Mouatsbellage: „zuldaer GeschichtsblStter^
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Fulda, Montag, dm 27. Februar 1905.
32. Jahrgang.
LS
------(Nachdruck verbot«.)
IX.
Lin bürgerliches Jahr.
Novelle vo« Earl Conte Scapinelli.
Der ruHifdi-Japan. Krieg.
Hebet eine neue Niederlage der Reffen berichtet die Petersburger Telegraphrn-Agentur: Nachdem Donnerstagabend die Japaner den Hügel BereSnevSk angegriffen hallen, aber zurückgeschlagen worden waren, erneuerten fie am Freitag den Angriff auf der ganzen Front der Abteilung bei Tfinchenchan heftig mit überlegenen Kräften und zwangen die Russen, ihren Stützpunkt, den Hügel BereSnevSk, zu verlassen. DaS Gefecht wurde auf beiden Seiten erbittert geführt.
Idee Früchte tragen würde, hauptsächlich des junge« MannrS wegen.
Immer wieder fing er davon zu reden an.
Plötzlich iarte er:
„Wie ich Sie heute nachmittag ankommen sab, da dachte ich, Sie wollte» bei wir für Ritter v. Bachmann den Fürsprecher machen. Der Herr hat mir nämlich geschrieben, er werde sich erlaube», mich in einer wichtigen Angelegenheit heute nachmittag hier ouszusuchen."
„Unb da glauben Sie, Herr Kommerzienrat, daß ich alS Fürsprecher nötig wäre, respekt-ve, daß er von Ihnen etwas wolle?- sagte Laiben lächelnd.
„Selbstverständlich will er war, und wenn solche Leme wie Bachmann sich ankü-digeu, sich so feierlich anlüadigen, dann wollen fie Geld — oder die Hand einet Tochter!"
„Wa- im Grunde doch gleichbedeutend ist," scherzte Loiben.
„Dai dari man nickt immer sagen/ weinte Heller gutmütig. „Glauben Sie wirklich, ein Bater, und wäre er hundertmal ei« steimeichrr Fabrikant, gäbe einem seine Tochter, wmn er't wüßte, er nähme fie nur de» Gelder wegen? Wenigsten» auf einer Seite muß doch Liebe da sein, na, und meine drei Fräulein find alle Hal» über Kopf in de» Herr« v Bach- mann verliebt; ist auch kein Wunder, er ist kein übler Kerl, Weiß sich charmant zu benehmen, hat etwa» Ruhige», fast „Abgeklärte-- an fick, eine schöne Stelle, eine» gmen Namen l Herz, wo» willst« noch mehr?-
„3a, ja, lieber Laibe», zum Sentimentalsein, da hat unsereiner keine Zeit. Und schließlich, wenn man sich selbst drum kümmern muß, wenn man, wie ich, keine Fran, sondern eine alte, linkische Schwester statt dieser im^Hon» hat, dann muß man schon gedacht haben, ehe die andern zu denke» ansavgen. Schau'» Sie mal da durch'» Fenster hinau» in de» Garten, wa» fich im zwanzigsten Iahrhnndrrt noch für gd ylleu
abspielen, tnde« wir da im schöben Landhaus un» mit Geschäften amüfieren: Bachmann lustwandelt mit meiner Tochter Ada zwischen den Rosensträucher»; beide scheine» davon fest überzeugt, dav fie fick liebe», fie fürchten nur noch, daß der strenge Papa ihnen wieder- spreche» könne. Nein, meine Liebe», da könnt ihr ruhig sein, der widerspricht niemals; nur Mut, Bachmann, nur Mut, lieber Paul, kommen Sie mal herauf zu mir — ich will kein Unmensch fein!*
So sprach Hiller fort, bald zu fich, bild zu Loiben.
Auf einmal klrpste e» an der Tür; ein Diener trat ein uud meldete, daß Ritter v. Bachmann Herr» Kommerziemat spreche« wolle.
„Wa« hab' ich gesagt?!- meinte Heller lächelnd, „Ich taffe bitten!"
