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Zeitung

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Fulda, Dienstag, den 21. Februar 1905.

Jahrgang.

Monatrbeilage: „zuldaer Geschichtsblatter"

Deuffdies Reich.

Berlin, den 20. Februar 1905.

Aber wie die Bauernbefreiung eine politische und soziale Notwendigkeit war, so sind jetzt 9te= fonnen zur Beseitigung absolutistischer Beamten­willkür und zur Sicherung der Persönlichkeit und ihrer Rechte eine Notwendigkeit. Auf Mißerfolge und selbst schädliche Wirkungen muß man in dem unreifen Lande gefaßt sein. Man muß deshalb nnt Vorsicht und Maß vorgehen und kann nicht liberalen Lehren zuliebe alle möglichen freiheit­lichen Jnstüutionen aus dem Westen einfach auf Rußland übertragen. Indem man aber bedächtig vorgeht, läuft man wieder Gefahr, neue Unzu­friedenheit zu erregen und den Revolutionären in die Hände zu arbeiten.

Korruption sein oder neue Verwirrung im ganzen Lande avnchten wird? Die bloße Jnstuuiwn einer gewählten Vol-svertretung wird sicher Ruß­land nicht mit einem Schlage in ein Paradies umwandeln, in dem nur Glückseligkeit und Zu­friedenheit herrscht. Es dürfte vielmehr ähnlich gehen wie mit der gepriesenen Bauernbefreiung, die tm allgemeinen den Bauern mehr Elend als Glück gebracht hat.

Vertrags die Zusicherung gegeben, daß während der GtltigkeitSdauer desselben die sogenannten Staffeltarife aufgehoben werden sollten, eine gleiche Erklärung konnte für die Dauer der neuen Verträge nicht gegeben werden und ist dies der Grund der ablehnenden Haltung eines Teils der Eentrumsmitglieder der Handelsver­trags kommiflion. Sollten dis schwebenden Ver- Handlungen dahin führen, daß auch für die Dauer der neuen Verträge die Anwendung der Staffeltarife unterbleibt, so wird daS Zrntrum voraussichtlich geschlossen für die Verträge stimmen. (S. Neueste Nachrichten.)

Schriftleiter: A. Wetzl«

3. iK« Wochenbeilage: „Illustrierte Tonntagszeitung

Die Ermordung des Großfürsten Sergius von Rußlasd.

Unsere liberale Preffe sieht in dem Moskauer Attentate eine neue Mahnung zu schleuniger Ein­führung einer konstitutionellen Verfassung, wäh­rend die konservative meint, zunächst müßten Ruhe und Ordnung im Lande wiederhergestellt werden, Zugeständnisse in diesem Augenblicke würden nur als Schwäche aufgefaßt werden und die Ansprüche der Revolutionäre steigern. In der Regel pflegen Attentate ja eine Reaktion und statt freiheitlicher Zugeständnisse scharfe Unterdrückungs-Maßregeln zur Folge zu haben. So war es bis in die letzte Zeit hinein auch in Rußland. Es fragt sich nun, ob man mit dieser Methode heute noch auskom- men kann. Nach dem 22. Januar yat man in Petersburg die Militär-Diktatur eingeführt. Ge­neral Trepow soll erklärt haben, er beherrsche die Lage und werde sie auch ferner beherrschen; er fürchtet nicht, daß so etwas wie eine Bomben­ära bevorstehe. Und an demselben Tage, da er dies erklärte, sprengte eine Bombe den Groß­fürsten Sergius in die Luft. Das spricht nicht gerade dafür, daß mit Gewaltmaßregeln die „Ruhe" wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten ist.

