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48. Fulda, Dienstag, den 28. Febmar 1905. 32. Jahrgang.
für die mobilen Truppen 12215 Geldbriefe, 7580 eingeschriebene Briefe und 8053 Pofipakete au» Rußland ein. Zar Absendung gelangten in dem» selbkn Monat 9795 Geldbriefe, 12142 eingeschriebene Briefe und 6294 Po^pakele. Die Zahl der für die Armee eingehenden gewöhn- ltchen Briessendungen beläuft sich auf täglich rund 40000 Stück, ung fähr ebeasooiel Brief« sendungen werden aufgeliefert. DaS Personal des Mukden« PostkontorS besteht auS 23 Beamten und 9 Postillonen. GS wird heroorge- hoben, daß die Empfänger der eingehende« Sendungen infolge der häufigenTruppenoerfchiebuvge» vielfach sehr schwer zu ermitteln find, da die Aufschriften der Feltpofisendungen oft nur mit großer Mühe gelesen werden können und daß der Postdienst in engen Räumen verrichtet «erden muß. Feldpost-Zentralstelle (Sammelfiellch ist das Postlontor in Eharbin. — An Feldtelegrammen nach Rußland wurden von der mobilen Armee 43127 Stück beim Mulden« Telegraphenbureau aufgeliefert; aus Rußland gingen in demselben Monct 55 900 Telegramme sür die Armee ein. Die Zahl der Worte dies« Telegramme betrug mehr«e Millionen. Das Telegraphenpersonal in Mulden besteht au» 65 Beamten und 10 Boten. Es find daselbst 14 Apparate im Betriebe, und zwar 5 Hughes- und 9 Morse-Apparate.
W. Tokio, 27. Febr. 1905. Aus de« mandschurischen Hauplquarti« liegt heute nur eine kurze Meldung vor, nach der die Russen am Samstag und Sonntag die Beschießung de» Feindes fortsetzten. ES herrscht heftiges Schneewetter.
Ausland.
* Ei« internationales landwirtschaftliches Institut will bekanntlich König Btkior Emanuel in Rom gründen. Der soziale und politische Gedanke, der den König bei dies« Handlung beseelte, geht auS den Instruktionen hervor, die die Vertreter Italien» erhielten, an die anderen Mächte zur Teilnahme an den Vorbesprechungen, die im Mai in Rom stattfind« sollen, zu veranlasien. Es heißt darin u. a., eS gelte nun, die Kräfte d« Landwirtschaft z« sammeln und zu ordnen und durch ihre Organisation die größte Macht zu bilden, die die Erde gekannt habe, und fied«organi- fierten Arbetterklaffe entgegenzufiellen. Die ländliche Bevölkerung, heißt eS dann an einer and«« Stelle, sei überall politisch unterdrückt und wirtschaftlich ausgebeutet. Wb« diese Betrachtung«, die die vnkchiedensten Verhältnisse in den ver« fchiedenen Ländern in einen Topf w«fen, wäre manches zu sagen und man kann ihnen nicht ohne weiteres zustimmen, eher jedoch al» da» sozialpolitische Endziel dürften die unmittelbar« wirtschaftlichen Zwecke deS Instituts von Wert sein. Da die isolierte Tätigkeit eines Staate» zum Schutz vor Krankheiten von Gewächs« und Tieren von beschränkter Wirksamkeit ist, so sollen internationale Abmachungen zu ihr« gemeinsamen Bekämpfung getroffen wnden. Ei« weiteres Feld für die Tätigkeit de» Institut» so« daS Versicherungswesen sein; es soll« internationale Gesellschaften gebildet wttden, die durch eine ausgedehnte Ristkoverteilung die Prä- mienfätze, in «st« Linie sür Hagelschäden, - ermäßigen können. Gemeinsame Vereinbarung« sollen weit« sür Forstschutz und gegen bie Verfälschung landwirtschaftlicher Produkte gettoff« werden. Gleiche Bestimmungen sollen in all» Staat« die Zulassung landwirtschaftlicher Einwand«« regeln. Ein internationales Arbeit»- bureau, das üb« Nachfrage und Angebot auf den einzelnen ArbeitSmärkten unt«richtet ist, soll bei der Anstalt eingerichtet w«den, mit de« auß«dem eine landwirtschaftliche Versuchsstation und ein meteorologisches Zentralinstitut verbunden werden soll. Endlich soll Produktion, Verkauf und Kredit durch Ausbildung des landwirt- fchafllichen Genossenschaftswesens geregelt werden..
