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MaerM Zeitung

monatsbeiloge: „Zulda« GeschWMStt«".

fettetet täglich, mit Aninahme »« Sonn- nn6 Stiertage. Viertel* fShrLvezngrprei, ohne vrtngerlohn uni BetelgelbinSulbaunb arriwärt, 1 Mk. 50 Pffl.

Verantwortlicher Schriftleiter:A.wetzler

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Druck und Verlag der zuldaerActiendruckerei in Zulda (Harmonie). Zernsprecher Nr. 9.

M 43.

Fulda, Mittwoch, den 22. Februar 1905.

Erstes Wlatt.

Die Ermordung des Großfürsten Sergius von Rußland.

Alle Welt steht noch unter dem Eindruck des Attentats auf den Großfürsten SergiuS. Vor allem in Rußland befürchtet man, daß die blutige Lat noch eine blutigere Nachfolge finden werde, wenn nicht bald greifbare Reformen aus den bereits viele Wochen andauernden Beratungen des russischen Ministerkomiteeshervorgehen sollten — oder wenn gar die russische innere Politik in die alten Bahnen der Plehwe und Sonferten zurücklenken sollte.

Vorerst herrscht noch vollständige Kopflosig- keit in den leitenden Kreisen, vor allem am tzarenhofe. Der Tod des Großfürsten Sergius hat derart auf den Zaren eingewirkt, daß er in den letzten beiden Tagen vollständig von der Außenwelt sich abgeschloffen und nur mit der Zarin-Wtwe und feiner Gattin verkehrt hat.

Unter einer Unmenge telegraphischer Beileidskundgebungen von fast sämt- lichen europäischen Höfen hat der Zar längere Beileidschreiben von dem König Eouard, dem Kaiser von Oesterreich sowie dem Kaiser Wilhelm erhalten; namentlich letzterer Brief habe den Zaren überaus ernst und nachdenklich gestimmt.

Hebet die Anfnnhme der Nachricht von der Ermordung des Großfürsten SergiuS durch den Zaren hat der ,Tägl. Rundschau" zu­folge Prinz Friedrich ^toporonach

Nückkebr Berlin am Montag beider stücke täfel folgenden Bericht erstattet;

„Ich war gerade im Begriff, zum Großfürsten Boris zu fahren, als ich durch die Dienerschaft «fahr, in Moskau solle ein Anschlag gegen den Großfüisten SergiuS verübt worden fein. Großfürst Boris be­stätigte mir die Tatsache; er wußte schon, daß SergiuS tot sei. Ich sandte sofort meinen Adjutanten zum Zaren mit dem Auftrag, mein Beileid zu überbringen, und ,« bestellen, angtstchtS deS traurigen GreigniffeS hielt ich es nicht für angebracht, der an mich ergangenen Einladung zur Familteatafel Folge z« geben. D« Zar Üeß mir daraufhin sagen, er bäte trotz deS Trauer- !fallS, zu erscheinen. Wir speisten zu sechs Gedecken; die Staifexin war nicht erschienen, dagegen waren die .Maiserin-Mutter und der Kaiser anwesend. Gegenüber der Bestürzung, die fich der Ofstziere und deS HofeS bemächtigt hatte, war der Zar äußerlich von einer ge­radezu wunderbaren Ruhe. Gr war sehr ernst und «achte auS seinem Schmerze keinen Hehl, unterhielt sich ab« ganz wie sonst eingehend über jede der zahl­reichen Fragen de» Tage». Die Tafel wurde nicht eine Minute früher, als vorgesehen, d. h zu der für meine Abreise bestimmten Zeit, aufgehoben."

Einen Aufruf -es Popen Gapon ver- -ffentlicht das in Parts erscheinende Organ der russischen Revolutionäre, dre .Tribüne Russe'. Damit stellte sich Gapon offen in die Rechen der Revolutionäre. In dem Aufrufe heißt eS: »Genoffen, ans Werk! Vorwärts in den Kampf! Wiederholen wir den Ruf der Arbeiter von Pe­tersburg am 22. Januar: »Die Freiheit oder

Lin bürgerliches Jahr.

