Zuldaer W Zeitung
"Äb«. wochenbeüager,Illustrierte Zomtagszettung"
MonatrbeUage: „Küdaer Geschichtrdlätter".
M 46»
Fulda, Samstag, den 25. Februar 1905.
32. Jahrgang.
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Iweites IZl'crLL.
Wodien-Rundfchau.
Fulda, den 25. Februar 1905.
(Nachdruck verboten.)
D« deutsche Reichstag hat die Haudelrver- träge, rachkem die Kommission sich drei Tage mit chnen beschäftigt und ihnen zugestimml hatte, am Montag in zweit«, und am Mittwoch in dritte Lesung angenommen. Grobe Debatten gab eS nicht wehr. Das Ersebnis stand ja von vornhnein fest; alles Reden konnte ja nicht» mehr daran ändern. Die Mehrheit für die Verträge war aber noch größer, al» man vielfach erwartet Haire. In der zweiten Lesung wurde die grundlegende Bestimmung, zu der die Ber- tragrtarife ge ören, beim österreichischen Bertr'ge mit 192 gegen 52 Stimmen, beim russischen mit 198 gegen 61 Stimmen angenommen; die übrigen Bestimmungen und Verträge sanden in einfacher Abstimmung mit der gleichen Mehrheit Annahme. Man wußte abe bereit», daß die Freisinnigen, die mit d<nSozial- demokrat'n gegen dre Verträge gestimmt hatten, bei brr emscheidenden Abstimmung in der dritten Lesung meist ander« stimmen würden. Am Mittwoch wurde der österreichische Vertrag mit 226 gegen 79, der "^fische mir 228 gegen 81, die übrigen in einfacher Abstimmung mit gleicher Mehrheit angenommen.
Die erste esung de» Toleranzantrages de» ZentrumS hat noch eine dritte S-tzung erfordert, in welcher der natio»ollib«ale Abg. Dr. Hiever nochmals alle Ausreden vorbrachte, die b« Evangelische Bund jBr Verfügung hat, wenn es gilt, die Unduldsamkeit gegen die Ko.holiken d» protestantische Toleranz an-
Der Abg. Dr. Gröber widerlegte nochmals alle Scheingründe, die gegen den Antrag ,us Feld geschickt worde« find. Mit 151 gegen 143 Stimmen wurde der Antrag an eine Kommission verwiesen. Alder ist wenig Aussicht, daß diese tu einem befriedigenden Ergebnis kommen wnde. Hessen wir einst weilen da» Beste!
In der Budgetkommisfion der Reichstags kündigte Staatssekretär v. Tttptz eine neue Flottenvorlage für den nächsten Herbst an. E» sollen darin die iw Jabre 19OO abgelehntrn 6 großen und 7 kleinen Kreuzer, vielleicht auch 7 Torp-dobootSdivifionen und noch wehr gefordert werden. Di« Führer der Flotten- dwreiu» find sehr ent üstet, weil ehre «gitatwu in der Kommission al» gemeingefährlich bezeichnet würde. Sie wellen die besten und uneigennützigsten Patrioten sein nnd nur eine nationale Pflicht erfüllt haben. Wir meinen, man kann e» der Marioeverwaltung über- laffen, zu sagen, wie groß unsere Flotte sein müsse. Sie wird doch am besten Bescheid wisse». Der Flotten- v«est« mit seinen Maßlosigkeiten schadet btt Flotte «her al» er nützt, zumal wenn auch allerlei Jnteeffen- trn sich mit ihm für Flottenverstä-kung begeistern.
Dar preußische Abgeordnetenhaus begann am Dienstag die zwei'eBeratung des KultuSetatr- Der nattonallrberale Dr. Friedberg leitete fie ein mit einem Borstoß gegen die Marianifchen Kongregationen in den höheren Schulen, muhte sich aber vom Kulturminister dahin belehren lassen, daß bi» jetzt überhaupt noch kein Gesuch um Zulassung von Kongregationen genehmigt worden sei, daß aber die Eltern das verfaffangs- mäßige Recht häiten, ihre Kinder mit in de» Gotter- dtenst zu nehmen. Der Z-ntr«mSabgeordnete Dr. Dittrich beklagte, daß die Regierung die F-sseln, die die Wirksarnkett der katholischen Orden eineugrn, noch immer nicht beseitigen wolle und daß die Genehmi-
Lin bürgerlicher Zahr.