Man kann sich nicht wohl verhehlen, daß das Verlangen nach Reformen sich nicht mehr auf die Kreise unreifer Fanatiker beschränkt, die mittels des Schreckens den Absolutismus stürzen zu kön­nen glauben, sondern die gesamte gebildete Be I völkerung Rußlands erfaßt hat. Adel, Senatoren, Stadtverwaltungen, Universitäts-Professoren, Ver­einigungen von Advokaten, Aerzten, Technikern rc., alles ist in der letzten Zeit öffentlich mit mehr oder weniger Entschiedenheit für politische Refor­men eingetreten. Diese Bewegung läßt sich um so weniger mehr zurückdrängen, als der Zar selbst in seinem Manifeste die Notwendigkeit von Re­formen bis zu einem gewissen Grade zugegeben hat und die Tätigkeit des M-nister-Komitees kür Reformen ein handgreiflicher Beweis für die Un- hattbarkeit der jetzigen Zustände ist. Man kann infolge des Attentates den Reformeifer für eine Weile hemmen und die Zügel des Absolutismus wieder straffer anziehen, aber zurück kann man nicht mehr. Man muß vorwärts auf dem Wege der Reformen, sonst zieht man immer wettere Kreise in die revolutionäre Bewegung hinein und beschwört die Gefahr immer neuer Attentate herauf.

Aber freilich, auf dem Wege der Reformen vorwärts zu gehen ist fast ebenso gefährlich, wie stille zu stehen oder rückwärts zu gehen. Es ist leicht gesagt: Man erfülle das Verlangen des Volkes nach einer konstitutiooellen Verfassung. Was wird aber dann werden, wenn es erfüllt ist? Wird dann Willkür, Bestechlich­keit und Spitzbüberei im Beamtentums mit einem Schlage ein Ende haben? Rechtsgleichheit und Rechtssicherheit für jeden Staatsbürger gewähr­leistet sein? Ist nicht vielmehr zu befürchten, daß die neue Volksvertretung nur ein neuer Herd der

13. März 1881 Kaiser Alexander II,

30. Mär, 1882 General Strelnikow, Staats­anwalt in Oseffa.

27. Dezbr. 1883 6«bettin, Chef der geheimen Polizei und sein Neffe S a d o w S! t.

11. Januar 1890 Hauptmann Solotuschin. Chef der Moskauer geheimen Polizei.

27. Februar 1902 Bogoljepow, Minister der BollSaustlärung.

15. April 1902 Sipjagin, Minister des Innern.

19. Mai 1903 General Bogdonowifch, Gou­verneur von Ufa.

17. Juli 1904 Plehwe, Minister des Innern.

17. Juli 1904 Andrejew, Bize-Souvrrneur von Jelrfawetpol.

1. August 1904 Oberst BoguSlawSkt, Haupt. Administrator des Distrikts Sormalin im Kaukasus.

17. Febr. 1905 Großfürst Se r giuS.

gestellten „Deutschen Ehrentafel" im Jahre 1904 rrnd 72,81 Mill. Mk. gespendet worden und zwar von Privaten in 1037 Fällen

Mill. Mk.. non Aktiengesellschaften in 458 Fallen 13,6 Mill. Mk, von Banken in^!54 Fällen 6 Mill Mk. Seit 1898 sind auf diese Weise 435 Mill. Mk. zusammengeflosten. Im verflossenen Jahr roa* Preußen mit 45,/4.

I Bayern mit 5, Sachsen mit 71/*, Württemberg mit 2'/», Baden mit l1/*. Hessen mit l3/< und derlin mit 10 Mill. Mk vertreten. Dos Ge­samtergebnis der letzten vier Jahre beträgt 308 I Mill. Mk., das find durchschnittlich im "Jahre 77 Mill. Mk.

