Einzelbild herunterladen
 

s°

Fulda, Mittwoch, den 22. Februar 1905.

M 43

32. Jahrgang.

verantmortticher rchrtftletter:X.»«V« flf Me3nftr<rte __ . ,,

j.pwk-1« «-»-• wocheobellage: „Illustrierte Sonntag^eitung

irf*ehH tä-ttch, iM IunHk He See* **>8tierta<e. viertel. jWi-Btjwjiprei» »ha« vringerloha e* BefttlreteiegalHinte aumrtrts I Nk. S4 Pli-

sollen vor jedem Geschäftsabschluß angestellt werden. Das Auskunft Swesm ist in unseren modernen HandelSauSkunstei« so vorzüglich or« ganifiert, daß eS fast allen Ansprüchen gerecht werden kann. Sine Gesundung deS Kredit. wesenS ist nur von einer ausgedehnten Inan- spruchnahme deS Informationsdienstes zu er. warten. Sine der bedeutendsten Firmen auf diesem Gebiete, die Handels-Auskunftei I Meißler u. Co. in Berlin, hat mit ihren über 300 Geschäftsstellen und zirka 18 000 Korrespon­denten eine Organisation, die zu den aus­gedehntesten zählt. In Deutschland, vor allem aber in England und Nordamerika, haben die Handelsauskunsteien infolge ihres gemeinnützigen Wirkens bereits uneingeschränktes Vertrauen und weitgehendste Anerkennung erworben. Man be­herzigt eben hier nur zum eigenen Besten die Mahnung: Kein Kredit ohne vorhergehende Aus- kunfteivholung!

Injtijta: Oie et» spaltige petttzeile oder deren Xanm li pfg. leflameo die Petitzeile 21 Pf,.; bei Bietet- ho lang« wir» ettiiet. Rabatt gewährt.

vrnck and Verlag der Laldaer Actieudnnlerei ta Zalda (Harmonie). Fernsprecher Hr. 9.

Wer kann überhaupt pfeifen? Jedenfalls ist kein Mensch in der Lage und Laune zu pfeifen, wenn er ernstlich zornig, haßerfüllt oder auch nur übler Laune ist. DaS Pfeifen ist stets ein Zeichen dasür, daß der Pfeifende sich in einer heiteren, glücklichen oder doch zufriedenen Stirn« mung befindet. Wenn der Meister den oben er­wähnten Metzaer-, Bäcker- oder Schusterjung-n fest an den Ohren hat, pfeift dieser ficherlich nicht. Aber kaum ist das junge Blut mtt seiner frischen Lebenslust auf der Straße, dann hat er das Schmerzliche vergess«, ist wieder bester Laune, schaut harmlos und gedankenlos in die We t hinaus und — pfeift Gar nicht anders ergeht es dem gesetzten Man«. Geschäft oder Wissenschaft, Leben oder Sorge nehmen seine Kra t, sein Sinnen den ganzen Tag in Anspruch, aber ab und zu hat er trotz diesem und jenem und allem doch einmal einen ruhigen Augenblick, dann ist zwar wohl müd, aber doch zufrieden, er ist arbettSbefriedigt und dann — pfeift er leis oder halblaut vor fich hin--gesetzt den

Fall, daß er kein Murrkopf ist und das Pfeifen überhaupt kann.

Der Mürrische, Trübselige, Gehäsfige, Nei­dische kann gar nicht pfeift«. Die Sefichtszüge, besonders um den Mund herum, find bei der­artigen Leuten in eine solche Lage gezogen, meist auch festgelegt, daß fie fich absolut zum Pfeifen nicht eignen. Daher auch die Erfahrung, daß solche Leute nie pfeifen. Tun fie es aber doch ausnahmsweise, daun gibt eS eine« widerlichen Ton, eS ist kein Pfeifen, sondern eher daS Fauchen eines gereizten KaterS, vermischt mit etwas Schlangenzischen. Solche Leute sollten daS Pfeifen am besten ganz laffen, denn fie verraten damit ihr häßliches Innere und ärgern damit nur andere Leute.