Modelle von Carl Conte Ecapinelli.

11 ------(Nachdruck verboten.)

Ritter v. Bachmann, der schon seit ein« Viertel- tuebe an einem der Nebentische gesessen und stier vor ch hingeblickt hatte, öfters ein Gähnen unterdrückend, hatte Fritz zuerst gar nicht b merkt. Erst später, als « seinen Reffte aukgeschlürst, fich mit dem Taschen­tuch sorgfältig den Barr remigie, nrrdö» über die StatthalteckolellellS gefahren war, daS Monrcle ein« klemmte, musterte er da» Publikum im Garten.

„Bautet bessere LeuteI* konstatierte er mit zu­friedenem Kopfnicken. „WaS b'ioodnS gutes!' dachte «, da et die Weir flasche auf Fritzen» Tisch sah, zu­erst suchte et miltelS de» Monrcle» den Jah-gang de» Weine» von bet Etikette abzulesen, bann wollte « fich die Trinket nähet besehen. Alle» ruhig, nach- einauter. Das war fein S-denSprinzip — nur keine Anordnung, oder wie e» L chner boshaft nannte:

„Bachmann ist bum« beim Akten erledigen, allem flt«8 eine Zahl geben!*

Ur b al» et diesen beiden Weintrinkern dort drüben oben eine Zahl geben wollte, da kehrte fich ein« der- selben um nutz «kannte ihn, Fritz v. Selben. . . .

So war e» gekommen, daß wenige Augenblicke feäter Rater v. Bachmann zwischen Kommerzienrat Hell« und Fritz v. Loibeu saß, nachdem er Fritz v-r- Her leise zur Vorsicht gefragt hatte, wa» für ein Mensch da» wäre, b« mit ihm säße.

ei» et gehört batte, bet Kommerzienrat H ller, Hatte « sofort ble Einladung z«m Platzwechsel ange- nvmwen, nicht ohne Fritz zuzurauncn:

„Go Leut' kann man brauche', die haben üb«all tlaiteb legen.*

Man »ar bald in ein gleichglltige» Gespräch üb« H« Srtt«, Oien« Ausflugsorte, Fiaker rc g«aten.

der Tod!" Jedes Zögern, jeder Hemmnis, jeder Meinungsstreit ist ein Verbrechen gegen das Volk, deffen Jntereffen ihr verteidigt. Nachdem ich alle meine Kkäste dem Dienste für daS Volk gewidmet habe, aus deffen Herzen ich, der Bauernsohn, hervorgegangen bin, und nachdem ich mein LoS unauflöslich und ohne einen Rück­weg mit dem Kampfe gegen die Bedrücker und Ausbeuter der Arbeiter verknüpft habe, werde ich aus der Natur der Sache heraus und von ganzem Herzen mit denen sein, die aufrichtig ans Werk gehen, um in Wahrheit das Proletariat und die Arbeitermaffen von dem kapitalistischen Joche und der zaristischen Bedrückung zu be­freien.e

Die Nückberpsttttg bet Großfürsten Paul erregt in Rußland außerordentlich großes Aufsehen, da der Großfürst der liberalen Rich­tung angehört. Ob in dem Vorgehen deS Zaren ein Zeichen seiner GefinnungSänderung zu er­blicken ist, ist allerding« um so zweifelhafter, als General Trepew in den letzten Tagen das Eingehen aller jüngst gegründeten verfassungsfreundlichen Zeitungen ver­fügte, waS nicht gerade auf einen liberalen Umschwung hindeutet.

3* Petersburg fand am Montag in der dortigen Universität eine Studente nver- sammlung statt, welcher einige Professoren, Privatdozenten und andere Personen beiwohnten. Nach vielen heftigen Reden wurde eine Reso­lution gegen den Absolutismus ange- noNNen Bor bem Schluß der Versammlung wurde ein großes BildniS des Kaisers, daS im Saal hing, heruntergeholt und zer­rissen und rote Fahnen wurden eu^'uet.

