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JK 39
Fulda, Freitag, den 17. Februar 1905.
32. Jahrgang.
Am Nachmittag machie er mit seiner B aut bei dem Schriststellerehepaar Boy r Besuch. Sie wohnte» draußen In Währing, in einer jener neuen Zinskasernen, die aber doch praktisch und kom ortrbrt eingerichtet find.
Ter Zusoll wollte, daß im selben Hause eine nette, kleine Wohnung srei war, und Fr-tz ließ fich bald non seinem Freunde Boyer dazu bewegen, dieselbe zu mieten.
Zwar war diese von der inneren Stadt ziemlich weit entfeint, aber da er doch in derselben mit seinen bescheidenen Geldmitteln nickt hätte wohnen können, so rutsch oß er fich rasch, hier herauSzuz'ehen. Auch war ihm Bt,y:r» Rohe angenehm, so würoe er nicht ganz allein mit seiner Fra«, ohne tu der Umgebung Bekannte zu haben, in diesem reuen Hause vnd in dieser fremden Gegend wohnen.
Froh urb selig, ihrem Z ele wieder einen Schritt näher zu sein, verließ da» Brautprar dar Hau-, indem fie ihr neue- Heim auslchlogen wollten Und den ganzen langen Weg bis zur Wrgmüllergasse legten fie zu Fuß zurück in seligem Geplauder tm Ausbauen hübscher ZukunstSplä-e, in Gedanke» fich ih r Wohnung einrichtend.
V.
Schon ging der März zur Neige, in den bescheidenen Borgärten Währings sahen die grünen Sp tzeu der Gräser schon keck ars der braunschwarzen Erde hervor,- Fritz war bereits zwei Monate verheiratet.
Ja, j<r, solange war t% her; er konnte eS kaum soffen, all d.e Tage waren so gleichmäßig st ll und ra.ch Kahtngee lr, einer hatte dem anderen geglisen.
Früh morgen» anS dem Bette, den ft uff-e getrunken und dann rasch ,u Fuß in die Stadr hinein in» Bureou, dabei alle Tage aus der Straße dieselben Menschen, bi« ebenso hastig ihrem Zele znstrrbten U,v im Bureau — alle Morgen denselben gleich
gütigen und immer im selben Ton gesprochenen „Guten Morge»"-Grvß. Ein Rocken bei Stuhles, !>'nn saß er; ba lag schon die Arbeit für ihn aufge- bäast. Ohne mit jemandem ein Wort zu sprechen, machte er fich daran; e» waren meist gl-ichgiltige, leichte, Bureanarbeiten, wie fie ein junger Beamter j uge eilt erhält
D nn arbeitete er zwei bis drei Stunden bis zur konlor der Chef bet Firma, Herr Heller, in sein Zeit, bo hm; dar« kam Leben in die verschiedenen
l Ibteilungen, da kam und ging der Bureaudiener, bo würben Namen gerufen. “
Die Arbeit der Brav ten 'glich ber einer Maschine, deren Schwungrad zrerst fast geräuschlcS eine Zeit rahinsurrt, bis fie plötzlich die eigentlicke Arbeit mit lautem, tosendem Lärm, mit knirschender Kraftan» irengung verrichtet.
Da dauerte eS alle Tage nicht lange, bis kS hieß: „Herr Baron, sollen zum Herrn Kommerzienrat I>lnei"kcmm n 1"
DaS kannte er schon. Heller ließ Fritz nie aus dem Auge, gab ihm täglich irgend eire Spezialarbeit, die für ihn selbst bestimmt war. Er sfi-rie ihn so immer mehr in die Branche, in die Geheimnisse ein, er blldete fich diesen jungen Mann Heron, und freute ich, wie er unter seiner Leitung alle» spielend machen bnete. „ ,,, v .