In alten Zeiten ist die Pfeife, die heute nur bei der Jugend, wenn der Frühlingssaft in die Weiden schießt, oder bei der militärischen „Knüp- pelmufik" zu Ehren kommt, hoch geachtet gewesen. Sehen wir von 4« Zeit Altägyptens, Griechen­lands, Roms ganz ab. Im deutschen Mittel- alter war die Pfeife unzertrennlich von den hei­tersten Festen des Friedens wie den schwersten Tagen deS Krieges. Keine Hochzett Augsburger Patrizier- und MtllionärStöchter, kein üppiger Bauerntanz, keine Lustbarkeit der ärmsten Leute war denkbar ohne Pfeife und Pfeifer. Und die letzteren wurden:fogar von Sage und Poesie reich umwoben. In ,Rappollsweiler im Elsaß hatten fie ihre Zusammenkünfte und der dortige Graf war ihr Schutzherr, der — Pseiferkönig.

Keine deutsche Schlacht ist in alten Zeiten geschlagen ohne Pfeifer. Rührend schildert Viktor von Scheffel im „Ekkehard" auf Grund von ältesten Urkunden, wie der kleine, noch fast kna­benhafte Pfeifer Audifox mutig an der Spitze der Mönche von Reichenau, der Bauern und der Burgmannen vom Hohentwiel in die Schlacht gegen die Hunnen marschiert, unentwegt voran­schreitet und — pfeift. Pfeifer waren es auch, die die deutschen Landsknechte beim Sturm gegen des frechen Franzofenkönigs Franz I. Heer bei Pav a zum Siege führten ufw. ufw.

Mag nun immerhin die Pfeife und das Pfeifen in unverschuldeten Mißkredit geraten sein — jedensallS ist derjenige gar kein unglücklicher Mensch, der zuweilen fröhlich pfeift und dem Pfeifen nicht bittergram ist.

Palast: „Können wir von Ihrem Platze auS mit dem Ballon aussteigen?" vnd erhalte bald die Antwort: »Ja". — Na, also los nach London! Wir verlade« wieder unser Gepäck und kommen glüllich in London an. Uff! — Nach ein paar Stunden Ruhe begimee« wir mit fieberhaftem Eifer, de» Ballon zum Ank- steigen fettig zu machen Um 6Vi Uhr abends ist alle» fertig; ich brenne vor Ungeduld und Begier mrd um s/*6 rufe ich endlich mit freudig erregter Stimme: „Los!" Eine uvgeheme Menge hat fich angesammett, ein wüde» „Hurtah" bereitet unseren Aufstieg.

Wir schießen in die Höhe und lassen die tausend- köpfige Masse lief unter im», Wir steigen und steigen, bald find wir 20C0 Meter hoch. London leuchtet unter uv» auf; ob» einem dichten N'belschleier blitze» Flammen und Lichter. Das Mondlicht gießt seine« bleichen Glanz in den wehen Weltenraum und erfüllt mit einem blossen opalifierendrn Schimmer die Lust. Und plötzlich blitzt e» auf, und ein unruhiges Gewoge breitet fich unermeßlich unter uns aus: eS ist da» Meer. Ich wende mich zu meinem Kameraden, dessen erste Fahrt e» war, und zeige auf die lesse glänzende Wche: „Bist Du fest entschlossen?" frage ich. „So ist wie Du!" „Nun bann vorwärts l" Wir hatte» >en HervS-Stabiliftlor bei uns und verwandten ihn ofort, als wir über dem Meere waren, mit glänz«, dem Etftlg. Wir gerieten, bi» auf eine Höhe von etwa 800 Meter herabfinkend, in eine Windhose, und der Ballon neigte fich bedenklich; doch durch den Ap­parat geriet er bald in die schönste Gleichgewichtslage, und nun begann für uns der schönste Teil der Faßh eine zauberhafte Traumreise, wie wir fie bttwell« i» beu Märchen lesen, wenn ein magische» Roß bee ans- erwählten Prinzen über ferne Weiten durch bie Lust trägt.