I« Zorskoje Esel» wurde, wie daS „Reutersche Bureau" aus PArsöurg erfährt, daS Kriegs recht erklärt in anbetracht der aroßen Anzahl von Drohbriefen, die im Palast eingegatigeü sind. Der Chef der Ge­heimpolizei erließ Instruktionen zur Ergressung besonderer Vorsichtsmaßregeln zum Schutz der kaiserlichen Familie, da ein Attentat befürchtet wird. Bei Haussuchungen bei verdächtigen Perssnen wurden vier Bomben ge­funden. Die Untersuchung durch Sachverständige ergab, daß sie ausländischen Ursprungs und von enormer Zerstörungskraft waren.

Deutidtes Reich.

Berlin, den 21. Februar 1905.

—• Ueber die Mittelureerreise deS Kaisers erfährt ein Berliner Blatt: Der Kaiser hat beschloffen, dem Prinzen Adalbert, der bekanntlich mit der „Hertha" aus Ostasten heimkehrt, von Malta auS entgegenzufahren und ihn auf offenem Meere zu begrüßen. Anfangs April sticht die „Hohenzollern", begleitet vom großen Kreuzer „Friedrich Karl" und dem Depeschenboot „Sleipner" vom Hafen La Valetta auS in See Sobald die „Hertha" und die „Hohenzollern" zusammenaetroffen

Plötzlich jagte River v. Bachmann:

„Na, e» freut mich, lieber Fritz, daß e» dir so gut gebt! — Deine Frau wohl? Ja! Da» ist schön! — Sag' mir, was treibst bu denn eigentlich immer?*

„Arbeiten,* war Fritzen» prompte Antwort. „New, nein, im Ernst?* meinte Bachmann. „I-, im Ernst: Arbeiten!*

„Na ja, bie Hauptsache ist, baß e» bir sonst gut geht!* sagte « geoehnt.

Als Hkller bie briben einen Augenblick allein ließ, um nach feinem Fiaker zu sehen, sagte Bachmann:

„Fad« Kerl, dein Chef, echt« Geschäftsmann Hat er viel Geld? — Töchter? — Führt « Han» ? So, so — da führst bu mich gelegentlich 'mal ein!*

Al» Heller wiederkam, empfahl fich Bachmann, « müsse mit bem nächsten Zug nach Wien hineinsahren und könne mit bem besten Willen nicht mehr läng« bie ben, ba er wo eingeladen sei und noch Toilette machen müsse.

Kaum war et gegangen, meinte Heller vergnügt: „Seh'n Sie, Baron, so Leute hab' ich gern, bie machen wa» au» fich, ben blasierten Aristokraten spielt « ausgezeichnet!*

„Und doch wirb et noch eine Tochter an» Ihren (heben, eine reiche Erbin, heiraten, barauf warte ich! — Nehmen Sie fich und Ihre Töchter vor bem nut in acbtl*

„Recht hat er, ben Namen bringt er mit, bie Stellung, bie Manieren auch, ba» Geld soll bie Frau mitbringen! Such eine Theorie! Wa»?* unb Heller lachte vergnügt vor fich hin.

„Gar so alt ist sein Name, fein Adel nicht, Herr Kommerzienrat!* meinte Fritz

„Oer fragt banach, lieb« Freund, Hauptsache ist, daß et j-tzt für ihn ba ist!*

Dies« Bachmann mit feinem näselnden Talmi Aristo kratendenvch, seinem -emaifi'ei vornehmen Ruf, ljatte Fritz ein bischen au» der Stimmung gebracht.

