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Maer

Zeitung

Monatsbeilage: „Zuldaer Geschichtsblätter"

M 4Ä

Fulda, Dienstag, den 21. Februar 1905.

32. JaMemg.

d«r Maulwmf dm» seine unterirdische äB3|fct beit junge GraSpflanzen entwurzelt; aber die- ist im Verhältnis zu seinen nützlichen Leistungen ein so verschwindend kleiner Schaden, daß er hier gar nicht in Betracht gezogen werden darf. Ts gibt auch schon ziemlich viele Landwirte, die gerne einige Groschen für einen lebenden Maul­wurf zahlen, um ihn in ein Stück Land zu setzen, wo Engerlinge oder Werren ihnen Schaden zu- fügten, und dre dann den Maulwurf, sobald er seine Schuldigkeit getan hat, wieder einfange«.

Die Spitzmäuse, wegen ihrer Aehnlichkeit mit den eigentlichen Mäusen oft verfolgt, find mit Ausnahme der HausspitzmauZ, die arrch Speisen angreift, der Landwirtschaft eher nützlich als schädlich.

Auch der Igel leistet der Land- und Forst­wirtschaft einen nicht zu unterschätzenden Ruhen. Seine Hauptnahrung besteht aus Insekten, Acker­schnecken und Engerlingen; auch den Mäuse« stellt er mit Erfolg nach.

Eine genaue Kenntnis der Lebensweise der uns umgebenden kleinen und großen Tiere ist die wichtigste Voraussetzung einer richtigen Beur- teilung ihrer Nützlichkeit oder Schädlichkeit. Es wüsten noch sehr viele Beobachtungen angestellt werden, um eine sichere Einteilung der Tiere mit Bezug auf ihren Nutzen und Schaden durch­führen zu können, wobei eS gar nicht auSge« schloffen ist, daß gewiffe Tiere für den einen nnr nu-bringend, für den anderen dagegen nur schäd­lich find. Ein jeder Landwirt kann durch seine Beobachtungen nicht wenig zur Kenntnis unserer Wertschätzung der Tiere beitragen, und eS ist im Jntereffe der Gesamtheit erwünscht, daß der­artige Beobachtungen zur allgemeinen KenntuiS gelangen.

i die man im Mai oder Juni im Magen der Krähe findet, weder von einer Aussaat noch von der frischen Ernte herrühren. Diese Körner werben gelegentlich im Hofe oder auf der Straße von der Kräbe aufgesunden. Dagegcn können die im Dezember im Magen der Krähen ange- troffenen Seveidekörner nur vom Plündern der auf dem Felde stehende« Getreideschober herrühren.

Durch derartige Erwägungen geleitet, kam Rörig zu der Ueber»eugung, daß der Schaden, den die Krähe der Landwirtschaft zufügt, zwar bedeutend ist, aber noch immer von dem Nutzen ausgewogen wird, den fie durch die Vertilgung von Mäusen und schädlichen Insekten dem Landmanne bringt.

Schon aus diesem einzelnen Falle ist zu er­sehe», daß bei der Beurteilung der Tiere ihre Nützlichkeit und Schädlichkeit gegenseitig abge­wogen werden müffen. Man muß zuwellen einen nicht geringen Schaden gegen eine« noch größeren Nutzen mit in Kauf nehme«.

Bei manchen Tieren liegen die Verhältniffe viel günstiger, fie find nur als durchaus nützliche zu bezeichnen. Zu diesen gehören die Schwal­ben, Kuckucke, Ziegenmelker, Fliegen­schnepper, Grasmücken und das ganze Heer der niedlichen Sänger, deren Schnabel viel zu schwach ist, um Körner zu Hülsen. Diese Vögel find die besten Hüter von Wald und Flur, fie reinigen dieselben von allem schädlichen Ungeziefer.

Zu den unbedingt schädlichen Vögeln gehören die Falken, die Hühnerhabichte, Sperber und Gabelweibe. Manche wollen noch den Storch und die Elster den schäd. lichen zugesellen, weil die Bilanz ihrer Rahrungs- und Lebensweise ein Defizit für die Landwirt­schaft aufwetsen soll. Die Hauptnahrung des Storches besteht aus Fröschen, Ringelnattern und Maulwürfen; diese aber find mit Ausnahme der Ringelnatter den Menschen eher nützlich als schädlich, deit-Storch als ihr Vertilger fügt also dadurch nur dem Landmann Schaden zu. Was nun die Elster anbetrtfft, so verfolgt fie mit Vorliebe kleine Vögel, die fich von schädlichen Insekten nähren.