In bet lautlosen Rahe bet Nacht, bie uu» um- ins, schwamm bet Ballon langsam und still dahin, umflossen von ben milden Melancholiee« der Monde»- klarheit, während hinter uu» im Wasser der StabiÜ- ätor seine glänzende, filbrig ausblitzende Spar zog. Sus dieser hinreißend schönen Traumfahrt weckte «n» der stärker werdende Wind; ich hielt e» für klüger, mich über da» Meer hinaus zuheben, da uh» ei» Windstoß hätte hineinschleudern können, und stieg wieder in die Lüfte. Doch waS für ein Anblick bot fich uns da erst! Wie eine Bifion der Erhaben­heit und Größe erschien un» nun da» Meer, der Himmel und die Wolk«, während unten wie zwei Möwen zwei weiße Dampfer vorbeifuhren, der« Schnauf« wir in der Nachtstille hört«. Zwei Stunden, nachdem wir da» Festland von England au» d« Augen verlor« hatten, langten wir in der Höhe von Dieppe an. Ich hatte mein Ziel erreicht: den Kanal mit dem Ballon zu durchqueren. Wir fegett« toetter, ungewiß, wo wir waren und wo wir uns herablaffen sollten. Plötzlich schi« der Horizont sich aufzuhellen; ein lichter Schein zuckt am Himmel auf. „ES wird Tag", sagte mein Vetter. Doch e» war erst ein Uhr; wie hätte die Sonne, die jetzt im Winter so träge ist, schon aufwacheu sollen? E» mußte als» da» Licht einer großen Stadt sein. Wir näherte» uns. Die Luft war klar, ohne jed« Nebel; da sah ich in einem ganz feinen Dunst Tausende von Lichter» leuchten; als alter erfahrener Kenner unserer Haupt­stadt wußte ich sogleich: da» ist Pari», und da» Herz schlug mir höher. Bon London nach Paris im Luft­ballon, da» wahr mehr, al» ich mir vorgrnowm« hatte. Wir beschlossen also, zur Erde un» herabzu- senken, und nm 1 Uhr 45 Min. Morgen» kam der Aero-Klub II. auf den festen Boden in der nächst» Umgebung von Pari» nieder. Wir warm i« sechs Stund en von London rach Pari» gelangt. Niemand lunduw zu sehen! Ich li-ß meinen Bettet in bet Gondel zurück, in bet er fest einschlief. Ich besorgte in bet Nähe einen kleine« Wagen, auf ben bet Ballon bet laben wurde. Dann ging« wir beide, bi» wir eine Droschke traf«, und kamen so recht ver­gnügt von unserer Luftfahrt nach Hause."

h. a. Die Ursache drr großen ver- luste bei Konturfen.

250 Millionen Mark rund wurden im ver- aangene« Jahre allein bei Konkursen ver­loren. 250 Million» Mark — eine Riesen, summe! Und doch sind in dieser hohen Ziffer «och lauge nicht alle Verluste inbegriffen, denn dazu kommen erst noch die Verluste auS dm außergerichtlichen Vergleichen und aus denjenigm Fällen, bei denen daS Konkursverfahren auS Mangel an Maffe überhaupt nicht eröffnet oder nach Eröffnung eingestellt wurde. Die Gesamt- summe der jährlichen Verluste dürste fich also sehr leicht um mindestens die Hälfte noch er- höhen. Wenn man von solchen Verlustziffern hört, dann fragt man fich unwillkürlich: welches sind die Ursachen dieser kolossalen Ver­luste, und wie ist diesen vorzubeugen!

Man kann wohl sagen: wer über diese bei- dm Fragm erschöpfende Auskunft zu gebe» ver­mag, der hat oen Stein der Weisen entdeckt. Wen« eS uns also auch ferne liegt, über Ur­sache und Abhilfe vollkommen Aufschluß zu geben, so sei eS uns doch gestattet, einige Punkte her- auszugreifen, die in dieser Hinficht hervorragend i» Betracht kommen. Die Höhe der Verlustziffer hängt naturgemäß eng zusammen mit de« je- weiitgm Konjunkturen unserer Volkswirtschaft. So »»rde z. B. der bisherige Höhepunkt in den Ko»- kursziffer» erreicht, als unsere Volkswirtschaft zu Begin« dieses Jahrhunderts eine Krise durchmachte, wie fie schwerer nicht leicht denkbar ist. Seit »n« Handel und Industrie fich wieder langsam aber andauemd erholen, und die Konjunktur fich i« aufsteigender Linie bewegt, geht auch die Zahl bet Konkurse wieder zurück.