„Orilen wir noch ein Fläschchen «meinten, Baron?* fragte Hell«.

find, verläßt Prinz Sdalbeit sein Schiff und begibt sich an Bord der „Hohen- zollern". Der Kaiser und Prinz Adalbert setzen die Reise fort und kehren mit der „Hohenzollern" in die Heimat zurück. Die „Hertha" wird wegen ihrer geringeren Geschwindigkeit zmück- bleiben. Vor Brunsbüttel geht die „Hohen­zollern" mit ihren Begleitschiffen zu Anker und erwartet die Ankunft der „Hertha". Prinz Adalbert schifft sich in der Elbmündung wieder an Bord der „Hertha" ein, und das aus der „Hohenzollern", der „Hertha", dem „Friedrich Karl" und dem „Sleipner" bestehende stattliche Geschwader fährt durch den Nordostsee-Kanal nach Kiel, wo Prinz Adalbert nach eineinhalb­jähriger Abwesenheit wieder den heimatlichen Boden betritt. Die Kaiserin und Prinz Eitel Friedrich gedenken an der Mittelmkecfahrt teil­zunehmen. Die Fahrt von Genua nach Malta unternimmt der Kaiser bekantlich an Bord des Dampfers „Hamburg", den der Panzerkreuzer „Friedrich Karl" begleitet. Prinz Adalbert hat einen halbjährigen Urlaub erhalten, der mit dem Tage deS Zusammentreffens der „Hohenzollern" und der „Hertha" beginnnt und am 1. Oktober endet.

\ Am 20. d. M. starb zu Berlin der Kaiserliche UnterstaatSsekretär im Reichsawt des Innern, Wirkliche Geheime Rat Dr. Hov» im 57. Lebensjahre Dr. Heinrich 1880 auS der preußischen Ju-" ( Per- Äf°»'Sm g-h« 18S5 Um- i8t Handel und Gewerbe be- ichafngr den Reichsdienst übernommen,

.(• er nahezu zwanzig Jahre, zunächst als Hilfs­arbeiter und Vortragender Rat, vom April 1898 ab als Direktor der ersten Abteilung und vom Oktober 1902 ab als Unterstaatssekretär im ReichSamt des Innern tätig gewesen.

§ Der engere Vorstand des P«ndeS der Lsndwirte erläßt eine umfangreiche Erklä­rung über feine Stellung zu den neuen Han­delsverträgen, in der er der Regierung die „Verbefferungen" und die „Verschlechterungen" vorrechnet, die sie nach seiner Auffaflung gegen- über den alten Verträgen auf Grund des neuen Zolltarifes vorgenommen hat. Die Aufstellung beginnt sehr schön: „A. Allgemeine Handels­politik. I. Verbefferungen. Sind in den vor­liegenden Vertrags-Texten nicht enthalten." Dann kommt eine längere Liste der Verschlechterungen. Bei der Vieh - Konvention wird die Präventiv-

sperre immerhin als Verbesserung anerkannt. Natürlick ist die Liste der Verschlechterungen zehn- mal so lang. In den Zoüsätzrn der neuen Ver­trags-Tarife findet der Bund der Landwirte da­gegen 50 B-rbefferungen und 23 Verschlechterungen.

* Das Marineexpeditionskorps in Südwestafrika kehrt soyon im Monat März in die Heimat zurück, und zwar in zwei Staff-ln. Die erste Staffel besteht au8 der 3. und 4. Kompanie, zwei Drittel der Maschinen­kanonenabteilung der halben SanttätSkolonne, zusammen 8 Offiziere, 4 Portepeeunteroffiziere, 286 Mann. Am 5 März tritt die erste Staffel die Heimreise von Swakovmund an. Die zweite

„Gewiß, ich muß mir erst da» Gerede diese» Bachmann wieder ein birchrn hinmtterspülen!"

„Gut. gut,* lachte Hller, „spiit'n m'r ihn herunter, spül'a m'r ihn herunter!"

Und allmählich kam wieder die alte heitere Feier- tagrstimmung üb« Laiben, die ihn nur dann heimsuchte, wenn «einen guten Tropfen Wein, draußen im Freien, zwischen grünen Bäumen, trinken konnte.