„Bei Ihnen Baron, fiebt man halt gleich, daß Sie ein bi-cheu Unioerfilät studiert hoben; da haben die Leute gl-ich einen weiteren Blick, brauchen weniger So ztalkerntviffe als so «in Handelsschüler," pflegte lHeller za sagen.
Punkr 12 Uhr lies oder fuhr er nach Hause; da mußte da» Effen aus de» Tische stehen, wen» er kam, >mn er war abgearbeitet, hungrig und nervös, uno Frau Mitzi bekam oft ein böser Wort zu hören, wenn ie nicht pünktlich war.
Bei Trsch wurde wenig gesprochen; im Anfang hatte
Erstes Malt.
§ Die Novelle zum virggefttze scheint nach einer offiziösen Kundgebung noch ein Weilchen auf fich warten lassen zu wollen. Der .Vorwärts' ist aber so ungeduldig, daß er fich schon gewaltig über die Behandlung des Bergarbeiterschutzes im Landtage entrüstet, weil das Herrenhaus fich wieder bis Stifte März vertagt, Lis dahin fich also nicht mit der Novelle zu beschäftigen beabstchtigt. Diese Entrüstung ist künstliche Mache. Selbst wenn die Vorlage dem Slb- geordnetenhause in den nächstem Tagen zuginge, würde fie vor Mitte März doch schwerlich von ihm erledigt werden. Denn sicher geht sie nach der ersten Lesung zunächst en eine Kommission, die auch nicht von heute auf morgen damit fertig wird. Die zweite und dritte Lesung im Plenum werden gleichfalls einige Zeit beanspruchen. An eine glatte Erledigung der Vorlage, sodaß alle drei Lesungen in zwei oder drei Sitzungen an« genommen werden konnten, ist parmcht zu denken.
Mr wünschen, daß die Novelle bald Gesetzeskraft erlange, aber so eilt die Sache doch nicht, daß es auf eine oder zwei Wochen ankäme, wir finden sogar unter den obwaltenden Umständen eine Ueberstürzung für ganz ledrnk lich. Man muß nicht außer Acht lassen, daß der Zusammenhang der Novelle mit dem Bergarbeiterausstand ihr von vornherein eine Gegnerschaft ber-itet Hot, die sonst wohl nicht in dem Umfange und mit der Schärfe aufgetreten wäre. Im Interesse der Arbeiter ist es vielleicht ganz angemessen, wenn man den mit ihnen unzufriedenen Parteien ein wenig Zeit läßt, fich n ü den Forderungen der Novelle abzufinden und das Unbehagen über den Ausstand zu überwinden. Bon diesem Bestreben ist offenbar die offiziöse Auslassung diktiert, die ankündigt, daß die Novelle „noch kurze Zeit auf fich warten laffen wird". Es handele fich, heißt es da, nicht um eine improvisierte Gelegenhü s- und Not Maß- regel, sondern um Bestimmungen, für die schon seit längerer Zeit Vorarbeiten im Gange waren, deren Ab,ch!uß allerdings durch die jüngsten Ereigniffe beschleunigt worden sei. Maßgebend für die Behandlung sei, daß man vor allem dauernd befriedigende Ordnung im Kohlenberg, bau herbeiführen wolle.
Das läßt sich sehr wohl hören und wird hoffentlich auf die Konservativen beruhigend wirken. Hoffentlich läßt sich ober auch die Regierung durch die bisherige Haltung der Konservalioen nicht ru Abschwächungen ihrer Pläne bewegen, Tie A-bttter fordern bekanntlich noch mehr, als in derNovelle nach dm bisherigen Verlautbarungen enthalten sein sollte. Wenn nun gar noch weniger darin erithalten wäre, so wüide fie schwerlich „eine dauernd befriedigende Ordnung im Kohlen- bergban herbeiführen". Man darf nickt onbe- achtet laffen, daß die A beiter mißtrauisch find oder doch die sozialdemokratische Agitition Miß träum unter ihnen zu verbreiten sucht. Die Regierung hat mit Erfolg an ihr Vertrauen
Lin bürgerliches Jahr.
