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Fulda, Freitag, den 24. Februar 1905.

32. Jahrgang.

Jli 45

Meteore als Träger Ser Lebenrkelme.

Das schwere Kreuz der ungläubigen Natur- sorschuvg ist die Entstehung deS Lebens auf der Erde. Von niemanden wird bezweifelt, daß eS lange Zeiträume gegeben hat, wo auf der Erde Leben nicht möglich und tatsächlich auch nicht vorhanden war.

Da eS wiffenschastlich unzulässig ist, zu sagen, das Leben sei von selbst aus dem Stoffe ent-

ki. c. verkauft.

Bon Heia Bräutigam.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Sie stand am Fenster ihres Mädchenstübchens, bräutlich geschmückt, aber dennoch ohne ein glück­verheißendes Lächeln aus den bleichen Lippen. War es der Abschied vom Elternhause oder drückte sie sonst ein Schmeq, der ihr von Zeit zu Zeit die Tränen in die Augen trieb? Sie seufzte, sie, die vielbeneidete Braut deS reichen Fabrikanten König. Alle Welt huldigte ihrer Schönheit, die Damen beneideten sie, die Herren­welt hatte ihr zu Füßen gelegen — sie war ja die reiche Erbin. Doch das ist jetzt vorbei, sie ist arm, da ihr Vater fein und ihr Vermögen verspekulierte.

So blieb nun König ihr Retter vor dem Sturz in die Armut. Sie hat ihn nie geliebt, nie würde sie thn lieben können, das wußte sie. Diese Heirat war eben für sie ein Opfer, dar größte, deffen sie fähig war. Und doch, eS mußte so kommen.

König war ein langjähriger Freund ihres Vaters und hatte sich stets für sie interessiert, jedoch ohne in ihrem Herzen auch nur einen Funken von Gegenliebe zu erwecken. Einen An­trag nach dem anderen hatte sie schon abgewiesen,

bei welchem u.'a. ein Araber eine deutsche Rede und ein griechischer Albanese ein Gelegenheits­gedicht in schweizer Dialekt vortrug. Letzteres hatte den deutschen Pater Augustin Schäfer anS Einsiedeln zum Verfaffer.

Papst und Zar haben anläßlich der Er­mordung deS Großfürsten Sergius warmgehaltene Telegramme aus gewechselt.

Prinz Crop, ehemaliger Offizier der Pots­damer ©atniffon und späterer Geheimer Kammer­herr Leo's XIII. und Auditor der Nuntiatur in Wien, hat, wie hiefige Blätter melden, auf seine ihm von diesem Papste verliehene Domherrnstelle bei der Peterskirche verzichtet, um einen Pfarrer­posten in Belgien anzunehmen.

Hier starb der Prälat Peri coli im Alter von fast 80 Jahren. Er war einer der be­kanntesten Persönlichkeiten Roms und gleichzeitig einer der letzten Veteranen aus der alten Zeit der päpstlichen Herrschaft. Der Verstorbene war in feiner Jugend noch päpstlicher Delegat für die Zivil- und Militärverwaltung in Orvieto und Spoleto gewesen und bekleidete diesen Posten, olS die italienischen Truppen gegen den Kirchenstaat zogen. Später verwaltete er die päpstlichen Provinzen Viterbo und Frofinone, wo er nament­lich dem Räuberunwesen recht energisch zu Leibe ging. Sehr oft wurde der Verstorbene als Kandidat für den Kardinals Hut genannt

Venedig wird auch in diesem Jahre wieder seine internationale Kunstausstellung haben. König Viktor Emanuel empfing amDtenstag eine hier aus der Lagunenstadt eingetroffene Deputation, bestehend aus dem dortigen Bürger­meister Grafen Grimani als Präsidenten, und dem Abgeordneten Fradeletto, als Generalsekretär der Ausstellung welche den Monarchen zu der im April stattfindenden Eröffnungszeremonie ein­laden. Mit dem Könige werden sich auch die Minister Giolitti, Luzatti, Jrlondo und Tedeseo nach Venedig begeben. Der König unterhielt sich mit feinen Besuchern auf’8 Eingehendste Über die Ausstellung sowie Über die neuen Räume der Bibliothek des Dogenpalastes, deren Bestände in die alte venetianische Münze gebracht wurden, und Über die Vergrößerungsarbeiten im dortigen Hafen. Auch die so ziemlich leidige Angelegen­heit des Wiederaufbaues deS eingestürzten Glocken- turmes bildete daS Thema der Unterhaltung.