Still saß « da, zufrieden vor fich hinblickend, indem fich in seinem Kopfe die ZuknustSträume jagten und formten.

„Prost meine Frau!* sagte et bann ganz un­vermittelt.

„Prost, bie Baronin!*

Heller stieß au, nchpie ein bischen von seinem Glase, bann murmelte er vor fich hin:

„Recht so Baron, recht so, man soll seine Frau gern haben!"

Fritz antwortete nicht-, ab« im Innern wunberte et fich darüber, wie ihn dieser alte, fremde Mann verstand.

VII,

Herr Achter feierte am 15 Juni seinen sechzigsten Geburtstag; au» diesem Anlässe war er schon einige Tage vorher sehr gnädig und leutselig gegen feine Um­gebung, gegen seine Frau unb Trchter unb nicht znl tzt gegen seinen Schwiegersohn Fritz v. Loibeu.

Ihm selbst war ei klar, daß bieser Tag in ae- bflbrenb« festlicher Weise begangen werben mußte. Schon lange vorh« besprach er mit feiner Frau da» Arrangement diese» Feste». Nach reiflicher Ueber» legnog waren die beiden Ehegatten bahw fibaeinge- kommen, den Tag, respckttve den Festnachmittag tm k. k. Prater, und »war im Dritten Scffe-Hau» zu begehen. AIS Festteilnehm« waren nur M'tzi, Fritz und Herrn Sihrer» Freund, d« Subdirektor ein« Be, ficherungSgefellfchatt, namen» Bauwerk, ein alt« fetter Janggeielle, der bie meiste Zett be» Tage» im Koffeehmi» zubrachte, geloben. Derselbe VSumerl,

Staffel bestehend auS dem Stabe, 1. unb X. Kompanie, Rest der Maschinenkompanie, die Hälfte der SanttätSkolonne in Stärke von 10 Offizieren, 5 Portep, eunteroffizieren und 176 Mann, wird am 20. März die Heimreise von Swakopmund antreten.

* Eine Warnung vor Berunstaltnng weiterer HandwerksMnsftellnngen bat der HandelSminifter angesichts der großen Defizite der Breslauer und Bromberger Ausstellungen an die Handwerkskammer gerichtet. Der Mi­nister stellt es den RegierungSpräfidenten anheim, derartigen Projekten bei ihrem ersten Auftreten fortan energisch entgegen zu treten.

* Die Prüfungsordnung für Apotheker ist vom Bundesrat dahin abgeändert worden, daß Apothekngehilsen, die vor dem 1. Juli vo­rigen Jahres in ausländische Apotheken als Ge­hilfen eingetreten find, die im Auslande ver- brachte Zeit auf die Servierzeit angerechnet werden kann.

* Wegen verbotener Rückkehr noch Preußen wurde cm 11. d. M. der sozial­demokratische Schriftsteller ParvuS mit seinem richtigen Namen Dr. Help Hand, polizeilich fistien. Er war 1893 als „lästiger Ausländer" aus Preußen <^flttbiefett morden und hatte seit- be« f'o.en Wohnsitz in Leipzig. Nach B«- Süßung von drei Tagen Hast wegen BannbruchS wurde Dr. Helphand genötigt, das preußische Gebiet zu verlassen.

Bus deut Reichstag.

144. Sitzung vom 21. Februar 1904.

«röffuuua 11'/- Uhr. -----

Aus der Tagesordnung steht zunächst die Abstim­mung über den Antrag, den Toleranzantrag ex eine Kommission von 28 Mitgliedern zu verweisen.

Die Abstimmung ist eine namentliche und ergibt (bet einer Stimmenthaltung) bie Annahme de» Anträge» mit 151 gegen 118 Stimmen.