Novelle von Carl Conte Scapinelli.
14 ------ (Nachdruck verboten.)
Alle», war so sckön und ruhig in dr» ersten Wochen seiner Ehe, seiner Bureautättgkttt eiazukch'ummen begonnen hatte, war j-tzt wieder erweckt. Er» d r wenige Wochen ein Kleinbürger gewesen, war auf einmal wieder ttn in Fff-ln schmachtender Aristokrat, der sich durch seine» Geiste» Arbeit von diesen Ketten befreien wollte, fir den jeder Tag ein Zerren und Klirren an und *it diesen Ketten bedeutete.
Und dos hatte auch Frau Mi'tzi gemerkt. Sie sah die Veränderung, die Unruhe in ihrem Mann. Den Grund selbst begriff fie nicht, fie glaubte, fie selbst wäre rS, sie meinte ihm nicht zu genügen, wähnt!', daß er fich rur b-.tum ar deren Sachen zu- wavdte, um ihr zu entgehen
Sie a°» Frau konnte nicht bearei'eo, daß e» für ihren Maa» «och etwa» a»d«eS al» Liebe, Auskommen, al» Frau und Heim geben könne; etwa», da» ihn »ach seine» Bmeaustunden mehr f-sseln könnte, al» drS alle».
Er übersah fie sozusagen in der letzte» Zeit. Za, bi» eii mal dar Geld da sein würde, bis er Zeit hätte, recht viel Zeit, dann wollte er feiner F-au oder besser Wit sein« Frau leben. Jetzt oder soll-e jede» srin Stück müh owe, alltägliche, monotone Arbeit tun, er im Bureau und abends ia seinem Zimmrrchen, fie in der Küche, an der Nähmaschine.
Er konnte fich nicht übe-winden, so leid e» ihm tat, er mußte au» dem Hwsr fort, toten der Kopf ihm so voll von Joe«, voll neuer Hoffnungen war, doll von Träume».
Wäre fie auf seine Schwärmereien eingegang««,
gung ein« Benediktin«-Nieb«lossang in Hetligen- linve im Ermlande versagt worden sei. Der Minist« konnte ein Entgegenkommen nicht in Aussicht stellen, berief fich wieder auf da» kirchenpolitische Kompromiß von 1887 und suchte die veschw«de mit einer Statistik über katholische Orden in Preuße» zu widerlege». Wa» Heiligenlinde augeht, so bestätigte sein Kommissar die ®aroutung des Abg Dr. Dittrich, daß die Genehmigung b« Benediktiner-Niederlassung versagt worden sei au» Rücksicht auf de» Lärm unduldsamer Protestanten, wa» « natürlich Rücksicht auf den ton- sesfionrlle» Frieden nannte. Im Belaufe einer längeen Debatte übe Schulfragen erklärte d« Mr- niste, da» SchuluulebaltuneSzesetz werde im nächsten Herbst eingebracht werden. Entschteden sprach e fich gegen die Beseitigung der geistliche» Oktsschulansficht an» und spendete de» dabei tätigen Geistlichen uneingeschränkte» Lob. Da» gefiel aber de» Nationalliberalen gar nicht, fie lärmten und pfiffen wie rasend. Der Abg. Friedberg, den die Abfertigung durch den Kultusminister schon schwer geeizt hatte, wmde in förmliche Wut verfitzt, al» der Ministerialdirektor Slthvff auch seinen Versuch, für die angeblich gefährdete akademische Frechrit eine Lanze zu breche», in sehr deutlichen Worten zurückwies und ihm erNSrte, daß die UnterichtSverwaltung für die akademische Freiheit mindestens ebenso entschieden eintrete wie Herr Friedberg. De Minister erklärte, die kon- fesfionellen Studer, tenkorporattonen möchten keine e- treuliche Erscheinung sein, aber rS wäre eine der ärgsten Verstöße gegen die akademische Freiheit, wenn man fie unterdrücken wollte.