* Der Präsident des demlsche« Flotte«- Berems, Otto Fürst zu Salm, veröffentlicht erne Erklärung, in der er sich dagegen wendet, daß tn der Budgetkommrssion des Reichstags Mitglieder der ZerttumSpartei und der Frei- | sinnigen Voltspartei die Agitation des Flotten- Vereins „gemeingefährlich- genannt haben sollen. Er bezeichnet diesen Ausdruck als fach- lich durchaus ungerechtfertigt und der Form nach in hohem Grade ungehörig. Dazu bemerkt die ^Deutsche Tageszeitung': „Wir haben weder Neigung noch Veranlassung, den gewählten schar­fen Ausdruck zu vertreten oder zu begründ«. Nur nebenbei wöge man daran erinnert werd«, daß auch die Agitation für den Antrag Kanitz sich gefallen lassen mußte, als gemeingefährlich bezeichnet zu werden, obwohl sie weit berechtigter und ihr Ziel roch ersprießlicher war als daS des deutschen Flottenvereins. Es mag zu weit gegangen sein, wenn man die Agitation deS ge­nannten Vereins gemeingefährlich nennt, ab« gefährlich ist sie tatsächlich, und zwar für die Flotte selbst. Nichts schadet den v«- ständigen und maßvollen Bestrebungen auf eine angemessene Verstärkung unserer Seemacht mehr als lleberlreidungen, wie sie tätsächlich in d« Agitation des Flottenvereins vorgekvmmen find. Will die Leitung des Flottenvereius vermeid«, daß die Agitation als gefährlich mit einigem Rechte bezeichnet werde, so muß sie dafür sorgen, daß derartige maßlose und über das Ziel hinans- schießende Uedertreibungen künftig unterbleiben.*

* Am Samstag Abend IO1/« Uhr starb der Generalmajor z. D. v. Chorus, in Ehar- lottenburg wohnhaft, zuletzt Kommandeur deS Truppenübung^Platzes Elsenborn.

** Bon verschiedenen Seiten find bisher für die Echutztruppe in Güdweßtafrika in dankenrwn ter Weise Hunde zur Verwendung als Kriegshunds zur Verfügung gestellt worden. Leider haben nach einer Nachricht vom Kom­mando der obengenannten Schutztrupp; die meisten dieser Hunde nicht den erhofften Nutz« gezeitigt, sodaß nunmehr bis auf weiteres von der Heraussendung von Hunden Abstand ge­nommen wird.

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Druck und Verlag der zuldaerSctiendriickerei In Hulda (Harmonie).

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und Aurlagefenstern, an den Bäumen und Wagen an denen sie vorbeiflogen — hinaus, dem weiten Lande

Er war doch ein herrliches Bewußtsein, so ein bischen obere Zchr.tausend spielen zu dürfen, einmal wieder nicht Herdenmensch zu sein.

„S-H'n Sie, Herr Kommerzienrat, so einen Fiaker svllre ich täglich hrben. Da» würde mich gleich um einige Grad lustiger, geistreicher, flotter, unternehmender machen!"

„Das glaub' ich Ihnen, junger Freund, das glaub' ich Ihren von Herzen gern Aber dann würden Sie kaum mehr an die Arbeit denken können. Seh'« Sie, Baron, dar ist der Utterfchied zwischen un» Geschäfts leiden und euch Aristokraten und euch Kavatteren. Wir benützen den Fiaker als Beförderungsmittel, den Wein als Triebwtttel zur Arbeit, und ihr berauscht euch am Vergnügen, hc geht darin auf, für un» find > daS ErholungSgegenfiände, für euch heißt daS Leben I"

»Weiß Gott, Herr Kommerzienrat, Ich bin doch kein Aristokrat, kein Kavalier mehr!" meinte Fritz.

„Nun, ich glaub', Ihnen fehle» dazu nur — die — Sie entschuldig:« — die Mittel!"

„Ja, ja, die wüßte ich in erster Linie dazu habe» !* meinte Laiben verträumt Und daun fuhr er fort — er war auf einmal gilpiätbig geworden.

„Wissen Sie, doppelt genießen muß man! die Sachen können, wenn man sie au» sich selbst erwor­benen Mitteln schcff-n kann. Ich versteh' und beneide diese bürgerlichen Protze», die dicken, reichen Metzger und Bäcker, ja, ja!"