Novelle von Earl Conte Scapinelli.
I ------(Nachdruck verboten.)
Da»» war er verabschiedet. Frohen Mute- eilte Fritz gleich in das Bureau dkS Herr» Achrer im Justizpalast und teilte diesem hocherirent mit, baß er eine Stelle bekommen dabe.
„Na, ja, ist ja gut, wirklich arbeiten müssen'- aber letzt auch!" meinte blefer gleichgiltig, und als Fritz auf be Hochzeit zu sprechen kam, würbe er gleich ärgerlich, ober schließlich sagte er:
„Alio in Gotte- Namen, wenn Sie e- schon nimmer »warte» können, ins Sl-nb zu springen, bann tun Sie eS »och in blefem Monat, bie Papiere finb fertig, ehr könnt also in zwei viS bret Wochen heirate»!"
Erfreut schüttelte Fritz dem alten Achrer b-e Hand, aber biefet brummte nur etwa- in ben Bart und gab «asn vor, arbeiten zu müssen, so baß Fritz wieder das ArbettSz-mmer verließ.
Diesmal machte er fich nichts aus dem Gebrumm des Alten, bie Hauptsache war, er hatte eine Stellusg, et lernte Mitzi in vierzehn Tagen al» seine Frau heimsühren.
»J'tzt kommt- nur mehr auf mich au," saate er »ch U id bie besten Vorsätze für seine neue Tätig bit und für seine balbtge Ehe schwirrten ihm durch den Kopf.
U d bann war ihm so freudig zu Mute, baß er
je »em sage» woll e, daß er nun ein anderes Leben beginnen würbe, beginn-n könnte.
Er ging zu Graf Lichtenegg, daun zu seiner Braut, »mb schließlich aß er in feinem Stammrepauram zu Mittag, um seinen Freunden die freudige Botschaft zu bnnge*.
appelliert und darf sie nicht enttäuschen. Darum war es unseres Erachtens z. B. ein Fehler, gegen den Kurator der Universität Bonn, v. Rotten- bürg, ein Disziplinarverfahren einzuietten, weil er einen Aufruf zu Sammlungen für die Bergarbeiter unterzeichnet bat. Für die Sozialdemokraten ist das ein willkommener Fund. Welche Freude würden fie erst haben, wenn die bereits im voraus ton ihnen verdächtigte Novelle zum Berggesetze noch weniger enthielte, als ange« kündigt war!
Um ihren Segeln keinen Wind gug «treiben, muß man auch darauf bedacht sein, die Einbringung der Novelle nicht länger hinaus; »schieben, als der Sache wegen nötig ist. Der .Vorwärts' tobt, wie gesagt, schon, weil das Herrenhaus erst Mitte März wieder zusammen treten will. Er geht gleich aufs Ganze und fordert die Arbeiter auf, „ diese hochmütige Sippschaft aus dem Tempel zu jagen". „Heluiter von Euren angernaßren Herrensitz m, fort mit dem Klaffenparlament, fort mit der ganz-n Klassenherrschaft, so werden wir den Bergarbeitern und der ganzen Arbeiterklasse in die Ohren schreien, jetzt und alle Tage." Wenn Graf Mitbach befürchtet, die Einbringung der Novelle könne den Einfluß der Sozialdemokraten stärken, so ist diese G.fahr noch viel größer, wenn die Novelle unnötig verschleppt orer verschlechtert oder gar abgelehnt wird. Gewiß, die „Her en" von ihren „angewaßten Herreu fitzen" herunterzurkißen, wird den Sozialdemokraten ja so leicht nicht gelingen. Da Hot Graf Mirbach nichts za fürchten. Aber die Arbeiter zu verhetze» und für die Umsturzbestredungen einzufangen wird ihnen um so leichter gelingen. Man hüte fich, das Vertrauen der Arbeiter zu verscherzen; cs ginge ein hohes Gut verloren.
