Einzelbild herunterladen
 

Monatrbrilage: „Zuldaer Geschichtsblätter".

«rfch«l«t täglich, rntt ■ W A

Ausnahme der Sonn- A AJ H A A4

«ndZeiertage. viertel- A I j>|1

SE-äKÄ'Ä JT lllllllt^l

:ää auivuvi

Verantwortlicher W

rchristleit«r:Zos.Vaum

KÄ'w«. wochenbellage:„IllustrierteSonntagszeitung

Anzeigenr Sie em» fpaltige Petitzeile <** deren Saum 15 Pf». Reklamen die prtitzelle 25 Pfg ; bei Wiebe» Holungen wird entfpr. Rabatt gewährt.

vruck und Verlag de» Zuldaer Actiendruckertl in Zulda (harmouich Zernfprecher Ur. *-

M 45.

Fulda, Freitag, den 24. Febmar 1905.

32. Jahrgang.

Erstes Matt.

0 Die akademische Z eiheit.

Auf die Frage, was akademische Freiheit sei, werden auch die lauten Leute, die seit einiger Zeit mit so viel Geschrei von ihr reden und sich mit so viel Kampfesmut zu ihrem Ritter aufwerfen, sicherlich eine klare, gmaue Antwort gebe» können. Es geht da, wie mit den meisten Phrasen und Schlagwörtern, mit denen die liberalen Macher der „öffentlichen Meinung" die gedankenlose Menge fortreißen; man denkt sich nichts Greifbares da­bei und weiß selbst nicht recht, wofür man sich begeistert und worüber man sich „entrüstet".

Die akademische Jugend genießt keinerlei Privilegien in unserem Staatslebe». Sie unterliegt genau denselben Gesetzen und hat sich für Gesetzesverletzungen bei denselben Gerichten zu verantworten, wie alle übrigen Staatsbürger. Die „Freiheit", welche die Stu­denten als etwas besonderes für sich in Anspruch nehmen, ist ihrem Wesen nach keine andere, als diejenige, die alle Staatsbürger genießen und ihren jeweiligen Verhältniffen anpaffen. Die Studenten haben die „Freiheit". so viel zu schwänzen und so wenig zu studieren, wie sie wollen, eigenen Trinkfitten zu huldigen und, wenn es ihnen Bedürfnis ist, auch zu renommieren. Als eigentümliches Privileg wird ihnen vielleicht auch daS nachsichtig eingeräumt, nachts zu ran- dalieren, ohne daß man deshalb übermäßig strenge mit ihnen ins Gericht geht, und Mensuren aus­zufechten, ohne daß die akademischen und polizei­lichen Behörden es zu bemerken scheinen. Sonst wird von „akademischen Freiheiten" nicht viel Greifbares aufzutreiben sein, und was man so nennt, exiftiert nur in der Einbildung der jungen Herren. Der vielgeschmähte Gcheimrat, der ge­faßt haben sollte, es gebe gar keine akademische Freiheit, hatte also im Grunde gar nicht so un­recht, wenn das Wort um des lieben Friedens willen nachher auch mildest ausgelegt wurde.

Neuestens habe« einige Hochschüler die aka­demische Freiheit auch noch dahin auslegen zu sollen geglaubt, daß ste das Recht hätten, ihre Kommilitonen im Namen der akademische« Frei­heit dieser Freiheit zu berauben und der Regierung durch vorlaute Einmischung in die Angelegenheiten eines Nachbarstaates Unge- legenheiten zu bereiten. Damit find ste nun aber ganz gründlich gescheitert. Die Donners- tag Sitzung des Abgeordnetenhauses war der Erörterung dieserFreiheitSsrage gewidmet. Nach der phrasenhaften Begeisterung liberaler Blätter für die „akademische Freiheit" und dem Auftreten des nattib. Abg. Frie berg und seiner Freunde in der Dienstagfitzung hätte man vielleicht erwarten könne» — und die „frethettSdurstigen" Herren Studiosen haben es sicher erwartet — es werde eine große Redeschlacht rm ihre Besirebungen geschlagen werden und die Literalen würden diese Bestrebungen zum Siege führen.