Auch im Jahre 1904, hatten wir gegenüber dem Jahre 1903 eine bedeutmde Minderung der Konkurse zu verzeichnen. In den ersten drei Viertel» des Jahres 1903 wies die Statistik des Kafferlichen Statistischen Amtes 5877 Kon­kurse gegen 6117 im gleichen Zeitraum des Vor­jahres auf. Aber auch die außergerichtlich er­ledigte« Zahlungseinstellungen scheinen soweit ma» dies beim Fehlen jeder offiziellen Statistik übersehm kann, ihre frühere Höhe nicht erreicht I« habe».

Die Höhe der Zahl der Konkurse hängt ferner ab vo» einzelnen Zahlungseinstellungen, bei be»e» eS sich gleich um viele Million« handelt und die infolgedessen auch weite Kreise kleinerer Geschäfte ruinieren. Die großen Fallimente der Terlinden, Leipziger Bank, Kasseler Trebern, Sand« Bankm, Proftffor Meyer rc. find Be­lege hierfür.

Die Haupturfache für diese jährlichen Verluste von mehreren hundert Million« Mark liegt aber i» der allgemeinen Kreditverwilderung. Heutzutage erhält jeder Kredit, der nur ein einigermaßen ehrliches Aussehen hat, womöglich aber ei« Titelchen, einen Orden, eine schön klin- «»de Firma, wenn auch als einzige Bürgschaft str seine zweifelhafte Kreditfähigkeit angeben kau». Jeder kann heutzutage ein Ladengeschäft »»fange». Die Miete für das „Lokal in hervor- rage»der Lage" bleibt er schuldig, die glänzende und bestechende Einrichtung erhält er aus Borg, und das reich assortierte Lager ist selbstver­ständlich — auch nicht bezahlt. Diese Schi!- denmg ist natürlich etwas übertrieben, in ihren einzeln« Punkt« aber trifft fie doch in den «effte« Fällen zu.

Z« Abhilfe aller dieser Schäden hat man bereit» Vielfach Vorschläge und Versuche gemacht, die zwar keine dwcchgreifende Besserung, aber doch memnigfetehe, nicht unbedeutende Erfolge er­ziele» konnten. Ran gründete Schutzverbände einzelner Branchen, Kartelle und Syndikate, Welche einheitlicheZahlungsbedingungen, Zahlungs­frist« und Berkäufsbedingung« festfiellen und über der« genaue Innehaltung wach«. Ran der allzu lebhaften Konkurrenz die Schuld Md führte KonzesstonSpflicht, Prüfung der Be- dürfnisfrage, Meisterprüfung«, Zunftzwang, Gesetze geg» unlauter« Wettbewerb, kurz und «t, tausend kleine Maßregeln von Wert oder Anwert ein. Die Krediwerhältniffe hab« sich ««ch — infolge ober trotz dieser Institution« — i« Deutschland gebessert.

«ne durchgreiftnde Sanierung ist jedoch nur zu erwart« durch vermehrte Vorsicht bei der Kreditgewährung. Genaueste Jnsor- mation über Rus und Charakter, über Der- möz«sverhältniffe, über die allgemeine Lage, über die Bedeutung und sonstige Verbindung« deS Geschäftes, über Zahlungsweise und Ge- fchäftsgebahren deS um Kredit Rachfnchendm

von London nach Paris im vallon in 6 Stunden find zwei Pariser SpottSmännet, Jocque» gaure und Herbert Laut Ham, gefahren. Sie hab« so auf bie schnellste nut mögliche Art bie Reise zurückgelegt unb eine romantische, an Sinbrück« unb Aufregungen reiche Fahrt bmchgemacht. gaure ist grat erst 32 Jahre alt, machte aber bereit» feine 125.

allonfahrt, während fein Bettet Lanthan, ein Neu­ling in den Mysterien be» Luftreicher ist unb feine erste Fahrt machte, gaure erzählte dm Korrespon­denten englischer und französischer Blätter etwa fol- gmdeS über sei« interessante» abenteuer:

,E» ist mit nur geglückt, bie Fahrt zn machen", meint er, „well ich mich burch keine Hindernisse zu- rückschreckm ließ. Man legte mir überall Schwierig­keiten in b« Weg. Al» ich den Ballon unb eine an der Gondel befestigte Flugmaschine mit einem extra tenstrnte.t« Petrolenuunotor, bee den Ausstieg be» Ballon» ohne Verlust von Sa» und Ballast gestatten sollte, auf dem Bahnhof befördert hab« wollte, fand man meta Gepäck zu umfangreich und wollte e» zu­erst nicht mitnehmen: in Calais aber verbot mir die Zollbehörde, die Ballongondel mtt dem Motor mit nach England zu nehm«; so mußt« wir, um da» Schiff nach Dover nicht zu versäumen, eine gewöhn­liche Gondel mitnehm«. In Dover aber fand« die ärgerlich«Mißgeschicke ihre Fortsetzung. Wit formt« da» Ga» nicht erhalt«, unfern Sero-Klub n zu füll«. Verzweiflung! Wa» soll man machen? Der Stab weht günstig, die Lust ist klar: e» wäre eine Schmach, solch günstige Bedingungen nicht aus zu- nutzen. Soll« wir nach Eastbourne saht« oder nach London erw«? Ich telegraphiere an b« Kristall-

MaerMZeitmg

w-chenbellag«: „Illustrierte Sonntagrjeiümg" Moiwtrbeiiage: „Zuldaer Seschichttblätter".

ki. c. Etwas vom pfeifen.

Bon S. o. Sandoz.

------ (Nachdruck verbot«.)

Pfeifen gilt gemeinhin als ordinär oder wenigstens unfein. Mag dem fein, aber gerecht­fertigt ist diese Ansicht bezw. dieses Vorurteil doch wohl nicht. Wir geben fteilich gern zu, daß eS einen mehr als „blaffen" Schrecken er­regen würde, wenn ein Herr im elegant« Salon bei Anwesenheit „brfferer" und bester Leute einen Slrauß'fchen Walzer wollte anfangen harmlos, unbefangen und laut zu pfeifen. Täte das aber eine Dame, dann wäre fie „fertig" bis auf Kind und Kindeskind.

Weshalb das Pfeifen so eigenartig in Verruf gekommen, ist nicht klar. Jedenfalls steht fest, daß das freche, herauSfordemd gelle Pfeifen des bekannten Berliner Schusterjungen nicht schön klingt, d. h. ohrenzerreißend. Ebenso ist es un­liebsam zu bemerken, daß der provinziale Metzger-, Bäcker-, ZritungS- rc. Junge früh- morgens, wenn der solide Mann ernsten, streb­samen Sinne» zur Arbeit oder ins Geschäft wandelt, seine scharfen Melodien erschallen läßt. Noch viel unangenehmer soll den Herr« und Damen der Bühne daS Pfeifen sein. Ein ein­ziger schriller Pfiff erschüttert daS Selbstbewußt- sein und geselle» sich noch einige Dutzend dieser gräßlichen Töne dazu, dann bricht daS herrliche Gebäude selbst geschaffener Eitelkeit zusammen. Gewöhnlich ist maßloser Ingrimm auf der männlich«, unstillbarer Zornestränenfluß auf der weiblichen Seite die Folge.

Wegen einiger übermütiger Jungen und einiger verunglückter Bühnmerfolge kann aber daS Pfeifen doch unmöglich so in Verruf geraten sein!

Wer abgesagter Feind deS Pfeifens ist, hätte neulich, Sonntag morgen, mit mir im Stadt­wald fein sollen. Die Bäume und Sträucher zog« es allerdings noch vor, die Frühlings- sprossen zurückzuhalten, über die weiten Wiesen breitete fich doch schon leicht daS grüne L«z«s- ahnen. Die Luft war mild, ich saß aus einer Bank und hoffte, daß doch recht, recht bald „Amsel, Drossel, Fink und Star und die ganze Vogelschar" wiederkämen.