Da» HanS beschäftigt fich dann mit den Anträgen betr. Errichtung von Arbeitsämtern und Arbeit», kam mein. SS Handelle sich dabei 1) um einen Ge­setzentwurf «uet u. Gen. (sozd.), welcher in 48 Para- grapden die Organisation und die Tätigkeit von Ar- bettSämtern und ArbeitSkammern und Einigung? ämter» regelt, und 2) einen Antrag Dr. Paafche (uatl.), welcher dre Errichtung von ArbeitSkammern mit der Maßgabe fordert, daß ihnen die Befugnisse für Ar- beiterftatistik übertragen werten und daß sie au» Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammengesetzt fehl sollte»; 3) einen Antrag von ChrzanowSkt (Pole), welcher fich in feinen GrundzÜgen mit den Forderungen deS sozialdemokratischen Gesetzentwurfs deckr, ohne ad« zur Frage der Regelung tm Einzelnen Stellung zu nehme».

Die Abgg. Thiele, Patzig unb RüleeSki begründen ihren Antrag.

»bg Trirnborn (Ztr.) legte die Stellung be» Zentrums zu der Angelegenhett dar, wobei er eine Reihe von Angriffen deS Sozialdemokraten Thiele, d« dem Zentrum vorgeworfen hatte, eS mache in dieser Frage nicht Ernst. Der Redner wie» darauf hin, daß da» Zentrum stet» für die Idee der ArveiiS- nutz Einigung?ämter eingetreten fei, und daß auf eine Interpellation des Zentrums hin die Zusage der Re- gterung erfolgt sei, auf biefem Gebiete vorzugeheu. Mit Rücksicht auf diese Zusage lehnte bet Redner et ab, auf bie Materie selbst näher einzugehen. Der natiouaütberalen Resolution stemme da» Zentrum zu.

durch dessen Bermitttung semerzeit Achter dem Bräu­tigam feiner Tochter, dem Selben, eine BerfichernngS- agenten-Stelle hatte verschaffen Wollen.

ES war ein schöner, warmer Sommertag. Herr Acht« hatte schon am Bortag de» Wetter» wegen alle Augenblicke den Barometer befragt. Man wac uni« den Festteilnkhmem übereingekommen, fich Punkt 3 Uhr an der Ecke Jffephstäoterstraß »Ring zu tr-ffen. Und richtig, fürs Minuten vor 3 Uhr stand auch schon Herr Achter in feierlichem Sonntagsstaat mit feinte guten, von b« Anstrengung der Toilettearbeii tief- roten Eaehälste beim Trambahnkiosk an der bestimm­ten Straßenkreuzung.

„Ter Fritz und die Mitzi kommen g'wiß wieder zu spät*, sagte et nervös umhertrippelno.

„Beruhige dich, Mann", meinte Frau Achter, „wir sind etwa» zu stütz dran!*

„Gar «itt zu früh. Wenn ich j-tzt gleich eine halbe Stünde unnütz mit Stehen und Warten ver- Ittren soll, dann ist ei auch mit mein« guten Sinne au». Immer muß man fich mit diesen Beuten ärgern."

„Ab« Franz, e» schlägt ja eben erst 3 Uhr*.

„Jetzt «ehe ich wenigsten» den Bäma«l kommen. Wie d« Mensch langsam geht, al» wenn et sich mit niemanden zusammen bestellt hüll', al» wenn tt bum­meln wollte!*

He« Acht« befaß eben die Kunst, fich fortwäh­rend üustlich zu erregen und zu ärgern.

Al« Bäumttl bet ihm angelangt war, ohne des­wegen seinen Gang auch nur um ei» bischen zu be­schleunigen. und Le seiner Ruhe j-tzt feine herzlichste wärmste und auftidjtiefte Gratulat on Herrn Acht« aussprach, kam doch toieb« ein bischen Festfreude über den Herrn Gericht fefretär, unb halb stolz und hcckh wehmütig meinte «:

„Ja, sechSzig Jahr, da» ist keine Kleinigkeit. EL dich verschaust, bist du em Greis*.

Dadurch war eine Pause in ihrem Gespräch rin« getreten, die Frau Sichrer mit dem AuSms: „Dn kommen fie sch.n!* plötzlich unterbrach.