Lin bürgerlicher Jahr.

Novelle von Earl Conte Scapinellt.

13 ------(Nachdruck verboten.)

VIII.

Miner Tages, als Fritz eben in seiner Wohnung mit seiner Frau Mittag geg-ff-n hatte, klingelte eS t. t btt WohnungStür. DaS Dienstmädchen, daS kffnea p-gange« war, brachte eine Visitenkarte mit der Aus- f eist: „Paul Ritter v. Bachmann, k. I. BrzirkSkom- ß ffar, k. k Smtihaltcrri, Wien."

Fritz la» die Worte, dann sagte er: „Ein seltener B such! D-r will jetzt wieder mit mir „anbandeln" es ist gut, ich laffr bitten."

Eine« großen Blumenstrauß in d-r behandschuhten 8h fee, betrat Bachmann im modisch zugeschnittenen Anzug die gute Stube bei Lochen.

„Servus, me n Lieber," begann er in seinem näseln­den Aristokraiendeuisch, „du verzeihst, ich stör' dich doch «et im Speisen, das mär' mir furchtbar unange­nehm, weißt Frrtzl, ich hab' nämlich bei euch noch gar keine Auswartung g'macht, seitdem ihr verheirat seid Ra ja, da» ist doch kein G'görtfich, i weiß, aber ich hab' «ich neulich so g'ireut, wie ich dich in Rodau« g'trtGen hab', wie gut du autschaust, und wie ich gehört hab', dir und der Baronin geht'» gut, da hab' ich GewissenSbiffe bekommen und bin heul' rasch 'rauSgesahrev. ES ist ja net g'rad die richtige Besuchstund', aber ich wellt' dich bestimmt treffen. Werd' ich auch die Ehre dabcn, de.ne liebe Frau zu sehe» Ja! DaS ist nett!"

Ftttz eie? Mitzi.

,G.statlen, gnädige Baronin, einen kleinen Blumen­gruß aus der Stadt," hiermit überreichte er Frau v Leiber? den Rttserblurnenstrauß und lächelte meckernd: „Ich hab' schon lang gnädiger Frau

Niemand, absolut niemand, keine Par­tei, kein Redner ist für diese „akademische Freiheit" eingetreien. Bon Herrn Friedberg angefangen haben alle den Herren Stuben en er­klärt, daß ihr Verlangen nach Unterdrückung der konfessionellen Verbindungen vollkommen ungerechtfertigt sei. Die liberalen Redner sehen zwar die konfessionellen Verbindungen sehr ungern, aber im Namen der akademischen Frei­heit den Studenten untersagen zu wollen, einer solchen anzugetören, dos erscheint ihnen denn doch als em wahrer Hohn aus diese Freiheit. Vielleicht hat zu dieser Objektivität der Umstand beigetrogev, daß es auch jüdische und protestan­tische Verbindungen und sogar akademische Zweig­vereine deS Evangelischen Bundes gibt und man auch diese unterdrücken wüßte, wenn man gegen die katholischen Verbindungen vorgehen wollte. Aber auf die Bewegßr linde kommt es nicht en, genug: DaS gange Abgeordnetenhaus ist mit der Regierung einmütig der Meinung, daß die konfessionellen Ver­bindungen auf Grund der akademi- echen Freiheit ein Recht haben zu sxtstteren.

Damit ist die ganze durch die Studenten­schaft gehende Bewegung verurteilt, und zwar zum Tode. @in empfindlicher Sch'.ag ist es auch für den Evangelischen Bund, Seine friedenfiörerischen Emissäre haben die gar je Hetze gegen die katholischen Verdinvungeu in Szene gesetzt und die Studenten zu ihrem frnheitt feind­lichen unduldsamen Vorgehen aufgestachelt. Die preußische Volksvertretung hat ihn gänzlich im Stiche gelaffen und jede Gemeinschaft mit diesem Treiben abgelehnt. E.ne so bittere Pille haben die Hetzer noch nie zu schmecken be­kommen. Auch der Rektor der Technischen Hoch­schule zu Hannover, der die Hetze gegen die katholischen Verbindungen zuerst begünstigt hatte, hat gleichfalls seine Schlappe weg.