Rasch empfahl fich Loiben von diesem.
.Lustwandeln jetzt Sie ein bische» unter de» Rosen boit unten,* fügte Heller noch bei, „denn hem' lass' ich Sie nicht wehr nach Wien.zmLck; hem' find Sie mir ein hoppelt kostbares Stück ge- moiben, da» man nickt so mir nicht» bir nicht» mit bem Lokalzug nach Wien fahre« läßt. Vie nimm' ich mir morgen ober «rch brffer übermorgen früh in Fiaker nach Wien mit"
„Herr Kommerzienrat, meine Fra« wirb mich daheim erwarten.*
„Dana telegraphieren Sie ihr, fie sollte »och rasch zum Souper herausfahren; e» gäbe eine große lleberraschung, eine Verlobung ober so etwa» Aeha« liche».'
Eben trat Bachmann ein. „Berzeiheu Sie, Herr Heller, verzeih', lieber Snben — ick stör' doch nicht, da» wäre mit furchtbar unangenehm. Aber bitte, bleib' doch, Fritz, nein wirklich, bleib' doch, ich hab' ja keine Geheimnisse mit dem Herrn Kommerzienrat. Also Servu?, vielleicht später l-
Loiben huschte rasch zur Tür hinau» und schrit in den Garten, wo er Fräulein Ad» Heller mit
Die letzte Woche war, so meldet be* steutersche Korrespondent, im Lager des General Kuroki über Fusan unterm 24. d. Mts., eine der ruhigsten an der Front feit der Schlacht am Schao. Beide Armeen haben da» Artillerie« euer fast gänzlich eingestellt, nur wenige Schüsse wurde» gehört. Am Freitag wurde dagegen auf dem linken japanische» Flügel daS 8cm« bardement in der Richtung »ach dem Hunho wieder ausgenommen.
Der Londoner .Daily Telegraph' meldet auS Sinminting: In der Nacht deS 22. Februar näherten fich 200 Kosaken der Eisenbahnstation i!lchsawo, zwischen Sinminting und Kaopantse. Von einem Tschungusenlager, das in der Nähe war. fielen 1200 Mann über die Ruffen »er, die fie mit großem Verlust zurück« chlugen; die Kosaken, die nur zwei Mann verloren hatten, gingen am Nachmittag wieder über den Fuß Liao zurück.
I» einem Telegramm deS Generals Knro- »atkin an den Kaiser vom 25.Febr. heißt eS: Der AbteikungSkommandeur der Truppen, die an den Kämpfen vom 23. und 24. d. MtS. um den Besitz des BereSuewSk- Hügels teil» nahmen, meldet zahlreiche Beweise der Tapferkeit, so schlug eine Kompanie, die den Paß Selin, S Werft südwestlich von Tfinchenchan verteidigte, mehrere Angriffe der Japaner, die mit überlegenen Kräfte« unternommen wurden, einen sogar erst 15 Schritt vor der Vertetdi« gungSltnie zurück. Zwei Kompanien, die den Beresnewsk'Hügel verteidigten, hatten einen hartnäckigen Bajonettangriff auszuhalten, wobei die beiden KompaniesÜhrer verwundet wurden, der eine durch einen Bajonettstich in die Hand. Mit Gewalt mußten fie von dem Rest der Kontpanie fortgefühtt werden. Heute abend fingen die Spitzen der Japaner an, fich den von uns besetzt gehaltenen Päffen zu nähern.