Deutfdies Reich,
Berlin, ben 16. Februar 1905.
** Kaiser hat dem französischen Admiral Coligny im Lustgarten ein Denkmal errichtet, das heute enthüllt worden ist Der Kaiser zählt Coligny zr seinen Ahnen: Coligny t Enkelin Luise Henriette von Oranten war bie Gemahlin des Großen Kurfürsten. Coligny fiel in der Bartholomäusnacht. Bei der Enthüllung des Denkmals Lhsrreichtr he? Kaiser dem Grafen Gorktz-Schlitz den Schwarzen Adterorden. Die Mitglieder der französischen Kolonie, die der Feier beiwohnten, wurden neben andern Persönlichkeiten vom Kaiser und ron der Kaiserin ins G spräch gezogen.
* Pr inz Friedrich Leopold wird fich der .Nut. Ztz.' zufolge zunächst nach Zarskoje S s e l o begeben. Andererseits roh d aus Bremerhaven berichtet, der Prinz werde die Ausreise nach dem ostafiat schon Kneas chauvlatze nickt über Land antreten, sondern sich auf dem Reichspostdampser „Prinz Eitel Friedrich" des Norddeutschen Llcyr in Genua emschffen, der Genua am 1. März verläßt. — Daß der Prinz sich auf diesem W.'ge direkt nach dem russischen Havp'qaartier begeben sollte, erscheint ausgeschlossen». Vielmehr handel! es sich wohl, meint
die,Nat. Ztg.' um eine größere Auslandsreise, als deren Ziel kaum der Kriegsschauplatz ange* sehen werden darf.
* Zu de» B»rgü«ge» i» Deutsch-Eüd- westufrika bemerkt bte .Nordd. Allgem. Ztg.': „Die Aktion des Majors v. MühlenfelS gegen die Herero, von welcher das gestern eingelaufene Telegramm berichtet, spielte sich in dem Gebiet östlich von der Linie Epukiro-GobabiS ab und zeigt, daß unsere Truppen hier bereits bis an die östliche Grenze des Schutzgebietes angerückt find. Es ist aus der Meldung des Generals v. Trolha vom 12. Januar erinnerlich, daß Wilhelm Maharero mit Traugott, dem Sohn des, wie es heißt, im Sandfelde zu Grunde oegangenen Oromdandj-ruhäuptlings Tetjo, im N rden von Epukiro, bei Owbakaha am Sti-rmseid-Omeramba stand. Ein Rest bewaffneter Okahandsa Leute befand sich bei ihm. Gr hatte damals seine Unterwerfung angezeigt und rückle bereits den Sturmfeld-Omeramva aufwärts, um diese zu voll ziehen. Gr hat diese Absicht nicht zur Tat gemacht, sondern ist, wie die neue Meldung ergibt, in das südöstlich von Epukiro gelegene Gebiet gezogen. Dorthin ist ihm Major von Mühlen- fers mit den Abteilungen von Estorff und von der H-y)e, von denen Mitte Januar die erste nördlich von Tturmfeld-Omaramba, dir letzte aber am untern Teil dieses Flußbettes beschäftigt war, am 31. Januar von Epukiro aus nachgezogen. Der Wafferplatz, bei dem die beiden Häuptlinge gewesen waren, ist wohl zwischen den beiden Qnellatmen des Komdanda-FluffeS zu suchen. Dort war es wohl, wo sich ZachsriaS Zerana von Otjosasu (also ein Namensvetter des Häuptlings von Otjimbingue, der sich in Oroinana- Nana unterworfen hat) mit einigen Kriegern ergab. Auch der den nach Südoste» flüchtenden Herero nachgeschickten Abteilung gelang eS nicht, diese zu fassen; die Herero waren vielmehr einer Abteilung unserer Truppen, die unter Leutnant Eymae! von Süden her, von Oas vorgegangen war, in die Hände gelaufen. Oas liegt