Heller lächelte, das Gespräch amüfierte ihn.

„Schinden, arbeiten eia paar Jahre und dann ge­rieben!" fügte Fntz bei.

„Den Spaß können Sie auch haben. Sehen Sie Baron, mein Großniter ist al» ganz armer Teufel nach rvien gekowm-r, n zehn Jahren hatte er ein Verwögen von 120000 Gulden — also nur nach­machen !"

lrfchelut tliH*, Mit LummhNe ber Stmt« uu» Feiertage, viertel- fähel. vejugrpreir o|ie vringerlohn un» veßeLgelb in Fulda unb aeswärts 1 Mk. 50 Pfg.

Verantwortlicher

* Wilhelm II. rrnd Rußland. Die offiziöse .Süddeutsche Korrespondenz' tritt in einem Artikel den Ausstreuungen über eine an­gebliche Einmischung deS Kaisers in russische Angelegenheiten entgegen, indem sie schreibt: In ausländischen, aber auch in deutschen Blättern häufen sich neuerdings An­gaben über Ratschläge, die Kaiser Wilhelm in inneren und äußeren Angelegenheiten Rußlands auf dem Wege vertraulicher Mitteilung an Kaiser Nikolaus erteilen soll. Es ist charakte­ristisch, daß die betteffenden Ausstreuungen sich untereinander aufheben. Nach de» einen soll Kaiser WUHelm die Fortsetzung des Krieges be­trieben, nach der anderen zum eiligen Friedens- schluß drängen, bald wird er als Befürworter, bald als grundsätzlicher Gegner konstitutioneller Neuerungen in Rußland hingestellt. Eine dieser einander widersprechenden Versionen muß a Zum Attentat auf den Großfürsten!^" falsch fein, in Wirklichkeit sind es beide. Sergius wird Berliner Blättern noch gemeldet- zur inneren noch zur äußeren Politik „Der Mörder des Großfürsten Sergius hat Rußlands hat Kaiser Wilhelm an Kaiser Niko- bisher seinen Namen nicht genannt, verspricht Ia“leine Ansicht gelangen lassen, die als Ein- ! aber, später alles aufzuklären. Bei seiner Fest-1 "uschung in die russische Reformbewegung nähme schrie er laut: „ES lebe die Frei- We Ärie9$s oder Friedensfrage heit, allen werde Freiheit!" Der bei ihm as- Scheutet werden kann. — Dieses Dementi wird funbene Paß, ausgestellt auf den Namen eines ro°W niemand überraschen.

| Kleinbürgers aus Witebsk, erwies sich als . * Die Verhandlungen der Kommis- Fälschung. An dem Otte der Tat wurde nach- ft®tt fä® Me 7 Handelsverträge mit Ruß- träglich der Brillantring und die Zigarettentasche land, Oesterreich, Rumänien, Italien, Serbien, des Großfürsten gefunden; der Griff vom Wagen- Schweiz und Belgien haben daS Resultat er­schlage wurde 200 Schritte weit geschleudert. Die geben, daß zwar die letztgenannten 4 Verträge Explosion war so stark, daß zwei Kutscher auf mit ansehnlicher Mehrheit genehmigt wurden, die der Nikolskistraße vom Bocke geschleudert wurden. Verträge mit Rußland, Oesterreich und Rumä- Eme Volksmenge stürzte sich dort, wie schon ge- "len jedoch nur mit einer Mehrheit von 1 bis 2 I meldet, gleich nach der Katastrophe auf zwei Stimmen. DaS Zentrum stimmte zur Hälfte promenierende Studenten und mißbandelte sie gegen diese Verträge, doch ist der Grund der furchtbar, da anfangs der Mörder für einen Ablehnung weniger in den Verträgen selbst zu Studierenden gehalten wurde. Infolge der Miß- suchen, als vielmehr in Frachttariffragen. Handlungen haben die Studenten den Stodchcmpt-1sqScr 10 Jahren wurde anläßlich des russischen mann General Wolkow um Schutz gegen der- m'*‘ ” artige Ausschreitungen der Bevölkerung gebeten." Nachstehend eine Liste der von den russischen Revolutionären seit 25 Jahren ermordeten hohen Beamten und Fürstlichkeiten:

16. August 1878 General Mesenzew, Chef der geheimen Polizei. '

22 Febr. 1879 Fürst Krgpotkin, Polizeichef in Eharrow,

Ein bürgerliches Jahr.