W. Petersburg, 26. Febr. 1905. Die PeterSb. Telegr. Ag. meldet au» Sachetun: Die Russen räumten am 26. Februar früh Tfinchenchan und »ahmen eine Stellung bei San« lunju ein. Tfinchenchan wurde fofort von den Japanern besetzt. Die russtschen Verluste find noch nicht festgestellt. Im Lazarett wurden bisher 12 Offiziere und 300 Mann elngelhfert. Der Prozentsatz der Gefallenen ist sehr groß. Von einer Kompagnie find nur einige Dutzend Mann unversehrt. Drei Kompagniechefs find verwundet. Gegen den rechten japanischen Flügel, der den linken russtschen Flügel zu umgehen drohte, entsandte Kompagnien hielten den Vormarsch deS Gegners auf und zogen fich erst zurück, nachdem fie alle Patronen oer« schosse» und den schriftlichen Befehl erhalten hatten, ihre Stellung zu räumen. Heute ftüh rückte eine japanische Abteilung gegen den Sa« pinlin-Paß südwestlich von Sanlunju vor. Starke japanische Streitkräfte find am Pupulein« Paß und in der Nähe von Tabaju konzentriert, wo die Japaner anscheinend Befestigungen anlege».
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Zernfprecher Nr. 9.
Bus dem Landtag.
Abgeordnete«»«»».
148 Sitzung vom 25. Februar 1906.
Eröffnung 11'/« Uhr.
Fortsetzung der Beratung de» RuItuSetat» beim Kapitel Elementar vnterrichtSwesen.
„Sa, lieber Freund-, tagte Heller zu Herrn 'p. Loiben, der mit ihm am SawStag nachmittag» in dem Rauchzimmer der Badener Billa faß, „Sie habe» ganz recht getan, mich in dieser Angelegenheit hier auszusuche«, da» »st etwa», wa» wir wie zwei Freu" de bei tinet guten Zigarre besprechen wollen. Die Idee ff! glänzend, da» muß ich sage», e» steckt eine Menge Arbett zwischen diese» Zellen, in denen fie mir die Sache uä er erläutern. Und ich glaub' auch, ich werb' et riskiere» unb versuchen, diesen Ärt-kel zu erzeugen-.
„Selbstverständlich müffe» meine Chemiker draußen auch zuerst die Bersuche mache», wen» die Erfolge wirtlich so find, wie fie sage», daun machen wir beide ei« Geschäft damit-.
6t sah Loiben wohlgefällig lächelnd a». „Sagen Me wir Baron, woher Sie die Energie und de« Utat zu der Sache nur so rasch bei der Hand gehabt hecke»? « Kraftmensch find Sie, ja wirtlich ein Kraftmensch! Und wer bei seinen Bersuche« schon soviel Grsolg und Glück hat, der hat'- auch mit d r Sache selbst. Wa»? Geld verdiene» ist dock wa» Scköuer?! Ja, jfl, da» hat seine« Jgenen, prickelnde« Reiz!"
Dann begann et wieder:
„Ei» famoser Kerl find Sie, Baron, alle Achtung, all« erdenkliche Achtung und Hochschätznug vor Ihar»! Sie find mal wiener einer von de» Aristokraten, die »NS Bürgern so recht zeige», daß fie, sobald fie m t Echt wa» verfolgen, eigentlich doch zehr mal weht et- reiche« alS wir!*
Der alte Herr Hiller hatte an Loiben wirklich eine ehrliche sichtliche Freude. Er wünschte, daß Locken»
Aus dem Reichstag.
149. Sitzung vorn 25. Februar 1906.
Eröffnung l1/* Uhr.
Auf bet Tagesordnung steht die Beratung deS Marineetat». DaS Hau» ist »och schwächer besetzt alS gestern. Auf der ersten Reihe der für den Bundesrat bestimmten Sitzreihen thront einsam der Staat»- lekretär deS ReichSmariueamtS vo» Tirpitz; auf der zweiten Sitzreihe haben ein paar Dutzend Kounniffare au» dem Marineamt, mit denen der Staatssekretär daun und wann konferiert, Platz genommen.
Abg. Frhr. v. Thüuefeld (Ztr.) berichtet über die Berhandlungen der Sommiffiv».
Abg. Bebel (sozd.i wünscht Auskunft über die Frage, in welchem BerhältuiS der Flottenverein zu de» verbündete» Regierungen stehe. Redner führte fodan» eine scharfe Kritik des Flottenvereins uud feinet jüngsten Agitation für die ungemeffene Vermehrung unserer Flotte. Er bezeichnete diese Agitatio», welche nur zu neuen Steuern für die Unbemittelten führen könne, al» eine „schamlose Politik'.