DaS Herrenhaus nahm die Vorlage wegen der Borflatverhältnisse an der mittleren und oberen Oder mit einer kleinen A nderung an. Di« Kanalvorlcge wurde vom Ministerpräsidenten mit einer «wpfehle»- ben Rede eingebracht und fand bei der erste» allge- meinen Besprechung eine günstige Aufnahme. Zunächst wurde fie an eine Kommission verwiesen; es ist abe wohl nicht mehr zu zweifeln, daß fie die Zustimmung der Hause» finde» wird.
Im Ruhrgebiet ist nach allgemeiner Wiederaufnahme der Arbett wieder Ruhe eingekehrt. So ziemlich sämtliche Bergleute scheinen wieder beschäftigt zu srin. Maßregelungen find allerdings mehrfach vorgekommen, doch, wie e» scheint, nicht in großem Umfange. Verschiedentlich find aber auch die Zechen- besitzet ben Arbeitern Wei « entgcgrngekommen al» nach ihrem bisherigen Verhalten erwartet w«den konnte; es wurden die Lohnabzüge, die für den Kon- trakibruch gemacht wurden, wieder rückgängig gewacht, auch größere Beträge zur Untnstlitzung verheiratet«, in Not geratener Bergleute in Aussicht gestellt. Im allgemeinen wird die Wiederaufnahme der Arbeit jedoch von den Arbeitern einstweilen nur als Waffenstillstand betrachtet. Man will zunächst abwarten, waS bei d« Novelle zum Berggesetze herauSkommt.
An verschiedenen Universitäten und Technischen Hochschulen dauert die Bewegung unter den vom Evangelischen Bunde verhetzten Studi«endeu trrtz alle» freundlichen Zureden» und aller mllden Nachficht der Behörden noch immer an. Unter dem Vorwande des Schutz:» der akademischen Freiheit wird die Berfofgung der katholischen Korporationen und die llnbotmävigkeit gegen die Behörde» bettieben. Der Evangelische Bund gründet Zweigv«eine unter der studierenden Jugend und diese schwätzt dann ben Bundesagitatoren gedankenlos N'ch, baß bk katholischen Korporationen bie konfessionelle Absonderung bet Stubtetenben betrieben, ben konfessionelle» Frieden störten und bie akademische Freiheit gefährdeten. Daß umgekehrt gnade die Bündln und ihre Mitläufer alle» die» tun, will den betörten Fanatikern denen all« gesunde Logik und alle Objektivität abhanden gekommen zu sei» scheint, nicht in den Kopf. UebrigenS macht man viell-i' t
hätte fie ihm geholfen, nach bet Arbeit seine Luttschltss« baue», « hätte nicht an ein Weggehen gedacht.
WaS er denn wollte, mr nte fie, er habe doch se'n Auskommen, seine sichere, ruhige Stelle, habe fie, sei» schöner gemütliche» Heim, seine gesunde Hausmannskost.
Daan lachte er boshaft auf: »War bas alles?" War daS für ihn, für Fritz v. Laiben, d-r gewohnt gewesen, zu leben, zu genießen, Kunst und Wissenschaft zu treiben alle»?!
Er wollte nicht streben, nicht hinauskommen, nur die Mö lichkeit zu einem behaglichen, ruhigen Leben tot Btt « fich «werben.
Nickt io al» Herdenmensch schuften! Nur da» nicht sein Lebtag lang.
Freilich, Mitzi, der war diese» Spießbürgerleben recht, bie wollte gar nicht ba heraus, bie ängstigte sich ganz bei dem Gedanken.
Wie «r heute nun wieder alle diese Gedanken zu fich sprechen ließ, indes er vor fich hinblickend in einem kle ne« Borstabtgarten fa&, sein Viertel Wei» vor fich aus dem qrüngestrlcheneu Tisch, nob«te ficy ein Mann in ber Uniform eines EssenbahnkonduktemS seinem Tische uub fragte, ob er auch an demselben Platz nehmen könne.
»Bitte, bitte", v einte Laiben, der froh wat, nicht mehr ganz allein mit seine» jagende» Gedanken fitze» zu müsse». Auch unterhielt n fich immer gerne mit solchen Männer» an» bem Volke.
^Nicht wahr, Sie entschuldig«, Herr," sagte dies«, »daß ich mich dah« setz', Sie find wahrscheinlich wo» Brfi»e» !“
»Wahrscheinlich wa» B ffere»!' wiednholte fich Loibe» in Gedanken und lächelte müde vor fich hi».