W Auch die vorlaute Einmischung unreifer Stu­denten in die inneren Angelegenheiten eines Nach­barstaates ist von keiner Seite gebilligt morden. Man behandelte die Sache zum Teil mit Nachsicht und mochte sie nicht sonderlich tragisch nehmen, aber daß die jungen Herrn fich besser nicht um Dinge gekümmert hätten, die ste nichts angingen und daß auswärtige Angelegen­heiten ein kitzlicher Punkt seien, den Unberufenen nicht berühren sollen, war doch die allgemeine Meinung. So blieb den Liberalen denn als Ar krage gegen die Unterrichrsbehörde« weiter nichts übrig als die „Methode", mit der gegen die Studenten vorgegangen wurde. Man klagte über Bureaukratie, unnötige Strenge, ungeschickte Behandlung der jungen Leute. Es mag ja sein, daß tlüger und rücksichtsvoller zu Werk härte ge­gangen werden können, und daß man diesen oder jenen Schritt zurück tun solle. Darüber wollen wir nicht streiten. DaS ist Nebensache. Worauf es ankommt ist allein, daß von einer Absicht der Behörden, die akademische Freiheit anzutasten, nicht die Rede sein kann und daß unter die akademische Freiheit nicht daS Recht fällt, Kommilitonen auS konfesfioneller Voreilige- nowmenheit im Gebrauche der Freiheit zu hin-

metne Aufwartung machen wollen, ich hab' schon so viel HüdscheS über die hübsche Baronin Loiben gehört, daß ich, sozusagen bevor ich die Ehre Ihrer Bekanw schäft hatte, Sie still verehrte, ganz still natürlich — Ja!"

Einige Minuten unterhielt man fich über gleich- giltige Dinge, dorn erhob fich Frau Mitzi und tagte:

„Ich werde die Herren jetzt allein lassen, Sie, Herr Baron, wollen gewiß mit m-irern Mann irgend war besprechen."

AIS er beschede« verneinen wollte, meinte sie: „Oh, bitte, lassen Sie fich nicht stören, aus Wieder­sehen, Herr v. Bachmann."

Und schon hatte ste das Zimmer verlassen.

„Deine Frau hat eigemlich recht, ich bad' mit dir wa» zu reden, du mußt wir einen kleinen Freund­schaftsdienst erweisen Also pass' auf und erschr-ck nicht: Ich rnöchr' heiraten 1 Na ja! und zwar, du hast mich selbst darauf gebracht, eine Tochter vom Heller, verstehst, irgend eine. E» find alle drei g.nz nette Mädeln. Du warst ja so freundlich, hast mich ihm jüngst vorgestellt, daraufhin hab' ich meine Karte ab­gegeben, und zu dem Gartenfeste, daS er neulich in Bad « in seiner Billa gab, hat er mir eine Einladung geschickt, ich bin hinau-gefahren und hingegongen nnv hab' mich ganz leidlich unterhalten. Unsereiner muß fich eben erst in diese Kreise einleben, verstehst, aber ich glaub', ich treff' e- bald brillant... dar viele Geld der Leute mackr's einem so leicht I" Er lächelte.

„Sawrtog abend» ist doch der alte Hiller auch wieder in Baden, wie wär' es, wenn du mit mit hinauSführep, weißt, da entschließ' ich mich leichter, da red' ich leichter mit ihm, wenn ich wenigstens einen Menschen in meiner Nähe weiß, de« ich kenn', der aus meinem Kreis ist."

Fritz überlegte.

„Ja, lieber Paul, bestimmt kann ich bit’8 nicht versprechen, aber möglich ih'a, ich hab' mh Heller auch möglicherweise etwa» Wichtige-, Geschäftlicher zu

betn und fich in die inneren Angelegenheiten eines fremden Staates einzumischen.