Staatssekretär de» ReichSmarineamtS v. Tirpitz hielt mit seinem Bedauern über idaS Borgehen des FlotteuvereinS oder doch eines Teile» desselben nicht zurück. Die Aufstellung einer bestimmten Programm» für die Flottenvermehrung fetten» des Flottenverein» sei unzuläsfig. Der Staatssekretär versichert" mit Bestimmtheit, daß die Regierung von der Agitation deS Vereins nicht beeinflußt werde. Der Staatssekretär versicherte auch, daß man an höchster Stelle fich keineswegs mit allen Kundgebungen deS Flottenverein» identifiziere.
Abg. Gras Oriol« (natl.) trat für den Flotten« verein ein, der lediglich nationale Ziele verfolge. Eine neue Flottenvorlage werde mau fachlich prüfen.
Adg. Gröber (g.) ging mit dem Flottenverein und der Art und Weife feiner Agitation scharf in» Gericht. Die letztere verdiene tatsächlich die Bezeichnung gemeingefährlich. Mit beißender Ironie verwies der Redner die Herren vom Flottenverein darauf, doch eine .großzügige Agitation" für die Deckung der Kosten der Flottenvermehrung durch die leistungsfähige», potenten Leute einzuleite». DaS wäre wahrhaft „patriotisch". Neber die angekündigte neue Vorlage werde man erst dann zu reden haben, wenn man ihre Einzelheiten und ihre Begründung kenne.
Der Kritik deS Flottenverein» schloffen fich die Redner /der beiden freistnuigen Parteien an, während die Abgg. v. Kardorff, Dr. Arendt (Reichspartei) und v. Norman« (konf.) für de« Flottenverein ein« traten, freilich mit einer gewissen Zurückhaltung, die nicht alle Kundgebungen de» BereinS billigte. Stellung zu der kommenden Marinevorlage zu nehme», wurde von alle» Seiten abgelebnt. Doch wurde ebenso allseitig die DeckungSfrage in den Vordergrund gestellt.
Arn Schluffe der Debatte kam eS »och zu einer scharfen persönlichen Auseinandersetzung zwischen dem Abg. Müller-Sagau (stets. Vp.) und Arendt (Rp), an die der PrSfideut Gras v. «allestrem den Ausdruck deS Bedauern» über den „Ton" knüpfte, der zuwelleu in der Diskussion angeschlagen werde.
Der Titel „Gehalt deS Staatssekretär»- wurde bewilligt.
I» der weiteren Debatte wurde vo« sozialdemokratischer Sette Klage geführt übe« ungenkgende Löhne der Werftarbeiter.
Staatssekretär v. Tirpitz trat diesen Ausführungen rntt bestimmte« Zahlenaagaden entgegen.
Daraus wurde die Weiterberatung auf Montag vertagt.
Schluß '«7 Uhr.
Abg. Ernst (st. «P.) spricht stch für die Abschaffung der geistlichen Schulaufficht auS.
Abg. v. Hage« (Z) bringt die AuSnahmestellnug deS katholischen Lehrerseminars in Osnabrück zur Besprechung in Unterschied von dem evangelischen Lehrerseminar am selben Orte bezüglich Erteilung der Be- rechtigung zum einjährigen Dienste.
Ministerialdirektor Dr. Schwarzkopff erklärt al» Grund der bisherigen Verweigerung, daß genanntes Seminar bislang den Rormalplan nicht «»genommen habe. Rach dieser Richtung sei eben eine «enderung in die Wege geleitet uud eS werde nach Ordnung de» Lehrpläne» der gleicheu Behandlung der decken Semi« natien in Osnabrück nichts mehr im Wege stehen
Son freisinniger Seite wurden alle möglichen mit dem BolkSschnlwesen in Verbindung stehenden Fragen mehr ober weniger auSgiebig behandelt: so Konfessionsschule, UniverfirälSdiidung der VolkSschnl- lehrer, Schulaufficht und Lehrerbesockung.