südöstlich von Gababis an der Quelle des Chipman»- flirffes, der in nordöstlicher Richtung aus unserem Schutzgebi t herausfließt, das er eine kleine Srrecke unterhalb der Wafferstelle Dabis verläßt. Leutnant Eymael hatte 20 Kilometer nördlich von Dabis mehrere Hererokärnpse, wo sich auch die von Major von Mühlenfels Flüchtenden befanden, überfallen und hat, wie es scheint, den Feinden eine schwere Niederlage bereitet, da nicht wrniger als 62 Herero fielen. Traugott und Wilhrlm sind wohl .entkommen, da es heißt, man wisse nicht, ob sie die Grenze überschritten haben. Major von der Heyde hat fich von der Wasserstelle, an der man Wilhelm Mahaero gesucht hatte, westlich nach Okatjon, am Wege zwischen Gobabis und Epukiro, gewandt, um von dort auS im Verein mit Hauptmann v. Horn- bardt gegen die nördlich von Dabis hart ander Grenze unseres Schutzgebietes gelegene Wafferstelle Korikas vorzugehen, während Major von Estorff weiter nördlich, also wohl beim Korn- bonde-Fluß, die Gremgegend säubern soll."
* Das Abgeordvetevharrs wird nächste Woche, vielleicht schon am Montag, mit der Beratung des Kultus et als beginnen.
* Brest«», 16. Fedr. 1905. Die ,«chles. Zeitung' meldet: Im Ratiborer Berg- revier find fast Überall die Belegschaften gestern und heute vollständig eingefahren. Nur dir Reden- und Emmagrube stehen noch still. Seitdem die Belegschaftsabordnungen durch die Bergverwaltung nicht empfangen wurden, vielmehr eine große Zahl der Bergleute die Abkehr erhielt, scheint unter den Ausständigen eine Wandlung ein getreten zu fein, da viele zurück- kehren und um Wiederanlegung bitten.
* Koburg, 16 Frbr. 1905. Herzog Karl Eduard von Sachfen-Koburg und Gotha hat sich gestern abend mit Prinzessin Viktoria Adelheid, ältesten Tochter des Herzogs Friedrich Ferdinand zu ^Schleswig - Holstern»Sonderburg - Glücksburg verlobt. Die Braut ist eine Nichte des Kasse?s.
* Lauda» (Pfalz), ’6. Febr. 1905. Von den in Behandlung befindliche» 38 TyghuS- kranken des 18. Infanterie-Regime nlS, wo ron der letzte am 29, Januar zu ging, ist am 14. gebt, wieder einer an hinzugetretener Lungenentzündung gestorben. Dreizehn Mann find noch schwer- krank, vier wegen Typhusverdachts noch unter Kontrolle.
* Stuttgart, 16. Febr. 1905. In bet heutigen Gemeinderatssitzung wurde nach längerer Erörterung auf Antrag des sozialistischen G»meinderatmitgliebes Kloß beschlossen, der notleidenden Bergarbeiterschaft des Ruhrgebietes eine Unterstützung von 5000 Mark städtifcherfiits zu btroiHigen. Für den Antrag stimmten 14 und gegen denselben 6 Mitglieder.
* Fürth, 16. Febr. 1905. Der Magistrat hat den sozialdemokratischen Antrag, 2000 Mk. für die ausständige» Bergarbeiter irn Ruhrgebiet zu bewilligen, mit olle» gegen 5 Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt.
Bus dem Landtag.
«bgeorbneteuhmtS.
141. Sitzung vor» 16, Februar 1905.
Eröffnung ll1/« Uhr.
D-e Beratung des Etat de? Ministeriums des Innern wirb fortgesetzt mit ber Einzelbesprechung.
Nach einer kurzen Erörterung des Kapitels Stan- desämter lenkt beim Punkte Regierungsblätter .
