiratet, m dies« feinen Gesellschaft nicht sehen affen wollte.
„kindisch von ihm,' meinte d« erste Buchhalt« Heller» zu einem Geschäftsfreund, „e» weiß doch jed« die Geschichte dieser She!'
„Wa» war fie denn früh«?'
„Dienstmädel ob« so wa»!' antwortete der andere.
Auch Bachmann erkundigte fich scheinhettig »ach b« Baronin.
Da» alle» ärgerte Loiben. Er beschloß dab« bei ich, zur Hochzeit seine Frau unter alle» Umständen nttzunehm«, auch wenn ste fich hundertmal dagegen stäubte.
Am HochzettSmorgen ließ er bett bchaudelndeu Arzt kommen unb seine Frau nochmal» untersuch«.
Der meinte, bie Frau Baronin werde sich nicht gerne bae^Betgnftgen am Fest dmch ihn rauben laffen wollen, wenn ste vorsichtig sei, nicht tanze, nicht stch erhitz«, dann dürfe fie schon hin. .
«e lächelte wehmütig, fie wollte ia gar Ächt zu diesem Feste. Wa» gingen fie diese Leute a>, sie war einmal zu solch' einem Seb*« nicht erzogen. , Buhe, Still« finden wollte fie, und wenn Frch dmch seine Erziehung in dies« Sache ander» dach"- wenn « Feste brauchte, bann sollte « kb« Art» ttugchem
„Nein, mein Sind, du hast gehRtt, daß e» Dir nicht- schaden wird - du nngunbebtegt mtt.
„Aber laß mich doch zu Hause. W «4 niemand venniff«, e» wird niemand »ach mir
da irrst Du Dich gewaltig. Alle vermissen Dich, alle frage» «ach Diri Spöttisch, schttu- heilig, mitleidig. „Ach Baron, wa» ist mtt d« Fra» Gemahlin? O, ein« Katarrh hat sie, wie schade, wie schade. Sie läßt fich ab« auch nirgend» sch«! Gcht wohl nicht gern in Gesellschaft s" Ja, ja, so geht da» fort, die Stale glauben, ich schäm' mich de»
armen Mädel», da» ich geheiratet! Und ich — ich bin stolz daraus Witzi, ich wM ihn« zeige«, ste soll« einmal sehen, ob fie Dich heute, toenn Du in grofcr Toilette neben d« andern Damen stehst, vo« ein« gebot«« Fürstin unterscheid« können!'
„»«« ich gch', Fritz, dann bring' ich Dir ein große» Ops«. Ich paffe nicht in diese Gesellschaft, ich kann mich mtt de« Leuten nicht unterhalt«!'
Da lachte Fritz laut heran»: „Richt unterhalt« kannst Du Dich, nicht unterhalt« — eine Baronin braucht sich nicht zu unterhalte«, bie lächelt recht» unb link», wirst ba und dort ein Wörtchen hin, Wt fich bewundern, anhiwmelu, anerzähl«! Bersbchst Dn Mitzi, wa» ich met»e? Hschnafig sein, mußt Du. — Beff«, ste sag« «org«: Die Baronin Loib« ist et» eingebtlbete» Ding, al» fie sag«: fie ist sehr nett, ehr, sehr bescheiden!'
Und so liefe sie stch dem, endlich beweg«, mtt |*t 6X.«’ kaut und Bräutigam staunt«, att fie da» herrliche Arrangement d« Hochzeitstafel fich«, ba» prächtige neue Porzellan, dessen Wieder erweck« Baron Loib« »ar. Schon während de» Platzvehmeu» macht« ihm seine Bekannt« darüb« Kompliment«, bk rotten Gäste ließen stch b« Mann zeig«, und Hel« staub ba, lachte listig und freute sich.
Auch Fra» Mitzi würbe mtt Lobe»au»sprüch« Met ihr« Mau» überschüttet, mtt in ba grobe darüber, ging sie an» sich heran», plauderte üb« die» e* «ei, so daß ihre Tlschnachdar» von ihrem natürlich« Wes« ganz bezaubert war«.
Ein ßchnnngSlos« bemerkte spät« zu seinem ' iachbarn:
„Man kann über die Aristokratinmn sag«, UM» man will, ab« die Safe ist ihn« «geboren und ba »eschumck. «eh« «e nm ba» heimliche Klttd der Bmm» Laib« an.'____ .....
______ (Foetsetznug folgt) L..,___UU