Auch viele nächtliche Vögel, wie z. B. die Eulen, gehören zu den besonders nützlichen, trotzdem fie im VolkSmunde schlecht beleumundet find. Tschudi erzählt, daß ein Eulenpaar an einem einzigen Juniabend seinen Nestjungen elf Mäuse brachte und daß man in dem Magen eines Waldkauzes 75 Raupen des schädliche» Fichtenschwärmers fand. Dies allein charakte- rifiert schon zur Genüge die nützliche Tätigkeit dieses Vogels.

Unter den wesentlich verkannten und mit Un­recht verfolgten Säugetieren stehen einige In- sektenfteffer obenan, die wegen ihres nicht zu leugnenden häßlichen Aussehens in den schlechtesten Ruf gekommen find. Fledermaus, Igel, Spitzmaus und Maulwurf find die haupt­sächlichsten Vertreter dieser Richtung. Die Ge- äßigkett dieser Tiere ist außerordentlich groß. Sie nehmen täglich mehr Nahrung zu sich als ihr Körper wiegt. Die Fledermäuse find aber die besten Kammerjäger, die fich mit der Ver­tilgung der Mai- und Mistkäfer beschäftigen.

Aehnlich den Fledermäusen, die sich durch das Vertilgen des Ungeziefers über der Erde aus­zeichnen, arbeiten die Maulwürfe unermüdlich unter der Erde, um Regenwürmer, Werre» und Engerlinge zu vernichten. Man hat die Maul­würfe fälschlich beschuldigt, daß fie auch Wurzeln unger Pflanzen fressen; das ist aber keineswegs der Fall, wie das zahlreiche Magenuntersuchungen ergeben haben. Flourens, ein ehemaliger Sekretär )er Akademie der Wissenschaften in Paris, hatte »ehufs physiologischer Versuche zwei lebende Maulwürfe in ein Gefäß eingesperrt und ihnen in der Meinung, daß fie Pflanzenfresser seien, einige Wurzeln nnd Rüben zur Nahrung ge­geben, die fie aber nicht anrührten. Vom Hunger ;eplagt, verzehrte der eine Maulwurf den an» >eren. Flourens tat bann einen Sperling in das Gefäß, der sofort vom Maulwurf verzehrt wurde. Die Gefräßigkeit des Maulwurfes ist eine unglaubliche. Er kann ohne Nahrung nicht lange aushalten. Das bewies auch der von ZlourenS beobachtete, den der Gelehrte am an* »eren Tage tot aufgefunden, da er ihm für die Nacht keine Nahrung vorbereitet hatte. Oken erzählt, daß er einen Maulwurf ein Vierteljahr n einer Kiste mit Sand gehalten habe, den er mit Fleisch fütterte; Brot und Pflanzenstoffe rührte das Tier aber nicht an.

Die Grausamkeit und Gefräßigkeit des Maul­wurfes erweist fich aber im Haushalte der Natur durchaus nützlich. Er vertilgt im Jahre über 10,000 Engerlinge, die manchen Gegenden zur wahren Landplage geworden find. Von ver­schiedenen Setten wurde aber hervorgehoben, daß

verantwonlicher Wriffleitar:!. »eilet ffr bie Jnfetate

3. parjeiet t» rvochenbeuage: „Illustrierte Zonntagszettung

25 Jahre sozialer Kulturarbeit.

Die von der Generalversammlung des Ver­bandes Arbeiterwohl zu Neuß angekündigte „Neue Folge der Zeitschrift .Arbeiterwohl' und der »Christlich-sozialen Blätter", die .Soziale,Kultur', (Verlag der Zentralstelle des Volksvereins für das katholische Deutschland) bringt in ihrem ersten Heft eine kurze Darstellung der Wirksam- kett des genannten Verbandes während seines röjährigen Bestehens, die von dem größten In- teriffe für alle ist, welche fich um die sozialen Dinge bekümmern. Um darauf hinzuweisen, greifen wir einzelne Daten heraus.

Es waren nicht nur rein wirtschaftliche, son- dern vor allem religiös-sttliche Ideale, welche die hervorragenden kathollschen Industriellen und Arbeitsrfreunde beseelten, die im Anschluß an die Katholikenversammlung in Aachen am 20. Mai 1880 den Verband „Arbetterwohl" ins Leben riefen, und zwar Ideale, die zur sozialen Ar- beit trieben. „Nun, nachdem die Welt klar ge. worden, wohin die Sutchristlichung führt, müssen auch wir durch praktische Leistungen zeigen, daß der christliche Glaube nicht etwa bloß mit der Macht der Gewohnheit erhaltend, sondern auch positiv schöpferisch ist," hieß es auf der ersten Generalversammlung; „nur eine energische so- iiale Beteiligung kann uns eine christliche', eine Mich und technisch tüchtige Arbeiterschaft sichern," sagte der erste Aufruf.