In der Montagssthung der Deputierten- kämmer gingeSaußergewöhnlich „kirchturm- politisch" zu. Es handelte sich um die An- gelegenheit der Verbindung zwischen Sizilien und dem Festlande. Bisher ging der „offizielle" Weg auf den Dampffähren von Reggio nach Messina. Vor allen ist dieser Weg der billigere. In der Sitzung stießen nun die Anhänger beider Ort­schaften recht stark in einander anS reiner — Konkurrenz!—

aber dennoch hoffte er noch immer ihr Herz er­ringen zu können. Ais er die schweren Verluste ihres Varers vernahm, war er der erste, der zu ihm kam. „Ich biete Ihnen eine halbe Million für die Hand Ihrer Tochter", hatte er gesagt

Darauf hatte es schwere Kämpfe gegeben: „Ich kann ihn nicht lieben, nein, niemals", sagte eine Stimme in ihrem Innern. „Und darf ich Überhaupt Kurt aufgeben ? Stürze ich nicht beide, und beide inS Unglück?" Doch da kam wieder der Schmerz um ihren armen gebeugten Vater, der so furchtbar verändert und niederge­schlagen war. Wenn er sie ansah mit Sorgen» tränen in den Augen, da wankte sie schon, und als er sagte: „Du, Margot, kannst den Ruin vollkommen machen, mein Dasein, meine Ehre liegt in Deiner Hand", da versetzte ste ihrem Herzen den Todesstoß — fie war um eine halbe Million verkauft.--

Acht Monate später. In einem elegant möb­lierten Erker fitzt Margot — Frau König. Sie weint. 8s find nicht die ersten Tränen in ihrer Ehe, aber heute fließen fie besonders reichlich. — atme Margot! O, daß auch alles fo kommen mußte! Vor acht Tagen — ihr Mann wat auf Geschäftsreisen — hatte fie Kurt zufällig im Stadtwald getroffen, zum erstenmale wieder nach jenem Tage, da fie in Frieden, aber für immer auSeinandergegangen waren. DaS war nun ein schmerzliches Wiedersehen für beide.

„Sie scheinen nicht glücklich, gnädige Frau", brach er zuerst das Schweigen. Gnädige Frau, wie formell daS klang von seinen Lippen, die fie sonst nur meine einzige Margot genannt hatten. Sie sah ihn groß an.

„Nun, Ihnen mein Herr darf ich es ja ruhig sagen, Sie waren von jeher mein Freund und hoffentlich find Sie eS auch immer noch; ich scheine nicht glücklich, weil — nun weil ich eS nicht bin".

Kurt war erschüttert, aber hielt streng an sich; stumm reichte er der Scheidenden die Hand. Zu Haus angelommen, ging ihm aber daS Herz Über. Er schrieb Frau König einen langen Brief, in dem, so gut er es vermochte, alle denkbaren Gründe vorbrachte, die ein stilles Fügen in das Unabänderliche vorschrieben und vielleicht doch noch hoffen ließen, daß Margot einiges Glück finden werde.

Der Brief fiel in deS Königs Hände und wurde falsch aufgefaßt.

„Seit wann korrespondierst Du mit einem Herrn von Lauen?" fragte er beim Frühstück und beobachtete Margot mit lauernden Blicken.

„Ich — ich", hauchte Margot und richtete ihre angsterfüllten Augen auf ihren Mann.

„Nun ja, gestehe nur, ich habe ja den Brief aufgefangen, Heuchlerin".

„Nenne mich nicht fo. Du hast kein Recht dazu, nie habe ich Dir Liebe geheuchelt, nie aber auch ward ich untreu".

„Haha, dieser Herr Lane« ist wohl ein alter Liebhaber von Dir, au8 der Zeit von damals, als Du noch die reiche KommerzienratStochter warst. Später ging'S freilich nicht mehr und da war ich ja ein ganz paffabler Ersatz, aber nun hast Du Dich doch verrechnet, meine Liebe, diesen Lauen werden wir schon los werden".

„Los werden?" schrie fie zu Tode erschrocken.

„Nun ja“, nichts ist einfacher als das, ich fordere ihn und schieße ihm bann eine Kugel durch den Kopf".

„Das wirst Du nicht tun, niemals eher —

„Vergiß nicht, daß Du meine Frau bist und ich Macht über Dich habe“, sagte er hart, und nun leb' wohl, wir sehen uns noch wieder, habe keine Augst".

Sie sah und hörte nichts mehr, wie ver- steinert saß fie da; unten fiel das Tor ins Schloß — er ging.

Kurt mußte die Forderung auf Grund der zwingenden Duellanschauuugen feines Standes annehmen.