Novelle von Car! Conie Ecapinelli.

10 ------(Nachdruck verboten.)

Al» Fritz zu mittag eilig sein Ess-n verschlang, und seiner Frau et freut erzählte, daß ihn Heller za einer F akerfahrt eisgeladen, da war diese mißmutig und meitt«:

„Der Hit Dich, glaube ich, eher als Brrgnü- gurgSrat engagiert, alr zur Arbeit. Der ist sroh, daß er mit einem Baron protzen kann!"

Fritz ärgerte diese Aeußerung; er platte und ar- beitete sich seit Monaten ab für diese Frau, wegen ihr uvd fie wollte dies nicht einmal anerkennen.

„Ich glaub', ich schind mich genug im Bureau, ich «bett doch ehrlich, Mchi — deinetwegen!"

„Mttnetwegen!" meinte fie pikiert. „O bitte, meinet» wegen brauchst Du keinen Arm zu bewegen, wenn Du nicht selbst fühlst, daß eS eine Schande wäre, müßig zu gehen wie früher, daun IcfT: am liebsten «De Arbeit st-her!"

Serge, lich verließ v. Loiben f. ine Wohnung; seine Iran wollte ihn eben in der letzten Z-tt nicht ver­stehen. Da» verletzte ihn tief.

Aber al» er mit Heller in den t ff men, mit Gummi­rädern arrSgestatteten Wagen stieg, vor dem ein paar Jraue S rimmel mit langen Schwärzen und maifizea I älsen standen, auf fctff u Bock ein modisch gekleideter, weirnoier, lustig dreiitteb-nbrr, fescher, echter Wiener Bker soß, da war olle» vergessen, 6a schlug s in |

i höher, der Fritz von anno dazvmtt erwachte in I , der Kavalier Fritz v Lo den.

Läff g drückte er sich in die liefe Eck> deS Wagen» Wr hi-, und da ein Wort mit H-ll'r, a,ttüatlt-ge» Wort wechselnd, und sah ans die L-utr, die am Troitoir dahiuMgen, und freute sich an diesen, en den Häusern ■

Bus dem Reichstag.

143. Sitzung nom 20. Februar 1904.

Eröffnung l1/» Uhr

Tagesordnung: Zweite Beratung der Handels« | Verträge.

schwieg, in G danken v-rtreft. Dir Worte Heller» über den Erwerb eines Vermögens ainaen ihm nicht a«S dem Kopse. Eine Art trotziger HoffaungSsreudig» leit zog in sein Inneres ein.

Warum sollte dieser Heller nicht recht haben, warum sollte er nicht, wenn er all feine Kräfte, all seine Nerven anipwnte, nicht auch da- zusammen- bringen, da» erreichen, vaS andere erreiche» ? Arbeits­eifer und Glück gehörten dazu, da» erste besaß er tat der letzten Zeit in auigiebtgem Maße.

Mn bürgerliches Jahr!" dieser Ausspruch, der am Sylvesteradend gefallen war, fi:l ihm wieder ein und machte ihn nachkenllich.

Ja, bis da'o war d eses Jahr für ihn ein bürget» l'ches Jahr gewesen — noch einige solche bjt-^rliche Jahre uab er konnte ein reicher Mann fehl!