Auf dem Gebiete der privaten Wohlfahrts- pflege lagen die ersten Erfolge des neuen Ver­bandes: Fabrikkrarkenkaffen, Arbeiierunterflütz- ungS- und Vorschußkaffen wurden angeregt, Bade- und Wafcheinrichtungen in Fabriken, Ein­richtungen zur Ausbildung der Arbeiterinnen zu Echtigen Hausfrauen und bergt Das „häus­liche Glück", der „Wegweiser zum häuslichen Glück" und die „Krone des häuslichen GlückeS", die in mehr als 300000 Exemplaren im Laufe der Jahre verbreitet wurden, legen insbesondere L»on letzterer Tätigkeit dauerndes Zeugnis ab.

«i« weiteres Gebiet, welches der Verband schon öü!L nach seiner Gründung in Angriff «ahm, war das katholische Vereinswesen, die Organisation vor allem des «rbeiterstandes in Bereine« zur Pflege der Religiöfität und Sitt- lichkeÜ, zum Zweck der veredelnden Geselligkeit, sowie zur Förderung geistiger Bildung und Be­lehrung Über die rechten Wege einer christlichen Sozialreform. Reben der ausklärenden und pro­pagandistischen Tätigkeit der Zeitschrift und des Generalsekretärs Franz Hitze ist es der Zustim­mung der deutschen Bischöfe zu den Denkschriften des Verbandes, deren erste die Notwendigkeit der Arbeitervereine betraf, zu verdanken, daß 1887 schon 92 Arbeitervereine, 17 Vereine jugendlicher Arbeiter und 17 Arbeiterinnenvereine sich an einer Adresse an Papst Leo XIII. beteiligen konnten. 1893 wurde in M..Gladbach der erste Verein katholischer Gehilfinnen im HandelSge- werbe ins Leben gerufen; 1894 stand die Ver- einsfürsorge dieser Art gleichzeitig mit der Frage der Vereine für weibliche Dienstboten auf der Tagesordnung der 14. General-Versammlung von Arbeiterwohl in München Gladbach. Ge. legentlich des praktisch-sozialen Kursus in Dort­mund i. I. 1895 wurde das erste Komitee der Prästdes von Jugendoereinigungen ge­bildet, 1896 ein Diözesanverband für die Erz­diözese Köln geschaffen. In Dortmund fand auch eine Kor.fsrenz der Präsides von Mägde- vereinen und Mägdehospizen statt, 1897 wandte der Verband fein besonderes Augenmerk der Gründung und soziale» Ausgestaltung von Müttervereinen zu. So verdankt, abge- sehe« von den kacholischen Gesellenvereinen, auf deren innere Wetterentwickelung der General­sekretär des Verbandes übrigens auch einen starken Einfluß ausgeübt hat. das heute blühende und weitverzweigte soziale Standesvereinswesen, Organisation und Ausbreitung dem Verbände Ardeiterwohl. Selbst die so erfolgreich ar­beitende EharitaSVereinigung ist eine Tochter von Arbeiterwohl (1896). Nicht weniger ver­dankt der Volks verein für das katholische Deutschland dem Verbände.

Mit der Förderung der privaten Wohl- sahrtspfiege und der Anregung und Aus- gestaltnng des sozialen und charitativen Vereins- »efeel zugunsten der Industriearbeiter hat fich der Verband nie begnügt. Seine Bestrebungen zur Ftzrderung der Mäßigkeit, der Tuber- kulosebekämpsung, des Sparkassen- wesen», des FortbildungS- und Volks- b ildnngrwesen» waren für alle VolkSkreise non weitgehender Bedeutung. Besondere Auf« , merksnmkett schenkte Arbetterwohl der Ver-

befferung d«S Wohnungswesens. ES fei hier nur an die nach eingehenden Beratungen innerhalb des Vorstandes von Landesrat Dr. Brandts ouSgearbeiteten Vorschläge betr. kom­munale und staatliche Maßnahmen der WohnungS- reform erinnert (als eigene Schrift: Aufgaben von Staat und Gemeinde in der Wohnungs­frage 1897 erschiene»). 1899 setzte der Verband die kommunale Sozialpolitik auf die Tagesordnung seiner Generalversammlung. Aus der Beratung ging die aus allen Parteien als vorzüglich anerkannte Schrift von Trimborn- Thiffen über die Soziale Tätigkeit der Ge­meinden (2. Avfl. 1903) hervor.