»Ich muß heute noch nach Simmering hinan», dort wohn' ich eigentlich, da mach' ich noch a Station hi« draußen, hab' grabe hi« eisen RcHegen besucht,
von bem ganzen Rummel bieser unreifen junge» Leute zuviel Aufheben». Wen» ihre Schwätzerelen und Stilübungen von ben Zeitungen mit großem Ernst al» politische Akttonen behanbelt werben, so bünken fie fich ben Mittelpunkt b« Welt, ber »Rühm' steigt ihnen zu Kopse unb fie machen immer wehr Dummheiten, währenb fie vermutlich sehr rasch him« ihr Bi«gla» zurückgekehrt wären, wenn man von ihr« kindischen Wichtigtuerei weniger Nottz genommen hätte.
In Oesterreich hat da» Abgeordnetenhaus die «sie B«at»ng de» Budget» beendet. ES wurde diel von dem Btthältni» zu Ungarn gesprochen. Fast alle Redner erklärten, daß fich Oesterreich von den Herren Magyaren nicht beständig über da» Ohr hauen lassu; dürfe, und daß fie einen wirtschaftlichen Ausgleich, d« wird« auf Kosten Oesterreichs statt- fiaden solle, ablehnten. Ministerpräsident Freiherr v. Gautsch gab den Ungarn ebenfalls sehr deutlich z» v«stehen, daß, wenn fie eS bi» zur wirtschaftlichen Trennung treiben sollten, Oesterreich seine Interessen ganz energisch zu wahren wissen w«de. Die Krifi» in Ungarn ist noch immer nicht beendet. Der Kais« hat verschiedene ungarische Politiker empfangen, eine Entscheidung über die künftige KabmettSbüdung ab« wurde noch nicht getroffen.
In Frankreich macht ein neuer Kolouial- skavdal großes Aufsehen. Zwei Kolonialbeamte wurden verhaftet, weil fie am Kongo entsetzliche Grausamkeiten gegen Eingeborene begangen haben.
I» Ru bland haben die Terroristen auf die blutigen Vorgänge in Petersburg und zahlreichen an- deren Städten mit einer neuen Schreckenstat geantwortet. Am Freitag vorig« Woche wurde in Moskau ber Großfürst Sergius*, ber Da el unb Schwager des Zaren gelötet, indem eine Bombe u-ter feinen Wagen geschleudert wurde. Die beiden Mörd«, von denen der eine selbst verwundet wurde, wurden verhaftet. Der Ermordete, d« al» Mensch sehr wenig Sympathien beanspruchen kann, da er ein Wüstling unb ei» Spitzbube war, galt al» ber rückfichtrloseste unb einflußreichste Gegner freiheitlich« Reformen. ES war zu befürchte», daß b« Mord hemmend auf die von der Regierung eingeleitete Reformarbeit wirken und eme Reaktion mit stärkerem Druck und gewalttätigerem Vorgehen gegen alle freiheitlichen Bestrebungen zur Folge habe» werde. Da» scheint ab» nicht der Fall zu sei». Einstweilen arbeitet wenigstens ba» Ministerkomitee weit« unb veröffentlicht nun Resormentwürfe. Die Petersburg« Fabrikbefitz« haben in ein« Eingabe an ben Finanzminist« freimütig erklärt, baß eine Beruhigung ber Arbeit« nicht durch Bewilligung ihrer Forderungen allein. fonb«n nur durch Reformen allaemelnstaarlichen Charakter» «reicht werde» könne. Möge» im Übrige« die Machthaber auch »och so strenge Maßregel« ergreifen, Verbrechen wie da» Moskauer w»drn fie nicht verhüte« können. E« ist zu befürchte«, daß ihm nächsten» weitere folgen werde«. De« Verbrechen mit Gewährung der von ben Terroristen geforderten politischen Zugeständnisse zu begegnen, ist auch ein gefährliche» Unter- nehmen. Denn es ist z« befürchten, daß ba» Land in urabsehbare Verwirrung gestürzt wirb, wenn es plötzlich mit Freiheiten und Entrichtungen beschenk wirb, für bie e» noch nicht reif ist Die Arbeit«« Aurstänbe unb -Unruhe« in ben v rschiedenste« S" gerben be» Reiche» dauern an. In Petersburg unb Moskau ft Uten bie Stubenten ba» Stubium ein. NeuerblngS wird verfchiedentl ch von Loyalitäts-Kunb- gebungen der Bauern gemelbet, bie in Adressen an den Kaiser versprachen, Gut unb Blut für ihn hin« geben zu wollen. Vermutlich steckc amtliche Mache bshmter.