Abg. Frhr. v. Zedlitz suchte den Nachweis zu erbringen, daß die preußische Ges^gebung bislang aus dem Staudpuntte der Konfesfionsschule stehe.
Abg. Dr. Arendt (stk.) sagte, die StaatSschule sei alS Ziel zu erstreben, nicht Beranstalttmg der Gemeinde dürse die Schule sein.
Ab,. Hoheisel (Z.) bespricht die Sehallsverhätt« niffe der Landlehrer und empfiehlt warm die Aus« befferung durch EtaatSzuschüffe. Weiter regt er Zahlung von Prämien für Lehrer au, welche fich be- SiderS auf dem Gebiete der Bereinigungen für die ulenttaffeue Jugend verdient machen.
Bezüglich einer Petttton um 1. Anerkennung der Seminare alS höhere Lehranstatten, Gleichstellung der Seminardirettoren mit de« Direktoren an höheren Lehranstalten in Rang und Gehalt, 2. Erhöhung deS GehalleS der Seminarlehrer, 8. Verleihung von Titel und Rang eines Oberlehrer» an die dienstältere Hälfte der Seminarlehrer und der Präparandenanstaltsvor- steher wird teil» Erwägung, teil» Tagesordnung be« schloffen.
Im weiteren Berlaufe der Debatte »ab der UuterrichtSmintster u. a. die Erklärung ab, daß der allgemeinen Einführung de» UniversitätSSt udiumS für die BolkSschulledrer die Regierung ablehnend gegenüberstehe. Besonders tüchtige Lehrer hätten auch heute schon Gelegenheit, fich weiter zu bilden und machte« davon reichlich Gebrauch. Bei den in Berlin bestehenden Fortbildungskursen habe man günstige Resultate erzielt.
Abg. Zische (Z ) befürwortete die Besowung der Seminarlehrer nicht nach ihrer Borbiwung, sondern nach ihrer Leistuno zu gestatten und die Hälfte der Seminarlehrer zu Oberlehrern zu ernennen.
Abg. Dr. Dittrich (Z.) verbreitet fich über die Frage der Universitätsbildung der Bolksschnllehrer dabi», daß die Volksschule al» solche keinen Nutzen davon habe, aber auch die Lehrer hätten keinen Nutzen davon, denn heute schon könnten die hervorragenden Leute fich höheren Studien widmen. ES könnte aber leicht Unzuftiedenhett in weiterem Umfange erzeugt werden, wenn daS UniverfitätSstudium obligatorisch würde.
Darauf wurde die Weiterberatung auf Montag vertagt.
Schluß */«6 Uhr.
hochgeröteteu Wange» aus und ab wandeln sah. Al» er vor fie hintrat, schreckte fie zusammen und war ganz verwirrt. Lächelnd betrachtete Loide-i da» unscheinbare, aber sonst so geistreiche heitere Mädchen und sagte:
„Soll ich Ihnen ein bischen Gesellschaft leisten, daß Ihnen die Minuten schn-ller verrinnen, bl» mein Freund Paul herunterkommt?-
„Paul?!- wiederholte fie mit ftagendem, verlegenen Tone, „ist er fchv« zu Papa?*
„Ja, ja, der hat ihn jetzt in der Arbeit.-
Sie schwieg jetzt einen Augenblick, bann sagte fie:
„Ich hätte mm nicht gedacht, daß fich verlobe« etwa» so ernste» und auftegendr» ist!*
„Ja, verlobe« Sie sich denn? Ja, mit wem den», Fräulein?- «rckle Locke».
„Quälen Sie mich mmt unnütz, Sie wissen es doch läugü, früher al» ick virll icht — mit Prüll*
Lotben mußte hell a»flache«; bi» jetzt war e» ihm unmöglich erschienen, daß dieser Bachmann, dieser „Paul-, wirtlich von einem reichen, gescheite« Mädch-n geliebt werden konnte. Es freute, e» amüsierte ihn, von ihm j-tzt auf eiumal von einer feinen Dame al» von „Paul- sprechen zu höre«.