Am weittragendsten für die Allgemeinhett war die Tätigkeit des Verbandes auf sozial­politischem Gebiet: die Gutachten der Ver- bandSkommisfionen zur Unfalloerficherung, zu den Arbeiterschutzgesetzenlwürftn, zu gunsten einer Witwen- und Waisenvei sicherung, von Arbeits­kammern rc. Nie zu messende Verdienste hat er fich um die Popularisierung und Durchführung der sozialen Gesetzgebung für alle Stände er- worben. Das Handwerkergesetz v. 1.1897 hat in der Zeitschrift .Arbetterwohl' eine aus- führltche Darlegung und Erläuterung gefunden, deSgl. die Gewerbeförderungsaktion des Zentrums (Auftrag Trimborn 1902), ferner das Genofsenfchaftswesen im Handwerk. Außer­dem wurden die durch die Gewerbeordnungs­novelle von 1900 teilweise verwirklichten Be­strebungen zum gesetzlichen Schutz der Handlungs- gehtlfen wiederholt behandelt, den Interessen deS kaufmännischen Mittelstandes wurde in Be­sprechungen der Gewerbeordnungsnooelle von 1896 (betr. Hausierhandel, Detailreisen, Konsum­vereine rc), des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb sowie in einer Darlegung der Ein­richtung vo» Rabattsparvereinen und Einkaufs- genoffenschaften Rechnung getragen.

Was Arbetterwohl so auf den verschiedensten Gebieten in den verflossenen 25 Jahren geschossen hat, ist fürwahr ein gut Stück sozialer Kultur- arbeit. Weit mehr hat der Verband geleistet, als er in feinem Programm sich ursprünglich als Ziel gesetzt hatte. WaS vor allem bei dieser Ueberficht in die Augen springen muß, das ist die hervorragende Initiative, die er auf jedem seiner Arbeitsgebiete, ganz besonders aber hin­sichtlich des katholischen sozialen VereinSwesens betätigte. Arbeiterwohl hat fich nicht damit be­gnügt, neben der Entwickelung herzugehen, die neu austauchenden sozialen Bestrebungen aufzu­greifen und feinerseits fördern zu helfen, sondern ist vielfach der Entwickelung vorausgeeilt, mit sicherem Blicke die Punkte erkennend, wo es ein- zusetzen aalt So erscheint Arbeiterwoyl in dem letzten, für die soziale Entwicklung so bedeutsamen Vierteljahrhundert als die Triebfeder des sozialen Wirkens im katholischen Deutschland, welche zahlreiche schlummernde Kräfte geweckt und angespornt hat zu frucht­bringender Mitarbeit — in erster Linie zum Wohle der Arbeiter, aber auch zum Wohle an­derer Stände, zum Segen für die Allgemeinheit.

WHM täglich, *it Annnchwe ter Soai- unb$ttertege. viertel- iäijrt. Bezugspreis ohne vrlngerteh» i«b öestrlgelbinZulbauub Tasoirtstm.sePf».

Nützliche und schädliche Tiere.

Bon Dr. Julius Reiner.

------ (Nachdruck verboten.)

lieber die Nützlichkeit und Schädlichkeit zahl- reicher Tiere ist man sowohl in wissenschaftlichen als auch in landwirtschaftlichen Kreisen noch immer nicht im klaren. Es gibt Tiere, die von den einen als große Schädlinge verrufen werden, während die anderen ihre Nützlichkeit preisen. Unter gewisse« Umständen dürften beide Parteien wohl recht haben, denn was dem einen wohl nützt, kann dem andern schaden. So wird z. B. der Gartenliebhaber, der nur Blumen, Gemüse und höchstens einige Spalierbäume zieht, mit Vergnügen Vögel aller Art sehen, die ihm seine Beete und Bäumchen reinigen; derjenige aber, der einen Kindergarten hat, wird den Spatzen nachstellen.

Bei sehr vielen Tieren ist man aber aus Unkenntnis ihrer Lebensweise überhaupt noch nicht im klaren, ob sie nützen ober schaden. Um fich aber ein genaues Urteil über den Nutzen und Schaden verschiedener Tierarten »u ver­schaffe«, ist es in erster Reihe nötig, die Nahrung dieser Tiere zu kennen. DaS läßt sich am sichersten durch die Magenuntersuchung feststellen.