Margot wußte das; auf der andern Sette war fie überzeugt, daß der horte, rachsüchtige Sinn ihres Mannes nicht, um Fingerbreite Nach­beben werde. ES war zu ihr durchgefickert, daß diesen Morgen daS Duell irgendwo fiallfiuden solle. Starr und tränenlos saß fie am Fenster. Sie hörte nicht, daß die Hausglocke schellte, hörte nicht die Schritte der eiutretenden Zofe. Diese überreichte der Dame einen Brief. Mar- tot erkannte die Schrift ihres ManneS; hastig öffnete fie, ein Blick genügte, ihr alles zu sagen: Kurt Lauen war tot, mitten inS Herz getroffen.

Die Kräfte verließen Margot, langsam sank le auf den Teppich, eine tiefe Ohnmacht umfing ie; im Wahnsinn erwachte fie und klagte und netnte, daß man Erbarmen haben und fie nicht die Gattin eines Mörders bleiben lassen möge. --Das Sold hatte das Elend angebahnt, die barbarische, unselige Institution deS Duells es vollendet.

In der Wohnung deS Kardinals Gotti, als Ponenten, sand am Dienstag vormittags eine Congregxtio praeparatorio der Riten statt, in welcher beraten wurde Über die Selig- und Heiligsprechungsangelegenheit des ehe­maligen Fürstbischofs Johann Nepo­muk Schi der er von Trient.

DaS Breve Papst PiuS X., welches dieses an die internationale Kommission pro Monte- caffino gerichtet hat, wurde, versehen mit einem Begleitschreiben in lateinischer Sprache, an sämtliche Bischöfe gesandt. — Anläßlich deS Namenstages des Rektors P. Netzhammer ver­anstalteten die Alumnen des hiefigen griechischen Kollegiums einen polyglotten Festaktus,

Liferarildies.

,Tir christliche tue»', Monatsschrift für alle Ge- biete der christlichen Kunst und der Kuvfiwlffen- fchaft, sowie für daS gesamte Kunfileden. Jähr­lich 12 Hefte mit je 24- 82 Setten Text, zahl­reichen Abbildungen und je einer farbige > Kuvst- betlaae. Abonnement 12 Mk, vierteljährlich 3 Mk. Einzelhefte 1 Mk. 25 Pf.

Mit jedem neuen Hefte tritt daS Programm der Zeitschrift, der gesamten Kunst unter Betonung deS christlichen KunstschaffevS und der Leger wartSkunst zu dienen, klarer zutage. Heft 4 und 5 find zum weitaus größten Teil der lebeude» Kunst gewidmet. - Im 4 Heft gibt Karl Lonie Ecapinellt einen warm geschrie­benen Ueberblick über das LebenSwerk Anielm Feuer­bach?. Mox Fürst setzt seine kulturgeschichtlich lehr­reiche Besprechung über die gesellschaftliche und soziale Etelllmg der Künstler in ihrer geschichtlichen Eni Wick­lung fort. Dr. HanS Echmtdkunz behandelt die Große Berliner Ausstellung 1904. Neber die ZügelauSstellung spricht Fran, Wolter, der bei diesem Anlaß den Leser in die malerischen Abfichten mod erner Kunst etnführt. Baron von Laster gibt einige Anregungen über das Delbilb als Wandschmuck. — Iw S. Heft kommt zunächst die kirch­liche Architektur durch einen längeren Artikel von Dr. Baer über die Kirche zu St. Paul in München zu Wort. Der Artikel von Mox Fürst findet seinen Ab­schluß. Eine lichtvolle Abhandlung deckt „Giambaitista Tiepolos Eigenart" ans. Dr. Andreas Schmid bringt im Anschluß an F Moders Abhandlung (Heft 3) zwei »ptiphien von Loy Hering in Erinnerung, tu bet Wiener Kbvst berichtet Karl Hartmann und über beet Münchener Kuustverein Franz Wolter. - I» beiden Heften erfahre» die Rubriken: Btldbesprechurgen-Ber- milchte Nachrichten, Bücherschou u. s. w. eir gehende Pflege- DaS Jvustrationkwaterial ist sehr reichlich und tadellos angeführt. So enihölt Heft 4 die hl. Familie von Eebh. Fugel als Mehrfarbendruck und dazu 28 ri xtadbildunge», daS 5 Heft ziert eine farbige Sonder­beitage nach dem Porträt deS Kardinal-Fürstbischofs Dr. Kopp in BreSlau von Paul Beckert und 28 Ab­bildungen, darunter fünf Vollblätter, find in den Text verteilt.

Penniidifes.