Oben im Rauchzimmer Heller» faße» fich jetzt die beiden Männer gegenüber:
„Schulden? Wie viel?*
„Aver, aber, Herr Kommerzienrat, gar keine — gar keine. *
„Ist so wa» möglich?!- Heller lachte.
„Beihälmffe, Mädeln, wie viel? I*
„Aber, aber, Herr Kommerzienrat, natürlich keine.- Heller lachte wieder auf.
„Sie find ja ein Mustermensch! ein waber Muster memck!*
„Mitgift! Na, wie viel verlangen Sie Mitgift? Wie virl?!-
„Aber, Herr Kommerziemat! . . (Fortsetzung folgt)
Deutidies Reich.
Berlin, den 25. Februar 1905.
'* "Der Zcutralausschutz derReichs- but hielt heute eine Sitzung ab, in der Prüft, deat Koch u. a. ausführte, daß der Status der -Bank feit oer letzten Herabsetzung deS Diskonts fich «och weiter wesentlich gebessert habe, ttamentlid) hätten die «oldvorräte zugenommen, sodaß nunmehr bei Abnahme des Notenumlaufs eine Ueberdrckung von 38971000 Mark vorhanden fei. Fremdes Geld hätte eine Zunahme erfahren von etwa 101 Millionen. Die Flüssig« leit dr- Geldes auf dem Markte habe stch noch weiter entwickelt und fei mit auf den Umstand rnrückzuführen, daß deutsche Fonds in erheblichem Maße vom AuSlande angekauft seien. Der Abfluß. von Gold nach dem AuSlande sei daher weniger zu befürchten. Die Sage fei ähnlich derjenigen in der gleichen Periode deS Jahres 1902, wo der Diskont am 11. Februar auf drei Prozent herabgesetzt wurde, und so bis zum Oktober auf diesem Standpunkt geblieben sei. AuS diesem Grund r eilfertige fich die Herab- fetzuna auf drei Prozent. Einspruch dagegen würbe nicht erhoben.
—• Die zweite Novelle zum Berggesetze ist nunmehr im Handelsministerium fertig gestellt. Sie soll dem Abgeordnetenhaus binnen kurzem zugehen.
(*) Zar Frage der Neichs Erbschastsstemer wird der .Deutschen TageSztq/ „von kundiger Seite" mitgeteilt, daß der Bundesrat seine ablehnende Stellung zu der Frage nicht geänderthabe und nach menschlicher Voraussicht auch nicht ändern werde.
* 3* de« Lotterievertr ägen. Die seitens Preußen abgeschlossenen Lotterieoerträge (Mecklen- ourg«Schwerin, Mecklenbura-Strelitz, Lübeck) gelangen, nachdem sich ihre Vorlage etwas verzögert bat, in allernächster Zeit an den Landtag. Die Mitteilungen bezüglich weiterer Verhandlungen mit anderen Sotteiieftaaten beruhen durchweg auf Kombinationen und entbehren jeder realen Grundlage.^
* Hambnrg, 25. Febr. 1905. Ein neuer Truppentransport in der Stärke von 25 Offizieren und 543 Mann geht am Dienstag auf einem SEBötmannbampfer nach dem Kriegsschauplatz in Südwestaftika ab.
* Stuttgart, 25. Febr. 1905. Aus An- laß deS Geburtstages des Königs wird eine Sonderausgabe des .StaatSanzeigerS' veröffentlicht, welche zahlreiche Auszeichnungen enthält. Unter anderen erhielt der Minister des Aeußeren Freiherr von Soden daS Großkreuz des KronenordenS; Hostheater-Jntendant von Puttlltz die Rommenture des Kkonenordens, Schriftsteller Dr. Weinland die Große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft; der württembergifche Gesandte von Varnbühler wurde auf die zweite Stufe der Rangordnung versetzt mit dem Titel Exzellenz.
Maer W Zeitung
j.&'.to’Ä«. wochmdeuage: „Illustrierte Sonntagszeitung" Moratrbeiiagk: „zuldaer Seschichtsblätter".