Auf bem ostafiatlschenKriegSschauplatze fiaben fortgesetzt kleinere unb gröbere Gefechte statt, die jedoch die allgemeine Lage nicht nennenswert verändern D e Javaner hab«» jetzt ibre ichw-ren Se
bent reine Frau läßt ihn ob« nimmer mit ins Gasthaus !'
An ber Rebseligkeit be» Kondukteurs merkte Laiben sofort, baß bieser nicht wehr ganz vücht«« war.
„SB ffen ©’, Lu laß mich von meiner 5-au nicht zurückgalten, verstehen Sie, ich bin ei« Mann, ich büt dec He«!'
.Da» muß auch so sein!" meinte Laiben, um nut eben etwas zu sagen.
»Der Herr finb anscheinend auch verhiiratet, gelten’» ja, ich bad' recht?!'
„Gewiß! Gewiß!'
„Verstehen Sie, die Frauen verstehe« da» nicht so. Die Haden keine» oroßen Gefichtekrei», die wollen einen immer an» Haus fetten. Die ganze Woche fährt 11 nf«einer aut der Eisenbahn, kann fich kaum ausschlafen und h-t die ganze Woche keine Gemüttich- teu!"
„Desto eher sollten Sie bann an einem freien Tage z« H mse bleiben, weil ' ich I* erwiderte Laiben.
„Man sollte 18 meinenI" sagte der Kondukteur, listig lächelnd.
„Ab« Herr, bie Ungunst b« Verhältnisse, bie eheliche« Zwiste" — « bemühte fich möglichst vornehm und hochtrabend zu sprechen — „bie treiben ben Man« zur Tür hl«^«»! Bersteh'n Sie, ich hab' nämlich ein einfache» Mädchen vom Lanbe geheiratet, eine sehr brave Frau, alle Achtung, eine sehr brave Mutter, alle Achtung, sparsam, häuslich, reinlich! Aber halt verstehe« kann fie meine Ideen nicht l Zum Beispiel: ich möchte mich zur Sübbah» verfitze« lasse», we,l einem tiefe Strecke mehr zusagt; ich mag «et immer nach bem Norden fahren, mich zieht e« nach bem Süden Das versteht bitte Frau nicht, darum zanke« wir jedesmal, wen« ich frei habe; im Grunde könnte es ihr gleichglltlg fein, ab« nein, fie ist ba« gegen*.
lagerungSgefchüpe von Port Arthur in ihren Li» el ausgestellt und damit bl; russischen Stellungen zu beschieße begonnen. DaS russische Zentrum soll da- durch in eine neue schwierige Lage gebracht worde» sein. Die Ruffen solle» sich zur Wieberaufaahme b« Offensive und zwar auf beide» Flügeln rüste». I» l tzr« Zelt tauchen immer mehr neue g leben»» gerächte aus. Die japanische Reginsng hat die Nachricht bestritten, baß fie in nichtamtlicher We.se vo» russische» Frledensdedinaunge» unterrichtet worde» fei. unb die russische Regierung hat erklärt, daß feiten» Japans keine Vorschläge wegen Vorbesprechungen für einen Friedensschluss gemacht worde» feien. Gleichwohl erhalten sich die FrledenSgerüchte.
Unpolififdie Zeitläufe.
(Nachdruck verboten.)
® Berlin, den 23. Februar 1906.
„Frei ist der Bursch!" Dieser alte Kraft- und Kampfruf der Studenten ist neuerdings häufig geschmettert worden. An einigen deutschen Hochschule» gab es eine sogenannte „Bewegung* nach dem Muster der Ssterreichtschen und russische» Studentenschaft, die bekanntlich von Zeit zu Zeit „a Hetz' haben müssen Ja, eS gab in Hannover sogar einen hübschen Anlauf zueinemStudente»- streik. Auf das Trauerspiel vom Ruhrrevier sollte dos Satyr spiel des systematischen Schwa zeus der Kollegien folgen. Die akademfichrn Behörde« find aber nicht so unnachgiebig, wie ber bergbauliche Verein, es sind schon die hoffnungsvollste» FrredenSverhandlungen im Tanze, so daß wohl bald daS Schwänzen und Bummeln auf das gewöhnliche Maß zarückgfführt werden wir», waS immerhin schon yoch genug ist.