Die Nalionalliberalen haben sich natürlich bemüht, die Nebendinge nach Kräften aufzu­bauschen, um möglichst viel Kapital daraus zu schlagen. Herr Friedberg spielte den Seiet« dizten weiter und droht dem Kultusministerium mit Abbruch der bisherigen Beziehungen zu ihm; Herr v. Eynern polterte alle seine groben Redensarten gegen den UltramontaniSmuS her­aus, nachdem schon festgeftellt war, daß von einer Liebedienerei des Kultusministeriums gegen das Zentrum nicht die Rede sein kann; Herr Dr Jaenicke, der Verleger des «Hannoverschen Kouricr', sühtte fich aus sehr durchsichtigen „lo­kalen'- G-Ünden veranlaßt, sich der Studenten anzuneymen und der Utterrichtsoerwaltunz mög­lichst viel Unangenehmes zu sagen. Der frei» konservative Frhr. o. Zedlitz stieß kläftig mit den Nationüll brralen in das gleiche Horn, weil er sie sich doch warm halten wollte. Vorn Kul­tusminister und vom Herrn Altboff erzielten Herr Friedberg und Genvffen entschuldigende Erklärungen, vielfach nicht ganz zu ihrer Be­friedigung, da eS ihnen wohl lieber gewesen wäre, uneingeschränkt weiter loben zu können. Ob sie weiter zürnen wollen, muß ihnen über- lüffen bleiben. Der Krmpf für die „akademische Freiheit" ist jedenfalls als Eulenspiegelei er­wiesen, mit der niemand etwas zu tun haben will, und die Hetzer gegen die konfessionellen Verbindungen werden von allen Seiten im Stiche gelaffen. Mit diesem Ergebnis der De- batte sind wir ganz Zufrieden.

Deufldies Reich.

Berlin, ben 23. Februar 1905.

* Kaiser Wilhelm ist von der Universität Pennsyloanien zum Ehrendoktor er­nannt worden. Darauf telegraphierte der Kaiser an Professor Harrison von der Universität von Pennsyloanien:

Ich bin wahrhaft erfreut, dass die Universität Mir gleichzeitig mit dem Präsidenten Roosevelt die aka­demische Ehre anbietet, mit der einst George Was­hington bekleidet war. Ich bitte 6<e, mit Meinem Danke die besten Wünsche für daS fernere Wachse« und Blühen der Universität entgegenzunehmen.

Die namens der Universität ergangene Ant­wort lautete:

Die Universität von Pern ylvanien dankt Eurer Majestät für die gnädige Botschaft und begrüßt in der Körperschaft der Universität die Namen Eurer Majestät und deS Präsidenten Roosevelt neben dem George Washingtons.

* Dan! deS Kaisers an de« Reichs­kanzler. Der Kaiser hat an den Reichskanzler Grasen von Bütow folgende KabinertSordre ge­richtet :

Mein lieber Graf von Bülow! Nachdem Ich auS Ihrer Meldung ersehen habe, daß dir verfaffungS- mäßige Genehmigung deS Reichstages zu den neue« Handelsverträgen erfolgt ist, drängt eS Mich, Ihnen an diesem bedeutungsvollen Abschnitt deS BerttcagS- werttS Meinen wärmsten Glückwunsch auSzuivrechen. Mit Ihne» hoffe Ich zu Gott, daß die neuen Verträge eine neue Rtäfttgung der deutschen Volkswirtschaft und ein »eueS Band friedlichen Wettstreites zwischen dem Deutschen Reiche und den uuS befreundeten Lände n schaff-« werden, die sich bereit erklärt haben, auf der

besprechen, ich weiß nicht, ob ich eS schon SamStag tun kann, ob ich bi» dahin damit fertig bin!"

„Aber g'wiß bist fertig, g'wiß wirst fertig, tummel' dich halt a biff-rl, du bist doch jetzt ein so fleißiger Mensch!"

A'S Bachmann fich v'rabfchiedet hatte, da wmde eS Laiben er» recht klar, waS dieser vorhatte. Unte Lächkln ichüiielie er immer wieder Vai E staümn denKrpf.

Dieser Mensch wollte HrllerS Tochter heiraten, „irgend eine", wahrscheinlich die ättepe, nicht cu8 Siebe, nein, deS GettiS wegen.