* Gegen den französischen ikriegSminifter Berte«»vx ist die radikale Preffe Frankreich» sehr aufgebracht, weil «dem General Tournier wieder ein Armeekorps gegeben hat; GenerÄ Andree hatte ihm 1903 daS Clermont-Ferrand« Armeekorps genommen, weil er einen Leutnant nicht bestrafen wollte, der Eombes schwer beschim pst hatte. •-
* Zu« A«ttnrka»pf in Frankreich. Der Erzbischof von Bordeaux hat einen Hirtenbrief «lasten, in dem er in schmfen Wort« gegen die Vorlage üb« die Trennung von Kirche und Staat Einspruch erhelt. — Awtz d« Erzbischof von Cambrai spricht fich « einem Hirtenbrief für bte Aufrechterhaltung o* Konkordats auS, das ein wahrer Friedens verttaG fei; aber «en» es fein müffe, fo «erd« die
Der ruffildi-JapaiL Krieg.
Auf dem Kriegsschauplatz find jetzt die Japaner zum Angriff üb«gega«gen und mit Glück. Schon am Freitag waren die Ruffen genötigt, einen wichtigen Stützpunkt bet Tfinchen- chen aufzugebrn und fich zurückzuziehen. Inzwischen find die japanischen Linien nicht nur in d« Front vorgerückt, sondern eine größere ja- panische Abteilung hat auch b«eitS den linken Flügel umgang« und steht bereits im Rücken KuropatkinS hinter Mukden. Wir verzeichnen folgende Meldung:
.Reuters Korrespondent in dem russtschen Hauptquartier berichtet über Shengktng: In der Front und westlich von Tieling (nordöstlich von Mukden) wird der Kampf fortgesetzt. Auf dem äußersten östlichen Flügel haben die Japaner die äußersten russischen Stellungen genommen, fie bedrohen jetzt auch die HauptoerteidigungSstellen. AuS d« Heftigkeit deS Angriffs wird geschlcffen, daß Sc- netal Nogi mit der Artillerie von Port Arthur die japanischen Streitkräfte befehligt. 40 Verwundete find in Mukden heute eingetroffen, 400 werd« morgen erwartet. Auch andne Zeichen deuten darauf hin, daß ein größerer Kampf im Gange ist. Den ganzen Tag über herrschte furchtbarer Schneesturm.
Mtntsterpräsisent Graf Katsura-Tokio drückte in einer Ansprache an die Gouverneure dn Präfekturen sein volle» Settrauen darauf aus, daß der Fall von Port Arthur die Macht Rußland» in Ostasien tatsächlich gestürzt habe. Die Lage b« Russen sei nunmehr hoffnungslos, ab« ihre Abficht fei natürlich, dm Kampf im Vertrauen auf ben Eintritt einer günstigen Wenbung des Geschickes forlzusetz«; Japan dürfe deshalb weder in seiner Wachsamkeit noch in seinen Anstrengungen nachlaffen, da eS noch weit von der Erreichung seines eigentlichen Ziele» entfernt sei, welches darin bestehe, einmal den vollen Nachweis zu führen, daß eS fähig sei, sich selbst zu schütz« und sodann daunnden Frieden im fernen Osten zu erlang«. Glücklicherweise habe im Laufe der 12 Monate, die dn Krieg nun dauere, daS Land eine Elastizität seiner HülsSquellen dar- tun können, welche für feine Berechtigung, den Kampf unentwegt fortzufetzen, Gewähr leiste.
lieber ben Umfang bei Poft- nnb Telegraphenbienftes für die in d« Mandschurei stehende rusfischeArmee berichtet die ,6t. PeterSb. Ztg/ folgende intneffante Angaben. Im November 1904 trafen in Mnks«
Deutliches Reich.
Berlin, den 27. Februar 1905.
§ Der Prinz Regent von Bayern hat nach Annahme der HandelSvei träge durch ben Reichstag nachstehendes Handschreiben an ben Reichskanzler Grafen von Bülow gerichtet: „Lieber Graf von Bülow! Mit d« Annahme d« neuen Handelsvnträge können Euere Exzellenz auf ein Werk zurück blicken, das zu ben schwierigsten unb mühevollsten der Staatekunst gehört. Ich hoffe zuonsichtlich, daß die für die wirtschaftliche Entwicklung des Reiches fo bedeutsamen Verträge für alle ErwerbSstände unseres deutsch« Vaterlandes von segensreicher Wirkung sein werden. Da» Verdienst, dieses große Werk dmch alle Schwierigkeiten hindurchgrsührt und zum glückliche» Abschluffe gebracht zu haben, gebührt vor allem Euer« Exzellenz. Es gereicht mir zur wahren Freude, dies auszusprechen und Sie zu diesem neuen Erfolge Ihres mühevollen und auf» opfernden Wirkens herzlichst zu beglückwünschen. Mit der Versicherung besonderer Wertschätzung München, den 24. Februar 1905 Ihr wohlgeneigter Luitpold, Pr. v. Bayern.- Der König von Sachsen und der Srrßherzog von Baden sandten Glückwunschtelegramme. Fern« ließen dem Reichskanzler glückwünschende und dankende Kundgebungen zugehen der Vorsitzende deS bayerischen MinisterratS Frhr. v. PodewtlS zugleich im Namen der bayerischen Minister, der Prästdent deS württeir bergischen Staotsministe- riums Dr. von Breitling, der Präsident des badischen Staatsministeriums von Brauer, das Sroßherzoglich mecklenburgische Staatsministerium u. <?. m.