* ein kaum glaublicher Mißgriff, der zu« Teil schweizerische, zum Teil aber muh deutsche Behörden belasten würde, wird der ,Fravkf. Ztg/ aus Hannover, 15. d. M. berichtet. Wegen öffentlicher SchvUmannS« beletdigung augeklagt «ar ein Maurer Karl Giese von hier, dem indeffen die Ladung nicht zu,«stellt werden konnte, weil er nicht aufzufivde» war. Er wurde in» besten steckbrieflich verfolgt. Nun arbeitet tu Zürich in der Schweiz als Monteur einer Heilbronner Frrma ein Schlosser Karl Giese. Der unglückliche Monteur wurde am 1. Jam ar morgens auS dem Beite heraus verhaftet und dem deutschen Konsul tu Zürich vorge­führt. Der Berhaftete bestritt vor allem seine Iden« lität mit dem Gesuchte» und berief fich ferner aus seine Heilbronner Firma, die Nachweisen könne, daß er zur Zeit der Tat anderweitig in ihre« Diensten tätig ge­wesen sei, also gar nicht in Hannover hätte sein können. A-» aina bmwf aber nicht ein, ssnderU steckte de» Giese ins Gefängnis und transportierte ihn. alS den angebliche« Maurer Giese nach Hannover, und »war in der üblichen komfortablen Weise Im Ge< fange» nttanSportwagen zusammengepfercht und zu» sammengefeffeU mit Zuchthäuslern. In Hannover ver­langte der Verhaftete, dem Untersuchungsrichter vor­geführt und den in Frage kommenden Schutzleuten gegenübergestellt zu werden. DaS wurde aber abge­lehnt. Er erhiell vielmehr die Ladung zur Verhand­lung vor dem Schöffengerichte, die an den Maurer Karl Giese auS Hannover gerichtet war Er ver­weigerte die Annahme der Ladung. DaS Gericht strich darauf einfach das Wort Maurer durch und schrieb darunter das Geburtsdatum des Monteurs 6. 7. Gestern fand die Be«Handlung vor dem hiefigen Schöffengerichte statt. Natürlich konnte der Monteur nicht verurteill werden, da er nicht der Maurer Giese war und da die Schutzleute sofort erklärte», daS sei ja gar nicht der Berbiecher. Merkwürdigerweise wurde er vom Schöffengericht erst »rch frei ge­sprochen, obwohl er eigentlich gar nicht angeklagt war. Und was geschah nun weiter? Erhielt der über sechs Wochen widerrechtlich Verhaftete eine Entschädi­gung? Im Gegenteil, ibm find noch nicht einmal die 84 Plg , die man ihm bei seiner Verhaftung abnahm, zurückgegeben worden. Man hat ste für Porto «sw. auSgegeden, daS doch ihn gar nicht anging, sondern eine ganz andere Person. Er erhielt lediglich eine nur für den 14. Februar, den Nachmittag, an dem er ent­lasten wurde, gerade noch gillige Fahrkarte 4. «laste nach Frankfurt und eine nur für den 15. Februar giltige Karte 3. Klaffe (4. Klaffe gibt's weiter nicht mehr) von Frankfurt nach Heidelberg. Dazu an Zehrgeld eine Mark für drei Tage. In Heidelberg sollte er sich a!S mittellos auf der Polizei melde», er täme dann nach Zürich.- So das Frankfurter Blatt. Wir erwarten Aeußerung von beteiligtet Seite.

* Die Verurteilung eines Toten vor dem Schwurgericht hat dieser Tage in Ptsa stattgefände». Die Geschworene» sprachen den Kaufmann Ulderico Eerrai des betrügerischen BankerottS schuldig, trotzdem der Sohn behauptete, sein Vater sei schon vier Jahre tot. DaS Urteil lautete auf sieben Jahre Zwang'arbeit. Um Zeit zur Beibringung eines Totenscheines zu ge­winnen, focht der Sohn im Namen feines Vaters daS Urteil an. ES konnte auch festgestellt werden, daß der Verurteilte Selbstmord begangen habe, alS er auf einem Schiffe noch Sardinien fahren wollte, und schließlich warf daS Meer einen Leichnam ans Land, der als bet SerratS agnoSziert wurde. DaS Urteil gegen den Toten, daS vom KaffattonShof auf drei Jahre Gefängnis et, mäßigt worden war, wurde dann ganz kassiert.

• Sin Praktik«». ,. . Wie verhalten denn Sie sich zu »Wein, Weib und Gesang", Herr Huber?" — .Ganz einfach: ich geh' halt immer zum Wein, wenn mein Weib mit ihrem Gesang anfängt!"

* Stoßseufzer. Hauptmann (bet eit e bö'e Fran Hai): „llnd solche Ehe wird einem nicht «IS Kriegs­zeit angerechnet!"