Einen wertvollen Beitrag zu dieser Frage hat Rörig geliefert, der den Mageninhalt von 6000 Vögeln untersucht hat. Er untersuchte zu verschiedenen Jahreszeiten den Stage« der Krähen und fand in denselben faß durchweg Setreideköruer. Um die Bedeutung derartiger Untersuchungen richtig zu würdige«, muß man zunächst auf die Jahreszeit achte», in bet bie Krähen erlegt würben. So können Weizeukömer,

iKjetgcu: Die ein* fpaltige petitjeite »ter deren Benm 15 pfg. Beflamen die petttzeiie 25 Pfg.; tei Witter. Holungen wird einior. Rabatt gewährt.

Druck und Verlag ter LuldaerActt««druckerei in ä»lda (Harmonie).

Zernfprecher Nr. 9.

Am Theater Myrrholinseife

vermischtes.

* ÄöMig Eduard als StotienSvorstrhrr. Wne hübsche Anekdote von König Eduard erzählt der »Gau- loiS': Bor einiger Zeit landeten einige aus Frankreich auSgewanderten Nonnen in Folkestone. Eine von ihnen, die allein englisch sprach, leitete den kl inen 3u|. Aus dem Bahnhof konnte fie in dem abfahrenden ,jug nicht die fieben oder acht Plätze finden, die für hre Gefährtinnen nötig waren. Aengftlich und »et» chüchtert sah fie fich nach dem Stationsvorsteher um, Somit er ihr helfe. Da bemerkte fie einen Herrn mit weißer Mütze, näherte fich ihm, erzählte, fie wäre „eine arme Nonne auS Frankreich" und bat ihn, man möchte einen Wagen an den Zog anhängen, damit fie mit ihren nicht Englisch sprechenden Gefährtinnen zu- awmen bleiben könne. Der sehr höfliche und wohl­wollende „Stationsvorsteher" antwortete, man würde ogleich ibren Wunsch erfüllen, und et befahl darauf, daß ein Wagen erster Klaffe an den Zug sngebängt und für die Nonnen reserviert würde. Schüchtern be­merkte die Nonne, ste hätten nur Billetts dritter Klaffe; der Manu mit der weißen Mütze versicherte aber sehr höflich, daS hätte nichts )n sagen. . . . Kurze Zeit darauf traf die Nonne in Edinburg einen Herrn, der behauptete, er kenne fie; als fie sich darüber wunderte, meinte er: „Ich erinnere mich ganz genau an den Tag, an dem Sie in Folkestone mit König Eduard VH. gesprochen haben." „König Eduard? Ich habe ihn nie in meinem Leben gesehen!" ,Da irren Sie sich. Sie gingen auf dem Bahnhof an ihn heran, bezeichneten mit einer Gebärde mehrere Personen und baten ihn um etwas. Erinnern Sie sich nicht mehr daran? Er baite eben seine Jacht verlassen und reifte ohne großes Gefolge. . ."

Literarifdies. 1

Kuschlemusch. Der Karneval hat eine große Reihe von Lieder» und Musikstücken gezeitigt, die durchaus beachtenswert ist. Biele davon find freilich für den Augenblick geboren und verschwinden, wie schillernde Seifenblasen, aber eS gibt auch eine nicht geringe An­zahl, bie bleibenden Wert hat und erhalten zu werden verdient. Eine Auswahl davon, 30 der bekanntesten und beliebtesten neuen und alten Karnevakt lieber und -Märsche, bietet daS soeben bei P. I. Tongrrin Köln erschienene Potpourri für Klavier zu 2 Händen mit unterlegtem Text -Preis 1 Mark), genannt.Kusch­lemusch', was in Kölner Mundart ein Durcheinander bezeichnet. Der Titel ist gut gewählt; in buntem Durch, einander reiht fich eine Melodie an die andere, just so, wie eS der tolle Prinz liebt. Kaum ist der einleitende „Kölner Funkenmarsch" verklungen, folgt Lied auf Lied und neben dem alten .Och leev Srietche", „Wat wör et ganze Levve wäht", dem „Kölsche Fiackerleed", „Et hält noch immer got gegongt" dem .Kongopolka', der „Adrlhridchr Melodie" usw. tauchen die neuen Lieder aus, wie „Töss, tiff, tingeling", „DaS Lied »em Jugendstil", „Die Zupp, die hält ’nen Beigeschmack" usw. ufu»., alle leicht spielbar, mit teilweifefrappanten Uebergängen, dir recht in die närrische Stimmung dinriupaffen. — DaS Titelblatt ist in echt karnevalistisch« Weise auS"esührt, wir überhaupt daS Ganz« pracht­voll auSgepattet ist. -- „Kuschlemusch" wird jedem Freude machen, der fich nur einigen Sinn für Humor bewahrt hat. —

RcHwÄtu» und