Und er war überzeugt, Heller würde fie ihm auch geben, und daS Mädchen würde auch darein em» willigen, betn fie waren ja gut erzogen l

Der stolze Bachmann, der dem alten Adel alles abzvgucken suchte, b S zur Haar- und Barttracht, bis zum näselnden Ton der Spreche, bis zum l-tzten Dialekiwort, derselbe Backmann ging hin und wollte di- Tockter einrS Fabrikanten heiraten, aus dem ein­zigen Grunde, um reich, möglichst reich zu fein. Und doch brauchte er dci srewdo Geld nicht, er hatte selbst genug B rmögen und eine höhere StaatSbeamtenstl lle.

„Alle, wir olle tot Öen j-tzt die Geldaristokratie auSnützen," dachte er. „Im Grurde war eS ja das­selbe, was er getan hatte, genau dasselbe. Auch er nahm Geld von diesen L uter-, er, der Herr v. Leiben! Freilich tat er dosür arbeite«, er war fleißig, er leistete waS darum, aber Bachmann tat auch waS dafür, er ließ Herz, Liebe, Stolz fahren und nahm dafür dar S ld und das Mäda.er-. Und doch war das, waS er tat, das Ehrlichere, .das B-ffere; er verkaufte weder feinen N men, noch fein Herz, er verkaufte nur fein bischen Arbeitskraft, wie «S jeder andere tat. War eS fetter, vom Staat als Beamter, alS O'fnier Gelb zu rchmen? Es galt den Sr pokraten volleicht als vornedm, abtr im Grunde war eS ganz dasselbe; und schließlich von wem hätte der Staat daS Geld, wär-n es nicht Leute wie Heller, die tib dem Staat geben, als Steuer, als Darlehen?"

durch sorgfältige Abwägung der beiderseitiger, Interessen gewonnenen Grundlage mit uns ihre HaudelSbeziehunge« zu regeln. Sern und freudig erkenne Ich an, daß e» vornehmlich daS Verdienst Ihrer staatsmännische« Kunst und Ihrer zielbewußten Leitung der Verhand­lungen gewesen tfr, daß dieser schöne Erfolg, trotz allen entgegenstehende» Echwieriakeiten erreicht worbe« ist. Ihnen gebührt baher in erster Linie Mein Dank. Indem Ich Ihnen benfelben von ganzem Herzen o«S- spreche, bitte Ich Eie zuale'ch, alS äußere» Zeichen Mriner Anerkennung und Meines Wohlwollens Meine Büste in Marmor freundlichst anzunehmen, welche Ihne» demnächst zugehen wird. Ihrer treuen Dienste allezeit eingedenk, verbleibe tzch Ihr dankbarer Raiftr und König (gez) W lhelm I. B. — Berlin, Schloß, bett 22. Februar 1906.

Ferner hat der Kaiser aus Anlaß der An­nahme der Handelsverträge dem Stellvertreter des Reichskanzle.s Staatsminister Grasen von PosabvwSly den Orden rom Schwarzen Atler, b?m Prrußrfchen Minister für Landwirtschaft von PodbtelSki das Großkreuz des Roten Adler- orbens verliehen und den Staatssekretär Frhrn. v. Richthofen zum StastSmimster unb Mitglied des preußischen Staatsmirifieriums ernannt.

* Der Gr«fregeut Leopold vou Lippe- Detmold hat die an ihn vom Kaiser ergan­gene Einladung zu den zu Berlin anläßlich der Domeir weihutig st.tr findenden Feierlichkeiten ab­gelehnt unb in seinem Schreiben an den Kaiser witgeteilt, baß er fich wegen bes schwebenden schiedsrichterlichen Verfahrens versagen müsse, der Einladung Folge zu leisten.

* A s Antwort *«f die neuen Berg- gesetzuovelle« schreibt das niederschlefische Kohlinsyndikat: „Im Landtage steht ein Ge­setz zur Beratung, das dem Bergbau neue Lasten aufbürdet, deren Kosten fich noch nicht übersehen lassen, aber rech! hoch sein dürften. Di, fr Er­höhung unserer Selbstkosten zwingt uns, die Kohlenpreise zu erhöhen.