Es will ja auch niemand die herkömmliche BurscheufreiheU antasten, wie die Ver Hand lange« im hohen Hanse der preußischen Abgeordneten soeben «geben haben. Dte eirzigen Freiheits- und Friedensfeinde sind die gewerbsmäßigen Hetzer 00m Evangelischen Bunde, voran der Überiper.nte RenegatTrafPaulHoenSbroech, die das akademische Füllen mit ihrem Pftffer so lange behandelt haben, btS eS gegen die katholischen Glu deuten Vereinigung en auslchlug.
Sonderbare Leutchen, die im Namen der Freiheit die Verfolgung forderten. Sie sangen: Freiheit, die ich meine; aber du kriegst keine! Für uns die Freiheit ohne Zügel — für bie- Katholiken Zwang unb Prügel! Logisch, folgerichtig war bas nicht, aber kultm kämpferisch. Da wir nicht mehr im Zeitalter der französische« Revolution leben, wo man die Freiheit, Gleichheit unb Brüberlichkeit mit ber rastlos arbeite nbe« Kopfmalchine betätigte, so hat der krasse Unfin« keinen Anklang gefunden; sowohl bie Regierun- als bie Wortführer ber maßgebenden Parteien haben erklären müssen: Wer akademische Freiheit will, muß auch ben katholischen Studenten bie Freiheit gönnen!
Der Ansturm gegen unsere Hochschul-Vereine barf als abgeschlagen gelten. Ich möchte aber aus blefem Simm im Wasserglaie einige gute« Lehren ziehen, die alle Leser angeben, auch solche, die keinen Studenten in der Familie haben
Wenn irgendwo ein katholischer Verein angegriffen wird, so müssen wir allzumal auf de«
Sorten mußte lactjrin; war va» tm Grimve nicht auch feine Ehegeschichte? Die Frau wollte out bei Manne» Ideen nicht eingehen, fie konnte nta.r, fie glaubte eben, Beruf ist Beruf, Norden ist Süden, Bureau und E fnd« sei ein» !
„Avec ich setz' e» durch, ich hab' an hohen Gönner, 6er mtib mit ba» verschoss«, ja, ja, ich fahr Üb« kurz oder lang auf der Südbahnstrecke!'
„Recht so, recht so!' sagte Laiben ermunternb.
Im Gründe gefiel ihm h« Mann, er sagte da», wa» « fich selbst in ferner Lage dachte, aber rr mar so wüde, so abgespannt, baß er biesen Mann für fich selbst reden ließ, daß er seinen Worten lauscht- und glaubte, sich selbst zu löten
Nur weniger wicht g unb kleinlicher «schien ihm ber Mut, ba» Ringen, diese» Well«, da rr e» in einem anderen verkörpert sah.
Der Man» war ihm auch nicht böse, d-tz « nicht» redete. , _
„Ich langweil' Sie vielleicht, H-rr. mit m-rnern Geschwätz', sagte « gutmütig, „weil Sie nich s ant- wollen, aber wisse» ©’, ti muß herau» — da» m:cht einem bann weiter Mut zum käi pfen'.
„O, ich entgegne nich #, weil ich mit Ihnen gar» einer Meinung dm, gar $ ein« Meinung", tagte Selben.
„Da» freut wich, das freut mich wirklich". D« Man» reichte 8'iben gerührt bie schwielige Hard.
„Er ift merkwürdig', sar'e bet Kondukteur dann nachdenklich, „daß fich ein Man» ou» dem Bott- und ei» »einer Herr alternd noch besser verstehen als ein Mann und ehe Frau, wenn f hundertmal f erheirat et sein!«
„Al» ein Man« und eine Fea«, wen» fie «ich huuder'mal verheiratet fiid', wiederholt Loibe« «ach» denklich tob wehwütig.
(Ftttse-ung felgt)