«bg. Bus» (3) die Aufmerksamkeit be? Ministers darauf, daß hsrfich lich der Vergebung bet öffentlich« Anzeigen an die Zeitungen keine Parität obwaltet.
Beim Kapitel Landratkämter nahm den größte» Teil der Berhar-Hlungen die Polemik über die Vorzüge und Mißstände bei bett studentischen Korps in Anspruch.
Abg. v. Brandenstein, der frühere RegteruvgS- präfiSent von Brandenstein, feierte in überschwenglicher Werse daS »ausgezeichnete Erziehungtsystem' der KorpS. Er machte die Mitteilung, daß im Vergleiche zu der allgemeinen Studenten,ahl die Korpsstudenten 5 Proz. ankmachen, daß fie aber zu den höheren VerwallungS beamtenstellen das vier- bis sechsfache dieses Prozentsätze- stelle. Daß di fr Tatsache die Folge von Kon- nexione» sei, bestritt er auf da- entschiedeudste.
Abg. Herold (Z.) blieb dabei, daß die Mensur« strafbar fin», dankte dem Vorredner für die von ihm gegebene Statistik, die deutlicher alS alles andere beweise, daß di« Korpsstudenten einen Einfluß in der Verwaltung besitzen. daS in keinem Verhältnis steht zu ihrem Prozentsatz unter der studierenden Jugend.
Auch Abg. Dr. Wiemcr wandte sich gegen die LobeShymnen des Adgeodneten von Brandenstein.
Mitzi allen möglichen Hau-klmsch ihrem Mann zu erzählen gewußt, aber daS halte ihn ärgerlich gemacht, er wollt: bei Tisch feine Ruhe haben. Und wenn fie ihn nach seiner Bureautätigkeit au-fragte, ba wurde er auch nervös, denn er wollte beim Essen, wie er sagte, nicht daran «innert sein. Aber in Wrh heil war er in Gedanke» während de- Mittag-ssrn- doch bei seinen Geschäften. Er ging auch gar nicht ander-. Den ganze» Vormittag war er damit beschäftigt, der Nachmittag von 3 bis 6 Uhr galt auch bet Bureauarbeit — lein Wunder, daß er in ber Zwischenzeit daran denken wußte. Wenn er nach Tisch einen Augenblick einschluwmerte, bann träumte er auch bavon.
Freillch hatte fie sich ba- anders vorgestellt, viel harmloser, heiterer dachte fie fick ihr Zusammenlebm. Aber dennoch begr ff und schätzte fi- ihren Mann. Sei» Berus wurde ihm eben nicht leicht, er war gewöhnt, alle- mehr zum B«g»ügen, zum Zeitvertreib zu tun, nun wußte er arbeiten.
Und wie ost bei ben schwächsten Menschen durch einen vorgefaßten Entschluß der Mut und die Tatkraft seltsam gestählt wird, so auch bei Fritz.
So und fo lang hatte er gebummelt, war tändelnd müßig gegangen, j tzt wollte er, ba er verheiratet war, ba brr Ernst des Leben- an ihn herantrat, arbeiten.
Kein Wunder, daß ih» darum bie Arbeit ganz in Beschlag nahm.
Dan fich bie beiden junge» Mensche» nicht fremd wurden, dafür sorgten bte Abenbe; wenn er um ll»7 Uhr abend- sein Heim betrat, da war er wie au6« gewechselt, gesprächig, heiter, da inte-esfi-rte er sich fit rlles, selbst für die leb ft en HauSfianensorgen nstr Frau Und gar wenn fie ihn »achmittagS vom Bureau» abholte und fie langt am durch die Borstadthauptstraße nach Hause bummelten, Einkäufe besorgte», la taute er vollend- auf.
Nur in der inneren Stadt wollte er nicht gerne spaziere» gehen. Er gestand e- sich selber kaum, daß