Horch! Da pfeift ja ein Vöaelein!! Und da kam daS Vögelein. Gin schlankes Back­fischchen von etwa 15 Jahre». Sie schaute hinaus über die Wiesen und — pfiff. Mein Gott! Es heißt doch: „Mädchen, die pfeifen und Hühner, die krähe», denen soll man beiden dm Hals umdrehen." Ich habe glücklicherweise nicht an das alle Sprichwort gedacht und hätte ich eS doch getan, so würde ich eS sofort und ohne Bedenken zu dem alten Eis« deS großen Vorurteilswinkels geworsm hab«. DaS Back- fischch« sah mich nicht, eS schaute, wie gesagt, in die Ferne hinaus und träumte und — pfiff. Sie pfiff weder zartseutimental, noch schrill und gellend, fie pfiff laut, korrekt und direkt vom fröhlich«, jung« Herz« weg. O weh! Wenn das die Mama gehört hätte! Mich aber hat diese» Pfeff« so froh gestimmt, daß ich beschloß, mich z» bescheiden und auf „Amsel, Drossel usw." in Geduld zu wart«.

Einem so jung« Mädch«, besonders wenn es allein ist oder doch fich allein glaubt, verzecht man zur Not noch daS Pfeffe», aber einrt Frau — gar nicht daran zu d«k«. Und doch pfeif« gar nicht so wenige, und zwar aetn und ganz hübsch. Da war eine Arbeiterfrau mit einem Man» und fünf Kindern. Süd« und häkeln konnte fie natürlich nicht, dazu reimt fich das Pfeff« auch gar nicht, aber fie kochte, wusch, scheuerte, putzte und — pfiff. Die ganze Fa- mitte war heiter, und wenn auch weder der Mann, noch die Kinder der Pfeiskunst huldigt«, die Frau und Mutter tat es und alle waren beff« froh.

•__Vermachtes. M Z

=="e «»»Tiifftl*« Arbeiterhöllen berichtet m« bet FSerl. Ztg.' aus Petersburg. Besonder» schttE soll eS in J«auowo-WoSnrff«sk fein. „In den 6pta» «treten und »trbtteten*, heißt eS in tem Bericht, .gibt'» nirgends eine Bentilation. Dabei erreicht dte temperatur bi» 25 9t. S , in welcher in zwei Schicht« 18 Stunden ununterbrochen gearbeitet werd« «uA. von dem Qualm« und FasermederfchlSgen hab« dte Gegenstände eine dicke Kruste erhalte« und alW, wo» de« Auge ferner liegt, verschwindet im Rauchs Dte ArbettSstärtm unter der erbe find eng, triefend und schmutzig. Tag und Nacht muß Licht gebrannt »erd«. Begegnet ein Fremder Arbeitern auf bet Straße, bleibt er staunend stehen und starrt die Gestatt« am Da» find zugrunde gerichtete Mensch«, anSgeborrt, S, mit erdfarbenem Seficht und lichtempfindlichem

schon bltnb« Augen.- O

' Nicht genehmigtes Denkmal, «ine Anzahl »raub enzer Bürg er «olttm ein« Kaiser.Wilheln», Brannen auf ben bärtigen Marktplatz erricht«, doch ist die hierzu erforderliche kaiserliche Genehmigung »iv erteilt Der Kaiser ist, wie eS in der vom pr«ßifch« Minister deS Innern erteilt« Antwort heißt, der An, Scht, daß bie Anbringung eine» Nein« Portratt-Reltes» eifer Wilhelm» I. an dem verhältnismäßig groß« Brunnen bet Absicht, bet Erinnerung an den Helden« kaffer ein würdiges Denkmal zu widm«, nicht t* trügend Ausdruck gibt.

* Zu« Geburtstage seiner Frau wachte eta «ge» wann ein Gedicht, welche» mit den Worten: „D« meine» Dasein» Trevtrkrr'ne!" begann. Ter Sitz« versah fich, ober et kannte vielleicht die ‘S*l’$** Verhältnisse te» Dichter» genauer; kurz und gut, wurde patt dessen gedrnckt: „Du meine» *«!••* Ttanetkrone!"