Und plötzlich mußte er vor fich hinlachen — daß Heller aus seinem Halb'chlafe auffahr — wie er fich, etwas behäbig geworden, an der Seite seiner Fra» dadinsahren sah. Die Hände mit Brillanten besetzt, die Meerschaumspitze im Mund. Der „bürgerliche Wohlstand" dachte er.

E» wäre doch der beste Witz gewesen, den fich ja da» Leben, die EchicksalSgötti» leisten hätte ko nee, aus einem verkrachten Aristokraten tinen bürgerliche» Protzen zu machen.

Schon fuhren st: an den Weinbergen von Mauer vorüber, in denen die Weinbauern eben mit den Rebenranken teschäitigt waren, und bald trappten die Pferde durch da» Dorf Rodoun.

Bor dem Restaurant Stelzer standen Fiaker, Equi­pagen in Meng-, denn er war ein schöner Frühlings­tag, und viele Eltern waren zum Bruche ihrer tat nahen Konvikte Kalksburg lebenden Kinder heraus» gekommen und führten diese nun zu einem frugal« SXatl ins Ete/-:rschk Restaurant.

Sü tgirn -trt) u. s t Garten und ließe« sich ü iü. Flasche Wein kommen.

* Dir Beratung des Gesetzentwurfs gegen Aas Gtilllege» der Zeche» soll zurückgestellt werden, bis die Novelle betreffenb Besserstellung der Bergarbeiter eingetroffen ,st, was etwa bis Mitte der nächsten Woche erwartet wird. Dann werden beide Novellen zusammen beraten werden, aber nicht eher als der KultuSetat beendigt ist.

* Für Arbeiterwohlfahrt sind nach der vom Dresdener Bibliothekar Schmidt zusammen-

„Dozn fehlt uns die Veranlagung, die Erziehung!" „Ach, woher, veranlagt find alle Menschen gut, erzogen werden auch viele gut — und trotzdem wird auS den meisten nicht». Energie, ArbeitSgeist muß man haben, „die Zähne muß man zeigen". — Loiben, in Ihnen stecken so und so viele Talente, sogar — lachen Sie nicht — ich täusche mich nicht — sogar: GeschästStalent steckt in Ihnen. Durch Energie und Arbeit muß er gxhoben werden, dann fahren Sie auch, trotzdem fie eine arme, hübsche Dame geheiratet haben, in zehn Jahren mit dem U"numerierten!"

Loiben schwieg und schüttelte nur den Kopf.

„Sie wollen e» nicht glauben - das ist eben da» schlechte daran. Glauben, felsenfist glauben, bestimmt wissen must man eS, bann wirb man reich. Em Beispiel. Sie find jetzt bei Heller u. Co. auf ber Porzellanabteilung, ich hab' keine Zeit, um einen neuen Schlager auf diesem Gebiete auSjuarbeiten, ich muß an» GloS, an» Tuch, aus Papier denken, aber Sie, junger Freund, Sie haben fich b.S jetzt gut eincearbftht, jetzt heißt e» Spezialist werbens nach- benken, überlegen, fällt Jgnen waS gutes ein, bann sagen Sie es mir, bann machen wir eS — :.akü lich mit Gewinnanteil für Sie — ein schöner Prozentsatz ist wa» wert bei einem feinen Artikel — und so fort!" sagte er bann, listig lächelnd.

„Sehen Sie, so u»scheinbar diese moderne Hut­form da au»steht, die Sie, ber Pold! cm Bock, die bie Herren auf ber Straße und meine Wenigkeit tragen, bie hat ihrem Ei stader und Einsührer roch un btibsches Kapital getragen. Mit einem Wort, dar Geld liegt auf ber Straße — nur mit dem Fiaker barf man nicht darüber fahren, bevor man e» nicht aufgehoben hat. — Ein schöner Vergleich! Was?!"

Jetzt waren fie au8 dem Weichbild ber Stabt Wien bereu» nnb fuhren in rasendem Tempo av* ber breiten Landstraße dahin.

H-ller hatte zu reden aufgehört, und auch Fritz |