Römifdier Wochenbrief.

[:] Rom, 23. Februar 1906.

Schon zu wiederholten Malen hatte ich Ge- legenhett auf einige Mißstände hinzuweisen, welche fich in der Verwaltung des altbekannten Heiligtums von Neu-Pompeji bei Neapel «ngeschlichen hatten. Dies Heiligtum wurde in den achtziger Jahren von einem neapolitanischen Advokaten namens Bartelo Longo und deffen Frau, einer Gräfin Fuseo gegründet und sehr bald entstand daselbst, Dank der auS allen Län­dern sehr zahlreich fließenden Summen, eine stattliche Kirche, sowie eine ganze Reihe von HötelS, Restaurants, Logierhäusern und der­gleichen. Die Schaffung dieser kleinen Stadt an «ner Stelle, welche vorher eine wahre Einöde gewesen war, ist ganz dem genannten Advokaten iu verdanken. Papst Leo XIII. erhob die Kirche p» einer päpstlichen Bafilika, ernannte den Erz­bischof von Neapel, Kardinal Risco zu feinem Ltkar für das Heiligtum, sowie den Advokaten Longo znm apostolischen Verwalter desselben. Dieser Letztere nun hielt sich nicht ganz in den zukommenden Grenzen seines Postens, sodaß lettrns der Kongregation des Konzils verschie- bene Klagen dieserhalb Ic ut wurden. Im De­zember des vorigen JahreS erschien im ,Offen» ^»tore Romano' eine Kundmachung der genannten Kongregation gegen das Gebühren des Ver- Walters und nunmehr erfahren wir, daß dem Advokaten Longo die Verwaltung abgenommen und den Dominikanern übertragen wurde.

, Bor dem hl. Vater fand am Sonntag vor- »Utaf ein intimes Konzert statt, ausgeführt von einem französischen Quartett. Zur Aufführung gelangten Stücke von Mendelssohn, wspptts, Bach, Grieg, Liszt und Beethoven.

standen (Urzeugung), fo verfiel man auf den Berlegenheitsausweg, die Lebenskeime von ftent- den Weltkörpern auf unsere Erde durch Meteore herübertragen zu lassen.

Der erste, der mit dieser Meinung auftrat, war H. 8. Richter, der die Theorie von im Weltenraum umhertreibenden lebensfähigen Rei­men niedriger Ordnung, für welche Preyer den Namen „Kosmozoen" prägte, aufstellte, llnab- hängig von ihm haben die berühmten Natur­forscher Helmholtz und William Thomson ebenfalls die Frage der Uebertragung der LebenS- keime von ftemden Weltkörpern auf unsere Erde erörtert. (Helmholtz „lieber die Entstehung des Planetensystems", Vorträge und Reden Bd. 2.)

Wie weit übrigens Helmholtz davon entfernt war, seine Meinung alS „sicher" hinzustellen, verraten seine Worte: „Ich kann nicht dagegen rechten, wenn jemand diese Hypothese für un­wahrscheinlich im höchsten oder allerhöchsten Grade halten will".

Wenn nur die Frage, ob denn die Meteori­ten wirklich organische Substanzen mit sich führen, nicht gar fo brenzlich wäre, zumal nach dem jähen Ende der.Urania ©uilielmi'. Man hatte in dem Meteor von Knyahinya (9. Juni 1866) merkwürdige Gebilde wahrgenommen, welche man «IS Pflanze betrachtete und mit dem eben ge­nannten Namen bezeichnete. Aber die Freude war von kurzer Dauer, als die beiden ftanzöfi- scheu Naturforscher Daubrse und Meunier und nach ihnen andere diese Gebilde als kleine Enstatit- und Olioinkristalle nachwiesen, also als nichtorganische Substanzen. All die kühnen Hoffnungen, die man an diese Entdeckung ge« müpst, mußten zu Grabe getragen werden, genau so wie einstmals beim BathybiuS Haeckelii und dem Sozoon Canadense.

Aber selbst zugegeben, daß die Meteoriten die Bebens lehne von fremden Weltkörpern an unsere Erde gebracht, so ist damit die Frage nach dem Ursprnng des Lebens um nichts weiter gefördert, sondern nur hinauSgeschoben. Denn wie ist das Leben dann auf jenen Welt- körpern entstanden, da ja auch dort der­selbe Abkühlungsprozeß vom gasigen Zustand bis zur Lebensfähigkeit durchlaufen werden mußte. Also wie ist das Leben dort entstanden? Die Frage harrt immer noch der Beantwortung.

K Sulbaer

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