* Die am 28. Juli 1904 unterzeichnete Zu- satzkonvention zu dem 1894 zwischen Deutsch- lanb nnb Rußland abgeschlossen« Vertrage üb« Handel und Seeschiffahrt ist wie die Pet«s- bürg« Telegraph«-Agentur meldet, am 23. Febr. durch den Kats« ratifiziert und die Ratifikation nach Berlin abgesandt worden. Der Austausch b« Ratifikation erfolgt am 28. Februar.
* Eine eigenartige Kontrolle. In ben Reichrlanb en veranstaltet man amtliche Erhebungen über bie Feiern in den einzelnen Kret- fen. Die Erhebungen geschehen durch die Gendarmen am Tage nach Kaisers Geburtstag und War mittels hektographierter Fragebogen. Die Fragen lauten etwa so: »Wurde in dem Gottes- dienst am Sonntag den 22. Januar, auf das Kaifersest Bezug genommen? fand ein Festgottes, d enst au dem betreffenden Tage statt und hat die OrtSgeistlichkeit daran teilgenommen? Waren die öffentlichen Gebäude beflaggt? Fand ein daukelt an dem Orte statt? Wieviel nahmen daran teil unb wer hat den Toast gehalten? Ist der Tag sonst ruhig verlaufen? Ist am Vor- abend deS Festes und am Morgen des Tages geläutet worden? Der ganze Charakter der Fragen zeigt, daß man in erster Linie die Katholiken kontrollieren will. So etwas stößt nur ab! Kaiserseste lassen fich nicht auf« »ötigen; erzwungene Feste schaden mehr als fie nützen!
** Gtimmungsbilb ans dem Reichs- tage. Aus dm Zuhör« - Tribünen doppelt bis dreimal so viel, am BundeSratslische mindestens ebenso viele Personen wie im Saale selbst, das war heute, am Tage der Berliner Domweihe, d« Reichstag, auf dessen Tagesordnung zunächst der Rest deS Marine - Etats stand. Etwa eine Stunde lang werden die mit den Bräuchen des . hohen Hauses' unbekannten Zuhör« sich nicht 1 klein gründlich gelangweilt, sondttn nicht einmal geahnt haben, was da unt« eigentlich vorging, xlmmer umschichtig murmelten d« Präsident und d r Berichterstatter der Kommission einige Sätze, beide sichtlich bestrebt, ihre Lunge nicht mehr an» zufireng«, als unbedingt erforderlich war, um d« Stenographen zur Not v«ständlich zu w«den. Aus dem Hause redete niemand einen Ton. Der Prästdent rief die einzelnen Titel auf, gab dem Berichterstatter das Wort, der etwas üb« die von der Kommission gemachten Abstriche sagte. »Niemand meldete fich weiter zum Worte. Die Diskusfion ist geschloffen. Wir kommen zur Abstimmung. Ich bitte, daß diejenigen Henen fich «hebe», die entgegen dem Kommisfions-Anträge fo und so viel bewillig« wollen.- Niemand «- hebt fich. „®a8 ist die Minderheit. D« Kommisfions • Antrag ist angenommen. — Ich rufe auf Titel so und so ... . Der H«r Vericht- «statt« hat daS Wort." In dieser Weise ging es, wie gesagt, etwa eine Stunde lang sott, nur daß allein der etwa» von den Vorgängen und
Wort« v«stand, d« „parlamentarische Erfahrung" hatte und wußte, worum es fich handelte. Dann folgte eine kurze Verhandlung über den Etat von Kiautschou, an der fich außer dem Berichterstatter endlich doch auch einige Abgeordnete und Herr v. Tirpitz beteiligten. Mittlerweile hatte fich Staatssekretär Graf o. Posado wsky eingefunden. Die „Blaujacken" zogen ab und es begann die Beratung des Etats des Reichs« amt es des Innern, die, nach früh«« Erfahrungen zu schließen, wenn es gut geht, in etwa 14 Tagen bis 3 Wochen zu Ende fein wird. Aller Welt wäre es natürlich weit lieber, wenn man mit einer Abkürzung dies« Frist überrascht würde, aber der Anfang sah nicht danach aus. Die elften beiden Reden nahmen gleich 21/8 Stunden in Anspruch. Sie waren sozialpolttischer Natur und knüpften an die Berichte der Fabrik- Inspektoren an. Morgen und die folgenden Tage Fortsetzung dieser unb verwandter Themata nebst Parteikampf, da die Sozialdemokraten keine Rede halten, ohne das Zentrum anzugreifen, seine Sozialpolitik zu verdächtigen ttrb seine Vorschläge als ihr geistiges Eigentum in Anspruch zu nehmen.