* Der Streit unter de» Genosse» be­ginnt wieder. Sechs Wochen lang Haden ter „Vorwärts" und die von F anz Mehring geleitete „Le pz Volksztg." fich öffentlich nicht angerempelt. Jetzr oeschwert fich die „Leipz. Volksztg." aber wieder über einen „Krakeel" des „Vorwärts", der „in frivoler Werfe" auf erledigte Differenzen zurückgekommen sei und einen „neuen Krakeel" anfange wegen der Haltung bet „Leipz. VolkSz." währenb des BergarbeiterstrerkS. DaS Organ Mehrings forbert den „Vorwärts" auf, in seiner nächsten Nummer die unwahre Behauptung richtig zu stellen, wonach in bet „L-ipz. Volksztg." ge­sagt sein solle, dcß bet Reichstagsabgeordriete Sachse Mitglieder seiner sozialdemokratische« Organisation habe verhaften lcffen. Mit Be­hagen druckt die „Leips. VolkSztg." gleichzeitig eine Zuschrift aus Berlin ab, welche es als „ein Unglück" bezeichnet, bcß fick bie auswärtige sozial- demckiatiiche Preffe über Berliner Parteworgänge auS dem „Vorwärts" unterrichten misse. Die Zuschrift spricht von einer „Klatschnachrtcht" btt bürgerlichen Puffe, baß Genosst Antrick wegen Vorgänge privater Natur von der Patieilei, nng aufgefordert worden sei, seine Ehrenämter nieder- zulegen. Durch das Verhalten bes „Vo-w." sei allem möalichen Verbucht gegen Antrick Tür unb Tor geöffnet worden. Der Gewährsmann der „Le^pz. Bo'ksz'g " ist roü^nb darüber, daß

„Dumme Gedanken!" dachte er, „dumme, unnütze Gedanken, wer leben will, mvß arbeite«, und jener, bet ehrl che bürgerliche Arbeit verrichtete, wat nicht ber schlechteste."

Er wollte eine Merhobe wieder ntu entdecken, wie man baS Altwiener Porzellan in feiner alte« Schön­heit und Form wieber Herstellen könne, bie sollte ihm Hller abkausen ober ste in irgtnb einer Form er­werben, damit sollte Heller unb er Gelb verbienen, so war eS recht unb billig!

Er war ja ber Lösung der kleinen Geheimnisse in Technik unb Farbengebnvg tank d-w Nachlasse betz alten Mannes ziemlich iahe gekommen, hatte selbst dawtt verschieb ne B-rluche a«g-stellt, hatte sog« Zeichnuegen urb Entwürfe von Porzella» wüstem ü» brr Kiste vorgefunbe«, die bi» j-tzt gar nicht bekannt waren.

Seit Mitte Juni, al,o käst zwei $r oraten, hatte er fich mit birsen Versuchen beschäftigt, hatte bieS «ntz jenes versucht, manches war ihm gleich gelungen, zu manchem war er erst durch eite Reihe mühseliger Sxpe-imente gekommen.

Heller und ben Herren im Bureau gegenüber hatte er von seinen Entdeck«» gfarbeiten roch lein Sterbens­wörtchen gesagt, er wollte tiefen mit ber fertigen Tat­sache entgegrntrden.

Mit erneutem Eifer saß « am Abend dies- S Tages wieder in seinem Arbkitszimwerchen. Seine Frau War über die neue Beschäftigung ihres Manne» nicht eben froh. Und selbst wenn er ost obtnb», von seiner Forscher arbeit ermüdet, dttse be out fette, da ging et om l-ebfien roch einen Sprung hinunter ans die menschenleeren, schwülen Sttaßen oder in eine« nahe« Giphonrgarten. Dnn seine Gedanken litten ihn doch mchr zvm Schlafen kommen. ,

So saß er dann oft, da ihn feine Frau aus solch abendlichen Erbolungsgänoen nickt begleiten wollte, tu einem der voi städtische« GasthauSgärten, die ein oder zwei schwache @aiflammen erleuchteten, und atm« m