(Wettere politische Nachrichten finde» unsere Leser im Zweiten Blatte. D. R)
Aus dem Reichstag.
150. Sitzung vom 27. Februar 1905.
Die Sitzung b-ginnt heute mit Rücksicht auf die Feier der Einweihung deS Domes erst um 21,'« Uhr.
DaS HauS ist bei Begin» der Sitzung sehr schwach besetzt. Tut besetzt find dagegen die BundeSratsttsche, und zwar nicht nur durch Kommissare auS dem Reichs- marineamt, sonder», da gleichzeitig der «tat deS Reichsamts deS Inner» auf der Tagesordnung steht, auch durch zahlreiche Kommissare dt>seS R-ffort».
Die Beratung wird fortgesetzt beim Kapitel „Werften-, (Gehälter, Löhne ufn>.)
«ine ganze Reih-- Titel, über die der Berichterstatter Freiherr v. Thünefld eir gehend referiert, wird ohne Debatte erledigt.
Den Titel „perfionSsähigr Zulage" von je 1150 Mark an 29 Fregattenkapitäne, dessen Streichung am Samstag aus Antrag deS Abg. Sroeber (Ztr.) erfolgt war, brantragt Abg. Graf Oriola (natl.) heute von der Tagesordnung ab,»setzen.
Die Position wird von der Tagesordnung abgesetzt. Der Rest deS MartneetatS wird debatteloS »ach dem Beschlüsse derBudgetkommisfio» bewilligt.
«8 folgt der «tat für Kiautschou, der nach kurz« Debatte berotUtet wird.
Abg. Dr. Eichhoff (fr. Bp.) «kannte an, daß daS Geld, daß man in Kiautschou htuetngrfteckt habe, rationell und mit gutem Erfolge angewendet fei; die Entwicklung von Kiautschou berechtige zu den beste« Hoffnungen.
Abg. Gröber (Ztr.) machte darauf aufmerksam, daß fich in Kiautschou die Heranziehung von Lairn zur Rechtsprechung in Zivilsachen ausgezeichnet bewährt bade; weiter befürwortete er eine Kodifikation deS KolonialrechlS.
ES folgte der Etat des RetchSamtS deS Inne rn.
Zum Titel „Gehalt deS Staatssekretärsliegen nicht weniger al; 20 Resolutionen vor, die fich auf die verschiedensten Gebiete dieses writschichtigen ReffortS «streck«.
«bg. Erzb-rgee (Ztr.) gab eine eingehende, von gründlichem Srudmm zeugende Ueberficht üb« den In- halt der Berichte der Sewerbe-AuffichtSbeamt« Er stellte u. a. fest, daß die uutrre Brrwaltuugsbehördrn an der Zulassung von Ausnahme» von der Sonntagsruhe vielfach zu weit gingen; um eine energische Durchführung der Gewerbeaufficht zu gewährleisten, forderte er eine Vermehrung der Fabrtkinspektore» und die Heranziehung von Aerzt« und Arbeitern zur Gewerbe- aufficht. Schließlich forderte d« Redner eine kräftige Beschränkung de» Haufiei handel?, und speziell deS LolportagebandelS.
«bg. Wurm (sozd.) nahm bte Berichte der Se- werbeinspekloreu zum Anlaß, um lebhafte und scharfe Beschwerde» über das Unternehmertum und die lässt,e Sozialpolitik d« Regierung vorzubringe». Zweifellos war mauch-S von dem, waS er sagte, durchaus berechtigt, aber in vielen Punkten fch-ß der Red»« doch überS Ziel hinaus. Bei seinen Ausführung« war daS HauS nahezu leer.
Hieraus wird die Weit«b«attm> auf Dienstag 1 Uhr vertagt.
Schluß '/.7 Uhr.
Bus dem Landtag.
Abgeordnetenhaus.
149. Sitzung vom 27. Februar 1905.
Mit Rückficht auf die Einweihung de» neu« Berliner DomrS beginnt die Sitzung «ft um 21/» Uhr.
Fortsetzung der Beratung deS KultuselatS
Z «nächst werd« die Abstimmungen t>ot genommen über die am SawStag erörterte» Anträge betreffend Seminar- und PräparandenanstaltSlehr«. Die Abstimmung« war« am SamStag wegen d« schwach« Besetzung deS HauseS unterblieben
Auf Antrag Zedlitz (fit) werden Petition«, die eine Ausbesserung dieses LehrpersonalS, sowie Schoffang ein« zweit« Oberlehrerstelle an jedem Seminar verlangen, der Regierung zur B«Lckstchtigu»g überwies«. (Die UnterrichlSkommisfiou hatte Erwägung bcan» tragt)
Ein Antrag Gruft (fr. vgg.), d« sür die Hälfte der Semiuarlehrer Rang und Gehalt d« Okerlehrer fordert, sowie weiter für die Zulassung zm» Univerfi- rätsstudimn eintrat, wird abgelehnt.
Ein weit«er Antrag Zedlitz, d« die Regierung ersucht, die neuerdings einem Teil der Seminarlehrer zuzemendeten Zulagen als peufionSfähig zu erklären, wird der Budgeikommisfiou überwiesen.
Beim Kapitel Schulaufsicht gab eS nochmals eine Debatte für und geg« die geistliche Schul- ausficht.
Abg. GeiSl« (Z.) hiett feine neuliche Behauptung, daß die Mehrzahl der katholifch« Lehr« für die geistliche Schulaufsicht fei, aufrecht.
Auf d« Gegenseite wurde wted«holt hingewtes« auf die bekannte abweichende Stellung der Zettfchrift .Schulfreund', sowie deS katholische» Berlin« Lehrer- vereinS.
Abg. b. Taviguy (Z.) bat den Kultusminister, dahtuzuwtrk«. daß in dm hauptamtlich« KreiSschul- tnsp'ktionkstell« nach und «ach meyr Geistliche an- gestellt würde». Er konnte darauf Hinweisen, daß mit dieser Einrichtung bereits auf verschied«« Stell« gute Erfahrung« gemacht find. SS fei dieS da Mi telroeg, um der Kirche den ihr zukommend« Einfluß an der Schulverwaltung zu sichern.
Abg. Hi.sch Esse» trat danach alS Anwalt katholischer Lehrer Ja Duisburg auf, die fich dadurch beschwert fühl«, daß fie ihre Schul« beim sonntäglich« Gottesdienst beaufsichtigen müffm.
Ministerialdirektor Schwarzkopff stellte daraufhin fest, daß seit 24 Jahr« rin Ministertalerlaß bestehe, wonach soviel Lehrer alS zur Beaufsichtigung notwendig find, am Schulgotterdienft teilnehme» müsse». Diesen Standpunkt habe der Minist« auch de» DuiSburg« Lehrer» gegenüber eingerwmm« und bekundet.
D« Schluß der heutigen Sitzung bildete eine Debatte über die Ostmarkenzulage.
Die Regierung hat dem Drängen auf Erweit«u»g deS BeamtrnkreifeS, der diese widerruflich verlieh«« Zulagen «hüll, in diesem Jahre etwas »achgegeb« und daS Lehrpersonal an den Mittelschule» und bm höheren Mädchenschulen einbezopen.
Ein Antrag Gruft (freis. Bgg ) verlangt die Erhöhung der Zulagen für die Lehrer. Der Amragstell«, ben bte Abgg. Viereck (freit) unb v. Stauby (kons.) unterstütze», meint, diese Erhöhung sei daS einzige Mtttel gegen die Landflucht der Lehr« in den gemischtsprachigen Provinz«.
Kultusminister Stadl ist anderer Anficht; « erklärte die Zulagen alS ausreichend und glaubt, die Vermehrung der Lehrerbildungsanstalten werde allein schon die Wirkung hab«, daß man in absehbar« Zeit genug Lebr« für die Ostmark« habe.
«bg. MizerSki (Pole) schilderte kroß da» Spionage system, dar als Folg ebei Osteom kenzulagen ein gerissen sei. Man solle b« Beamte» in ben Ostmark« statt widerruflicher Zulag«, Gehaltsaufbesserung« zuwend«.
Die Wetterberatung wird hierauf auf Dienstag 11 Udr »«tagt.
Schluß 6 Uhr.